Politik

Opel | 05.11.2009 17:49 | Nils Pratley, The Guardian

Besser so!

Anders als in Deutschland, wo die Politik verärgert und brüskiert reagiert, freut man sich in Großbritannien über die Kehrtwende bei General Motors in Detroit

Völlig inakzeptabel, nennt der deutsche Wirtschaftsminister Brüderle die Entscheidung von General Motors, den Plan zum Verkauf seiner europäischen Autosparte zu verwerfen. Würde er von „völlig verständlich" reden, träfe das den Vorgang wesentlich besser. Der Deal, das Werk Vauxhall in Großbritannien und die Opel-Betriebe in Deutschland an den mit russischem Geld unterstützten kanadischen Autoteile-Produzenten Magna zu veräußern, war aus der schieren Verzweiflung geboren: Anfang des Jahres war der Welthandel massiv eingebrochen und GM lag auf der Intensivstation. Die Logik der Verkaufsoption brach in dem Augenblick in sich zusammen, als eine gewisse Stabilität in den Weltmarkt zurückkehrte und die ersten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung sichtbar wurden.

Dank gewaltiger finanzieller Infusionen durch die US-amerikanischen und kanadischen Steuerzahler konnte sich der Konzern in kürzester Zeit unter dem durch das Insolvenzverfahren errichteten Rettungsschirm hervorwagen und kann heute schon wieder wie ein halbwegs normales Unternehmen denken. Ob das Management in Detroit in der Lage sein wird, seine europäische Sparte auf den Weg der Rentabilität zu bringen, lässt sich heute nicht mit Gewissheit sagen. Man kann aber dem Verwaltungsrat von General Motors nicht vorwerfen, dass er es versuchen will. Ein global agierender internationaler Automobil-Konzern kann es sich nicht leisten, Europa aufzugeben. Das wäre einfach mit einem zu großen Rückschritt verbunden.

Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass es GM besser gelingen wird, die Überkapazitäten der europäischen Standorte auf vernünftige Art und Weise abzubauen als einem unerfahrenen kanadisch-russischen Joint-Venture, das sich in Leibeigenschaft der deutschen Regierung befindet. Und hierin liegt natürlich genau der Grund für die Verärgerung der Bundesregierung. Ein Kauf durch Magna hätte deutsche Arbeitsplätze gesichert. Eine unvoreingenommene und ehrliche Einschätzung durch GM könnte mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem Schluss kommen, dass Deutschland mindestens ein Opel-Werk zu viel hat. Der hässliche Versuch der deutschen Regierung, die unvermeidlichen Arbeitsplatzverluste auf seine europäischen Nachbarn abzuwälzen, war das in Wahrheit Inakzeptable an dieser Geschichte.

Übersetzung: Holger Hutt
 

 
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Kommentare
SteinMain schrieb am 06.11.2009 um 07:33
Also bitte, das geht doch jetzt am eigentlichen Problem komplett vorbei, das darin besteht, das die Autoindustrie seit 10 jahren 30 Prozent Überkapazität vor sich herschiebt, diese Fett-Karren will keiner mehr, und sollte auch keiner mehr kaufen.
Da hilft doch auch keine Abfuckprämie und kein Autobahnbau-Notprogramm, sondern nur eine Entzugstherapie für bekloppte Autisten.


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