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Kultur : Das Ende des Joysticks

Das Prinzip Ganzkörperkontrolle setzt sich durch. Auf der Spielemesse E3 in Los Angeles präsentierte Microsoft "Natal". Es könnte die Konsolentechnologie revolutionieren

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„Du solltest dich etwas hinlegen“, säuselt HAL, der beunruhigende Zentralrechner im Kubrick-Film 2001. Geht es nach Microsoft, kann sich demnächst jeder eine künstliche Persönlichkeit ins Haus holen: Sie erkennt das menschliche Gegenüber und reagiert adäquat. Der Konzern stellte sein Projekt Natal auf der Electronic Entertainment Expo, kurz E3, in Los Angeles vor. Die Computerspielmesse, die für zwei Jahre nur einem Zirkel von einigen tausend Branchenmitgliedern offen stand, hat sich mit 40.000 Fachbesuchern als Gaming-Mekka zurückgemeldet.

Eine Technologie „Geburt“ zu nennen, weist auf große Ziele hin. Peter Molyneux, der das Vorhaben präsentierte, ist für ambitionierte Spiele bekannt. „Das Ding in unseren Händen“, sagte er über die Zukunft des Joysticks, „es wird immer komplexer und bekommt immer mehr Knöpfe, das ist tatsächlich die größte Barriere für das, was wir schaffen wollen.“ Was er ankündigt, ist eine grundlegende Änderung in der Spielelandschaft.

Ankündigungen sind häufig schnell getan, tatsächlich aber zeigte Microsoft eine Lösung, die jegliches Eingabegerät überflüssig machen könnte; nicht nur für seine Spielkonsole Xbox 360, sondern für jeden Rechner.

Natal ist ein Zusatzgerät, das kurz an Mimik, Bewegung und Stimme des Nutzers gewöhnt werden muss. Danach ist es in der Lage, dessen Position im Raum, seine Haltung und Sprache zu erkennen. Als Beispiel zeigte Molyneux einen virtuellen Jungen namens Milo. Er wandte sich auf dem Bildschirm zum Spieler hin, erkannte ihn offenbar und trat in einen – wenn auch auf Floskeln basierenden – Dialog. Dass Milo in der Lage war, eine spontane Zeichnung auf realem Papier in seine Welt zu integrieren, raubte dem Publikum den Atem. Umgekehrt konnte in der Demonstration der Spieler zusammen mit Milo Fische fangen: Die Arm- und Handbewegungen vor dem Monitor teilten in realistischer Weise das virtuelle Wasser. Zudem wurden eher klassische Spielkonzepte vorgeführt, die dank Natal mit vollem Körpereinsatz gespielt werden können: Es wird für die Technologie also viel Platz vor einem recht großen Monitor nötig sein. Vor Ende 2010 dürften sich diese Fragen allerdings nicht stellen, dann erst soll das Gerät marktreif sein.

Der Enthusiasmus von Molyneux ist mit Vorsicht zu genießen. Zwar ist der Kreativdirektor von Microsoft Europa eines der Urgesteine der Branche und gilt als äußerst innovativ. Zugleich tat er sich aber schon öfter mit Ankündigungen hervor, die später nicht umgesetzt wurden. Dazu gehört die Frage, ob Microsoft in der Lage ist, solch eine komplexe Technologie wirklich zu produzieren. Dass schiere Größe und unbegrenzte Mittel nicht zwangsläufig zum Erfolg führen, demonstrierte der Konzern mehr als einmal: Die Xbox 360 war anfangs arg pannenhaft, das letzte große Softwareprojekt, das Betriebssystem Vista, mehr oder minder ein Flop.

Microsoft steht unter Zugzwang. Konkurrent Nintendo hat mit seiner Wii-Konsole erfolgreich eine Bewegungssteuerung etabliert, mit der es gelang die Gelegenheitsspieler, die so genannten „Casual Gamer“ zu gewinnen. Und Sony zeigte auf der E3 ebenfalls eine Geräte basierte motion control, die kommendes Frühjahr auf den Markt kommt.

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