Kultur

Buch-Druck | 02.05.2009 13:00 | Alison Flood, The Guardian

Druck machen

Alle reden vom elektronischen Buch. Dabei heißt die Perfektionierung von Gutenberg: Espresso Book Machine. Die druckt und bindet in fünf Minuten ein Buch

Sie ist weder elegant noch sexy, sondern sieht aus wie ein großer Fotokopierer: aber die Espresso-Buchmaschine (Espresso Book Machine) wird als größte Veränderung in der Welt der Literatur gehandelt, seit Gutenberg vor mehr als 500 Jahren die Druckerpresse erfand und die Massenproduktion von Büchern ermöglichte. Ende April wurde die Maschine in der Filiale der Buchhandelskette Blackwell’s in der Londoner Charing Cross Road vorgestellt. Sie ist in der Lage, Bücher innerhalb von fünf Minuten zu drucken und zu binden. Die Kunden können so lange warten.

Diese Maschine bereitet jener Frustration ein Ende, die einen befällt, wenn der Buchhändler einem sagt, das gewünschte Buch sei vergriffen oder gegenwärtig nicht lieferbar. Espresso hat beinahe eine halbe Million Titel im Angebot, vom Faksimile von Lewis Carolls Alice im Wunderland bis hin zu Mrs Beeton’s Book of Needlework. Blackwell hofft, das Angebot bis zum Ende des Sommers auf über eine Million erhöhen zu können, was fast 40 Bücherregal-Kilometern oder dem Fassungsvermögen von 50 Buchhandlungen entspricht. In der Mehrzahl handelt es sich um solche Bücher, an denen niemand mehr die Verlagsrechte besitzt, aber Blackwell steht in Kontakt mit Verlegern aus ganz Großbritannien, um mehr Bücher ins Sortiment zu bekommen, für die noch Rechte bestehen. Die Resonanz, heißt es, sei überwiegend positiv.

„Diese Maschine könnte den Buchverkauf grundlegend verändern“, sagt der Geschäftsführer von Blackwell Andrew Hutchings. „Sie eröffnet kleineren, unabhängigen Buchhändlern die Möglichkeit, mit großen gutsortierten Häusern und mit Amazon zu konkurrieren. Mir gefällt der Gedanke, dass von dieser Maschine neue Impulse für die kleinen Kiezbuchhandlungen ausgehen könnten. Die Vorstellung, in eine kleine Buchhandlung zu gehen und Zugang zu einer Million Titel zu haben, ist schon sehr verlockend.“

„Diese Maschine könnte den Buchverkauf grundlegend verändern“

Von Akademikern, die auf der Suche nach einer Ausgabe eines seltenen Manuskriptes sind bis hin zu Möchtegern-Romanciers, die sich ihren im Selbstverlag publizierten Roman ausdrucken lassen, kann die Maschine nach Ansicht von Blackwell vielen verschiedenen Bedürfnissen entsprechen. Man will in den kommenden Monaten genau beobachten, wie die Kunden mit der Innovation umgehen, um die Preise (wahrscheinlich ähnlich denen herkömmlicher Bücher) und den Bedarf festlegen zu können.
Bei der Buchhandelskette hofft man, die Maschine dann auch den anderen 60 Filialen zur Verfügung stellen zu können. Unter den ersten werden das Hauptgeschäft in Oxford sowie einige kleinere Filialen auf verschiedenen Universitätsgeländen sein.

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Die Erfindung des US-amerikanischen Verlegers Jason Epstein konnte vergangene Woche auf der Londoner Buchmesse bereits von interessierten Verlegern in Augenschein genommen werden. Massenweise drängelten sich die Leute, um zuzusehen, wie Espresso über 100 Seiten pro Minuten druckte, ordnete und band, um die fertige Ware dann auszuspucken wie warme Toasts. Die Qualität war über jeden Zweifel erhaben: Der Text ist gut zu lesen, er ist sauber und korrekt ausgerichtet; das Papier ist dick, der Einband schick, wenn auch zunächst noch etwas klebrig.

Die im Besitz von "On Demand Books" befindliche Maschine ist bereits in den USA, Australien, Kanada und der Biblioteca Alexandrina im Einsatz. In der Charing Cross Road steht nun die erste auf britischem Boden. Sie kostete Blackwell 175.000 Pfund. Man ist dort aber überzeugt, dass sich die Investition innerhalb eines Jahres amortisieren wird.

Übersetzung: Holger Hutt
 
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