Jana Hensel
14.02.2013 | 01:00 22

Es ist vorbei

Sexismus Brüderle, Steinbrück, Petraeus, Armstrong & Co: In vielen Debatten ging es um Männer, die plötzlich zu Verlierern geworden waren. Das ist kein Zufall

Der arme Rainer Brüderle! Nicht nur er wird sich in diesen Tagen verwundert die Augen reiben. Darf man denn einer Frau gar keine Komplimente mehr machen, fragen sich seit vergangener Woche gewiss auch viele andere Männer – und viele Frauen wahrscheinlich ebenso. Nachdem im Stern vom 24. Januar ein Porträt von Rainer Brüderle mit dem Titel „Ein Herrenwitz“ erschienen war, in dem die junge Journalistin Laura Himmelreich über äußerst unangenehme Aufdringlichkeiten des FDP-Mannes gegenüber Frauen schreibt. Der schaurigste und mittlerweile unzählige Male zitierte Satz in diesem Zusammenhang, den Brüderle nach einem Blick auf Himmelreichs Busen sagte: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

So einen Satz als Kompliment zu bezeichnen geht natürlich gar nicht. So einen Satz aber wiederum schreiben zu können, wohlgemerkt im Stern und nicht in der Emma, das ist wirklich etwas Neues, wenngleich auch noch nichts Normales (siehe auch Interview).

Und so rollt seit vergangener Woche eine gigantische Sexismus-Debatte über uns hinweg, die dieses Land verändern wird. In den Zeitungen, im Fernsehen, in den Blogs, auf Facebook und Twitter, an den Küchentischen zuhause. Und ausgerechnet Hellmuth Karasek, der am vergangenen Sonntagabend bei Günther Jauch saß, um zu zeigen, wie wenig er von dem Thema versteht, ausgerechnet dieser Hellmuth Karasek hat einen der bisher klarsten Sätze dazu gesagt: „Es ist wie der Ausbruch eines Krieges.“

Denn in Wahrheit reiht sich diese Sexismus-Debatte in viele andere der vergangenen Tage, Wochen, Monate ein. Im Nachhinein wird niemand mehr sagen können, wann und wo es angefangen hat. Da war die Debatte um den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der sich trotz all der missverständlichen Äußerungen und eindeutig zu hochdotierten Nebeneinkünften von seinen sozialdemokratischen Parteikollegen mehr Beinfreiheit wünscht. Ausgerechnet Beinfreiheit! Was ein Alpha-Mann sich halt so wünscht. Da wurde über die Quote in Medienhäusern und Vorstandsetagen und über das Betreuungsgeld gestritten. Da gab es, schon ein wenig länger her, die Affären um Dominique Strauss-Kahn und um Silvio Berlusconi, da stolperte jüngst mit General David Howell Petraeus, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Irak und in Afghanistan und ein in Republikaner-Kreisen hoch gehandelten Anwärter als Kandidat für die Präsidentschaft, also einer der mächtigsten Männer der USA über eine Affäre.

Es ist wie der Ausbruch eines …

Da wurden Pussy Riot in Russland zum Symbol des Widerstandes gegen Wladimir Putin. Da unterlag Mitt Romney Barack Obama, und das „Ende des weißen Mannes“ in Amerika wurde ausgerufen. Da wurde hierzulande Jörg Kachelmanns „Opfer-Abo“ als Schmähbegriff gegen Frauen zum Unwort des Jahres gewählt. Da gestand Lance Armstrong, seine Erfolge jahrelang auf ein gigantisches Betrugs-Netzwerk aufgebaut zu haben. Und da trat Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz als Nachfolgerin von Kurt Beck ihr Amt an. Mit einer so großen Aufmerksamkeit, dass Beck, der mit 18 Jahren so lange wie kein anderer als Ministerpräsident im Amt war, Angst haben muss, im Rückblick auf seine Amtszeit würde nur an das Debakel am Nürburgring und an die Personalie Dreyer erinnert werden.

Im Zentrum all dieser Debatten, Ereignisse und Nachrichten standen Männer. Auf die eine oder andere Art ging es stets um ihr Verhältnis zur Wirklichkeit. Und in all diesen Debatten waren weiße, heterosexuelle Männer in Machtpositionen plötzlich und aus vielen Gründen zu Verlierern geworden. Manchmal nur deshalb, weil sie die Dinge sahen, wie sie sie immer gesehen hatten. Weil sie die Dinge taten, wie sie sie immer getan hatten. Weil sie glaubten, sie seien noch immer unter sich. Unbeobachtet und durch keinen anderen Blick, keine andere Perspektive, keine andere Biographie, keine fremde Geschichte oder Herkunft, durch keine anderen Werte in ihrem Tun begrenzt. Der Zeitgeist aber schob sie gerade deshalb erbarmungslos an den Rand. Männer wie jetzt Rainer Brüderle und wie vor ihm Dominique Strauss-Kahn, Lance Armstrong oder Peer Steinbrück wurden aus unterschiedlichen Situationen heraus Getriebene.

… Krieges, sagte Hellmuth …

Oft wirkten diese Männer so, als verstünden sie selbst am wenigsten, worum es eigentlich ging. Was richtig und was falsch war, was man tat und was man ließ, was man sagte oder worüber man schwieg, diese Instinkte schienen sie verlassen zu haben. Und schlimmer war sicher noch jene Erfahrung, dass selbst ihre Macht und ihr Einfluss sie nicht mehr schützen konnten. Denn die Kritik reicht längst tief in die Mitte der Gesellschaft hinein, sie hat die sogenannte kritische Masse erreicht.

Und so waren diese Männer nicht länger nur persönlich gemeint, sondern die Kritik an ihnen war bereits zur universalen Kritik an einer Herrschaftsform, an einer scheinbar für ewig beanspruchten und durch niemanden in Zweifel zu ziehenden Vormachtstellung geworden. Es ging um das System, das sie repräsentierten. Anders ist, wie gesagt, nicht zu erklären, dass der Herrenwitz-Text ausgerechnet im Stern erschienen ist, einer Illustrierten, die gern wie so viele andere auch, nackte Frauen auf dem Titelbild zeigt. Aber die Männer sind keine homogene Masse mehr, sie beginnen an sich selbst zu zweifeln. Die jungen an den älteren; die aufgeklärten an denen, die in traditionellen Rollenmustern denken.

Diesen Zeitgeist zu erklären ist schwer. Ihn mit Zahlen, Daten und Fakten zu belegen noch mehr. Allenfalls Bruchstücke lassen sich zusammensetzen. Schauen wir nach Übersee: Bei der US-Präsidentenwahl haben 55 Prozent der Frauen, 96 Prozent der Afro-Amerikaner und 71 Prozent der Latinos für Barack Obama gestimmt. Die Summe der einzelnen Minderheiten-Teile war größer als die der bisherigen Mehrheitsgesellschaft. Die Minderheiten zusammen haben Obama eine zweite Amtszeit gesichert. Sie haben einen Sieg errungen, der sie verbindet.

Und es findet eine Veränderung statt, bei der Bildung die treibende Kraft ist. An allen Hoch- und Fachschulen weltweit, mit Ausnahme Afrikas, sind Frauen in der Überzahl. In den Vereinigten Staaten beispielsweise kommen auf zwei Männer, die einen Bachelor-Abschluss machen jeweils drei Frauen. In Indien lernen inzwischen mehr Frauen Englisch als Männer. In China sind bereits 40 Prozent der Privatunternehmen im Besitz von Frauen. Und in Südkorea, einem jahrhundertelang streng patriarchal organisierten Staat, in dem man weibliche Föten abtrieb und Frauen misshandelte, wenn sie keine männlichen Erben auf die Welt brachten, ist die Liebe für erstgeborene Söhne verschwunden. 2010 antworteten 29,2 Prozent der Frauen, sie hätten lieber einen Sohn, 36,3 Prozent hingegen wollten ein Mädchen. Erstaunlicherweis war die Kluft bei den Männern noch größer: Nur 23 Prozent wollten einen Jungen, 42,6 Prozent dagegen ein Mädchen.

Und was hat all das mit Rainer Brüderle zu tun? Wir schauen auf die anderen, die anderen schauen auf uns: Nun hat auch die New York Times über die aktuelle Debatte berichtet. Frauen hierzulande schreiben auf Twitter unter dem Hashtag #Aufschrei über ihre Erfahrungen mit Sexismus, die Französinnen haben sich ihnen unter #assez und die Italienerinnen unter #gridala angeschlossen.

Die hiesigen Zahlen bestätigen zudem den globalen Trend: Auch in Deutschland holen die Frauen immer mehr auf. Waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2000 nur 24 Prozent der hochqualifizierten Erwerbstätigen im Alter von 30 bis 34 Jahren Frauen, stieg ihre Zahl bis zum Jahr 2010 bereits auf 35 Prozent an; während die Zahl der Männer im gleichen Zeitraum nur von 29 auf 31 Prozent wuchs. Mit anderen Worten: Die jungen Frauen haben die Männer gleichen Alters inzwischen überholt. Im besten Fall lernen beide Geschlechter dabei voneinander, im Büro wie zuhause.

… Karasek bei Günther Jauch

Die Amerikanerin Hanna Rosin hat in ihrem Buch Das Ende der Männer für dieses Phänomen die Bezeichnungen „Plastikfrau“ und „Mann aus Pappe“ benutzt. Die „Plastikfrau“ ist eine, die einen nahezu napoleonischen Eroberungsdrang habe, mehr als weibliche Singles und genauso viel wie Männer verdiene. Sie hat Kinder, aber arbeitet, als hätte sie keine: „Sie ist die Mutantin, die von unserer Gesellschaft heute am meisten belohnt wird, ein Mensch, der die alten weiblichen und männlichen Pflichten gleichzeitig erfüllt, ohne dabei irgendwie kürzerzutreten.“

Beim „Mann aus Pappe“ hingegen änderte sich fast nichts. Viele klassische Männerberufe werden mittlerweile von Frauen ausgeübt; umgekehrt gilt das nicht. Dennoch beruht der „männliche Selbstwert“ noch immer auf dem Beruf, eine klar umrissene „neue männliche Identität“ ist noch nicht gefunden. Viele Männer stecken irgendwie fest. Sie machen ein bisschen mehr Hausarbeit als früher, kümmern sich ein wenig mehr um die Kinder, als noch ihre Väter es taten. Die Frauen jedoch leisten im Gegenzug viel mehr bezahlte Arbeit – und machen den Rest halt auch noch.

Mit all diesen Frauen wird die Welt weiblicher, was nicht automatisch bedeuten muss, dass sie besser wird. Erst einmal aber wird sie anders, und viele Männer scheinen Mühe zu haben, sich dieser Veränderung zu stellen. Die meisten, und auch Rainer Brüderle gehört wohl dazu, versuchen diesen Wandel bisher noch zu ignorieren. Und vielleicht ist es erst einmal nicht mehr als diese Ignoranz, die der Zeitgeist nun hemmungslos ahndet. Sie wird nicht mehr verschwiegen oder toleriert. Die Ignoranz der Männer ist selbst zu einem Thema geworden.

Womit wir wieder bei Laura Himmelreich und Rainer Brüderle wären, diesem so ungleichen Paar. In Gestalt der jungen Journalistin mit dem verträumten Namen und dem 67 Jahre alten Politiker, der seine Partei im Wahljahr aus der Krise führen soll, ist die neue Zeit nachts an der Bar auf die alte Ordnung getroffen. Und plötzlich brach ein Krieg aus, genau so wie Hellmuth Karasek es nicht treffender hätte formulieren können. Ein Krieg, der nur deshalb geführt werden kann, weil eine Frau wie Laura Himmelreich mittlerweile auch über Waffen verfügt und ihrem Gegner damit beinahe auf Augenhöhe Widerstand leisten kann – oder zumindest damit beginnt, diesen zu leisten.

Dadurch ist die junge Journalistin zu einer Art Symbol geworden, ähnlich übrigens wie auf einer ganz anderen Ebene die junge Frau in Indien, die den nächtlichen Zusammenstoß mit ihren brutalen Vergewaltigern mit dem Leben bezahlen musste, es in ihrem Land geworden ist. Dieser Vergleich mag drastisch klingen, aber er hinkt nur auf den ersten Blick. Jede Gesellschaft schafft ihre Koordinaten, ihre Bedingungen, und die indische ist in vielen Bereichen auf eine hier nicht vorzustellende Art gewaltsam und eben brutal. Aber auch da kämpfen Männer gegen Frauen – auf ihre Art. Hier wie dort geht es um Sexismus, um Diskriminierung von Frauen. Der große Unterschied ist allerdings, dass es hier nicht ums Überleben geht. Aber es geht um Gerechtigkeit und Respekt.

Zwischenfälle wie der zwischen Laura Himmelreich und Rainer Brüderle wird es auch in Zukunft geben. Das Phänomen, dass junge Frauen in Politikredaktionen großer Zeitungen arbeiten, ist ja erst ein paar Jahre alt. Solche Zwischenfälle werden wahrscheinlich sogar noch zunehmen, je mehr Frauen solche Jobs machen.

Nun also herrscht Krieg. Auch weil viele Männer nach wie vor nicht daran denken, freiwillig auf die Privilegien, die sie aufgrund ihres Geschlechts genießen zu verzichten. Und sei es auch nur auf das Privileg, einen schmierigen Spruch loszuwerden. Es ist gut, dass wir das mit dem Krieg jetzt einmal so drastisch gesagt und gehört haben. Und es ist gut, dass diese Sexismus-Debatte so aufgeregt und aufgewühlt geführt wird. Denn wer glaubt, dass der Kampf um mehr Gleichberechtigung eine für alle Seiten angenehme und kaum spürbare Angelegenheit ist, der merkt spätestens jetzt, dass er sich getäuscht hat. Auch Brüderle und Co. werden noch lernen: Der Vormarsch der Frauen ist eine Entwicklung, die sich einfach nicht ignorieren lässt.

Kommentare (22)

RatCreutz 14.02.2013 | 08:11

Auf den geneigten Leser prasseln die Gender-Artikel im Freitag inzwischen im Stundentakt nieder.

Ich wünsche dem Freitag, daß er damit ein Modell zur ökonomischen Gesundung gefunden hat. Sicher aber müssen mehr Frauen als bisher diese Linie honorieren und die Zeitung abonnieren

Daß weiße heterosexuelle Männer dies tun werden, ist nicht zu erwarten.

 

Meyko 14.02.2013 | 09:08

Ein Auszug aus einem weniger beachteten Beitrag:

Diese, spontan an einem Abend entstandene Aneinanderreihung von Erinnerungen, könnte man eventuell auch mal einer "Neubewertung" unterziehen:

Vier, etwa zwanzig Jahre ältere Frauen, sprechen mich aus dem Auto heraus an, fahren ausdauernd neben mir her und wollen mich wiederholt in ihren PKW einladen.

Eine fremde Frau in einem weiten Rock sitzt neben mir im Kino und legt ihr nacktes Bein über die Lehne auf meine Hand.

Es klingelt in der Nacht. Eine mir völlig unbekannte junge Frau: „Bin hier bei meiner Tante zu Besuch und hab` dich in deiner kurzen Hose auf deinem Rennrad gesehen. Jetzt will ich dich mal eben besuchen.“

Meine Vorgesetzte bittet mich, ihr ins Bad zu folgen. Sie stellt sich auf Zehenspitzen vor den Spiegel, streckt den Po raus und sagt, während sie ihre Lippen schminkt:“Ich hab da hinten auf der Hose einen dunklen Fleck, kannst du mal sehen was das ist und das wegmachen?“

Eine Nachbarin, die überraschend in meine Wohnung kommt, bittet mich, ihren Hosenreißverschluss zu überprüfen. Bei angezogener Hose wohlgemerkt. Denn, ich hätte ja eine Nähmaschine.

Ich habe seinerzeit in der Kneipe gejobbt und mit einer, mir an sich unbekannten Frau, zufällig teilweise den gleichen Nachhauseweg. Eine Aufforderung mit zu ihr raufzukommen, wird von mir wegen Übermüdung abgelehnt. Sie schlägt mich wütend und unvermittelt mehrfach auf den Oberkörper.

Eine Nachbarin, fängt mich um 22:00 Uhr im durchscheinenden Negligé auf dem Flur ab und will mir ihre Wohnung zeigen. Ich nehme mir freundlicher Weise einige Minuten Zeit dafür, drehe vor der Schlafzimmertür allerdings entschlossen um und verabschiede mich freundlich..

Wochen später verfolgt sie mich schimpfend und greift hinterrücks mit einer Flasche an, um mich dann Tage später bei der Polizei wegen Körperverletzung anzuzeigen.

Urlaubsbungalow in Spanien. Meine Frau liegt auf der Sonnenterasse und ich habe mich in das schattige Schlafzimmer verzogen. Ich schlafe wegen der Nachmittagshitze beinahe unbedeckt. Irgendwann bekomme ich im Halbschlaf mit, dass jemand hereinkommt und vermute es ist meine Frau. Als ich jedoch die Augen öffne, bemerke ich eine spanische Hotelangestellte. Sie steht an meinem Bett und macht Handbewegungen als schüttele sie gerade eine Ketchupflasche. Wobei sie mit der anderen Hand ungeniert auf meinen teilentblößten Unterleib weist. Dabei strahlt sie mich an:“Solle ich mache?“ Ich ziehe hektisch und erschrocken das Laken über mich.

Manche Menschen mögen von solchen oder ähnlichen Momenten träumen oder im Einzelfall, auch die selbstbewußte, aktiv fordernde Frau erkennen. Wenn Mann allerdings unvorbereitet von solch einem Verhalten überrascht wird, fühlt Mann sich im ersten Augenblick eher verunsichert oder auch hilflos.

beobachtermann 14.02.2013 | 10:56

Und was, wenn unter dem Markenbegriff Sexismus lediglich ganz besonders abgefeimte Formen von Selbstmitleid <-> zu firmieren gedenken sollten?

Geschlechterdifferenz gar zum Geschlechterkrieg ausdifferenzieren zu wollen läßt zwar auf hohe Ambitionen schließen ändert jedoch wenig an Unterschieden von Geschlechtern oder Geschlechterwahrnehmung.

Man wird den Eindruck jedenfalls nicht ganz los: dass auch in der Genderdebatte zusehends evangelikal wirkende Positionen en vogue zu sein scheinen.

Anders gesagt: wer sich vom anerzogenen Calvinismus nicht zu befreien vermocht hatte, wird das vmtl auch kaum von Geschlechterrollen zu bewerkstelligen vermögen.

Die Sexismus-Debatte, so, wie sie heutzutage geführt wird, wirkt auch zutiefst reaktionär, im politischen wie im geschlechtsspezifischen Sinn.

Superwoman 17.02.2013 | 23:09

tschuldige, aber du schriebst selbst unter deine Aufzählung "davon mag ja so mancher träumen" - damit vorweg nehmend, dass ein Mann sich solche Situationen ganz anders ausmalt, daher musst du mit diesen Bemerkungen rechnen.

Es tut mir leid, dass du in diesen Beispielen als Sex-Objekt wahrgenommen wurdest und Frauen, die sich von dir etwas wünschten, aber nicht bekamen, als aggressiv und nachtragend erlebt hast.

Der große Unterschied ist aber nicht nur, dass andersrum das Massenphänomen zu beobachten ist, sondern, dass du keine ANGST hattest. du hast dich ein wenig verunsichert gefühlt, und wenn eine Frau dich wegen Verweigerung selbst angreift, sicher ungerecht behandelt gefühlt. Aber eine Frau, in de meisten Fällen, ist kleiner und schwächer als ein Mann. Eine Frau, wenn sie nicht Selbstverteidigung gelernt hat, kann sich nur schwer wehren. Wenn ein Mann erst mal auf ihr liegt, selbst dann nicht. und selten hab ich gehört, dass Waffen eine Rolle spielen dabei, wenn eine Frau einen Mann rumkriegen will

Was Männer sich nur schwer vorstellen können, ist, wie man nach einem  - als Scherz gemeintem vielleicht - Griff zwischen die Beine von einem Unbekannten, noch stundenlang zittert und seine Haustüre verschließt, aus Angst, zu Freiwild geworden zu sein. Das kann und will den meisten nicht in den Kopf.

 

Meyko 19.02.2013 | 18:00

„… dass ein Mann sich solche Situationen ganz anders ausmalt, daher musst du mit diesen Bemerkungen rechnen.“

Nö, damit hab ich tatsächlich nicht gerechnet.  Aber danke für Dein  angedeutetes Teilverständnis, bezüglich „Sex-Objekt,… aggressiv und nachtragend“.

Eine wilde Panik hat mich tatsächlich nicht unbedingt in jeder der beschriebenen Situation erfasst. Obwohl der im ursprünglichen Text erwähnte LKW-Fahrer bestimmt 40 Kilo mehr wog als ich und mein Pulsschlag sich, bei der Überlegung eventuell mein Gepäck zurückzulassen und aus dem Fahrerhaus zu springen, doch merklich erhöhte.

 Na, und die Sorge, die Chefin zu verärgern und den Job zu gefährden; eine Anzeige wegen Körperverletzung in der Post  oder eine enttäuschte Nachbarin, die in der Folge allerhand „Lügengeschichten“ erfindet und damit Unfrieden verbreitet, sind wohl für jeden nachvollziehbar, unangenehme und lebensbeeinflussende „Begebenheiten“ oder  "Einzelfälle".

Seis drum. Meine Knie haben tatsächlich nicht gezittert.

Ergänzend vielleicht noch: Als „Beschützer“ von drei jüngeren Schwestern, habe ich die unterschiedlichsten Ängste kennengelernt bzw. kann mir dementsprechend auch einige vorstellen.

TobiB07 20.02.2013 | 13:46

Manche Männer fürchten bereits, dass auch in ihnen ein "Brüderle" stecke, dass sie letztlich ein Vergewaltiger sein könnten und Frauen zuerst auf dem Po statt in die Augen geblickt haben. Wer solches fürchtet, der hat sich mit dem Schuld zuweisenden Sexismus schon infiziert. Er lebt nicht mehr als Individuum, das Frauen lustvoll begehren kann, sondern er rechnet sich bereits dem Kollektiv der Täter zu. Und eben das bezweckt die politisch angestrebte Polarisierung der Geschlechter in gute Frauen und böse Männer. Die Ideologie vom Sexismus soll in jedem Mann Schuldgefühle über einen potenziellen Täterstatus zuverlässig verankern.

Weiterlesen:

http://cuncti.net/streitbar/365-sexismus-die-neue-pruederie

 

Und eine Analyse zu #Aufschrei: Die Medien haben einen manipuliert und irre geführt:

http://www.genderama.blogspot.de/2013/02/analyse-die-wahrheit-uber-die-aufschrei.html

 

 

TobiB07 20.02.2013 | 14:12

Boah, der Text bedient soviele männerfeindliche Sexismen, das man kaum hinterher kommt, also zu "Das Ende der Männer", diese Perle:

… Sekunde mal eben, ich bekomme gerade einen Anruf auf meinem Smartphone, Sie wissen schon, dieses Ding, das im Laufe der letzten Jahre unser Leben verändert hat. Ich behaupte mal frech, daß bei dessen Entwicklung keine einzige Frau beteiligt war, sondern ausschließlich weiße und jüdische Männer. Ich würde darauf zwar nicht gerade meinen Kopf wetten, aber sagen wir mal eine Million Euro. Jetzt höre ich schon den Einwand von Frauen, ja, das mit der Technik, überhaupt mit der Naturwissenschaft, das kann der Mann - aber sonst auch nichts. Irrtum! Weil es sich bei der digitalen Revolution, die zu 100 % von Männern kreiert wurde, in erster Linie gar nicht um eine technische handelt, sondern um eine zivilisatorische, kulturelle und künstlerische. Insbesondere leistet sie der dem Weibe ureigensten Disposition des Schnatterns *lol* Vorschub. Ja, eine nicht simsende, facebookende, homepagende, vor allem aber rund um die Uhr telefonierende Frau ist heutzutage eine bizarre Erscheinung wie eine Nonne. Und das alles haben sie dieser armseligen, weißen Schwuchtel zu verdanken!

Aber nicht allein das, sie haben ihm alles andere auch zu verdanken. Vor allem, daß sie als Frau so leben können, wie sie es gegenwärtig im Westen tun. Ihre glorreiche Frauenemanzipation ist ein billiger Abklatsch des Klassenkampfs der Männer des letzten Jahrhunderts. Ihre Befreiung von der Küche beruht ausschließlich auf von Männern ersonnenen und immer cleverer und leistungsstarker werdenden Küchen- und Haushaltsgeräten, der industriellen Herstellung von Lebensmitteln plus kleinen chemischen Zaubereien zur Zubereitung von Speisen. Selbst die Maschinen, die ihre Tampons und Binden produzieren, haben Männer erdacht. Und daß nicht jeder zehnte von ihnen wie noch vor hundert Jahren beim Gebären stirbt, ist dem männlichen medizinischen und pharmazeutischen Erfindungsreichtum geschuldet. Es gibt in der Kunst kein einziges Genre, keine einzige Technik und kein einziges Muster, nichts, was nicht vorher einem männlichen Hirn entsprungen wäre.

Kann es seine, dass Freitag hier keine Qualität zur Geschlechterdebatte liefert, sondern nur heiße Luft? Und dass die Frauen die Männer überholen: Liegt das daran, dass sie vielleicht bevorzugt werden, schon in der Schule? Und darauf soll frau stolz sein? Der Mann, das endende Geschlecht, die Frau, das erbärmliche Geschlecht.

TobiB07 20.02.2013 | 14:20

Und wenn ich im Gegensatz zur Freitags-Zeitgeist-Redaktion Qualität liefere, mache ich gleich weiter:

Ich spreche mir sicherheitshalber Mut zu und pirsche mich langsam an das Thema heran. Was ist passiert? Uns wurde in dem jüngsten „Schwesterle-Skandal“, wie ich ihn zur Abwechslung nennen möchte, eine eigenartige Perversion vorgeführt. In dem Aufschrei um „Herrenwitz“ und „Sexismus“ wurden zwei Güteklassen von Witzen miteinander vertauscht: „Herrenwitze“ und „Männerwitze“.

„Na und?!“ Hier mag vielleicht schon so manche Frau aufschreien: „Die sind doch alle gleich.“ Nein. Männer sind nicht gleich. Witze auch nicht. Es ist keine Kleinigkeit. Es ist kein formaler, sondern ein grundsätzlicher Unterschied. Wenn man die beiden Witzsorten verwechselt, dann verdreht man bei der Gelegenheit – das soll jetzt keine sexistische Bemerkung sein – auch die „Stoßrichtung“, man vertauscht Subjekt und Objekt, man verwechselt Täter und Opfer. Eben das meine ich mit Perversion. Herrenwitze sind nämlich nach Tätern – den Subjekten – benannt, was noch nichts über die Witze selber aussagt; Männerwitze dagegen sind nach Opfern – den Objekten – benannt, was sehr wohl etwas über die Witze aussagt.

Ein paar Beispiele für Männerwitze: „Was ist der Unterschied zwischen einem Schlips und einem Ochsenschwanz? Der Ochsenschwanz verdeckt das ganze Arschloch.“ Oder: „Was ist der Unterschied zwischen einem Mann und einer Katze? Das eine ist ein verfilzter, fauler Fresssack, dem es egal ist, wer ihm das Essen bringt. Das andere ist ein Haustier.“ Oder: „Wie nennt man einen Menschen ohne Gehirn? Mann.“

Es reicht – oder? So sind heute die wahren sexistische Witze, in denen allein aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit das gesamte Geschlecht ¬–¬ und zwar das männliche – pauschal gedemütigt, beleidigt, erniedrigt und niedergebügelt wird, ohne dass es dafür eine Berechtigung gäbe. Es sind eigentlich gar keine Witze. Es gibt auch nichts zu lachen. Hier werden bekannte Witzmuster missbraucht, um aufzuwiegeln und Misandrie zu verbreiten.

Kaum habe ich das aufgeschrieben, schon lese ich, dass Harald Martenstein das auch getan hat und dabei auch denselben Witz – den mit dem Ochsenschwanz – bemerkt hat. „Zwei Dumme, ein Gedanke“, sagten wir früher auf dem Land. Ich will den Gedanken weiterspinnen. Ich habe mich nämlich schon so manches Mal gefragt: Wer denkt sich solche Witze aus? Ist es wirklich der Volksmund mit seiner gefürchteten großen Klappe oder werden solche Witze lanciert? Sexistische Witze, die diesen Namen auch verdienen – darauf hatte schon Matthias Matussek hingewiesen –, finden wir beispielsweise in der ‚Emma’, die alte Judenwitze zu neuen Männerwitzen umschreibt: „Was ist ein Mann in Salzsäure? Ein gelöstes Problem.“

Es ist zumindest kein Problem für Alice Schwarzer. Wenn sie – wie jüngst wieder geschehen – in einer Talkshow zum Thema „Herrenwitze“ auftritt, muss sie nicht fürchten, dass man sie auf die widerwärtigen „Männerwitze“, die sie zu verantworten hat, anspricht. Da unterscheiden wir. Männerwitze stehen nicht in der Kritik, sondern Herrenwitze.[...]

 

TobiB07 20.02.2013 | 15:18

Letztlich soll er die Welt von Männern und Frauen verändern. Deren Beziehungen soll nicht mehr von Erotik geprägt werden, weil das zu sehr die Gemeinsamkeiten statt des Trennenden betont. So soll Erotik, die schon immer den Übergang vom Fremden zum Vertrauten und letztlich zum Sexuellen möglich machte, als pulsierendes Geschehen zwischen den Geschlechtern abgeschwächt werden. Denn solange Erotik als etwas Kultivierendes praktiziert wird, solange hat die Ideologie, nach der die Gesellschaft in Täter und Opfer auseinanderfällt, keine Überlebenschancen. [...] Die Schimäre vom Sexismus verleugnet aber nicht nur, dass Erotik Beziehungen stiftet. Darüber hinaus will sie die Erotik als Instrument von Männerdominanz „entlarven“. Die Erotik soll durch den Glauben ersetzt werden, dass Männer Täter und Frauen Opfer seien, die allein durch die männliche Herrschaft aneinander gekettet seien. Deshalb münzt der Sexismus Erotik in männliche Alleinherrschaft um, die Frauen ohne Herrschaftssphären dastehen lässt. Obwohl das äußerst lebensfremd ist, so kann es nicht anders sein, weil Frauen sich nur so als Opfer beschreiben lassen und die Opferverliebtheit ihrer Fürsprecherinnen erst dadurch nachvollziehbar wird.

freedom of speech? 20.02.2013 | 16:01

Ein Riesenhaufen heiße Luft

http://www.online-software-development.de/de/blog/post/aufschrei-anspruch-und-die-verzerrte-wirklichkeit

„...Darstellung in den Medien übersteigt die wahre Bedeutung um ein Vielfaches....“

„...#aufschrei ist keine Diskussion, vielmehr ein Aufeinanderprallen von Meinungen...“

„...Lediglich 1,5% der Tweets (ca. 1350 Frauen) befassen sich mit Erfahrungen über Alltags Sexismus....“

Tja, da wird wohl die eine oder andere im Hinblick auf das "revolutionäre" Gezwitscher umdenken müssen. Heisse Luft und gesteigerte Auflage sind das Ergebnis.

Der revolutionäre „Beweis“ für die Verbreitung von Sexismus im Alltag besteht aus ca. 1350 unbewiesenen Behauptungen von Alltags Sexismus.

Das sind nicht einmal 10 % der tatsächlichen Verurteilungen von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Jahr 2011 (die niedrigste Zahle in einem erfreulichen 10 Jahres Abwärtstrend).

http://www.bka.de/nn_193232/DE/Publikationen/PolizeilicheKriminalstatistik/PksZeitreihen/pksZeitreihen__node.html?__nnn=true

 

Viele Grüße

fos?

Der_Stein 28.02.2013 | 20:06

Das schreit ja förmlich nach der Aussage "Frauen und Mathe...tzzze".

 

Zitat.

"Waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2000 nur 24 Prozent der hochqualifizierten Erwerbstätigen im Alter von 30 bis 34 Jahren Frauen, stieg ihre Zahl bis zum Jahr 2010 bereits auf 35 Prozent an; während die Zahl der Männer im gleichen Zeitraum nur von 29 auf 31 Prozent wuchs."

 

Sachlich korrekt müsste es heißen,
waren(…) nur 24% der Frauen zwischen 30 und 34 hochqualifizert, (…);

Sich Ihre Variante vorzustellen hat aber auch seinen Charme. So hätten wir 2010  unter den hochqualifizierten Erwerbstätigen immerhin 31 Prozent Zwitterwesen bei uns im Lande.

Ratatörskr 15.03.2013 | 13:11

Persönlich habe ich diese billige Männerrhetorik erst einmal als Beleidigung der jugen Frau angesehen, die wohl ein ernsthaftes Gespräch erwartet hatte und  dann mit einem  Tiefschlag dieses Herrchens auf sein Krachlederhosen-Niveau  gezogen wurde. Mag sein, dass dieses "Brüllerle" es nicht besser kann. Inzwischen hat er sein Niveau auf dem Parteitag für alle Welt auch noch als Alltags-Fuzzi hinaus gebrüllt. Und nun kann sich jedeR ein Bild von ihm machen und sich seinen Teil denken.