Wochenthema

Schlanke Netzwerke sind die Zukunft der Medien, prophezeit Jeff Jarvis

Jeff Jarvis | 19.11.2009 07:00 | Jörn Kabisch

„Das Monopol wird brechen“

Nach der Krise werden die Medien schlanke, kostengünstige Netzwerke sein, prophezeit der US-Blogger Jeff Jarvis

Der Freitag: Mr Jarvis, alle fragen sich, wie man mit Journalismus im Internet endlich Geld verdienen kann. Was ist mit Ihnen: Verdienen Sie?
Jeff Jarvis: Ich habe im vergangenen Jahr etwa 17.000 Dollar durch mein Blog eingenommen. Durch das Blog habe ich auch den Auftrag für ein Buch bekommen, einen Lehrauftrag, und ich werde für Vorträge gebucht. Aber ich bin deshalb kein Modell dafür, wie sich Journalismus im Netz finanzieren lässt.

Es geht darum, den Journalismus im Netz von außen zu finanzieren.
Stimmt, mit Nachrichten selbst erreichen wir nur die Aufmerksamkeit des Publikums. Das hat nie den vollen Preis bezahlt, Nachrichten wurden schon immer durch Anzeigenkunden subventioniert. Aber es geht nicht nur um Einnahmen: Wir haben im Netz die Möglichkeit, kostengünstiger zu arbeiten. Außerhalb des Printgeschäfts lässt sich eine Menge einsparen, es entstehen keine Vertriebskosten. Man kann effizienter und zielgerichteter arbeiten, denn man kann sich besser spezialisieren und muss nicht alles für jeden anbieten.

Der Verleger Rupert Murdoch hat die Debatte um „Paid Content“ neu angefacht. Er will seine Inhalte insgesamt kostenpflichtig machen.
Ich habe noch nie erlebt, dass jemand wie Murdoch eine Geschäftsidee ein Jahr, bevor er sie verwirklichen will, vorstellt. Normalerweise überrascht er die Menschen. Ich glaube, dass er andere mit ins Boot nehmen will, weil die Gefahr groß ist, dass er scheitern könnte.

Ist die Idee falsch?
Ich bin nicht dagegen, Geld für Inhalte zu verlangen. Wenn es funktioniert, dann ist das völlig in Ordnung. Das Wall Street Journal und die Financial Times lassen sich ihre Inhalte bezahlen. Aber ich glaube, dass eine Menge gegen das Modell spricht. Erstens kann jeder kommen und dir das Geschäft kaputt machen, weil er das, was du anbietest, billiger oder sogar für umsonst anbietet. Außerdem wird genau in dem Moment, in dem man eigentlich wachsen müsste, ein Teil des Publikums abgeschnitten.

Murdoch hat angekündigt, Google zu blockieren ...
Das ist selbstmörderischer Wahnsinn. Die Menschen ent- decken ein Angebot online, indem sie darauf klicken, es weiterverlinken und sich darüber austauschen. Wer diese Konversation abschneidet, trennt seinem Unternehmen die Hauptschlagader ab.

Die Debatte um die Bezahlung von Inhalten im Netz ist schon einige Jahre alt. Was ist das Kernproblem?
Es geht dabei um Gefühle und um Anspruchsdenken. Verleger und Journalisten sagen immer wieder, dass die User Inhalte bezahlen sollen. Aber wo werden so denn noch Geschäfte gemacht? Denken Sie nur an Opel. Da wurde auch nicht gesagt, die Kunden sollen mehr bezahlen, weil es teurer geworden ist, die Autos zu produzieren oder weil es Opel schon so lange gibt. Nur ­Medienleute, die tun so etwas. Nein, man muss sich dem Wettbewerb stellen.

Ist Teil des Problems, dass sich die Medienleute nie sehr viel Gedanken ums Geschäft machen mussten? Weil es immer so einfach war, Geld zu verdienen?
Ja, das hat uns bequem gemacht. Als Journalist wurde mir immer gesagt, ich solle mich vom Geschäftlichen fernhalten. Es sei schmutzig, es würde mich besudeln. Ich habe in den USA ein Magazin gegründet, das Entertainment Weekly hieß, und die kaufmännischen Angestellten haben alle möglichen kaufmännischen Fehler gemacht. Ich war nur der Herausgeber, ich hatte nichts zu melden. Ich habe mir damals geschworen, dass ich nie wieder in eine solche Situation kommen will. Und ich lehre das heute auch an der Journalistenschule. Ich möchte, dass Journalisten die Kräftespiele des Geschäfts verstehen, damit sie gute Beschützer des Journalismus sein können. Und damit sie ihm zu Wachstum verhelfen können.

Gehört dazu nicht auch, beim Publikum das Bewusstsein zu schaffen, dass es nicht mehr so weitergehen kann, auf alles stets kostenlos Zugriff zu haben?
Ich glaube, die Frage sollte nicht lauten: Wer soll bezahlen? Sie sollte lauten: Wie nehmen wir am meisten Geld ein, um den Journalismus zu unterstützen? Besonders im Internet, das die Möglichkeit bietet, mit wenig Geld große Dinge zustande zu bringen. Ein Beispiel: Nehmen Sie die Online-Plattform Glam.com, die es inzwischen auch in Deutschland gibt. Dieses Netzwerk hat es innerhalb von drei Jahren geschafft, weltweit 110 Millionen Seitenaufrufen zu erreichen. Der alte, traditionelle Weg wäre gewesen, eine Menge Leute einzustellen, Inhalte zu erstellen. Glam hat stattdessen ein paar hundert Partnersites die Möglichkeit geboten, die Inhalte auf einer Plattform zu bündeln, zu vereinheitlichen und redaktionell zu betreuen. Wirtschaftlich hat das funktioniert, weil Glam Anzeigen für diesen Online-Auftritt vermarktet hat. Man muss einfach den Mut haben, neue Wege zu gehen.

Werden solche Netzwerke die großen, etablierten Tanker der Medienindustrie verdrängen?
Es wird sicherlich immer die New York Times geben und auch ein paar deutsche Prestigezeitungen werden überleben. Aber sie werden sich radikal verändern. Sie werden schrumpfen und ebenfalls in Netzwerken arbeiten müssen. Nachrichten-organisationen werden nur als kleinere, profitablere Einheiten überleben, als Unternehmen mit etwa hundert Mitarbeitern. Die Zeitungen in den Großstädten der USA haben im Schnitt etwa 1.000 Angestellte.

Sind die goldenen Zeiten der Medienindustrie vorbei?
Ich glaube, die klassischen Jouralisten haben sich von der Gesellschaft entfernt, weil sie an einem überholtem Mythos festgehaltten haben. Zu diesem Mythos gehört, dass sie sich für unfehlbar hielten. Die Idee, Fehler zuzugeben, hat sie abgestoßen. Und das ist ein Problem. Denn die Journalisten waren nicht ehrlich zu den Menschen. Die Öffentlichkeit ging dazu über, ihnen mehr und mehr zu misstrauen. In den USA gibt es viele Umfragen, die dies bestätigen. Um das wieder in Ordnung zu bringen, müssen sie dem Publikum gegenüber aufgeschlossener werden. Sie müssen das Vertrauen in den Journalismus wieder stärken. Ich habe erst beim Bloggen gelernt, dass sich meine Glaub-würdigkeit vergrößert, wenn ich einen Fehler zugebe.

Aber genau das, die Fehlerhaftigkeit, macht Journalisten und auch den Lesern Angst. Brauchen wir auch eine neue Qualitätsdebatte?
Ja, das halte ich für sehr wichtig. Hauptaspekt der Qualitäts-debatte sollte sein: Was passiert, wenn irgendein Amateur da draußen sich journalistisch betätigt und das schlecht macht. Bedeutet das, dass wir damit den Journalismus zugrunde gerichtet haben? Ich glaube nicht. Wir sollten das vielmehr als Chance begreifen und diesem Menschen beibringen, wie man es besser macht. Die Journalisten waren nie großzügig in diesen Dingen, denn sie hatten das Monopol auf qualitativ guten Journalismus. Aber nun, da im Netz jeder seine eigene Zeitung machen kann, bin ich der Meinung, dass man als Journalist auch Lehrer sein muss. Wir müssen den Menschen dabei helfen, sich zu verbessern, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Wir können die Qualität verbessern, wenn wir den Journalismus offener machen und wir Verantwortung gegenüber unseren Leser übernehmen.

Wie wird das alles enden?
Ich war früher ziemlich naiv, ich habe geglaubt, dass es einen geordneten Übergang von der physischen zur digitalen Welt geben wird. Clay Shirky, der an der New York University unterrichtet, sagt dagegen, dass ein Chaos entstehen wird. Er hat Recht. Wir werden Institutionen sterben sehen, wir werden eine Leere sehen, wir werden Chaos erfahren. Böse Menschen kommen mit allem Möglichen durch, weil ihnen kein Journalist auf die Finger schaut. Ich glaube aber, dass es langfristig eine Nachfrage für Journalismus geben wird. Ich glaube, dass die ­Gesellschaft erkennen wird, dass sie so etwas braucht. Es werden sich neue Wege finden lassen, den Journalismus zu unterstützen. Das kann in Form von Bezahlung sein. Es könnte aber auch in Form von Aufmerksamkeit sein. In der Online-Welt ist das oft ausreichend.

Das Interview führte Jörn Kabisch

Übersetzung: Christine Käppeler
 
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Kommentare
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 09:58
Beim gegenwärtigen Stand der Selbsteinschätzung sind Zweifel berechtigt ob die Journalie in Deutschland zu ähnlich selbst-kritischer Haltung fähig ist.
mh schrieb am 19.11.2009 um 10:29
springer hat im print in q3 ne marge von 20% gehabt. soviel zum thema krise.

die deutschen medien sind einfach nur bescheuert, das ist der punkt und das fazit.

mfg
mh
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 14:07
Ha, so kann das "verknappt" auch gesagt werden. Gut!
luggi schrieb am 19.11.2009 um 12:05
Zitate von Jeff Jarvis nach meiner persönlichen Auswahl und Reihenfolge:

"Man kann effizienter und zielgerichteter arbeiten, denn man kann sich besser spezialisieren und muss nicht alles für jeden anbieten."

"Verleger und Journalisten sagen immer wieder, dass die User Inhalte bezahlen sollen. Aber wo werden so denn noch Geschäfte gemacht?"

"Es werden sich neue Wege finden lassen, den Journalismus zu unterstützen. Das kann in Form von Bezahlung sein. Es könnte aber auch in Form von Aufmerksamkeit sein. In der Online-Welt ist das oft ausreichend."

"Ich glaube, die Frage sollte nicht lauten: Wer soll bezahlen? Sie sollte lauten: Wie nehmen wir am meisten Geld ein, um den Journalismus zu unterstützen? Besonders im Internet, das die Möglichkeit bietet, mit wenig Geld große Dinge zustande zu bringen."

"Ja, das hat uns (Journalisten) bequem gemacht."

"Ich glaube, die klassischen Journalisten haben sich von der Gesellschaft entfernt, weil sie an einem überholtem Mythos festgehalten haben. Zu diesem Mythos gehört, dass sie sich für unfehlbar hielten."

"Wir können die Qualität verbessern, wenn wir den Journalismus offener machen und wir Verantwortung gegenüber unseren Lesern übernehmen."

"Clay Shirky, der an der New York University unterrichtet, sagt dagegen, dass ein Chaos entstehen wird. Er hat Recht. Wir werden Institutionen sterben sehen, wir werden eine Leere sehen, wir werden Chaos erfahren."

Recht hat er. Die Kernaussagen von Jarvis habe ich heute am Donnerstag verstanden. Versteht frau/man das auch am Freitag?

Meinungen zu Web 2.0 entsprechen oftmals Quark².

luggi
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 12:19
Hallo Jörn Kabisch,

ein sehr interessantes Interview.

Wenn ich die folgende Sätze lese:
Aber nun, da im Netz jeder seine eigene Zeitung machen kann, bin ich der Meinung, dass man als Journalist auch Lehrer sein muss. Wir müssen den Menschen dabei helfen, sich zu verbessern, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Wir können die Qualität verbessern, wenn wir den Journalismus offener machen und wir Verantwortung gegenüber unseren Leser übernehmen.
kann ich einfach nicht widerstehen, mich mal selber zu zitieren:

Mein Freitag 6 von mir ;)
06.04.2009
Hier liegt die einmalige Chance innovativer Medien.

Sie können ein Spielfeld anbieten auf dem mündige Bürger mit ihren unterschiedlichen Wirklichkeiten in Wettstreit mit Anhängern (Politiker, Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer) der momentan aktuellen Konzepte treten. Nicht weiter die künstliche Trennung von Information und Kommentar aus einer Hand sondern ein realer Wettstreit der Konzepte stellt ein zutiefst demokratisches Vorhaben dar.

Journalisten können sich in dem Spiel als der Aufklärung verpflichtete Moderatoren, Schiedsrichter positionieren. Sie können ihre Fähigkeiten als Analytiker, Informationsbeschaffer und Vermittler voll ausspielen.

Das verlangt einen der Wahrheit verpflichteten Journalismus (Ehrenkodex?) - WJournalismus. Nicht jedem liegt diese Vorgehensweise. Journalisten, die lieber ihre Wirklichkeit darlegen, spielen auf einer der Seiten mit, allerdings klar zu erkennen.

In einer Vielzahl an Beiträgen werden stets die gleichen Argumente wiederholt. Der WJournalist kann helfen diese wiederkehrenden Beiträge zu neuem Erkenntnisgewinn zu verdichten und der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

So ein am Bürger ausgerichtetes Medium wird bestimmt Käufer finden und sich aus der Abhängigkeit schnell untreuer Werbeeinnahmen lösen können.


Jörn Kabisch schrieb am 19.11.2009 um 12:53
Ich habe im Volontariat gelernt, dass ein Journalist sein Interview nicht zu kommentieren hat. Dazu hatte er in der Interviewsituation genug Platz. Es ist eine Frage der Fairness. Also: Ich kann nicht mehr als auf die Auswahl des Interview-Partners und meine Fragen hinweisen, um auf die Kommentare hier zu reagieren. Klingt sehr dialektisch, meint aber: Vielen Dank.
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 13:37
Hallo Jörn Kabisch,

kein Problem, einfach in den Bloggerstatus wechseln und von da aus kommentieren ;)

Blogger Jörn wird ja wohl noch Journalist/Redakteur Kabisch kommentieren dürfen.
mh schrieb am 19.11.2009 um 13:43
so hilfst du uns nun aber wirklich nicht zu lernen und uns zu verbessern. :P

mfg
mh
Anna Dorothea schrieb am 19.11.2009 um 13:46
Lieber Jörn Kabisch;

vielen Dank für dieses sehr interessante Interview: Ihnen für die klaren Fragen (dafür verzeihe ich Ihnen auch die kleine Suggestivfrage am Anfang "Gehört dazu nicht auch..."); und Jeff Jarvis für die ebenso klaren Antworten, in denen er fast ganz ohne "Bloggerchinesisch" auskommt, wofür ich ihm extra dankbar bin.

"Ich habe im Volontariat gelernt, dass ein Journalist sein Interview nicht zu kommentieren hat. Dazu hatte er in der Interviewsituation genug Platz. Es ist eine Frage der Fairness. Also: Ich kann nicht mehr als auf die Auswahl des Interview-Partners und meine Fragen hinweisen, um auf die Kommentare hier zu reagieren."

Kenne ich auch, vom Volontariat, und es ehrt Sie, dass Sie es hier genauso halten wollen; aber ich wünschte, Sie entschieden sich anders. Ist es nicht Zeit, diese Regel hier, in einem Blog zu Ihrem Interview, aufzubrechen? Ich bitte Sie herzlich darum, denn hier gäbe/gibt es eine Menge zu diskutieren.

Z.B.:

"...die Journalisten waren nicht ehrlich zu den Menschen. Die Öffentlichkeit ging dazu über, ihnen (...) zu misstrauen. (...) Um das wieder in Ordnung zu bringen, müssen sie dem Publikum gegenüber aufgeschlossener werden. Sie müssen das Vertrauen in den Journalismus wieder stärken."

Unter meinem alten Namen "Anna Dorothea" hatte ich einen Blog geschrieben, "Neue Journalisten für einen neuen Journalismus", und da ging es mir unter anderem genau darum: "Der neue Journalist wird also Mut und Demut brauchen: Demut, um dem Leser/ Blogger endlich auf Augenhöhe zu begegnen...." (Auszug)

(Es ist immer schön, das sage ich mir jetzt mal, ganz unbescheiden auf die eigene Schulter klopfend, wenn der eigene Standpunkt von jemandem wie Jeff Jarvis geteilt wird.)

"Hauptaspekt der Qualitäts-debatte sollte sein: Was passiert, wenn irgendein Amateur da draußen sich journalistisch betätigt und das schlecht macht. Bedeutet das, dass wir damit den Journalismus zugrunde gerichtet haben? Ich glaube nicht. Wir sollten (...) diesem Menschen beibringen, wie man es besser macht. Die Journalisten waren nie großzügig in diesen Dingen, denn sie hatten das Monopol auf qualitativ guten Journalismus. Aber nun, da im Netz jeder seine eigene Zeitung machen kann, bin ich der Meinung, dass man als Journalist auch Lehrer sein muss. Wir müssen den Menschen dabei helfen, sich zu verbessern, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten wollen.

Wir können die Qualität verbessern, wenn wir den Journalismus offener machen und wir Verantwortung gegenüber unseren Leser übernehmen."

Nur: Wie wird das aussehen, wie kann das aussehen? Besonders das, was Jarvis im letzten Satz nennt.

Ich fürchte unseriösen Journalismus im Netz, betrieben von Journalisten und Bloggern gleichermassen; es gibt auf beiden Seiten Menschen mit wenig Verantwortungsgefühl. Die gab es auch bei Journalisten schon immer; auf der einen Seite die, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen; auf der anderen die, die die Wahrheit gerne auch mal beugen, um einer Pointe willen oder um eine Geschichte rund zu kriegen.

Dies ist bei Beiträgen, die "eingekauft" werden nicht ohne weiteres zu erkenne: Nicht für die Leser und auch nicht für die Redaktionen. Bei der Informationsflut und dem Zeitdruck lassen sich Geschichten aber nicht immer überprüfen.

Wie werden wir (und da meine ich "uns Journalisten", die Texte redaktionell bearbeiten, redigieren) in Zukunft damit umgehen?

Bearbeite ich den Artikel eines Journalisten, setze ich voraus, dass er sorgfältig recherchiert und arbeitet. Schon aus Eigeninteresse: Macht er das nicht, ist er ja schnell weg vom Fenster.

Aber wie wollen wir da bei Bloggern verfahren? Die mit Nicknames arbeiten? Klopfen wir jede Nachricht, jede Geschichte ab? Sprechen wir uns von der Verantwortung frei, wenn sie nicht stimmt? Wie ist das presserechtlich?

Wie werden wir unsere Standards und Ansprüche bzgl. des Wahrheitsgehalts aufrecht erhalten können? Vereinbaren wir einen verpflichtenden Kodex für alle, bevor wir die Zusammenarbeit mit Bloggern aufnehmen?

Oder werden dann in den online-Zeitungen Beiträge, wie z.Zt. im Freitag, unterschiedlich aufgelistet werden; die von Journalisten einer - und die von Bloggern andrerseits?

Herzliche Grüße, Anna
mh schrieb am 19.11.2009 um 14:03
gerade dieser absatz muss sehr amerikanisch betrachtet werden

"...die Journalisten waren nicht ehrlich zu den Menschen. Die Öffentlichkeit ging dazu über, ihnen (...) zu misstrauen. (...) Um das wieder in Ordnung zu bringen, müssen sie dem Publikum gegenüber aufgeschlossener werden. Sie müssen das Vertrauen in den Journalismus wieder stärken."

da die blogs in amerika einen erheblichen zuspruch dadurch erlebten, dass die medien sich unter bush voll auf linie bringen ließen. diese entwicklung, in dieser beschleunigten form, ist bei uns nicht mal ansatzweise absehbar. und was deutsche blogger bisher thematisch aufbieten ist auch ein paar ebenen tiefer, als das, was man bei den amis geboten bekommt.

mfg
mh
luggi schrieb am 19.11.2009 um 14:19
@Anna-Dorothea bzw. Anna

Es wird vielleicht so sein, dass die Blogger den "Archejournalisten" die neue Kommunikation beibringen müssen. Jarvis schätzte ein, dass Journalisten vom Geschäftlichen ferngehalten wurden. Ich füge noch hinzu, viele Journalisten sind vom neuen Medium Internet und den neuen Technologien weit entfernt.

Ich füge 2 Links an.
In diesem Link geht es darum, komplexe Zusammenhänge darzustellen. Dazu muss in der 2. Grafik auf einen Ballon geklickt werden.
blog.infowiss.net/2009/02/24/infowisswiki-visualisierungen/

In diesem Link wird gezeigt, wie der Vorgang eines Brückenbaus visualisiert werden kann.

Pontcysyllte Aqueduct Visualisation - See3D from See3D Ltd on Vimeo.


luggi
Anette Lack schrieb am 19.11.2009 um 14:29
Luggi;

da stimme ich Ihnen zu,

"..füge noch hinzu, viele Journalisten sind vom neuen Medium Internet und den neuen Technologien weit entfernt."

Aber MH will keine Kurse geben, ich habe ihn schon gefragt...:(

Das meine ich ernst. Freelancing, Steuerwesen, Fortbildungskurse gibt es auch für Journalisten, aber hier hinkt es. Da ist eine echte Marktlücke.

Sie sind so fit, wie ich immer wieder neidisch feststelle. Wann steigen Sie ein mit dem Unterricht? Über die Feinheiten können wir durchaus reden....

Anna
mh schrieb am 19.11.2009 um 14:36
kurse sind doch eh immer nur bullshitbingo. man lernt es, in dem man es tut und dabei entwickelt man auch seinen ganz eigenen stil.

das ist nur nich so leicht servierbar wie kurse. doch wer hat denn ernsthaft mal was durch kurse gelernt?

antonia baum hats mal so schön geschrieben ... auch wenn sie es ganz sicher nicht ganz so meinte wie ich es gerne verstehe.

www.freitag.de/community/blogs/antonia-baum/internet-amen

mfg
mh
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 14:54
"Aber wie wollen wir da bei Bloggern verfahren? Die mit Nicknames arbeiten?"

In den USA wurden wegen dem "patriots act" zwischehn 2003 und 2007 64 Blogger mit Haftstrafen und unzählige weitere Blogger zu Geldstrafen vergattert. Das hat zu einem sehr hohen Qualitäts-Standart geführt.

Political-Correctness, Angst um Arbeitsplatzverlust haben zu der Unglaubwürdigkeit der "professionellen" Journalie geführt die nun Blogger auf eben dies kontrollieren soll? Das Project for Excellence in Journalism geht vollkommen andere Wege. (www.journalism.org/) und bindet die Blog-Szene längst ein.

@ MH , aber es gibt ja den "Freitag", wo ein thread i.d.R. eine rote Schnur hat und sich von dem üblichen virtuellen Stammtisch unterscheidet.

Ich trenne ganz klar zwischen Blog und Auftragsarbeit. Im Blog ist es viel einfacher ein Thema auf den Punkt zu bringen, darum ohne Pseudonym geht's nicht, - wegen Google! Eine Auftragsarbeit wird vor allem wegen dem Honorar gemacht damit die Kids was zu essen haben, und da schützt mich der Auftraggeber meine Identität. Aber MH hat vollkommen recht mit der Feststellung in seinem obigen Kommentar.
mh schrieb am 19.11.2009 um 19:29
wieso ist es für blogs einfacher ein thema auf den punkt zu bringen?

mfg
mh
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 14:53
@luggi,

Informationen visualisieren ist ein ganz spannendes Thema. Schau auch mal: visual complexity

Wichtig: Visualisierung mit Blick auf die neuen und kommenden Webstandards ohne komplizierte, externe Tools. Also im Grunde mit einer so simplaen Oberfläche wie Google sie bei seinen Produkten verwendet.

InformationsVisualisierung IV, eins meiner Lieblingsthemen ;)
Jörn Kabisch schrieb am 19.11.2009 um 14:56
Also gut, ich gebe mal die Lehrerrolle von oben auf :) weil diese Lehrerrolle auch ein bisschen Thema auf der Redaktionskonferenz war. Am Donnerstag früh, schon bevor die neue Ausgabe des Freitag am Kiosk ist, machen wir hier immer Blattkritik.

Ich finde nämlich, es wäre eine Nachfrage wert gewesen, was Jarvis mit der Lehrerrolle meint. Mir ging es aber in der Debatte weniger um den Journalisten, sondern um die Branche selbst, und die Bezahldebatte. Denn der Lehrerbegriff ist ja verdächtig - man hat wieder ein Unten/Oben im Kopf, obwohl Jarvis gleichzeitig davon spricht, dass Journalisten ihre Monopolstellung aufgeben sollen. Da ist ein Widerspruch. Ich glaube aber, tatsächlich nur ein semantischer.
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 15:02
Jörn Kabisch: als Tutor begleitest Du und nimmst die Korrektur nicht selbst vor, dann ist der Lerneffekt ja weg.
Anette Lack schrieb am 19.11.2009 um 15:07
Lieber JK;

"Da ist ein Widerspruch. Ich glaube aber, tatsächlich nur ein semantischer."

Das wiederum glaube ich nicht.

"Wir müssen den Menschen dabei helfen, sich zu verbessern, wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Wir können die Qualität verbessern, wenn wir den Journalismus offener machen und wir Verantwortung gegenüber unseren Leser übernehmen."

Ohne jetzt Wortklauberei betreiben zu wollen - genau der letzte Satz sagt es doch: Er sieht den Journalisten als Mittler, und er sieht auch sich, so verstehe ich Ihr Interview und seine Antworten, als bloggenden Journalisten. Deswegen war ich auch auf die Rolle des Journalisten, wenn er denn ein Lehrer sein soll, eingegangen.

Aber das Thema hatten wir hier ja auch schon mal, in einem Blog von JA, und auch bei Ihnen, die Korrekturen betreffend.

Das ist ein schwieriges Thema. Und wie meinten Sie das mit "die Branche selbst"? Was die Bezahldebatte angeht: Da gibt es allmählich einen Overkill. Alle basteln und spekulieren - und letztendlich werden die großen Verlage entscheiden. Schauen Sie sich Gruner an, lesen Sie kress heute. Große Zeitschriften verkaufen, Ballast abwerfen, und dann ganz neu durchstarten. Das liegt längst alles in den Schubladen. Aber damit man es den Lesern auch verkaufen kann - im wahrsten Sinne des Wortes - wird das Online-Angebot noch etwas aufgehübscht.

Eine besonders raffinierte Variante wird sein - um einen Paid-Content zu rechtfertigen - dass es bestimmte Titel nur noch online geben wird.

Jedenfalls, während wir hier noch diskutieren, werden bei G&J längst Tatsachen geschaffen. Und bei Springer. Sie haben das Geld und die Leute. Und dann werden die anderen nachziehen (müssen).
mh schrieb am 19.11.2009 um 15:09
jarvis meint damit, was das internet sein sollte. ein stetes geben und nehmen von informationen die einen gedanklich weiterbringen, die den prozess des lebenslangen lernens ausgestalten.

das ist aber auch ein anderes verständnis vom lehrersein, denn lehren bedeutet hier auch lernen und nicht predigen, wie das herkömmliche lehrer so gerne mal tun.
Jörn Kabisch schrieb am 19.11.2009 um 15:10
:)
Anette Lack schrieb am 19.11.2009 um 15:15
Lieber MH:

"ein stetes geben und nehmen von informationen die einen gedanklich weiterbringen, die den prozess des lebenslangen lernens ausgestalten."

Ein schöner Gedanke. Und ein bisschen war das ja auch so, mit dem Internet, zu Anfang. Ein bisschen Anarchie, Wiki ein Lexikon, auf das jeder Zugriff hat... Und jetzt schau Dich um: Irgendwo sitzt einer und würde gern Wiki verbieten, ein anderer will google blockieren, und die, die den Hals nie voll genug kriegen konnten, recken die Hälse. Die wollen nicht lernen, die wollen verdienen. Und sie hätten diese Debatte auch geführt, wenn die Zeitungen nebenher prima weitergelaufen wären. Das sind geldsuchende Trüffelschweine... Wie, es gibt irgendwo Geld zu verdienen und sie sind nicht dabei??

Ich arbeite in Hamburg, da weiss ich, wovon ich rede.
Jörn Kabisch schrieb am 19.11.2009 um 15:40
MH bringt es ziemlich auf den punkt, das :) ging an sachichma.

@Anna: Ich verstehe diese G+J-Bemerkung nicht genau. Trotzdem: Ja, es gibt diesen Overkill bei der Bezahldebatte. Wir erleben wieder eine Phase, wo versucht wird durch Schranken 1.) alte Geschäftsmodelle zu retten 2.) altes monopolistisches und publizistisches Selbstverständnis zu retten (und dass dabei eine große Anzahl von Journalisten arbeitslos werden, interessiert viele der anderen wenig, weil man sich weiter als Elite alter Tage fühlen darf).
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 17:11
@ Anna: Google verbieten wollen nur Dumme kurzsichtige Wunschträumer. Und um beim Thema zu bleiben: Trüffelschweine sind durch bessere Methoden ersetzt worden, weil sie nicht nur die Sporen der Trüffel, also die nächste Ernte, sondern ganze Eichenwälder umgewühlt haben. Darum ist der Preis für Trüffel, trotz der immensen Mafiastruktur die diesem Geschäft innewohnt, über die Jahre relativ stabil geblieben. Das war eine ganz lukrative Reportage.
Anette Lack schrieb am 20.11.2009 um 10:55
Lieber JK;

die Bemerkung mit Gruner zielte darauf, dass der Verlag jetzt in- und extern "verschlankt": Stellen- und Produktabbau hier in HH; und in Russland werden dieser Tage Verhandlungen mit Springer um einige Titel geführt.

Das alles natürlich auch, um Bertelsmann-Vorgaben auch in Krisenzeiten weiter erfüllen zu können. Gleichzeitig werden hier Synergien gebündelt, um für andere Vorhaben Ressourcen zu haben. So handelt Gruner immer- jeder "vernünftige" Kaufmann handelt so.

Wir verhalten uns z.Zt. ja so, als habe es eine derartige Debatte noch nie gegeben. Nun ist das Internet und die Diskussion um Paid-Contents neu. Aber die Unternehmen, die sich voraussichtlich an dieser gigantischen Schlacht ums User-Buffet beteiligen werden, reagieren, bei aller Planung, auch reflexartig bei derartigen Hypes. Der Markt hat seine Gesetze und diktiert somit das Verhalten. Das ist beun- und beruhigend zugleich.

Beispiel: Mitte der Neunziger Jahre erlebten hochklassige TV-Zeitschriften in Deutschland einen absoluten Boom. TV-Today, TV-Spielfilm, TV-Movie. Sie ähnelten einander wie ein Ei dem anderen, und schrieben voneinander ab. Jede hatte beim Konkurrenten Spione sitzen, und so waren oft sogar die gleich Frauen auf dem Titel. Es waren, bei aller Schönfärberei, vor allem Prestigeobjekte, die viel Geld kosteten. Kleinere wurden dafür - und dadurch - plattgemacht. Heute sind die meisten wieder eingestellt, haben fusioniert oder schreiben rote Zahlen.

So wirds hier auch sein. In ein, spätestens zwei Jahren werden hier einige unglaublich viel Geld investieren oder investieren müssen: Seiten aufpolieren, User-Online-Bindung beim Paid-Contents erhöhen usw. Eine Preisschlacht wird beginnen. Und eine Zeitlang wird, wie der Freitag es hier ja vormacht, beides zu stemmen sein: Print und Online. Bis man genauer kalkulieren und auswerten kann, wo man seine Prioritäten setzt.

Die Frage ist nur, wie die Kleinen das schaffen und überleben. Ich denke da an die TAZ, z.B. Als die vor einigen Jahren ihre (guten) Regionalseiten hier in HH drastisch verkleinern musste, blutete mir das Herz. Und das nicht nur wegen der hervorragenden Kollegen, die dort unter erschwerten Bedingungen immer wieder Unglaubliches geschafft haben.

Sondern auch, weil Hamburgs Lokalberichterstattung jetzt zwei Boulevardblättern und einem getreu auf Linie berichtenden und strunzlangweiligen Abendblatt überlassen bleibt.

Es geht bei der Debatte um die Bezahlinhalte ja nicht "nur" um die arbeitslosen Kollegen, die Sie oben erwähnen (und mit dem Vermerk auf die Festangestellten haben Sie es getroffen).

Es geht auch um Meinungsvielfalt, da schlage ich wieder den Bogen zu Jarvis - bei der "Verschlankung". Und die geht uns alle an. Darum sorge ich mich.

Herzlich, Anna
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 20:20
Irgendwie war man bei den Blog(g)ern immer fixer. Die Wette von Dave Winer aus dem Jahr 2002, ausgelegt auf fünf Jahre, spricht für sich:

“In a Google search of five keywords or phrases representing the top five news stories of 2007, weblogs will rank higher than the New York Times' Web site.”

www.longbets.org/2

Die NYT gab sich pflichtschuldigst geschlagen.

Ob auch „schlanke Netzwerke“ genauso erfolgreich als Vorhersagemodell standhalten werden, wird sich weisen. Obwohl mich da leise Zweifel plagen: Was sind bitte Netzwerke, die schlank sind? Ich dachte bisher immer, Netzwerke würden sich „ausbreiten“. Vielleicht frage ich meine freundliche Spinne aus der Nachbarschaft.
Reimers schrieb am 21.11.2009 um 18:40
Ein sehr interessanter Artikel über die aktuelle Problematik der Presse! Ich möchte ein paar kurze Anmerkungen hierzu machen.
Vielleicht scheint es angebracht, den Blick einmal ein wenig zurückzuwerfen. Als mit Hilfe digitaler Techniken (Graphikprogramme, Layoutsysteme, optische Diditalisierungssysteme, Spracherkennungsprogramme, usw.) der Beruf des Setzers im herkömmlichen Sinne schnell an Bedeutung verlor, gab es ähnliche Probleme und Diskussionen, die natürlich auch heute noch relevant sind. Vertreter dieser Berufsgruppe haben sich vehement gegen die damalige Entwicklung gestemmt - u.a. mit der Begründung, dass die Setzkunst eines der ältesten kulturellen Gewerbe sei und die Ausübung einen hohen Grad an Wissen und Kunstfertigkeit erfordere, damit ein qualitativ hochwertiges Druckerzeugnis entstehen könne.
Als dann die ersten digital erzeugten Produkte auf den Markt kamen, waren sie geradezu ein Beleg für diese Kritik, denn die Spationierung, der Zeilendurchschuss, die Typenwahl und allgemein das Layout gaben Anlass, die Verwilderung und Verschlechterung im aufkommenden Layoutwesen zu beklagen. Vieles hat sich seitdem verändert und einiges auch verbessert, geblieben ist aber ein genereller Trend nach unten, was ästhetische Gesichtspunkte betrifft (Spiegel: verfranzte Schriftlettern; Fokus: Patchwork-Layout; Grüne Blätter/Bild: Kathastrophenlayout).
Der Freitag und auch andere seriöse Zeitungen (Bsp.: Die Zeit, Frankfurter Allgemeine) haben diesem Trend widerstanden und sich den neuen Bedingungen gestellt. Sie geben heute Zeitungen heraus, deren Aufmachung und Gestaltung die neue Technik zum Guten nutzen.
Wer erinnert sich nicht mehr an die unglaublichen privaten Druckerzeugnisse (mindestens 10 verschiedene Schrifttypen, permanente Benutzung von Fett-oder Kusivschrift, mehrere Farben usw.). Geburtstags- und Hochzeitseinladungen werden häufig noch heute so verfasst.
Bei fast allen hat sich aber im Laufe der letzten Jahre eine deutliche "formale Beruhigung" eingestellt, denn sogar hier wurde auf breiter Basis dazugelernt. Blogsoftware benutzt heute standardisierte Brottypen (meist mit Serifen), es herrscht eine klar erkennbare, eher spartanische Form - der eigentliche Inhalt rückt in den Vordergrund.
Jetzt befinden wir uns also im Kampf um die Inhalte: Wer darf was wo und zu welchem Preis?
Der Kampf befindet sich aus meiner Sicht gerade in Phase I - die Technik ist schon längst da, die Linie der Anpassung der Medien und der Weg in die neue Welt ist noch unklar. Es gibt augenblicklich auf fast allen relevanten Gebieten dieses Anpassungskampfes wieder Verhinderer, die z.B. Blogs verbieten wollen, Verkäufer wie Murdock, die sehr schnell und als erste hauptsächlich nur Geld verdienen wollen und immer wieder erfindungsreiche (meist junge) Menschen, die neue Formen der Vervielfältigung von Nachrichten und Meinungen entwickeln, kommerziell z.B. das Xing-Netzwerk. In Phase II werden sich aus diesen Kämpfen dann einge Hauptstränge entwickeln, die sich in rein kommerzielle und öffentliche aufspalten werden und schließlich wird dann in Phase III damit sicher Geld verdient. Gleichzeitig wird es sowohl weniger gedruckte Zeitungen geben als auch Vielfalt. Es ist nicht anzunehmen, dass ausgerechnet bei den Printmedien (aufgrund wirtschaftlicher Interessen) oder im öffentlich-rechtlichen Funk und Fernsehen (aufgrund prinzipiell getätigter, politischer Einflußnahme) sich eine vermehrte Meinungsvielfalt entwickeln wird - Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel.
Somit werden wir mit einer bleibenden Verschiebung in Richtung Internet-Medien in Zukunft leben. Hiermit ist auch das Feld zukünfiger Einflussnahme wirtschaftlicher Interessengruppen wie Online-Zeitungen vorgegeben. Die Telekom wird sehr bald ein generelles, automatisiertes Bezahlsystem bei Anforderung von Zeitungsinhalten zur Verfügung stellen. Die Regierung wird auf Druck der Verlage zunehmend die Rechte der Blogszene einschränken, auf fast allen Blogportalen geschieht dies schon jetzt ständig - einige kostet das die Existenz.
Generell ist aber wohl damit zu rechnen, dass sowohl die Angebotsvielfalt als auch die Nutzung der neuen Medien vor allen Dingen das Internet betreffen werden.
Dieser Trend wird sicherlich noch dadurch verstärkt werden, wenn irgendwann einmal Fernsehen und Computer keine getrennten Geräte mehr sein werden.
Jörn Kabisch schrieb am 21.11.2009 um 21:54
Lieber Reimers,
ich finde, ein großartiger Vergleich. Ich möchte diesen Kommentar zu einem Artikel machen und mit zum Wochenthema stellen. Bitte melden Sie sich, wenn Sie nicht einverstanden sind.
Friedland schrieb am 29.11.2009 um 13:20
Muss ein Artikel über die Qualität des Journalismus denn mit überdurchschnittlich vielen Tipp- und Layoutfehlern daherkommen...?
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