Thomas Ahbe
05.12.2012 | 08:30 60

Von oben geplündert

Kapitalismus Euro-Krise? Hier geht es doch um viel mehr: Die Auszehrung von Staat und Gesellschaft muss gestoppt werden

Von oben geplündert

Aus der Sozialen Marktwirtschaft ist ein Klepto-Kapitalismus geworden. Die Bevölkerung trägt die Hauptlast

Illustration: Otto für Der Freitag

Wer in einer Demokratie die Macht verteidigen oder erringen will, muss die Begriffe besetzen, mit denen die Regierten ihre eigene Situation deuten. Was eigentlich Gegenstand von Interessenkonflikten ist, muss als naturgegeben und einzig plausible Interpretation erscheinen. Selten ist das Regierenden so gut gelungen wie in der sogenannten Euro-Krise.

Nie seit dem ersten Drittel des letzten Jahrhunderts steckte der europäische Kapitalismus so tief in der Krise wie jetzt. Und das nicht wegen externer Faktoren, etwa, weil ein Rohstoff knapp wurde oder das Klima aus der Balance geriet, sondern weil einige Akteure die Systemregeln des Kapitalismus besonders erfolgreich umgesetzt hatten. Womit wir heute konfrontiert sind, ist nichts anderes als die erwartbare Auszehrungskrise des Staates, eine Umverteilungskrise von unten nach oben, also eine Privatisierungskrise.

Doch statt über eine Systemkrise spricht man über eine „Euro-Krise“. Das Regierungshandeln wird als „Euro-Rettung“ und „Schuldenabbau“ bezeichnet. Diese Formulierungen sind, wie die meisten in der Sprache der Politik, selbstlegitimierend: Was kann schon schlecht daran sein, etwas Gutes zu retten und etwas Bedrückendes abzubauen? Die Formel von der „Euro-Rettung“ garantiert breite Zustimmung, weil sie das zu bewahren verspricht, was der Bevölkerung ebenso vertraut wie wichtig ist: Die Existenz und Zukunftschancen der Familien oder die Partizipationsmöglichkeiten der Alten. All das bemisst sich in Euro.

Auf Kosten der Allgemeinheit

Somit scheint das Projekt „Euro-Rettung“ auf die Bedürfnisse und Ängste der Bevölkerung zu reagieren und damit eine gute Politik zu sein. Doch bislang wurde bei der „Euro-Rettung“ weniger das Geld derer gerettet, die zum Lebenserhalt ohnehin immer alles ausgeben müssen und wenig zurücklegen können. Es ging vor allem um die Einsätze der Anleger. Neben Lebensversicherungen und Pensionsfonds, die auch den kleinen Leuten zugutekommen sollen, sind das vor allem jene Akteure, die mit großen, stetig wachsenden Kapitalerträgen der jeweils weltbesten Renditeaussicht hinterherjagen. Ihr Geld ist wegen einer reichenfreundlichen Steuerpolitik und wegen geringerer Renditen in der Realwirtschaft für das globale Kasino des Finanzsektors freigestellt. Die „Euro-Rettung“ war bislang vor allem Anleger- und Banken-Rettung durch die Allgemeinheit.

Mit der Formel vom „Schuldenabbau“ suggerieren Politik und viele Medien einen Politikwechsel, wo doch nur die alte Politik der Umverteilung von unten nach oben fortgesetzt wird. Wer verschuldet ist, so heißt es, hat zuvor zu viel Geld ausgegeben, wahrscheinlich zu gut gelebt. Gespart wird nun jedoch vor allem da, wo es die breite, aber politisch wenig einflussreiche Masse trifft. Für die Preziosen der Hochkultur und die dort gezahlten Gagen findet sich immer wieder eine kleine, aber starke Lobby. Bei der Abwehr der Orchester- und Ensemble-Fusionen in Baden, Thüringen und vielen anderen Regionen Deutschlands ist das nicht der Fall. Während die Privathochschulen und -universitäten funktionieren, sind im öffentlichen Hochschulwesen die schlecht betreuten Studierenden und die Lehrkräfte auf ihren halben und befristeten Stellen gleichermaßen bemitleidenswert. Man spart an Schwimmbädern, Leihbibliotheken und Sozialleistungen – und erweckt den Eindruck, als wäre gerade hier das Geld versickert.

Doch stattdessen ist der verschuldete Staat von oben ausgeplündert worden. In den letzten beiden Dekaden kann man der Politik fortgesetzte Untreue gegenüber den Staatsfinanzen vorwerfen: Die Vermögenssteuer wurde nicht mehr erhoben und der Spitzensteuersatz seit 2000 viermal gesenkt. Die Elite in Wirtschaft, Gesellschaft, im Öffentlichen Dienst und in der Politik lässt sich ihr Leben von der Bevölkerungsmehrheit finanzieren. Das kann man täglich auf den Straßen sehen, wenn die infolge des Dienstwagenprivilegs von der Allgemeinheit geförderten Premium-Karossen vorbeirollen. Und das kann man in den Medien erfahren, die hin und wieder skandalisieren, wie ausgeklügelte und legale „Gestaltungsmodelle“ die Steuerpflicht von Firmen auf null drücken. Das Ergebnis dieser Umverteilung präsentiert der aktuelle Armuts- und Reichtums-Bericht: Während das Vermögen des obersten Reichtumszehntels beständig wächst, schwindet das Nettovermögen des Staates. Aus der Sozialen Marktwirtschaft ist ein Klepto-Kapitalismus geworden. Von „einer sich verfestigenden Transfer-Mentalität“ spricht man jedoch nur mit Blick auf die unteren Schichten. Denen will man einreden, sie würden Ungebührliches verlangen und müssten die Anstrengungen der Politik beim Schuldenabbau „mittragen“. Tatsächlich trägt die einfache Bevölkerung die Hauptlast der Sparanstrengungen beim Bund, den Länder und Kommunen – nämlich überall dort wo „Freisetzungen“ oder die „Verschlankung“ der öffentlichen Infrastruktur vorgenommen werden. So werden die seit zehn Jahren geltenden Agenda-2010-Ideologeme von der „Aktivierung“ und „Flexibilisierung“ mit der nächsten Stufe der Ausplünderung der abhängig Beschäftigten – der „gemeinsamen Sparanstrengung“ – verknüpft.

Das lästige „Unproduktive“

Diese Umverteilung von unten nach oben legitimiert ein bizarr wirkendes Gerede über „die Leistungsträger“, welche angeblich den „Unproduktiven“ die Existenz sichern. Als Quelle des Reichtums gilt nicht mehr die Aneignung des von den Lohnabhängigen erwirtschafteten Mehrwerts oder eben die Positionierung am oberen Ende der Beamtenbesoldungsleiter, sondern die persönlichen Vorzüge, die Individualität der Reichen. Diese geradezu mythisierte „Leistung“ der „Edlen“ rechtfertigt dann auch, dass Vorstände das dreihundertfache eines durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens ihres Unternehmens „verdienen“.

Peter Sloterdijk sprach im Sommer 2009 dieser Elite vollkommen aus dem Herzen, indem er die „Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven“ diagnostizierte. „Gut die Hälfte jeder Population moderner Nationen“, erklärte der Philosoph, bestehe „aus Beziehern von Null-Einkommen oder niederen Einkünften, die von Abgaben befreit“ seien. Deshalb hingen diese in ihrer Existenz von den „Leistungen der steueraktiven Hälfte“ ab, die Letztere über „Zwangssteuern“ abzusichern hätten.

Diese Deutung illustriert, dass der „Staatsschuldenkrise“ nicht nur eine anhaltende Auslaugung der Staatsfinanzen, sondern auch eine Auszehrung im Gesellschaftsbild vorausging. Es gilt nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit, dass wirtschaftlicher Erfolg und Wohlstand Einzelner immer Ressourcen voraussetzt, die die Allgemeinheit stellt – ausgebildetes Personal, Infrastruktur, Rechtsstaat, Kultur. Ohne diese Einsicht wirken Staat und Bevölkerung, Steuern und „Unproduktive“ dann nur als lästige Kosten, als Zahlungen, die man sowohl praktisch zu umgehen wie auch symbolisch zu diskreditieren sucht. Doch ab einem gewissen Maß an Selbsttäuschung über die eigenen Reproduktionsbedingungen fahren Gesellschaften vor die Wand.

Plünderung des Gemeinwesens

Der Export-Europameister Deutschland, das Land, in dem seit über einer Dekade die Reallöhne nicht gestiegen und in den unteren Einkommensschichten gesunken sind, preist seine Agenda 2010 nun auch jenseits der Alpen als Therapie an. Während die deutschen Medien über die Mentalität der Spanier, Italiener und Griechen und die Eigenarten der nationalen Volkswirtschaften diskutieren, blenden sie die transnationalen Konstanten des kapitalistischen Prinzips aus: dass im globalen Wettbewerb die Gewinne nämlich dann steigen, wenn man die Bevölkerungen einer großen – von allen angeblich die gleichen Opfer fordernden – „Sparanstrengung“ unterwerfen kann. Die andere Konstante zeigt sich im Verhältnis der Reichen und der Eliten zum Gemeinwesen. Ausmaß und Praktiken der Korruption, der Steuerhinterziehung oder -flucht mögen sich in Europa unterscheiden, aber die Tendenz, das Gemeinwesen auszuplündern und von der einfachen Bevölkerung finanzieren zu lassen, ist überall zu erkennen.

Deswegen müssen neue Begriffe für die Beschreibung der Krise prominent gemacht werden. Es muss diskutiert werden, inwieweit die „Staatsschuldenkrise“ eine Umverteilungskrise und Privatisierungskrise ist – und dass nicht nur der Euro, sondern die Grundmauern der „Sozialen Marktwirtschaft“ gerettet werden müssen. Auch die Gefahrenquellen sollten präziser beschrieben werden. Denn die Floskel von den plötzlich „unruhig gewordenen Märkten“ ist beschönigend. Sie klingt nach einer an sich friedlichen Rinderherde, die erschreckt wurde, und in ihrer Panik für die Europäer zur Gefahr geworden ist. Stattdessen haben es die europäischen Gesellschaften mit Finanzakteuren zu tun, die effizient auf die Jagd gehen, dabei weitere Teile der öffentlichen Infrastruktur privatisieren und die Staaten auszehren werden.

Deswegen sollte diskutiert werden, was die größere Gefahr ist: Nicht die „Überregulierung der (Finanz-)Wirtschaft“ – wie eine der wichtigsten sich selbst bestätigenden Tautologie-Formeln lautet –, sondern die Enteignung der Bevölkerung durch Inflation oder den Kollaps von Staaten.

Kommentare (60)

Hans Springstein 05.12.2012 | 09:27

Den Beitrag finde ich gut. Als Ergänzung verweise ich auf ein "Fundstück", auf das ich im Juli aufmerksam gemacht habe: "

In dem Strategiepapier des Bundesfinanzministeriums unter Theo Waigel (CSU) mit dem Titel »Finanzpolitik 2000« gab der damalige Minister als Ziel aus, »mehr Freiraum für die private Wirtschaft« zu schaffen. Dafür müssten die Staatsausgaben gekürzt werden, weil der angeblich ausufernde »Wohlfahrts- und Steuerstaat« die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gefährde. Der »staatliche Zugriff auf die gesamtwirtschaftliche Leistung« müsse »zurückgeführt« werden. Wachstum sei nur möglich durch »Selbstbeschränkung des Staates«, der soziale und andere öffentliche Leistungen kürzen müsse. Die Beiträge zu den Sozialversicherungen wurden mit der Behauptung diffamiert, sie hemmten die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Auf Seite 43 dieses Papiers ist zu lesen, dass Sparmaßnahmen »politisch noch am leichtesten in einer Phase der wirtschaftlichen Bedrohung durchzusetzen« seien." Die herrschende Politik hat längst die Rolle der Jagdknechte bei der Treibjagd eingenommen, die das scheue Tier in die Enge treiben, damit es besser erlegt werden kann von den Jägern, die nur aus Ehrgeiz Trophäen sammeln.

shoegazer15 05.12.2012 | 13:39

Endlich einmal wird die Krise als das beschrieben, was sie wirklich ist. Die Art und Weise der medialen Auseinandersetzung mit der Krise in den letzten vier Jahren ist geradezu ein Musterbeispiel für den totalisierenden Charakter von Sprache. Die Diskussion wird dabei von den Herrschenden mit wohlbedachten Formulierungen und Begriffen geführt, welche die Medien willfährig aufnhemen und in ihre Berichtserstattung integrieren. Der Impuls zur Kritik der eingeleiteten Maßnahmen verdrängt dabei im beabsichtigten Sinne fast jede Reflexion über die Kritik-Strategie und das notwendige Nachdenken darüber, auf was die Kritik im Kern eigentlich abzielen müsste.

Ein wenig öffentliche Dekonstruktion hätte dieser "was-auch-immer-" Krise schon von Anfang an gut getan.
Vielen Dank Herr Ahbe für diesen cleveren Artikel und dem damit verbundenen Beitrag dazu.

Nikkiwunderkind 05.12.2012 | 16:37

Gratulation zu Ihrem gelungenen Artikel. Chapo-, die gegenwärtigen Misere kompakt beschrieben.

Bin ganz gespannt auf eine Fortsetzung. Vielleicht mit einem Titel, der Lösungsmöglichkeiten beschreibt.  Zurzeit sehe ich vor allem eine Ohnmacht diesem sozialdarwinistischen System etwas entgegen zu setzen. Selbst die Occupy Bewegung erscheint nur als Ventil ganz im Sinne der Theorie von Jean Baudrillard, dass Krisen und Revolten nur Lokal stattfinden und keine nennenswerten Auswirkungen auf das Gesamtsystem haben. Sogar sich als nützliche Sollbruchstellen erweisen. Die Politik verwaltet den Mangel, anstatt gestaltend einzugreifen. 

mcmac 05.12.2012 | 18:42

*off topic*

I.

Grafik/Bild/Foto in Firefox mit RECHTER Maustaste anklicken.

Mit LINKER Maustaste "Grafik-Info anzeigen" klicken. Dort findet man die Skalierung (hier konkret 800 x 800 px) sowohl als auch die Grafik-Adresse (hier konkret http://img221.imageshack.us/img221/2492/75967495893277097764332.png).

Die Breite (width) von Grafiken (und Videoframes ebenfalls!) sollte beim Freitag 380 px nicht übersteigen, da der Rest sonst verschwindet. Im Verhältnis also ändern (Bsp.: 760 x 400 => 380 x 200 oder, hier konkret: 800 x 800 => 380 x380).

II.

<p><img src="http://img221.imageshack.us/img221/2492/75967495893277097764332.png" width="800" height="800" alt="Titel der Grafik"></p>

<p><img src="http://img221.imageshack.us/img221/2492/75967495893277097764332.png" width="380" height="380" alt="Titel der Grafik"></p>

2 x HTML-Code für "Grafiken einbinden".

Oben die Skalierung des Originals (800 x 800 px).

Unten die für das FC-Kommentarfenster angepasste (380 x 380 px).

III.

Unteren Code eingefügt über Kommentarfensterschaltfläche "HTML".

"Aktualisieren" klicken.

Nach Bedarf Text hinzufügen.

"Kommentar beantworten" klicken.

lg

Oberham 05.12.2012 | 19:02

Die Mehrheit der Menschen wird nicht durch Inflation enteignet, die Mehrheit der Menschen wird um ihr freies, selbstbestimmtes Leben betrogen, gestern,heute und auch morgen.

Das früher die Henker kraft Geburt vollstreckten, sie heute aus der Menge heraus von uns selbst bestimmt werden, macht die Hinrichtung nicht angenehmer.

Im Übrigen bin ich der Meinung, alle Parteien sollten enteignet und die Politiker in Beschäftigungsmaßnahmen überführt werden.

Politik wird zu einem Ehrenamt, die Aufwandsentschädigung beträgt die Höhe eines Lehrergehalts, Nebenbeschäftigungen sind nicht gestattet und sämtliche Versorgungsprivilegien darüber hinaus entfallen, bis auf ÖPV und ÖPNV 2. Klasse im Bundesgebiet - der ist frei.

Zuwendungen sind ebenfalls verboten!

Direktkanditaten ohne Parteibindung wären wohl das Er

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Beitrag der im Anzug daherkommt. 

Dazu kann ich nur sagen, wir werden von Verbrechern regiert, da wir   

mehrheitlich Verbrecher sind.

Die Gier mit der sich die absolute Oberschicht derzeit vollsaugt, scheint mir mit jener vergleichbar, die ein Süchtiger im letzten Stadium seiner Sucht entwickelt - trotzdem - ändern wird sich nichts, sollte die derzeitige Schmarotzerkaste tatsächlich von einem Sturm der Entrüstung hinweggefegt werden.

Ändern könnten wir nur etwas, wenn wir sie einfach links liegen lassen und uns unserer eigenen Kräfte besinnen - ein anderes Leben lebten.

Kein Mensch braucht einen Staat, kein Mensch braucht Führung.

Menschen brauchen nur Mitmenschlichkeit und das bedeutet gegenseitige Rücksichtnahme und Zuversicht ohne Haß, Neid und Zorn.

 

Nutzt die Freiheit die wir hier in Europa -noch- haben, legt eure Lohnarbeit nieder und lebt ein freies Leben miteinander nicht gegeneinander.

Hört auf Euch gegenseitig zu betrügen, nehmt zur Kenntnis, dass die Verbrecher in den Konzernen und Regierungen euch als Konsumenten wie Nutzvieh halten und das Futter welches sie euch in die Tröge kippen aus dem Elend von Milliarden Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern gesogen wird.

Nun, es scheint dort werden Futtermittel langsam in Massen selbst zu Konsumtieren, sprich - das Futter wird knapp, wobei gleichzeitig das Nutzkonsumvieh sich vermehrt - logische Folge - unter dem Konsumentennutzvieh beginnt der Kampf - der globale Kampf - werde ich ein Futtermittel - oder ein konsumierendes Nutzvieh!

Über allem thronen die Barone, sie fressen das Fleisch unserer Lebenszeit.

Wer unglücklich ist, der wird es bleiben, wer jetzt nicht kapiert, dass er vom Leid der Welt saugt, mag es nicht kapieren, wird weiter saugen und alsbald  erfahren wo er enden wird.

 

 

 

Aussie42 05.12.2012 | 23:58

Ich kann den anderen Kommentaren nur zustimmen. Prima Analyse.

Vor allem finde ich gut, dass die bheifaelligen Reaktionen der Bevoelkerung auf die "Krise" nicht nur mit "Verblendung" o.ae. erklaert werden, sondern mit der bewussten Verwendung von stereotypem Alltagswissen als "Erklaerung" von InteressenPolitik.  (Die Rolle der Medien kommt im Artikel  etwas kurz finde ich.)

Wie @Nikkiwunderkind  hoffe auch ich auf einen Neuen Beitrag mit Loesungsmustern.

Mit  @oberhamss Anarcho-Strategie kommt man vermutlich  nicht weiter. Die herrschende Gruppe hat sich schliesslich mit einer Buergerkriegs-Armee (riot-police) gepanzert, sodass selbst gut koordinierte, mehrtaegige  Generalstreiks wirkungslos bleiben. Verweigerung im oeko-Reservat ist da so wenig hilfreich wie der schwarze Block.

So gehts vermutlich nicht. Wie aber dann?

Gibt es ueberhaupt eine Strategie um dem gegenwaertige System entgegen zu wirken? Kann man vielleicht nur die weitere Zuspitzung beobachten, um vom "Umschlag" des System nicht ueberrascht zu werden?

 

 

Rupert Rauch 06.12.2012 | 00:32

Guter Artikel. Aber wie immer beleuchtet er nur einen kleinen Teil der Wahrheit.

Wenn wir ehrlich sind, ist es doch so: wir wollen gerne glauben, dass uns die Reichen und Politiker bewusst ausnehmen, betrügen, Komplotte schmieden usw. und teilweise mag das ja auch der Fall sein, aber das erklärt nicht die weltweite Dynamik dieses Prozesses.

Die Wahrheit ist nämlich komplexer und sie basiert vor allem auf einem: einer unglaublich dämlichen und verallgemeinernden Volkswirtschaftslehre: der Neoklassik, auch als Neoliberalismus bezeichnet (genau genommen ist sie eher das Gegenteil des Frühliberalismus).

Dieses mathematisch oberflächlich verbrämte Theoriewerk, liefert hinter den Kulissen die Argumentationsgrundlage für Politiker und  Wirtschaftsstrategen.

Diese Theorie wird mittlerweile an allen Universitäten gelehrt, fast alle Lehrstühle sind mit neoklassischen Professoren besetzt. Nehmen wir den Rat der fünf Wirtschafts"weisen", dort kann man mE bestenfalls Bofinger als Ausnahme sehen.

Und das Schlimme daran: diese Theorie ist in sich geschlossen, sie ist durch und durch logisch, sogar mathematisch formulierbar, das  Problem ist, dass sie fast nichts mit der Realität zu tun hat und auch ihre Zielsetzung nie hinterfragt wurde.

Sie verallgemeinert zu sehr, sie überprüft nicht oder kaum empirisch und ihre Vertreter behaupten gerne, das sei auch nicht nötig, sie sei ja nur ein Modell. Gleichzeitig hält das Selbige aber nicht davon ab, auf hochbezahlten Berater-Posten in der Politik tätig zu werden und genau dieses weltfremde Modell als Vorlage für Empfehlungen zu benutzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Modell den Reichen zuspielt, Steuern und hohe Löhne sind darin des Teufels, Privatisierung, offene Grenzen und freie Kapitalmärkte sind hingegen sakrosankt. Ein Selbstläufer in der Miliardärspresse und bei den Extrem-Besserverdienern, die unsere Medien, Wirtschaft und Politik bestimmen.

Und noch viel fataler: setzt man auch nur einen Teil ihrer Forderungen um, läuft man in einen Teufelskreislauf. Gibt man den eigenen Markt frei, wird man erpressbar, muss danach auch die Löhne senken und die Reichensteuern, damit Unternehmen nicht abwandern. Das wiederrum erhöht zwangsweise die Schulden (mal will ja nicht hinter den Status Quo zurück). Erhöhte Schulden machen aber weiterhin erpressbar, da man sich mittlerweile auch von privaten "Investoren" abhängig gemacht und der Staat damit das Geldmonopol aufgegeben hat. Usw. usw.

Wollen wir, dass sich an der Politik nachhaltig was ändert, dann müssen wir erst diesen theoretischen Stützpfeiler durchsägen! Das kann man am besten, indem man seine Schwachstellen angreift. "Forum Systemfrage" leistet hier sehr gute Vorarbeit, für alle Interessierten:

http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ba&schp=neolib

Und man sollte versuchen die Volkswirtschaftslehre teilweise neu aufzubauen und aus den bisherigen Fehlern zu lernen. Der Langweilerblog hat eine Artikelserie dazu begonnen:

http://langweilerblog.wordpress.com/2012/12/01/teil1-hat-die-volkswirtschaftswissenschaft-noch-eine-zukunft/

die es mE sehr gut trifft. Hoffentlich führt er es bald fort.

 

Nikkiwunderkind 06.12.2012 | 03:21

@Herr Rauch,

kann Ihnen zustimmen,- jedoch bedarf es  (wie bei jeder Ideologie) keiner empirischen Überprüfung, noch einem Realitätsbezug. Es reicht, die eigene Auffassung als Ultima Ratio unters Volk zu bringen. Grade in seiner Ambivalenz ist dieses System anpassungsfähig wie kein anderes. Es absorbiert sogar seine größten Kritiker. Nennt Demokratie und Marktwirschaft in einem Atemzug und zieht das Chinesische Modell bei Erfolg als Update in Betracht. Im Gegensatz zu den bisherigen totalitären Systemen (Kommunismus, Faschismus) leugnet der Kapitalismus nicht die Folgen. Noch wird ein jenseitiges Heilsversprechen den Jüngern gegeben. Gewinne, konsumiere und du bist erlöst.  Michel Houellebecq hat diese Befindlichkeiten zum globalen Kapitalismus treffend auf einen determinierten biologischen Zwang zur Fortpflanzung reduziert. Natürlich gewinnen dabei die Besten (elitäres Selbstverständnis). Die Neoliberale Ideologie bedient dieses ganz gut. Würden sie mit einer Flasche Taittinger in ihrer Linken und einem Ex-Model in der rechten gegen das Establishment anbloggen? Wohl kaum ;-) Sollte Sie doch mal das schlechte Gewissen plagen,- den passenden Ablassbrief finden Sie in Form der " The Giving Pledge" Initiative. Alle werden von Ihrer Vernunft und Güte gerührt sein. In welchem Verhältnis ihr Vermögen zu Insolvenzen, Ausbeutung, Leistung usw. stehen wird keiner nachfragen. 

Ob pevertierte Auswuchs einer angelsächsischen Wirtschaftsauffassung, monotheistischer Individuum-Erlösungsgedanke oder einfach nur Monopoly. Viele Erklärungsversuche, Diskussionen usw.- Es bringt nichts. Es ist einkalkuliert das weiter gequatscht wird. Der Kapitalimis (Es) ist keine Person ;-), und nur 2 mal hat es gezittert: Beim Kommunismus und bei der radikalen Islamistischen Bewegung. Da wurde es ernst. Die wollten es wissen.   Ich glaube kaum das sich durch das Einreissen von Stützpfleilern und Vernunft etwas ändern läßt. Fürchte dass das "knapp an der Katastrophe vorbeigeschlittert" als einzige Erkenntnis und Hoffnung bleibt.

Oberham 06.12.2012 | 08:25

In der VWL gibt es des Begriff des Produktionsraums, abgeleitet von der Tranformationskurve.

Darauf baute ich 1978 meine Facharbeit in WiSo auf. Ich projezierte damals sämtliche (theoretisch) vorhandenen Rescourcen, unterteilte in beschränkt und unbeschränkt vorhandene Güter - wobei mir damals Meadows ganz drastisch vor Augen geführt hatte, dass es faktisch kaum ein unbeschränkt verfügbares Gut gibt (es sei den wir lernen es durch Dimensionen/Raum/Zeit zu reisen und zu explorieren ;-)....).

Mein Ansatz war - 1.Prämisse Grundbedarfssicherung für alle Menschen - was nach meiner Auffassung (.... und es gab damals schon viele Technikvisionen für nachhaltige Engergiewandlung, nachhaltige Agrarbewirtschaftung und vor allem die Produktion langlebiger Verbrauchsgüter!) dazu führte, dass zu jener Zeit 4,5 Mrd. Menschen etwa 20 % der Landfläche dieser Erde hätten nutzen müssen um bei durchschnittlich 3 Stunden täglicher gemeinnütziger Arbeit (alle Dinge die nicht  die persönlichen Pflichten wie Familie und Haushalt betreffen) den ökonomisch - technischen Standart eines Arbeiterhaushalts in Deutschland (ein Golf der ca.30 Jahre lang funktioniert - leicht reparabel ist und ca. 3 kg Erdgas (78!!!)  benötigt - einen ÖPV der global allem Menschen Mobilität von etwa 4000 Jahres-Kilometern zugestanden hätte ohne die Athmosphäre zu vernichten (hauptsächlich Zug- und Schiffverkehr - Flugverkehr als absolute Ausnahme! - eine klimatisierte Wohnfläche von etwa 20 qm pro Person, Zugang zu Bildung und Kultur ein Leben lang - kostenfrei! - eine Fleischmahlzeit pro Woche - 3000 kcal pro Tag - durch Gemüse/Obst/Getreide - 300 Liter unbedenkliches, sauberes Trinkwasser pro Tag!)

Ich hatte diese Arbeit vor einigen Jahren mal versucht zu beschaffen, sie wurde angeblich vernichtet (hängt wohl von den Lehrkräften ab,... ) - ich selbst hatte das damals mit Schreibmaschine getippt und nur die Skizzen liegen mir immer noch vor.

Ich bin im Grunde seit jener Zeit ein Öko-Anarcho - war 20 Jahre in Nordafrika und in der Karibik unterwegs, ich bin mir inzwischen sicher, es liegt an uns allen gemeinsam.

Überall wo ich Veränderung oder Unmut erlebte,projezierte sich der Unmut vor allem auf den Besitz und den Reichtum der Oberklasse und die vermeintliche oder tatsächliche eigene Armut.

Das Problem - ändern sich die Dinge - ändern sich meist einzig die Verteilungsprozesse - sie verlagern sich von einer Gruppe zur nächsten - aus Ausgebeuteten werden Ausbeuter - .... :(((

Die Idee einer globalen Transformationsökonomie habe ich noch nirgends gelesen, da ich jedoch nach drei Jahren Uni von der Arroganz und dem Habitus der Akademischen Gemeinde die Nase so voll hatte, sie immer noch gestrichen voll habe - dürften meine Ausführungen die eines verwirrten Träumers bleiben.

Wobei globale Betrachtungen sind natürliche nicht neu - und jede positivistische Utopie focusiert auf eine Weltgemeinschaft.

Wir leben heute zwar in größer Anzahl - doch - ich bin überzeugt - würden man heute erneut eine seriöse Betrachtung des Produktionsraums Erde unter der Prämisse einer globalen Grundversorgung durchführen - wir könnten nachhaltig ähnliche Lebensmöglichkeiten für jeden Menschen darstellen, wie ich dies 1978 tat.

Dazu muss man nur ganz simpel die Daten sammeln und umlegen, das ist Grundschule 3. Klasse.

Wir jedoch züchten Menschen, die kanpp 20 Jahre Bildungskonditionierung durchlaufen, von den klügsten Leuten unterwiesen werden, um dann Stochastische Funktionen zu entwickeln mit denen sie im Wettkampf der kybernetischen Systeme gegeneinander antreten im Millisekundentakt Geld gewinnen zu dürfen - Geld dass aus dem Elend und dem Leid von Milliarden gequetscht wird und zusätzlich die Lebensgrundlage von uns allen vernichtet.

Nein, ich habe keine Hoffnung mehr - und - wenn - dann sehe ich nur die Verweigung gegenüber dem System und das Selbstbewußtsein es alleine - oder in der kleinen Gruppe alternativ schaffen zu können - mit der winzigen Hoffnung der Rest möge rechtzeitig nachziehen.

Erst wenn wir selbstbewußt genug sind - auf Führung zu verzichten - und das Lebens- Überlebensprinzip in Frieden und Symbiose mit der Umwelt die Führung unserer Taten übernimmt und nicht eine irrwitzige geradezu grotesk dümmliche Figur (würden sie einer Merkel hinerherrennen, wären sie mit einem Flugzeug im Dschungel abgestürzt?????? - Sie würden doch wohl eher auf ihre eigene Urteilskraft vertrauen - doch diese wahnsinnige Person wir erneut 4 Jahre Kanzerlin und warum - weil alles was in der Nähe von Macht agiert kein Jota weniger lächerlich, gruselig, schäbig und instinktlos egoman daherkommt.

Ich kann nur immer wieder sagen - wer einen offensichtlich idiotischen Job hatt soll kündigen, wer einen sinnvollen Job hat soll ihn ehrlich verrichten, jedoch sich selbst nicht zu Gunsten der Absahner inseinem Berreich verbrennen - sprich - lasst euch nicht ausnutzen!!

Wir dürfen nicht betrügen, nirgends, wir dürfen uns aber auch nicht betrügen lassen!

Man kann mich gerne besuchen, ich bin sicher noch fünf Jahre in meinem kleinen Tal zu treffen, das leider inzwischen zuasphaltiert wurde - doch nach 1000 Meter Fußmarsch ist man im Wald und seine Ruhe.

Wenn es die Gesundheit erlaubt bin ich in fünf Jahren allerdings irgendwo in Afrika - dort werde ich gegen Landgrabber kämpfend fallen.

salvo 06.12.2012 | 09:50

"Wenn es die Gesundheit erlaubt bin ich in fünf Jahren allerdings irgendwo in Afrika - dort werde ich gegen Landgrabber kämpfend fallen."

 

ja, das macht zumindest Sinn, denn das eigentlich Demütigende an der immer umfassender betriebenen Ausplünderung des Anderen besteht darin, sich daran strukturell beteiligen zu müssen, sie im symbolischen Bezugssystem verinnerlicht zu haben

Rupert Rauch 06.12.2012 | 12:07

"kann Ihnen zustimmen,- jedoch bedarf es  (wie bei jeder Ideologie) keiner empirischen Überprüfung, noch einem Realitätsbezug. Es reicht, die eigene Auffassung als Ultima Ratio unters Volk zu bringen."

 

Zum Teil ja, aber es ist doppelt wirksam, wenn man es mit Rückenwind der offiziellen Lehre macht. Das darf man nicht unterschätzen! Ein Politiker der gegen diese Lehre argumentiert, wird einem viel größeren Rechtfertigungsdruck ausgesetzt.

Einige Länder (meines Wissens z.B. Mexiko) haben sich für ihre Reformen extra VWL-"Experten" aus renommierten amerikanischen und britischen Universitäten geholt. Hätten die eine andere Sichtweise gehabt, wäre auch das Ergebnis anders ausgefallen. Und auch Merkel und Schröder haben eben ihre Expertenkreise im Hintergrund, die 5 Wirtschaftsweisen etwa, Merkel soll lange auf H.W.Sinn gehört haben (heute empfiehlt der ein Ende des Euros, da hört Merkel lieber weg).

Man darf das nicht unterschätzen. Die "Reichen" selbst, haben m.E. kein wirkliches Interesse am Krisenkapitalismus (mit einigen Ausnahmen). Rezessionen, einbrechende Aktienkurse, Unruhen, neue Steuer- und Protektionismusdiskussionen. All das verdirbt denen ebenfalls die Stimmung.

Aber von einigen cleveren Manipulateuren abgesehen, glauben mE die meisten tatsächlich, dass es keine Alternative gibt und werden von der gängigen "Wissenschaft" in diesem Glauben gestärkt. Dass sich dabei das (für Reiche) Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, macht die Sache nur umso erfolgreicher.

Um eine Neudefinition kommen wir so oder so nicht herum, denn das Problem der Linken z.B. ist eindeutig das, machbare und nachhaltige Alternativen vorzuschlagen. Es nützt eben nichts, wenn man lediglich die Steuern erhöht, aber ansonsten nichts ändert, die Grenzen offen bleiben, Kapitalfreizügigkeit weiter gewährleistet ist, der Staat das Geld immer noch von privat leihen muss, Jobs nach wie vor nur von privat geschaffen werden oder in trägen teuren Behörden.

Solche Lösungen überzeugen niemanden mehr, da das gesamte Framing mittlerweile so erfolgreich umgebaut wurde, dass jedes Problem sich als Sachzwang äußert und im Wesentlichen nur eine Lösung erlaubt (will man nicht das ganze Framing stürzen). Und dass es auch anders gehen, kann, dafür braucht man u.a. ein gut ausgearbeitetes und durchdachtes Modell...

 

Rupert Rauch 06.12.2012 | 12:32

"Das Problem - ändern sich die Dinge - ändern sich meist einzig die Verteilungsprozesse - sie verlagern sich von einer Gruppe zur nächsten - aus Ausgebeuteten werden Ausbeuter - .... :((("

Ich bin sicher, dass das nicht so sein müsste. (Fast) Niemand beutet gern aus. Da die Ausgebeuteten aber auf der anderen Seite der Welt sitzen und man die Firmen machen lässt (und die es maximal verschleiern), ändert sich daran nichts.

Wie es auch anders gänge, ausgehend von einer Nationalökonomie:

http://langweilerblog.wordpress.com/2012/04/17/utopia2-das-verantwortungszertifikat/

zumindest wäre ein solcher Ansatz mal der Diskussion wert.

 

"Wobei globale Betrachtungen sind natürliche nicht neu - und jede positivistische Utopie focusiert auf eine Weltgemeinschaft."

Darin sehe ich eines der Hauptprobleme. Die EU sollte uns in dieser Hinsicht die Augen öffnen. Probleme löst man nicht zwangsweise aus der Vogelperspektive am besten. Dieser Denkansatz allein verzögert Lösungfindung auf nationaler Ebene. Oder anders ausgedrückt: wenn die Straßenreinigung nicht funktioniert, sollte man dann nicht wenigstens vor der eigenen Türe schonmal kehren?

Wir sollten als Ansatz immer zuerst versuchen ein Problem national in den Griff zu bekommen und unser Wissen, unseren Markt, unser Geld, unsere Technik dafür nutzen, dass andere das auch können und wollen.

Die Klimaerwärmung können wir kaum allein stoppen, aber wir können vorleben, wie man es machen könnte. Können die Technik und das KnowHow verkaufen und auch verschenken. Können über den Marktzugang, Entwicklungshilfe etc. einen gewissen Druck ausüben.

 

 

Oberham 06.12.2012 | 13:03

Ein globaler Blick bedeutet nicht, auf die globale Lösung zu warten. 

 

Hätte ich als täglicher Multiplikator mit meinen Thesen Erfolg, jeder neue Materialsismusverweigerer und sozialer Anarchist ebenso -  wäre die Welt nach 32 Tagen von postmaterialtistischen, sozialen, anarchischen Menschen bevölkert.   ;-)))

Hätte ich eine andere Botschaft (die des Glod-Scheissen-Könnens) - jede Wette es würde keine zwei Tage dauern - gäben wir es imgleichen Verdoppelungsmuster wieder..... 

Tja - stellt sich die immer gleiche Frage: "Warum leidet der Mensch lieber, als dass er glücklich lebt??"

Oder sehe ich die Welt zu schwarz?

Sind die Milliarden hungernder, die täglich an Not und Elend sterbenden, die missachteten, geknechteten, getriebenen, getretenen Menschen keine lebenden Organismen, sind das alles nur böse Träume, die in der Realität nicht existieren?

 

Der Mensch scheint jedoch ein asoziales Wesen zu sein, ein sich täglich aufs Neue entzweihendes, statt sich zu einigendes.

Nun, der Mensch ist ja großteils davon überzeugt, der Wettkampf sei die Mutter aller Dinge.

Man darf gespannt sein, wie sich der Mensch der Kriegserklärung der Natur - die er so lange geschunden hat und weiter schindet, nun erwehrt.

Seinesgleichen nutzt er ohnehin nur als instrumentalisierten Massenkörper - ein brodelnder, gigantischer Organismus, der in sich selbst tötet, vernichtet und ich fürchte das ist nicht wesentlich anders als bei bösartigen Zellverbänden, wo dominante Zellen oft auch artgleiche in Massen zerstören, doch trotzdem ein intensives Wachstum generiert wird.

Ich habe eine konkret formulierte Botschaft, ein postmaterialistisches Manifest,  es steht seit tausenden von Jahren in tausenden von Schriften, ist Milliardenfach zitiert und verbreitet worden, und doch scheintes wohl schlicht unmöglich umsetzbar zu sein.

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der Mensch sich in Frieden die Hände zum gemeinsamen Tun in Eintracht, Freundschaft und gleichbereichtigtem Nutzen reichte. 

Daraus ergibt sich von selbst die Achtung der Natur!

Nichts von dem tut der Mensch als Gruppe!

Der ökonomisch oder politisch erfolgreiche Mensch tut auch nichts von dem als Individuum.

Somit erscheint es logisch, dass jene die die Gruppe bestimmen, auch den Geist der Gruppe bestimmen.

Somit widerum ist es logisch, dass nur Anarchie eine Lösung bedeuten kann.

Sobald Unterwerfung und Macht eine Rolle spielen, ist der Mensch verloren - der Mächtige mag sich an seinem kurzen Leben erfreuen - doch auch seine Tage sind gezählt.

Somit - wir können noch weitere tausende von Jahren die gleiche Botschaft brüllen und ihr Gegenteil leben - die Büchse der Pandorra bleibt so wohl immer geöffnet.

Rupert Rauch 06.12.2012 | 15:26

"Tja - stellt sich die immer gleiche Frage: "Warum leidet der Mensch lieber, als dass er glücklich lebt??"

Tut er ja nicht.

"Sind die Milliarden hungernder, die täglich an Not und Elend sterbenden, die missachteten, geknechteten, getriebenen, getretenen Menschen keine lebenden Organismen, sind das alles nur böse Träume, die in der Realität nicht existieren?"

Nein, sie sind zu weit weg, es sind zuviele und die Lösungen sind zu kompliziert. Da der Mensch eben nicht gerne leidet, blendet er das Leid der anderen aus.

 "Der Mensch scheint jedoch ein asoziales Wesen zu sein, ein sich täglich aufs Neue entzweihendes, statt sich zu einigendes."

Nein, das ist zu simpel. Menschen sind einfach zu heterogen. Unterschiedliche Temperamente, Wissensstände, IQs, Perspektiven, Kultur, Sprachen, Religionen, Geschichten usw. wenn man aber nicht die selbe Sprache spricht (im übertragenen wie im wörtlichen Sinne) kann man sich auch nicht einigen, sondern nur missverstehen.

"Man darf gespannt sein, wie sich der Mensch der Kriegserklärung der Natur - die er so lange geschunden hat und weiter schindet, nun erwehrt."

Oh, da muss man nur in den Mainstream lauschen, da wird er schon geführt, der "Kampf gegen den Klimawandel" :-) Seit Bush ist alles nur noch ein "K(r)ampf gegen". Dass man diese Gewaltvokabel so wenig reflektiert sagt sehr viel aus. Konkret führt man "den Kampf" innerhalb des neoliberalen Paradigmas als "grünes Wachstum", zumindest will man das, gegen konservative Beharrungskräfte. Aber vielleicht rettet uns ja auch der ecat in letzer Minute :-)

"Frieden die Hände zum gemeinsamen Tun in Eintracht, Freundschaft und gleichbereichtigtem Nutzen reichte."

Oh das tut er schon, sehr oft sogar. Aber der Mensch ist ein Stammeswesen. Schon um erfolgreich etwas derart Abstraktes wie eine Nation zu bilden, braucht er Mythen und gute Gründe und wird doch immer skeptisch sein. Einfach weil es zu groß ist und er es nicht überblicken kann.

"Nichts von dem tut der Mensch als Gruppe!"

Beschäftige dich mal mit Gruppenpsychologie, dann weißt du auch warum. Wenn man die Welt verändern will, muss man zuerst den Menschen und sein Verhalten verstehen lernen.

Der Mensch an sich ist sozial und ein Gruppenwesen (wenn man Eingeborenenstämme als Maßstab nimmt). Man darf ihn nur nicht überfordern.

Die momentanen Wirtschafts- (internationale Arbeitsteilung) und Staatsparadigmen (Größe vor Funktionalität/Demokratie/Regionalität, wie in der EU) tun aber genau das. Sie machen den selben Fehler wie die kommunistischen Systeme, die glaubten auch, der Mensch sei bereit einer abstrakten Sache wie dem Volk beliebig hohe Opfer zu bringen. So funktioniert der Mensch aber nicht.

"Somit erscheint es logisch, dass jene die die Gruppe bestimmen, auch den Geist der Gruppe bestimmen."

Das wechselwirkt.

"Somit widerum ist es logisch, dass nur Anarchie eine Lösung bedeuten kann."

Anarchie ist aber kein stabiler Zustand. Es kann eine Herrschaft des Volkes geben, aber die würde ich dann eher Demokratie nennen.

 

Oberham 06.12.2012 | 15:50

Dann bräuchte es aber einen anderen Typus des homo politicus - keine egomanen Psychopaten mit dem Würdeabsorptionswürgeschock, sondern bescheidene Pragmaten die nicht sich mit Tand und Pfründen, sondern die Aufgabe mit Klugheit und Sachverstand, sowie Geduld und Toleranz versorgen.

Einem klugen Menschen folgt ich gerne nach, doch einem Trottel werd ich mich verweigern - die Devise gilt für mich seit dem Kindergarten - ich fand unter den Fundis phasenweise kluge Leute - die sind heute alle längst ausgestiegen und machen im Mikrokosmos ihre kleine Welt lebenswert - wie ich auch - nur - das Weltretten, geistert halt immer noch in den Träumen herum - .....drumm tippt man eben - ....

Persönlich finde ich - ist der immerwährende Verweis auf die Komplexität des menschlichen Wesens und die diesbezügliche Unvereinbarkeit mit simplen Lösungsstrategien nichts weiter als ein Vorwand - hinter dem man sich wahrlich treffend verschanzen kann.

Ich beschäftige mich mit Gruppenpsychologie und kollektiver Intelligenz, nur je nachdem wie ich meine Versuche aufbaue, kann ich die verschiedensten Schlussfolgerungen herleiten.

 

Rupert Rauch 06.12.2012 | 16:00

"Einem klugen Menschen folgt ich gerne nach, doch einem Trottel werd ich mich verweigern"

Wieso folgen? Demokratie (ich meine nicht das verlogene Pseudotheater welches wir jetzt haben), ist doch gerade ein Prozess des Abwägens und Überzeugens und natürlich auch des irrens und lernens.

Die Dummheit und Unfähigkeit des Menschen zu bejammern ist sinnlos. Man kann ihn bilden und aufklären, wenn man schlüssige Konzepte (jenseits von: wir reichen uns alle die Hände) hat.

Die einzige andere Möglichkeit besteht darin, auf Systeme hinzuwirken, die es dem Menschen erlauben sozial und verantwortlich zu handeln. Die (vermeintlich) repräsentative/parlamentarische (angebliche) Demokratie ist ziemlich genau das Gegenteil davon: sie entmündigt die Mehrheit der Menschen und gibt die "Verantwortung" an Einzelpersonen, die aber so gut wie nie die Folgen ihrer eigenen Politik zu spüren bekommen und die sich zudem trefflich manipulieren und kaufen lassen...

 

bioport 08.12.2012 | 13:27

ja ... ich komme ein bisschen spaet hier rein. aber offensichtlich nicht zu spaet, denn der vorherige kommentar von M Moore spricht das an, was mir die ganze zeit durch den kopf ging. was IST denn nun die story eigentlich, ausser dass das grundsaetzliche problem von einer bestimmten perspektive aus (die ich durchaus teile) gut dargestellt ist.

in diesem dilemma scheint sich die gesamte politische und sozialtheorie zur zeit zu befinden, egal ob von links oder rechts aus gedacht, egal ob Beck oder Sloterdijk. und auch Graeber hat am ende nur hoffnung dass es SO nicht weiter gehen koenne.

was, ausser 'reset' ist denn ueberhaupt noch vorstellbar? die Bilderberger scheinen sich auf ganzer linie durchgesetzt zu haben.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 08.12.2012 | 20:05

These: die Story ist vielleicht ganz anders, als wir denken ... ein Empfinden: Es ist keine Krise, es ist ein Konzept. Ein Privatisierungskonzept mit der Auswirkung einer Krise. Für uns (Wohl-)'Habenden' zumindest. Für die s.g. Schwellenländer nicht unbedingt. Trotz z.T. sehr widriger Arbeitsbedingungen generieren Menschen dort dutch Arbeit Geld = was zu essen. Für sich, ihre Familie und ihre Angehörigen. Und zwar nicht durch die Endverwertung von Müllhalden, sondern durch Produktivität. Mh.
Reset? Wer will das verantworten .... ? Viel Spaß dabei.

malsogesagt 08.12.2012 | 23:30

Story hinter der Story

Hallo Mark Moore,
zu "..... was ist die Story hinter der Story?"

Eine Menge Leute suchen schon lange danach. BWL-er mit Sandkastenspielen, Philosophen mit Ehtik und Moral, Theologen mit Dogmen, Psychologen graben in allem und jedem drin herum, Politiker arbeiten in unserer "real existierenden Demokratie" mit Rechtssystemen, den Turbokapitalismus legalisieren und erzählen uns sonstwas, so weiter und so fort.

Und was könnte hinter allem stecken, was ist letztlich Ursache der "Story"?
Meine Antwort lautet: DER MENSCH IST EIN LEBEWESEN.

Klingt auf den ersten Blick merkwürdig, ich weiß, aber versuchen wirs mal.  
Nun, um die Definitionen der Begriffe Leben, Lebewesen und deren Eigenschaften wie Stoffwechsel und Fortpflanzung, auch Evolution, haben sich inzwischen viele kluge Leute bemüht. Man kann es nachlesen.
Wenn also einfachste Lebensformen in einem geeigneten Milieu („Ursuppe“ gefällt mir nicht), aufgrund der vielfältigen Eigenschaften der Materie entstanden sind, dann konnten sie jedenfalls weder Stoffwechsel noch Fortpflanzung willentlich durchführen, sondern die dabei ablaufenden Prozesse fanden ZWANGSLÄUFIG statt. (Affinitäten!).  Die Materie hatte da keine Wahl !
Die Zwänge oder Triebe zu Stoffwechsel und Fortpflanzung sind tief sitzende, das Leben kennzeichnende Eigenschaften. Ohne diese wären irgendwelche Wesen keine Lebewesen.

Nun zum Menschen. Als Lebewesen steht auch er unter dem Zwang zum Stoffwechsel, sprich Nahrungsaufnahme, Verarbeitung und Ausscheidung. Der Zwang zu Stoffwechsel, der Hunger, ist so stark, dass er den Menschen in Notzeiten zu rücksichtslosen, kriminellen Handlungen bis hin zum Kannibalismus treiben kann. Die Materie will es so.

Gleich stark ist der Fortpflanzungstrieb. Wird er mit Gewalt unterdrückt, kann der Mensch psychisch krank oder zum Verbrecher werden, da die Materie am „normalen“ Wirken gehindert wird.

Die Evolution hat weitere starke Zwänge werden lassen, wie etwa die Vorsorge für die Nachkommen. Entsprechend der Artenvielfalt fällt diese methodisch als auch zeitlich sehr unterschiedlich aus. Weiter ergibt sich daraus, dass Lebewesen für die Nahrungsbeschaffung ein ausreichend großes REVIER benötigen. So werden Reviere erobert, markiert, besetzt und gegen Konkurrenten mit allen Mitteln verteidigt. Ein Verhalten, welches das Überleben der Arten sichen kann.

Und damit kommen wir der "Story" nun endlich näher.

Auch der Mensch benötigt natürlich Reviere. Die Reviere des Menschen im Alltag sind  nun nicht nur geografischer Art, wie etwa Besitz an Grund und Boden, um den seit allen Zeiten gekämpft und blutige Krieg geführt werden. Auch Unternehmen kämpfen gnadenlos mit legalen und illegalen Mitteln, wenn es um Reviere an
Marktanteilen oder an Bodenschätzen geht, um materiellen Besitz ..... und um Geld !

Ein gut bezahlter Job ist ein großes finanzielles Revier, um das mit vielen Mitteln (z.B. auch Mobbing) hart gekämpft wird.
Selbst in der Psyche des Menschen finden sich Reviere. Wird ein Mensch beleidigt, verteidigt er es. „Du hast eine Grenze überschritten, bist mir zu nahe getreten. Ich erwarte eine Entschuldigung und dass solches nicht wieder vorkommt, sonst...!“ 

So funktioniert das Lebewesen Mensch, gesteuert von tief sitzenden Zwängen und Trieben, angelegt in Urzeiten und weiter gegeben.  Die Materie will es so und kann nicht anders.

Leider sind diese "Revierkämpfe" heute völlig entartet und außer jeglicher Kontrolle.
Es ist ja völlig legal (-> Rechtssysteme der "Demokratien"), daß eine Elite sich immer größere materielle und vor allem finazielle Reviere schafft und bei sich konzentriert, obwohl sie diese weder braucht noch verbrauchen kann, aber haben will, um damit noch mehr Geld zu machen. Wobei dann den Verlierern der Revierkämpfe mehr und mehr die Lebensgrundlagen entzogen werden (-> Armut in der Welt).

Für mich sind diese Eliten psychisch krank, auch wenn sie in der Öffentlichkeit wie kultivierte Menschen erscheinen. Sie sind von einer unheilbaren Macht- und Geldgier zerfressen. Und unheilbar psychisch Kranke sind Psychopathen, die normalerweise weg gesperrt werden, um die Gesellschaft vor Schäden zu bewahren.

Da aber das Handeln dieser Leute legal ist, nicht reguliert wird, wird die Welt von Psychopathen regiert.
Wie das nun ändern? Ich weiß es nicht. Der Planet wirds vielleicht einmal richten, wenn er weiterhin so verhunzt wird.....Ich warte auf Vorschläge!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.12.2012 | 03:13

Also mal so zurück gesagt, 

lieben Dank : ). Wir haben sieben Milliarden menschliche Lebewesen auf der Welt. Sieben Milliarden kleine, große Welten für sich plus einen Planeten plus ein kleines bisschen Universum um uns herum. 

Hört sich komplex an und ist es wahrscheinlich auch.

Auf den ersten, zweiten und dritten Blick werden wir von Soziopathen bestimmt. Aber irgendwie beschleicht mich mehr und mehr das Gefühl, dass das so einfach nicht zu sagen ist. Wäre die Matrix Realität, hätte ich einen Stecker hinten im Hals.
Habe ich aber nicht (glaube ich jedenfalls^^).

Was, wenn der ein oder andere scheinbar Destruktive in Wirklichkeit konstruktiv ist? Was, wenn die offentsichtliche Umverteilung von unten nach oben dazu dient, dem wahren Destruktiven die Stirn zu bieten?

Wenn das so wäre, und ich weiß es nicht, Vorschlag: Recherche, Recherche und nochmals Recherche. Fragen wir die 'Soziopathen' nach ihren Motiven. Oder?

Was die Materie angeht: Am Ende handelt es sich doch nur um Atome bzw. Quanten, eng verwoben mit dem Higgs-Bosom? k. A.

 

Und noch eine blöde Frage: Was ist Geist, was Seele? Ich weiß es nicht, Du? Alle Welt redet darüber, aber keiner kann/will es belastbar nachweisen. Verstehe ich einerseits, anderseits auch nicht. 

So, meine Quanten brauchen jetzt auch ein bisschen Ruhe ; )

Schlaf(t) schön.

M.

 

P.S.    Why worry?

P.P.S. Vielleicht haben er/sie/es schon längst den eigentlichen
            Grund, sagen wir, nicht mehr in Erinnerung? Und dafür der  
            ganze Stress? Wie gesagt, k.A.

Oberham 09.12.2012 | 13:01
Vorschläge gibt es Zuhauf.... - die biologische Thesenauflistung kann ich nachvollziehen - mit anderen Worten - ähnlich - wurde sie schon tausendemale dargestellt. Das Ergebniss wurde in zahlreichen Darstellungen der Zukunft in Varianten geschildert - Grundprinzip ist dabei immer die völlige Spaltung der Menschen in eine winzige lebende Klasse und eine mehr oder weniger noch genutzte Horde von Sklaven, die in einer düsteren vernichteten Umwelt vegetieren. Viele hier sprechen von Reset. Nun, was tut ihr für einen Reset? Das muss man von jedem mündigen Individuum unserer Spezies verlangen - einen persönlichen Neubeginn! Die 1% Gewinner werden es nicht tun - die 99 % sollten es wagen! Leider habe ich persönlich es nicht einmal geschafft meine Kinder von dieser Idee zu überzeugen - so absurd es klingen mag - ich hoffe, sie kommen zu mir - wenn sie beruflich scheitern - es wäre das beste was passieren kann. Beruflicher Erfolg bedeutet, ich folge dem Prinzip der Kontinuität - nur die führt geradewegs in die Kathastrophe - für uns Menschen. Wir brauchen eine funktionierende Parallelgesellschaft, die sich freiheitlich, solidarisch und vor allem friedlich dem Mainstream verweigert und sich vernetzt. Kleine Zellen existieren schon immer - wir sollten versuchen sie wachsen zu lassen - bevor es endgültig zu spät ist. Wer hier noch keine Vorstellung hat, der möge googeln: alternativie Lebenskonzepte, Postmaterialismus, décroissance, Kreislaufwirtschaft, globale Solidarität, Nachhaltigkeit, .... ich könnte hier tausende von Links plazieren - wer nicht nur ein Sofademokrat sein möchte, der müsste - wenn er Veränderung möchte - aufstehen und aktiv werden. Zum x-tausendstenmal - würden wir selber Bescheidenheit und Reflektion leben und nicht nur predigen, wären wir in einigen Jahren den Wahnsinn los! So aber wird sich das System geplant verschrotten - hin zu einer Dystopie, anscheinend hofft jeder in der Gewinnerklasse einen Platz zu erhalten. Leute, da werdet ihr ein böses Erwachen erleben!
Oberham 09.12.2012 | 13:12
Vorschläge gibt es Zuhauf.... - die biologische Thesenauflistung kann ich nachvollziehen - mit anderen Worten - ähnlich - wurde sie schon tausendemale dargestellt. Das Ergebniss wurde in zahlreichen Darstellungen der Zukunft in Varianten geschildert - Grundprinzip ist dabei immer die völlige Spaltung der Menschen in eine winzige lebende Klasse und eine mehr oder weniger noch genutzte Horde von Sklaven, die in einer düsteren vernichteten Umwelt vegetieren. Viele hier sprechen von Reset. Nun, was tut ihr für einen Reset? Das muss man von jedem mündigen Individuum unserer Spezies verlangen - einen persönlichen Neubeginn! Die 1% Gewinner werden es nicht tun - die 99 % sollten es wagen! Leider habe ich persönlich es nicht einmal geschafft meine Kinder von dieser Idee zu überzeugen - so absurd es klingen mag - ich hoffe, sie kommen zu mir - wenn sie beruflich scheitern - es wäre das beste was passieren kann. Beruflicher Erfolg bedeutet, ich folge dem Prinzip der Kontinuität - nur die führt geradewegs in die Kathastrophe - für uns Menschen. Wir brauchen eine funktionierende Parallelgesellschaft, die sich freiheitlich, solidarisch und vor allem friedlich dem Mainstream verweigert und sich vernetzt. Kleine Zellen existieren schon immer - wir sollten versuchen sie wachsen zu lassen - bevor es endgültig zu spät ist. Wer hier noch keine Vorstellung hat, der möge googeln: alternativie Lebenskonzepte, Postmaterialismus, décroissance, Kreislaufwirtschaft, globale Solidarität, Nachhaltigkeit, .... ich könnte hier tausende von Links plazieren - wer nicht nur ein Sofademokrat sein möchte, der müsste - wenn er Veränderung möchte - aufstehen und aktiv werden. Zum x-tausendstenmal - würden wir selber Bescheidenheit und Reflektion leben und nicht nur predigen, wären wir in einigen Jahren den Wahnsinn los! So aber wird sich das System geplant verschrotten - hin zu einer Dystopie, anscheinend hofft jeder in der Gewinnerklasse einen Platz zu erhalten. Leute, da werdet ihr ein böses Erwachen erleben!
Oberham 09.12.2012 | 13:13
Vorschläge gibt es Zuhauf.... - die biologische Thesenauflistung kann ich nachvollziehen - mit anderen Worten - ähnlich - wurde sie schon tausendemale dargestellt. Das Ergebniss wurde in zahlreichen Darstellungen der Zukunft in Varianten geschildert - Grundprinzip ist dabei immer die völlige Spaltung der Menschen in eine winzige lebende Klasse und eine mehr oder weniger noch genutzte Horde von Sklaven, die in einer düsteren vernichteten Umwelt vegetieren. Viele hier sprechen von Reset. Nun, was tut ihr für einen Reset? Das muss man von jedem mündigen Individuum unserer Spezies verlangen - einen persönlichen Neubeginn! Die 1% Gewinner werden es nicht tun - die 99 % sollten es wagen! Leider habe ich persönlich es nicht einmal geschafft meine Kinder von dieser Idee zu überzeugen - so absurd es klingen mag - ich hoffe, sie kommen zu mir - wenn sie beruflich scheitern - es wäre das beste was passieren kann. Beruflicher Erfolg bedeutet, ich folge dem Prinzip der Kontinuität - nur die führt geradewegs in die Kathastrophe - für uns Menschen. Wir brauchen eine funktionierende Parallelgesellschaft, die sich freiheitlich, solidarisch und vor allem friedlich dem Mainstream verweigert und sich vernetzt. Kleine Zellen existieren schon immer - wir sollten versuchen sie wachsen zu lassen - bevor es endgültig zu spät ist. Wer hier noch keine Vorstellung hat, der möge googeln: alternativie Lebenskonzepte, Postmaterialismus, décroissance, Kreislaufwirtschaft, globale Solidarität, Nachhaltigkeit, .... ich könnte hier tausende von Links plazieren - wer nicht nur ein Sofademokrat sein möchte, der müsste - wenn er Veränderung möchte - aufstehen und aktiv werden. Zum x-tausendstenmal - würden wir selber Bescheidenheit und Reflektion leben und nicht nur predigen, wären wir in einigen Jahren den Wahnsinn los! So aber wird sich das System geplant verschrotten - hin zu einer Dystopie, anscheinend hofft jeder in der Gewinnerklasse einen Platz zu erhalten. Leute, da werdet ihr ein böses Erwachen erleben!
Giuseppe Navetta 09.12.2012 | 18:53

Zuerst:  Guter Beitrag!

"Denn die Floskel von den plötzlich „unruhig gewordenen Märkten“ ist beschönigend."

Und ob die Floskel das ist! Bezogen auf den erlesenen Kundenkreis auf dem Primärmarkt der Staatsanleihen und den dazugehörigen Mediatoren sollte man dem Bürger nicht ständig etwas vorgaukeln! Es ist, wie Prof. Heinz Josef Bontrup es meiner Ansicht nach vollkommen richtig beschreibt, nicht ein Beruhigen eines anonymen Marktes polypolistischer Art, sondern schlichtweg ein Beruhigen einer vermögenden Elite ( http://www.uni-muenster.de/PeaCon/hw-online/ ), welches von offizieller politischer Seite betrieben wird. Wer etwas anderes annimmt, ist mehr oder weniger naiv, was die weltweiten ökonomischen Machtverhältnisse angeht, da wir es ja schon seit geraumer Zeit mit ganzen Ausverkäufen von Staaten und ihrem Gemeinwesen zutun haben. Was langsam sozusagen in der Peripherie begann und in den Achtzigern eher Staaten wie Trinidad Tobago betraf, greift nun mit immer größerer Wucht über in die Zentren der großen Industriegesellschaften ( http://www.naomiklein.org/files/resources/pdfs/budhoo.pdf ).

Hier dazu ein Vortrag Bontrups, organisiert durch unseren Arbeitskreis "Real World Economics" der Universität Hamburg, der sich um eine plurale Wirtschaftswissenschaft und entsprechende universitäre Reformen bemüht. ( http://www.real-world-economics.de/index.php?id=106#c278 )

 

...der Vortrag: http://www.youtube.com/watch?v=QwhZnSQNLDU

malsogesagt 09.12.2012 | 19:32

hallo Mark Moore, danke für Kommentar v.9.12.2012.


Das Thema ist "ein weites Feld".  Ich möchte da nur das eine oder andere heraus greifen.
Dein Hinweis auf  Soziopathie (Teilgebiet der Psychiatrie) ist nicht falsch, wie aber sollen oder können diese Soziopathen, von denen hier die Rede ist, erkannt oder gar behandelt und deaktiviert werden? Es wird sie weiter geben, auch wenn wir sie nach ihren Motiven fragen. Die Finanzindustrie sucht solche Leute, Ackermann
bezeichnet sie als "Talente". Die Finanzkrise hat da keine grundlegende Änderung, kein Umdenken ausgelöst - es wird munter weiter gezockt. Natürlich legal.
Ich möchte dabei bleiben, daß das angeborene Streben nach Revieren vielen Arten das Überleben gesichert hat, auch dem Menschen. Inzwischen beherrscht der Mensch weitgehend alle anderen Arten und wendet sich seit langem gegen seinesgleichen.
Der Reichtum der westlichen Industrienationen basiert auf der Ausbeutung der Ressourcen der armen Länder. Es fragt sich, wie lange diese sich das gefallen lassen. Da ist schon einiges am Köcheln. Dennoch geht der Traum von Konjunktur, Wirtschaftswachstum und stetig steigendem Konsum weiter - bei wachsender Verarmung weltweit. 


Ob das Destruktive letztlich etwas Konstruktives beinhaltet? Das kann vielleicht irgendwann passieren, wohl aber erst, wenn gar nichts mehr geht, sozusagen aufgrund  "höherer Gewalt", wohl kaum aus Einsicht in Notwendiges.

Kommentator OBERHAM, 9.12.2012, schreibt von einem RESET, von mündigen Individuen und ein wenig resignierend von seinen Kindern, die er bisher nicht davon überzeugen konnte. Das führt zu dem Problen Bildung. Solange Eltern, Schulen, Universitäten und Medien unsere/ihre Kinder nicht für die Probleme der
Menschheit sensibilisieren können oder wollen, passiert nicht viel. Und wie sollen Kinder in den von Bürgerkriegen verwüsteten afrikanischen Ländern an die nötige Bildung heran geführt werden, solange die Bodenschätze nicht den Menschen dort zu Gute kommen, sondern außer Landes gehen? Auch hier warten auf "höhere Gewalt" ist sicher das Falsche. Aber in einigen Jahren "... den Wahnsinn los sein... scheint mir sehr utopisch.

Weiter zu Deiner ausdrücklich nicht blöden Frage nach Geist/Seele. Ein Problem, welches die Metaphysik, viele Philosophen und Theologen zu klären versuchten und versuchen (lies mal unter www.wikipedia.de, Suchbegriff Metaphysik). --> keiner weiß Genaues, man beschäftigt sich mit Definitionen. Die "Seele" wird gern von Religionen okkupiert, man legt mit viel Gehirnakrobatik dort vieles hinein, genau wie in die Versuche, die Existenz eines höheren Wesens zu beweisen oder gar seine Eigenschaften zu definieren. Ich gehe davonaus, daß der menschliche Verstand hier an eine Grenze der Erkennbarkeit stößt. Also was solls.

Diese Grenze gibt es auch, wenn es um Materie und Universum geht. Ein Astrophysiker sagte einmal: "Die Physik kann erklären, WIE Materie funktioniert, aber nicht WARUM sie so funktioniert, wie sie
funktioniert. Der Grund dafür dürfte sein, daß der Mensch selber Materie ist, also ein Teil des "Systems Materie" - er kann sich nicht selber entmaterialisieren, in ein höheres System einsteigen, um dann zu erkennen, WARUM die bisher bekannte Materie so funktioniert, wie sie funktioniert. Also was solls.


Habe auch mal eine Frage:
Was wäre, wenn es von heut auf morgen keine Menschen mehr auf der Erde gäbe? Eigentlich doch nichts weiter. Die Erde zöge wie immer mit dem Mond im Schlepp ihre Bahn um die Sonne, die Sonne mit ihren Planeten würde weiter in einer, von ich weiß nicht wie vielen Galaxien durchs All rasen und auch die Milchstraße würde... usw.
Wem würden wir Menschen dabei fehlen, wer würde uns dabei vermissen? Niemand.
Wer oder was im Universum nähme überhaupt Notiz davon, dass einmal auf einem kleinen Planeten so merkwürdige Zweibeiner herum gekrabbelt sind, die sich so furchtbar wichtig vorkamen? Nichts und niemand würde etwas bemerken und es hätte keinen Einfluß auf den weiteren Gang der Dinge.  Oder?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 09.12.2012 | 23:40

Mal so und ganz nett gesagt,

 die Welt ist, wie sie ist. Meines Wissens hat der Soziopath den Psychopathen begrifflich ersetzt. Gut so, denn ihnen fehlt die soziale Kompetenz. Aber nur scheinbar, das habe ich öfter schon erlebt. Sie sind dennoch Mensch gebliebene. Faszinierend, weil sie unterbewusst anders kommunizieren als ihr Handeln es vermuten lässt.

Herr Ackermann suchte Talente? Why not, it' s business. Im Vergleich zu anderen Branchen war er zweitausendacht regelrecht bescheiden. Und nicht überall, wo gierig drauf steht, ist auch gierig drin.

Deine Meinung zum Revierverhalten teile ich nicht. Viele wissen sehr wohl, dass es gemeinsam besser läuft als im Alleingang. Allen Narzissten zum Trotz oder gerade wegen ihnen.

Was ich mit den scheinbaren Destruktiven meine: Vielleicht sind sie besser als ihr Ruf? Wie oft habe ich schon erlebt, dass alles immer ganz anders ist, als man denkt. Daher bin ich vorsichtig geworden.

Die Metaphysik ist mir ein Begriff. Bei mir steht ein Buch im Regal, was nicht nur gut riecht, sondern auch ziemlich alt ist. Von einem Nobelpreisträger, der sich ganz pragmatisch damit auseinandergesetzt hat, weshalb er wohl, der modernen Wissenschaft sei Dank, in Vergessenheit geraten ist. Denn ich vermute, der Mensch ist viel mehr als bloß sichtbare Materie. Stichwort Fritz Albert Popp.  

Zu Deiner Frage: Was für eine hübsche Formulierung: …. den Mond im Schlepp …. : ) Gäbe es uns Menschen auf einen Schlag nicht mehr, würde zumindest ich was vermissen: Meine Kiddies, selbst meine Exfrau, Freunde, das Gespräch, gutes Essen, Wein, die Musik und ein paar andere Dinge auch. Aber vor allem: Mein Leben in dieser Welt.

Reicht das nicht?

 

iDog 10.12.2012 | 11:32

inhaltlich der beste Beitrag , den ich je im Freitag gelesen habe.

Bedrückend dabei ist , dass man sowas erst - wenn auch in kleinen Medien - lesen kann , wenn es eigentlich zu spät ist. ("Die" haben uns ja längst TOTAL am Arsch mit ihren Antiterrorgesetzen etc. )

Als sich in den 90ern mit der MAI oder spätestens 2001 die wirklich für alle erkennbaren Anzeichen dieses Coups zeigten, wollte kaum einer es auch nur wahrhaben, geschweige denn darauf reagieren, dass man schon seit 20 Jahren am Gängelband geführt wurde oder dass man den geisteswissenschaftlichen Antizipationen dieser Entwicklung schon viel zu lange nichts als stumpfe Ignoranz entgegen gebracht hatte. Hardcore Konsumenten auf ideologischem Valium ?

Da hat sich also die Bevölkerung eines prosperierenden Kontinents ideologisch aufs Glatteis führen lassen und beschuldigt jetzt den selbstgewählten "Eiswart"  , was er doch für ein mafiotischer Schürke ist. Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Realsatire. Diese Ironie des selbsverschuldeten Schicksals aber ist ja durchaus bekannt, wobei ein Engagement zu dessen Verhinderung von Nöten wäre , das den meisten Bürgern dann doch eher unangenhem zu sein scheint in ihrer faktischen "ich-bin-doch-nicht-blöd" ( aha?)  Mitnehm-Mentalität, welche Sie allzu träge bis benebelt von den sie Subordinierenden abguckt. Oder soll man sagen : Man opferte gläubig  dem Kult solange bis man selber geopfert wird ? 

Natürlich ist es besser man erwacht in letzter MInute, als nie. Aber wer wacht nun schon angesichts eines solchen Artikels auf ausser den hier antwortenden "üblieben Verdächtigen", die schon lange wach sind und .... 

Anders gedacht : Ist es nicht eher ein Zeichen von Tatsachenschaffung bzw Bestätigung des Status Quo, dass eine Zeitung offen ausprechen kann, was niemand zu verhindern vermag und vermochte. Hat nicht solche ein Artikel längst den Stellenwert einer Proklamation anstatt als kämpferische Kritik gelten zu müssen. Wird hier nicht der Sieg über das bessere Wissen gefeiert? 

 

Theaterkritiker 10.12.2012 | 20:28

Hallo Malsogesagt, am 08.12.2012

Die Argumentation: „Triebe“, „Stoffwechselzwänge“ und „Revierkämpfe“ seien unveränderlich angelegt seit Urzeiten (also die ersten Humanoiden bzw. Primaten, Echsen?), scheint mir doch reichlich deterministisch und stempelt das Lebewesen Mensch damit als veränderungs- und lernresistent ab. Aber Empathie, Hirn und unendliche Lernfähigkeit (neben anderem) unterscheidet den Menschen von anderen Lebensformen.

Sexualtrieb: Ja. Glücklicherweise haben die Menschen über die Zeit verfeinerte Formen entwickelt, die über die schlichte Fortpflanzung hinausgehen. (auch hier gibt es Krankhaftes)

Stoffwechselzwänge: Mir sind keine Tiere bekannt, die über die Notwendigkeit ihres Stoffwechsels (Nahrung) hinaus aus „Gier“ Futtervorräte für sich und ihre Brut reißen/sammeln, die für 10Tausend Artgenossen reichen würden.

Revierkämpfe: Ja. Menschen und die meisten Tiere brauchen eine Art Behausung sowie Möglichkeiten/Raum zur Nahrungsbeschaffung. Wenn aber die „menschliche“ Herrscher-Kasten Generationen von jungen Männern in blutigen Kriegen verheizt, sich andere Länder einverleibt, um dort Menschen, Werte und Ressourcen aus zu saugen, hat das mit Revieren nichts zu tun. Die Genannten wie auch ihre Zuarbeiter aus den Konzernen und Banken residieren in Palästen und kennen kaum noch die einzelnen ihrer Immobilien. Das folgende Argument ist sicher ein Ausrutscher? >Auch Unternehmen kämpfen gnadenlos mit legalen und illegalen Mitteln, wenn es um Reviere an Marktanteilen oder an Bodenschätzen geht, um materiellen Besitz .. und um Geld“!<  =Vermenschlichung von Institutionen à la „die Märkte werden unruhig“, hinter denen natürlich Individuen stehen.

Was ist Gier? was ist Egoismus? Geht es mir besser, wenn ich alle und alles um mich herum niedermache und aussauge? Das wäre die Krebszelle, die ihren Wirt auffrisst und dann selbst vergehen muss. Ich möchte einen gesunden Egoismus, der spürt und weiß, dass es mir nur gut gehen kann, wenn es den Mitmenschen und der Mit-Natur auch gut geht.

Zu frühen Prägungen und Lernen ein Vortrag von Prof. Gerald Hüther, Neurobiologe

www.youtube.com/watch?v=GiJ76uzKYWs (hier speziell die Studie ab Min. 6:30)

Übrigens: Psychopatie heißt heute: dissoziale oder auch antisoziale Persönlichkeitsstörung und ist praktisch nicht therapierbar. Je nach Elternhaus und Bildungshintergrund werden Arme eher illegale Kriminelle und Wohlhabendgeborene eher legale Kriminelle (Superreiche, Banken-/Konzernlenker, Spitzenpolitiker). Ein sehr schönes Beispiel hat der gegelte Von und Zu abgegeben, auch mit Elementen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Erster Überblick: http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziale_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung  

Wir haben hier die Entsprechung zum kranken untherapierbaren KapitalismusSystem. Wer war zuerst da – Henne oder Ei?

Was tun? Es ist alles längst vorbereitet, um Volksaufstände mit militärischer Waffengewalt -auch B,C,E- niederzuschlagen. Müssen wir warten, bis das System in der eigenen Logik implodiert? Derweil lerne ich über Geld-/Zinssystem, Gesellschafts-Alternativen und übe mich in Solidargemeinschaften wie Tauschring, Leihgemeinschaften, Solidarische Landwirtschaft und so.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 11.12.2012 | 14:01

Hallo Theaterkritiker,

vielen Dank, feiner Mitdenker : ) 

@Put:

Als ein Jünger des heiligen Hellingers ist mein Lösungsansatz: Sie gehören dazu. Und um sie zu verstehen, müssen wir uns mit ihnen auseinandersetzen. Im Detail. Was nicht so einfach ist, denn eigentlich möchte man ja gar nichs mit ihnen zu tun haben. Verständlicherweise. Aber, meine Erfahrung ist: Es ist sehr anstrengend, aber dafür auch sehr erkenntnisreich. Z.B.: Denn sie wissen, was sie tun. Jedenfalls bei denen, die ich kennenlernen durfte. Am Ende des Tages wissen sie es.

Und ja, dissoziale Kompetenz soll nicht heilbar sein. Aber das kann morgen ja schon ganz anders sein. Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwo auf der Welt schon einen hellen Kopf, der eine Heilungsmethode in der Schublade liegen hat.  Vielleicht weiß er es nicht mal.

Lesenwert ist ein Buch, dessen Autor und Titel mir leider nicht präsent ist (so ist das, wenn man Bücher verleiht....), eines amerikanischen Professors für Soziologie, der in den Fünzigern die Oberschicht durchleuchtet hat. Daher auch meine Vermutung, dass es zu den dissozial-Gestörten ein Gegengewicht in den Reihen der oberen Zehntausend gibt. Ansonsten wäre hier die Lichter schon lange aus. Und machen wir uns nichts vor: Reich zu sein, ist doch kein Verbrechen. Es ist nur die Frage, auf wessen Kosten und ob Reichtum als Machtinstrument missbraucht wird.

Dann: Es ist m.E. offentsichtlich, dass Wahn im direkten Zusammenhang mit Religion steht. Sehr zu empfehlen die Rede von Max Planck 1937 auf dem Baltikum. Es soll durchaus moderne Wissenschaftler (also die, die die Bezeichnung wirklich verdienen) geben, die Hinweise auf die Existenz Gottes - was immer das auch sein mag - haben, aber im Regelfall unterdrückt werden. Sicherlich von den Religionen selbst, aber auch von anderen Wahnsinnigen, weil sie viel zu verlieren haben. Und nicht nur sie: Was ist, wenn man 2,1 Milliarden Christen auf den Topf setzt? Fühlt sich unangenehm an. Daher meine Empfehlung: Es langsam und behutsam angehen lassen. Ohne ständig auf den Dissozialen herumzutreten. Es scheint, sie müssen so handeln. Reichen wir ihnen die Hand und versuchen herauszufinden, warum. Und wer weiß, vielleicht ist am Ende sogar eine friedliche Koexistenz möglich?

An alle Mitverzweifelnden noch ein Tipp: 'Die Macht der inneren Bilder', ebenfalls von Prof. Hüther. Schreibt Euch eigene innere Bilder. Jeden Tag aufs Neue. Die dadurch vielleicht neu entstehende innere Haltung in einem Selbst wirkt dann wieder nach außen. Im Idealfall konstruktiv. Und erlaubt Euch, das ganze Chaos immer wieder auszublenden. Ist einfacher als man denkt. Und, ernährt Euch gut. Viel Obst und Gemöse!

So, ich bin denn mal mit dem Hund raus. Ein Rüde.

Uwe Theel 11.12.2012 | 15:44

""Der Autor muss nur mal prominent machen, wer denn konkret "Finanzakteure" ist, um so auch für sich selbst herauszufinden, dass es die politisch Staatsbemächtigten sind, von denen er nun in der Meinung, das Problem zu lösen, "Regulierung" fordert."

 

Nun ein Staatsbemächtiger, der politischer Finanzaktuer ist, den sollten Sie kennen: Es ist der aktuelle Kanzlerkandidat der SPD, der auf seiner Nominierungsrede auf dem gerade gewesenen Sonderparteitag der SPD explizit die Meinung vertrat, der Kapitalismus sei kontrollierbar, er deswegen auch "beruhigt" von einer durch eine SPD geführte Regirung zu bewältigenden "Finanz-, bzw. Eurokrise" weiter sprechen tut.

Außerdem: Herr Ahbe hat keine "Staatsbevollmächtigten" im Sinn, die die gegenwärtige Krise "regulieren" können sollten, sondern er spricht von Gründen, die dieses "Finanzsystem" und was daran hängt für unhaltbar und zu Überwindendes kennzeichnen.

karamasoff 11.12.2012 | 17:37

"...und erweckt den Eindruck, als wäre gerade hier das Geld versickert."

 

genau das wird aber seit jahren, wenn nicht jahrzehnten publik gemacht von politik und medien. diese annahme ist so ins  unwissensrepertoire der , ich nenne es unverhohlen:verhaltensgestörten, menschen integriert, daß sogar hartes zahlenmaterial (vom staat veröffentlicht) nicht mehr dagegen ankommt.

malsogesagt 12.12.2012 | 18:32

Hi, Theaterkritiker, 10.12.2012

0h Mann, da hab ich ja was losgetreten ....
Dein erster Absatz, Thema "Triebe". Ist von mir absolut nicht deterministisch gemeint, ist wohl in den falschen Hals geraten.
Natürlich ist der Mensch nicht veränderungs- und lernresistent. Die Evolution (Mutation, natürliche Auslese usw.).hat ihn so werden lassen, wie er ist, es fanden durchaus Veränderungen statt.  Er unterscheidet sich von anderen Lebensformen zu allererst dadurch, daß er über das komplexeste und differenzierteste Gehirn
verfügt, zu Leistungen fähig is, die andere Arten nicht erreichen, also nicht irgendwie resistent. (Würden Evolution, Mutation und natürliche Auslese nicht funktioniert haben, könnte auch der Mensch durch künstliche Auslese keine Nutztier-Rassen oder -pflanzen züchten). Hoffentlichkommt keiner auf die Idee,
Menschen züchten zu wollen, es wird ja schon an Genen und Stammzellen herum gefummelt und auch schon ans Klonen gedacht.
Bleiben wir bei den natürlichen Vorgängen, dann wissen wir nicht, wie viele Arten es schon in der Geschichte des Planeten gegeben hat, die ausgestorben sind. Da Evolution kein Ziel hat, sind auch immer neue Arten entstanden. Niemand weiß, wie viele parallele "Versuche" (falscher Ausdruck, da nicht planbar) die Evolution
ständig gestartet hat und weiter startet, wieviele Mutanten keine Nische zum Überleben fanden und finden und wieder eingegangen sind. Überhaupt sind alle heutigen Arten immer irgendwie die Übriggebliebenen. (Der Neandertaler ist aus bisher ungeklärten Gründen ausgstorben. Hätte er bei günstigeren Bedingungen
das Potenzial in sich getragen, Philosophen und Konstrukteure von Weltraumsatelliten hervorzu bringen?) Übrig geblieben ist der heutige Mensch.

Absatz 2. Stimme ich zu, der Sexualtrieb ist aber immer noch da, in den Genen, verfeinert und kultiviert, sonst gäbe es uns nicht mehr. Ist ja prinzipiell kein schlechter Trieb.

Absatz 3. Zum Teil. Hunger und Durst sind schlimm. Lebewesen ohne diesen Trieb können wohl kaum eine Population dauerhaft aufrecht erhalten. Das Eichhörnchen, welches Nüsse auf Vorrat sammelt und vesteckt, legt keine Vorräte an, die für 10Tausend Artgenossen reichen würden, das ist objektiv nicht möglich. Es gibt Nahrungskonkurrenten, u.a. auch weitere Hörnchen. Es braucht Zeit, Kraft und Energiereserven für diese "Arbeit", die Tierchen wären wohl heillos überfordert. Übrig geblieben sind sie, so wie wir sie kennen. Aber der Mensch hat mit Hilfe seines hoch enwickelten Gehirns im Laufe von geschichtlichen Zeiträumen Möglichkeiten, wie Produktionstechnologien, gefunden, wobei schon lange nicht mehr alle arbeitsfähigen Menschen benötigt werden, sich gesellschaftliche Systeme und Rechtssysteme geschaffen, die es ihm gestatten, seinen Reviertrieb, seine Gier, ins Uferlose zu bedienen. Aufgrund der hohen Arbeitsproduktivität ist da ja enorm viel zu holen, jedenfalls mehr als Eichhhörchen sammeln kann :-). Ist die Evolution da in eine Sackgasse geraten?

Absatz 4: Ich beziehe "Revier" nicht nur auf Grundbedürfnisse, sondern abstrakt oder erweitert. Warum sollte ich einen Absatzmarkt, auf dem ein Unternehmen das Monopol, ob nun durch
Dumpingpreise oder bessere Produkte hat, nicht Revier nennen? Oder die Schürfrechte an Bodenschätze, die ein Konzern sich durch Schmiergeld vor anderen Konzernen gesichert hat? Es ist auch keine Vermenschlichung a la "Märkte" beabsichtigt, natürlich werden Handelsmonopolisten, Konzerne und Banken von Menschen geführt. Die Krebszelle, die ihren Wirt auffrisst - der Gedanken kann einem kommen, wenn man sieht, wie die Ressourcen des Planeten verbraten, Seen, Flüsse, Meere, Grundwasser ud Luft vergiftet werden. Ich denke, es wird so weiter gehen (siehe "Klimagipfel"), vielleicht bis Natur oder Klimakatastrophen, also Nicht- Menschliche Zwänge, ein Umdenken erzwingen? Bis auf weiteres geht es rücksichtslos weiter um Konjunktur, Wirtschaftswachstum, steigenden Konsum.
Der gesunde Egoismus ist gut, wenn es gelingt, die Grenze zum Ungesunden zu erkennen.

Absatz 5: Psychopathie, werde mich gelegentlich mit den verfeinerten Definitionen befassen. 


Entsprechung zum kranken Kapitalismussystem ... Henne oder Ei? Der Mensch ist wohl die Henne, die das kapitalistische Ei gelegt hat. Kapitalismus ohne Mensch geht wohl nicht. Was würde Sokrates dazu sagen :-))  ?