Wochenthema

Sprechstunde mit dem berühmtesten Onkologen der Welt: Siddhartha Mukherjee

Dr. Krebs | 23.02.2012 07:00 | Mikael Krogerus

Der Zellkämpfer

Beinahe jeder zweite Mensch erkrankt in seinem Leben an Krebs. Warum? Antworten des zur Zeit gefragtesten Onkologen der Welt: Siddhartha Mukherjee

Der Freitag: Herr Mukherjee, warum haben Sie als junger Facharzt für Krebs ein Buch geschrieben?

Siddhartha Mukherjee: Es begann eigentlich mit einer Frage einer meiner Patientinnen. Sie litt an Unterleibskrebs, hatte bereits mehrere Rückfälle und sagte zu mir: „Ich kann mit der Behandlung weitermachen, aber ich muss wissen, wogegen ich eigentlich kämpfe.“ In diesem Moment fühlte ich mich sehr gedemütigt: Ich konnte ihre Frage nicht beantworten. Ich konnte ihr auch keinen Hinweis auf ein gutes Buch geben, denn die Bücher, die es über Krebs gab, waren vor allem Ratgeber. Ich empfand das als eine Beleidigung! Es gibt eine unglaubliche Diskrepanz zwischen dem Wissensdurst der Patienten und dem Angebot der Verlage. Krebs ist die überragende Krankheit unserer Zeit, und in den Buchhandlungen findet man darüber nur Selbsthilfebücher mit Diättipps. Keines davon kann eine Antwort auf die eine große Frage geben: Was ist Krebs eigentlich?

Und so haben Sie sich entschlossen, eine Biografie dieser Krankheit zu schreiben. Was meinen Sie heute, ist Ihnen das gelungen?

Lange Zeit hieß mein Buch einfach nur „Eine Geschichte des Krebses“. Aber kurz bevor ich fertig wurde, fiel mir auf, dass ich das Porträt einer Krankheit gezeichnet hatte, die sich fortlaufend ändert. Meine Hauptfigur war in permanenter Wandlung begriffen, deshalb habe ich das Buch dann „eine Biografie“ genannt. Aber ich personifiziere nicht. Sie werden in meinem Buch keine „Person“ antreffen. Aber Sie werden eine dreidimensionale Vorstellung davon bekommen, was Krebs eigentlich ist, wie er war und wie er sich verändert.

Viele Patienten stillen ihren Wissensdurst obsessiv im Internet. Stört es Sie, wenn Patienten in der Sprechstunde glauben, bereits alles zu wissen?

Nein, Patienten sollen sich so informieren, wie sie wollen. Das Problem ist, dass nicht alle Informationen hilfreich sind. Sie können im Internet alles Mögliche finden, oft wird ein medizinischer Fakt geschildert und anderswo sofort widerlegt. Ich versuche mit Patienten immer transparent zu bleiben. Ich sage ihnen, was ich weiß, woher ich es weiß und wie ich es einschätze. Man muss skeptisch und doch menschlich bleiben. Skepsis ist die wichtigste Eigenschaft eines Wissenschaftlers. Aber in der Arbeit mit Patienten muss man menschlich bleiben.

Wie überbringen Sie einem Patienten die furchtbare Nachricht, dass er eine tödliche Krankheit hat?

Immer anders. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf In­formationen. Manche wollen die direkte, schonungslose Wahrheit, andere möglichst wenig erfahren. Die Frage des Arztes ist immer: Wovor hat der Patient Angst? Letzte Woche in der Klinik weigerte sich eine Frau mit Lungenkrebs, sich einer Chemotherapie zu unterziehen. Ich habe sie immer wieder nach ihrer Angst gefragt und schließlich gestand sie mir: Ich möchte meine Fingernägel nicht verlieren. Sie hatte als Kind miterlebt, wie ihre Großmutter infolge einer Krankheit die Fingernägel verlor. Das hat einen so tiefen Eindruck bei ihr hinterlassen, dass sie sich nun weigerte. Als ich garantierte, dass das nicht passieren würde, willigte sie ein. Was ich damit sagen will: Die Gründe für unsere Ängste sind vielfältig. Viele fürchten äußerliche Veränderungen wie zum Beispiel Haarausfall oder eine Gewichtszunahme oft mehr, als den Schmerz oder sogar den Tod. Meine Regel dabei: Man darf Ängste nie bewerten.

Wie soll man selbst mit seinen Ängsten umgehen?

Ich glaube stark daran, dass man sich mit ihnen konfrontieren sollte.

Ist die Diagnose gestellt, fragen sich viele Patienten: Wie finde ich den richtigen Arzt?

Das ist eine wichtige Frage. Der richtige Arzt muss zwei Eigenschaften besitzen: Er muss sich natürlich auskennen und die Chemie zwischen ihm und dem Patienten muss stimmen. Krebs ist nicht irgendeine Krankheit, die Arzt- Patienten-Beziehung wird im Laufe der Behandlung sehr intensiv. Wie oft treffen Sie schon jemanden, dessen Entscheidungen Ihr Leben nachhaltig verändern wird? Der darüber bestimmt, ob Sie überleben werden, und wenn ja, wie? Der renommierteste Arzt kann Ihnen nicht helfen, wenn Sie ihm nicht vertrauen.

In Ihrem Buch schreiben Sie: „Krebszellen sind perfektere Abbilder unserer selbst“. Das müssen Sie erklären!

Nun, das ist eine Metapher, die sagen will, dass Krebs eine Zell-Evolution ist. Durch die Krankheit entstehen Zellen, die unheimlich widerstandsfähig sind. Krebs­-zellen muss man sich vorstellen wie Überlebenskämpfer. Und jetzt kommt die Paradoxie: Der menschliche Körper hat erstaunliche Mechanismen und Gene entwickelt, um zu überleben. Krebs benutzt und korrumpiert nun diese Mechanismen und Bahnen und macht sie noch besser. Ich muss sagen, dass hat etwas Faszinierendes.

Sprechen wir deshalb so ungern über Krebs, weil er uns eigentlich überholt hat?

Vielleicht. Aber ich denke, dass wir heute schon viel mehr darüber reden als früher. Als die Essayistin Susan Sontag über Krebs schrieb…

… „Krebs galt als beschämend, nichterwähnenswert und sogar obszön“…

…wurde Brustkrebs von der Gesellschaft mit Scham betrachtet. Diese Scham ist zum Glück verschwunden, aber ein Schuldgefühl ist geblieben. Viele Patienten, vor allem Frauen, hinterfragen ihren Lebensstil und ihre Persönlichkeit, um eine Erklärung für die Krankheit zu finden.

Und was finden diese Patienten?

Nichts. Hunderte verschiedene Studien beweisen inzwischen, dass

Krebs eine genetische Erkrankung ist. Wenn wir also wissen möchten, ob etwas krebserregend ist, müssen wir herausfinden, was genver­ändernd wirkt. Welcher Mechanismus welche Mutation auslöst? Luft zum Beispiel ist nicht per se krebserregend. Aber sie kann Stoffe wie Tabakrauch enthalten, die dann Mutationen auslösen können. Welchen Anteil aber die Psyche oder die Gedanken an der Erkrankung haben, kann man anders als anhand der gen-mutierenden Mechanismen nicht beweisen. Da fehlen die Antworten.

Hilft eine positive Lebens­einstellung gegen Krebs, kann sie ihn sogar heilen?

Nein. Aber vielleicht hilft eine positive Einstellung bei der Chemotherapie; vielleicht lassen sich Schmerzen so leichter ertragen. Aber Krebs heilen kann sie nicht. Genau so wenig wie eine negative Lebenseinstellung Krebs verursacht. Nein, mit dem „Think positive“-Ratschlag tut man einem Krebspatienten keinen Gefallen. Denn darin steckt ja auch: Du bist schuld an deinem Zustand, und daran, dass es dir schlecht geht.

Wie kann man der Krankheit vorbeugen?

Nicht rauchen.

Kann Stress Krebs verursachen?

Ich denke nicht. Natürlich spielt das Immunsystem eine wichtige Rolle, aber es kann nicht so gestresst werden, dass man plötzlich Krebs bekommt. Aber manche Krebsarten sind enger mit dem Immunsystem verbunden als andere. Brustkrebs zum Beispiel hat sehr wenig damit zu tun.

Immer wieder hört man von plötzlichen Heilungen. Kann man die erklären?

Wir wissen, dass es so etwas gibt. Dass das Immunsystem plötzlich selbständig in der Lage ist, die kranken Zellen zu attackieren. Wir wissen aber auch, dass so etwas extrem selten passiert. Interessanterweise kann man diese Spontanheilungen nur bei besonderen Krebsarten wie beispielsweise Hautkrebs beobachten. Bei Hautkrebs gibt es eine hohe Interaktion mit dem Immunsystem. Ich denke, auf diesem Gebiet wird in Zukunft noch viel entdeckt werden.

Sie verwandeln in Ihrem Buch den ersten Satz aus dem Roman Anna Karenina und schreiben: „Alle normalen Zellen sind ähnlich normal; aber bösartige Zellen sind auf ihre ganz eigene Art bösartig.“ Warum sind eigentlich Leukämiezellen anders als Brustkrebszellen?

Sie sind gleich und doch anders. Sie teilen und vermehren sich beide unkontrolliert, also bösartig. Aber die veränderten Gene, die das Wachstum von Blutzellen verursachen, unterscheiden sich sehr von jenen der Brustzellen.

Warum werden aus gesunden Zellen plötzlich bösartige?

Das können wir nicht hundertprozentig erklären. Aber wir wissen, dass alle Zellen Gene haben, die das Wachstum regulieren. Diese Gene sind vererbt und normalerweise auch genau reguliert: Wenn Sie sich beispielsweise in die Hand schneiden, dann schließt sich die Wunde wieder, aber sie „wächst“ nicht weiter. Es entsteht kein neuer Mensch. Die Zellen wissen, wann sie aufhören müssen, sie werden gebremst. Bei Krebs dagegen setzt eine ungebremste Zellteilung ein.

Und wodurch wird eine Krebsmutation ausgelöst?

Zum Beispiel durch Vererbung, krebserregende, chemische Stoffe oder Röntgenstrahlen. Mutationen können aber auch zufällig entstehen und kombinieren sich immer mit Wachstum. Das erklärt vieles, aber nicht alles. Denn durch den Krebs entstehen neue Gene, und deren Verbindung zum Wachstum haben wir noch nicht dechiffrieren können. Es gibt zum Beispiel welche, die den Zuckerabbau in der Zelle verändern. Aber ob die Krebs verursachen, wissen wir nicht. An diesem Punkt stehen wir noch immer vor einem Mysterium.

Warum gibt es keine sichere Medizin geben Krebs?

Weil es hunderte verschiedene Arten von Krebs gibt. Und jedes Mal, wenn das Immunsystem oder ein Medikament die Krebszellen angreifen, überleben die am besten mutierten und wachsen weiter. Es ist eine Evolution in unserem Körper.

Das heißt, so wie Bakterien gegen Antibiotika immun werden können, können auch Zellen auf Krebsmedikamente resistent reagieren?

Richtig.

Das klingt hoffnungslos.

Das hängt vom Immunsystem ab. Wenn einige Krebszellen resistent geworden sind, kann das Immunsystem trotzdem einen neuen, anderen Angriff starten. So arbeiten wir ja auch mit den Medikamenten, sie müssen sich ständig verändern.

Warum nimmt die Zahl der Krebskranken ständig zu?

Aus drei Gründen: Weil wir erstens immer älter werden. Brustkrebs oder Prostatakrebs beispielsweise sind stark altersbedingte Erkrankungen. Zweitens: Weil sich die Diagnostik verbessert hat und wir ständig neue Krebsarten finden. Und drittens: Weil unser Verhalten sich verändert hat. Lungenkrebs durch Zigarettenrauch gab es im 19. Jahrhundert noch nicht. Mit Krebs bezahlen wir den Preis der Moderne.

Findet man die Krankheit deshalb stärker in der westlichen Welt?

Richtig. Und Krebs nimmt auch in der unterentwickelten Welt zu.

Lassen Sie uns über die Zukunft sprechen. Es gibt einige neue, zum Teil radikale Medikamente wie Glivec. Die Tabletten zer­stören Krebszellen nicht, sondern managen sie. Wird durch diese sogenannte gezielte Krebstherapie die Krankheit irgendwann einmal zwar chronisch, aber nicht mehr tödlich sein?

Für manche Krebsarten ist das denkbar. Aber es gibt auch andere Wege, zum Beispiel den Versuch, das Immunsystem zu aktivieren. Eine andere Möglichkeit könnte sein, die Mikro-Umgebung zu verändern, in der die Krebszellen wachsen. Oder aber man versucht, die Glucose-Aufnahme der kranken Zellen zu manipulieren und sie dadurch auszuhungern.

Manche Experten glauben, Stammzellforschung sei die Lösung. Sie schreiben darüber wenig in Ihrem Buch. Warum?

Die Stammzellforschung ist ein sehr junges Forschungsfeld. Im Kern geht es dabei um folgendes: Manche Krebszellen ähneln den Stammzellen; es müssen also in beiden dieselben Gene aktiv sein. Außerdem sind in Tumoren auch Stamm­zellen enthalten, die sich erneuern können und dadurch vielleicht die Rückfälle verursachen.

Was versprechen Sie sich von diesen Erkenntnissen?

Wenn wir ein Medikament finden könnten, das die Krebsstamm­zellen eliminiert, dann würden wir in der Lage sein, Krebs nicht nur zu behandeln, sondern auch zu heilen.

Sie schreiben, dass Tuberkulose die dominierende Krankheit des 19. Jahrhunderts gewesen sei, Krebs dagegen die Gegenwart beherrsche. Wird Alzheimer demnach die Krankheit der Zukunft sein?

Das ist ein interessanter Gedanke. Wenn wir es schaffen würden, Krebs zu kontrollieren, würden die Menschen noch älter werden. Dann könnte es sein, dass neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer plötzlich das Hauptproblem wären. Aber das Beängstigende ist, dass Krebs vielleicht gar keinen Erben haben wird, und noch viele Generationen nach uns mit der Krankheit kämpfen.

Die Kosten der Krebsforschung sind mittlerweile ins Unermessliche gestiegen. Quält Sie manchmal nicht der Gedanke, dass die Ergebnisse Ihrer monatelangen Forschungen für die sehr kostspielige Entwicklung von Medikamenten benutzt werden, die die Patienten dann fünf Tage länger leben lassen?

Das scheint auf den ersten Blick aberwitzig, aber man darf in der Krebsforschung nicht nihilistisch werden. Denn diese fünf Tage können in der Kombination mit einem anderen Medikament dann 500 ergeben.

Sie sind in Neu-Delhi aufgewachsen und kamen erst zum Studium in die USA. Inwiefern hat das Ihre Forschung beeinflusst?

Ob Indien in diesem Buch ist? Ja, sehr sogar. Aber ich kann Ihnen darüber nichts genaueres sagen, oder ich möchte es eigentlich nicht. Finden Sie es selbst heraus.

Ihr Buch „Der König aller Krankheiten“ ist weltweit ein Besteller geworden. Letztes Jahr sind Sie dafür mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. Hat sich Ihr Patientenkreis seither verändert?

Ich wurde mit Anfragen von Prominenten überschüttet und habe beschlossen, keine Privatpraxis zu eröffnen, sondern in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Ich leite die Fellows Klinik, die nur Patienten aufnimmt, die sich keine Krankenversicherung leisten können. Ich bin kein Heiliger, aber es kann für mich nur die einzige vernünftige Entscheidung sein, ernsthaft Bedürftigen zu helfen, anstatt VIPs zu betreuen, die nicht mehr als eine zweite oder dritte Meinung anhören wollen.

Vielleicht ist das ja das Indische an Ihnen.

Vielleicht.

 
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Kommentare
rolf netzmann schrieb am 23.02.2012 um 15:26
Dazu passt der folgende Blog, den ich gestern geschrieben habe, als das Berliner Robert-Koch-Institut die neuen Zahlen für Deutschland vorgelegt hat. Was Dr. Mukherjee hier berichtet, finde ich hochinteressant, weil er eine andere Herangehensweise hat, die über das rein ärztliche hinaus reicht. Und dass er seine Popularität nicht ausnutzt, um damit viel Geld zu verdienen, macht ihn noch sympathischer. Es gibt eben immer noch Menschen, die nicht das Geld haben, teure Behandlungen zu bezahlen und die auch nicht das Glück haben, in einem Land zu leben, wo kostenintensive Behandlungen wie eine Krebstherapie von den Krankenkassen übenommen werden.

Es ist eine Nachricht, die das Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere radikal verändert. Und auch die Familienangehörigen, Freunde, Verwandte und Arbeitskollegen sind mittelbar davon betroffen. Die Diagnose Krebs ist immer noch gleichbedeutend mit mindestens einem langen Kampf und vielleicht sogar dem Ende des eigenen Lebens. Und sie bedeutet nicht nur für den Betroffenen eine drastische Umstellung des bisherigen Lebens.

Nun hat das Berliner Robert-Koch Institut neue Zahlen vorgelegt. Eine Tendenz ist, dass der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung kontinuierlich steigt. Immer mehr ältere Menschen bedeuten auch einen Anstieg der Erkrankungsfälle, weil Krebs mehr in den älteren Jahrgängen diagnostiziert wird. Bei Männern sind 87 Prozent der Erkrankten älter als 55 Jahre, bei den Frauen 79 Prozent.

Etwa 1800 Kinder unter 15 Jahren leben mit Krebs. 84 Prozent der ganz jungen Patienten sind fünf Jahre nach der Diagnose trotz Krebs noch am Leben – das waren Mitte der 80er Jahre nur 67 Prozent.

Hochgerechnet auf 2012 leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen, bei denen in den vergangenen fünf Jahren Krebs festgestellt wurde.

Für das laufende Jahr rechnet das RKI mit etwa 490.000 Neuerkrankungen. Davon entfallen auf die 25- bis 40-Jährigen etwa 12 500, eine Zahl, die seit Jahren konstant bleibt. Die Krebsgefahr ist für diese Altersgruppe nicht gewachsen, so das Fazit des RKI

.

Doch die Chancen, diese Erkrankung zu überleben, steigen. Vor 1980 überlebte nach den Statistiken des Institutes nur etwa ein Drittel der Erkrankten, im Jahre 2008 waren es mehr als 61 Prozent. Früherkennung und neue Behandlungsmethoden sind für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich.

Allerdings sind die Heilungschancen immer noch stark davon abhängig, an welchem Krebs die Betroffenen erkranken. Prostata- Hoden- oder Hautkrebs sind heute immer noch besser heilbar als Lungen-Speiseröhren - oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Wesentlich ist auch immer noch, in welchem Stadium der Krebs erkannt wird.

Eine statistische Häufung an Hoden-, Haut- (Melanom), Gebärmutterhals- und Brustkrebs wird gegenüber 2011 durch die intensivere Früherkennung erwartet.Gleichzeitig steigen dadurch aber auch die Heilungschancen.

Auch die Politik beschäftigt sich mit diesem Thema. Der Gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Spahn, hat höhere Eigenbeteiligungen für chronisch Kranke, die nicht regelmässig zur Vorsorge erscheinen, gefordert. Die Krankenkassen weisen diesen Vorschlag zurück.

"Die Bestrafung nicht wahrgenommener Früherkennung ist weniger sinnvoll, als die Vorsorge attraktiver zu machen", so der AOK-Chef Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs. Der Bundesgesundheitsminister Bahr möchte künftig alle Bürger per Brief an die vorhandenen Vorsorgemöglichkeiten erinnern.

Krebs ist immer noch eine erschütternde Diagnose. Früherkennung und gesunde Lebensweise können dazu beitragen, nicht an ihm zu erkranken. Andererseits gibt es immer wieder Fälle, wo gesund lebende Menschen, ja sogar Asketen, an ihm erkranken. Es ist, bei aller persönlichen Vorsorge, nicht möglich, diese Erkrankung für sich auszuschließen.

Und so ist es eben auch ein, wenn auch nur schwacher, Trost, dass die Behandlungserfolge in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind.
merdeister schrieb am 23.02.2012 um 22:18
Ein Kollege von früher hatte ein T-Shirt, auf dem die Worte zu lesen waren:

Fuck Cancer!

Danke für das Gespräch.
luggi schrieb am 23.02.2012 um 22:25
Findet man die Krankheit deshalb stärker in der westlichen Welt?

Richtig. Und Krebs nimmt auch in der unterentwickelten Welt zu.

Dieses Zitat mal nur als Beispiel ... denken Interviewer bei ihren Fragen und nachfolgenden Fragen nicht nach? Was bitteschön ist denn diese unterentwickelte Welt? Vielleicht diese dieser Chemotherapeuten? Schulmedizin entwickelt auch, nicht in Gänze, manchmal eine chauvinistische Sprache, oder entlarvende Sprache.
Krebs ist nicht das Ergebnis einer Diagnose sondern einer falschen Lebensweise.

btw.
ich vermisse Hinweise auf ein Buch, eine Vortragsreihe oder so was ähnliches
KMoya schrieb am 24.02.2012 um 00:14
Das Buch (The Emperor of All Maladies: A Biography of Cancer, Pulitzerpreis 2011) ist gerade auf Deutsch erschienen und der Autor anscheinend auf Lesereise (in der Berliner Zeitung war eine Veranstaltung für heute Abend angekündigt, die aber schon zum Zeitpunkt der Ankündigung vollkommen ausgebucht war).
Ich habe das Buch vor mehreren Monaten gelesen und kann es nur wärmsten empfehlen. Es gibt nicht häufig so klug geschriebene Bücher. Schade ist eigentlich nur, dass auch hier im Freitag erst dann darüber geschrieben wird, wenn die heimischen Verlage zum großen Marketingrundumschlag ausholen.
Kathrin Zinkant schrieb am 24.02.2012 um 00:52
@luggi

der literaturhinweis steht online und im print unter dem text. es gibt sogar eine rezension! (oben verlinkt).
und zum üblichen rumgemoser an der "schulmedizin": belege, bitte... bittebitte...

nach wie vor herzlich: ihre frau zinkant
Kathrin Zinkant schrieb am 24.02.2012 um 00:58
und @ kmoya: warum sollen wir über so ein tolles buch berichten, wenn es noch gar nicht auf deutsch erschienen ist? mit marketing hat das wenig zu tun. auch wenn sich die deutsche übersetzung nicht als vergleichbar entpuppt hat. aber siehe dazu: rezension.
luggi schrieb am 24.02.2012 um 22:57
@ Kathrin Zinkant
Sie haben doch schon einmal mit belegbaren Zahlen zur Anzahl der Krebstoten gefehlt. Ist Ihnen nicht irgendwie in das kritische Bewusstsein die obige Aussage eingedrungen, dass jeder zweite an Krebs erkrankt? Sie haben nur mit der Todesrate gefehlt.
Was dürfen uns diese Leute noch auftischen?
Wie hat sich noch einmal Franz Konz von seinem Krebs und von den Chemotherapeutenchirurgen befreit???

Und jetzt die Schicksalfrage. Stellen Sie sich vor, die Schulmediziner könnten Ihnen bei einer Krebserkrankung nicht helfen. Würden sie alternative Heilmethoden grundsätzlich ablehnen?

das zum schulmedizinischen rumgemoser

so... und was war noch mal das Thema meines Kommentars gegen die Medizyniker?
unterentwickelte welt ... da gebe ich den Ball zurück
merdeister schrieb am 25.02.2012 um 22:34
Franz Konz? Wirklich? Urkost, mit Moos gegen Krebs.

Über AIDS-Erkrankte sagt Konz:

„Der Körper des AIDS-Kranken ist durch Aftersex, Genußmittel, Drogenmißbrauch und Junk-Food kaputtgemacht worden. Die HI-Viren machen sich jetzt in großer Anzahl über ihn her. Sie sind von der Natur dazu bestimmt, dem unwürdigen und gegen die Gesetze am schlimmsten verstoßenden Erdbewohner das Geschenk des Lebens schnellstens wegzunehmen, damit er nicht noch mehr Unheil anzurichten vermag. Was soll aber die gegen die Natur gerichtete, nie bewiesene Verlängerung dieses Abschaums der Menschheit um ein paar Monate auf Kosten von uns, der Allgemeinheit?“


Franz Konz
Schachnerin schrieb am 26.02.2012 um 14:05
@luggi,
da googelst einfach in der Gegend herum und findst einen Haufen

www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,rnrjm3kukqjqzq3l~cm.asp
ich habe es verpaßt

der König aller Krankheiten
books.simonandschuster.com/Emperor-of-All-Maladies/Siddhartha-Mukherjee/9781439170915

der Kaiser aller Krankheiten
the Emperor of all Maladies
books.simonandschuster.com/Emperor-of-All-Maladies/Siddhartha-Mukherjee/9781439170915
luggi schrieb am 27.02.2012 um 21:51
@ merdie
Franz Konz ist euren Fängen entgangen ... und hat Erfolg gehabt. Und das könnt und wollt ihr ihm nie verzeihen. Deshalb gibt es diese Tiraden nicht nur von deiner Seite.
Wenn Aachener Studenten nix verstehen, dann glauben sie, dass sich Urköstler von Moos ernähren.

Toll, was Medizynstudenten auf meine Steuerkosten eingebläut wird.

Schön blöd mit Link auf Wikipedia ... oder weißt du nicht, wie man direkt auf die Seiten von Konz verlinkt?
Noch mal, deinereiner kriegt nicht mal ein Mittel gegen Grippe hin ... weil ihr das Wirkungsprinzip nicht versteht oder verstehen wollt.
immer noch
LG
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