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Österreich und Schweiz wollen nur noch gute deutsche Studenten - und weisen Anwärtern mit einem Vokabular die Tür, das man aus den hauseigenen Einwanderungsdebatten kennt

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Damit hatten die Deutschen, die so gern von „Leistungseliten“ reden, nicht gerechnet: dass gerade den Angehörigen ihrer eigenen Elite andernorts die Tür gewiesen wird. Und das mit einem Vokabular, das eigentlich für die hauseigenen Einwanderungs­debatten reserviert ist. Vor einer „Überschwemmung durch deutsche Studenten“ warnte die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) angesichts des Ansturms Deutscher auf österreichische Hochschulen. Die Schweizer Volkspartei (SVP), die ihr Land ebenfalls durch eine Deutschenschwemme bedroht sieht, sammelt Unterschriften für die Einführung von Deutschenquoten an den Unis. Auch die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) sieht Handlungsbedarf. Für das im September beginnende Herbstsemester sollen sich nur solche Studenten immatrikulieren dürfen, die an einer deutschen Hochschule zugelassen sind. Überdies wird eine „Noten-Guillotine“ eingeführt, der zufolge nur Bewerbern mit einer Abiturnote von 2,0 (in Zürich und Bern) bzw. 2,5 (an den übrigen Unis der Schweiz) ein Studienplatz zusteht.

Antonio Loprieno, Präsident der Crus, bezeichnet die Maßnahmen als „Qualitätssicherung“: „Wir sind offen für ausländische Studenten. Aber wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute.“ Tatsächlich entspricht diese Argumentation den ideologischen Prinzipien der deutschen Bildungspolitik, die sich ebenfalls von plumper Fremdenfeindlichkeit freigemacht hat und damit prahlt, „die besten Köpfe“ aus aller Welt ins Land zu holen. Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen nach Einführung des Bachelor-Systems nicht nur ausländische Studenten, sondern auch solche zu kämpfen haben, die innerhalb Deutschlands den Studienort wechseln, erscheint die Empörung über die Universitätspolitik der Nachbarstaaten als verlogen.

Dass die österreichischen Unis, die keine Studiengebühren verlangen, nicht zur Anlaufstelle für alle werden wollen, die es hier nicht schaffen, ist innerhalb einer Gesellschaft, die „Leistung“ als Summe quantifizierbarer „Kompetenzen“ begreift, ebenso logisch wie die von der SPÖ erhobene Forderung nach Ausgleichzahlungen für die Kosten, die den Hochschulen durch die deutsche Bildungsmigration entstehen. Wegen des Endes der Wehrpflicht und der doppelten Abiturjahrgänge in Baden-Württemberg und Bayern rechnet das Gütersloher Centrum für Hochschul­entwicklung für das Wintersemester 2011/12 in Österreich mit 10.000 deutschen Studienanfängern.

Im Vergleich mit Großbritannien, den USA oder Frankreich sind die Zulassungskriterien, die künftig in der Schweiz gelten, noch immer moderat, zumal dort keine Sprachbarriere zu überwinden ist. Außerdem sind die Studienbedingungen in Österreich und der Schweiz zumindest in den geisteswissenschaftlichen Fächern besser als hierzulande. In Wien, Salzburg, Zürich oder Basel hat die Modularisierung noch nicht zu jener Inhaltsleere und Standardisierung geführt, wie sie an deutschen „Elite-Unis“ herrscht. Aber für Argumente sind die Deutschen nicht sonderlich empfänglich. Sind sie doch „Weltmeister der Herzen“, die auch ohne Anstrengung und Talent von jedem geliebt werden wollen, dem sie sich ungefragt in die Arme werfen. Wer von ihnen Leistungsbeweise fordert, gilt als provinziell.

Magnus Klaue hat an der Freien Universität Berlin Germanistik, Philosophie, Film- und Theaterwissenschaften studiert

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