Positionen

Projekt Linke Mitte | 11.12.2009 18:30 | Cem Özdemir

Gegen Schwarz-Gelb zu sein, ist zuwenig

Für Grünen-Chef Cem Özdemir ist eine rot-rot-grüne Option denkbar – aber nur, wenn die SPD ein neues Leitmotiv findet und die Linkspartei Abschied vom Populismus nimmt

Drei Monate nach der Bundestagswahl ist der Kater immer noch spürbar. Das Land war des Stillstands unter der Großen Koalition müde und wollte einen Wechsel. Und aus Mangel an Alternativen und einem moderat angehauchten Verlobungswahlkampf von Schwarz-Gelb wurde es, was wir nun seit einigen Wochen erleben: eine zerstrittene, nach rückwärts gewandte Reformpolitik.

Die Frage ist: Was stellen wir gegen Schwarz-Gelb? Das Ziel ist klar: Am Ende, voraussichtlich 2013, muss es eine echte Alternative geben. Schwarz-Gelb hat nur dann eine Mehrheit, wenn die SPD substantiell unter 30 Prozent bleibt. Die SPD muss sich stärker bemühen, ihre Inhalte langfristig und glaubwürdig zu profilieren. Auch wenn uns Grünen das in den Bereichen Klimaschutz, Ökologie und zunehmend auch Bildung gelungen ist, gilt diese Aufforderung auch für uns selbst. Denn unser zentrales programmatisches Angebot eines Neuen Gesellschaftsvertrages ist in der Bevölkerung noch nicht richtig angekommen. Doch solange mehr Menschen der CDU die Lösung der Probleme des Landes zutrauen, obwohl sie kein Konzept dafür anbietet, macht gerade die SPD etwas falsch.

Bei Rot-Grün lief nach der Wahl 2002 wahrlich nicht alles rund. Doch Merkels Fehlstart, die während der Großen Koalition offensichtlich mehr moderiert denn regiert hat, schlägt das um Längen. Der vernünftige Teil der Union ist vor allem damit beschäftigt, zu verhindern, dass die FDP ihre Klientelpolitik der 15 Prozent nicht durchsetzt, will sie die gegen die SPD behauptete Hegemonie in der Mitte nicht gefährden. Zum Regieren bleibt Merkel keine Zeit, schließlich hat sie die Moderation der Großen Koalition in die Moderation zwischen Westerwelle und den alarmierten unionsgeführten Ländern und Kommunen verlegt.

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Und die Linkspartei? Entweder sie realpolitisiert sich oder sie wird am Zenit ihrer bundespolitischen Hausse langsam verpuffen. Denn linker Populismus ist auf Dauer und bei Verweigerung der Übernahme von Verantwortung ebenso wenig glaubwürdig wie der Schlingerkurs der SPD in den letzten Jahren. SPD und Grünen obliegt die Aufgabe, die Linkspartei an ihrer schwächsten Stelle herauszufordern, ihrer Verantwortungslosigkeit. Dazu muss man sie allerdings auch ernst nehmen.

Die SPD braucht ein neues Leitmotiv

Die SPD hat mit Sigmar Gabriel offenbar den richtigen Mann an die Spitze gewählt, um ihre zahlreichen offenen Wunden zu heilen. Jetzt fehlen ihr vor allem noch der richtige Kurs und der Mut, diesen nicht sofort wieder infrage zu stellen. Ein Dialog mit den Ortsvereinen ist sicher gut, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, steigert aber noch nicht die von außen wahrgenommene Attraktivität. Die Frage lautet: Was ist das Leitmotiv der SPD? Trauert man weiter den verlorenen Strukturkonservativen nach, die in den letzten Jahren in großer Zahl zur Linkspartei abgewandert sind, wie es die Diskussion über die Rente mit 67 und der Beschluss zur Vermögenssteuer auf dem Parteitag in Dresden zumindest nahelegen? Ernsthafte Zweifel sind angebracht, ob die SPD auf diesem Wege Teil einer neuen Mehrheit und Zukunft werden kann. Als Grüner wünsche ich mir eine Sozialdemokratie, die grundsätzlich nach einer zukunftsfähigen und sozial gerechten Lastenverteilung bei der Bewältigung der Krisen fragt. Die Vermögenssteuerdebatte hat allerdings gezeigt, dass es wieder nur mechanisch um symbolische Instrumente ging. Es ist auch schade, dass ausgerechnet die Jusos diese verengten und rückwärtsgewandten Beiträge geleistet haben. Gerade von ihnen sollte man doch ein schnelleres Umschalten auf Opposition und neue, nach vorne gerichtete kreative politische Konzepte erwarten.

Ein neuer grüner Gesellschaftsvertrag

Wir Grüne haben mit dem Grünen New Deal im Sinne eines Neuen Gesellschaftsvertrages ein anspruchsvolles Zukunftsprogramm ins Zentrum unseres Wahlkampfes gestellt. Wir haben uns damit gegen eine Große Koalition gestellt, die der Krise instrumentell, bloß bürokratisch begegnet ist. Die Nachhaltigkeit von immensen Investitionen wurde nicht hinterfragt, die Krise blieb hinter HRE, Karstadt und Opel, Kurzarbeit und Abwrackprämie diffus. Progressive Politik von heute und für morgen muss die Interdependenz der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Krisen vom Zentrum her gemeinsam denken und lösen. Genau diesen zwingenden Anspruch haben wir Grüne. Unterkomplexe, kurzsichtige Politik hat uns in die Krisen geführt, sie kann keine Lösung sein. Deshalb werden wir das Konzept des Grünen New Deals in den kommenden Jahren weiter ausbuchstabieren und konkretisieren. In der Opposition werden wir Grüne konsequent darauf setzen, unsere inhaltlichen Alternativen gegen Schwarz-Gelb zu stellen. Die Chance, damit durchzudringen, ist nun größer als während der Großen Koalition. Das Parlament kann wieder eine stärkere Rolle spielen, Konzepte können gegeneinander gestellt und die zuletzt leidende parlamentarische Demokratie dadurch auch gestärkt werden.

Mit der ökologischen Industriepolitik haben Sigmar Gabriel und Matthias Machnig der SPD 2006 einen fortschrittlichen Weg gewiesen, um die ökologische Frage sozialdemokratisch neu zu interpretieren. Wir haben es begrüßt, als Frank-Walter Steinmeier im Sommer 2009 seinen Deutschlandplan vorgestellt und damit in weiten Teilen den Fokus des Regierungsprogrammes der SPD überholt hat, auch wenn der Kurswechsel sehr hastig und reaktiv erschien. Die SPD muss sich entscheiden, wo sie hin will und zwar entlang der bestehenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen. Sie muss den Schatten des Traumas der Folgen der Agenda 2010 überspringen und sich nach vorne orientieren, um in der Opposition wieder zu einer ernsthaften Alternative zur Union zu wachsen. Weder ein sozialpolitischer Linksrutsch noch der Versuch, sich an einer schwachen Schwarz-Gelben Regierung abzuarbeiten, werden zum Erfolg führen. Der Weg der SPD, um die Mitte gegen Merkel, von der Leyen, Guttenberg und Röttgen zurückzuerobern wird nicht einfach, aber er kann nur gelingen, wenn die Menschen in der Republik von einer verantwortungsvollen und progressiven Politik der SPD überzeugt werden.

Keine Koalition in der Opposition

Eines ist genauso klar: Es gibt keine Koalition in der Opposition. Koalitionen bilden sich entlang programmatischer Übereinstimmungen vor Ort, um zu gestalten. Aber wir Grüne freuen uns auf die Zusammenarbeit mit jedem demokratischen politischen und gesellschaftlichen Akteur, der sich wie wir für die Inhalte eines Grünen New Deal einsetzt. Dafür gibt es schließlich weder Patent noch Alleinvertretungsanspruch. Die entscheidende Frage geht deshalb an die SPD: Traut sie sich, progressive Politik zu machen? Schaffen wir es in Deutschland Mehrheiten zu bekommen für einen Aufbruch im Klimaschutz, auch in der Wirtschaft, für Bildungsgerechtigkeit, für gute Arbeit, die fair entlohnt wird und für Bürger- und Verbraucherrechte im digitalen Zeitalter? Das wären doch schon mal ein paar Themen, für die es progressive Politik in Deutschland braucht.

Dieser Text wurde vom Progressiven Zentrum, dem Kooperationspartner des Freitag beim Projekt Linke Mitte, bereitgestellt und ist auch auf der Webseite des Zentrums abzurufen.

 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.12.2009 um 19:28
"Weder ein sozialpolitischer Linksrutsch noch der Versuch, sich an einer schwachen Schwarz-Gelben Regierung abzuarbeiten, werden zum Erfolg führen."

Verstehe ich das richtig? Die Sozialpolitik soll bleiben wie sie ist? Oder soll der Sozialstaat noch mehr abgebaut werden?
Und worin besteht der "Neue Gesellschaftsvertrag", den die Grünen populär machen wollen? Mehr gesundes Bioessen und Privatschulen für alle, die es sich leisten können?
Kommt mir irgendwie so vor. Und warum ist es "rückwärtsgewandt", die Wiedereinfühung der Vermögensteuer zu fordern? Weil sie unter der Kohl-Regierung abgeschafft wurde oder weil die besserverdienende Grünen-Klientel soziale Fragen generell für gestrig hält. Nach dem Motto: Uns geht's gut und für das Prekariat gibt's Sozialpädagogen.
Tut mir leid, aber ich fürchte, wenn SPD und Linke sich ausgerechnet die Grünen zum Vorbild nehmen sollten, dann wird das garantiert nichts mit der linken Mehrheit.
jfricke schrieb am 11.12.2009 um 21:26
Wow! Schon alles gesagt. Es bleibt mir nur mich den gestellten Fragen anzuschließen.
Urmel auf dem Eis schrieb am 11.12.2009 um 21:35
Hat der derzeitige Herr Ober-Symbol-Analytiker der Grünen bedeutsames , gar bemerkenswertes zu bedenken gegeben, oder handelt es sich um tibetanisches- Gebetsmühlen-Geklingel ?
surferks schrieb am 12.12.2009 um 11:11
Wo war die Linke Mitte in sieben Jahren Schröder ????
Kriegeseinsätze, Agenda 2010 usw. Aber gut. Jetzt müssen wir unsere Kräfte auf Schwarz/Gelb konzentrieren und eine neue Linke Mitte aufbauen. Die Grünen haben ja teilweise keine Berührungsänste mit den Linken. Und die SPD muss sich einfach mehr bewegen. In der CDU/FDP gibt es gnug Wendehälse aus der Blockparteienzeeit. Aber darüber sprechen die Damen und Herren nicht. Daas hat die SPD versäumt und muss sich nun immer wieder, wie in Brandenburg vorhalten lassen, das sie mit Kommunisten zusammen arbeitet.
hadie schrieb am 12.12.2009 um 13:19
Parteivorsitzende sind Lagerdenker per Stellenbeschreibung, auch bei "dem Cem" sind die Forderungen an andere Parteien kaum die Elektronen wert, die dafür gequält wurden. Die SPD soll ein neues Leitmotiv finden? Während sie sich doch gerade erst mühsam von einigen ihrer übelsten Verrätereien zu lösen versucht? Die Linkspartei soll Abschied vom Populismus nehmen und endlich ihren marktradikalen Flügel ungeschminkt präsentieren? Das nur wäre taktisch unklug. Was soll dieser "Neue Gesellschaftsvertrag" mehr sein als eine zeitgeistige Verhohnepipelung des alten Voltaire? Und gibt es einen "vernünftigen Teil der Union"? Sind hauptsächlich "Strukturkonservative" von der SPD zur Linkspartei abgewandert? Sind die olivgrünen "Schnellumschalter" mit den "nach vorne gerichteten kreativen Konzepten" unsere "überkomplexen" Krisencoaches angesichts zweifellos unterkomplexer Kurzarbeits-&-Abwrackprämien-Konzepte? Ist Steinmeiers "Deutschlandplan" mit seinen versprochenen vier Millionen freischwebenden Arbeitsplätzen schon eine "verantwortungsvolle und progressive Politik"? Und wer den großkoalitionären Zensurplänen fürs Internet zugejubelt hat, sollte nicht von "Bürger- und Verbraucherrechten im digitalen Zeitalter" schwadronieren. Der derzeitige Bundespräsident könnte ihn locker links überholen.
M.Dosse schrieb am 12.12.2009 um 13:51
Und wer hat´s vergessen?Der Cem, der Özdemir.Das Projekt linke Mitte ist schon lange gescheitert und das ist auch gut so.
Die Grünen denke ich, sind doch längst keine linke Partei mehr, sondern näher an der CDU als an der Linkspartei. Ich an ihrer Stelle würde wie im Saarland und in Hamburg dort meine Zukunft sehen.Das Projekt heißt dann aber grüne bürgerliche Mitte.
romano schrieb am 12.12.2009 um 14:58
Linke Mitte? Das ist ein Alibi-Projekt, das sich über das Attribut Links das Gewissen reinputzt und eine Art Almosenpolitik für das untere Viertel der Gesellschaft verspricht (mit erhobenem Finger freilich). Aber ein unteres Viertel der Gesellschaft möchte man schon beibehalten.
Das Konzepte sind doch leere Luft, sie reichen nicht einmal an einen politischen Liberalismus heran (nicht den ökonomischen, der ist politisch gar nicht liberal).
Es herrscht der Trend über den Mut.
Achtermann schrieb am 12.12.2009 um 17:10
Zitat aus Özdemirs Text: „Unterkomplexe, kurzsichtige Politik hat uns in die Krisen geführt, sie kann keine Lösung sein. Deshalb werden wir das Konzept des Grünen New Deals in den kommenden Jahren weiter ausbuchstabieren und konkretisieren.“

Allein der Sprachstil dieses Politikers lässt mich ans Kotzen denken. Er hält, wie gewohnt, seine potenziellen Wählerinnen und Wähler für dümmer als sie sind. Wenn „unterkomplexe, kurzsichtige Politik“ „uns“, ja, er meint damit wohl alle, „in die Krisen geführt“ hat, dann müsste dieser Herr Kotelettenträger erstmal die Agenda-2010-Politik der Regierungszeit seiner Partei aufarbeiten und konkret benennen, welche Gesetze revidiert werden müssten. Es bleibt eine politische Schande, dass eine vermeintlich links der Mitte angesiedelte Grüne-SPD-Koalition diese Politik vorangetrieben hat, die man so zusammenfassen kann: Alle Macht den Banken.

Die politisch-moralischen Maßstäbe der Koalitionspolitik seiner Partei hat er längst bei sich selbst praktiziert als er sich auf die pekuniäre Zusammenarbeit mit dem Lobbyisten Hunzinger einließ. Dazu ist in Spiegel-Online vom 21.7.2002 zu lesen:

Erst Höhenrausch, dann finanzieller Absturz

Nachdem Özdemir 1994 in den Bundestag gewählt worden war, gab er eine Menge Geld aus. Seinem Vater kaufte der Jungpolitiker einen neuen Wagen, dem Grünen-Kreisverband Ludwigshafen richtete er ein Büro ein. Als das Finanzamt schließlich seien Anteil an dem schönen neuen Abgeordneten-Einkommen kassieren wollte, war das Konto des Fans von Designer-Anzügen leer. Der Tipp, sich einen Kredit bei Hunzinger zu besorgen, sei von Kollegen aus dem Parlament gekommen, so Özdemir: "Es waren nicht nur die Grünen, sondern es waren überhaupt Kollegen, Abgeordnete, junge Kollegen von mir auch aus anderen Fraktionen, die in vergleichbaren Situationen schon mal standen, die ich gefragt habe. Dann wurde dieser Name genannt, und dann entstand der Kontakt, und ich war in dem Moment froh, dass ich diesen Kontakt hatte und dort ein Darlehen schnell und möglichst unbürokratisch bekommen habe." Bezahlt würden, so Özdemir, "marktübliche Zinsen".
misterl schrieb am 13.12.2009 um 20:13
Die Analyse

„Unterkomplexe, kurzsichtige Politik hat uns in die Krisen geführt, sie kann keine Lösung sein. Deshalb werden wir das Konzept des Grünen New Deals in den kommenden Jahren weiter ausbuchstabieren und konkretisieren.“

ist so schon in Ordnung und auch sprachlich völlig akzeptabel. Inakzeptabel ist, dass die sich ergebenden Antworten aus den sozialen Fragen erst noch buchstabiert werden müssen. Die Analyse war nämlich schon zu Schröder/Fischer Zeiten so und komplett korrekt.
Joachim Petrick schrieb am 17.12.2009 um 18:25
Hallo Achtermann,
ein sehr erhellender Kommentar.
Danke!
Wo es noch an Erhellung mangelt, ist die Schattenwirtschaft der Parteifinanzierung, die manchen blauäugigen Jungspurt von MdB u. a. ins Staunen bringt, wenn von ihren Diäten, an den Bundestags Regeln vorbei, die Partei oder Partei nahe Projekte obligatorisch finanziert werden nach dem Motto:
"Haste keine Kohle, iGenosse/in, ch weiß g, wo du die holen kannst. geh zum politischen Landschaftspfleger und Finanzberater, geh direkt über LOS zu Herrn Hunzinger.
Wieder so ein Fall, der fall özdemir 2002 von Feigheit vor dem Partei Freund?
tschüss
JP
mcmac schrieb am 12.12.2009 um 22:57
Also CEM!: Beim Lesen Deines Beitrages wurde ich ganz melancholisch und musste ich immer an den kleinen CEM! denken, wie er -anstatt, wie normalerweise, nervös und erwachsen mit den kotelettengerahmten Augenlidern zuckend seinem Sermon Wichtigkeit angedeihen zu lassen- nun aufgeregt in Gänze herum hopsend, die jugendliche Oma CLAUDIA! und den knatterigen Revoluzzer JÜRGEN! vor dem GRÜNEN! Bus zum finalen Bundestagswahlkampfauftakt letzten Sommer mit seinem schicken i-Phone filmte.
CEM!: Das ist nicht einmal ein halbes Jahr her! Damals warst Du zwölf! Ich schmunzele.
Und ich nehme es Dir nicht übel, denn Du bist noch jung. Und grün hinter den Ohren.
Den Satz „Bei Rot-Grün lief nach der Wahl 2002 wahrlich nicht alles rund.“ sowie den Satz „SPD und Grünen obliegt die Aufgabe, die Linkspartei an ihrer schwächsten Stelle herauszufordern, ihrer Verantwortungslosigkeit“, um nur mal zwei Deiner pubertär aber publikumswirksam hingerotzten Klischees zu zitieren, kann man Dir echt nicht übel nehmen, nä, weil Du einfach noch zu klein warst damals, als Dein grüner Kleingärtner- und Kleintierzüchterverein sich in Bielefeld nach massivem Farbbeutelbombardement zur handfesten Kriegspartei mauserte. Und die „Linkspartei“ -uiiihhh!-, nä, dass wissen wir ja nun alle, ist so was von verantwortungslos. Allein schon weil sie eindeutig links ist. Populismus ist das sowieso, selbstredend und allemal.
Wenn ich allein an die Verantwortungslosigkeit der „Linkspartei“ im Saarland nach der letzten Landtagswahl denke... Und an die menschlich große und politisch großartige Reaktion der Saarländischen Grünen, die Schlimmeres verhindern halfen... finde ich, dass Du Dich seit Deiner i-Phone-Kameramann-Tätigkeit toll weiter entwickelt hast. Denn, CEM!, Du nennst die Dinge einfach beim Namen. Du bist einer der Glorreichen Sieben Schwaben in Berlin. Und zwar DER Schwabe für Berlin! Mit i-Phone! Hey! CEM! Das rockt!
Der Freitag schrieb am 15.12.2009 um 13:01
Sehr geehrter mcmac,

die Debatten auf Freitag.de leben von kritischen Beiträgen. Bitte achten Sie dabei auf einen respektvollen Umgang miteinander und verzichten Sie auf Beleidigungen der Autoren. Beiträge die gegen unsere AGB und die Netiquette verstoßen entfernen wir aus dem Thread.

Herzliche Grüße
Ihr Freitag-Community Team
zelotti schrieb am 16.12.2009 um 23:04
User "mcmac" hat aber durchaus literarische Qualitäten... bricht den ernsten Diskurs. Dafür wird er von mir geknuddelt.
Joachim Petrick schrieb am 17.12.2009 um 18:33
Hallo mcmac,
vielen Dank für diesen mit Pionten geladnen Humor angereicherten Text, der über allerlei Humorlosigkeit bei der Findung nuer Mehrheiten, links von der Mitte so fehlt.

Der Geist DER ZEIT, der sich hier redaktinell mit der Freitags Kriitk moderierend an Deinem Text offenbart, allein wird uns in seiner streng gewürzt verkürzten Güte dabei kaum helfen.

tschüss
JP
mcmac schrieb am 12.12.2009 um 23:18
Ach so, CEM!, noch was: Vielleicht klappt das mit dem „NJU GRIEN DIEHL“ nicht, gleicht mehr einem endlosen Ritt gegen Windmühlen, weil viele heute bei Roosevelt eher an eine Blumensorte denken, als an die Rettung eines Systems, welches sich mindestens seit 1914 komplett diskreditiert hat. (Übrigens unter tatkräftiger, politischer Mithilfe von Frankensteinmeieres Uropis.) Meinst Du, Florisitik ist hier angebracht und hilft wirklich weiter?
Das wollte ich Dir noch mit auf Deinen unaufhaltsamen Weg noch oben geben.
mcmac schrieb am 13.12.2009 um 01:56
Dieser Kommentar wurde aufgrund eines Verstoßes gegen unsere AGB entfernt. Bitte bemühen Sie sich in Zukunft um einen sachlichen Ton und sehen von Beleidigungen ab.
Ihr Community-Team
Achtermann schrieb am 13.12.2009 um 10:07
Hallo mcmac,

es freut mich, dass Du die Ergüsse des Cem Ö. mit Ironie betrachten kannst - mich regt sowas noch immer auf. Aber wahrscheinlich hast Du Recht. Die Herren und Damen betuchter Gartenfreunde, die ihre politische Laufbahn, wie von ihren Koalitionsfreunden gelernt, nur als Durchgangsstation betrachten, um für die höheren Weihen des Wirtschaftslebens sich zu qualifizieren, verfassen nur Bewerbungsschreiben.

Drei Beispiele von mehreren: Marianne Tritz, vormals Bundestagsabgeordnete, später Mitarbeiterin von Fritz Kuhn, wurde Geschäftsführerin des deutschen Zigarettenverbandes. Die Ex-Umweltstaatsekretärin Margareta Wolf erhielt ein PR-Mandat der Atomlobby, um für längere Laufzeiten zu werben. Ex-Staatsekretär im Verbraucherschutzministerium Matthias Berninger wechselte zu dem Nahrungsmittelkonzern Mars (Schokoriegel wie Mars, Snickers oder Twix aber auch Uncle Ben's Reis oder Tierfutter wie Whiskas stehen im Angebot.). Die Partei vernetzt sich in den Geld-Etagen. Die Partei bietet Perspektiven.

Deshalb sagt auch Cem Ö. über die 80.000 Mark, die er geliehen hat, der Tipp mit Hunzinger sei von Kollegen gekommen: „Dann wurde dieser Name genannt, und dann entstand der Kontakt…“. Nicht: Ich habe Kontakt aufgenommen. Der Kontakt ist quasi über Cem Ö. hereingebrochen. Man kann da ja nichts für! Kann jedem mal passieren.
spartaner schrieb am 13.12.2009 um 16:56
dem kann ich nur zustimmen. Cem Ö. ist schon längst Mitglied in den elitären Kreisen dieser Welt.

"Wenn man sich die heutigen Mitgliederlisten der Atlantik-Brücke anschaut, so fällt auf, dass sie eine wirklich große Brücke schlägt: Es finden sich Politiker des gesamten Parteienspektrum SPD (z. B. Karsten D. Voigt), CDU/CSU (z. B. der Ehrenvorsitzende der Brücke Walther Leisler Kiep: CDU-Spendenaffaire, wg. Falschaussage 2004 zu 40.500 Euro Strafe verurteilt), der FDP (z. B. Jürgen Westerwelle), den Grünen (z. B. Cem Özdemir)"

aus www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/632-das-guttenberg-dossier-teil-2.html

Grüße Spartaner
Deaktivierter Nutzer schrieb am 15.12.2009 um 13:19
Also ich finde auch, dass Rot-Grün (oder auch Rün oder Grot) Ende der 90er einen Haufen Eigentore geschossen hat.

Tut mir leid, mcmac, dass deine berechtigte Kritik offenbar zu unsachlich und un-netiquet war, so dass die freitags-redaktion Herrn Özdemir vor dir in Schutz nehmen musste.

Ich bin nach der Entscheidung der Grünen zum Kriegsbeitrag im damaligen Jugoslawien aus der Partei ausgetreten.

Das waren mir zuviel Tritte, die da ausgeteilt wurden.

Gruß
U.
Achtermann schrieb am 15.12.2009 um 18:10
Na ja, die Reaktion der Redaktion, den Text von mcmac zu löschen, finde ich überzogen. Wenn man einen derart provokanten Text des Herrn Cem Ö. ins Netz stellt, der nicht nur die Intelligenz der Leserinnen und Leser beleidigt, muss man mit handfesten Stellungnahmen rechnen. Und diese hat Cem Ö., der Dauerschwätzer mit dem Hunzinger-Kredit, allemal verdient. Wie kann man sich nur dazu versteigen im Internet ein Statement auf Englisch an die Briten gerichtet abzugeben, um den lieben Guido ob seiner vermeintlich zu geringen Englischkenntnisse vorzuführen? Alle diese politischen Taten sind Zeichen von PR-Aktionismus, sie sind einfach läppisch. Oder meinen Sie, verehrte Redaktion, Cem Ö. habe man ernst zu nehmen? Wenn ja, dann würde mich eine Stellungnahme zu seiner Politik interessieren.
Achtermann schrieb am 15.12.2009 um 18:39
Nachtrag:

Weder Die Zeit noch BR-Online schätzen diesen Politikerdarsteller als als besonders seriös ein, zumindest kommen diese Textpassagen bei mir so an:

Die Zeit, 21.11.2008, schreibt: „Warum also ließ Cem Özdemir sich für sein politisches Comeback Koteletten wachsen? Das Ganze ist ein Theatertrick: Wer im ersten Akt glatt rasiert von der Bühne geht und im zweiten Akt bärtig und von großer Fahrt zurückkehrt, der darf im dritten Akt, nun wieder rasiert, obsiegen. Özdemirs Koteletten sind eher für das Nachbild gedacht, das sie einmal hinterlassen sollen, als für die Gegenwart; sie sind auf ihr Verschwinden hin getrimmt. Ein Verwegenheitsumhang, den man abstreifen kann.“

BR-Online, 27.11.2008, schreibt: „Den letzten Gong-Schlag fürs Gesichts-Kotelett schlug jetzt Cem Özdemir, unser Obamale aus BaWü. Nach der Bonusmeilen-Affäre aus jahrelanger Versenkung wieder aufgetaucht, tjunt er sich jetzt als Neo-Elvis mit Rucksack, Cordjacke und Koteletten zum Chef der Grünen auf. So will Mann sein: erfolgreich und doch ein bisschen verwegen. Und das verdankt Cem Özdemir nur seinen "Klettverschlüssen", wie er sie nennt. Denn die sind speziell für solche Fälle gemacht.“
Achtermann schrieb am 15.12.2009 um 18:43
Nachtrag:
Weder Die Zeit noch BR-Online schätzen diesen Politikerdarsteller als als besonders seriös ein, zumindest kommen diese Textpassagen bei mir so an:
Die Zeit, 21.11.2008, schreibt: „Warum also ließ Cem Özdemir sich für sein politisches Comeback Koteletten wachsen? Das Ganze ist ein Theatertrick: Wer im ersten Akt glatt rasiert von der Bühne geht und im zweiten Akt bärtig und von großer Fahrt zurückkehrt, der darf im dritten Akt, nun wieder rasiert, obsiegen. Özdemirs Koteletten sind eher für das Nachbild gedacht, das sie einmal hinterlassen sollen, als für die Gegenwart; sie sind auf ihr Verschwinden hin getrimmt. Ein Verwegenheitsumhang, den man abstreifen kann.“
BR-Online, 27.11.2008, schreibt: „Den letzten Gong-Schlag fürs Gesichts-Kotelett schlug jetzt Cem Özdemir, unser Obamale aus BaWü. Nach der Bonusmeilen-Affäre aus jahrelanger Versenkung wieder aufgetaucht, tjunt er sich jetzt als Neo-Elvis mit Rucksack, Cordjacke und Koteletten zum Chef der Grünen auf. So will Mann sein: erfolgreich und doch ein bisschen verwegen. Und das verdankt Cem Özdemir nur seinen "Klettverschlüssen", wie er sie nennt. Denn die sind speziell für solche Fälle gemacht.“
Der Freitag schrieb am 16.12.2009 um 10:08
Sehr geehrter Achtermann,

wir gehen mit dem Löschen von Beiträgen sehr sparsam um. Kommentare, die allerdings stark diffamierend sind und in den justiziablen Bereich fallen, müssen wir entfernen. Wir denken, dass unsere Leser und Autoren starke Kritik und Unbehagen äußern können, ohne dabei ausfallend zu werden.

Herzliche Grüße
Ihr Freitag-Community Team
Lethe schrieb am 14.12.2009 um 10:13
die Problematik, Cem Özdemir, ist doch um einiges bunter, als Sie wohl für möglich halten wollen, sie ist braun-schwarz-gelb-grün-rot, und Vertreter weiterer politischer Farben dürfen sich dazugedacht fühlen.

Das Problem, weniger prosaisch ausgedrückt, besteht darin, dass Menschen, die möglicherweise tatsächlich einmal aufgrund eines lauteren Anliegens begonnen hatten, Politik zu betreiben, auf ihrem Weg zur Macht Frieden mit Lobby und Realpolitik schließen. Selbiges führt über kurz oder lang notwendigerweise zum Verlust der Satisfaktionsfähigkeit.

Sie und Ihre Kaste sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösungen.
mephisto schrieb am 15.12.2009 um 11:10
der Dampfplauderer Cem Hunzinger und die Ich-war-mal-ganz-doll-alternativ-Tante Roth - das ist alles zweitklassiges Personal, das den Sinns, den Hüthers, den Raffelhüschens nichts entgegenzusetzen hat und sich genauso wie Angela Merkel von Joseph Ackermann die Welt erklären ließe.
Und überhaupt: warum eigentlich schwarz-gelb abwählen?
Etwa um Hartz 5-8 zu ermöglichen??
chapultepec schrieb am 15.12.2009 um 11:26
schon gehört? Ex-Aussenminister der grünen Kriegspartei und Freund von Karimov(*) wirbt für Krieg, oh Wunder...

www.hintergrund.de/20091209547/globales/kriege/joschka-fischer-wirbt-f%C3%BCr-den-afghanistankrieg.html

* "...At Termez in southern Uzbekistan there is another, less noticed, western airbase. It is leased by Germany. The Germans are not seeking to withdraw. Of all western ministers, the most frequent guest in Uzbekistan, who most uncritically praises the regime, is Joschka Fischer, the trendy German foreign minister..."
www.guardian.co.uk/politics/2005/aug/03/foreignpolicy.comment
chapultepec schrieb am 15.12.2009 um 11:26
schon gehört? Ex-Aussenminister der grünen Kriegspartei und Freund von Karimov(*) wirbt für Krieg, oh Wunder...

www.hintergrund.de/20091209547/globales/kriege/joschka-fischer-wirbt-f%C3%BCr-den-afghanistankrieg.html

* "...At Termez in southern Uzbekistan there is another, less noticed, western airbase. It is leased by Germany. The Germans are not seeking to withdraw. Of all western ministers, the most frequent guest in Uzbekistan, who most uncritically praises the regime, is Joschka Fischer, the trendy German foreign minister..."
www.guardian.co.uk/politics/2005/aug/03/foreignpolicy.comment
h.yuren schrieb am 15.12.2009 um 22:28
wohl wahr, die partei der grünen hat so nachhaltige fehler gemacht, dass kritische beobachter die nicht so schnell vergessen können.
hier wird ein anderer fehler gemacht: cem hat getextet oder texten lassen, und wir dürfen unter uns bleiben und kommentieren. das nenne ich einen pseudodialog. regt euch ab, jungs!
Lethe schrieb am 16.12.2009 um 09:59
ich nenne das überhaupt keinen Dialog, wie könnten wir uns auch erdreisten

aber mit so einem Dreck einfach so unkommentiert davon kommen lassen geht auch nicht, schon aus Gründen der geistigen Hygiene nicht
Fro schrieb am 16.12.2009 um 12:42
Der Beitrag von Cem Özdemir drückt wirklich eine tief sitzende Ratlosigkeit und eine gewisse Selbstgefälligkeit aus.

Es wäre wahrscheinlich angebrachter hier Beiträge einzustellen, die von der Grünen-Basis kommen und die die bisherige – vor allem die Fischer/Schröderbestimmte Politik - komplett in Frage stellen.

Eine radikale und offene Vergangenheitsbewältigung mit den entsprechenden personellen Konsequenzen in den Vorstandsetagen - das fehlt auch in der SPD und das fehlt auch bei den Linken, die sich m.E. endlich mal von ihren alten Stasischergen trennen sollte.

Ich finde es aber nicht angebracht, die persönlichen Hass-Keulen zu schwingen.

Natürlich haben wir als Mitfinanzierer der Parteien und Chefs der Abgeordneten das Recht jemanden als ungeeignet für seine Aufgaben zu erklären und für seine Entlassung zu sprechen - aber das sollte m.E. etwas cooler geschehen, nur so kann es die erreichen, die eine Erneuerung der Parteien herbeiführen können – die Mitglieder.

Eine Abkehr vom neoliberalen Mainstream wird mittelfristig nur mit runderneuerten SPD/Linken/Grünen möglich sein.
Ingo Arend schrieb am 16.12.2009 um 12:58
ich finde es extrem unergiebig, sich an der frage abzuarbeiten, was die grünen alles falsch gemacht haben und weshalb man sie vergessen kann: kosovo usw. nicht, dass ich das nicht selbst so sehen würde. nicht, dass nicht immer wieder "aufarbeitung" und "vergangenheitsbewältigung" angesagt wäre. die frage ist aber immer, ob man aus fehlern lernen kann und welche projekte man für die zukunft andenkt, anpackt, anwirft. andernfalls landet man bei dem lagerdenken, dass schon die weimarer republik gekennzeichnet hat. manche pauschalverdammungen der grünen hier kommen gefährlich nahe an die sozialfschismusthese, mit der die spd damals überzogen wurde. einer gemeinsamen strategie der politischen linken hat das bekanntlich nicht gedient.
für mich ist die kardinalfrage,die frage nach dem özdemirschen "leitmotiv" die, was eigentlich demokratischer sozialismus der zukunft ist. das geht alle linken an. nicht nur die spd. aber die natürlich besonders. und diese strategie muss - wohl oder übel - über "gerechte lastenverteilung" hinausgehen. darüber perspektivisch zu diskutieren würde sich mehr lohnen,als sich in schuldzuweisungen zu erschöpfen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 16.12.2009 um 13:05
@Ingo Arend, beim Lesen ihres Einwurfs

" sich an der frage abzuarbeiten, was die grünen alles falsch gemacht haben und weshalb man sie vergessen kann: kosovo usw. nicht, dass ich das nicht selbst so sehen würde. nicht, dass nicht immer wieder "aufarbeitung" und "vergangenheitsbewältigung" angesagt wäre. die frage ist aber immer, ob man aus fehlern lernen kann und welche projekte man für die zukunft andenkt, anpackt, anwirft..."

drängt sich mir allerdings die Frage auf, ob "man" dann nicht irgendwann irgendwo irgendwie seine Glaubwürdigkeit verliert!!!

Gruß
U.
Lethe schrieb am 16.12.2009 um 13:30
es gibt Zeiten, in denen Mensch es klar werden muss: so nicht, nicht mit mir jedenfalls. Sobald das klar ist, ist auch klar: nicht (mehr) mit dir.

Wenn das bedeutet, weitere 50 Jahre außerparlamentarische Fundamental-Opposition zu betreiben, dann ist es das wert, jedenfalls mir.

Mehr als Irritationen zu verteilen, ist ohnehin nicht möglich
misterl schrieb am 17.12.2009 um 11:34
Solange die Aktuere ihre verlorene Glaubwürdigekit nicht versuchen dadurch zurück zu gewinnen, dass sie ihre eigene Vergangenheit hinreichend kritisch betarchten, solange ist "ich finde es extrem unergiebig, sich an der frage abzuarbeiten, was die grünen alles falsch gemacht haben" das nicht unergiebig, sondern notwendig.
misterl schrieb am 17.12.2009 um 11:41
Nachtrag.

Wenn das als Ersatzhandlung zur kritischen Selbstreflektion die Umsetzung der "eigenen" Inhalte mit eher zweifelhaften Partnern (aus Sicht linker Mehrheiten/anderer Politik) in Form von CDU oder gar FDP gesucht und gefunden wird, so ist dass wiederum keine bessere Basis für Vertrauen in den Partner. Weder in seine Inhalte noch in seine VIPs.

Die "Methode" Saarland ist als vertrauensbildende Massnahme kaum noch zu unterbieten.
Hermes schrieb am 18.12.2009 um 10:13
Sehr geehrter Herr Arend,

sicherlich haben Sie Recht damit, daß solche Schuldzuweisungen nichts bringen. Ich habe seit 1980 die DVZ gelesen und danach den Freitag. Mir ist aufgefallen, daß Leute wie Cem Özdemir und Claudia Roth im Freitag immer einmal wieder Artikel platzieren konnten. Die ehemaligen Grünen, die in den achtziger und Anfang der neunziger Jahre oder später aus der Partei ausgetreten waren, weil sie damals schon sahen, wohin die Politik der Grünen führt, haben im Freitag nie –wenn ich mich recht entsinne- publiziert. Damit meine ich Leute, die denken wie Thomas Ebermann, Rainer Trampert, Jutta Dithfurt, Winfried Wolf. Ist das ein Zufall? Sind die zu verbohrt?
Integriert das Parlament nicht immer wieder soziale Bewegungen? Wenn die Linkspartei alle Parlamente in zehn Jahren erobert haben sollte, werden ihre Abgeordneten dann ihre bequemen Sessel riskieren und eine radikale Politik zugunsten der sozial Benachteiligten wirklich durchziehen?
Ihre Artikel fand ich übrigens immer spannend.
Freundliche Grüße
Fro schrieb am 16.12.2009 um 14:05
@ Ingo Arend

Ja klar, man sollte sich nicht in Selbstzerfleischung und Schuldzuweisungen ergehen.
Es geht für SPD und Grüne m.E. darum, bis in den Urgrund des politischen Denkens hinein zu erkennen, dass sie sich für eine neoliberale Offensive haben einspannen lassen, mit deren Folgen wir heute zu kämpfen haben.
Die Verelendung unseres Landes - die fortschreitende Auflösung der sozialen Ordnung – das Einnehmen der Weltpolizistenrolle - wurde von Rot-Grün eingeleitet. Die Parteien müssen glaubwürdig verkünden: „Wir haben den größten Mist der Nachkriegszeit verbockt. Wir haben verstanden und werden jetzt für einen Weg arbeiten, der den Menschen dient und nicht den Auftraggebern der großen Lobbyverbände. Und dazu gehört natürlich die Entwicklung einer „evolutionsgerechten“ Perspektive – demokratisch, sozial und intelligent – jenseits des neoliberalen Wirtschafts-und Politikkonzeptes.“

Vergangenheitsbewältigung heißt: Verstehen und die Konsequenzen daraus ziehen. Erst wenn das geschehen ist, kann Vertrauen entstehen – eine wichtige Voraussetzung für eine gemeinsame Strategiedebatte.

Das Vertrauen ist futsch – schöne griffige Worte werden es nicht wieder herbeireden können – das hat eher den gegenteiligen Effekt.
misterl schrieb am 16.12.2009 um 17:18
"Das Vertrauen ist futsch – schöne griffige Worte werden es nicht wieder herbeireden können – das hat eher den gegenteiligen Effekt."

völliog d´accore.

Deshalb würde ich es begrüssen, wenn die VIPs in die Debatte komplett einsteigen und nicht nur Messages broadcasten. Das bisherige Broadcasten verstärkt den gegenteiligen Effekt.
Grundgütiger schrieb am 16.12.2009 um 19:50
Fragen stellen kann einfach sein, oder auch schwer.
Cem Özdemir hat es sich nicht einfach gemacht,er hat schwere Fragen gestellt, wie z.B. wer ist schlauer als die Grünen?
Das die Realität oft schneller ist als ein gut gemeinter Vorschlag,siehe Saarland,dafür kann er nix.
Ich bin ein Fan von Karl Marx geworden, wieder!,erst wenn alle Möglichkeiten einer Gesellschaft voll ausgereizt sind, kann der nächste Level angegangen werden.
Fro schrieb am 16.12.2009 um 22:40
Die Grünen haben schlaue Leute und schlaue Konzepte.
Probleme sind:
1. Das Vertrauen der aufgeklärten Bürger hat gelitten. Und seit der Koalition im Saarland noch mehr. Wer Erneuerung will, kann sich auf die Grünen nicht mehr verlassen – so sieht es aus.

2.Wenn wir von der kompletten Vermarktung und Kontrolle des menschlichen Lebens in unserem Lande runterkommen wollen, dann geht das nicht mit der CDU! Die Grünen verstehen diesen historischen Moment m.E. nicht. Das neoliberale Konzept endete in der größten Finanz-und Wirtschaftskrise und die Erfinder und Ausführer dieses Konzepts machen weiter - und das bedeutet: In unserem Lande geht es für 80% der Bevölkerung immer weiter abwärts.... weil eine groß-süchtige Minderheit die Politik bestimmt. Und so kann es ja wohl nicht gehen.
Natürlich kann das Problem nicht schnell gelöst werden und vor allem auch nicht allein – aber man könnte ja mal anfangen sich damit zu befassen. In kleinen grünen Kreisen passiert da bestimmt etwas aber davon dringt nichts nach Außen da ist kein Wille nach einer anstehenden gesellschaftlichen und politischen Erneuerung spürbar.
misterl schrieb am 17.12.2009 um 11:29
Schon wieder völlig d´accore.

Es fehlt auch an der notwendigen Selbstreflektion zu den Agenda Jahren. Es wirkt nicht glaubwürdig, wenn die Akteure der damaligen Zustimmung bei den Grünen (aber nicht nur bei denen, den die Agenda ist geimsames Produkt von CDU/FDP/Grünen und SPD) heute die Auswirkungen beklagen, die damals absehbar waren. Massenhafte Verarmung, Perspektivlosigkeit, Ghettoisierung und Angst bei denen, die noch nicht abgestiegen sind, aber es quasi täglich vor Augen haben. Ein achtel Bevölkerung in Armut seit und verschärfte durch die Agenda Politik sind auch ein Erbe der Grünen.
zelotti schrieb am 16.12.2009 um 23:01
Jo. Weiss nicht recht.

Der Green New Deal ist ein Consultanttrick. Damit machen die Grünen das Gleiche wie die SPD. Statt Basisarbeit, und Gründung von NROs gibt man sich eine Art Instantplacebo, bei dem gar nicht so interessiert, was da eigentlich drin ist.
misterl schrieb am 17.12.2009 um 12:20
An der Stelle einmal etwas genereller.

Das Progressive Forum bietet an:

"In der Rubrik "Das Progressive Forum" veröffentlichen wir kontinuierlich aktuelle Texte und Analysen von Journalisten und Politikern, Denkern und Ökonomen, die progressive Debatten beleben und voranbringen sollen.

Alle Texte sind exklusiv für das "Progressive Forum" verfasst.

Denken Sie mit!

Finden Sie, wir haben nicht weit genug gedacht? Haben Sie Kritik oder eigene progressive Ideen?

Schreiben Sie uns!"

sich per Mail zu melden, um so in Diskussion zu kommen. Was ist ein Forum? Ein Froum im Internet? Es ist eine (moderierte) Plattform, um sehr unmittelbar mit seinen Lesern (in diesem Fall) in Kontakt zu treten und den Inhalt des Kontakets offen darzulegen.

Das macht das Progressive Forum genau nicht. Es bietet an, dass man ihnen eine Mail schicken darf. Was daraus wird, damit veranstaltet wird - es bleibt offen. Es gibt keine Plattform für Diskurse. So bleibt das Progressive Form eine Broadcastplattform für jene mit exklusivem Zugang mit Namen und für jene die Meinung machen wollen und nicht über Meinungen diskutieren wollen.

Dazu das Progressive Forum "Viel wichtiger aus Sicht des Progressiven Zentrum ist aber, dass fortschrittsorientierte Politik zunächst inhaltlich formuliert und diskutiert wird." Ich frage mich wo? Weder beim Kooperationspartener "Der Freitag" noch beim Progessiven Forum selber diskutieren die Eliten, sie broadcasten bloss.

Zum Schluß eine Zusatzfrage. Was ist "fortschrittsorientierte" Politik? Ohne Inhaltsangaben ist das schreckliches Leergut wie alle diese "Begriffe". Ich bitte also in einer der folgenden Broadcasts diese Leerhülse mit Inhalt zu füllen.

Da ich das beim ProFo nicht offen anfragen kann, mache ich es beim Kooperationspartner.
Fro schrieb am 17.12.2009 um 15:22
@misterL

Dem kann ich mich nur anschließen.

Vielleicht sind die Autoren des Progessiven Zentrums etwas enttäuscht über die Resonanz der Kommentatoren – sie sollten es nicht so persönlich nehmen, sondern da mal den sachlichen Gehalt herauslesen....
Joachim Petrick schrieb am 17.12.2009 um 19:28
@ misterL,
Danke für den Link Hinweis.

tschüss
JP
scorge peppermint schrieb am 17.12.2009 um 13:40
Es ist immerwieder schön zu lesen, wer was alles zu tun gedenkt und was so alles für die Zukunft versprochen wird.
Aber nichts desto trotz sollte sich jeder Wähler, ja auch die Herren Politiker, mal an die eigene Nase fassen und sich fragen: Bin ich vielleicht nicht ein wenig selbst schuld an dem Desaster hier?
In der Medizin nennt man es Psychohygiene, wenn man sich bemüht an seinen Fehlern zu arbeiten, vielleicht sollte hier der begriff der Politikhygiene geprägt werden. Jeder in diesem gar eigenartigen land ist verpflichtet sich über seine WAHL Gedanken zu machen und auch für seine Entscheidung Verantwortung zu tragen. Auch die Politiker! So aber eben jene nicht für den verzapften Mist, die leeren Versprechungen oder gar Lügen zur Verantwortung/Rechenschaft gezogen werden können, braucht man sich nicht wundern, wenn dieses dort gesetzte Signal wie eine Kettenreaktion bis ins hinterletzte Glied weiter gegeben wird. Was dabei herauskommt sieht man jetzt.... Jeder moniert Schwarz-Gelb, Rot, Dunkelrot, Grün, Braun....keiner zieht sich den Schuh an und sagt: Ja, ich hab falsches versprochen, es tut mir leid, ich arbeite (wirklich) an mir und meinen Versprechungen.
Wir haben uns mit freudefeuchten Augen mal wieder von allen Parteien belügen lassen! Wir bekommen jetzt die Rechnung dafür!
Also: wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen!
Joachim Petrick schrieb am 17.12.2009 um 18:10
Lieber „Cem! Cem! Özdemir on You!
Was guckst Du?“,
vielen Dank!,
"Nein Danke!",
linksmittig in der politischen Torten Schnitte?

dazu fällt mir mein Spruch ein:

"Wer seine Mitte nicht grün halten kann, soll wenigsten seinen grünen Rand halten!",
oder wird umgekehrt ein chuh draus?

dazu siehe auch meinen Freitags Blog Beitrag:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/cem-cem-oezdemir-on-you-was-guckst-du

17.12.2009 um 17:40
„Cem! Cem! Özdemir on You! Was guckst Du?“
„Cem! Cem! Özdemir on You! Was guckst Du?“
„Haste noch keinen Freitag gesehen, ist Dir nur der parlamentarische Dienstag lieb?“

Replik auf
www.freitag.de/positionen/0950-oezdemir-gruene-spd-opposition

Projekt Linke Mitte | 11.12.2009 18:30 | Cem Özdemir
Gegen Schwarz-Gelb zu sein,ist zu wenig
Lieber Cem Özdemir,
Sie sind ja im Land der blühenden „Wechsel Dich“ Wähler/innen bekannt dafür, einmal mehr knuffige Seitenhiebe aus unlauterer politischer Liebe von ausgefallenen Sympathisanten mit Humor zu ertragen.
Deshalb sag ich mal:
„Sie sind mir ja ein politisches Frettchen Früchtchen, angeblich wie erklärter maßen aus dem Mus & Hus der Grünen Tüchtigen.....

Die Bude brennt,
das Wahlvolk rennt wahllos, als Nashorn hier als Trockenhorn da ab in die prekär soziale Wüste
“Heiß ich etwa Heinz Erhard, ist hier alles Müller,oder was?“
“Siehste!“, ..................

tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 17.12.2009 um 19:59
Lieber Cem Özdemir,
im Eifer des Gefechts, kam mir in diesen Landen doch glatt Wesentliches abhanden, dass Sie ja hier nicht nur als die Person Ö. sprechen, sondern zu aller förderst sich selbsttätig wie selbstlos der Anstrengung der programmatischen Schriftkultur in der Politik als einer der Vorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen unterziehen.
Ich hoffe inständig sehr, dass Sie mir diese meine Rückhaltung der Wertschätzung Ihres Artikels zwischen den Zeilen, so groß wie Kamel Meilen, weder nachtragen, noch verübeln.

Bei solchem wertschätzenden Lichte betrachtet, gibt Ihr Text für mich, oh Grünes Wunder, doch so manchen aufschlussreichen Einblick her.

Nur Ihr „Grüner New Deal“ klingt mir zu sehr nach des Franklin Roosevelt Aufrüstungs- Stil Gemach als monetär dereguliertes Ach unter dem staatlichen Schulden- Dach:
"Erst helfen Henry Ford und andere US- Konsorten der Hitlerei bei der Aufrüstung per Darlehensvergabe an den Internationalen Finanzmärkten, um dann den New Deal, derden monetären Limes überschritten, als Folge einer Super Schuldeninflation von Berlin bis Chikago, Moskau in eine totale Kriegskonjunktur:
"Alle Räder rollen für den Sieg, wie für die Niederlagen bis zur bedingungslosen Kapitulation aus dem Sprachgebrauch von Inslovenz (unconditionell surrender(, um mit der Zigarette im Mundwinkel danach i die verwertung von Werten, Gütern, Ressourcen, Patente u. u. Zum Wirt zum Winkel zu gehen?"
tschüss

JP

chapultepec schrieb am 15.12.2009 um 11:26
schon gehört? Ex-Aussenminister der grünen Kriegspartei und Freund von Karimov(*) wirbt für Krieg, oh Wunder...

www.hintergrund.de/20091209547/globales/kriege/joschka-fischer-wirbt-f%C3%BCr-den-afghanistankrieg.html

* "...At Termez in southern Uzbekistan there is another, less noticed, western airbase. It is leased by Germany. The Germans are not seeking to withdraw. Of all western ministers, the most frequent guest in Uzbekistan, who most uncritically praises the regime, is Joschka Fischer, the trendy German foreign minister..."
www.guardian.co.uk/politics/2005/aug/03/foreignpolicy.comment

ein sehr erhellender Kommentar. Danke.
Wo es noch an Erhellung mangelt, ist die Schattenwirtschaft der Parteifinanzierung, die manchen blauäugigen Jungspurt von MdB u. a. ins Staunen bringt, wenn von ihren Diäten, an den Bundestags Regeln vorbei, die Partei oder Partei nahe Projekte obligatorisch finanziert werden nach dem Motto:
"Haste keine Kohle, Genosse/in, ich weiß, wo du die holen kannst. geh zum politischen Landschaftspfleger und Finanzberater, geh direkt über LOS zu Herrn Hunzinger.
Wieder so ein Fall, der fall özdemir 2002 von Feigheit vor dem Partei Freund?
tschüss
JP
mustermann schrieb am 18.12.2009 um 07:10
Richtig, "Gegen Schwarz-Gelb zu sein, ist zuwenig", darum bin ich auch zuallererst gegen "die Kotelette" Cem Özdemir, den Multikulti-Poltikmanager von den Grünen, der nie auch nur einen substantiellen Inhalt vertreten hat. Die Industrie will sich von der Kotelette im Gegensatz zu anderen verdienten Grünen leider auch nicht beraten lassen. Die Kotelette und die Roth sind das beste Schreckensargument, das Letharg-Merkel zur Daseinsberechtigung nutzen kann.
miauxx schrieb am 18.12.2009 um 16:47
Soso, die Linke sollte also mehr "realpolitisieren".
Etwa so wie die Grünen, Herr Özdemir, die an sich so viel "realpolitisiert" haben, dass sie zur beliebigen Partei geraten sind, die sich darin gefällt, das berühmte Zünglein an der Waage bei Koalitionsentscheidungen zu sein?
Mein Problem ist immer - und ich denke, dass so auch viele andere empfinden -, dass ich die wirkliche Substanz und konsequente Linie in den Parteien vermisse. Sie erzählen hier was von harter Opposition gegen Schwarz-Gelb, haben aber kein Problem damit, auf Landesebene mit Schwarzen und/ oder Gelben zu koalieren (wie in HH und im Saarland). Stehen Machtentscheidungen, der unbedingte Wille zum Mitregieren unter jeglichem Kompromiß, doch vor den politischen Idealen?
misterl schrieb am 19.12.2009 um 09:31
Man könnte ja einen anderen Verdacht hegen und in die Mitte werfen.

Das wäre dann etwa so:

"Diese ganze Scheindebatte dient dem Zweck das linke Bewußtsein im Vorfeld der NRW-Wahl zu sammeln um dann in erster Wandlung der Überschrift:

'Gegen Schwarz-Gelb zu sein, ist zuwenig'

zu einem:

'Nur mit Schwarz-Gelb kann man Schwarz-Gelb verhindern'

die Richtung vorzugeben, wenn in NRW Schwarz-Gelb-Grün möglich wird.

So mutiert wird es sodann als neue fortschrittsorientierte Politik verkauft mit dem Anspruch linke, bürgerliche Mitte zu sein."

Würde ich wetten, würde ich auf diese politisch, semantische Entgleisungen fast eine abschließen.
Achtermann schrieb am 18.12.2009 um 19:02
Der ehemalige Bremer Politiker Jörg Hutter begründete 2004 seinen Parteiaustritt aus Bündnis 90/Grüne. Anlass waren die Hartz-Gesetze. Er formuliert klar und verständlich. Er benutzt keine Schaufloskeln wie Herr Cem Ö. im obigen Beitrag, wenn dieser etwa schreibt: „Denn linker Populismus ist auf Dauer und bei Verweigerung der Übernahme von Verantwortung ebenso wenig glaubwürdig wie der Schlingerkurs der SPD in den letzten Jahren. SPD und Grünen obliegt die Aufgabe, die Linkspartei an ihrer schwächsten Stelle herauszufordern, ihrer Verantwortungslosigkeit.“

Was ist Verantwortungslosigkeit? Etwa sich gegen die Hartz-Gesetze zu stellen? In der Özdemir’schen Mainstreampolitik scheint das so zu sein. Jörg Hutter, hat genau umschrieben, welche Politik die Grünen jenseits der Wahlrhetorik betreiben und das noch als gesellschaftlich progressiv einem andrehen wollen:

Jörg Hutter im August 2004 zu seinem Parteiaustritt:
„Ich möchte meine Entscheidung daher auch begründen. Ich beziehe mich im Folgenden auf die beschlossenen Gesetzesänderungen zum Sozialgesetzbuch II, auch unter dem Begriff Hartz IV diskutiert. Die im Dezember 2003 beschlossene Gesetzesänderung markiert einen fundamentalen Wandel der bislang mit dem Titel der sozialen Marktwirtschaft überschriebenen wirtschaftlichpolitischen Orientierung bundesdeutscher Politik. An diesem Prozess haben Bündnis90/DIE GRÜNEN mit ihrer Debatte um die so genannte Grundsicherung einen maßgeblichen Anteil genommen. Ich habe diesen Diskurs schon immer für verfehlt gehalten und nun bewahrheitet sich, dass er in erster Linie dazu gedient hat, das soziale Sicherungssystem bisheriger Prägung aus den Angeln zu heben. Den Begriff „sozial“ wird man demnach demnächst Dank grüner Mitarbeit aus dem Konzept streichen können.
Ich bewerte die anstehende Gesetzesänderung als einen schwerwiegenden Fehler. Hier stimmt bereits die eingeschlagene Richtung nicht, so dass es auch wenig Sinn macht, auf korrigierende Nachbesserungen zu warten. Hierbei ärgert mich besonders, dass der wesentliche Grund für die wachsende Arbeitslosigkeit völlig aus dem Blick geraten ist. Analysten sind sich einig, dass die ansteigende Arbeitslosigkeit in der wachsenden Produktivität der Wirtschaft begründet ist. Der technologische Wandel erlaubt es, immer mehr Güter durch immer weniger Menschen zu produzieren. Demnach werden die billigsten Arbeitnehmer der Welt nicht in der Lage sein, um mit der heutigen und zukünftigen Technik zu konkurrieren. Diese an sich positive Entwicklung verkehrt sich meiner Meinung nach nur deshalb in ein Problem, weil die Produktivitätszuwächse nur einem Bruchteil der Bevölkerung zugute kommen. Rotgrün hat dieses Verteilungsproblem dramatisch verschärft, indem es einigen industriellen Lobbyisten größte Gewinnmaximierung zugesichert hat (so jüngst etwa der Pharmaindustrie) und global agierende Unternehmen in Folge Gewinne wie noch nie einfahren. Der Staat hingegen muss (durch Zugeständnisse oder fehlerhafte Gesetzgebung) auf immer mehr Steuereinnahmen dieser Unternehmen verzichten. Vodafone ist hier sicher nur die Spitze des Eisbergs. Da bei gleichzeitig sinkender Beschäftigung in der logischen Folge die Steuereinnahmen des Staates weg brechen, sollen jetzt im Rahmen von Hartz IV die kleinen Vermögen der Arbeitslosen geplündert werden. Denn diese Gruppe hat keine Lobby und kann sich – so das politische Kalkül – nicht wirklich gegen den geplanten Sozialabbau wehren.“
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