Margot Käßmann, Userfischerin

Netzgeschichten Die ehemalige Bischöfin weilt in den USA, um Gastvorlesungen zu halten, will derweil ein wenig Ruhe in ihr Leben einziehen lassen - und schreibt erstmal einen Blog

Wenn das Rampenlicht erlischt, fallen Politiker, Spitzensportler und andere Promis oft in ein tiefes Loch. Die einen lernen dann tanzen (Heide Simonis), die anderen beraten die Supermarktkette Rewe (Joschka Fischer). Und die Ex-Bischöfin Margot Käßmann bloggt seit Ende August aus den USA.

Käßmann war Ende Februar von ­allen Kirchenämtern, auch jenem der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, zurückgetreten, nachdem sie alkoholisiert eine rote Ampel überfahren hatte. Seitdem bezeichnet sie sich demütig als „einfache Pfarrerin aus Hannover“. Das stimmt wohl, dazu kommt aber noch ein Celebrity-Status und der Stammplatz in den Bestsellerlisten mit ihrem Buch In der Mitte des Lebens. Derzeit hält Käßmann vier Monate lang Gastvorlesungen an der Emory-Universität in Atlanta. Vor der Abreise diktierte sie den Journalisten: „Ich finde es angezeigt, dass jetzt einmal etwas mehr Ruhe einkehrt in mein Leben und dass ich nicht andauernd unter Beobachtung stehe.“ Ihr Blog, eingebettet in die Webseite evangelisch.de, präsentiert sich dafür aber recht Star-tauglich. Neben das Bild der strahlenden Autorin sind die Wolkenkratzer Atlantas in einen blauen Himmel montiert. Darüber leuchtet weiß der Titel „Notizen aus Übersee“.

Die ersten Einträge erinnern an die Tagebuchnotizen einer Austauschschülerin: „Alle sind ziemlich aufgeregt zu Beginn des Semesters. (...) Das Universitätsgelände ist riesig, eine Stadt in sich.“ Im Studentenwohnheim sei sie die Älteste, die Supermärkte hätten rund um die Uhr geöffnet und die Mode sei luftig, erfährt man: „Die Mädchen gehen zum Teil extrem leicht bekleidet, Shorts und Top, das würde bei uns an der Uni wohl kaum jemand tun.“

Fotos gibt es auch, sie zeigen Käßmann wandernd in den Black Mountains. Der Blog der 52-Jährigen wirkt wie eine private Facebookseite, darüber nörgeln die Leser. User Chris etwa kommentiert, ein Blog dürfe „außer persönlich gerne auch intelligent und spannend-protestantisch sein. aber doch keine ermüdenden poesiealbumsachen!“ Käßmann hat auf das Feedback reagiert, in ihren neuesten Einträgen bloggt sie politischer und reflektiert stärker das Tagesgeschehen. Obamas Krise, der 11. September, der Möchtegern-Koranverbenner aus Florida – Käßmann gibt allem eine persönliche Note und einen protestantischen Twist. Das muss sie auch, aus den Blognotizen soll nämlich wieder ein Buch werden, der nächste Bestseller. Im Januar kommt der „internationale Popstar der Theologie“ (FAS) dann wieder nach Deutschland zurück.

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