Wir müssen weiterreden!

Ausstellung Nach Wien ist die große Franz-West Retrospektive nun im Frankfurter MMK zu sehen. Sie zeigt, wie der Austausch mit dem Künstler auch postum weitergehen kann
Ausgabe 27/2013
Wir müssen  weiterreden!

Foto: Museum für Moderne Kunst, FFM

Der Wiener Künstler Franz West, der im vergangenen Sommer mit 65 Jahren gestorben ist, hat über seine Werke immer den Dialog mit den Rezipienten gesucht. Diese Interaktion fand auf allen erdenklichen Ebenen statt: Sehr direkt und physisch-sinnlich sind seine „Passstücke“, wie beispielsweise der blaue Wurm, der nun den Auftakt zu der Ausstellung im Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt bildet. Skulpturen sind bei West zum Anfassen, Draufklettern und Rumrutschen gedacht und bieten so eine Alternative zur reinen Kontemplation von Kunstwerken. Der Austausch findet aber gleichermaßen intellektuell statt, wenn auch nicht ohne eine gehörige Portion Humor.

Was bedeutet es aber, sich weiter mit einem Künstler auszutauschen, wenn der Künstler selbst sich an diesem Dialog nicht mehr beteiligen kann? Zusammen mit dem Mumok in Wien hat das MMK eine befreiend unpathetische und zukunftsträchtige Lösung gefunden. Es ist weder eine Geisterséance geworden, noch der Abbruch des Gespräches mit Franz West, indem man den Künstler auf ein weit entferntes kunsthistorisches Podest erhöbe. Beides hätte bei einem wie Franz West, der für feine Ironie und Anti-Pathos bekannt geworden ist, furchtbar schief gehen müssen.

Nein, der Weg, der gewählt wurde, ist, ihn weiter mit seinen Besuchern und besonders seinen Künstlerkollegen kommunizieren zu lassen: Kollegen wie Douglas Gordon, Herbert Brandl und Heino Zobernig, mit denen er lange gearbeitet hat und Künstlern wie Franz Erhard Walther, die großen Einfluss auf sein eigenes Arbeiten hatten. Eine Idee, die auch in dem Katalog zur Ausstellung weitergeführt wird, der eine fiktive Gesprächssituation zwischen dem Künstler, den Kuratoren und zahlreichen Kollegen, Freunden und Weggefährten von Franz West entstehen lässt.

Dass eine Ausstellung an mehreren Orten präsentiert wird, ist allzu oft den finanziellen Engpässen der Museen geschuldet. Wenn diese große Retrospektive nach Wien nun in Frankfurt gezeigt wird, geht es jedoch nicht um ein finanzielles Rechenspiel. Neben der Zahl acht, in dem wunderbar assoziativen Ausstellungstitel Wo ist mein Achter?, frei nach einer Gouache, die eine Frau mit einer zu weiten Hose nach einer Diät zeigt, mit dem Wortspiel von „Lost Weight“ über „Lost Eight“ zu acht, teilt sich die Ausstellung in drei mal zehn Werke auf.

Ein Drittel der Arbeiten stellen wichtige Positionen des Oeuvres von West dar, die bereits in der Wiener Ausstellung zu sehen waren, ein Drittel der Arbeiten stammt aus der Sammlung des MMK selbst, und das letzte Drittel sind Arbeiten, die den Bezug von Franz West zu Frankfurt aufzeigen.

Frankfurt war eine besondere Stadt für Franz West. Neben der Professur an der Städelschule von 1992 bis 1994 hatte er in der Galerie forme von Jürgen Wegner 1979 seine erste Ausstellung außerhalb Österreichs. Arbeiten, die in Frankfurt geblieben waren, wurden neun Jahre später bei einer Ausstellung im Portikus kurzerhand von West mit neuen Werken zu den „Wegener Räumen“ kombiniert, von denen zwei in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind.

Der Austausch geht in Frankfurt weiter. Trotzdem ist es schade, nicht mehr zu hören, was Franz West zu dieser Ausstellung gesagt hätte.

Franz West: Wo ist mein Achter? Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, bis 13. Oktober 2013

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