Christian Füller
Ausgabe 3214 | 20.08.2014 | 06:00 32

Wieso, weshalb, warum

Inklusion Eigentlich dürften behinderte Kinder ihre Schule frei wählen. Die Debatte um dieses UN-Menschenrecht aber wird immer brutaler geführt

Betty hat den Stuhl erklommen. Jetzt sitzt sie auf dem erhöhten Platz. Sie hält ein Buch in ihren Händen und liest. Die Klasse ist mucksmäuschenstill. Alle lauschen Betty, aber niemand versteht sie. Denn das zwölfjährige Mädchen, das gerade den „Lesethron“ ihrer Klasse eingenommen hat, kann gar nicht lesen. Sie ahmt es nur nach. Und wird trotzdem hinterher rauschenden Beifall von ihren Mitschülern bekommen.

Betty, die einen Ast zu viel auf Chromosom 21 hat, gehört trotz ihrer schweren geistigen Behinderung zu ihrer Klasse in der Waldhofschule im brandenburgischen Templin. Ganz selbstverständlich. Auch wenn sie mit den anderen Schülern nicht mithalten kann, die vorher ihre Geschichten vorgelesen haben. So sind das Mädchen und ihre Schule sind zum Vorbild geworden. Sie haben den Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung gewonnen, weil sie die erste Schule mit echter Inklusion waren – und eine herausragende dazu.

Inklusion ist ein Wortungetüm. Es bedeutet so etwas Ähnliches wie „Integration behinderter Kinder“, nur noch ein bisschen mehr. Nämlich: Jedes Kind gehört von Anfang an dazu, auch dann, wenn es ein Handicap hat. Das hört sich zunächst einmal sehr sozial und gut an. Aber inzwischen gibt es deswegen einen kleinen Volksaufstand. Schließlich ist der Gewinn des Schulpreises durch die inklusive Waldhofschule bereits ein paar Jahre her. Im Jahr 2010 war das. Inzwischen sollen allerdings prinzipiell alle Schulen einen Thron für Kinder wie Betty errichten. Sprich: Behinderte müssen nicht mehr, wie es bisher üblich war, zwangsweise in eine Förderschule. Kinder mit Handicaps und ihre Eltern können sich jede Schule frei wählen, in die sie gehen wollen.

Im Prinzip ist das so einfach. In der Realität jedoch klappt die Umsetzung nicht immer. Und das hat verschiedene Gründen: Die Schulbehörden weigern sich noch häufig, behinderten Kindern den Zugang zu normalen Schulen tatsächlich zu gewähren. Diese Praxis ist zwar rechtswidrig, denn Deutschland hat im Jahr 2009 die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Das bedeutet, diese Konvention ist Gesetz in Deutschland; es macht die freie Schulwahl für behinderte Kinder zu einem Menschenrecht.

Zweitens funktioniert Inklusion zwar in Dutzenden Modellschulen. Längst gibt es neben der Waldhofschule viele andere, die Kinder mit Handicaps erfolgreich mitlernen lassen; die Bertelsmann-Stiftung etwa zeichnet seit 2009 inklusive Schulen mit dem Jakob-Muth-Preis aus. Die Liste der Preisträger ist ansehnlich. Aber die Schule um die Ecke kann Inklusion oft nicht. Dort fehlt es dafür an vielem. Mangelndes Geld, Haltung, Fortbildung – das sind die drei Hauptgründe, die allerorten für die Probleme genannt werden.

Inklusion ist eigentlich eine sehr achtsame und sensible Angelegenheit. Es sind große Emotionen im Spiel. Aber der Ton in der öffentlichen Debatte ist regelrecht brutal geworden, seit auch die Autoren der Feuilletons gemerkt haben, dass Inklusion nicht länger nur ein Wort ist, sondern Wirklichkeit wird. Ein „soziales Experiment“ werde da exekutiert, heißt es. Und dann ist die Rede davon, dass die „Gleichmacherei der 1970er“ wieder da sei. Aber: Dass behinderte Kinder Rechte haben, davon schweigen viele gern. Die UN-Konvention, auf der die Inklusion fußt, wird häufig nicht einmal genannt.

Bruch der UN-Konvention

„Wie kann man so verwegen sein, ein debiles Kind in ein Gymnasium zu geben!“ Die Frau, die das sagt, ist Elternsprecherin eines Gymnasiums. Für sie bricht eine Welt zusammen, wenn sie vom „Fall Henri“ hört. Henri ist ebenfalls ein Down-Kind, und seine Mutter war so frech, das Menschenrecht auf Inklusion für ihren Jungen ernst zu nehmen und ihren Sohn einfach bei der nächstgelegenen Schule anzumelden. Es handelt sich dabei um ein ziemlich exklusives Gymnasium im baden-württembergischen Walldorf. Inzwischen hat sich das Gymnasium entschieden, sich zu weigern, Henri aufzunehmen. Ohne Zweifel ein klarer Bruch der UN-Konvention.

In der nachfolgenden Debatte fühlte man sich ein bisschen an das Jahr 1933 erinnert. Damals wurden in Deutschland die Grundrechte der Bürger abgeschafft. Und nun, im Jahr 2014, wurde Henri sein Menschenrecht verweigert. So einfach ist das. Aber das sich anschließende öffentliche Bedauern galt nicht etwa dem Jungen, sondern „der armen Schule, die ein debiles Kind aufnehmen muss“. Inklusion gerne, schimpft die Elternvertreterin des Gymnasiums Walldorf, die ihren Namen nicht nennen mag. „Aber, bitteschön, nur, wenn das Kind die Voraussetzungen mitbringt!“

Inklusion ins Gymnasium, das ist der Musikantenknochen der hiesigen Schuldebatte. Wie soll das auch gehen: Inklusion inmitten der Exklusivität? Deutschland hat traditionell ein exklusives Schulsystem. Die dreigliedrige Schule wurde lange als geradezu gottgegeben angesehen. Und Förderschulen gehören gar nicht zum allgemeinen Schulwesen, sie sind sozusagen das Kellergewölbe. Sie entwickelten sich historisch aus den Schulen für Schwachsinnige oder Hilfsschulen, die Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre in Sonderschulen umbenannt wurden. Inklusion kann da kopfmäßig eigentlich nicht klappen. Jedenfalls nicht auf Anhieb.

Dabei ist bereits wissenschaftlich bestätigt, dass die Inklusion funktionsfähig ist und für die behinderten Kinder sogar zu besseren Leistungen führt. So haben etwa die letzten Studien der Bildungsforscherin Petra Stanat unter Viertklässlern zeigen können, dass Kinder mit Handicaps in Regelschulen mehr und schneller lernen, als wenn sie Förderschulen besuchen. Sie erarbeiten sich einen Lernvorsprung von einem halben Jahr bis zu einem Jahr. Der Vorteil des inklusiven Unterrichts sei „überraschend groß“, sagte Stanat, die Direktorin des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen ist. Sie selbst habe mit diesen Ergebnissen „nicht gerechnet“.

Die Studie untermauert ältere Untersuchungen des Erziehungswissenschaftlers Hans Wocken. Der hatte festgestellt, dass kognitive Fähigkeiten und IQ von behinderten Kindern in Förderschulen abnehmen. Wocken, der sich selbst als „Botschafter der Inklusion“ bezeichnet und in die deutsche UNESCO-Kommission „Inklusion“ berufen wurde, erlangte einige Berühmtheit, weil er sagte, an Förderschulen herrsche „kognitive Friedhofsruhe“. Er weigerte sich, weiter von Förderschulen zu sprechen, „denn sie fördern nicht“. Der treffende Begriff sei Sonderschulen.

Der kurze Frühling ist vorbei

Die Eltern behinderter Kinder waren zunächst glücklich, als die UN-Konvention ratifiziert wurde. Denn sie beendete ihren Spießrutenlauf durch die Behörden. Falls sie ihr Kind nämlich nicht in das deutsche Sonderschulsystem mit neun eigenen Schulformen (von lern- bis geistig behindert) und über 400.000 Schülern stecken wollten, bekamen sie es mit den Bürokraten zu tun. So war es vor der Konvention. Dann kam eine kurze Phase, in der mit den Behörden ziemlich viel möglich war.

Inzwischen aber ist der kurze Frühling wieder vorbei. Während nämlich die Schulbehörden (mehr schlecht als recht, aber immerhin) beginnen, Inklusion möglich zu machen, bekommen die Eltern nun die ganze Härte ihrer Mitmenschen zu spüren. „Erst haben sie Kinder mit Downsyndrom umgebracht, dann haben sie sie ,in Watte gepackt‘ und de facto in Sonderschulen weggesperrt, jetzt wissen sie nicht mehr, was sie tun sollen“, sagt Petra Dorrmann gerne. Sie spielt auf die Nazis und die Hilfsschulen an. Die Filmemacherin ist wütend, Dorrmanns Tochter hat Trisomie 21. Die Mutter ist es leid – wie so viele Eltern behinderter Kinder. Sie, die so viel kämpfen müssen, sie mögen nicht mehr kämpfen.

Rebecca Saunders hat auch eine Tochter mit Downsyndrom. Sie sagt: „Inklusion ist ein Weg, es geht nur Schritt für Schritt.“ Aber das Recht, dass ihr Kind eine Schule ihrer Wahl besucht, das wird sich Saunders nicht mehr streitig machen lassen. „Ich weigere mich darüber zu diskutieren, ob meine Tochter auf der Straße gehen darf, ohne angeglotzt zu werden. Ob sie auf eine öffentliche Schule gehen darf. Ob sie leben darf. Diese Zeiten sind vorbei.“ Dann läuft ihr eine Träne herunter. Eine. Danach ist sie wieder klar und stark.

Inklusion muss man lernen

An Dorrmann, Saunders und ihren Töchtern kann man sehen, wie kompliziert Inklusion auch da sein kann, wo die Schule die Kinder nicht zurückweist. Die beiden Frauen bringen ihre Töchter auf eine Privatschule, die Inklusion auch sofort zu ihrem Aushängeschild machte. In der Klasse sind zusätzlich ein Sonderpädagoge und ein Schulhelfer. Ideale Voraussetzungen und dennoch stellte die Inklusion alles vorher Dagewesene auf den Kopf. Manchmal fühlen sich jetzt die Mitschüler ungerecht behandelt. „Wenn sich die Trisomie-Kinder falsch verhalten, dann müssten die doch auch ins Silentium“, kritisieren zwei Jungen. Silentium heißt das Nachsitzen an der Schule, es wird zum Beispiel ausgesprochen, wenn jemand dreimal zu laut war.

Aber was ist gerecht? Was ist der Umrechnungsfaktor für Strafarbeiten zwischen normal und behindert? Wenn ein „normales“ Kind dreimal zu laut ist – und das „behinderte“ Kind fünfmal? Inklusion führt jede Normalitätsvorstellung ad absurdum. Das muss man lernen. Und da muss man viel erklären, zum Beispiel, dass der Name Down-Syndrom nicht daher kommt, dass die Kinder immer down, also depressiv, wären. Das dachten die Klassenkameraden der beiden Trisomie-Kinder von Saunders und Dorrmann lange.

Rebecca Saunders hat noch eine andere Wahrheit. Ihre Tochter erträgt den Klassenrat nicht, jene Versammlung am Freitag, bei der die Schüler Demokratie üben. Blöderweise müssen die Schüler dabei immer lange still im Kreis sitzen und einander zuhören. Saunders’ Tochter wirft sich dann schon mal aus Protest auf den Boden, was ihre Mitschüler nervt. „Ich bin wütend, wenn ich höre, wie das passiert“, sagt Saunders. „Dieses Verhalten zeigt sie normalerweise nicht. Offensichtlich frustriert, drückt sie so ihre Langeweile aus – und das interpretieren die anderen Kinder dann als ‚behindert‘. Dabei ist es der Fehler des Lernmodells, nicht des Kindes.“

Wer wissen will, wieso das mit der Inklusion so kompliziert ist, muss sich auch den Fall Sylvia Löhrmann anschauen. Löhrmann ist eine Grüne, die Inklusion schon richtig und gut fand, als die meisten Deutschen noch nicht mal das Wort kannten. Sie hat sogar einmal den Jakob-Muth-Preis für Inklusion überreicht. Seit Löhrmann aber Schulministerin in Nordrhein-Westfalen ist, hat sich das geändert. Jetzt scheint Inklusion für sie keine Herzensangelegenheit mehr zu sein, sondern ein Pokerspiel. Als der Städtetag in NRW im vergangenen Jahr ausrechnete, dass echte Inklusion über 100 Millionen Euro kosten würde, da blockte und trickste das Land. Inklusion, sagte Löhrmann als Ministerin, müssten Kommunen und Schulträger bezahlen. Es handle sich dabei um „keine zusätzliche Aufgabe“.

Aber der Verwaltungsterminus „zusätzliche Aufgabe“ ist auch so ein Wort: In Nordrhein-Westfalen bedeutet es, dass das Land den Schulträgern erst dann zur Hilfe kommt, wenn eine Aufgabe mehr als 4,5 Millionen Euro im Jahr kostet. 100 Millionen gegen 4,5 Millionen. Das ist eine Differenz von 95,5 Millionen. Oder 95,5 Prozent. Und vielleicht beschreibt diese Zahl ziemlich exakt, wie weit die exklusive Normalität derzeit noch von Inklusion entfernt ist.

P.S. An der Schule von Petra Dorrmann und Rebecca Saunders wurde die Zahl der Schulhelferstunden gerade von 25 auf zwölf halbiert. „Die Debatte ist eine Täuschung“, sagt Saunders dazu: „Ohne die Finanzierung kann Inklusion nicht gelingen. Was die Politik sagt und was sie wirklich macht, steht in einem groben Widerspruch.“ Im Moment steht zu befürchten, dass das noch schlimmer wird.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 32/14.

Kommentare (32)

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2014 | 08:46

Gefühlsmäßige Anerkennung erfährt der Mensch in der Familie, weil er Familienmitglied ist. Weder Schule noch Arbeit sind dafür der richtige Ort.

Unsere Gesellschaft ist hocharbeitsteilig, es gibt für fast alle Arbeiten jemanden, der darauf spezialisiert ist. Es gibt auch ein soziales Kastensysten mit Übergängen in höhere Kasten und vor allem in untere Kasten. Schulen schaffen diese Kasten nicht ab.

Die früher noch als Hilfsschulen und mit dieser Bezeichnung als Makel behafteten Schulen entwickelten sich über die Jahrzehnte von den dann als Sonderschulen bezeichneten zu den heutigen Förderschulen. Dazu wurden ebenfalls über die Jahrzehnte verschiedene und recht respektable Pädagogiken entwickelt und Pädagogen ausgebildet, einerseits für geistig und andererseits für sozial Lernbehinderte, damit man den jeweiligen Kindern besser gerecht werden kann. Und natürlich könnte man dieses System auch besser machen. Und damit den Kindern angemessener und gerechter. Darüber aber wird nicht diskutiert. Eine Diskussion darüber wird erst gar nicht bedacht.

Wer hingegen die verschiedenen Förderschulen einfach abschaffen will, sollte das schon gut begründen können.

Wer so etwas anführt: „....In der nachfolgenden Debatte fühlte man sich ein bisschen an das Jahr 1933 erinnert ...“, will und kann wohl auch nichts begründen. Abgesehen davon, dass der Autor dieses Satzes wohl kaum das Jahr 1933 erlebt haben dürfte. Man kann auch sagen, dass dieser Satz des Autors so richtig daneben ist. Oder, dass auf den groben Klotz dieses Satzes auch ein grober Keil gehört. Seit den 1970ern hat sich der Gebrauch des Nazivergleichs übrigens inflationiert, unter anderem mit der Folge, dass die Nazizeit damit beschönigt wurde und wird, wenn ja schon jeder gesellschaftliche Mißstand gleich so was darstellt, wie die Nazizeit, kann die Nazizeit ja nicht so schlimm gewesen sein. Andere wiederum sind über diese Nazivergleiche immer noch zu recht empört und erbost, was ein gutes Zeichen ist, weil ihr politischer und moralischer Kompaß noch stimmt.

Wenn nun durch stichprobenartige Studien feststellbar war, dass einige Kinder an Regelschulen besser aufgehoben waren und dass Förderschulen scheinbar nicht ihrem Zweck dienen, eben die Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern, dann kann man sich auch fragen, was möglicherweise Gründe dafür sein könnten. Durch ungesteuerten, unkontrollierten und noch andauernden Massenzuzug wurde unsere Gesellschaft und eben auch die Schulen und die Situation an den Schulen seit den 1970ern nicht besser.

knattertom 20.08.2014 | 15:53

Vielen Dank für diesen wichtigen und interessanten Beitrag.

"Inklusion ist ein Wortungetüm. Es bedeutet so etwas Ähnliches wie „Integration behinderter Kinder“, nur noch ein bisschen mehr. Nämlich: Jedes Kind gehört von Anfang an dazu, auch dann, wenn es ein Handicap hat. "

So wie ich Inklusion verstehe und auch wie es in Wikipedia beschrieben ist, bezieht sich das Wort nicht speziell auf Menschen mit einem Handikap, sondern beschreibt doch einfach das Gegenteil von Exklusion, also Teilhabe statt Ausschluss.

Das es derzeit vorrangig um die Teilhabe von Behinderten geht, ist nur ein erster Schritt, geht man den Weg konsequent weiter, werden auch andere Bevölkerungsgruppen folgen.

"Im Prinzip ist das so einfach. In der Realität jedoch klappt die Umsetzung nicht immer. Und das hat verschiedene Gründen: Die Schulbehörden weigern sich noch häufig, behinderten Kindern den Zugang zu normalen Schulen tatsächlich zu gewähren. Diese Praxis ist zwar rechtswidrig, denn Deutschland hat im Jahr 2009 die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Das bedeutet, diese Konvention ist Gesetz in Deutschland; es macht die freie Schulwahl für behinderte Kinder zu einem Menschenrecht."

Es ist traurig, so etwas lesen zu müssen...., zumal sich in solchen Fällen offensichtlich zeigt, was für Charaktere sich in Deutschland in Klassenräume und später in die Schulbehörden verirren. Menschen mit Angst vor dem realen Leben. Wenn sie dann von diesem, in jener Form, doch eingeholt werden, ist die einzig bekannte Reakion "Abwehr", anstatt sich für die Rechte der Menschen einzusetzen.

Vor allem im Bereich Kunst kann ich mir vorstellen, dass Menschen mit einem geistigen Handikap möglicherweise sogar grössere Leistungen vollbringen können als "Normale", ähnlich wie autistische Menschen im mathematischen Bereich einen Vorteil zu haben scheinen.

In Stammesgesellschaften galten "geistig Behinderte" häufig als hellsichtig und wurden verehrt......

knattertom 20.08.2014 | 16:01

"Wer so etwas anführt: „....In der nachfolgenden Debatte fühlte man sich ein bisschen an das Jahr 1933 erinnert ...“, will und kann wohl auch nichts begründen. Abgesehen davon, dass der Autor dieses Satzes wohl kaum das Jahr 1933 erlebt haben dürfte. Man kann auch sagen, dass dieser Satz des Autors so richtig daneben ist."

Mir ist noch bildlich und verbal eine Szene aus Anfang der 80er Jahre in Erinnerung...., in Hamburg lag dort eine Behindertenwerkstatt und Sonderschle an der gleichen Buslinie.

Am Nachmittag war dort Arbeitsschluss und im Bus fuhren dort einige Beschäftigte mit und waren nicht mucksmäuschenstill sondern, wie andere Jugendliche und junge Erwachsene manchmal auch, etwas lauter. Beim Aussteigen kam den der O-ton einer alten Frau heraus: "Bei Adolf hätte man so etwas vergast!"

So etwas ist daneben....., daran zu erinnern ganz gewiss nicht.

Martin Cuno 20.08.2014 | 22:39

Das Eingangsbeispiel von Betty auf dem Lesethron bringt die Absurdität der (keineswegs auf den vernünftigen Geist und Buchstaben der UN-Konvention zurückgehenden) Inklusionsideologie zum Ausdruck. Na gut, ich drücke mich zurückhaltender aus: Es bringt zum Ausdruck, wie sehr anscheinend Geschmackssache ist, was man unter Erziehung und Bildung versteht. Der tosende Applaus für Betty hat schon einen merkwürdigen Beigeschmack, oder? Die beiden jugendlichen Mädchen mit Down-Syndrom in meiner Sonderschul-Klasse würden mir etwas husten, wenn ich solch menschenverachtenden Zirkus mit ihnen veranstalten würde – aber dieses beachtliche Verhalten würde wohl von Herrn Wockens Statistiken (die er selbst vor zehn Jahren noch ganz anders interpretiert hat) nicht als Bildungserfolg erfasst werden.

Maximilian2 20.08.2014 | 23:15

Sie bemängeln die Härte der Debatte. Um dann selbst die Nazikeule auszupacken? Ihr Ernst?

Leider bleibt ihr Beitrag zu diesem wichtigen Thema zudem vage und ist schlecht recherchiert.

Kinder mit sogenannten Down-Syndrom sind keine "Trisomie"-Kinder. Sondern besitzen meist eine freie Trisomie des Chromosom 21. Andere chromosomale Trisomien existieren ebenfalls, manche sind mit dem Leben nicht vereinbar, andere wie das Klinefelter-Syndrom dagegen beeinträchtigen weder die Intelligenz noch die Lebenserwartung.

Überhaupt bestimmen Beiträge über Kinder mit Trisomie 21 derzeit in vielen Bereichen die öffentliche Diskussion zur Inklusion im Regelschulsystem und vernachlässigen das große Spektrum all der anderen bisher an Förderschulen unterrichteten und betreuten Kinder. Auch ihr Artikel macht hier wiedermal keine Ausnahme. Genauso stereotyp die pauschale Verdammung der Förderschulen, für deren parallelen Erhalt einige Eltern behinderter Kinder derzeit kämpfen. Leider kommen diese hier erst gar nicht zu Wort.

Zu behaupten das UN-Recht sei klar gebrochen worden, als das von Frau Ehrhardt gewählte Gymnasium eine Beschulung ablehnte ist ihre persönliche Auslegung. Frau Ehrhardt wurden insgesamt 3 Regelschulen im Umkreis angeboten, die ihren Sohn inklusiv beschult hätten, die sie aber alle drei ablehnte.

Die UN-Konvention verlangt einen freien Zugang zum Regelschulsystem, nicht aber zur freien Wahl einer x-beliebigen Wunschschule innerhalb des Regelschulsystems.

Das Ergebnis der Studie von Frau Stanat, die sie hier leider nicht weiter erläutern, ist auch nicht so unumstritten, wie Sie es hier glauben machen wollen. Es wäre wünschenswert dies dem Leser nicht vorzuenthalten. So wurde in der Studie der Schweregrad der Behinderung der Probanden nicht beachtet, was geeignet ist das Ergebnis zu verzerren und die einfache Aussage "behinderte Kinder lernen an Regelschulen ((generell)) besser" so nicht gemacht werden kann. Auch verringert sich der Lernabstand zu Kindern im Förderschulsystem mit zunehmender Zeit. Zudem interessiert auch die frage ob und unter welchen Umständen nicht behinderte Kinder im inklusiven Schulsystem gleich gut oder besser lernen.

So mag es auch sicherlichsein, dass die eine Lernmethode für ein Kind mit Behinderung schlicht ungeeignet ist, für das nicht behinderte Kind dagegen sehr gut ist. Diesen Spagat zwischen diesen unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen zu bewältigen wird nun Aufgabe vieler Lehrer sein, die zum großen Teil herzlich wenig Unterstützung dabei erhalten und hierfür nicht ausgebildet wurden:

... Ohne die Finanzierung kann Inklusion nicht gelingen. Was die Politik sagt und was sie wirklich macht, steht in einem groben Widerspruch.“ Im Moment steht zu befürchten, dass das noch schlimmer wird. ...

Richtig. Die geplante Inklusion hat eklatante Mängel. Weswegen es umso wichtiger wäre das Thema mit der gebührenden Objektivität und inhaltlichen Qualität zu besprechen.

NicBender 21.08.2014 | 18:46

Wieso sollte ein Kind mit Downsyndrom ohne die benötigten Vorraussetzungen auf ein Gymnasium gelassen werden? Es macht durchaus Sinn körperlich behinderte Menschen in normale Klassen zu integrieren, da sie geistig voll auf der Höhe sind, aber bei Menschen, die geistig stark eingeschränkt sind, würde sich doch einerseits Frust entwickeln, da sie das Lerntempo nicht mitgehen können, auf der anderen Seite, würden sie zumeist den Unterricht stören und somit die anderen einschränken. Ich denke Inklusion kann in viele, aber nicht in allen Fällen funktionieren.

Polle 22.08.2014 | 19:56

Das Problem zeigt sich so wunderschön in beinahe jedem Artikel über das Thema Inklusion. Dabei ist es einfach. Zu einfach.

Inklusion ist keine Methode, es beschreibt auch keinen Zustand, es ist auch kein Recht, -
es ist eine Einstellung.

Der Entwurf zum Menschenrecht auf Teilhabe ist viele Jahrzehnte alt. Wer aufmerksam liest, erkennt den ideellen Anspruch den der Entwurf der Vereinten Nationen enthält.

Inklusion, konsequent betrachtet, muss bedeuten nicht zu fragen ob, nicht zu fragen wie, sondern grundsätzlich "natürlich" zu sagen, so wie man bei grün geht und bei rot steht.
Inklusion hat den Anspruch mit seiner Erfüllung seine Bedeutung vollständig zu verlieren. Wenn Inklusion funktioniert, immer und überall, dann ist Inklusion ein überflüssiges Wort. Und genau hier liegt das Ziel. Du sollst lernen, dass ein Mensch ein Mensch ist. Der Makel den wir immer wieder in den Mittelpunkt stellen, darf im Denken nicht mehr existieren.

Unmöglich, Absurd! Da kommen doch praktische Grenzen auf uns zu! Treppensteigen - Aufzug, zusätzliches Peronal, Wickeltische, Umgang mit Kathetern, Anpassung der Regeln und Strukturen, - wer soll das alles leisten, wer soll das bezahlen?

Genau diese Fragen dürfen sich mit Erfüllung von Inklusion garnicht stellen. Man muss aufhören über Inklusion nachzudenken, wenn man Inklusion leben möchte.

Nicht weniger, aber auch eben nicht mehr, beschreibt das Wort Inklusion. Man kann sicher dafür, dagegen oder irgendwie dazwischen stehen, aber den größten Fehler den wir so oft gemacht haben, machen wir schon wieder: Wir reden ÜBER Andere, nicht MIT Ihnen. Das wäre übrigens auch Inklusion, wäre es selbstverständlich.

Lethe 23.08.2014 | 11:53

Dabei ist bereits wissenschaftlich bestätigt, dass die Inklusion funktionsfähig ist und für die behinderten Kinder sogar zu besseren Leistungen führ

Das ist genau die Art von Pauschalisierung, die das Gespräch über Inklusion so schwierig machen kann. Inklusion funktioniert für manche Kinder und manche Klassen, für andere nicht. Und das nicht allein wegen mangelhafter Kapazitäten von Schulen, sondern weil bei weitem nicht alle geistigen Behinderungen gemeinschaftsfähig sind.

Außerdem stellt sich zusätzlich eine umgekehrte Frage: Was ist mit dem Recht nichtbehinderter Kinder auf eine möglichst gute Ausbildung? Wie wirkt sich der Sonderstatus eines trotz unangemesser Voraussetzungen inkludierten Kindes auf das Leistungsniveau einer Klasse aus? Gibt es dazu auch schon wissenschaftliche Untersuchungen?

Und letztlich ist Nichtteilhabe ein Problem, dem allein mit schulischer Zugehörigkeit gar nicht beizukommen ist. Exklusion tritt gesellschaftsweit und beinahe von Geburt bis zumTod auf. Die derzeitige Inklusionsdebatte wirkt auf mich zumindest so, als solle den Schulen einfach nur noch ein Problem aufgebürdet werden, mit dem sich sonst niemand belasten will.

Achtermann 23.08.2014 | 18:38

"Da kommen doch praktische Grenzen auf uns zu! Treppensteigen - Aufzug, zusätzliches Peronal, Wickeltische, Umgang mit Kathetern, Anpassung der Regeln und Strukturen, - wer soll das alles leisten, wer soll das bezahlen?"

Das ist ein zentraler Punkt der Praxis. In Deutschland wird das Lehrpersonal von den Ländern finanziert. Die Schulgebäude, die laufenden Unterhaltskosten sowie das Inventar sind von den Schulträgern zu stemmen. Und das sind die Kommunen bzw. die Landkreise, die dafür sorgen müssen, dass etwa Fahrstühle ein- oder Wickelräume angebaut werden.

Wie sieht es beispielsweise aus mit Blinden, mit Gehörlosen? Wie soll der Unterricht in einer Regelklasse gestaltet werden können, um den Kindern gerecht zu werden? Ein unterrichtender Lehrer kann das nicht leisten, zumal er dafür nicht ausgebildet ist. Also wird Zusatzpersonal benötigt. Doch woher soll das kommen? Von den Förderschulen, die zu schließen bzw. zu verkleinern sind. Doch wird man keinen Lehrer für Gehörlose oder Blinde einer einzigen Schule zuordnen können, da die Eltern die Wahl haben, wo sie ihr Kind unterrichten lassen wollen. Also wird es Wanderlehrer geben, die an mehreren Schulen als Zweitlehrer in den Klassen stehen, aber nicht mehr die Möglichkeit haben, eine anhaltende pädagogische Beziehung zum Kind aufzubauen.

Mit der von oben verordneten Inklusion, deren Befürworter nicht bereit sind, die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, bürden den Betroffenen Probleme in Potenz auf.

Maximilian2 23.08.2014 | 20:53

Danke! Ja, das sind so die ganz praktischen Heruasforderungen, die in der oft ideologisch geführten Diskussion - und dazu zählt auch dieser Artikel leider - ausgeklammert werden. Tatsächlich reicht das Spektrum der nun zu inkludierenden Kindern von rein körperlich behinderten Schülern - die übrigens in diversen Schulen bereits entsprechend ihrem kognitiven Niveau integriert sind - über sinnesgeschädigte Kinder, zu emotional und sozial auffälligen Kindern und geistig beeinträchtigen Kindern. Und das alles nicht hübsch sortiert, sondern übergreifend, teils mehrfach schwerst betroffen bis hin zur Bettlägerigkeit und auch fortschreitenden Erkrankungen, die schließlich infauste Prognosen nach sich ziehen.
Je nach individuellem Fall ist es mit einer barrierefreien Umgebung getan, oder aber es bedarf stark beziehungsbasierter Hinwendung geschulten Personals oder pflegerische Kompetenzen sind gefragt (Sondenkinder, Epilepsie etc.), manchmal alles zusammen.

Wenn man natürlich immerwährend relativ fitte Schüler mit Down-Syndrom zeigt und von Frau Ehrhardt inspiriert Gymnasien zu elitären Unter-sich-Bleibern verunglimpft, könnte der Eindruck entstehen, es handle sich bei Kritikern nur um starre uneinsichtige Betonköpfe, die die Inklusion verhindern wollen. Das scheint derzeit eine beliebte und dabei sträflich oberflächiche Haltung in den linken Medien zu sein.

Polle 24.08.2014 | 06:07

Ich gebe ja jedem Recht der Schwierigkeiten sieht, wollte aber darstellen, dass es bei "Inklusion" nicht um, (s.o.), eine Methode geht. Die Diskussion wird falsch geführt.

Also mal ehrlich, natürlich hat jedes Kind das selbe Recht auf alles, egal ob schiefe Zähne oder gleich ganz ohne Arme.

Wir führen nun eine "ABER" Diskussion. Die kann es garnicht mehr geben. Das ist ratifiziertes Menschenrecht.
Als Pädagoge runzel ich auch die Stirn über das WIE, aber die Frage OB stellt sich mir garnicht. Ich werfe doch nicht eine Behinderung als Argument gegen eine Behinderung ins Rennen: Blinde können nicht mit Nicht-Blinden zur Schule gehen weil sie Blind sind. Das ist keine Begründung.
Man muss über das WIE diskutieren, aber endlich das OB aus der Diskussion lassen, ob man das gut oder schlecht findet und weissgott ich sehe das auch sehr kritisch, aber ich kann mich schon wieder nur wiederholen: Die OB-Diskussion ist abgehakt. Unwiderruflich.

Polle 24.08.2014 | 06:12

Ich verliere mich grad selber in den Begrifflichkeiten und muss hinzufügen, obwohl ich mir vorstellen kann das klar ist was gemeint ist:

Wie, ob, aber - Will sagen: Machen müssen wir es eh, ob wir wollen oder nicht. Das ist unsere Pflicht, also sollte die Diskussion endlich objektiv die Möglichkeiten diskutieren die geschaffen werden müssen oder vorhanden sind um eben einen Blinden und einen Nicht-Blinden zusammen zu unterrichten.



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Ehemaliger Nutzer 24.08.2014 | 07:42

@Polle 22.08.2014 | 19:56

'... Unmöglich, Absurd! Da kommen doch praktische Grenzen auf uns zu! Treppensteigen - Aufzug, zusätzliches Peronal, Wickeltische, Umgang mit Kathetern, Anpassung der Regeln und Strukturen, - wer soll das alles leisten, wer soll das bezahlen? ...'

Nun, die von Ihnen als rhetorisches Mittel eingefügten und von anderen tatsächlich vorgebrachten 'Argumente' wirken nur, weil wir daran gewöhnt wurden, die gegenwärtigen Verhältnisse in der von uns geschaffenen technischen Umwelt [Häuser, Straßen mit Bordsteinkanten, Busse, Bahnen ...] einfach in die Zukunft fortzuschreiben, anstelle darüber nachzudenken, warum die von uns geschaffene technische Umwelt so ist, wie sie ist: nämlich nicht menschen- und lebensgerecht.

Würde man sowohl in Parlamenten und Regierungen als auch in der Industrie von vornherein die Dinge anders geplant und gemacht haben, hätten wir eine weitestgehend barrierefreie Gesellschaft, die allen nützen würde: Ob von Geburt an oder durch Unfall Geschädigten, Kinder, gebrechliche Alte mit Rollatoren oder Frauen/Männer mit Kinderwägen ... ; all die kämen mit einer anders gestalteten technischen Umwelt besser zurecht. Dafür scheint kein Bewußtsein vorhanden zu sein.

Und was einmal unbedacht und gedankenlos (fehl-) konstruiert und gebaut wurde, läßt sich nicht im Handumdrehen ändern. Daran wird man eigentlich erinnert, wenn über Einbeziehung der Ausgegrenzten gesprochen wird. Die Fehler der Vergangenheit holen uns da ein.

Die technische Umwelt muss neu gedacht werden. Dann ändert sich auch das andere Denken, wird selbstverständlich, so dass man über Einbeziehung und Ausgrenzung gar nicht mehr sprechen muss, weil es den Menschen fremd geworden ist, diesem Gegensatz zu denken.

Wenn die gefühlsmäßige, moralische und rechtliche Erpressung aus der Debatte genommen wird, kann man darüber sachlich und nüchtern sprechen. Der anklägerische Ton und die Forderungen an uns alle in Artikeln wie dem von Christian Füller verunmöglichen aber so eine Diskussion und schaden mehr als das sie helfen.

Achtermann 24.08.2014 | 09:03

"Blinde können nicht mit Nicht-Blinden zur Schule gehen weil sie Blind sind. Das ist keine Begründung. Man muss über das WIE diskutieren...".

Eben. Doch die Politik und deren mediale Begleiter wie der Autor des Artikels suchen sich Beispiele aus - am liebsten Trisomie 21 - um zu belegen, dass das gemeinsame Unterrichten doch gar nicht so kompliziert sei.

Wer mal Bildungseinrichtungen gesehen und mit dem Personal gesprochen hat, in denen Behinderte beschult werden, kann sich nur sehr schwer vorstellen, dass diese Arbeit an "normalen" Schulen geleistet werden könnte. Allein die notwendige technische Ausstattung übersteigt alles, was sich der gemeine Kommunalpolitiker vorstellt. Die öffentliche Debatte, die sich zwangsläufig in den Medien abspielt und deren Protagonisten gerne ihren Außenblick schweifen lassen, ist größtenteils eine, die den Betroffenen Hoffnung macht, dass alles gut werde. Unter diesem Motto übergibt die Gesellschaft die Verantwortung an die Schulen. Diese werden jedoch als Verweigerer und als moralisch Zwielichtige - siehe den Artikel oben - dargestellt, ohne in den Blick zu nehmen, dass die personelle und sachliche Ausstattung, ja das gesamte deutsche Schulwesen, auf den Prüfstand gehören.

Es müsste eine mittelfristige Finanzplanung einschließlich der Ziele, die man in sagen wir mal fünf Jahren erreichen möchte. Es müsste sofort daran gearbeitet werden, dass es Schule im herkömmlichen Verständnis nicht mehr geben wird. Es müsste in die Gesellschaft hineingetragen werden, dass dort zwar Lehrer arbeiten, aber auch Ärzte, Psychologen, Therapeuten und Pfleger.

Hier die Inklusionseinrichtung, die ich von innen gesehen habe: Stephen-Hawking-Schule.

roswitha 24.08.2014 | 09:57

"Die OB-Diskussion ist abgehakt. Unwiderruflich".

Das sehe ich genauso wie sie. Ich frage mich allerdings, ob Inklusion diesem Menschenrecht tatsächlich gerecht wird oder nur eine Scheinlösung ist. Denn: Differenzierung ist immer nötig! Ab dem Moment, wo man aus der Differenzierung den Begriff Selektion macht, wird die Diskussion scheinheilig. Ist das WIE, so wie es in Deutschland erfolgreich ausgeführt wurde (ich kenne mehrere Sonderschulpädagoginnen, denen das Gruseln kommt), wirklich etwas, das gegen die Menschenrechte verstößt? Gleiche Rechte für jeden, natürlich, selbstverständlich, aber heißt das auch, zusammen in einem Klassenraum zu sitzen und dann erst recht zu merken, dass andere einem überlegen sind?

Die Tatsache, dass wir alle unterschiedlich begabt sind, bringt schon in Regelschulen enorme Probleme mit sich.

Maximilian2 24.08.2014 | 13:50

Die Stephen-Hawking-Schule ist das Dach für verschiedene Schultypen als staatlich anerkannte Privat-Schule. Hier wird also mit privaten Geldern ausgeglichen, was staatlich nicht finanziert wird. Das schafft unter anderem die Voraussetzungen, die man sich für Inklusion wünschen würde. Kleine Klassenteiler, barrierefreie gut ausgetstattete Schulräume, viel und gut ausgebildetes Personal. Die Schule arbeitet sowohl integrativ, unterhält aber auch eine Förderschule. Zugang zum Gymnasium erhalten Kinder laut Webpage vornehmlich mit entsprechender Grundschulempfehlung. Quereinstieg möglich. Eine Integration geistig behinderter Kinder scheint dort aber nicht angestrebt, man konzentriert sich in diesem Zweig der Schule darauf jene Kinder bestmöglich auf das Abitur vorzubereiten, die dazu grundsätzlich kognitiv in der Lage sind. Das würde Herr Füller wohl wiederum als Bruch der UN-BRK interpretieren. Es darf wohl ideologisch begründet keine Spezialisierung mehr geben.

An vielen Förderschulen erhalten die betreuten Kinder ihre Therapien vor Ort. Im Zuge der Inklusion sehen sich nun diverse Eltern behinderter Kinder - abgesehen davon, dass teils weder Transport der Kinder zur Schule noch bauliche Voraussetzungen der Schule zu Schulbeginn geregelt wurden und geeignetes Personal fehlt - mit der Tatsache konfrontiert, diese Therapien zusätzlich selbst organisieren zu müssen. Wieviel Abstriche muss ein Kind machen, damit es (vordergründig) "gleich" ist?

In Berlin schafft man soeben das Sonderpädagogik-Studium ab und implementiert dies in das Lehramtstudium, angeblich auf dem selben Niveau. Wie ein Regelschullehrer mit dem beabsichtigten Wanderzirkus an Sonderschulpädagogen per wöchentliche Stundenzuweisung die inklusive Beschulung schaffen soll, ist mir ein Rätsel. Wie das der neue Einheits-Alles-Könner-Lehrer hinbekommen möchte unter den gegebenen Voraussetzungen erst recht.

Es geht offenbar vorallem um die Quote - bereits jetzt wirft man sich Prozentzahlen um die Ohren, wieviele Schüler wo bereits inklusiv beschult würden und wertet die bare Zahl ohne weitere Evaluation der Bedingungen dahinter als Erfolg - und um reine Rhetorik.

Achtermann 24.08.2014 | 15:38

Hinweis:

Der Autor schreibt:

"Inklusion ist ein Wortungetüm. Es bedeutet so etwas Ähnliches wie „Integration behinderter Kinder“, nur noch ein bisschen mehr. Nämlich: Jedes Kind gehört von Anfang an dazu, auch dann, wenn es ein Handicap hat. Das hört sich zunächst einmal sehr sozial und gut an. Aber inzwischen gibt es deswegen einen kleinen Volksaufstand. Schließlich ist der Gewinn des Schulpreises durch die inklusive Waldhofschule bereits ein paar Jahre her. Im Jahr 2010 war das."

Der Pisaversteher, wie der Autor sich selbst nennt, bezieht sich hier auf den Preis der Bertelsmann-Stiftung, über die LobbyPedia schreibt:

"Die Bertelsmann Stiftung gehört zu den einflussreichsten neoliberalen Denkfabriken im Land. Wirkmächtig propagiert sie die Privatisierung von staatlichen Bereichen und fördert den Wettbewerb auf allen Ebenen. Die Stiftung ist Haupteigentümerin der Bertelsmann SE. Zwar sind die Stiftung und die Bertelsmann SE zwei formal getrennte Einheiten, jedoch sind beide eng personell verflochten und werden faktisch von der Unternehmerfamilie Mohn kontrolliert."

Die preisgekrönte Schule ist eine private unter der Oberaufsicht der evangelischen Kirche.

zephyr 24.08.2014 | 16:31

Der Begriff Inklusion meint in der Tat "ein bisschen mehr" als die Integration von Kindern mit Förderbedarf: das Recht auf soziale Inklusion (im Gegensatz zur Exklusion) haben nicht nur behinderte Kinder, sondern auch diejenigen ohne Förderbedarf, sowie alle weiteren Menschen, nicht nur Kinder und Jugendliche.

Inklusion als Anspruch an eine Gesellschaft meint nichts weniger als das Recht auf die Durchsetzung sämtlicher verbriefter/ratifizierter Menschenrechte.

Dass der Begriff Inklusion in der augenblicklichen Debatte gleichgesetzt wird mit der "Integration behinderter Kinder an öffentlichen Schulen" ist ein Ergebniss ungenauer Recherche allerorten.

Wie dem auch begrifflich sei: wir sollen und werden damit nun in den Schulen in NRW beginnen: packen wir's an und benennen wir die garantiert kommenden und schon vorhandenen Probleme, wenn's auch bis zur Lösung mindestens eine Schülergeneration dauern wird.

lebowski 24.08.2014 | 17:31

"Betty hat den Stuhl erklommen. Jetzt sitzt sie auf dem erhöhten Platz. Sie hält ein Buch in ihren Händen und liest. Die Klasse ist mucksmäuschenstill. Alle lauschen Betty, aber niemand versteht sie. Denn das zwölfjährige Mädchen, das gerade den „Lesethron“ ihrer Klasse eingenommen hat, kann gar nicht lesen. Sie ahmt es nur nach. Und wird trotzdem hinterher rauschenden Beifall von ihren Mitschülern bekommen."

Muss man das verstehen oder gut finden? Oder ist man, wenn man auf den Schwachsinn dieses Ereignisses hinweist, schon einer der beklagten Brutalinskis.

Wofür kriegt Betty Applaus? Für die schauspielerische Leistung, so zu tun, als ob sie liest?

zephyr 24.08.2014 | 21:11

@Lebowski

"Für die schauspielerische Leistung, so zu tun, als ob sie liest?"

Genau.

Also, wie schon gesagt, gilt Inklusion für alle, auch für Sie. Ich gebe Ihnen mal ein Bespiel:

"Lebowski hat den PC angeschaltet. Jetzt sitzt er auf dem textproduzierenden Platz der Freitag Community. Er benutzt eine Tastatur und schreibt. Die Community ist mucksmauschenstill. Alle lesen Lebowskis Worte, aber niemand versteht sie. Denn Lebowski, der gerade auf dem textproduzierenden Platz sitzt, kann gar nichts Genaues zur Integration behinderter Kinder in öffenliche Schulen sagen. Er tut nur so. Und wird trotzdem hinterher rauschende Kommentare von seinen Lesern bekommen."

Das ist Inklusion!

Gänseblümchen 03.09.2014 | 15:33

Ehrlich gesagt finde ich diesen Beitrag nicht gut. Was soll er mir sagen, was steht da für ein Sinn dahinter? Schon seit zwei Tagen denke ich nur darüber nach.

Natürlich ist Inklusion wichtig, aber Inklusion hat nunmal auch seine Grenzen. Wie soll es funktionieren ein Trisomie 21 Kind in eine 11. Klasse Gymnasium zu integrieren? Glauben Sie wirklich, dass das mit 1 Millionen Euro mehr Budget der Schule zu erreichen wäre? Glauben Sie wirklich, dass das Kind nicht merkt, dass es nicht die selbe Leistung erbringen kann wie die anderen Kinder?Natürlich erbringt es Leistung, aber dennoch ist diese anders. Man sollte niemanden unter seinem Level halten. Aber wäre es dann nicht besser das Niveau der Sonderschulen zu erhöhen, statt zu versuchen einer Illusion hinterherzulaufen, die nicht machbar ist (auch nicht mit mehr finanzieller Unterstützung).

Ich gehe in die 12. Klasse und weiß was das für ein Stress ist. Wie viele Leute ohne Behinderung auf der Strecke bleiben. Wie sollen Kinder, die (ohne es böse zu meinen) mehr Defizite mitbringen, auf dem gleichen Level spielen (siehe Betty). Und ist es auch gegen die Menschenrechte, wenn das Mädchen kein Abitur erreichen kann, weil es nunmal nicht lesen kann?

Ist es gegen die Menschenrechte, wenn ein anderes Kind, welches sehr gut lesen könnte, aber nun einfach nicht gut Deutsch spricht und die Förderung nicht erhält, "nur" in die Mittelschule gesteckt wird, weil niemand an es glaubt?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte selbst das Studium der Sonderpädagogik ergreifen. Aber ich finde irgendwann reicht es auch und man sollte versuchen den Alltag zu leben, so wie er sich präsentiert und nicht immer versuchen aus verschiedenen Zutaten Gold zu mischen.

Inklusion ist wichtig. Aber man kann auch nicht um jeden Preis Dinge erzwingen. Das ist wie Birnen mit Äpfel zu vergleichen. Auch wenn man dies zwar in unserer Gesellschaft nie aussprechen darf, aber ein Kind mit Behinderung und eins Ohne sind nunmal verschieden und benötigen auch dringend verschiedene Förderungsarten.

Gänseblümchen 03.09.2014 | 15:33

Ehrlich gesagt finde ich diesen Beitrag nicht gut. Was soll er mir sagen, was steht da für ein Sinn dahinter? Schon seit zwei Tagen denke ich nur darüber nach.

Natürlich ist Inklusion wichtig, aber Inklusion hat nunmal auch seine Grenzen. Wie soll es funktionieren ein Trisomie 21 Kind in eine 11. Klasse Gymnasium zu integrieren? Glauben Sie wirklich, dass das mit 1 Millionen Euro mehr Budget der Schule zu erreichen wäre? Glauben Sie wirklich, dass das Kind nicht merkt, dass es nicht die selbe Leistung erbringen kann wie die anderen Kinder?Natürlich erbringt es Leistung, aber dennoch ist diese anders. Man sollte niemanden unter seinem Level halten. Aber wäre es dann nicht besser das Niveau der Sonderschulen zu erhöhen, statt zu versuchen einer Illusion hinterherzulaufen, die nicht machbar ist (auch nicht mit mehr finanzieller Unterstützung).

Ich gehe in die 12. Klasse und weiß was das für ein Stress ist. Wie viele Leute ohne Behinderung auf der Strecke bleiben. Wie sollen Kinder, die (ohne es böse zu meinen) mehr Defizite mitbringen, auf dem gleichen Level spielen (siehe Betty). Und ist es auch gegen die Menschenrechte, wenn das Mädchen kein Abitur erreichen kann, weil es nunmal nicht lesen kann?

Ist es gegen die Menschenrechte, wenn ein anderes Kind, welches sehr gut lesen könnte, aber nun einfach nicht gut Deutsch spricht und die Förderung nicht erhält, "nur" in die Mittelschule gesteckt wird, weil niemand an es glaubt?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte selbst das Studium der Sonderpädagogik ergreifen. Aber ich finde irgendwann reicht es auch und man sollte versuchen den Alltag zu leben, so wie er sich präsentiert und nicht immer versuchen aus verschiedenen Zutaten Gold zu mischen.

Inklusion ist wichtig. Aber man kann auch nicht um jeden Preis Dinge erzwingen. Das ist wie Birnen mit Äpfel zu vergleichen. Auch wenn man dies zwar in unserer Gesellschaft nie aussprechen darf, aber ein Kind mit Behinderung und eins Ohne sind nunmal verschieden und benötigen auch dringend verschiedene Förderungsarten.

Gänseblümchen 03.09.2014 | 15:33

Ehrlich gesagt finde ich diesen Beitrag nicht gut. Was soll er mir sagen, was steht da für ein Sinn dahinter? Schon seit zwei Tagen denke ich nur darüber nach.

Natürlich ist Inklusion wichtig, aber Inklusion hat nunmal auch seine Grenzen. Wie soll es funktionieren ein Trisomie 21 Kind in eine 11. Klasse Gymnasium zu integrieren? Glauben Sie wirklich, dass das mit 1 Millionen Euro mehr Budget der Schule zu erreichen wäre? Glauben Sie wirklich, dass das Kind nicht merkt, dass es nicht die selbe Leistung erbringen kann wie die anderen Kinder?Natürlich erbringt es Leistung, aber dennoch ist diese anders. Man sollte niemanden unter seinem Level halten. Aber wäre es dann nicht besser das Niveau der Sonderschulen zu erhöhen, statt zu versuchen einer Illusion hinterherzulaufen, die nicht machbar ist (auch nicht mit mehr finanzieller Unterstützung).

Ich gehe in die 12. Klasse und weiß was das für ein Stress ist. Wie viele Leute ohne Behinderung auf der Strecke bleiben. Wie sollen Kinder, die (ohne es böse zu meinen) mehr Defizite mitbringen, auf dem gleichen Level spielen (siehe Betty). Und ist es auch gegen die Menschenrechte, wenn das Mädchen kein Abitur erreichen kann, weil es nunmal nicht lesen kann?

Ist es gegen die Menschenrechte, wenn ein anderes Kind, welches sehr gut lesen könnte, aber nun einfach nicht gut Deutsch spricht und die Förderung nicht erhält, "nur" in die Mittelschule gesteckt wird, weil niemand an es glaubt?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte selbst das Studium der Sonderpädagogik ergreifen. Aber ich finde irgendwann reicht es auch und man sollte versuchen den Alltag zu leben, so wie er sich präsentiert und nicht immer versuchen aus verschiedenen Zutaten Gold zu mischen.

Inklusion ist wichtig. Aber man kann auch nicht um jeden Preis Dinge erzwingen. Das ist wie Birnen mit Äpfel zu vergleichen. Auch wenn man dies zwar in unserer Gesellschaft nie aussprechen darf, aber ein Kind mit Behinderung und eins Ohne sind nunmal verschieden und benötigen auch dringend verschiedene Förderungsarten.

Gänseblümchen 03.09.2014 | 15:33

Ehrlich gesagt finde ich diesen Beitrag nicht gut. Was soll er mir sagen, was steht da für ein Sinn dahinter? Schon seit zwei Tagen denke ich nur darüber nach.

Natürlich ist Inklusion wichtig, aber Inklusion hat nunmal auch seine Grenzen. Wie soll es funktionieren ein Trisomie 21 Kind in eine 11. Klasse Gymnasium zu integrieren? Glauben Sie wirklich, dass das mit 1 Millionen Euro mehr Budget der Schule zu erreichen wäre? Glauben Sie wirklich, dass das Kind nicht merkt, dass es nicht die selbe Leistung erbringen kann wie die anderen Kinder?Natürlich erbringt es Leistung, aber dennoch ist diese anders. Man sollte niemanden unter seinem Level halten. Aber wäre es dann nicht besser das Niveau der Sonderschulen zu erhöhen, statt zu versuchen einer Illusion hinterherzulaufen, die nicht machbar ist (auch nicht mit mehr finanzieller Unterstützung).

Ich gehe in die 12. Klasse und weiß was das für ein Stress ist. Wie viele Leute ohne Behinderung auf der Strecke bleiben. Wie sollen Kinder, die (ohne es böse zu meinen) mehr Defizite mitbringen, auf dem gleichen Level spielen (siehe Betty). Und ist es auch gegen die Menschenrechte, wenn das Mädchen kein Abitur erreichen kann, weil es nunmal nicht lesen kann?

Ist es gegen die Menschenrechte, wenn ein anderes Kind, welches sehr gut lesen könnte, aber nun einfach nicht gut Deutsch spricht und die Förderung nicht erhält, "nur" in die Mittelschule gesteckt wird, weil niemand an es glaubt?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte selbst das Studium der Sonderpädagogik ergreifen. Aber ich finde irgendwann reicht es auch und man sollte versuchen den Alltag zu leben, so wie er sich präsentiert und nicht immer versuchen aus verschiedenen Zutaten Gold zu mischen.

Inklusion ist wichtig. Aber man kann auch nicht um jeden Preis Dinge erzwingen. Das ist wie Birnen mit Äpfel zu vergleichen. Auch wenn man dies zwar in unserer Gesellschaft nie aussprechen darf, aber ein Kind mit Behinderung und eins Ohne sind nunmal verschieden und benötigen auch dringend verschiedene Förderungsarten.

Gänseblümchen 03.09.2014 | 15:33

Ehrlich gesagt finde ich diesen Beitrag nicht gut. Was soll er mir sagen, was steht da für ein Sinn dahinter? Schon seit zwei Tagen denke ich nur darüber nach.

Natürlich ist Inklusion wichtig, aber Inklusion hat nunmal auch seine Grenzen. Wie soll es funktionieren ein Trisomie 21 Kind in eine 11. Klasse Gymnasium zu integrieren? Glauben Sie wirklich, dass das mit 1 Millionen Euro mehr Budget der Schule zu erreichen wäre? Glauben Sie wirklich, dass das Kind nicht merkt, dass es nicht die selbe Leistung erbringen kann wie die anderen Kinder?Natürlich erbringt es Leistung, aber dennoch ist diese anders. Man sollte niemanden unter seinem Level halten. Aber wäre es dann nicht besser das Niveau der Sonderschulen zu erhöhen, statt zu versuchen einer Illusion hinterherzulaufen, die nicht machbar ist (auch nicht mit mehr finanzieller Unterstützung).

Ich gehe in die 12. Klasse und weiß was das für ein Stress ist. Wie viele Leute ohne Behinderung auf der Strecke bleiben. Wie sollen Kinder, die (ohne es böse zu meinen) mehr Defizite mitbringen, auf dem gleichen Level spielen (siehe Betty). Und ist es auch gegen die Menschenrechte, wenn das Mädchen kein Abitur erreichen kann, weil es nunmal nicht lesen kann?

Ist es gegen die Menschenrechte, wenn ein anderes Kind, welches sehr gut lesen könnte, aber nun einfach nicht gut Deutsch spricht und die Förderung nicht erhält, "nur" in die Mittelschule gesteckt wird, weil niemand an es glaubt?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte selbst das Studium der Sonderpädagogik ergreifen. Aber ich finde irgendwann reicht es auch und man sollte versuchen den Alltag zu leben, so wie er sich präsentiert und nicht immer versuchen aus verschiedenen Zutaten Gold zu mischen.

Inklusion ist wichtig. Aber man kann auch nicht um jeden Preis Dinge erzwingen. Das ist wie Birnen mit Äpfel zu vergleichen. Auch wenn man dies zwar in unserer Gesellschaft nie aussprechen darf, aber ein Kind mit Behinderung und eins Ohne sind nunmal verschieden und benötigen auch dringend verschiedene Förderungsarten.

meinereiner 03.09.2014 | 16:15

Bei der Inklusion werden in D alle Behinderten in einen Topf "geworfen". Es macht einen sehr großen Unterschied ob und inwieweit jemand körperlich behindert ist, ob und inwieweit jemand geistig behindert ist und wie die Ausprägung ist. Es müßte also unterschieden werden, - ebenso wie bei den "gesunden" Kindern auch. Hat ein ansonsten "normales" 0 nicht behindertes Kind aber z.B. Asthma, dann erhält es z.B. für den Sportunterricht bestimmte Ausnahmeregelungen. Hat ein Kind Epilepsie, wird es sofort als "behindert" eingestuft, auch wenn es nachweislich - schon im Alter von 4 jahren - lesen und schreiben sowie die Grundrechenarten beherrscht. Das Sozialverhalten ist sehr gut. Da irgendwie alle Angst haben es könnte doch mal einen entsprechenden Anfall in der Schule bekommen (ist medikamentös sehr gut eingestellt und die seltenen Anfälle kommen wenn dann stets ab Abend) soll es in eine Behindertenschule, - für geistig Behinderte also. Sehr interesassant. Als mein Sohn vor 30 Jahren eingeschult worden ist (private kathol. Schule) saß neben ihm ein Junge der sich regelmäßig infolge Zuckererkranung spritzen mußte. Niemand hatte damals damit irgendein Problem. Als dann bekannt wurde das ein Junge Legastheniker war, baten die Eltern des Jungen und die Schule die anderen Eltern um das Einverständnis, das der Junge die ersten drei jahre in Deutsch keine Zensuren bekommen solle. (Der Junge war in entsprechender therapeutischer Behandlung) Wir Eltern stimmten sofort ohne zu zögern alle zu. Also es ging doch schon immer dort wo ein Wille war. Im gleichen Atemzug allerdings werden Kinder mit z.T. schweren geistigen Behinderungen (allerdings ohne Anfallsleiden) und schweren Auffälligkeiten im Sozialverhalten in normale Schulen eingeschult und das bringt jetzt WEM bitte welche Vorteile ?

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 16:55

Die gesamte Diskussion wird getragen von einem geradezu beseelten Suchen nach der blauen Blume der Gerechtigkeit. Erinnerung an die vierte Klasse: Einer der Mitschüler konnte immer noch nur ganz, ganz schlecht lesen. Mühsam hangelte, stolperte und stotterte es sich durch den Absatz. Eine Katastrophe wurde es für den Jungen aber erst durch die Reaktion der Mitschüler, die man sich leicht vorstellen kann. Liebe Träumer: Kinder sind nicht nett. Schon gar nicht, wenn kein Erwachsener mehr zuguckt. Sie beleidigen, sie lachen aus, sie hänseln und beschimpfen. Und das wollen Sie einem kleinen behinderten Kind zumuten ? Sie wollen irgendwelche Träume auf diesen kleinen Schultern ausleben ? Hauen Sie ab. Das ist widerlich.