Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

23.01.2010 | 20:30

Dresdner Plakat: LKA sperrt jetzt auch Bündnis-Website

Die Behörden gehen weiter gegen den Aufruf zur Blockade des für den 13. Februar in Dresden geplanten Nazi-Aufmarsches vor. Das Landeskriminalamt Sachsen hat Berichten zufolge beim zuständigen Provider United-Domains AG die Abschaltung der Website Dresden-Nazifrei.de verlangt (die Verfügung hier als pdf - via Netzpolitik.org). Inzwischen ist die Seite nicht mehr direkt erreichbar - allerdings noch über diverse Mirror (hier eine aktuelle Liste). Außerdem ist die Seite jetzt auch hier unter neuer Domain zu finden, wo es auch einen Spendenaufruf gibt, da die Angelegenheit angesichts des Vorgehend der Staatsanwaltschaft immer teurer wird.

Während die Repression wegen des angeblichen Aufrufs zu Straftaten zügig neue Höhe erklimmt, zeigt der schwarz-gelbe Versuch, mit der Änderung des Versammlungsrechtsin Sachsen eine Lex 13. Februar zu schaffen deutliche Schwächen: Nach Ansicht des Leipziger Verwaltungsrechtlers Professor Jochen Rozek kann die Stadt Dresden die Neonazi-Aufmärsche nicht verbieten, weil sie nach der vergangene Woche durchgesetzten Novelle womöglich gar nicht zuständig ist: Dem Landtag sei bei der Verabschiedung des Gesetzes „ein elementarer Fauxpas unterlaufen“, sagte Rozek gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten - die Zuständigkeit dafür, wer das Gesetz vollziehen soll, sei nicht eindeutig geklärt.

Der Verfassungsrechtler Clemens Arzt meint zudem, das Gesetz verstoße gegen sich selbst: Paragraf 15 des neuen Versammlungsgesetzes erlaubt das Verbot einer Versammlung, wenn diese die Nazi-Herrschaft und deren Verantwortung für den II. Weltkrieg „leugnet, verharmlost oder gegen die Verantwortung anderer aufrechnet“ - und genau das werde im Gesetz getan, behauptet Arzt - die Novelle selbst verharmlose das NS-Regime das sie diese „mit den Verhältnissen in der DDR gleichstellt“.

 

Was bisher geschah:
Proteste gegen Dresdner Naziaufmarsch kriminalisiert - hier
Dresdner Plakat: Handschellen wegen Soliaktion - hier 

jayne über die Änderung des Versammlungsrechts in Sachsen - hier
Interview mit Grit Hannefort vom Kulturbüro Sachsen - hier

 
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Kommentare
jayne schrieb am 23.01.2010 um 21:33
lieber Tom Strohschneider, danke!
jayne schrieb am 24.01.2010 um 08:26
auch die regierung von baden-württemberg ist zur zeit mit der novellierung resp. erstellung eines versammlungsgesetzes beschäftigt, und es drohen ähnliche entwicklungen wie in sachsen - näheres findet sich hier:
www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Archiv&Id=1092
Fritz Teich schrieb am 25.01.2010 um 15:11
So ganz an den Haaren herbeigezogen ist der Vorwurf nicht. Und Clemens Arzt ist nicht einmal witzig. Traurig. Woran liegt es? Die Linke hat keine klare Linie.
Fritz Teich schrieb am 25.01.2010 um 15:34
Der Artikel dazu in der Jungle World ist wirklich sehr aufschlussreich. Gegen die Totalitarismustheorie solls gehen. Ein Recht auf Blockade soll es geben. Das gibt es eben nicht und das ist auch gut so. Sonst haben auch die anderen dieses Recht und das heisst Buergerkrieg. Wenns darin wenigstens noch um konkrete Anliegen ginge waere es ja wenigstens ein vernuenftiger Buergerkrieg, wenn auch illegal, aber es geht nur um Gesinnung und sowas ist Dreck.
zelotti schrieb am 26.01.2010 um 17:34
Naja, irgendwie ist es nicht ganz kosher, wenn das Grundrecht auf Demonstration eingeschränkt oder bestritten wird. Als Demokrat muss ich auch Radikalen irgendwie das Recht zubillingen ihre Aufmärsche abzuhalten, ob ich das nun abscheulich finde oder nicht spielt dabei keine Rolle. Alles andere schafft nur die Aufmerksamkeit und das Konfliktpotenzial, das diese Kundgebungen Jahr und Jahr wachsen lässt. Politische Justiz und angepasstes Versammlungsrecht ist mit einem liberalen Geist einfach nicht vereinbar, zeigt Schwäche, wo man gar nicht schwach sein muss.
Jörg Teichmann schrieb am 26.01.2010 um 19:57
Na dann nimm dir mal irgendein Geschichtsbuch und schau wie das damals '33 abgelaufen ist.

Und mir ist es eigentlich halbwegs egal, WARUM am 13. nicht ein paar Tausend Rechte die Dresdner Straßen übernehmen, Hauptsache DAS sie es nicht tun. Das ist schließlich Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols. Die Antifa und die "demokratischen Kräfte" schaffen das ja offensichtlich erfahrungsgemäß alleine nicht und ich fände es auch nicht unbedingt wünschenswert, wenn diese darüber bestimmen würden, wer ein Recht auf Demonstrationsrecht hat und wer nicht. Mir ist es einfach nur peinlich, wenn meine Bekannten und Verwandten im Rest der Republik hören und lesen, dass in Dresden mal wieder der größte rechte Aufmarsch Europas statt gefunden hat.
zelotti schrieb am 26.01.2010 um 22:20
In Amerika hält man das auch aus. Siehe Tea Parties.

Die Gefahr ist allein der Extremismus der Mitte. Diese machtfernen Ränder interessieren niemanden, solange sie nicht Gesetze brechen, dann kommt die Polizei.

Das GG zu verteidigen ist einiges wert. Es ist nicht Aufgabe des staatlichen Gewaltmonopols das Demonstrationsrecht der Bürger zu behindern, ganz im Gegenteil. Die Abschaltung der Website ist natürlich auch kritisch. Entweder man ist liberal oder ein Gegner unserer liberalen Ordnung. Wer das Demonstrationsrecht anderer grundsätzlich in Frage stellt, ist selbst eine Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Jörg Teichmann schrieb am 31.01.2010 um 21:35
"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" - Die Welt kann so einfach sein ...
Tom Strohschneider
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