Fußball-Fieber

WM 2010 Südafrika und die ganze Welt fiebern der Fußball-WM ­entgegen. Die Probleme, mit denen die Organisatoren konfrontiert sind, sollte man ernst nehmen, aber nicht unnötig aufbauschen

Der Verlag zum Buch:

Laduuuuuma heißt Tooooor!
Südafrika ist mehr als Diamanten, Löwen, Tafelberg und Nelson Mandela. Wer wüsste das besser als der Afrika-Experte Bartholomäus Grill, der in Johannesburg eine Jugendelf trainiert hat. Geistreich und unterhaltsam führt er durch die Kap-Repuplik und den Kontinent, auf dem 2010 zum ersten Mal die Fußball-WM ausgetragen wird.


Leseprobe:

Zum ersten Mal sind sie über den großen Teich nach Südafrika gekommen, die Könige des Weltfußballs aus Brasilien. Conceicão, Rivaldo, Bebeto, einfach unglaublich, dass sie dort unten, auf dem Rasen des FNB-Stadions zu Soweto, spielen. Und noch unglaublicher ist, dass die Südafrikaner zur Halbzeit 2:0 führen! Mein Freund Nyanga Tshabalala triumphierte schon: „Wir sind die Besten der Welt.“ Er zog ein cellphone – so werden die flachen Schnapsflaschen von der Größe eines Handys genannt – und prostete auf Bafana Bafana, auf das phänomenale Team aus Südafrika, das sich anschickte, die Halbgötter aus Brasilien zu stürzen. Zwei Tore! Eines von Goalgetter Phil Masinga, das zweite von Doctor Khumalo, dem Altstar. Ich sagte zu Nyanga nur: „Let’s wait and see, broer.“ – „Abwarten, Bruder.“

In der Kabine der Brasilianer muss es ein fürchterliches Donnerwetter gegeben haben, vermutlich erinnerte Trainer Mario Zagallo seine Seleção daran, wer Weltmeister ist. Die Elf kam wie verwandelt aus der Pause und entfesselte in der zweiten Hälfte einen Tornado, dem die Südafrikaner nichts entgegenzusetzen hatten. Kurz vor Schluss stand es 2:2. Dann kam die 86. Minute, ein traumhafter Volleyschuss von Bebeto – und diese historische Begegnung am 24. April 1996 war entschieden. Sie endete mit einem 3:2-Sieg der Brasilianer, und hier beginnt die Geschichte, die wir eigentlich erzählen wollen.

Im weiten Rund war es mucksmäuschenstill geworden, die Haupttore flogen auf, 75.000 betrübte Fans fluteten hinaus. Unser Ausgang lag gegenüber den grünen, siloartigen Doppeltürmen, auf deren Wänden für Maismehl geworben wurde. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir auf den Exit zugingen – er war lückenlos mit Autos zugestellt, obwohl in dieser Zone ein striktes Parkverbot gilt! Unsere Gruppe – Nyanga, meine Frau Antje, Byron, ein südafrikanischer Fotograf, sowie drei Besucher aus Deutschland – trieb direkt auf die Fahrzeuge zu, es kam zu einem Stau, wir spürten die Schubkraft der Menge in unserem Rücken. Im nächsten Moment waren die Durchgänge zwischen den Autos heillos verstopft, die Leute schrien und schimpften, der Druck nahm zu, wir wurden von einer unwiderstehlichen Macht auf einen rostigen Mercedes zugeschoben. Was tun? Ein kurzer Augenblick der Panik erfasste uns, dann beschlossen wir geistesgegenwärtig, über den Mercedes zu klettern – und kamen mit dem Schrecken davon...


© 2009 by Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg


Aufgrund von Absprachen mit den Verlagen, die uns die Leseproben zur Verfügung stellen, können wir diese nur für eine begrenzte Zeit online stellen. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Buch der Woche: Laduuuuuma! Wie der Fußball Afrika verzaubertvon Bartholomäus Grill
Hoffmann und Campe
256 Seiten, 20


Bartholomäus Grill berichtet seit 18 Jahren für die Zeit aus Afrika und gehört zum afrikapolitischen Beraterkreis von Bundespräsident Horst Köhler. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Sein Bestseller Ach, Afrika wurde vom Spiegel als bestes deutschsprachiges Buch über den Kontinent bezeichnet


Das Buch ist am 17. November 2009 erschienen

Jubiläumsangebot 2 Jahre F+

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Freitag-Abo mit dem neuen Buch von T.C. Boyle Jetzt zum Vorteilspreis mit Buchprämie sichern.

Print

Erhalten Sie die Printausgabe direkt zu Ihnen nach Hause inkl. Prämie.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag und wir schicken Ihnen Ihre Prämie kostenfrei nach Hause.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen