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Politik : Schäuble schafft ein, zwei, drei, vier, viele Griechenlands

Je länger die Bundesregierung so tut, als sei es möglich, sich dem griechischen Begehren zu entziehen, desto mehr wird die griechische Krankheit am Ende zur Epidemie

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Wer systemrelevante Banken rettet, der muss solcherart Freundschafts- oder Notdienst erst recht systemrelevanten Staaten erweisen. Griechenland kann diesen Status beanspruchen, aber Finanzminister Schäuble nicht die göttliche Kraft, dies zu ändern. Unglaublich, wie der Öffentlichkeit derzeit suggeriert wird, die Bundesregierung hätte tatsächlich die Wahl die Kreditabsicherung für Griechenland zu umgehen oder in großem Stil zu konditionieren. Man hat nicht einmal die Möglichkeit, sie lange hinauszuzögern.

Rauswurf aus der Eurozone

Je näher der 1. Mai rückt und Athen die nächste Tranche seiner Schulden bedienen muss, desto geringer wird der Spielraum seiner Helfer – doch auch seiner Gläubiger. Die werden ihre Forderungen nicht abschreiben, bloß weil Deutschland den redlichen Haushälter mimt und so tut, als könnte sie den griechischen Epikureer durch Entzug zur Räson bringen. Das Gegenteil ist richtig. Denn von Griechenland werden inzwischen auf den internationalen Finanzmärkten Kreditzinsen verlangt wie ansonsten nur noch für das hoch verschuldete Pakistan. Und wer jetzt mit Krediten oder Kreditbürgschaften geizt, treibt die Finanzmärkte dazu an, sich an Staaten schadlos zu halten, die außer Griechenland auf dem Schulden-Index stehen: Italien, Spanien, Portugal und Irland. Was beim Hauptschuldner Griechenland abgeschrieben werden muss, wird die Preise für Staatsanleihen der anderen unsicheren Kantonisten in den Keller drücken. Konsequenz: Es müssen teure Kredite mit hohen Risikozinsen aufgenommen werden, um halbwegs solvent zu bleiben und im Ranking nicht weiter abzurutschen. Je länger die Bundesregierung zögert oder so tut, als sei es möglich, sich dem griechischen Begehren zu entziehen, desto mehr wird die griechische Krankheit zur Epidemie.

Auch das Gerede über eine Relegation des Sünders aus der Europäischen Währungsunion (EWU) ist kontraproduktiv und kurzsichtig. Was könnte dessen Kreditwürdigkeit besser herabsetzen als ein in Aussicht gestellter Rauswurf aus der europäischen Schutz- und Schicksalsgemeinschaft? Was bleibt, wenn die EU-Paten Athen verstoßen, fragen sich die Gläubiger völlig zu Recht? Was sollte – was muss man sich demnach jetzt holen, solange die Griechen noch im Schoß der Gemeinschaft nach Geborgenheit suchen?

Das Geld wird fließen

Deutschland wird so oder so zahlen. Und es danach mindestens zweimal getan haben. Die Frage ist nur noch, in welcher Höhe? Zu den Gläubigern Athens gehören die inzwischen verstaatliche HRE-Bank (Hypo Real Estate), die Athen 10,1 Milliarden Euro geborgt hat, und die ebenfalls nur dank Staatshilfe noch existente Commerzbank mit 3,1 Milliarden an "hellenischen Außenständen". Was denen verloren geht, verliert auch der deutsche Staat. Was die abschreiben müssen, wird der Steuerzahler in Teilen zu begleichen haben. Je später Athen durch IWF und Kerneuropa eine wenigstens fragile Bonität verschafft wird, desto mehr wird an Kredithilfen gebraucht, um den freien Fall der Griechen auf den internationalen Kapitalmärkten abbremsen zu können. Gänzlich aufhalten lässt er sich ohnehin nicht.
Nach der Rettung „systemrelevanter“ Finanzinstitute dürfen die führenden EU-Staaten schon wieder retten: Griechenland, den Euro und diverse Finanzinstitute, die im Griechenland-Geschäft engagiert sind und sich nicht verspekuliert haben wollen. Die Höhe dieses Einsatzes steht auch schon fest: 8,376 Milliarden Euro. Und sie werden fließen, das ist so sicher wie der Absturz Italiens und Portugals.

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