Wissen

Diagnose: Huhn | 10.01.2012 17:15 | Kathrin Zinkant

Vergessene Broiler

Der Skandal um resistente Keime auf Geflügel ist mehr als nur das Zeugnis einer kranken Industrie. Über die Psychopathologie einer Fleischeslust

Es ist doch faszinierend anzusehen, wie die Nahrungsindustrie ihre eigenen Verdrängungsmechanismen hervorbringt: Im Grunde muss sie nur in regelmäßigen Abständen einen neuen Lebensmittelskandal fabrizieren, und schon landen alle vorherigen im Wunderland der öffentlichen Amnesie. Dioxin-Eier? Gammel-Döner? Fäkal­keim-Sprossen? Ja, da war mal was, aber was genau, entzieht sich momentan ­leider der Erinnerung – weil jetzt gerade sind wir total angewidert von Hühnchen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz ist nämlich einkaufen gegangen, zwanzig Portionen Geflügelfleisch aus den üblichen Discountern und Supermärkten, zu den üblichen Spottpreisen, von den üblichen Großmastbetrieben. Und als habe man damit nun überhaupt nicht rechnen dürfen, fanden Mikrobiologen auf mehr als der Hälfte der Hähnchenteile Bakterien, und zwar welche, die gegen bestimmte, in der Massentierhaltung bekanntliche verbreitete Antibiotika resistent sind. Abgekürzt werden diese Mikroben mit MRSA (Methicillin-resistener Staphylococcus aureus) oder mit ESBL-resistent (von Extended Spectrum Beta-Laktamasen, ein bakterielles Enzym, das unter anderem Penicillin außer Gefecht setzt).

Ernährungsspezifische Demenz

Und hier zuckt dann doch die ein oder andere Gedächniszelle: Werden als MRSA nicht auch Bakterien bezeichnet, die den Menschen befallen und chronisch schwärende Infektionen verursachen, die zu Amputationen oder gar zum Tod führen können? Ja, richtig erinnert. Nur stammen diese gern „fleischfressend“ genannten Bakterien bislang nicht aus dem durcherhitzten Fleisch, dass der Mensch frisst, sondern aus Kliniken, in denen der Mensch seine eigenen Antibiotika futtert.

Aber das nur am Rande, denn jetzt greift ein anderer Memoryeffekt: Der müde Empörungsakku reicht nämlich nur noch für das Naheliegende, und nahe liegt, was auf den Teller kommt. Antibiotika, Hühnefrikassee, MRSA, tödliche Infektionen – fertig ist die Kausalkette, und glasklar auch, was zu tun bleibt. Verbraucherschutz- bzw. Landwirtschafts- und bisweilen auch Ernährungsministerin Ilse Aigner hat da schonmal was vorbereitet: Streng begrenzt soll der Einsatz von Antibiotika werden, meldepflichtig auch. Was begrüßenswert erscheint, aber irgendwie die Frage aufwirft, was denn aus dem EU-weiten Verbot von Antibiotika zur Leistungssteigerung geworden ist, das seit 2006 gilt? Wurde wohl vergessen.

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Was den Teller betrifft, auf dessen Ladung sich so viel Aufmerksamkeit konzentriert, kann man aber auch die angekündigten Punkt-Maßnamen schon wieder der ernährungsspezifischen Demenz anheimgeben. Was heute Antibiotika sind, werden morgen ja wieder Gift und Gammel sein. So ist das in einer profitorientierten Lebensmittelproduktion, die unter Mehrwert nunmal nicht mehr Qualität für weniger Geld versteht, sondern andersrum. Das zugrundeliegende industrielle System setzt auf Masse und ist bis in seine Rechtsverordnungen deshalb schon derart krank, dass die Schräubchendreherei einer Ministerin an der Vergabe einzelner Medikamente nur als Ausdruck von Ohnmacht gewertet werden kann. Und man darf sich fragen, ob der Untergang des Menschen nicht am Ende doch eher aus einer Hühnerfabrik herrührt, als aus einem Forschungslabor. Man darf aber auch mal fragen, was mit dem Verbraucher los ist. Zwischen tierischer Lust und grenzenlosem Hass auf Fleisch scheint der keine emotionalen Zustände mehr zu kennen. Eine nachgerade bipolare Störung, die immer mehr Saisonveganer produziert, aber dem Gegner sonst nur in die Hände spielt: Vor dem Skandal ist nach dem Skandal. Und zwischendurch gibt’s halbe Hähnchen.

 
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Kommentare
weinsztein schrieb am 11.01.2012 um 02:53
Die "Saisonveganer" gefällt mir ganz besonders gut, nie vermehrten sie sich flotter als zu BSE-Zeiten, als Jacob Creutzfeldt in Deutschland wütete und künftige Veganer erst mit halben Hähnchen überwinterten.
de.wikipedia.org/wiki/Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Liebe Frau Zinkant,
Ihre Beiträge lese ich seit langem mit Vergnügen, sie helfen Lesern wie mir, bei zuvor eher fernen Themen mitreden zu können.
Wunderbar: die "Psychopathologie einer Fleischeslust".
Beste Grüße
weinsztein (Ihr Fan)
der Hetiritter schrieb am 11.01.2012 um 08:09
Naja, die meisten Vegetarier sind ja nur Pescetarier. Die meisten begründen dieses mit der, in der inzwischen wissenschaftlich angezweifelten, Theorie, dass Fische keine Schmerzen empfinden. Das ist auch ganz einfach anzuzweifeln, dafür brauche ich noch nicht mal wissenschaftliche Tests, denn ein Tier ohne Schmerzempfinden weiss nicht, was schlecht für ihn ist und hätte in der Evolution keine Chance. Es gibt ja Menschen, die haben kein Schmerzempfinden und kommen ständig in Lebensgefahr, meine Hochachtung hier für derer Eltern.
Skandale? Da gab es doch den Analogkäse, eigentlich gar kein Skandal, denn der Vorläufer des Analogkäses war die Magarine. Nichts weiter als ein pflanzliches Ersatzprodukt für teure tierische Originalprodukte.
Warum gibt es also diese Skandale? Wir haben da ein paar Menschen zu versorgen, die wollen günstig und gut versorgt werden. Das Günstig habe ich nicht ohne Grund an den Anfang gestellt.
So ist es so, dass es nicht ganz einfach ist soviele Menschen zu versorgen, besonders wenn es einen Drang zu tierischen Produkten gibt und einen noch stärkeren Drang/Zwang zur Sparsamkeit gibt.
Es werden also noch viele Skandal kommen und gehen und wir werden weiter uns selber belügen, Fische werden immer noch keinen Schmerz empfinden, Analogkäse wird bald der modernere Käse sein, Stierkämpfe sind grausam, Schlachthöfe aber sauber etc. pp.
Der Gesetzgeber ist gefordert, denn die meisten haben keinen Bezug mehr zu einem zerteilten Tier. Ich habe schon als Kind Kühner geschlachtet, Kühe und Schweine zerlegt und weiss, was hinter diesem leckeren Genuss steht. Manchmal kannte ich sogar die eigenarten der Tiere: das Rind ist immer ausgebüchst, das war magisch auf den Hahn fixiert und das Schwein war extrem reinlich und hat sich geweigert sich im Dreck zu suhlen.
Die meisten sollten mal auf einen Bauernhof gehen, damit sie wieder einen Bezug zur Nahrung bekommen, alle sollten, soweit noch möglich, sich mal die Schlachtung unseres Essens ansehen und jeder hat die Möglichkeit auch auf dem Balkon oder auf der Fensterbank sich Chilis oder anderes Gemüse zu ziehen. Lebt mal wieder Natur!
cuchulainn schrieb am 11.01.2012 um 10:05
"Die meisten sollten mal auf einen Bauernhof gehen, damit sie wieder einen Bezug zur Nahrung bekommen"

genau. weitere vorschläge dieser güteklasse:

- wer sich über abtreibung aufregt, soll erstmal selber schwanger werden, um einen richtigen bezug zum leben zu bekommen.

- wer sich über das finanzsystem beschwert, soll erstmal selber 100 millionen euro in den sand setzen, um mal einen bezug zum geld zu bekommen.

- wer sich über die regierung beschwert, soll erstmal selber acht jahre lang regieren.

- wer über die NATO redet, soll erstmal selber hunderttausend leute umlegen, um einen richtigen bezug zum massenmord zu bekommen.

- wer sich über die odenwaldschule auslässt, soll erstmal selber 20 minderjährige missbrauchen, damit er mitreden kann.
der Hetiritter schrieb am 11.01.2012 um 11:43
Erkennen Sie den Unterschied zu den Punkten Ihrer Aufzählung und meinem Satz?
Bei mir geht es um etwas wirklich täglich lebensnotwenige mit dem man sich befassen sollte. Nicht um irgendein Notsituation, einem langweiligen Tauschmittel oder oder oder...
Ich denke, da können Sie sogar den Sinn bzw. den Unterschied verstehen.
cuchulainn schrieb am 11.01.2012 um 11:54
"Erkennen Sie den Unterschied zu den Punkten Ihrer Aufzählung und meinem Satz?"

1. sie meinen sicher den unterschied ZWISCHEN meiner aufzählung und ihrer bemerkung, wa?

2. ja, ich erkenne den unterschied zwischen meiner aufzählung und ihrer behauptung: meine liste radikalisiert ihren vorschlag und gibt daher präzise auskunft über seinen nonsenscharakter.

"Bei mir geht es um etwas wirklich täglich lebensnotwenige"

nö. ich muss schliesslich nicht jeden tag eine sau abstechen, um was zu essen zu bekommen. es mag ja sein, dass sie solche vorstellungen aus dem neolithicum pflegen, bei uns im neuzeitlichen mitteleuropa ist das aber durchaus anders.

"... mit dem man sich befassen sollte."

aha - es geht also um ein SOLLEN, also um einen moralischen imperativ, den zunächst einmal nur sie im hirn haben und von dem sie erwarten, dass er auch für alle anderen geltung habe. sagen sie das doch gleich!
der Hetiritter schrieb am 11.01.2012 um 14:05
Nach ihrer Aufzählung andere mit Nonsenscharakter zu kommen, unglaublich.
Gut, ich habe verstanden, ihr Essen kommt aus dem Kühlregal (Milchschnitte).
Bei uns im neuzeitlichen Mitteleuropa müssen immer noch Kühe geschlachtet werden, Milch gemolken und "Feldfrüchte" geerntet werden.
Wer sich nicht für die Grundlagen des Lebens interessiert, dem fehlt einfach ein ganz wichtiges Wissen. Da ich die verschiedenen Aufzuchtverfahren kenne, wähle ich nach der Zubereitungsmethode die Fleischqualität und deren Herkunft aus, wähle ich das passende Gemüse aus. Einer der Gründe, warum so viele so gerne bei mir zum Essen kommen.
Und, Sie haben es wohl immer noch nicht verstanden, dass Lebensmittel eben jeden Tag lebensnotwendig sind. Nur weil Sie sie derzeit problemlos aus einem Regal im Supermarkt bekommen können, sollte das Wissen darüber nicht verloren gehen. Aber bei ihnen gibt es wohl meist etwas vom Hacktier.
Man sollte nun wirklich etwas auskennen mit dem entstehen des Lebens (auch Pflanzen) und mit deren Führsorge, denn vielleicht will man ja auch selber mal Leben in die Welt setzen.
Der Umgang, insbesondere der sprachliche Umgang von Ihnen hier, mit dem Thema läßt nichts gutes erahnen.
chrislow schrieb am 11.01.2012 um 15:45
der Hetiritter schrieb am 11.01.2012 um 08:09

"...Kühner geschlachtet, Kühe und Schweine zerlegt und weiss, was hinter diesem leckeren Genuss steht."

-> In Bezug auf die Schlachtung/Tötung muß es wohl heissen: "...was VOR dem Genuß steht." ...nicht hinter. Ganz nach dem Spruch: "erst die Arbeit, dann das vergnügen..:"

Ansonsten kann man natürlich jederzeit die Tötung von Tieren zwecks Nahrungsmittelbereitstellung verurteilen. Und natürlich mögen die Vorrechnungen der durch Wegfallen der Mast sich ergebenen Biomasse zur ausreichenden Ernährung der Menschheit auf der Welt zutreffen können - rein Quantitativ. Welcher Art Evolutionsprozess damit aber angestoßen wird, bedenkt dabei aber niemand...denn Nahrungsquellen bestimmen Entwicklung. Würde bedeuten, dass vielleicht der Mensch dadurch zukünftig sich zu einem anderen Wesen entwickelt, das er vorher nicht war.
cuchulainn schrieb am 11.01.2012 um 23:04
@Hetiritter, 11.01.2012 um 14:05

"Und, Sie haben es wohl immer noch nicht verstanden, dass Lebensmittel eben jeden Tag lebensnotwendig sind."

und sie haben wohl noch immer nicht verstanden, dass "jeden tag lebensnotwendig" NICHT heisst "jeden tag selber schlachten müssen".

und sie haben auch nicht verstanden, dass die alternative zu "selber schlachten" nicht kühlregal heisst, sondern arbeitsteilung.

oder schnitzen sie auch die holzstühle und den tisch selber, ehe sie sich zum essen hinsetzen? nein? wie können sie nur! oder haben sie nicht verstanden, dass esszimmermöbel nicht im möbelhaus wachsen? "leben sie mal wieder natur" - sie holzfeind!
der Hetiritter schrieb am 12.01.2012 um 07:59
Meine Möbel habe ich wenigstens selber designt und mich mit dem Tischler ständig über die Ausführung unterhalten/gestritten/gelacht.
Klar leben wir in einer Welt der Arbeitsteilung, aber gerade was die Nahrung angeht muß es ein richtiges Bewusstsein dazu geben. Was bei anderen Küchenabfälle sind, ist bei mir die Grundlage einer Brühe. Bei Bio-Zitronen wird erst die Schale gerieben u.u.U. in Alkohol eingelegt, ich ernte Kopfschüttel wenn ich so antworte wenn es um die Frage geht, warum der Kuchen so lecker ist. Kartoffeln kauft man ungewaschen, dann sind die Monate im Keller haltbar etc. pp.
Das sind alles wichtige Grundvoraussetzungen eines genussvollen Lebens. Einen Kaffee aus einer Kapselmaschine schmeckt nicht, ein guter Kaffee muß handgebrüht sein, wenigstens am Wochenende sollte man sich für soetwas Zeit nehmen. Arbeitsteilung geht ja inzwischen soweit, um auf meinen eingangs erwähnten Einwand zurück zukommen, dass die Menschen nur noch das Hähnchenbrustfilet sehen, nicht aber mehr das Huhn. Mir ist schleierhaft, warum Menschen nicht mal selber versuchen sich ein Hähnchen selber zu machen.
Hier ein kleiner Tipp, damit es ganz einfach geht.
150ml Olivenöl und hellen 75ml Balsamico mischen, dazu dann nach Geschmack Paprikapulver, Chili (gerne frische), 2 TL Salz, frische Petersilie, Pfeffer, getrocknete Tomaten (vorher 10min. in warmen Wasser einlegen etc. pp. dazu geben. Huhn gründlich waschen mit etwas Salz einreiben 10min stehen lassen, dann in einen Gefrierbeutel oder ein Gefäss leben und die Marinade dazu geben.
1 - 3 Tage in den Kühlschrank stellen.
Eine Auflaufform nehmen Kartoffeln und Gemüse nach Geschmack in ca. 1cm dicken Stücken dazu geben (Karotten, Petersilienwurzel, Brokkoli, Blumenkohl, Porree, Tomate etc. pp.), Hähnchen zerteilen und darauf legen, restliche Marinade darüber verteilen und bei 180 Grad ca. 80min. in den Ofen. 1 Hähnchen reicht für 2 Personen.
Ist was anderes als Kühlregal.
cuchulainn schrieb am 12.01.2012 um 08:36
"Meine Möbel habe ich wenigstens selber designt und mich mit dem Tischler ständig über die Ausführung unterhalten/gestritten/gelacht."

ja, das hätte ich mir eigentlich denken können - sie wirken ja in der tat wie ein obsessiver machertyp und ich würde ihnen nach unserer unterhaltung sogar zutrauen, dass sie gar ihr mobiliar marinieren. :)

spass beiseite: ihrem letzten kommentar kann ich weitgehend zustimmen (bis auf die chili, die vertrag ich nicht besonders).
der Hetiritter schrieb am 12.01.2012 um 09:12
Obsessive, da haben Sie mich sehr gut getroffen, da stimmen meine Frau und meine Freunde voll zu (aber ein netter) ;-)
Sehen Sie, ich kann ja in einen Laden gehen und mir Möbel aussuchen, aber dazu bekomme ich nie eine wirkliche Beziehung (also eine Beziehung die man zu einer Sache haben kann), genauso ist es mit dem Essen, wenn ich kein Huhn kenne, nicht weiss, was für ein Leben so ein Tier durchläuft und wie es mit der Schlachtung abläuft, bekommt man auch keine wirkliche Beziehung zu dem Lebensmittel Fleisch.
Da wird dann halt gerne die 20 Jahre alte Milchkuh durch den Wolf gedreht und bei McD als kulinarischer Highlight verkauft. Eigentlich schade, viele kennen sich mit einem Handy besser aus, als mit dem Essen, geben 600 Euro für so ein Teil aus und kaufen dafür dann für einen Euro einen Hamburger bei McD.
Was bringt mir ein großes Auto, wenn ich meinen Körper mit Müll fülle und deswegen schon jung sehr krank werde?
Die Mercedesdichte ist übrigens bei ALDI verdammt hoch.
ausbein schrieb am 11.01.2012 um 14:17
Guter und treffender Artikel.

Einen Einwand habe ich allerdings:

Streng begrenzt soll der Einsatz von Antibiotika werden, meldepflichtig auch. Was begrüßenswert erscheint, aber irgendwie die Frage aufwirft, was denn aus dem EU-weiten Verbot von Antibiotika zur Leistungssteigerung geworden ist, das seit 2006 gilt? Wurde wohl vergessen.

Es geht meines Wissens gegenwärtig nicht um Antibiotika zur Leistungssteigerung, sondern zur Krankheitsbekämpfung. Die werden weiterhin massenhaft verabreicht, da erstens die Behandlung eines einzelnen Huhns sich "nicht rechnet" und zweitens mit der Behandlung des einzelnen Huhns ja nicht die Möglichkeit der Ausbreitung der Erkrankung auf die übrigen Tausende im Raum verhindert würde.
Es braucht also ein kränkelndes Huhn, dann kann ich (bzw. der Tierarzt) allen was füttern - und wer suchet, der findet, und sicher mehr als eins.
Technixer schrieb am 14.01.2012 um 12:32
"gegenwärtig nicht um Antibiotika zur Leistungssteigerung, sondern zur Krankheitsbekämpfung"
Sowohl als auch, dass ist ja der famose Trick daran. Die Tierärzte müssen auf Grund der in Massentierhaltungen auftretenden bakteriellen Erkrankungen, ABs verordnen. Das wird zum Teil sogar präventiv getan, denn irgendwas findet sich immer.

Die Tierärzte werden, wie auch Humanmediziner, nach der Anzahl ihrer Behandlungen entlohnt. Da sind halt ein paar ganz pfiffige dabei ;-)
Kathrin Zinkant schrieb am 14.01.2012 um 14:39
@ ausbein, @ technixer: vielen dank an beide. die nötige behandlung ganzer bestände ist m.e. eben das schlupfloch, das man geflissentlich eingerichtet hatte - nach außen eine schicke verordnung, die verantwortliches handeln suggeriert. hinter der fabriktür dann the same procedure.

in der faz allerdings durfte man am mittwoch lesen: "Die Tierhaltung wird sich durch Aigners Pläne ändern" (leider nicht online). wie das? offenkundig handelt es sich bei dem text im wirtschaftsteil der faz um eine verlängerte pm des bmvel, die den eindruck erwecken soll, dass ein plan allein schon tatsachen schafft. interessant der zusatz "Geprüft wird auch, Tierärzten den Verkauf von Antibiotika zu verbieten. Sie sollen nicht am Ausstellen der Rezepte und an der Abgabe der Mittel verdienen."

warten wir mal ab, ob der plan über die prüfung hinausgeht.
pedrei56 schrieb am 12.01.2012 um 11:58
Eigentlich ist es ganz einfach: Nach Rind, Schwein und Vogel an sich wird nun das Hü/Hähnchen "durchs Dorf getrieben". Ein perfides Spiel mit unseren Ängsten. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
ausbein schrieb am 12.01.2012 um 20:14
"Ein perfides Spiel mit unseren Ängsten. Mehr nicht."
Zunehmende Antibiotikaresistenz ist ein Fakt (im Gegensatz zur nur prognostizierten Gefahr der Schweinegrippe z. B.)
Vaustein schrieb am 12.01.2012 um 16:59
Gut geschrieben. Auch gut durchdacht. Nur vermisse ich einen Hinweis auf Alternativen. Hühner aus Hühnerfabriken esse ich schon seit Jahren nicht mehr. Dies einfach deswegen, weil sie nicht sonderlich gut schmecken und die Konsistenz des Fleisches nicht so ist, wie die eines gut und gesund ernährtes Huhnes sein sollte.

Die Alternative? Französische Freilandhühner mit dem Gütesiegel "Label Rouge". Das sind Hühnerrassen, die wohlschmeckendes Fleisch haben. die im Freiland aufwachsen, nur bestes Körnerfutter bekommen (mit nur geringem Maisanteil). Diese Hühner hatten ein gutes Leben, waren gesund ernährt, sind also keine "Pharmazieschleudern" und munden wirklich.

Ein solches Huhn kann man allerdings nicht für 3€/kg bekommen. Etwas mehr muss man schon akzeptieren. Ist aber eigentlich kein Problem, denn das isst man ja auch nicht jeden Tag.

www.gefluegel-labelrouge.com/
ausbein schrieb am 12.01.2012 um 20:30
Eine einfachere Möglichkeit bieten die Bio-Verbände, die sehr viel strenger mit dem Einsatz der Antibiotika umgehen als die konventionellen Mäster.
Die Fleischqualität dort ist dort auch, bei Einsatz von "Retro-Rassen" sogar deutlich, und - natürlich - deutlich teurer.

Initiativen wie "Neuland" bieten eine günstigere, gute Alternative, durch artgerechte Haltung und ebenfalls wenig bis keinen Antibiotikaeinsatz (aber kein Biofutter etc.).
ausbein schrieb am 12.01.2012 um 20:32
Sollte natürlich heißen: Die Fleischqualität dort ist auch besser, bei Einsatz von "Retro-Rassen" sogar deutlich, und - natürlich - deutlich teurer.
Schachnerin schrieb am 12.01.2012 um 23:25
Dieser Neuland-Betrieb verkauft Bauerngockel.
www.bauerngockel.de/
Die Vögel werden im Betrieb ausgebrütet, aufgezogen und geschlachtet.
Preislisten habe ich keine gefunden.
Für einen Sulmtaler Gockel kann man bis zu 35 € pro Kilo verlangen. Sulmtaler sind ein österreichisches Zweinutzungshuhn und zählen zu den gefärdeten Haustierrassen.

Den Andi, meinen ungelabelten, unzertifizierten, rasselosen Junggockel, eine Kreuzung aus Sussex und Sulmtaler, werde ich nicht schlachten und essen.
der Hetiritter schrieb am 13.01.2012 um 08:11
Als Bauernsohn ein total unverständliches Verhalten. Wir haben die Viehzucht unter folgendem Leitsatz gestellt: Wir geben den Tieren ein möglichst gutes Leben, damit sie uns unser Leben bereichern. Als es dann hiess immer größere Betriebe, Massentierhaltung etc. pp. Konnten wir unseren Bauernhof mit 30 Rindern, 100 Schweinen, 200 Hühnern, einigen Enten und Gänsen und Ackerbau nicht mehr halten.
Übrigens sind Rinder wohl die tollsten Tiere die es gibt, eine Kuh habe ich viele Tricks beigebracht, sie kam auf zuruf, ging bei einem kleinen Klaps auf die richtige Stelle in die Knie und ich konnte schon als kleines Kind über die Felder reiten. Trotzdem ist die Kuh irgendwann geschlachtet worden und keinem tat es leid, denn zum Esssen war sie da.
Übrigens sind die meisten Kanibalen die reinsten Umweltschützer, die essen Menschenfleisch nur dann, wenn jemand gestorben ist, damit sie nicht andere Tiere töten müssen.
Popkontext schrieb am 13.01.2012 um 05:28
Kathrin Zinkant schrieb am 13.01.2012 um 17:17
danke für den hinweis, lieber popkontext.

ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob das mit der aussichtslosigkeit der küchenhygiene so stimmt. oder aber: ich bin mir nicht sicher, ob nicht längst alle lebensmittel, die bloß mit menschen in kontakt gekommen sind, potenzielle träger von resistenzen sind. das ist ja auch eine lehre von ehec gewesen, dass die produktionsketten derart lang und komplex sind, dass selbst in bockshornkleesamen der tod lauert. um es mal sehr drastisch zu formulieren.

aber wie oben geschrieben: krankenhäuser sind eher das problem. der selektionsdruck ist in kliniken viel höher, wegen des extrem starken einsatzes von antibiotika. es gibt ja schätzungen, die sich irgendwo zwischen 1.500 und 40.000 mrsa-opfern bewegen. und es gibt außerhalb der krankenhäuser jede menge orte, die man als problematisch sehen kann, wenn man will: kitas, zum beispiel. das rki hat mal drei fälle in einem epidemiologischen bulletin beschrieben.

was nicht heißen soll, dass mrsa auf hühnchen egal wäre. aber tatsächlich ist die gefahr hier nicht größer als in vielen anderen bereichen. und wie hoch sie absolut ist, weiß nunmal keiner genau.
Popkontext schrieb am 13.01.2012 um 20:08
Liebe Kathrin Zinkant,

Danke! Mir ging es vor allem um die Vernetzung :)...Ich hatte beide Artikel gelesen, weil ich viel und gern Geflügel esse, eigentlich bin ich nicht vom Fach, auch wenn ich Ihre Artikel gern lese.

Das mit den Krankenhäusern hatte ich auch schon gehört, und ich bin frah, dass mir häufigere und längere Aufenthalte da bisher erspart blieben und ich sowieso von zu Hause arbeite und keine Kinder habe :) Geldautomaten sollen ja auch so ein Problem sein, damit habe ich dann doch häufiger zu tun. Über Essen will ich gar nicht mehr als nötig nachdenken, außer dass ich für Tipps dankbar bin, wie man die Risiken minimieren kann und jede Resolution gegen Massentierhaltung (vor allem auch aus ethischen Gründen) und Gentechnik unterschreiben würde...
Kathrin Zinkant schrieb am 14.01.2012 um 14:25
@ merdeister, der mir eine persönliche nachricht geschickt hat, in der er darauf hinweist, dass "fleischfressende" bakterien als auslöser einer sogenannten nekrotisierenden faszitis (sehr unappetitliche angelegenheit, den link zum bebilderten wikipediaeintrag erspare ich uns) nicht mrsa, sondern streptokokken sind.

um das auch für die allgemeinheit zu klären: so war das mal und in den meisten fällen stimmt das auch immer noch. vor sieben jahren allerdings haben mediziner festgestellt, dass das krankheitsbild auch von mrsa ausgelöst wird (erschien im nejm). die mrsa waren "community-acquired", stammten also nicht direkt aus einer klinik. was nicht heißt, dass sie dort nicht ihren ursprung gehabt haben. auf den hühnchenkonsum der betroffenen gehen die autoren in der studie allerdings auch nicht ein.
merdeister schrieb am 14.01.2012 um 15:08
Danke für den Hinweis, wenn ich Zeit finde, frage, ich nochmal bei einer Fachfrau nach. Ich hatte nur schnell einen Blick in den Pschyrembel geworfen und wollte nicht wieder unangenehm auffallen ;-)
Kathrin Zinkant schrieb am 14.01.2012 um 14:47
und eine beobachtung aus dem supermarkt (bzw. der kaufhalle) am rande: jede menge hühnchen im sonderangebot, teilweise zusätzlich reduziert. bis zur nächsten amnesie.
luggi schrieb am 15.01.2012 um 01:44
Das ist doch alles sowas von Unsinn.
Gefährdungen zu relativieren scheint ein Geschäft von Wissenschaftsredakteuren und angehenden Medizynikern zu sein. Hilft den Unwissenden auch nicht, weiter.
Was soll diese Schmonzette von Textzeilen? Nicht nur Hühnervögel werden mit Antibiotika vollgepumpt (verzichten merdeister und zinkant auf anderer Sorten Fleisch?). Hmm.
@ Kathrin Zinkant
Begeben Sie sich einmal aus Ihrem Mikrokosmos ... halten ein ... und benutzen Ihren Denkapparat.
Muss ja nicht tierische Lust sein ... sondern das normale logische Vergnügen ... ich hab's geschafft ... und Sie könnten das auch schaffen.
Oder haben Sie Angst vor einer B12-merdeister-Mangelversorgung?
Kathrin Zinkant schrieb am 15.01.2012 um 10:40
@ luggi

wie wäre es denn, wenn sie zuerst mal selbst innehalten, luft holen und ihren eigenen denkapparat benutzen, um der fc zu sagen, an welchem "unsinn" sie sich hier bitte genau stören – anstatt bloß mit ein bisschen hühnermist zu werfen?

gutes gelingen wünscht: ihre frau zinkant


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