Benjamin von Brackel
06.08.2012 | 09:42 13

Der Kreislauf aus Plastik

Umwelt Die Erde versinkt in Kunststoff. Viele finden das schlimm. Was aber kann man selbst tun, damit der Müllberg schrumpft?

Wenn Sandra Krautwaschl einkauft, wirft ihr die Verkäuferin den Käse mit Schwung entgegen – hinein in die Edelstahldose, die aus Hygienegründen nicht hinter die Theke darf. Wenn Krauwatschl sich die Zähne putzt, verwendet sie keine normale Zahnbürste und Zahncreme, sondern eine Bürste aus Holz und ein Pulver aus Birkenzucker. Und das sind nur zwei kleine Beispiele: Krautwaschl, ihr Mann Peter Rabensteiner und ihre Kinder leben seit fast drei Jahren ohne Plastik.

Es ist ein Traum, den heute viele Menschen träumen, wenn sie im Fernsehen Reportagen und Dokus über Plastik sehen oder in der Zeitung von den gesundheitlichen Folgen des allgegenwärtigen Materials lesen: Müllteppiche in den Ozeanen, winzige Kunststoffkörner am Urlaubsstrand oder die ewig überquellende Tonne für Verpackungsabfall – Plastik überschwemmt unseren Planeten in einer Weise, die kaum noch zu ignorieren wäre, wenn man als Plastikgegner nicht vor dem Problem stünde, dass ein Leben ohne diesen Stoff kaum noch möglich erscheint.

Auch Krauwatschls Familie war deshalb bescheiden: Einen Monat lang wollte die Familie auf Kunststoff verzichten. Sie kaufte Lebensmittel konsequent plastikfrei im Biomarkt oder auf dem Bauernhof, entsorgte sämtliche Plastik-Utensilien aus Bad, Küche, sogar aus den Kinderzimmern: kein Lego mehr, auch keine Puppen. Aber die befürchtete Rebellion blieb aus. Eigentlich fehle ihnen ja nichts, stellte Tochter Marlene am Ende des Monats fest. Also machte die Familie weiter. Inzwischen sieht Sandra Krautwaschl in den Einkaufsläden immer öfter auch Gleichgesinnte mit Stofftaschen und eigenen Dosen. Bricht da ein Zeitenwandel an?

Als der gebürtige Belgier Leo Hendrik Baekeland es vor 105 Jahren schaffte, den ersten Kunststoff herzustellen, war der Jubel noch groß gewesen. Viele Chemiker waren vor ihm an der Aufgabe gescheitert, einen Stoff zu synthetisieren, der alle idealen Eigenschaften eines Materials vereint: formbar, leicht, bruchfest, hitzebeständig, nicht leitfähig, billig und mithin in großen Mengen herstellbar. Einen Wunderstoff.Baekeland fand ihn, als er Phenol in Formaldehyd in einem Kessel erhitzte. Mit dem richtigen Druck und der richtigen Temperatur entstand eine zähflüssige Masse, die zu beliebigen Formen erstarrte. Und schnell Einzug in die Wohnungen fand: Rundfunkgeräte, Telefone und Toilettenbrillen wurden bald aus sogenanntem Bakelit gefertigt. An die Folgen dachte damals niemand. Plastik war die Lösung, und nicht das Problem.

Fast universell einsetzbar

Das hing nicht zuletzt mit seinem Grundstoff zusammen: Die wichtigste Basis fast aller modernen Kunststoffe ist Erdöl, ein zunächst komplexes Gemisch von Kohlenwasserstoffen, die durch „Fraktionieren“ in reine Substanzen getrennt und etwa durch Cracken in die gewünschten Ausgangsstoffe verwandelt werden können. Aus Öl entsteht so zum Beispiel Ethlyen –  ein Gas aus recht kleinen Molekülen, aus denen sich aber chemische Ketten, sogenannte Polymere, bilden lassen. Aus Ethylen wird Polyethylen (PE) – einer der wichtigsten Kunststoffe überhaupt.

Polyethylen ist zäh, preiswert, es leitet keinen Strom und lässt sich durch Erhitzen jederzeit verformen. Kein Wunder, dass der milchig weiße Stoff fast universell einsetzbar ist: für Einkaufstüten, Folien, Flaschen, Getränkekisten und Mülltonnen. Neben den Thermoplasten, zu denen Polyethylen gehört, gibt es die Duroplaste (Bakelit) und Elastomere (Kautschuk). Eingesetzt werden sie je nach den Ansprüchen der Fertigung und Verwendung. Von PVC bis Nylon, von Polythylen bis Plexiglas, von Silikon bis Teflon hat heute jeder Lebensbereich sein eigenes Plastik. Mit der Gesamtmenge des bislang hergestellten Plastiks, ließe sich die Erde schon sechsmal einpacken. 144 Milliarden PET-Flaschen werden inzwischen pro Jahr produziert. Innerhalb von zehn Jahren ist der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland um das Doppelte gestiegen. Längst ist dabei klar, dass man einmal hergestelltes Plastik nur noch schwer loswird. Die meisten Kunststoffe lassen sich biologisch nicht abbauen, also landen sie auf Deponien, werden verbrannt oder verschwelt, mit entsprechender Klima- und Umweltbilanz. Zwar legt die Politik immer mehr Wert auf Recycling. Plastik, das tatsächlich wieder zu Plastik verwertet wird, macht dem BUND zufolge aber etwa nur ein Drittel der Gesamtmenge aus. Damit das noch zunimmt, will Umweltminister Peter Altmaier bis 2013 die Wertstofftonne einführen. In die kommen weiterhin Verpackungen, alle Kunststoffe und Metalle. Sieben Kilogramm an Abfall pro Kopf und Jahr ließe sich zusätzlich wiederverwerten, rechnet das Ministerium vor.

Der Haken aber ist: Der Großteil an Plastikabfällen besteht aus unterschiedlichen Kunststoffen, die sich schlecht trennen lassen. Und selbst wenn Kunstoffe recycelbar sind, kostet das Energie, und das Material verliert an Qualität. Aus den meisten Kunststoffen wie PET-Flaschen lassen sich nur noch verkürzte Fasern gewinnen – etwa für Fleece-Pullover. Mehr als ein-, zweimal Wiederverwertung ist in den seltensten Fällen möglich. Dieses „Downcycling“ endet fast immer damit, dass der Kunststoff doch verbrannt wird oder in Deponien, auf Freiflächen oder im Meer landet – wie im Pazifik, wo zwischen dem amerikanischen Festland und Hawaii ein Plastikteppich von der Größe Mitteleuropas schwimmt. Hinzu kommen die lange unbekannten Risiken in der Herstellung, vor allem durch Weichmacher wie der Chemikalie Bisphenol A, die Sexualhormone nachahmt – und dadurch unfruchtbar und dick machen soll (siehe der Freitag Nr. 12/2012).

Von alledem hatte Sandra Krautwaschl gehört, als sie sich im Kino den Film Plastic Planet ansah. Da fielen ihr auch wieder die Bilder aus dem Urlaub in Kroatien ein: An den Stränden hatte sich der Müll zu Bergen gehäuft. Noch am Abend des Kinobesuchs beschlossen ihr Mann und sie, auf Plastik zu verzichten. Auch im neuen Abfallgesetz, das seit dem 1. Juni in Kraft ist, steht die Vermeidung vor der Verwertung. „An der Müllvermeidung besteht aber nicht das geringste Interesse“, sagt Susanne Rotter, die an der TU Berlin den Bereich Abfallwirtschaft leitet. Denn ein ganzer Industriezweig habe sich auf Abfallentsorgung und Wiederverwertung spezialisiert. „Die Vermeidung hat keine Lobby“, sagt Rotter. Ähnlich sieht es mit der Verknappung aus: Von Rohstoffmangel kann trotz Ölkrisen keine Rede sein. „Wir sind noch nicht am Punkt, an dem Rohstoffe so knapp sind, dass die steigenden Konsumraten nicht mehr bedient werden können“, sagt die Abfallexpertin.

Bis 2013 muss die Bundesregierung Programme zur Abfallvermeidung auflegen, schreibt die EU-Kommission vor. Im aktuellen Bundesgesetz stehen bereits ein paar Beispiele: Verbrauchern sollen mehr Anreize geboten werden, umweltfreundlich zu konsumieren, auch wird über einen Aufpreis für Verpackungsartikel nachgedacht. Susanne Rotter findet, man müsste schon viel früher ansetzen. Dann nämlich, wenn das Produkt noch als Idee in den Köpfen der Entwickler besteht. Produktdesigner und Abfallbeseitiger müssten endlich zusammenarbeiten. So ließe sich auf unnötiges Verpackungsmaterial verzichten. „Vermeidung muss kein Verzicht sein“, sagt sie. „Der Kunde will eine Funktion haben, nicht die Masse des Gegenstands.“

Während im Abfallgesetz Ideen von Ökodesign über Ökoindikatoren bis zum Ökozeichen herumschwirren, kümmert sich Michael Braungart längst um die Umsetzung. Der Chemiker und Unternehmer hat das „Cradle-to-Cradle“-Verfahren entwickelt. Der Grundgedanke: Wie lassen sich Produkte herstellen, ohne dass Müll entsteht? Dazu teilt Braungart die Abfälle in zwei Kategorien ein: Idealerweise gelangen alle Verschleißprodukte wie Autoreifen, Schuhsohlen oder Waschmittel in den biologischen Kreislauf – sie enden als Erde oder Kompost. Elektronik wie Computer, Fernseher oder Waschmaschinen gelangen wiederum in den technischen Kreislauf: Sie werden mit weniger Kunstoffteilen so produziert, dass sich all ihre Einzelteile zerlegen und zu neuen Produkten verwerten lassen. Der Kunde leiht sich die dann gewissermaßen aus und gibt die Einzelteile dem Hersteller zurück, wenn das Produkt ausgedient hat.

Von Limburg lernen

So produziert der Sportartikelhersteller Trigema Oberteile, die kompostierbar sind. Der amerikanische Möbelhersteller Herman Miller baut Stühle, die laut Herstellerangaben in fünf Minuten in ihre Einzelteile zerlegt werden können und sich zu 99 Prozent wiederverwerten lassen. Ganz der Cradle-to-Cracle-Idee verpflichtet hat sich die niederländische Provinz Limburg, wo Familienbetriebe und Großunternehmen ganz auf Produktionskreisläufe setzen (siehe der Freitag 22/2011).

NABU-Umweltexpertin Indra Enterlein bezweifelt jedoch, dass sich die Kreisläufe ganz schließen lassen. Den Ansatz von der Wiege zur Wiege findet sie zwar charmant, weniger aber das Plädoyer für einen unbegrenzten Konsum. Mit reinem Gewissen könne jeder verschwenderisch einkaufen, argumentiert Braungart, denn in Zukunft ließen sich Produkte immer wieder neu verwerten. Auch Sandra Krautwaschl sieht das skeptisch. Ihr Motto lautet vielmehr: Weniger ist mehr. Kleidung kauft sie inzwischen aus zweiter Hand, die der Kinder tauscht sie mit Bekannten. Vor Kurzem hat sich die Familie ein Auto gekauft, nachdem sie monatelang ohne gelebt hatte. Das aber teilt sie mit Bekannten im Nachbardorf. „Im Großen und Ganzen ist es jetzt ausgereizt“, sagt Krautwaschl.

Anfangs erteilten sie sich auch für die Wasch- und Spülmaschiene ein „Benutzungsverbot“. Aber das Waschen und Spülen per Hand raubte Krautwaschl zu viel Zeit, die Geräte wurden wieder eingeschaltet. Auch die Plastikringe unter den Flaschenverschlüssen, die Skijacke für Tochter Marlene oder die Plastikregler an den Elektrogeräten toleriert die Familie. Zu dogmatisch wollen sie ihren Plastikverzicht auch nicht betreiben.

Ohnehin komme es ihr auf etwas anderes an. Durch das Experiment sei ihr bewusst geworden, wie viele überflüssige Dinge sie besitze. „Welcher Gehirnwäsche wir da unterliegen: Wir müssen immer weiter konsumieren, ständig Dinge kaufen, die wir eigentlich nicht brauchen“, sagt Krautwaschl. Der Plastikverzicht bedeutet Entschleunigung: Früher machte sie häufig im Supermarkt halt, schmiss ein paar eingeschweißte Produkte in den Einkaufswagen, um davon etwas zu Hause in der Mikrowelle aufzuwärmen. Jetzt fährt Sandra Krautwaschl mit dem Rad zur Arbeit, auch um einzukaufen. Bis sie ein Gericht zubereitet hat, dauert es heute eben länger. Abends spazieren ihr Mann Peter und die 12-jährige Tochter Marlene die 800 Meter zum Bauern, wo sie zwei Milchflaschen aus Glas auffüllen.

Krautwaschl überprüft jetzt häufiger, was sie wirklich machen will und was nicht, was sie wirklich braucht und was nicht. „Ich habe wieder ein Tempo aufgenommen, das dem Menschen entspricht“, sagt sie. An ihrem alten Leben vermisst sie eigentlich nur eines so richtig: die Kartoffelchips. Aber auch wenn die Verlockung groß ist, die Plastikverpackung ist Tabu.

Von Sandra Krautwaschl ist jetzt das Buch Plastikfreie Zone (Heyne) erschienen. Sie betreibt darüber hinaus das Blog kein Heim für Plastik , in dem sie ihr Experiment dokumentiert

Kommentare (13)

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Ehemaliger Nutzer 06.08.2012 | 14:08

Wir müssen unsere Parlamente und Regierungen zwingen, etwas zu tun.

Denn es hapert seit Beginn der sogenannten Industriellen Revolution an dem Willen der gewählten Volksvertreter und Regierungen, das Zusammenleben in einer Gesellschaft mit den richtigen Gesetzen zu regeln.

Wartet man auf die "Selbstverpflichtungen" der Industrie und Unternehmer, dann wartet man bis man schwarz wird. Kunststoffe sind ,wie viele andere Produkte, Geräte und Maschinen der sogenannten Industriellen Revolution, Dinge, die so nie auf den Markt hätten kommen dürfen, weil sie vom Grunde her nicht verstanden worden sind. Niemand musste und muss eine tatsächliche Risiko- und Folgekostenabschätzung vornehmen, wenn er seine Produkte, Geräte und Maschinen herstellt und auf dem Markt anbietet.

Alle bisherigen Verfahren zur Wiedernutzung der in den Verkehr gebrachten Stoffe sind mehr oder weniger lausig. Und schlimmer noch, sogenannte "Abfallentsorgung und Abfallgesetze" ermöglichten und ermöglichen den Herstellern und Inverkehrbringern der Produkte, Geräte und Maschinen, sich herauszureden und nichts grundsätzlich an den Dingen zu ändern. Teilweise hat das Parlament und die Regierung etwas getan, sonst würden noch heute z.B. verbleitetes Benzin und phosphathalige Waschmittel produziert. Aber Parlament und Regierungen tun immer zu wenig und zu spät. Die Industrie und die Unternehmer aber tun von sich aus wenig bis gar nichts, man muss sie mit den richtigen Gesetzen dazu zwingen.

Michael Braungart (promovierter Chemiker und Verfahrensingenieur) sagt im Grunde nichts anderes, als dass wir mehr und bessere Naturwissenschaft und Technik brauchen und darauf gründend eine sorgfältige und drastisch zu veringernde Auswahl an zu produzierenden Stoffen. Sein Ansatz geht übrigens von einer arbeitsteiligen Gesellschaft aus, an der alle teilhaben können, indem sie etwas durch ihrer Hände Arbeit herstellen. Deshalb auch der von ihm geforderte bessere und schnellere Materialdurchsatz, welcher allen Menschen den Konsum von Gütern erlaubt. So müssen ständig neue Dinge produziert werden, die dabei gleichzeitig verbessert werden können. Und diese Produktion und der Konsum der Produkte bringt die Leute in Lohn und Brot.

Das ist etwas, was den Leuten vom NABU zuwider ist, weil sie mit ihrem romantisierten Naturbild des 18. Jahrhunderts dadurch als Organisation überflüssig werden würden. Deshalb bekämpfen sie einen guten Ansatz, anstelle ihn zu fördern und zu verbreiten. ["... NABU-Umweltexpertin Indra Enterlein bezweifelt jedoch, dass sich die Kreisläufe ganz schließen lassen. Den Ansatz von der Wiege zur Wiege findet sie zwar charmant, weniger aber das Plädoyer für einen unbegrenzten Konsum. ..."] Sie helfen insgeheim damit den alten Industrien und den wohlhabenden Leuten, die sich ein entschleunigtes und entindustrialisiertes Leben leisten können. Der große Teil der Bevölkerung interessiert sie dabei einen Dreck.

Braungarts Ansatz schließt übrigens eine kleine, wirkungsvolle und wirtschaftliche Produktionsweise gar nicht aus, sondern fordert sie sogar. Denn kleine Produktionseinheiten lassen sich besser umsteuern und auf neue Produkte einrichten als die riesigen alten Industrien. Leider gibt es vor allem bei sogenannten Umweltschützern als auch im Parlament und der Regierung so erbärmlich wenig Sachverstand von Naturwissenschaft, Technik und vernünftigen Gesetzen sowie einen ausgeprägten Unwillen, anderen zuzuhören, sie zu verstehen und von ihnen zu lernen.

Das Motto Jute statt Plastik war vor 35 Jahren gut, um Ansatzweise ein Problembewußtsein zu schaffen. Heute taugt es zu gar nichts.

miauxx 06.08.2012 | 22:40

Wenn es wenigstens mal damit anfangen würde, die wirklich überflüssigsten Verpackungen wegfallen zu lassen! Selbst so eine kleine SD-Speicherkarte ist von einem Haufen Plastik umhüllt ... Oder die Plastetüten beim Obst- und Gemüsekauf, die doch gut wegfallen bzw. durch kompostierbare Papiertüten, den selbstmitgebrachten Stoffbeutel etc. ersetzt werden könnten ...

gewissen 07.08.2012 | 02:23

rene artois:

ja, das stimmt. informationsmüll ist solcher, der banales oder längst bekanntes immer und immer wieder aufgreift, wo möglich noch mit dem anspruch, etwas neues aufklärendes beizusteuern. wie wäre es mit weiteren artikeln über die schädlichkeit des fleischkonsums, des individuellen autoverkehrs, der zerstörung der lebensgrundlage durch die wälderrodung, der unvernunft der zersiedelung durch perversen eigenhütten-wunsch usw, usw, zumal wenige tage zuvor ein ähnlicher plastartikel lanciert wurde. die kommentare dazu liessen keinen zweifel daran, dass die kapitalistische produktionweise für dieses plastik- und verschwendungsdesaster verantwortlich ist. über das rapide anwachsen kleinster stabiler plastikpartikel in den meeren schreiben inzwischen selbst journalisten in der fleischerpost und der bäckerblume, in diesem sinne informationsmüll, für welche freitagleser geschrieben?

Gustlik 07.08.2012 | 07:55

Wir dürfen seit einigen Wochen nicht mehr unseren Stoffbeutel über die Bäckertheke reichen. "Von Amts wegen", der Hygiene, meint der Bäcker.

Ansonsten kocht ja alles mit. Wenn ein Plastelöffel, Gabel oder Kelle in einem Topf so richtig "ausdünstet", können wir die Zusammensetzung dann im Körper nachweisen. Fackelmann und Fackelfrau eben.

h.yuren 08.08.2012 | 13:03

die teutonen sind die letzten, die sowas merken. sie müssen regelmäßig von brüssel ermahnt werden, die vorschriften von dort zu beachten und umzusetzen, so wie die regierenden in berlin in schöner regelmäßigkeit ihre gesetze vom verfassungsgericht kassiert kriegen. von der vergeblichkeit der rechnungshöfe gar nicht zu reden.

das jammern hilft nicht. aber es gibt hoffnung. das öl als grundlage/ausgangsmaterial vieler produkte wird teurer und knapper. in zehn, zwanzig jahren wird das schwarze gold so teuer und so knapp sein, dass sich die preise für die derivate kaum noch bezahlen lassen. dann wird die unkontrollierte massenproduktion von tüten, tuben, flaschen etc. sich totlaufen.

aber der kardinalfehler des systems der unkontrollierten produktion wird bleiben, wenn nicht doch ein systemwechsel geschieht, wonach die wissenschaftlich-technische produktion auch wissenschaftlich-technisch überwacht und gesteuert wird. der wilde markt zeigt ja schon deutliche schwäche-anfälle. wildwuchs stoppt sich selbst nach einer gewissen zeit, wie in der natur die überproduktion auch beizeiten einbricht und auf normalniveau oder darunter absinkt. die macher wähnen sich oft, zu oft außerhalb der naturgesetze.

gelse 15.08.2012 | 21:25

Zum Beispiel der Holzstiel bei Zahnbürsten: Ein Kohlenwasserstoffpolymer hat den Vorteil, dass es sich nicht mit Wasser vollsaugen kann und man somit keinen Pilzbefall befürchten muss. (Gegen den ja Chemikalien eingesetzt werden, die auch nicht ganz harmlos sind. Und öfter wegschmeissen ist keine Lösung, weil steigender Holzverbrauch wieder andere Probleme verschärft.)

Allerdings darf dieser hochwertige Werkstoff Polymer, wenn er mal da ist, nicht weggeworfen werden, sondern muss in vielen Verwertungszyklen wiederverwendbar sein. Die Polymerchemie hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht, weil Erdöl zum Discountpreis gehandelt wird. Und in einer Gesellschaft, die alles dem Streben nach Kapitalrendite unterordnet, sagt eben die kapputtalistische Betrübswirtschaft den Naturwissenschaften, was sie zu tun und zu lassen haben.