Verena Schmitt-Roschmann
21.05.2012 | 10:55 104

Warum sitzt der Mann bei Jauch?

Euro Thilo Sarrazin hat ein Buch gegen den Euro geschrieben und bleibt sich treu: er provoziert und fühlt sich wieder einmal missverstanden

Thilo Sarrazins letzter Satz fasst alles wunderschön zusammen: „Wenn man jemanden hasst, darf man nicht über ihn reden, das ist der einzige Weg, wie man ihn tot kriegt.“ Bitteschön, da ist er wieder: Sarrazin der Verkannte, Sarrazin der Totgeschwiegene, Sarrazin, der wackere Aufklärer der Nation, der sich über die bescheuerten Medien amüsiert – in diesem Fall ist es der Stern, den er „ganz schön blöde“ findet.

Viel mehr ist kaum zu sagen über Sarrazins Auftritt bei Günther Jauch am Sonntagabend. Der Ex-Beamte, Ex-Senator und Ex-Bundesbanker hat mal wieder ein Buch geschrieben. „Thilo Sarrazin ist zurück“, so titeln die Jauch-Leute in einem Einspieler. Diesmal schafft nicht Deutschland sich ab, sondern Europa den Euro – oder das könnte es jedenfalls schadlos, findet Sarrazin. Denn geholfen hat die gemeinsame Währung nach seiner Lesart niemandem, dagegen hat sie angeblich die bis 1999 so prächtig vorangekommene europäische Integration gestoppt und sät nun nur Streit und Zwietracht.

Gezielte Provokation

Das alles hat Sarrazin auf 460 Seiten nach eigener Darstellung total differenziert dargestellt – und gewürzt mit einigen Klischees über die südeuropäische Mentalität und einigen gezielten Provokationen über die vom Holocaust induzierten Schuldkomplexe der Deutschen, die sie jetzt den angeblichen Irrsinn von Eurobonds in Erwägung ziehen lassen. Und damit rollt sie wieder, die große Sarrazin-Vermarktungsmaschine, die ihm im Stern bereits den Titel beschert hat als Aufgalopp für die große Sarrazin-Show zur Vorstellung seines Buches am Dienstag in Berlin.

Warum sitzt der Mann bei Jauch? Weil er diesmal nicht die Gelegenheit bekommen soll, sich als Opfer der großen Schweigeverschwörung zu präsentieren? Aber wer findet das wirklich interessant, was dieser Populist und Besserwisser zu sagen hat?

Die Sendung jedenfalls erschöpfte sich weitgehend darin, dass Sarrazin immer wieder auf die Grundthese und die tiefe Qualität seines Werks verweisen durfte, während der als Kontrahent geladene Ex-Finanzminister Peer Steinbrück zielstrebig daran vorbei diskutierte. Mit einzelnen Argumenten seines SPD-Parteikollegen hielt sich Steinbrück nicht lange auf, sondern warf ihm einfach pauschal Geschichtsvergessenheit vor. „Der Euro ist eine tragende Säule der europäischen Integration“: Der Satz war in Variationen auch die tragende Säule von Steinbrücks Argumentation. In der Vergangenheit seien Fehler geschehen, das ja, aber es hilft jetzt nichts, wir müssen nach vorne blicken. Viel konkreter wurde es nicht.

Ein gefährlicher Mann ?

Dazwischen belegte Steinbrück seine eigenen Qualitäten als Besserwisser und raunzte den Sarrazins Monologe nicht entschieden genug unterbindenden Moderator an: „Jetzt müssen Sie sich mal durchsetzen!“ Und er erregte sich seinerseits über die Unterstellung, er setze sich nur deshalb mit Sarrazin zu Jauch, um seine Kanzlerkandidatur zu unterfüttern. Unverschämt sei das.

Damit war praktisch das gesamte Empörungspotenzial zwischen den beiden alten Herren der SPD bereits verschlissen, und Steinbrück fand kein anderes Mittel der Herabsetzung mehr für Sarrazin als ein dahin gepfeffertes: „Nein, das ist kein gefährlicher Mann!“ Das kann man angesichts von Sarrazins bisherigem Schaffen durchaus anders sehen. Man kann es aber auch einfach lassen.

Kommentare (104)

Fro 21.05.2012 | 13:43

Ich halte Sarrazin für einen Rassisten und seine völkische Sichtweise wurde auch in seinen Monologen deutlich. Insofern ist er nicht der geeignete Ratgeber für Fragen, die die europäische Gemeinschaft betreffen.

Gefährlich ist er von daher, weil er in Sachen Euro weitestgehend recht hat, und die hartnäckigen Euroverteidiger – wie Steinbrück auch – mittlerweile etwas wirklichkeitsfremd wirken.
Die einzigen Argumente für den Euro:
Eine gewisse Erleichterung im Handel der Euroländer, die man aber auch mit einer Währungsumrechnungs-Software erreichen könnte – mit Nichteuroländern klappt der Handel genauso gut.
Und angeblich würde die europäische Integration befördert – eine nicht funktionierende Währung als Symbol der europäischen Einigung – ob das der Knaller ist?

Man sollte diese Diskussion aber auf jeden Fall ohne Sarrazin und Leuten wie Henkel führen – die wollen da nur ihr politisches Süppchen drauf kochen. Es gibt genügend Fachleute, die da geeigneter wären.
Seltsam eigentlich, dass Sarrazin die wichtige Diskussion anschieben darf und beste Sendungszeit und einen schwachen Kontrahenten zur Verfügung gestellt bekommt.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 14:12

Jauch hat Sarrazin doch nur wegen der Quote geholt - eventuell noch wegen heimlicher Unterstützung der Thesen Sarrazins! Im Prinzip ist Jauch doch egal wer da sitzt, Hauptsache Quote! Demnächst sehen wir vielleicht auch noch ein paar altgediente Nazis bei Jauch (wenns denn Zuschauer bringt)?
Was Sarrazin erreichen wollte, hat er erreicht! Werbung für seinen Müll. Und nicht nur in der ARD (die ja wohl letztendlich für Jauchs Gäste verantwortlich ist) sondern in allen Medien. Und auch der Freitag macht wieder mit.
Der Mann hat überhaupt keine Beachtung verdient! Und wenn man nicht über ihn berichtet, ist das der grösste Schaden für ihn. Aber viele Medien bemerken das nicht und wollen auf der Sarrazin-Welle Kohle, Quote und Umsatz machen.

Sisyphos Boucher 21.05.2012 | 14:14

Sarrazin verkörpert personell wie auch inhaltlich den deutschen Kleinbürger, der es (materiell) "geschafft" und darüber vergessen hat, wie es für jene aussieht, denen es vor allem aus strukturellen Gründen versagt ist, ein halbwegs menschenwürdiges Auskommen zu finden. Wäre Sarrazin ein kleiner Beamter geblieben, er würde denselben Mist von sich geben - am Stammtisch natürlich.

Bedauerlich ist tatsächlich, dass Sarrazin soviel Aufmerksamkeit genießt, von der sich Leute wie Jauch wiederum ein Stückchen für ihre altbackene (konservativ ausgerichtete) Sendung mitzunehmen hoffen.

Klar: Mit Steinbrück hat man den Bock zum Gärtner gemacht. ich denke, viele sind den belehrenden, besserwisserischen Stils dieses Herren überdrüssig. Rein sendetechnisch betrachtet konnte die Jauch-Redaktion dem Sarrazin keinen besseren Gefallen tun, als den Finanzminister a.D. der letzten großen Koalition unter Merkel einzuladen.

Aber: Am meisten kotzt mich das pseudoaufklärerische, in Wahrheit aber recht gehässige Gebahren von G. Jauch an.

Vaustein 21.05.2012 | 16:26

"Warum sitzt der Mann bei Jauch?"

Liebe Frau Schmitt-Roschmann,
Ihr Verleger, Herr Jakob Augstein, erklärt das auf SPIEGEL-online:
www.spiegel.de/politik/deutschland/augstein-kolumne-sarrazin-diskutiert-mit-steinbrueck-ueber-den-euro-a-834177.html

Auch wenn der Herr Sarrazin wirkt wie eine Mischung aus Ekel Alfred und Dieter Hallervorden hat er wohl, was den EURO betrifft, einiges ans Licht gebracht, worüber sich andere Etablierte nicht zu reden, geschweige denn zu denken, glauben.

Insoweit ist das wohl eine Art "Verdienst" von ihm.

Die letzten 2 Absätze in Jakob Augsteins Artikel bringen die Problematik auf den Punkt:

"Selbstregulierung der Märkte? Diese Ideologie ist gescheitert

Das Problem des Euro ist, dass er vor den Märkten nicht geschützt und von der Politik nicht gehalten wird. Es gibt weder eine ausreichende Kontrolle des Finanzsystems noch eine gemeinsame Wirtschaftsregierung. Der Euro ist wie ausgesetzt: Er sollte allein zurechtkommen. Das funktioniert nicht. Europa als Labor eines neoliberalen Experiments hat gezeigt: die Selbstregulierung der Märkte ist eine gescheiterte Ideologie.

Zur Erinnerung: Erst haben sich die Banken verzockt. Dann haben die Staaten sie gerettet. Und dann haben die Banken diese Rettung durch steigende Zinsen für die Staaten immer teurer gemacht. Dieses System ist pervers. Es wäre jetzt der Moment gekommen, es zu abzuschaffen. Steinbrück und Sarrazin und Merkel mögen sich als Euro-Kritiker geben oder als Euro-Retter und sie mögen sich darüber streiten, welchen Teil der Last Deutschland zu tragen habe. Aber sie sind sich alle darin einig, um Gottes Willen das Problem nicht an der Wurzel zu packen"

Womit er 100% recht hat.

Flori 21.05.2012 | 17:11

Warum sitzt der Mann bei Jauch? Nein. Warum schreibt auch der Freitag über Sarrazin? Das ist die Frage. Habt doch mal Stolz, haltet die Klappe, ignoriert den Mann. Die "Berliner" hat es in Sachen Doping beim Radsport auch mal geschafft, sie haben eine ganze blöde Tour de France lang konsequent nur über Doping im Sport geschrieben und kein Fitzelchen über das Räderrollen. Ich weiß, es ist schwer vorstellbar für Medienmenschen. Aber es geht.

Johannes Renault 21.05.2012 | 17:22

Ich fand die Sendung sehr informativ. Trotz Politiker, Jauch, Sarazzin und Volksammerbeifallklatsch-Publikum.

Warum sitzt der Mann bei Jauch?
Bei Jauch sitzt doch jeder.

Der Beitrag hier in Freitag ist gegenüber Jauch sehr popig jugentlich-politisiert.

Wie wenig die deutschen Ober-Haupt-Parteiponys einen Plan in Sachen "Euro" hatten, und ihn nun immer noch als ökonomischen Vorteil für Deutschland darzustellen versuchen hätte man dem Spektakel abnehmen können.
Auch das Leid in unseren Gedärmen, zugeben zu müssen dass anhand der gigantischen Summen und den Volkswirtschaftlichen Aderlässen, welche nur einigen Banken zufliesst, nichts tun zu können. Und einem Steinbrück und Sarrazin nichts entgegen setzen zu können.

Aber, gestern bei jauch "regelte der Markt" -in Gestalt des Verkäufers Sarrazins - ja doch mal irgend etwas:

Dank des Allg. Rundfunk Deutschlands, beste Sendezeit, kommen mal andere Fragen auf.
Ist es schlimm dass um der Vereinigung Ost- u. Westdeutschlands wegen gefordert wurde den deutschen Geld-Klotz in einer gemeinsamen Währung einfliessen zu lassen, auf dass er kleiner werde? Und Kohl/Genscher in ihrer Amtsperiode in die Geschichtsbücher wollten, unbedingt? Das andere Staaten eigene nationale Interessen haben die sie - nicht so geil - dann auch befriedigt haben wollten? Jede Seite seinen Vorteil sucht?

Immerhin hat Sarrazin schon so viel krudes geredet dass man ihn leicht diskreditieren kann falls er mal unbequem für das Establishment und seine staatsmedialen und konformen Klatschveranstaltungen wird. Versuche waren von Seiten Steinbrücks gemacht, man erinnere nur seinen unfreundlichen Ton.

Wie schwer es Jauch und Steinbrück fiel sachlich zu bleiben konnte man riechen.
Sicherlich braucht man mit Parteisoldaten, die hauptsächlich ihre und die Interessen ihrer Organisationen vertreten, nicht viel Mitleid haben, dennoch tat einem Steinbrück etwas leid.
Warum konnte er den Dampfhammer nicht hemmungslos kreisen lassen?
Sogar auf die seit langem katastrophalen negativen Umfrageergebnissen in Sachen Euro (Einspielungen), auf die sich Sarrazin gar nicht stützen musste, hatte er nichts entgegenzuhalten.
Populismus dem Volk selbst zu bezichtigen wäre auch noch dümmer. Opfer des selben zu sein wirkt auch ziemlich daher gezaubert.
Nur die alten platten Schuld und Sühne-Argumente oder den Export- und Euromythos ("Ich bin Stolz ein Europäer zu sein") gingen noch. Was aber ohne die Unterfütterung im Sinne eines imperialen Europas - nicht imperialistisch, gar nicht sinnvoll ist.
Als der Begriff Holocaust fiel, in dessen regelgerechter Verwendung deutsche Polit- u. Medienprofis eigentlich geschult sind, und man sie sonst dankend den Ball aufnehmen sehen kann: Puste Kuchen. Der Versuch die NS-Morde ins Gespräch zu bringen war jedenfalls da.
Es war schon nicht schlecht.

Querdenker 21.05.2012 | 17:41

Das könnte man z.B. auch über Jakob Augstein schreiben: "er provoziert und fühlt sich wieder einmal missverstanden:". Was soll die Aufregung?

Ohne das Buch gelesen zu haben: Bei Jauch in der Sendung hat Sarrazin nichts gesagt, wo nicht auch Steinbrück und der Zuschauer zustimmen konnte. Sarrazin hat sich mehrfach für Europa und europäische Integration ausgesprochen und die Verantwortung für Wirtschaft und Stabilität an die Nationalstaaten und Bürger übertragen. Nur mit dem Unterschied, daß Steinbrück in seiner selbstgefälligen Art postuliert: Ja, stimmt, es war im Grunde alles falsch (Euro-Einführung ohne politische Union, Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone, Krisenmanagement etc.), aber was interessiert mich die Vergangenheit. WIR werden auch in Zukunft einfach alles falsch machen, und wer sich dagegen stellt, ist ein Populist und Besserwisser.

Fro 21.05.2012 | 18:38

Es ist einfach seine Art der Herangehensweise; Sarrazin spricht über Völker und ihre Eigenarten, auch von der „deutschen Schuld“ zu sprechen ist völkisch.

Jauch hätte z.B. Dirk Müller einladen sollen, wenn er an der Frage Euro und seiner 'Rettung' interessiert gewesen wäre. Da hätte Steinbrück ganz alt ausgesehen - wäre ein schöner Kandidatentest geworden..

Man sollte sich m.E. durchaus anhören, was Müller zum Thema zu sagen hat – er hat Überblick.
Hier ein Video
hier im Tagesspiegel

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 18:49

"Aber wer findet das wirklich interessant, was dieser Populist und Besserwisser zu sagen hat?"

Ich finde das interessant. Weil ich nicht zuletzt die Ambivalenz dieses - und auch Jakob Augsteins - Artikels auf SpOn nicht verstehe. Sarrazin hat in dieser Sache recht und Steinbrück unrecht, so sehe ich das.

Immer wieder: Was J. Augstein sich im letzten Absatz seiner Kolumne wünscht, ist gut, schön und richtig. Aber kommen muss es bald, sonst sprengt der (ach so tolle) Euro Europa in tausend Teile. Und kommt es? Nein. Und es wird auch nicht kommen. Das sind Wunschträume. Eher erlässt die scheidende Frankfurter Bürgermeisterin auf die Schnelle noch eine einstweilige Verfügung gegen das freie Internet, als dass sich grundlegend was ändert.

Man muss dem vermutlichen Kanzlerkandidaten der SPD (Gabriel hat ja heute durch die Blume gesagt, dass er's nicht werden will) nur genau zuhören, dann weiß man genau, das lediglich kommt, was jetzt schon ist: Murks auf Teufel komm raus.

Was ist denn eigentlich so schlimm an der Aussage, dass Europa den Euro nicht braucht, um friedlich vor sich hin (ko-)existieren zu können? Ich versteh's nicht. Wenn man doch merkt, dass díeses von Grund auf neoliberal gestrickte, einstige Prestigeprojekt den Laden von innen auseinandernimmt, sollte doch irgendwann mal die Notbremse gezogen werden..?

Bevor eine Kanzlerin Merkel oder ein Kanzler Steinbrück (oder ein Finanzminister Asmussen unter einer Kanzlerin Kraft oder Hastenichgesehen) einheitliche Steuersätze für ganz Europa durchwinkt, fresse ich alle Besen dieser Welt gleichzeitig quer. Glaubt eigentlich irgendjemand wirklich, dass sich dieses ganze Schlamassel überhaupt noch politisch-friedlich auflösen lässt? Ich habe da zumindest meine Zweifel.

Ich hatte mich seinerzeit schon auf Bosbachs Seite geschlagen, weil ich der Überzeugung war, dass die uns in eine ganz große Sch**ße reiten. Das wird immer deutlicher. Bald geht der SPD-gestützte ESM an den Start, dann hat die Demokratie in Europa sowieso ausgesch**sen. Dann gilt wohl tatsächlich und schlussendlich der berühmte Schwatt: Meine Damen und Herren, Sie sind von nun an der Kontrolle der internationalen Finanzmärkte unterworfen (oder so ähnlich ging der..).

Nee, ich bin überzeugungstechnisch an einen Punkt gelangt, an dem ich nicht mehr verstehe, wie man als überzeugter Europäer hinter der dämlichen Einheitswährung stehen kann. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren und freue mich auf die wirtschaftspolitische Union (die da kommen möge). Die kommt aber nicht. Deshalb weg mit dem Schrott. ESM weg, Rettungsschirme weg, Banken weg, Schulden weg, Guthaben weg - alles weg! Transparent in die Hand und demonstrieren gehen: für Europa - und für einen internationalen Lastenausgleich (also gegen den dritten Weltkrieg).

Viel Spaß beim kommentieren :o)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 19:17

Drei Sachen hab' ich vergessen:

1 Wenn Deutschand freiwillig aus dem Euro austräte, hätte der vielleicht eine reale Chance. Ich las sowas in der Art als Kommentar unter der letzten Kolumne Münchaus auf SpOn und fand, dass das Sinn macht..

Und natürlich Werbung für meine beiden, wieder mal total vor sich hinsiechenden, sehr sehr guten (und überhaupt nicht linken) Blogs von gestern:
2
3
So.

Querdenker 21.05.2012 | 19:31

Nein, da liegst du vollkommen richtig: "Europa braucht den Euro nicht", es gibt da absolut keinen Sachzwang. Ob es sinnvoll und praktikabel ist, die Einheitswährung abzuschaffen, ist wieder eine andere Frage.

Eigentlich war/bin ich Verfechter des (doch so furchtbar praktischen) Euro, aber ich finde in letzter Zeit auch immer mehr Gefallen an der Idee der Währungsdiversität, sowie ich auch schon immer Biodiversität, dezentrale Stromversorgung und regionale Anbieter befürworte bzw. bevorzuge. Im Grunde läuft es ja immer aufs gleiche hinaus: Je größer das Ding, um so schwerer ist es zu beherrschen und nützt am Ende nur den Großen. Das Kleine, das Besondere bleibt dann auf der Strecke.

freedom of speech? 21.05.2012 | 19:32

Na ja, irgendwie erinnert mich der Artikel hier an diesen Artikel da: www.bild.de/politik/inland/politiker-deutschland/mit-sarrazin-sollte-sich-niemand-mehr-in-eine-talkshow-setzen-24227970.bild.html

Aber keiner regt sich auf, wenn Politiker und Journalisten versuchen, in einer Demokratie Einzelnen die Meinungsfreiheit einzuschränken.

Das greift so langsam um sich.

Und es wird beängstigend, wenn ein Herr Jauch sich ohne schallendes Gelächter zum Retter der freien Presse in Deutschland aufschwingen kann.

rex1000 21.05.2012 | 20:04

Lieber xxm,

deinen Kommentar habe ich unter den bisher Anwesenden sehr genossen. Und wesentlichen Punkten stimme ich Dir zu. Der Ansatz scheint mir fast philosophisch.

Noch eine Frage: Welche Statten haben sich eigentlich dafür stark gemacht, dass ein Euro entwickelt und etabliert wird? Mit eine wenig Hilfe aus dem Geschichtsunterricht komme ich zu der Antwort Deutschland (damals noch West) und Frankreich.

Warum? Weil beide Statten lange Zeit die wirtschaftlich stärksten in der EU (und allen vorangegangenen Bezeichnungen waren)

Was wollte man erreichen? Ein wirtschaftliche Vergünstigung im Import- und Exportgeschäft.

Wem sollte es nützen? Dem BIP der einzelnen Staaten. Bei aller Zusammengehörigkeit und Gleischschaltung bleibt der Haushalt im eigenen Staat.

Was hat man nicht bedacht? Das "eine Kette nur so stark ist, wie sein schwächstes Glied".

Und was passiert wenn die Gemeinschaft so etwas bemerkt. Man entdeckt die Redewendung "alles zurück auf Anfang" neu. Jeder Staat macht sein eigenes Ding. Ein paar der Staaten werden dabei über die Klinge springen. Aber was soll's? Jeder ist seines Glückes Schmied. Oder irre ich mich? (Das wäre ja nur allzu menschlich)

Auch hir viel Spaß beim Kommentieren.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 20:08

Sarrazin kommt nicht aus dem Kleinbürgertum, obwohl er einer kleinbürgerlich-rückschrittlichen Partei angehört.

"... Thilo Sarrazin wuchs in Recklinghausen als Sohn eines Arztes und einer westpreußischen Gutsbesitzertochter auf ..."

Materiell gehört er der oberen Mittel- oder der unteren Oberschicht an. Der Oberschicht hat er auch gute Dienste bei der Ausschlachtung der DDR geleistet: www.verlag-neues-leben.de/veranstaltungen-1/veranstaltung/2368-Otto_Koehler_Die_grosse_Enteignung.html und www.edition-ost.de/programm-2/titel/64-Raubzug_Ost.html .

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 20:17

"Warum sitzt der Mann bei Jauch?"

Weil der schmale Horizont eines einäugigen Königs (Jauch) unter Blinden (Sarrazin Steinbrück) nicht so leicht als Behinderung erkannt wird.

Bei der Thematik Euro, Schulden, Finanzkrise habe ich bisher nicht eine Sendung erlebt, in der Experten etwas zu der wirklichen Ursache der globalen Kapitalkonzentration gesagt hätten.

Bei dem Einkommen von Herrn Jauch ist das vielleicht auch verständlich. Da werden dann lieber zwei geistige Plattfrösche eingeladen und ein bisschen Gequake in der ARD-Egomania-Arena veranstaltet...

Vaustein 21.05.2012 | 20:23

@goedzak
Mein "Womit er 100% recht hat" bezog sich auf Jakob Augsteins Formulierung:

"Steinbrück und Sarrazin und Merkel mögen sich als Euro-Kritiker geben oder als Euro-Retter und sie mögen sich darüber streiten, welchen Teil der Last Deutschland zu tragen habe. Aber sie sind sich alle darin einig, um Gottes Willen das Problem nicht an der Wurzel zu packen"

Das EURO-Problem vor sich herzuschieben und der Dinge harren, die da kommen könnten ist kein positiver politischer Ansatz, sondern Kulissenschieberei.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 20:52

@antares56

Es weiß ja bald niemand mehr, wo in diesem Spielchen eigentlich die Grenzen (z.B. zwischen rechts und links) verlaufen. Ich höre vor Allem, was die, die den Euro in seiner jetzigen Form + ESM und ohne Euro-Bonds unbedingt (behalten) wollen, in letzter Zeit von sich geben..

Da wird dem griechischen Wähler (m/w) von den EU-Finanzministern mal eben schnell mit sonstwas gedroht, falls sie sich erdreisten sollten, ihr Kreuzchen bei linken Parteien zu machen. Das ist für meine Begriffe schon fast Kriegsrhetorik. Aber wer außer denen könnte es denn schaffen, in Griechenland ein funktionierendes Steuerwesen zu etablieren? Mir fällt keiner ein.

Was das alles noch mit Integration zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Da höre ich lieber dem ollen Sarazin zu. Egal, wie daneben der sonst so liegt. Denn das war (wenn wir mal ehrlich sind) doch das Ziel der Jauch-Sendung. Nur hat Steinbrück nicht einmal gegen diese Unperson (Sarrazin) glänzen können.

Ich meine, dass die, die am lautesten schreien, der Euro sei unverzichtbar, gerade am Meisten dafür tun, dass er den Bach runter geht. Das ergibt doch hinten und vorne keinen Sinn. Einzig plausibel erscheint alles, wenn man sich mal für einen Moment in die Lage der Finanzwelt versetzt. Wenn das aber so ist: s.o.

Und jetzt höre ich sofort auf, mich aufzuregen, ich hab' schon Kreislauf..

freedom of speech? 21.05.2012 | 21:19

Tja, das gute alte "stupid german money."

Es laufen schon einige Wetten, wann es endlich gelingt, auch der Enkelgeneration mit Hilfe von Eurobonds o.Ä. finanziell das Fell über die Ohren zu ziehen.

Und das trotz eindeutigem! bail out Verbot. dejure.org/gesetze/AEUV/125.html

Da würde eine "Währungsdiversifizierung" schon helfen.

Wenn man schon nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, sollte man wenigstens nicht auch noch alle Eier in einen Korb legen. :)

Avatar
Ehemaliger Nutzer 21.05.2012 | 23:36

Der Sarrazin versteht nichts vom Euro, die Leute reden über Bücher die sie nicht kennen und ein Rassist soll er auch noch sein!

Im Gegeteil, er war eingentlich recht harmlos! Das Steinbrück hat einen direkten Bezug zur deutschen Kriegschuld und dem Euro aufgezeigt hat, wie auch Helmut Schmidt, das stört die Mehrheit wohl gar nicht im denken?

Die Menschen merken eben langsam aber sicher wie sie von der Politik verartscht werden und wurden (Geißler) und die AgitProp Schreibe macht einfach weiter wie bisher, auf der einen Seite gegen die Macht der Banken demonstrieren und auf der anderen Seite unfähig den Geldsystemfehler zu erkennen, er steht schon im Talmud, im Koran und in der Bibel.

Was steht den in den Zeitungen über den Immigrationswahnsinn in Griechenland?

Dirk Müller versteht etwas von Silvio Gesell, er hätte Sarrazin in die Zange nehmen können und nicht diese symphatische Pappnase Steinmeier, der weis viel und sagt natürlich nichts!

preussexx 22.05.2012 | 01:05

na ja

wieso wird immer der autor stigmatisiert, statt sein thema inhaltlich kommentiert. sarazzin ist das, so was und das ist auch noch so eine eigenschaft von ihm.

fehlt es an argumenten zum inhalt?

sarazzin ist in erster linie ein autor, der sein buch verkauft. im kern nie falsch packt er crude aufhänger rein, von denen er weiß, dass sie ihm dank promter schnappatmung moralischer eliten medienpräsenz verschaffen. nennt man marketing. wieviel von den schrägen, begleitenden verkaufsthesen überzeugung und welche zweck sind, ist doch völlig egal. sie sind beiwerk zu grundthesen und die grundthesen sind schlicht richtig. die migrationspolitik ist keine und gescheitert und der euro ist eine politische fehlgeburt, die zur zeit mit kopfloser geldvernichtung kaschiert wird.

wer noch bringt die themen mit der präsenz in die medien?
eben!

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.05.2012 | 02:04

@goedzak

Es hätte genug Leutchen gegeben, die in der Euro-Sache genau wie Sarrazin denken (Konservative, Liberale, Grüne oder Linke), die man hätte zum Thema einladen können. Aber die hätten als linkes Feindbild nicht so gut hergehalten. Bei Anderen hätte nämlich die Gefahr bestanden, dass man ihnen zugehört hätte (siehe unten). Das ist das. Sarrazin = böse, also automatisch Steinbrück (nahezu deckungsgleiche Meinung bei marginal anderer Wortwahl) = gut. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein. Schade.

Vielleicht meinst du u.a. mich mit dem Wörtchen "Eiferer", keine Ahnung. Mir geht's aber nicht um "Euro-Kritik" Sarrazin zuliebe, sondern um Europa als Ganzes.

[EINE POLEMIK]

Hast du schon mal Conti-Schicht oder andere Wechselschichten in Industrie oder Gesundheitswesen über längere Zeit gemacht? Ich schon. Und daher kann ich mich sogar etwas in Sarrazins "Südländer-Wetter-Dings" hineindenken, ohne auch nur einen einzigen, leisen, völkischen Gedanken zu hegen. Jeder menschliche Körper reagiert nunmal in gewissem Maße auf äußere Umwelteinflüsse. Viel Sonneneinstrahlung neigt beispielsweise dazu, Hormone auszuschütten, die die Welt gleich viel einfacher und leichter erscheinen lassen. "Mentalität" ist das bekannte Schimpfwort dafür. Und extreme Hitze neigt dazu, jeden menschlichen Körper in gewissem Maße zu schwächen. Gerne zwischen 12 Uhr Mittag und 16.30 Uhr Nachmittag.

Ist es Zufall, dass die Nordhalbkugel wirtschaftlich erfolgreicher ist, als die Südhalbkugel? Und spräche das gegen oder explizit für europäische Solidarität. Nicht Faulheit oder das süße Leben, sondern simple Gegebenheiten, die auch einfach mal wertfrei anerkannt werden dürfen. Das wäre ein perfekter Ansatz für eine Art europäischen Länderfinanzausgleich (oder dagegen, je nachdem). Oder ist so zu denken gefährlich, weil irgendwelche Honks das gegen mich verwenden könnten? Oder Kanzlerinnen?

Pah! Schnauze voll, mich links nicht äußern zu dürfen, weil's rechts abgefischt werden könnte. Die toten deutschen Dichter haben genug Verse über das mediterrane Klima verfasst, dabei muss man sich nicht auf mich verlassen. Wie das alles zusammenhängt, weiß ich nicht, ich bin weder Dichter noch Mediziner.

Wir nennen es Korruption, die nennen es "leben und leben lassen". Ich muss nur mal mein Wintergemüt mit meinem Sommergemüt vergleichen, dann weiß ich, dass ein von genussunfähigen Deutschen diktiertes Fiskal-Europa nicht möglich ist, Produktivitätsweltmeisterschaft andernorts eine gepflegte Familienfeier nicht ersetzt und hohe Burn-Out-Raten nicht als ökonomische Positiv-Kennzahlen gefeiert werden. Ich war knapp 3 Jahre lang Kurierfahrer. Dieser Irrsinn wäre rund um's Mittelmeer undenkbar: witterungsbedingt, 6 Monate im Jahr.

Gut, das ist vielleicht krank, keine Ahnung. Rassistisch ist es jedenfalls nicht. Es wird lediglich der Rasse Mensch und der Kugel, auf der wir durch's All rasen gerecht. Ich hab' die Welt nicht gemacht, beschwer dich beim Herrgott.

Auf immer untendurch?

[POLEMIK ENDE]

Grüße.xxm

Lapis 22.05.2012 | 02:15

Dass man einen Seeheimer Ultra wie Peer S. und den eugenischen Rechtspopulisten Thilo S. zu Werbung und Talk bei Jauche-Günni lädt, und (neben der geistigen Verunreinigung) die Kosten dafür mit den demnächst flächendeckend zwangserhobenen Gebühren der Zuschauer begleicht, ist der eigentliche Skandal.

Wo bleibt der Einfluss der zahlenden Zuschauer auf das Programm und die demokratische Kontrolle der Unabhängigkeit der Medien?

Avatar
Ehemaliger Nutzer 22.05.2012 | 02:29

Weil ich gerade so ungehalten zugange bin:

Es gibt bestimmt mindestens drei Sorten von Leuten.

1 Die einen sagen:
"Menschen sind verschieden, Dreck!"
2 Die Anderen sagen:
"Menschen sind verschieden, geil!"
3 Und die noch Anderen sagen:
"Menschen sind verschieden, Punkt."

Ich olle Schwuppe befinde mich irgendwo zwischen 2 und 3, was ich mal ganz uneitel als "zwischen Herz und Verstand" bezeichnen wollen würde. Buschkowskismus..?

Fro 22.05.2012 | 03:02

Mit der Titelvergabe „Genie“ bin ich etwas sparsam – die einzige Person, die ich bisher als Genie bezeichnet habe ist Loriot. ;-) Aber Müller ist ein Durchblicker, unvoreingenommen, unbefangen, demokratisch, menschenfreundlich – locker.
Hier ein netter (und lehrreicher) Zusammenschnitt von Müller und Wagenknecht bei Illner.
Wagenknecht würde ich auch gerne in der Expertenrunde zum Euro sehen. Natürlich auch Hankel.

Umayyadin 22.05.2012 | 09:18

Der Freitag berichtet / kommentiert Zeitgeschehen. Sicher kann man immer eine andere Meinung haben, sollte doch aber bitte den Menschen in diesem Land nicht die Möglichkeit abschneiden, sich zu informieren (und anschliessend, vielleicht, sogar eine Meinung zu bilden). So etwas nennt sich, glaube ich, pluralistische Demokratie. Ich kann mich aber auch irren.

Ob jener Herr ein "Fascho" ist, sei dahingestellt, ein Neo-Nationalsozialist (wissenschaftlich gedeutet) ist er sicher nicht. Herr S. schreibt. was vielen gefällt (damit sie sein Buch kaufen), und vielen missfällt (damit sie sich aufregen und über ihn reden / schreiben - damit noch mehr Menschen sein Buch kaufen)
Insofern ist er ein geschickter PR-Stratege seiner selbst.

Seine Europa-Thesen sind nicht neu, nicht originell, nicht von ihm. Also, wieso ein solches Buch kaufen (ausser aus philantropischer Neigung)?

Margareth Gorges 22.05.2012 | 10:03

Sarrazin und Steinbrück bei Jauch: Muss so eine Diskussion wirklich möglich sein?'

Man steht beim Thema Sarrazin immer vor der Frage, sollte man auf diesen Demagogen eingehen oder ihn lieber verschweigen. Doch wenn der stern und die FAZ oder auch die Frankfurter Rundschau und nun auch noch Günther Jauch Thilo Sarrazin in seiner Sendung einem Millionenpublikum präsentiert, dann können und dürfen die NachDenkSeiten nicht mehr schweigen.

Gerade rechtzeitig vor der Vorstellung seiner Polemik gegen den Euro am Dienstag dieser Woche bietet die ARD Sarrazin ein Forum, sein Buch „Europa braucht den Euro nicht“ zu bewerben; damit sich die geplante Startauflage von 200.000 Exemplaren auch bloß schnell verkaufen lässt.

==>Von Dr. Wolfgang Lieb, Mitherausgeber NachDenkSeiten hier lesen: www.nachdenkseiten.de/?p=13294#more-13294

Lethe 22.05.2012 | 12:59

alte VWL-Weisheit: willst du die Wirtschaft von Ländern nachhaltig ruinieren, schaff die Importzölle ab. Und so ist es geommen, die nationalen Wirtschaften sind schon mal nachhaltig geschwächt bis ruiniert, und eine Gemeinschaftswirtschaft nützt nur der Creme de la creme der Global Player. Früher nannte man die übrigens "Trusts" und zerschlug sie alsbald, aber der neue Name klingt natürlich viel besser, irgendwie modern, jung, sympathisch, selbst wenn der alte brachialkapitalistische Muff drin steckt.

Querdenker 22.05.2012 | 13:42

Schon klar, "weit verbreitete chauvinistische Ressentiments gegenüber den Nachbarn" werden entfacht, das "Überlegenheitsdenken der Deutschen" wird von der Bundesregierung gespeist und die "Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft" stempelt die anderen Länder der Euro-Zone zu Verlierern. Das einfache Weltbild von Wolfgang Lieb gibt einem in der Tat zu Denken. Prädikat: Braucht man nicht lesen.

Sisyphos Boucher 22.05.2012 | 14:12

Ich hatte auch nicht geschrieben, dass er aus dem Kleinbürgertum kommt, sondern dass er es verkörpert. Andererseits ist genau diese Elternkonstellation von Sarrazin typische Mittelschicht ("Kleinbürger") seiner Generation. ich könnte jetzt einige Autoren, Journalisten, Politiker, Musiker, Schauspieler etc. aufzählen, die ebensolche zu Mitgefühl unfähige Kübelspeier sind wie mir der Sarrazin als solcher erscheint.

"Kleinbürger" ist ein kultureller Begriff, der heutzutage weniger die materiellen Möglichkeiten einer Person beschreibt als ihre soziale Interaktion und Kommunikation. Als Begriff bezeichnet er demnach eine gewisse Kultur, die Sarrazin bis zum Erbrechen pflegt und die von enormer Missachtung anderer Menschen und ihrer Leistungen geprägt ist.

Leider finden wir solche Art des (un-)sozialen Umgangs in zuspitzender Form gerade unter Linken.

Margareth Gorges 22.05.2012 | 14:15

Jauch und Sarrazin: Der gemeinsame Nenner heißt Bertelsmann

Jauch ist auch RTL-Mann, RTL eine hundertprozentige Bertelsmann-Tochter; Sarrazins Ergüsse erscheinen bei Random House, ebenfalls eine hundertprozentige Bertelsmann-Tochter; der “Stern” berichtet “angewidert” über den Jauch-Talk; das Nachrichtenmagazin erscheint bei Gruner + Jahr, ebenfalls eine hundertprozentige Bertelsmann-Tochter – Ergebnis: ein Meinungsmache- und Zitierkartell, an dem still und heimlich der Gütersloher Medien- und Dienstleistungsmulti gut verdient! Und noch etwas: Sarrazins Thesen eignen sich für die SozialforscherInnen der Bertelsmann Stiftung alsTestballon, um künftige nationalistische Trends in Deutschland zu ermitteln.

weiterlesen: wissenschafftgesellschaft.blogspot.de/2012/05/jauch-und-sarrazin-der-gemeinsame.html

ed2murrow 22.05.2012 | 22:13

Der ehemalige Bundesbanker S. war da, um jenen Deutschen, denen die neugewonnene Großheit Deutschlands tatsächlich ein Imago ist, die Bestätigung zu liefern, dass einmal zur D-Mark zurückgekehrt das Projekt Großdeutschland durchstarten könne. Ungebunden von EU, faulen Südländern und das, was er peinlichst genau als Gesocks zu apostrophieren vermeidet, aber aus jeder seiner Äußerungen zäh heraustropft.

Der Rassist, der schon vorher nationalistische Töne verbreitete, sieht nur noch den EURO als letztes Hindernis und wird dessen Beseitigung, mit Blick auf das erwartbare griechische Wahlergebnis, zu verbinden wissen mit der Delegitimierung demokratischer Entscheidungen als solchen.

Dass das Finanzierungsmodell, das er zur Herstellung des neuen Flughafens als Finanzsenator in Berlin mit geschaffen hatte, zu strukturellen Verlusten von weit über 100 Mio € geführt hat, müsste alleine reichen, um die auch fachliche Kompetenz dieses Herrn endgültig ad acta zu legen. Aber auch da, so wie bei seinen menschenfeindlichen pseudo-biologistischen Zuschreibungen an fremde Menschen, wird ihm der Zahn nicht gezogen.

Man darf sich fragen, warum.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.05.2012 | 01:09

Ich kann's nicht lassen:

>>Wenn jetzt diese Länder [die Nordländer] mit anderen Ländern zusammenleben, die unter anderen Bedingungen besser funktionieren (nämlich mit Inflationsraten von 3 - 4 - oder wie die Türkei von 7 Prozent)..
Wenn man die zusammen sperrt, wird es dazu führen, dass die einen immer billiger werden und die anderen immer teurer. Die einen werden mehr Schulden haben und die anderen immer weniger.. sodass sich diese Ungleichgewichte aufbauen.
Und es ist prktisch so: Entweder muss unser Stil französisch und italienisch werden (was ich nicht wollen würde - ich fühle mich ganz wohl so, wie es bei uns läuft) - oder deren Stil muss deutsch werden. Es gibt kein Mittelding.
Wenn die Währungsunion ohne gemeinsamen Staat (der dann einen Zwang auf die Sache legt) funktionieren soll, funktioniert es eigentlich nur, wenn die Anderen wie die Deutschen werden. Und das täte der Völkerfreundschaft nicht gut, denn der Charme ist ja das Anderssein der Völker. Man besucht sich, man hält einen gewissen, höflichen Abstand und man lässt jedem seinen Stil.
(Und gerade wir als Deutsche.. aber man würde auch nicht das französische Diktat ertragen wollen..)
Wenn jetzt einer kommt und sagt: Ich weiß alles besser und jetzt läuft es so, wie ich das sage.. das gibt Unfrieden, genau wie in der Familie. (...) (Thilo Sarrazin hier, irgendwo in der Mitte des Videos)

So, wo ist jetzt hier links und wo ist rechts..?

freedom of speech? 23.05.2012 | 06:21

Sie unterliegen einem verbreitetem Irrtum.

Der Euro ist keine Währung, die Europa interne Gefälle ausgleichen soll. Es gilt das bail out Verbot. dejure.org/gesetze/AEUV/125.html Der Ausgleich wäre Aufgabe der Politik in konkreten Maßnahmen gewesen. Das in den Krisenländern die Vorteile der günstigen Zinsen so fahrlässig verjubelt wurden, ist nicht das Problem der Währung, sondern von verantwortungslosen Regierungen, die nicht einmal vor Betrug zurückschreckten.

Beim Dollar ist es genau so. Kein Bail Out für die Einzelstaaten.

Niemand, der 125 AEUV ernst nimmt, ist deswegen ein Nationalist oder will gar "Großdeutschland."

Es geht im Kern nur darum, ob die Regierungen in Zukunft mit der Gemeinschaftswährung umgehen können.

Ein Tsipras und seine deutschen Sympathisanten können es sicher nicht. Bewusster Vertragsbruch ist keine Grundlage für eine gemeinsames Währungsprojekt. Ein € ist dann schlicht unmöglich. Da spielt der Rest von Europa auch nicht mit.

Die LINKE soll Tsipras ruhig zum Wahlhelfer machen und reflexhaft auf Sarrazin herum hacken.

Irgendwann wählen die nicht einmal mehr die alten DDR SED Genossen. :)

ed2murrow 23.05.2012 | 10:43

@ xxm

Im Gegensatz zu Ihnen weiß ich bei Herrn S. genau, wovon ich spreche: Den Stand bei freitag.de und /community hatte ich hier
ed2murrow.wordpress.com/2010/09/02/bundesbanker-thilo-sarrazin-in-der-freitag-%E2%80%93-deutschland-schafft/ zusammengefasst, meine persönliche Meinung (und wie aus den Kommentaren ersichtlich, damit den Nerv getroffen) hier
www.freitag.de/community/blogs/ed2murrow/rassismus-und-die-meinungsfuehrerschaft
Wenn Sie meinen, sich gegen Rassismus zu positionieren sei ein Wettstreit von links, haben Sie im demokratischen Gewebe einen ziemlich fetten Fehler.

@ freedom of speech
Sie schreiben "Der Euro ist keine Währung, die Europa interne Gefälle ausgleichen soll." Und ist exakt die Passage, die Herr S. gestern auf allen TV-Kanälen bei der Pressekonferenz zum Besten gegeben hat, dass nämlich der Euro eingeführt worden sei im Bemühen das Gefälle zwischen D-Mark und den anderen Währungen zu beseitigen. Dass den Deutschen das abverlangt und nun noch stärkere Anstrengungen gefordert würden, würde nach wie vor mit dem 2. Weltkrieg zu sammen hängen.
Sorry, wer da den Duktus eines David Irving, nur auf monetärem Sektor, nicht heraus zu lesen vermag ...

Querdenker 23.05.2012 | 11:16

Sarrazin spricht über kulturelle Unterschiede und Eigenheiten beim Wirtschaften, das hat nichts mit "völkisch" zu tun. Wer diese Unterschiede leugnet, braucht gar nicht erst versuchen, irgendwelche Probleme in der EU zu lösen. Leider sieht ja ein Großteil der Sofalinken die Welt gerne als grauen Einheitsbrei, alle Menschen sind gleich und so.

Zurück zum Thema: Ich würde behaupten, daß der Sachverstand der Finanzexperten Sarrazin und Müller in etwa vergleichbar ist. Der eine hat sicherlich eher politische, der andere wirtschaftliche Interessen.

Müller sagt in dem Videobeitrag: "Der Euro ist für die meisten Länder in Europa die falsche Währung".

Sarrazin sagt auf der Buchklappe: "Europa braucht den Euro nicht"

Ist für mich die gleiche Aussage, nur anders formuliert.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.05.2012 | 20:11

@ed2murrow

Mein Déja-vu war wohl berechtigt. Ich hab' mich über Grass' Haltung zu Israel nicht genug aufgeregt: deshalb bin ich ein Antisemit. Und nun rege ich mich über Sarrazins Haltung zum Euro nicht genug auf: also bin ich ein Rassist. Sie wissen Bescheid. So können wir's machen. Widerrede vermutlich eh zwecklos.

Wenn Sie meinen, sich gegen Grass zu positionieren sei gut gegen Antisemitismus - und sich in der Euro-Frage gegen Sarrazin zu positionieren, ohne die inhaltliche Auseinandersetzung in dieser Sache zu suchen, verhindere Rassismus, dann bitteschön. Gutes Gelingen und weiterhin gut "Nerv treffen".

ed2murrow 23.05.2012 | 20:40

@ MMX

Mit ist nicht bekannt, Sie hier oder anderweitig einen Rassisten genannt zu haben. Ich fordere Sie auf, das zu belegen.

Sich gegen Diskriminierung auszusprechen, ist kein Privileg von Linken (denn das war Ihr sarkastischer Kommentar: "Sind wir wieder im wer-ist-am-linksten-Modus?"), sondern generell von Menschen, die etwas mit Menschenrechten am Hut haben.

Die Aussagen des Herrn S. können nicht isoliert von seinem bisherigen publizistischen Tätigwerden betrachtet werden. Sie bilden eine Einheit, die jetzige Publikation bestätigt die schon vorher beobachtete eindeutige Position am rechten Rand, nicht nur an dem der SPD.

Ihnen paßt das nicht. Das nehme ich zur Kenntnis. Dabei sollte es auch bleiben, ohne dass Sie mir das nächste Mal Bemerkungen vor die Füsse schmeissen, die ausschließlich ad personam des Kommentators sind.

freedom of speech? 23.05.2012 | 21:24

I. Sie wollen es falsch verstehen.

Natürlich war primär und im Interesse der Länder, die Hyperinflationswährungen des Südens durch eine stabile Währung zu ersetzen. Dieses Ungleichgewicht sollte beseitigt werden. Das hat auch Geld gekostet.

Das hat aber Nichts damit zu tun, dass insbesondere die radikale Linke in GR den Euro immer noch in parasitärem Sinn versteht. Wer genau das zahlen soll, wird nicht beantwortet.

II. Ich würde das mit WK2 nicht überbewerten. Es ist wirklich nichts Neues. Kennen Sie noch den Begriff "Scheckbuch Diplomatie?"

Diese Erwartungshaltung wegen des 2. Weltkrieges können sie außerdem ständig in der griechischen Boulevard Presse lesen.

Dass es diesmal nicht klappen wird und Tsipras mit leeren Händen nach Athen zurück kehren wird, liegt im Wesentlichen an 2 Gründen:

1. Merkel kommt aus dem Osten, da war man noch nie Schuld am 2. Weltkrieg. (Entgegen den klar brauneren Wahlergebnissen im Osten im 3. Reich)

2. Die Gnade der späten Geburt im Westen.
Die Enkel wollen nicht mehr zahlen, weil sie persönlich keine Schuld am 2. Weltkrieg trifft.

Was Sarrazin mit einem britischen Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugner zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.

Bedenken über die Zukunft des Euros angesichts ständiger Tricksereien zu äußern, hat jedenfalls Nichts damit zu tun.

Das betrifft alle Europäer, die sich an die Regeln halten.

ed2murrow 23.05.2012 | 22:02

In welcher Weise Sie die Spaltung Europas bereits im Kopf haben, ist nunmehr hinreichend nachgewiesen. Das betrifft nicht nur diese sonderbaren Kondensate zwischen 3. Reich und Osten und das Gefasel von später Geburt, sondern vor allem das, was sie als "Europäer, die an die Regeln halten" bezeichnen.

Denn die spielen mittlerweile eine ganz andere Klaviatur als die deutsche Kanzlerin. Das ist die Ihnen offensichtlich ganz genehme Isolierung Deutschlands, um weiterhin vom hohen Roß herab deklamieren zu können, dass woanders geirrt würde. Die Wirklichkeit lautet: Ganz Europa schaut immer skeptischer auf eine Regierung in Deutschland, die aus der Apodiktik des Verbums "Sparen" nicht mehr herauskommt.

Das alles tangiert den Herrn S., dem ausgewiesenen Nationallisten und Rassisten ohnehin wenig. Seine Stoßrichtung ist eine andere, und die, die das saufen, werden ganz offensichtlich mehr.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.05.2012 | 23:07

@ed2murrow

"Die Aussagen des Herrn S. können nicht isoliert von seinem bisherigen publizistischen Tätigwerden betrachtet werden."

Und genau da täuschen Sie sich: ich kann! Gar kein Problem. Ich will nämlich - nicht wie Sie - über Sarrazin reden, indem ich anderen vorwerfe, sie redeten über ihn, was pfui sei. Ich will über den Euro reden. Mir geht es um die Sache. Sarrazin ist nicht die Sache, jedenfalls nicht meine.

Avatar
Ehemaliger Nutzer 23.05.2012 | 23:27

@freedom of speech?

"Das hat aber Nichts damit zu tun, dass insbesondere die radikale Linke in GR den Euro immer noch in parasitärem Sinn versteht. Wer genau das zahlen soll, wird nicht beantwortet."

Womit ist diese Aussage denn belegt? Ich wollte mal kurz daran erinnern, dass Griechenland nicht nur massive Probleme gegenüber seinen Schuldnern im Ausland hat, sondern auch ganz massive gegenüber seinen Oligarchen im Innern (was man, wenn man denn wollte, auf eine Fahne schreiben könnte).

Die radikale Linke war es jedenfalls nicht, die den Staat zugunsten einer schmalen Oberschicht bis aufs letzte Hemd ausgehungert hat. Ein funktionierendes Staatswesen und ein Steuersystem, das den Namen verdient, löst vielleicht nicht alle Probleme Griechenlands, aber es wäre ein Anfang.

Der Dicke (Grieche) und die anderen Polit-Adeligen haben den ganzen Irrsinn doch zu verantworten. Sich als Akut-Hilfe für Griechenland erst einmal gegen den Spar-Irrsinn auszusprechen - und danach in Ruhe weiterzugucken, ist doch nicht verkehrt. Meine Güte, die zerquetschen das Land, sieht man das nicht..? Wir zerquetschen es.

freedom of speech? 24.05.2012 | 04:33

Wir zerquetschen gar nix.

Streiks sind seit Jahrzehnten ein Art Folklore in Griechenland. Hinderlich aber ungefährlich.

Weil:

Pasok und ND hatten sich schon immer mit den Kommunisten und den Gewerkschaften geeinigt. Nach dem Muster:

Rente mit XX (und Annehmlichkeiten für die Gewerkschaftsbonzen) gegen Steuerfreiheit für YY.

Oder so ähnlich. Je nach Bedarf. Das war auch OK, weil es in jedem Fall besser war, als die Diktatur davor.

Niemand hatte etwas dagegen. Solange ein Dritter bereitwillig zahlt, werden Wohltaten verteilt.

Aus Sicht der EU ist das inzwischen kollusives Zusammenwirken.

Das ist das Problem. Der Dritte (EU) will nach Jahren nicht mehr einfach so zahlen, sondern stellt nun auch Forderungen. Einhaltung der Regeln.

Und das völlig zu Recht.

Take it or leave it, Greece.

GeroSteiner 24.05.2012 | 17:23

Ach, der Sarrazin.

Mal wieder.

Das ist doch der, der immer erst weiß, wovon er redet, wenn er nachlesen kann, was er gesagt hat.

Man gibt ihm eine Bühne und schon produziert er für jedes Universalproblem einfache Lösungen. Man gibt ihm recht - und schon liegen alle falsch.

Die Frage sollte nicht sein, warum der Mann bei Jauch sitzt. Da geht es allein um die Quote, um Geld, um... genau! Euro.

Die Frage sollte sein, wer jetzt was davon hat, wenn er bei Jauch sitzt. Der Verlag des Buches, der Sender, die Werbezeitenverkäufer und die Marketingstrategen.

Der Einzige, der nicht nur nichts davon hat, sondern obendrein noch die notwendige PR um dieses Buch (jene heuristische Sammlung von Papier und Druckerschwärze) mitfinanziert, ist...

...der Zuschauer.

Wenn jener Zuschauer das Buch auch noch kauft, hat er ein paar Euro weniger in der Tasche und Sarrazin ein paar mehr. Aber wenn der dann ohnehin abgeschafft wird - also der Euro, nicht der Sarrazin - dann kommt es auf die paar Örels doch auch nicht mehr an.

Heiko Zorn-Bürger 24.05.2012 | 19:37

Schauen Sie mal hier:

www.dokus4.me/index.php/2012/05/15/die-griechenlandluge/

Wer wurde und wird da wohl nicht zerquetscht,
wie lange hält eine Volkswirtschaft das wohl aus?

Und diese Doku negiert keinen Moment die griechische Verantwortung an dem Desaster,
aber sie zeigt eben auch den beträchtlichen Anteil der anderen EURO-Staaten auf, zuvorderst jenen Deutschlands.

Und dann schauen Sie mal da:

www.sueddeutsche.de/bayern/chauvinismus-und-auslaenderfeindlichkeit-bayern-traurige-spitze-1.374213

Sie können dort auch die Statistiken in der Vergrößerung sehen.

Wie lange hält eine Demokratie so etwas aus?

Und abschließend fällt mir noch George Orwell ein:

„Das Anliegen eines Scherzes ist nicht,
einen Menschen zu erniedrigen,
sondern ihm bewusst zu machen,
dass er bereits erniedrigt ist.“

...Sie dürfen meinethalben für „Scherz“ gerne „persönlichen Angriff“ einsetzen.

freedom of speech? 24.05.2012 | 20:07

Eine sehr gute Doku!

Diese Doku ist eine weiterer Grund dafür, dass es kein weiteres Geld von außen ohne grundlegende Strukturänderungen in Griechenland geben darf.

Wer einer zukünftigen Regierung Tsipras weiter Geld geben will, zementiert nur die unhaltbaren Zustände in Griechenland.

Was das Thema aber mit Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit zu tun hat, bleibt weiter Ihr Geheimnis.

Heiko Zorn-Bürger 24.05.2012 | 20:41

Wo haben Sie denn Belege dafür gefunden, dass eine zukünftige Regierung Tsipras nur darauf aus ist weiter Geld von außen zu erhalten und zwar um die unhaltbaren Zustände in Griechenland zu zementieren?

Anbei Quellen, die eine ganz andere Sprache sprechen:

Theodoros Paraskevopoulos, Wirtschaftswissenschaftler und Berater des Bündnisses um Alexis Tsipras:

Paraskevopoulos: „Unser programmatisches Ziel ist, mit unseren europäischen Partnern zu verhandeln, um zwei Sachen zu erreichen. Erstens ein Moratorium, ein Zahlungsmoratorium, das heißt, eine Aussetzung der Zahlungen für eine bestimmte Zeit. Und danach, wenn die Wirtschaft wieder angekurbelt worden ist, Verhandlungen über die Bedingungen der Schulden zu führen.“

Heckmann: „Eine Aussetzung für wie lange?“

Paraskevopoulos: „Wir rechnen mit drei Jahren. Aber das kann man nicht sagen. Das war auch eine Sache der Verhandlungen.“

www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1758613/

Wirtschaftswissenschaftler Professor Spiridon Paraskewopoulus, der lange Jahre auch in Deutschland gelehrt hat:

Zagatta: Aber, um da noch nachzuhaken, das Linksbündnis ist ja immerhin zur zweitstärksten Kraft geworden - mit der Position, die Schulden nicht zurückzuzahlen. Das teilt ja offenbar eine Mehrheit der Wähler, auch wenn die Parteien da jetzt sehr zersplittert sind und nicht miteinander können. Was heißt das für die Zukunft in Griechenland? Wie geht es jetzt weiter?

Paraskewopoulus: Ich meine, das ist nicht so ganz wahr, was da gesagt wird, die Griechen wollen die Schulden nicht zurückbezahlen. Es geht nicht darum. Die Griechen sagen mehrheitlich, die Schulden sind entstanden, weil die politischen Führungen von den zwei bisherigen Regierungsparteien, Pasok und Neue Demokratie, durch Korruption und alles mögliche entstanden sind. Das heißt, die Griechen wissen, dass zurzeit über 500 Milliarden Euro im Ausland sind, und in den letzten 38 Jahren, also nach der Diktatur, haben diese Parteien durch Korruption und alles Mögliche dazu geführt, dass dieses Geld Griechenland verlassen hat, und Griechenland hat bisher keine Einnahmen aus diesem Geld. Also man schätzt zwischen 20 und 30 Milliarden pro Jahr die Steuerhinterziehung von diesen Leuten. Deshalb sagen über 80 Prozent der Griechen, wenn man dieses Geld zurückholen würde und diese Leute heranziehen würde, dann hätte man kein Problem gehabt, und das ist die Wahrheit, was die Griechen wissen und sagen, wenn wir eine Regierung bekämen, die dieses Geld zurückholen würde, dann hätte Griechenland auch kein Problem, und ich als Ökonom kann das bestätigen.

www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1750683/

„Was das Thema aber mit Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit zu tun hat, bleibt weiter Ihr Geheimnis.“

Wenn Sie Statements des Typus „Pleite-Griechen“ nicht als Chauvinismus auffassen, dann werde ich ihnen dies auch nicht vermitteln können.

freedom of speech? 25.05.2012 | 05:14

Wenn Sie Statements des Typus „Pleite-Griechen“ nicht als Chauvinismus auffassen, dann werde ich ihnen dies auch nicht vermitteln können.

Ich denke, Sie nehmen Herrn Trittin ein wenig zu ernst, wenn er öffentlich auf den Buhmann Sarrazin einschlägt. www.spiegel.de/politik/deutschland/kritik-an-euro-thesen-trittin-wirft-sarrazin-d-mark-chauvinismus-vor-a-834226.html

Ein Hinweis auf eine Liste häufiger Streiks hat jedenfalls Nichts mit Chauvinismus zu tun. Das sind einfach Tatsachen, die den Griechen selbst das Leben schwer machen. Selbst aktuell wird gestreikt, obwohl es nicht einmal eine richtige Regierung als Ansprechpartner gibt.

Zu dem Interview:

Sehr erfreulich, mal etwas in der Sache zu lesen.

Aber glauben Sie auch, was Herr Paraskevopoulos sagt?

Sein Chef klingt jedenfalls etwas anders. Etwas holprig aber aufschlussreich:

translate.google.de/translate?hl=de=el=http://www.syriza.gr/=F1O-T9uZGsKSswbSwpzwDQ=X=translate=result=1=0CF0Q7gEwAA=/search%3Fq%3Dhttp://www.syriza.gr/%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26hs%3D4lv%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26prmd%3Dimvns

"....1) Zuerst, ich bin selbstbewusst, Ablehnung Umsetzung von Memoranden und mittelfristige Programm und hart diese Maßnahmen und ihre Ersetzung durch ein Programm der radikalen Umverteilung des Reichtums...."

"....Die neue horizontale Wanderung im Eigentum ist inakzeptabel und muss sofort abgebrochen werden. Um diejenigen, die diese Berichte haben sich auf über 600 Milliarden Einlagen in der Schweiz, nicht die Kleinbauern der Basis zu zahlen...."

"...2) Zweite Zeile, um sofort zu bewegen, um die Schulden auf europäischer und internationaler Ebene neu zu verhandeln mit allen Waffen haben wir in unserem Köcher für die selektive Entfernung eines Großteils der Schulden und bieten günstige Bedingungen für die Rückzahlung des Restbetrags je nach Wachstum der griechischen Wirtschaft...."

Klingt toll.

Nur, wie soll das gehen?

konyhakert 25.05.2012 | 18:22

aus meiner sicht ist dieser mann einfach nur krank. und zwar nicht nur, weil er bereits krank aussieht. sondern er ist deshalb so gefährlich, weil er geistige gestörtheit mit formaler intelligenz zusammen bringt. mittlerweile auch noch einfluß hat und viel geld dazu.
geld, macht und intelligenz müssen nicht mal unbedingt etwas schlechtes sein. wenn die persönlichkeit des menschen in ordnung ist. sarrazin aber hat aus meiner sicht eine gestörte persönlichkeit. bin keine psychologin. aber habe viel im sozialen bereich gearbeitet. und von daher auch ein bißchen erfahrung mit menschen und ihren gebrechen.

Heiko Zorn-Bürger 25.05.2012 | 23:47

1) „Ich denke, Sie nehmen Herrn Trittin ein wenig zu ernst, wenn er öffentlich auf den Buhmann Sarrazin einschlägt.“

Diese Stellungnahme von Herrn Trittin war mir bis eben unbekannt und birgt auch keinerlei Relevanz für mich.
Mein ethisches Empfinden kommt sehr gut ohne Souffleur zurecht.

2) „Ein Hinweis auf eine Liste häufiger Streiks hat jedenfalls Nichts mit Chauvinismus zu tun.“

Dies hätte dann nichts mit Chauvinismus zu tun,...

2a) ...wenn ein Hinweis auf eine solche Liste ohne einen Duktus wie „ein Art Folklore in Griechenland“ vorgebracht würde.

2b) ...wenn nicht versucht würde einen Beweis zu führen, etwas sei „seit Jahrzehnten“ geübte Praxis, anhand einer „Liste“, die nur acht (8) Jahre zurück reicht. Dieser Stil ist dann doch eher angewandter „statistisch-tabellarischer Sarrazynismus“.

2c) ...wenn dieser Hinweis nicht von Geschichtsvergessenheit zeugen würde.
Anzahl der Streiks und der verlorenen Arbeitstage gewerblicher Arbeiter 1900-1933 in Kaisereich und Weimarer Republik:

www.dhm.de/lemo/objekte/statistik/arbkam/

Deutsche Folklore?

3) „Aber glauben Sie auch, was Herr Paraskevopoulos sagt?“

3a) Was Herr Paraskevopoulos, Herr Tsipras und die SY.RIZ.A betrifft, so standen diese bisher noch in keiner Regierungsverantwortung und sind nach meinem Kenntnisstand auchnoch nicht erwiesenermaßen als Lügner in Erscheinung getreten. Dem entsprechend ist jenen nach rechtsstaatlichen und demokratischen Prinzipien mit den Prämissen von Unschuldsvermutung und in dubio mitius zu begegnen. Alles andere wäre meines Erachtens ein hysterischer Beißreflex, der eher eine phobische Störung angesichts von politisch Linken kennzeichnet, als eine substantiierte Ablehnung begründet. Eine Tatsachen gestützte Skepsis ist selbstverständlich zulässig.

3b) Was hingegen Äußerungen betrifft von Protagonisten der Nea Dimokratia und der PA.SO.K so schenke ich denen nicht den geringsten Glauben. Eine Begründung dürfte sich erübrigen.

3c) Weiterhin schenke ich – nicht zuletzt auch im Kontext Griechenland – Aussagen von Repräsentanten etablierter deutscher Parteien keinerlei Glauben mehr.

27.03.12 ► Wutrede von Dirk Müller: „Lügen, Lügen, Lügen!"

www.youtube.com/watch?v=wqsbgFD04Vw

Euro-Rettungsschirm: Ahnungslose Abgeordnete - Panorama (ARD)

www.youtube.com/watch?v=Rc2oZS7r53E

Doku „Gier und Groessenwahn - Wie die Banken die Politiker ueber den Tisch zogen“

www.youtube.com/watch?v=ukXrv_t18VM

4) „Sein Chef klingt jedenfalls etwas anders. Etwas holprig aber aufschlussreich“

Eine Erörterung auf Basis von Dokumenten, die durch Google-Translator „übersetzt“ wurden lehne ich kategorisch ab. Die Problematik ist viel zu diffizil und komplex um ihr (oder eben Tsipras selbst) so gerecht werden zu können. Das wäre unseriös.

5) Für jene Geschichtsvergessenen, die jedoch wenigstens dann in der Lage sind Parallelen auszumachen, wenn man sie mit der Nase darauf stößt:

„Der grosse Crash Die Wirtschaftskrise 1929 in Deutschland“

www.youtube.com/watch?v=NpAgjNnNjA4=relmfu

freedom of speech? 26.05.2012 | 04:56

@ Heiko Zorn-Bürger

ad 2a.) da sie der Ductus stört, werde ich es anders formulieren. Streiks in Griechenland haben einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert als in den meisten anderen Staaten der Welt. Außerdem gibt es regelmäßig Streiks nur in den Großstädten. Auf den Inseln und dem Land wird so gut wie nie gestreikt.

"Anders" bedeutet im Fall Griechenland, das beispielsweise die Athener sich kaum noch über Streiks aufregen. Erstaunlich genug, da beispielsweise die Müllfahrer in der Kessellage Athens wirklich viel Stunk machen können. Streiks gehören zum alltäglichen Leben, man muss sich nur zu helfen wissen. Beispiel U-Bahn: wenn jemand einen wirklich wichtigen Termin hat, wird er sich nie auf die U-Bahn verlassen, sondern immer noch genügend Zeit für Alternativen einplanen.

Das bedeutet für die Rezeption hier, dass die Tatsache von Streiks in Griechenland auf dem Hintergrund der dortigen Verhältnisse gesehen werden muss und nicht auf dem eigenen (bspw. deutschen) Erfahrungshorizont bewertet werden darf.

ad 2b.) Die Liste geht 8 Jahre zurück? Wusste ich nicht. Erstaunlich lange. Meine Äußerungen beruhen auf mehreren Quellen inklusive eigener Wahrnehmung. Und da geht das oben Gesagte über mehr als 20 Jahre zurück. Sie brauchen es nicht zu glauben. Fragen Sie ein paar eigene griechische Freunde.

ad 2c) Geschichtsvergessenheit hmmm. Kann sein, das "Streiken" auch mal deutsche "Folklore" war. Bemerkenswert streikwillig. War da nicht sogar noch ein Weltkrieg und Lenin im Zug nach Petersburg dazwischen?

ad 3a.) Sicher, es ist noch kein Beweis erbracht, deshalb soll man das Beste annehmen. Wobei allerdings auch die Bewertung völlig unrealistischer Ziele einfließen darf. So weit ich jedoch die LINKE in Deutschland bisher verstanden habe, frönen die in ihrem Hunger nach Führung allerdings einem klassischen Personenkult für Tsipras. Es fehlt nur noch, dass er über Wasser laufen kann.

Näher am Problem scheinen Viele im griechischen Volk allerdings so voller dubio zu sein, dass sie auswandern. Vom sog. globalen Kapital gar nicht zu reden. Die geforderten Zinsen bei 2 jährigen Anleihen liegen bei ca. 220 %. Wer in Griechenland investiert, verdient möglicherweise mehr als im Drogenhandel. Das Risiko ist halt größer.

Aber lassen wir das Alles ruhig bei Seite.

ad 3b.) Nach meiner Erfahrung ist der Satz: "Wer einmal lügt, dem ..." nicht ganz richtig. Manche in den alten Parteien sind schon durch die Hölle der Unglaubwürdigkeit gegangen und haben sich geändert. Ich würde nicht kategorisch alles für unglaubwürdig halten.

ad 3c.) Es ist Ihre Entscheidung, wem Sie glauben und wem nicht.

ad4.) Das ist Schade. Manchmal wird im Ausland anders gesprochen als im Inland. Das bleibt Ihnen dann verborgener. Wobei sie in einem Punkt Recht haben. Bei Griechisch ist wegen der schwierigen Bedeutung doppelter Verneinung schon ein gerüttelt Maß an Skepsis insbesondere bei automatischen Übersetzungen angebracht.

ad 5.) Ich bin kein Vertreter eines zyklischen Weltbildes. Allein die immense technische Entwicklung lässt es nicht zu, 100 Jahre ohne Weiteres parallel zu bewerten. Abgesehen davon war Deutschland 1929 in fast jeder Beziehung zu Griechenland heute unterschiedlich. Diese Vergleich hinkt nicht nur, dem fehlt alle Mögliche.

freedom of speech? 26.05.2012 | 06:20

@xxm

"Das hat aber Nichts damit zu tun, dass insbesondere die radikale Linke in GR den Euro immer noch in parasitärem Sinn versteht. Wer genau das zahlen soll, wird nicht beantwortet."

Womit ist diese Aussage denn belegt?

Pardon, hat eine Weile gedauert und Google Übersetzungen sollte ich wohl besser nicht zumuten.

presstext.wordpress.com/2012/05/22/tsipras-abfuhr-in-der-eu/

"...Daraus wurde aber nichts, denn auch Hollande lehnte ein Treffen mit dem Syriza-Chef bei dessen Besuch am Montag in Paris ab.

Stattdessen gab es auch hier nur eine Pressekonferenz mit der französischen Schwesterpartei. Beleidigt über diese Niederlage forderte Tsipras den französischen Präsidenten dazu auf, doch seine Wahlversprechen einzuhalten und nicht “die gleiche Politik umzusetzen”, für die sein Vorgänger Nicolas Sarkozy abgewählt worden sein. Sonst würde aus ihm schnell “ein Hollan-Dreou”, der wie Griechenlands früherer Ministerpräsident Giorgos Papandreou sein Volk in die Krise treibe.

EZB als lender of last resort

Einen Tag später in Berlin hat sich Tsipras offenbar wieder beruhigt. Auf die vielen Fragen der Journalisten, ob Griechenland denn nicht aus dem Euro austreten müsse, wenn er an die Macht komme, antwortet Tsipras betont gelassen. Nein, auch er ist für den Euro, statt des Spardiktates müsse es aber große Investitionsprogramme geben. Woher das Geld dafür kommen soll, sagt er auch: “Die Europäische Zentralbank muss als lender of last resort auftreten.” Das bedeutet, dass die EZB die Schulden der Krisenländer abfangen soll – für viele deutsche Ökonomen eine Horrorvorstellung.

Nicht aber für Gregor Gysi und Klaus Ernst. Sie unterstützen diese Forderung nun in einem gemeinsamen Positionspapier. Der griechischen Syriza und Tsipras dürfte das wenig bringen, schließlich ist die Linkspartei in der Opposition und in eigene Machtkämpfe verstrickt...."