Die Frau in Rot

Die Linke Wie verhalte ich mich in Afrika? Mutmaßungen über eine unbekannte Präsidentschaftskandidatin

Im Juni hat die Linke verlauten lassen, eine eigene Kandidatin ins Rennen um das Bundespräsidentenamt zu schicken. Etwas vorschnell kursierten in den Medien zwei Namen, Christa Wolf und Daniela Dahn. Beim Namen Christa Wolf rieben sich politisch Interessierte die Augen, schien es doch, als hätten sich die Genossen um fast 20 Jahre vertan. Vielleicht erinnert sich ja noch jemand daran, dass Christa Wolf für ein Präsidentinnenamt im Gespräch war, da ging es noch um die DDR.

Das Dementi folgte auf dem Fuß.

Die Mutmaßungen gingen weiter. Das Ganze kriegte Sommerlochqualitäten. Die neue stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak fragte kürzlich, ob denn die "Herren über 50" in dieser Partei alles alleine entschieden. Mit den weiblichen Mitgliedern - vor allem mit den eher undogmatischen - hatten die "Herren über 50" auch schon vor zehn Jahren ihre Probleme. Frauen sind Aushängeschilder, aber bei wichtigen Entscheidungsfindungen werden sie gern außen vor gelassen - um in Krisenzeiten allerdings wieder gebraucht zu werden, man denke nur an die Legislaturperiode mit fraktionslosem Status, als zwei PDS-Frauen auf Katzenstühlen im Parlament saßen.

Vorletzte Woche ließ Bundestagsfraktionsvize Bodo Ramelow verlauten, man habe sich in der Führung auf eine Frau als Bundespräsidentenkandidaten geeinigt, aber keine aus dem Osten. Genauer wolle man sich erst nach der Wahl in Bayern äußern. Da war sie also plötzlich, die rätselhafte Lady in red. She came to me one morning, one lonely sunday morning. Nun gut, das war die Lady in black. Aber wenn sie nicht aus dem Osten kommt, wo kommt sie dann her, aus dem Norden, dem Westen oder gar aus Bayern? Christa Müller, die sich in letzter Zeit weit aus dem Fenster gelehnt hat, wird es wohl nicht sein, die muss ja zu Hause ihre Mutterpflichten erfüllen. Obwohl, Bundespräsidentin wird sie ja sowieso nicht. Die potenzielle Kandidatin ist nur eine Pappkameradin, die spätestens im zweiten Wahlgang rausfliegt, oder - wie Gregor Gysi meinte - die Kandidatur sei eine gute Gelegenheit für die Linke, sich mal wieder ins Gespräch zu bringen.

Wäre dann nicht ein öffentliches Auswahlverfahren zur besten Sendezeit die ideale Lösung? Präsentiert von, sagen wir, Phoenix? Die Kandidatinnen schlendern in roten Kleidern auf einem Laufsteg an der Findungskommission aus Gregor Gysi, Oskar Lafontaine und Lothar Bisky vorbei, die im Ausschlussverfahren die Spitzenkandidatin casten. Vielleicht macht ja Katharina Witt noch mit in der Jury, wegen der Haltungsnoten, und damit die Weiber in der Partei die Klappe halten. Und Chris de Burgh singt dazu seine Lady in red: I´ve never seen so many men ask you, if you wanted to dance. So ein Modelwettbewerb erregt auf jeden Fall viel Aufsehen, und man erreicht Bevölkerungsschichten, die sich für Politik nicht interessieren. Nebenbei ließen sich auch noch die präsidialen Fähigkeiten testen. Wie verhalte ich mich in Afrika? Wie könnte eine Ruckrede aus Sicht der Linken aussehen? Wie halte ich die Kelle, wenn ich Suppe an arme Kinder verteile? Was mache ich, wenn ich beim Stehempfang auf mein helles Tageskostüm kleckere? Wie stehle ich der Kanzlerin die Show?

Letzte Woche allerdings ließ ein Jurymitglied verlauten, es müsse ja nicht unbedingt eine Frau sein. Welchen Geschlechts sie am Ende auch sei, beschädigt ist die Person jetzt schon.

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