Baran Korkmaz
19.07.2013 | 14:59 22

„Es geht nicht darum, sich anzupassen“

Bildung Aufstiegschancen sind in Deutschland immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängig. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani über Gründe und Alternativen

„Es geht nicht darum, sich anzupassen“

Foto: David Ausserhofer

Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani beschäftigt sich mit BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus. Wer in Knappheit an Geld, an Anerkennung, an Wissen usw. aufwächst, bildet ein Verhalten der Knappheit heraus. Man tut nur das Notwendige und lernt dabei nicht, in Alternativen zu denken - und damit auch nicht, langfristig zu denken. Das wirkt sich dann negativ auf Bildung aus, weil Bildung immer langfristig angelegt ist. Wer hingegen in oberen Milieus aufwächst zeichnet sich im Vergleich durch Langzeitorientierung, Abstraktionslogik und Denken in Alternativen aus – deutlich bessere Rahmenbedingungen für das Lernen in der Schule.

Für seine Doktorarbeit erhält Dr. El-Mafaalani den Deutschen Studienpreis 2013 der Körber-Stiftung (2. Platz, Sektion Sozialwissenschaften) für die wichtigsten Dissertationen des Jahres.

 

der Freitag: Talent und Fleiß allein reichen nicht aus. Nur die allerwenigsten schaffen es aus benachteiligten Milieus in Spitzenpositionen. Muss man sich für eine erfolgreiche Karriere also anpassen?

Aladin El-Mafaalani: Man muss zunächst sagen, dass sich Aufsteiger aus benachteiligten Milieus relativ stark angepasst haben. Aber nicht angepast an einer Mehrheitskultur, sondern ganz im Gegenteil an die Oberschichtskultur. Und die kann man ja auch eine Parallelgesellschaft nennen.

Besser wäre es, wenn Denkmuster, die sich an der Unterschichtskultur orientieren, sich gar nicht erst etablieren. Vielmehr geht darum, Alternativen im Lebensalltag erleben zu können. Zum Beispiel in Ganztags- und Gemeinschaftsschulen und Angeboten in den Bereichen Kunst, Theater, Musik oder Sport. Es geht also insgesamt nicht darum, sich anzupassen. Sondern: Verschiedene Lebensstile und Denkmuster kennenzulernen, im Sinne einer Milieumischung.

Muss jetzt also der starke Staat eingreifen, damit der Einzelne aus einem spezifischen Milieu und aus der Familie besser heraustreten kann?

Gerade in Schulen eine starke soziale Durchmischung zu ermöglichen und Schüler andere Lebenswelten kennenlernen zu lassen: Das muss der Staat machen, denn er ist der einzige Akteur, der so etwas vor allem in Ganztagsschulen flächendeckend realisieren kann.

Ein Ende vergangenen Jahres veröffentlichter OECD-Bericht zeigt für Deutschland aber, dass in allen Schichten eine geringe Bildungsmobilität für junge Menschen zu verzeichnen ist. Ist das überhaupt ein Problem eines spezifischen Milieus?

Diese Studien gucken sich ja nur an, ob überhaupt ein höherer Bildungsabschluss als der der Eltern erreicht wurde. Das betrifft also alle Schichten. Aber wenn ein Akademikerkind „nur“ die Fachhochschulreife erlangt, ist ja nicht die Zukunft des Kindes akut gefährdet.

Wohingegen das Selektionsverfahren des deutschen Bildungssystems etwas Verheerendes schafft: der allergrößte Teil der Hauptschul- und Sonderschulkinder stammen aus der Unterschicht. Dieses selektive Bildungssystem wirkt entscheidend mit an der Aufrechterhaltung unterer Schichten. Und es ermöglicht den betreffenden Schülern eben nicht, andere Lebensmodelle kennenzulernen.

Aber es gibt mittlerweile einige Schüler aus unteren Schichten, die das Abitur schaffen. Warum entscheiden sich diese wenigen dann meistens doch dafür, eine Ausbildung zu machen und nicht zu studieren?

Erstens ließen sich psychologische Gründe heranziehen: Man hat niemanden in der Familie, der studiert hat. Man kennt womöglich keinen, der studiert und den man um Rat fragen kann. Man weiß nicht, ob man sich das zutrauen kann. Man schließt es also vorneweg aus und entscheidet sich für den sicheren soliden Weg, bei dem man direkt Geld verdient.

Zweitens: Ein Studium kostet viel Geld und wird bei einem Umzug in eine andere Stadt sofort kostspielig, wohingegen man bei einer Ausbildung bezahlt wird.

Wenn man sich insgesamt mal anschaut, wie Jugendliche ihre Berufswahl treffen, dann sieht man, dass sich der größte Teil immer an seinem unmittelbaren Umfeld orientiert. Man hat eben keine Alternativen erlebt.

Wie lässt sich dieser Mechanismus, der offenbar zu sozialer Ungleichheit führt, durchbrechen?

Es liegt nicht nur am Bildungssystem. Dieses ist ja letztlich Spiegelbild unserer ganzen Gesellschaft. In Deutschland wird sehr viel differenziert, wie man am selektiven Bildungssystem schon sehen kann. Drei Schichten, drei Schulen: Hauptschule, Realschule, Gymnasium. Schauen Sie sich aber auch die Sozialpolitik an: Hartz IV für die ganz unten. Gesetzliche Versicherung für die in der Mitte. Und Privatversicherung für die oben. Oder das Rentensystem: Auch hier werden Unterschiede fortgeführt. Wer viel verdient hat, kriegt viel Rente. Wer wenig verdient hat, kriegt wenig Rente.

Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, aber in jedem Fall wird deutlich, dass dies Überbleibsel der Klassengesellschaft sind. An diesen drei Beispielen sieht man, wie sich in der deutschen Gesellschaft Statushierarchien tatsächlich über Generationen fortführen. Daher ist das eine gesamtgesellschaftliche Frage – eine, die die statuserhaltenden Strukturen hinterfragt. Das geht mit Sicherheit nicht kurzfristig. Aber die demographische Entwicklung macht Veränderungen notwendig.

Kommentare (22)

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Ehemaliger Nutzer 19.07.2013 | 17:54

Die Wahl der falschen Alternative - aufgrund falscher Fragen!

Die erste Frage, wie es nach dem ersten Schulabschluß weitergehen soll, muss lauten: wie will ich arbeiten. Will ich unternehmerisch, selbständig, freiberuflich, verbeamtet oder abhängig beschäftigt arbeiten. Danach richtet sich die weitere Schul- und Berufswahl aus.

Bei Jugendlichen aus Haushalten von selbständigen Handwerkern gibt es traditionell eine entsprechende Orientierung auf die Übernahme des Betriebs, als Meister oder Bachelorabsolvent.

Über eines muss man sich aber klar werden, mit den Kindern aus der Oberschicht trifft man an den Schulen nicht zusammen. Schon auf den öffentlichen Grundschulen bestimmter Stadteile werden für die Kinder der wirklichen Oberschicht [Multimillionärshaushalte] gesonderte Klassen eingerichtet. Und das zieht sich bis zum Abitur durch, da kann man auch nicht eine Durchmischung erzwingen, weil sich die Eltern der Kinder zu nichts zwingen lassen. Andere würden das auch nicht tun und tun das auch nicht, beispielsweise Funktionseliten aus Wirtschaft und öffentlichem Dienst [Prokuristen, Betriebsleiter, Ministerialdirektoren usw. usf.]

Wer sich mit Bildungsaufstieg und zu erreichenden Positionen beschäftigt, hat sich diese Frage womöglich nicht gestellt, nicht gestellt bekommen, oder unausgesprochen und unhinterfragt bereits beantwortet, weil alle es so machen, nämlich, sich für eine abhängige Beschäftigung und der darin möglichen Karrierewege entschieden. Wer sich für abhängige Beschäftigung entscheidt, läuft sein ganzes Leben anderen hinterher.

Das deutsche Bildungssystem ist in den 60ern erweitert worden und heute sehr in Breite und Tiefe differenziert; an was es häufig mangelt, ist die Erklärung, wie dieses System funktioniert und wo man sich Beratung holen kann. Denn die Möglichkeiten, beispielsweise bis zum Abitur zu gelangen, sind äußerst vielfältig, nur meist nicht bekannt. Dafür gibt es die Schullaufbahnberatung und viele andere mittlerweile über das Internet erreichbare Informationsangebote. In erster Linie muss man einfach fragen.

Die Entscheidung, nach dem Abitur eine Ausbildung zu beginnen, ist auch davon abhängig, welche Ausbildung man wo anstrebt. Einige Berufe und manche Firmen setzen das Fachabitur oder das Abitur voraus, man kommt also mit der mittleren Reife da gar nicht rein und käme aufgrund der Anforderungen in der Ausbildung auch gar nicht mit. Andere Berufe bedürfen keines Abiturs und die Firmen wollen dann auch gar keine Abiturienten in diesen Ausbildungsgängen, denn für die Abiturienten gibt es die durch die Firmen angebotenen und geförderten dualen Studiengänge.

Es gibt andererseits auch eine vernünftige wirtschaftliche Überlegung, kein Studium anzustreben. Wer nach der mittleren Reife beispielsweise eine Ausbildung zum Industriemechatroniker oder einem naturwissenschaftlich-technischen Laborberuf beginnt, wird von einem altersgleichen Mitschüler, der bis zum Abitur weitermacht und anschließend bis zum Bachelorabschluß studiert, erst nach ca. 15 Berufsjahren einkommensmäßig ein- und dann erst überholt, bei beiden eine einen nahtlosen Übergang in die Beschäftigung und eine gleichmäßige berufliche Entwicklung ohne Karrieresprünge durch Aufgaben und Stelle vorausgesetzt sowie ohne die möglichen Kosten beim Studium durch auswärtige Unterbringung und dergleichen mehr. Der Bachelorabsolvent und der Industriemechatroniker sind dann an diesem Break-Even-Point beide 35 Jahre alt.

Tollschock 19.07.2013 | 22:48

Ich finde es ziemlich bitter was so in Ausbildung und Studium so abläuft. G8 und nicht entsprechend vorbereitete Schulen. Eine zum Lückenbüßer verkommene Realschule (da gibts dann bald Schülermangel...) und eine Hauptschule die nur noch verwaltet wird. Desweiteren werden die Löhne nach unten orientiert. Es iswt erschlagend was den jungen Menschen angetan wird. Egal welche Schulbildung welcher Hautfarbe die jungen Leute sind. Es ist schwierig in einer verharrenden überalternden Gesellschaft zu bestehen. Zum einen zahlen die jungen Menschen in ein System ein das sie nicht versorgen wird und zum anderen bleibt nur einer geringen Minderheit genug für die private Vorsorge. Das ganze garniert mit immer mehr Zwängen und Repressalien. Die Angst vor der Zukunft frisst die Seelen und nur eine verschwindende Minderheit wird provitieren. Diese bzw. ihre Eltern sitzen schon heute an den Hebeln.

Eines der besten Beispiele sitzt im Sozialministerium... Ignoranz und wegschauen sowie dekadent umformulieren und alles nur beschönigen werden weder unserer Jugend noch uns selbst helfen. Wenn weiterhin keine durchgreifenden Reformen erfolgen nur weil sie für das etablierte System schwer kalkulierbare Risiken enthalten sollten wir uns nicht wundern wenn die Benachteiligten den Übrigen kräftig in den Hintern treten. Es können ja nicht alle studieren und Manager werden. Da sollten auch noch viele Handwerker werden können ohne sich verstecken zu müssen. Es können nicht alle ABI machen. Wir müssen endlich vernünftig werden und allen die Chancen bieten die sie wirklich nutzen können. Wenn also ein Schüler wirklich gut ist sollte er auch eine weiterführende Schule besuchen können. Der sehr wohlhabende Teil dieser Gesellschaft wird immer Mittel und Wege finden seine Kinder irgendwie nach oben zu befördern jedoch muß dieser Staat endlich allen anderen Begabten die gleichen Chancen einräumen. Das hat was mit Gleichstellung und Migration zu tun. Also das was alles so schöngeredet wird.

Nil 20.07.2013 | 10:07

Stimmt schon. Solange sich Individuen die gegenwärtig in den Bildungsministerien beschäftigt sind, sich nicht weiterentwickeln/weiterbilden, wird sich nicht so bald etwas verbessern. Die meisten scheinen ja nicht einmal einen Jürgen Habermas zu kennen ? was soll man dazu noch sagen ? Bleibt schwierig das Ganze.

Andreas Kemper 20.07.2013 | 21:44

Die Lösung des Problems besteht in der politischen Selbstorganisierung der Betroffenen gegen die Diskriminierung insbesondere gegen die insititutionelle Diskriminierung. Studierende mit sogenannter "niedriger sozialer Herkunft" können von den Studierendenschaften verlangen, dass diese ihnen Ressourcen und Geld für die politische Selbstorganisierung zur Verfügung stellen. In Münster hat das vor zehn Jahren geklappt. An anderen Hochschulstandorten ist es auch möglich, dass Arbeiterkinder sich politisch zusammenschließen. Die Zivilgesellschaft sollte endlich aufhören, immer nur auf die Bildungsbenachteiligung achselzuckend hinzuweisen, sie kann auch die Selbstorganiserung von Arbeiterkindern unterstützen, wenn es ihr wirklich wichtig ist, diese skandalöse Ungerechtigkeit endlich zu beenden. <a href="http://www.fikus-muenster.de/">Fikus-Referat AStA Uni Münster</a>

chrislow 21.07.2013 | 12:03

Es ist aufgrund der Kürze des Beitrages sicher noch vieles hinzu zu fügen. Bis dahin aber bleibt er stimmig und entspricht der Realität.

Nur nutzen wird es nichts. Denn auch hierbei gilt: Ewig wird geredet, aber nichts passiert.

Und dann kommen Menschen wie ich, für die der Zug abgefahren ist und sind Zeugnis der Jammerkultur und des Versagens.

Freilich aber hat noch niemand so recht begriffen, dass das Bildungssystem nur ein kleinerer Teil des Problems sei. Und solange wird am falschen Teil gemäkelt und getuned. Also ewig geredet, ewig gefummelt und nichts passiert.

Achtermann 21.07.2013 | 18:16

Wer über sozialen Aufstieg mittels Bildung sich äußert, lässt oft außer Acht, dass nicht alle gleich bildbar sind. Die Ursache des beruflichen Nichtaufstiegs wird immer in die sozialen Milieus verlagert, die bevorteilend bzw. benachteiligend wirkten. Die Intelligenzstreuung der Bevölkerung orientiert sich an der Gauß'schen Normalverteilungskurve. Danach liegen bei einem mittleren Wert von IQ = 100 zwei Drittel zwischen einem IQ von 85 und 115. Es gibt demnach Begabtere und weniger Begabte. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie sollte hin und wieder in die Bildungsdebatte eingebracht werden. Wer nur die Rahmenbedingungen betrachtet und meint mit deren Verbesserung, was immer darunter zu verstehen sein mag, würden die Probleme gelöst werden, unterliegt einem Irrtum. Ich vermute, dass auch diejenigen, die sich besonders gegen die angeblich ungerecht verteilten Bildungschancen engagieren, haben nichts dagegen, sich im Supermarkt von Kassenbediensteten den Einkauf übers Band ziehen zu lassen oder in der Waschanlage ihr Auto von einem Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis mit dem Hochdruckreiniger für die Waschstraße vorbehandeln zu lassen.

rheinhold2000 22.07.2013 | 08:16

"Die Intelligenzstreuung der Bevölkerung orientiert sich an der Gauß'schen Normalverteilungskurve. Danach liegen bei einem mittleren Wert von IQ = 100 zwei Drittel zwischen einem IQ von 85 und 115."

"Intelligenz"tests werden geeicht. Wie? Nun, indem man sie solange "prüft" bis sie eine gaußsche normalverteilungskurve ergeben. "Intelligenz"tests bei denen alle den "Wert" 100 erreichen gelten als zu einfach, Intelligenzstests bei denen alle "doof" sind als zu schwer. wenn ich nun aus einem Test der so konstruiert wurde, dass sie Normalverteilungskurve als ergebnis herauskommt schließe das irgendetwas Normalverteilt ist, nun ja vieleicht sollte ich dann mal bei Wikipedia nachschlagen was ein Zirkelschluß ist.

Da man Intelligenz nicht definieren kann kann man sie auch nicht messen. Schon garnicht einem völlig willkürlichen test völlig willkürlich Zahlen zuordnen. Klar zahlen suggerieren Objektivität.

"Es gibt demnach Begabtere und weniger Begabte."

aus einem Zirkelschluß kann man nichts ableiten. genauso gut hättest du schreiben können: weil es weiniger begabte und begabte gibt gibt es weniger begabte und begabte. halt ne unbewiesene behauptung.

"Eigentlich eine Binsenweisheit, aber sie sollte hin und wieder in die Bildungsdebatte eingebracht werden."

eben nicht. sondern pure ideologie

Achtermann 22.07.2013 | 08:58

"Da man Intelligenz nicht definieren kann kann man sie auch nicht messen. Schon garnicht einem völlig willkürlichen test völlig willkürlich Zahlen zuordnen. Klar zahlen suggerieren Objektivität."

Mach' dir es mal nicht so einfach. Es ist ja nicht so, dass Intelligenztests im luftleeren Raum konstruiert werden. Einem solchen Test, der als seriös eingeschätzt werden kann, gehen manchmal Jahre der Entwicklung voraus. Tests müssen mit irgendetwas korrelieren, z.B., um beim Thema zu bleiben, mit schulischen Leistungen oder Teilbereichen davon. Alles andere wäre doch Mumpitz, wenn der gesellschaftliche Bezug fehlte.

Aber unabhängig von den Tests ist auch deine Behauptung, alles was mit IQ-Messung zu tun habe, sei Ideologie, ein Totschlagargument. Ein solches schützt davor, sich tiefer mit dem Sachverhalt auseinandersetzen zu müssen. Willst du ernsthaft bestreiten, dass es unterschiedliche Intelligenzpotenziale innerhalb der Spezies Mensch gibt? Ein IQ-Test, der den Vorteil der Standardisierung bietet, ist eben geeignet, eine vergleichbare Aussage zu machen. Niemand, nicht mal ein Testidiot, wird sich nur auf den Test verlassen. In einer Gutachtenerstellung ist er Teil der Gesamtschau.

Deine Empfehlung für Doofe, ich sollte mal bei Wikipedia mich über den Zirkelschluss schlau machen, kannst du dir getrost ersparen, wenn du an einer ernsthafteren Diskussion interessiert sein solltest.

Oberham 22.07.2013 | 11:14

... ich rate zum sozialen Abstieg,

zumindest vermeidet man dann den sozialen Absturz.

Denn die meisten die auf Gipfeln herumwuseln, sind sozial im untersten Tiefgeschoss verortet.

Manieren und das korrekte Befolgen von Gesellschaftsnormen würde ich nicht als besonders sozial betrachten, sondern als die Auswüchse menschlicher Abgrenzungsrituale untereinander.

Durchmischung so wie es hier beschrieben wird trifft es, denke ich, auch nicht - es wird schlicht erst im miteinander Wirken und Leben zu einer in meinen Augen erstrebenswerten Gesellschaft kommen.

Aber in den Beiträgen kann man wunderbar erkennen, die Wettkampfformel hat sich in die Hirnrinden förmlich eingebrannt, dieses Engramm scheint wohl nicht mehr vermeidbar und dürfte wohl der entscheidende Faktor für das Scheitern der Menschen werden.

Wettkampf wird leider meist mit Fortschritt und Entwicklung verknüpft, ein fataler Trugschluss, ohne Wettkampf wäre der Mensch völlig anders organisiert, nur - dank seines Intellekts, sicher nicht weniger abgeoben, vom restlichen Kreislauf der teils wirklich schaurigen Mechanismen der Biosphäre.

Bildung ist seit langem Verblendung und instinktlose Konditionierung, wobei je nach Sozialetage unterschiedliche Prioritäten gesetzt werden - nur wenige Menschen brechen da aus, wobei selbst die im persönlichen Kaptialisierungskreislauf verortet bleiben - entweder marginalisiert an den Rändern floaten, oder im Zentrum den Sog nach "Oben" erwischen.

Aber was tippt er da, der Troll, Gewinner sind happy, und Verlierer, ach, was - es gibt doch eh zu viele Artgenossen......

Oberham 22.07.2013 | 11:25

... Kompendium zur Nutzkonditionierung des nachwachsenden Humankapitals - ja - man sollte tatsächlich schon in der Grundschule die Prädestinantionen mit pawlowschen Methoden durchgehend extrahieren und die Brut entsprechend kanalisieren.

Was gäbe das für einen grandiosen Output.

Die geballte Bildungslawine, die dann nach 12 Jahren, oder früher, die Betriebe, Konzerne, Universitäten, Behörden überschwemmte, sie wäre wohl mit einem extraordinären Gütesiegel bewährt.

Noch ganz wichtig, lasst nicht zu dass sich Spiegelneuronen in zu großem Ausmaß bilden, Empathie die nicht - wie bei Psychopathen der Fall - prinzipiell auf Off steht - und nur im Bedarfsfall als Trugbild belebt wird, ist in allen Bereichen renditeschädlich - es lebe der Cyborg, er macht uns erst zu perfekten Wesen!

... oder wie war das nochmal mit den Zombies?

Klar - ist alles nur naive Fiktion.

... wie siehts nun mit der Zukunft aus - ihr Schlauberger?

rheinhold2000 22.07.2013 | 14:43

"Mach' dir es mal nicht so einfach. Es ist ja nicht so, dass Intelligenztests im luftleeren Raum konstruiert werden. Einem solchen Test, der als seriös eingeschätzt werden kann, gehen manchmal Jahre der Entwicklung voraus. Tests müssen mit irgendetwas korrelieren, z.B., um beim Thema zu bleiben, mit schulischen Leistungen oder Teilbereichen davon. Alles andere wäre doch Mumpitz, wenn der gesellschaftliche Bezug fehlte."

Mit irgendetwas wird er schon korrelieren, aber ob dieses irgendetwas Intelligenz ist? und bist du dir wirklich sicher das z.B. schulische leistung etwas mit Intelligenz zu tun hat? mal ganz ab davon, wir reden hier über etwas ("Intelligenz") was noch nichtmal vernünftig definiert wurde.

"Willst du ernsthaft bestreiten, dass es unterschiedliche Intelligenzpotenziale innerhalb der Spezies Mensch gibt?"

Vieleicht solltest du dich mal mit Erkentnistheorie und Popper auseinandersetzen. Die Behauptung das es unterschiedliche Intelligenzpotentiale innerhalb der Spezies mensch gibt ist haarsträubend unwissenschaftlich (alleine schon deswegen weil "Intelligenz" überhaupt nicht definiert werden kann. ich weiß nicht ob es unterschiedliche Intelligenzpotentiale innerhalb der Spezies mensch gibt (und du glaubst es nur)

"Ein IQ-Test, der den Vorteil der Standardisierung bietet, ist eben geeignet, eine vergleichbare Aussage zu machen. Niemand, nicht mal ein Testidiot, wird sich nur auf den Test verlassen. In einer Gutachtenerstellung ist er Teil der Gesamtschau."

Ein IQ testet irgendetwas ( was wissen wir nicht). Er ist zu NICHTS geeignet. Schon garnicht zu einem vergleich

"Deine Empfehlung für Doofe, ich sollte mal bei Wikipedia mich über den Zirkelschluss schlau machen, kannst du dir getrost ersparen, wenn du an einer ernsthafteren Diskussion interessiert sein solltest."

warum? du hast mir doch einen zirkelschluss als wissenschaftlichen beweis verkaufen wollen

Achtermann 22.07.2013 | 16:41

Es hat wenig Sinn, sich mit dir argumentativ auseinandersetzen zu wollen. Du hast für dich zum Thema Intelligenztests entschieden: "Er ist zu NICHTS geeignet. Schon garnicht zu einem vergleich." Aber über diese apodiktische Behauptung kommst du nicht hinaus, weil du alle Begründungszusammenhänge verweigerst.

Dein Hang, belehren zu wollen, ist trotzdem ungebrochen. – Allerdings argumentationsfrei. Nachdem du mich zuvor zu Wikipedia schicken wolltest, gibst du mir nun den Rat:

"Vieleicht solltest du dich mal mit Erkentnistheorie und Popper auseinandersetzen. Die Behauptung das es unterschiedliche Intelligenzpotentiale innerhalb der Spezies mensch gibt ist haarsträubend unwissenschaftlich…"

Du willst damit sagen: Seht her, ich habe mich mit Popper und Erkenntnistheorie beschäftigt. Toll! Nur, was hat Popper mit der Theorie zur Intelligenz zu tun? Und welche der Erkenntnistheorien, es gibt ja deren mehrere, wie du sicher weist, kümmert sich um Intelligenzforschung? Ich vermute keine. Denn üblicherweise geht es beim Thema Erkenntnistheorie um die Metaebene des Erkenntnisprozesses. Aber was sag ich dir da. Du weißt das sicher alles besser.

rheinhold2000 22.07.2013 | 18:20

"Es hat wenig Sinn, sich mit dir argumentativ auseinandersetzen zu wollen. Du hast für dich zum Thema Intelligenztests entschieden: "Er ist zu NICHTS geeignet. Schon garnicht zu einem vergleich." Aber über diese apodiktische Behauptung kommst du nicht hinaus, weil du alle Begründungszusammenhänge verweigerst."

süüüüss

Du hast hier zwei BEHAUPTUNGEN als wissenschaftliche Tatsachen verkaufen wollen:

Die erste ist einfach nur oberdreist:

Intelligenz ist nach der normalverteilungskurve verteilt

die zweite ist dreist:

begabung was immer das ist ist unterschiedlich verteilt.

Argumente für diese behauptungen von dir: null

von diesen behauptungen leitest du dann einen unterschiedlichen sozialen und beruflichen status ab.

selbst wenn deine behauptungen wahr wären ist diese ableitung wieder falsch:george w. bush der nun ja nach deutschen massstäben zumindest als ungebildet zu bezeichnen ist konnte zwei eliteuniversitäten mit abschluss abschließen und präsident der usa werden. merke: sozialer status und beruflicher erfolg haben also eher mitr beziehungen als mit begabung und intelligenz zu tun (was immer das auch sein mag). also von dir: außer ner menge heißer luft nichts gewesen.

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Ehemaliger Nutzer 22.07.2013 | 18:35

…und dank des Ideenreichtums staatlich geförderter Psychoideologie, kommen Logik und Kriterien rassistischer Auslese ganz ohne äußere Merkmale aus: im inneren jeden Individuums angelegte „Potentiale“ und „Wirkkräften“ bestimmen demzufolge ja nicht nur den Willen des Menschen, sondern sollen auch noch auf die selbe natürliche Weise für den mehrheitlichen Ausschluss vom nationalen Reichtum und Elitejob sorgen – wegen der angeblich mehrheitlich geringeren Ausstattung mit angelegten „(Leistungs)potentialen“.

Gerüstet mit dieser unverschämten und absurden Behauptung, die individuell unterschiedliche Verteilung ihres frei erfundenen Forschungsgegenstandes ( „Intelligenz - Potentiale") auch noch messen zu können und bewaffnet mit "Gauß'schen Normalverteilungskurven" und anderen Werkzeugen moderner Schädelmesserei, liefert dieser, bei Konkurrenzgewinnern- wie Verlierern so populäre Psychorassismus, die adäquate Untertanen- und Gerechtigkeitsmoral einer demokratischen Leistungsgesellschaft.

einem aus- und einkömmlichen leider mehrheitlich beschränkteunausweichlichen Einfluss aufaus den unendlichen Weiten des universellen Determinismus einer psychologischer Weltanschauung,liefert mit seinen angelegteAusschluss moderner Psychorassisten Gaußscher

Achtermann 22.07.2013 | 19:48

Lieber Rheinhold2000,

du willst nicht verstehen. Hier ein Textausschnitt zum Thema Intelligenz, der deinem vorwissenschaftlichen Meinen ein wenig weiterhelfen könnte:

"Umgangssprachlich werden heute alle möglichen Fähigkeiten als Intelligenz bezeichnet. So spricht man von sozialer oder emotionaler Intelligenz; aber diese Begriffe sind zu schwammig, als dass sie aus wissenschaftlicher Sicht brauchbar wären. Wir beziehen uns deshalb hier auf den klassischen Begriff der kognitiven, also geistigen Intelligenz. Sie umfasst vor allem schlussfolgerndes Denken, sprachliche und mathematische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen und effiziente Gedächtnisleistungen. Kurz: die generelle Fähigkeit, die Welt in ihren Regeln zu erfassen und wechselnde Aufgaben zu bewältigen. Man kann diese Denkfähigkeit mithilfe von Intelligenztests messen. Und man kommt – was den Begriff Intelligenz wissenschaftlich tragfähig macht – bei Wiederholung auch mit unterschiedlichen Tests auf einen vergleichbaren Wert: den sogenannten Intelligenzquotienten (IQ).

Der IQ gibt an, wie intelligent eine Testperson im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen aus derselben Bevölkerung ist. Intelligenzvergleiche zwischen sehr unterschiedlichen Gruppen, etwa Völkern, verbieten sich, weil Intelligenztests kulturell geprägt sind. Mit einem IQ von 100 verfügt man über durchschnittliche Intelligenz (siehe Grafik auf Seite 76). Zwei Drittel der Bevölkerung haben einen IQ zwischen 85 und 115. Rund 17 Prozent können mit einem IQ von mehr als 115 als überdurchschnittlich intelligent gelten, und 2 Prozent mit einem IQ von mehr als 130 als hochbegabt.

Intelligenz ist von großer Bedeutung für Erfolge in Schule, Ausbildung und Beruf und damit Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Einzelnen, also auch eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes und glückliches Leben. Wenn Menschen mit eher geringer Intelligenz es aufgrund ihrer sozialen Herkunft in hohe Positionen geschafft haben, können sie ihren Aufgaben nicht gerecht werden. Natürlich kommt es vor, dass weniger intelligente Schüler bessere Schulleistungen erbringen als intelligentere. Das zeigt aber nur, dass es der Schule nicht gelungen ist, die vorhandenen Intelligenzressourcen zu nutzen. Intelligenz ist natürlich nicht der einzige Erfolgsfaktor und auch kein Erfolgsgarant für jedes Individuum, aber von allen beobachtbaren Eigenschaften ist sie, statistisch gesehen, eindeutig der bedeutendste.

Text: Prof. Dr. Aljoscha Neubauer. Er lehrt Psychologie an der Universität Graz.

Achtermann 23.07.2013 | 09:42

„Intelligenz ist eine moralische Kategorie.“

Dieser Satz macht Adorno nicht schöner. Jener schon: "Ich geniere mich nicht, insofern mich als reaktionäre zu bekennen, als ich es für wichtig halte, dass Kinder in der Schule gut Lateinisch, womöglich lateinische Stilistik lernen, als dass sie törichte Reisen nach Rom machen, die wahrscheinlich meist nur in allgemeiner Magenverstimmung enden, ohne dass sie etwas wesentliches von Rom erführen."

Ja, und dann hat er sich noch über die Sprachfertigkeit seiner Examenskandidaten geäußert: "Überhaupt der Dialekt. Von Bildung ist wohl zu erwarten, dass sie das Ungeschliffene der regionalen Sprache zu milderen Sitten gewöhnt. … Der Konflikt zwischen dem Hochdeutschen und dem Dialekt endet mit einem Remis, an dem niemand seine Freude hat…".

Dass Adorno das Bürgerliche in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte, wird deutlich, wenn er mit seiner ihm eigenen Dignität auf die privaten großbürgerlichen Kultur- und Bildungshaushalte rekurriert: "…musikalische Erfahrung in der Kindheit macht man, wenn man im Schlafzimmer liegt, schlafen soll und mit weit aufgesperrten Ohren unerlaubt hört, wie im Musikzimmer eine Beethoven-Sonate für Klavier und Violine gespielt wird." Und bei ihm zu Hause war das eine Live-Übertragung.

Wer meint, sich auf Adorno stützen zu müssen, sollte auch seine großbürgerlichen Lebensattitüden (immer in den besten Hotels abgestiegen) nicht beiseite lassen. Seine bildungspolitischen Aussagen korrespondieren mit seinem Lebensstil. Aber dich als Diagnostiker des "Psychorassismus", muss das nicht weiter stören.