Daniela Dahn
Ausgabe 4816 | 11.12.2016 | 06:00 80

Die Guten und die Bösen

Märchen Eine einseitig ausgerichtete Presse prägt die Deutung der Schlachten von Aleppo und Mossul: ein Essay von Daniela Dahn

Es war einmal ein militärischer Angriff auf eine islamische Al-Qaida-Hochburg, der war von Anfang an verwerflich, ja ein Kriegsverbrechen. Einfach weil die Muschiks, die russischen Soldaten, machen konnten, was sie wollten, es kam immer ein abscheuliches Verbrechen heraus. In diesem Fall Aleppo, das nun in Assads Hände zu fallen droht. Es war ein Kampf gegen Aufständische mit Anstand, die mit westlichen Waffen wacker gegen den Despoten kämpfen, der unsere Absichten stört. Sicher, auch sie sind Islamisten, die ein Kalifat anstreben, aber ein demokratisches. Es sind nämlich unsere Islamisten. Die wir jederzeit fallen lassen können, wenn sie tatsächlich für ihre Interessen kämpfen und nicht für unsere. Zeugen zum Treiben dieser Glaubensbrüder waren bedauerlicherweise unauffindbar. Diktator Assad und die Russen führen gegen sie dennoch keinen der humanitären Kriege, wie bei uns üblich, sondern einen Krieg ohne Erbarmen. Mit verbrecherischen Bomben.

Es war auch einmal ein militärischer Angriff auf eine IS-Hochburg, der war von Anfang an rechtschaffen, ja eine heldenhafte Großoffensive. Mit humanitären Bomben, deren gezielter Tod nicht so qualvoll ist. Eine echte Alternative zum IS-Alltagsterror im irakischen Mossul. Um diese Einsicht zu befördern, kann man dessen unbezweifelbaren Schrecken nicht anschaulich genug schildern. Reporter konnten sich, im Gegensatz zu Aleppo, auf geflüchtete Augenzeugen berufen, um unsere berechtigte Wut wachzuhalten: brutale Hinrichtungen, Frauen, selbst hochschwangere, werden gefoltert, sie müssen nicht nur Vollschleier, sondern auch Handschuhe tragen. Kinder dürfen nicht mal Ball spielen und erzählen von abgehackten Händen.

Da kann man doch nicht einfach wegschauen wie in Aleppo, wo nichts zu sehen ist. Da muss man doch Verantwortung übernehmen. Vier von fünf UN-Vetomächten suchen derzeit in Syrien Bombenerfolg.

Mandat? War da mal was? Was zählt ein Stück Papier, wenn die Terroristen in Mossul Zivilisten als Schutzschilde nehmen. Nie hat man Vergleichbares von unseren mäßig gemäßigten Rebellen im Osten Aleppos gehört. Als Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien, sich überflüssigerweise schockiert zeigte über den rebellischen Beschuss von Wohnvierteln in West-Aleppo mit geächteten Waffen, verfielen wir taktvoll in bombastisches Schweigen.

Stattdessen sendete der ARD-Weltspiegel-extra eine Reportage, die mehrfach wiederholt wurde. Darin versichert ein ranghoher Soldat der irakischen Armee, dass alle Angriffsziele erst gründlich untersucht würden – sind Kinder in den Häusern oder Alte? Wenn ja, würde eben nicht bombardiert. So wünscht man sich das, so sehen gerechte Kriege aus, das ist friedensnobelpreisverdächtig. So sauber ausgewählt wird im Häuserkampf der Eineinhalb-Millionen-Stadt Mossul. Deren Bewohner ein Durchschnittsalter von 20 Jahren haben. Da sind sowieso ganz selten Kinder darunter.

27.000 PR-Spezialisten

In Ost-Aleppo dagegen, wo etwa sechsmal weniger Menschen leben, weil viele im Laufe des Stellvertreterkrieges der Großmächte schon geflohen sind, da gibt man sich gar keine Mühe, Zivilisten zu schonen. Wie der Einsatz von Chemiewaffen zeigt. Okay, nach den verheerenden Snowden-Papieren und dem investigativen Bericht des US-Journalisten Seymour Hersh konnten die mehr als 1.500 Toten des Saringas-Angriffs vom August 2013 bei Ghuta von seriösen Autoren Assad nicht mehr untergejubelt werden. Aber unlängst haben UN-Experten von neun Gasangriffen aus Hubschraubern auf Dörfern in den Jahren 2014 und 2015 zwei der syrischen Armee zugeordnet. Genaue Opferzahlen gibt es nicht, gelegentlich werden 13 getötete Menschen genannt. Und schon stimmt die Erzählung wieder: Der Tyrann Assad sichert seinen Machterhalt durch das Bombardieren seines eigenen Volkes. Da kann dieser im Schweizer Fernsehen noch so oft behaupten, man könne nicht gegen seine eigenen Leute gewinnen. Die Mehrheit der Zivilisten würde von Granaten der Terroristen getroffen. Es habe eigene Fehler gegeben, aber es gebe keinen sauberen Krieg in der jüngeren Geschichte. „Jeder Krieg ist ein schlechter Krieg“, so Assad. Solche Propaganda senden wir nicht.

Wie wir unsere argumentatorische Eleganz in den Medien immer so flächendeckend hinkriegen, hat zu unserem Missvergnügen 2009 der damalige Chef der US-Nachrichtenagentur AP, Tom Curley, publik gemacht. Wir konnten seinen Angaben nicht widersprechen, wonach im Pentagon 27.000 PR-Spezialisten mit einem Jahresbudget von fast fünf Milliarden Dollar arbeiten. Sie beeinflussen Agenturen und Medien mit gezielten Nachrichten und Desinformationen. Allein 2009 brachten es diese Pentagon-Lobbyisten auf lobenswerte 54.000 Pressemitteilungen, gut 3.000 Fernsehspots und 1.600 Rundfunkinterviews. Deren Wirkung können sich zum Glück auch Institutionen wie die Vereinten Nationen nicht entziehen. Vorsichtshalber bedrohten hohe Generäle Chefredakteur Curley nach dessen Angaben, sie würden ihn fertig machen, wenn seine Agentur allzu kritisch über das US-Militär berichten würde. Immerhin konnte er damit an die Öffentlichkeit gehen.

Die Sorgen einiger Ängstlicher, solche Berichte könnten irgendwelche Proteste auslösen, waren aber vollkommen unbegründet – niemand war überrascht. Alle wissen, wie es läuft. Schließlich ist das Pentagon mit seinen 3,2 Millionen Militär- und Zivilbeschäftigten der größte Arbeitgeber der Welt. Da fallen doch 27.000 PR-Leute gar nicht auf.

Die Folgen ihres Tuns erfreuen sich großer Akzeptanz unter den meisten Journalisten und Lesern oder Zuschauern der Medien, auf die es ankommt. Nur ein paar Forscher nörgeln gelegentlich, wie die von Swiss Propaganda, die im Juni einen Bericht vorlegten. Sie hatten unnötigerweise die Syrien-Berichterstattung der drei jeweils größten Zeitungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich in der Zeit unmittelbar nach Eintritt Russlands in den Syrienkrieg untersucht. 78 Prozent aller Artikel basierten auf Meldungen der großen Agenturen, null Prozent auf investigativer Recherche. Die Ausrichtung der Meinungsbeiträge, Gastkommentare und Interviewpartner war in der Welt, der Süddeutschen Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung und dem österreichischen Kurier zu 100 Prozent NATO-konform. Was will man mehr. Nur die FAZ schwächelte etwas mit einem ausgewogenen Beitrag. Alle Zeitungen haben Propaganda zu 85 Prozent in Russland verortet, zu null Prozent in NATO-Staaten.

Es hat nichts mit Propaganda zu tun, wenn Überlegungen, die es aus guten Gründen nicht in die PR-Agenturen schaffen, einfach nicht vorkommen. So erübrigt das hilfreiche Narrativ von den guten und den schlechten Bomben die unerwünschte Frage, ob die Bombardiererei im Kampf gegen islamistischen Terrorismus überhaupt etwas ausrichten kann. Außer unermesslichem Leid. Der Krieg gegen den Terror – ob geführt von der US-dominierten Koalition der Willigen oder der russisch dominierten Koalition der Unwilligen – hatte bisher zu unserer maßlosen Überraschung nirgends eine andere Wirkung, als den Terror zu vervielfachen. Genau das muss die Absicht sein, wenn dieser Krieg dennoch fortgeführt wird. Sonst käme man noch auf die Idee, Terrorismus, dieser auf teuflische Weise politisch gezeugte Homunkulus, könne auch nur politisch gebändigt werden. Vielleicht gar dadurch, mit diesen selbsterzeugten Ungeheuern zu reden.

Originelle Begründung

Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass der Krieg schnell beendet sein könnte. Wenn nämlich die Regime-Changer einlenkten und zugäben, dass es in Syrien trotz allem derzeit niemanden gibt, der mehr Rückhalt in der Bevölkerung hat als Präsident Assad. Fehlt noch, dass er Syrien zusammenhalten und früher oder später von internationalen Beobachtern kontrollierte Wahlen durchführen könnte, deren Ergebnis er wie behauptet akzeptiert. Für Selbstbestimmung sind die Syrer einfach noch nicht reif.

Denn was heißt hier, der Westen versuche jede Regierung zu stürzen, die ihm nicht gefällt. Die Vorherrschaft im Nahen Osten ist Voraussetzung für unser heimisches Wohl. In dieser Gegend gibt es überall Öl. Es wird wohl noch erlaubt sein, unsere Verbündeten zu unterstützen, etwa beim ungehinderten Transport saudischen Öls bis zum Suez-Kanal. Wenn Assad sich nicht erdreistet hätte, den Russen Förderrechte vor seiner Küste anzubieten, hätte er sich manches ersparen können.

Die humanitären Sanktionen des Westens gegen Syrien, besonders im medizinischen Bereich, haben Wirkung gezeigt und Menschen sterben lassen. Aber schließlich weiß doch jeder, dass das ganze Elend erst mit dem Eingreifen der Russen an Präsident Assads Seite begonnen hat. Aktivisten zufolge, schrieb unlängst die Zeit, soll Russland für bis zu 10.000 Tote verantwortlich sein, darunter 3.800 Zivilisten. Zugegeben, Staffan de Mistura geht von mindestens 400.000 Toten in Syrien vor Russlands Einmischung aus. Aber man soll nicht vom Wesentlichen ablenken: Kanzlerin Merkel spricht erst seit Russland im Spiel ist von „menschenverachtenden Bombardierungen“.

Haben die NATO und ihre Führungsmacht USA doch nach dem Zweiten Weltkrieg Maßstäbe gesetzt, für menschenachtende Bombardierungen. Angefangen vom großflächig eingesetzten Agent Orange in Südvietnam, das nur der Entlaubung diente, über Uranmunition, Clusterbomben und die Zerstörung chemischer Einrichtungen im Jugoslawienkrieg. Bis zu Phosphorbomben im irakischen Falludscha gegen Rebellen und Zivilisten, wozu der damalige Premierminister Blair überzeugend versicherte, sie hätten nur den guten Zweck gehabt, „Rauch zu erzeugen“. In dem in diesem Sommer erschienenen, 1.200 Seiten starken neuen Pentagon-Handbuch „Gesetz des Krieges“ ist die Massentötung von Zivilisten, genau wie im alten, selbstverständlich verboten. Es sei denn – wie auf Seite 187 hinreichend erklärt –, die Befehlshaber halten Angriffe auf zivile Ziele für militärisch notwendig und erfolgversprechend.

Deshalb darf es auch nicht verwundern, wenn für solche Sonderfälle angeblich inhumane Waffen wie Streubomben weiter hergestellt und gehandelt werden. Die Kritik von Facing Finance läuft daher ins Leere, wenn diese NGO deutschen Banken und Versicherungen vorwirft, mit Investitionen von 1,3 Milliarden Euro an der Herstellung geächteter Waffen beteiligt zu sein. Allen voran die Deutsche Bank Group, aber auch die staatlich geförderte Riester-Rente hat Anlagen von mehr als 500 Millionen Euro in diesen profitablen Unternehmen gezeichnet. Schließlich soll es unseren ahnungslosen Rentnern einmal besser gehen.

Die Bundesregierung hat sich für ihren Antrag, das Parlament möge den Einsatz der Bundeswehr nun auch auf Rakka ausdehnen, eine originelle Begründung ausgedacht. Da die syrische Regierung nicht in der Lage sei, Angriffe aus Rakka auf den Irak zu unterbinden, greife das Recht zur kollektiven Selbstverteidigung. Zwar ist im ganzen Internet von solchen Luftangriffen nichts zu lesen. Aber no problem – PR-Experten, übernehmen Sie. Schließlich waren Sie doch auch bei der Formulierung dehnbarer Resolutionen des UN-Sicherheitsrates hilfreich. Die genügen als Legitimation.

Ziel erreicht, wenn der doppelte Standard ein einfaches Standing ermöglicht. Es war einmal ein Völkerrecht. Das hat von Anfang an nur Scherereien gemacht. Heute schert es niemanden mehr.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 48/16.

Kommentare (80)

Achtermann 11.12.2016 | 10:42

Wir konnten seinen Angaben nicht widersprechen, wonach im Pentagon 27.000 PR-Spezialisten mit einem Jahresbudget von fast fünf Milliarden Dollar arbeiten. Sie beeinflussen Agenturen und Medien mit gezielten Nachrichten und Desinformationen. Allein 2009 brachten es diese Pentagon-Lobbyisten auf lobenswerte 54.000 Pressemitteilungen, gut 3.000 Fernsehspots und 1.600 Rundfunkinterviews.

Sehr wichtiges Faktum, das bei einer kritischen Sicht auf die Presse immer im Hinterkopf sein sollte. Wenn ich mir meine Tageszeitung durchlese und sehe, wie hoch der Textanteil der bekannten Agenturen ist, könnte man durchaus zu dem Schluss kommen, dass es so etwas wie unsichtbare publizistische Fäden gibt, die im Pentagon bedient werden.

Ein gängiger Begriff aus der Puppenspielerszene ist die Marionette, die von einem Spieler (wirtschaftsdeutsch: Player) an Fäden hängend bewegt wird, diesem ausgeliefert ist, weil er alle Bewegungen steuert. Wenn das Puppentheater gut dargeboten wird, vergisst man die Fernlenkung und lässt aus der Marionette eine eigenständig handelnde Figur werden. Sie beeindruckt und hinterlässt geistige Spuren.

Grenzpunkt 0 11.12.2016 | 11:50

Auch von mir vielen Dank an den Freitag, dass dieser Essay in der deutschen Presselandschaft erscheint.

Sonst muss man dafür die englischsprachige Presse, z.B. "The Independent" bemühen. Der dortige Nahostkorrespondent Robert Fisk hat gerade wieder einen Beitrag veröffentlicht, in dem er die Schlacht um Aleppo in einen Zuammenhang mit der um das Warschauer Ghetto stellt und in einer wunderbaren Argumentation zeigt, warum die "Rebellen" keine Helden sind.

koslowski 11.12.2016 | 13:30

Danke für den Artikel. Er entlarvt einmal mehr den Zynismus westlicher Politik und die Kumpanei der westlichen Medien. Also eigentlich nichts Neues, aber doch originell in der Erzählhaltung und darin, dass er immerhin andeutet, die Opfer und ihre Bündnispartner könnten möglicherweise auch Täter sein, wenn auch unter dem Druck der vom Westen geschaffenen Verhältnisse. Der FREITAG sollte Frau Dahn Gelegenheit geben, ihren Blick auf Syrien, Russland und ihre Staatsmedien ausführlich darzustellen.

OliverH 11.12.2016 | 19:21

Es ist köstlich, wenn Menschen derartige Beiträge schreiben, sich wohlfeil als aufgeklärt und humanitär preisen, während sie tatsächlich die Menschen der beiden Städte zu Viehzeug degradieren, das ihre aufgeklärte Meinung braucht, um zu wissen, was es zu bevorzugen hat. Aber Hauptsache, man kann sich dem allgemeinen Ruf "Lügenpresse" anschließen. Wenn man dabei Organisationen wie MSF gleichsam der Lüge bezichtigt - who cares. Man ist ja aufgeklärt und humanitär. Zumindest, solange man das ganze gemütlich von der Sicherheits des eigenen Bürostuhls machen kann. Wer sich dem Bombenhagel tatsächlich aussetzt kann ja nicht bei Sinnen sein und hat daher gefälligst die Fresse zu halten.

"The White Man's Burden" 2016

Flegel 11.12.2016 | 22:11

Sie betreiben bewusste Desinformation

»Aber Hauptsache, man kann sich dem allgemeinen Ruf "Lügenpresse" anschließen.«

Haben sie angesichts dieses langen und überzeugenden Artikels nur diesen einen polemischen Satz als Antwort? Wenn Sie kritisieren wollen, dann wäre es überzeugender, Sie würden argumentieren, statt die Autorin herunterzumachen.

Auch ich beschuldige die Politiker und systemdienlichen Medienleute, in realita eine Kultur der symbiotischen Kumpanei zu hegen und zu pflegen, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Sie betreiben bewusste Desinformation, nur um ihre verkommenen Ziele zu erreichen. Und dafür nehmen sie auch Hunderttausende von Kriegstoten und Millionen von Flüchtlingen in Kauf.

Den eigenen Dreck am Stecken nehmen nicht wahr, verkaufen sich als „westliche Wertegemeinschaft“ und sind doch ein dreckiges Angriffsbündnis.

Der Autorin meinen herzlichen Dank für diese Arbeit.

Zack 11.12.2016 | 23:15

Mit der heftigsten Niederlage seit ihrem Sieg über den „Ostblocks“, scheinen sich die Gegensätze innerhalb der westlichen Führungsmacht und auch der EU zu verhärten, die Kriegsfalken geben nicht auf, den Krieg am Laufen zu halten und ließen nach ihrem Kriegsrat in Paris verkünden, dass ihr Krieg mit dem Fall von (Ost)Aleppo noch lange nicht vorbei sei.

Dafür sprechen:

Die ungebrochen anhaltenden, aber immer beknackter werdenden Versuche US-amerikanischer Institutionen, die letzte Präsidentschaftswahl zu de-legitimieren ( jetzt sollen auch noch „die Russen“ Trump ins Weiße Haus gehievt haben, so die jüngsten „Erkenntnisse“ der „Agency“).

Der massive und „überraschende“ Angriff auf Palmyra. Eine angeblich aus dem Nichts auftauchende und mehrere Tausend Mann zählende, schlagkräftige und hochgerüstete Armee (angeb. „IS“), spaziert unbemerkt vom Irak nach Syrien und fällt seit gestern in Palmyra ein.

Das „versehentliche“ Bombardement der „Anti IS Koalition“, diesmal auf irakische Truppen kurz vor Mossul (90 Tote).

Die jüngsten Bombenanschläge in Kairo, Istanbul und auch Somalia, die jüngsten Erscheinungsformen innerwestlicher Auseinandersetzungen.

PS

Ein guter und wichtiger Beitrag von Frau Dahn.

Ursus 11.12.2016 | 23:23

Was kann man von einem Essay schon erwarten?

Ist er doch nichts weiter als eine kürzere, subjektiv gefärbte Abhandlung über ein bestimmtes Thema aus Kunst, Wissenschaft oder Philosophie.

Mit Politik hat das nichts zu tun, selbst dann nicht, wenn es wie hier um ein hoch politisches Scenario geht.

Wenn dann noch die üblichen Verdächtigen hier ihre Propaganda absondern, ist jede Widerrede zwecklos.

Realpolitik geht den Fundamentalisten hier am Allerwertesten vorbei.

miauxx 11.12.2016 | 23:47

Frau Dahn hat ja Recht ... aber irgendwie passt mir der polemische Ton nicht so richtig. Und wenn der Eingangssatz "Eine einseitig ausgerichtete Presse prägt die Deutung der Schlachten von Aleppo und Mossul" tatsächlich eine tiefe Beleutung erfahren soll, so gehörten auch die Beispiele einseitig geprägter Medien, die nicht dem westlichen Mainstream entstammen, angeführt. So fühlen sich freilich wieder nur die angezogen und bestätigt, die sich furchtbar aufgeklärt fühlen, weil sie nicht dem Spiegel oder der Tagesschau, dafür aber bereitwillig der Einseitigkeit der "anderen Seite" folgen. Es ist doch so im Infokrieg: Vielleicht aus guten Gründen will ich Quelle x nicht mehr glauben. Glaube ich dafür aber uneingeschränkt der Quelle y, weil sie mir deshalb besonders glaubwürdig erscheint, weil sie sich von x so gravierend unterscheidet, so spiegelt sich das Problem, das ggf. zu recht mit der Quelle x besteht nur auf der Seite von Quelle y.

Der hier vorliegende Artikel ist unter Aspekten der Analyse des westlichen Mainstreams und seiner medialen Verwertungslogik wohl nicht von der Hand zu weisen. Angesichts dessen, dass wir mittlerweile aber einen eskalierenden Meinungskrieg haben, der auch gravierend in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse hierzulande bzw. in Europa eingreift, fehlt mir der entscheidende Schritt, der einen Fortschritt zu der Vielzahl von Texten und Artikeln zum Thema aufweist. Kurz: Das haben wir so alle schon gefühlt x-mal gelesen, kommen hier aber über die nur gegenseitige Bestätigung in der Ablehnung des eben nur westlichen Meinungsmainstreams nicht wirklich weiter.

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Ehemaliger Nutzer 12.12.2016 | 00:50

Da haben Sie wieder einmal den Zynismus einseitiger Berichterstattung entlarvt - ja, genau so einseitig berichten viele Mainstream-Medien.

Gut, dass Sie mit Ihrer grotesk einseitigen Darstellung nun die andere Seite (Assad/Russland/Iran) in ganz analoger Weise als menschenfreundlich, hilfsbereit, rechtschaffen etc. in ihrer Kriegsführung dargestellt haben. (Ich weiss, das haben Sie gemacht, um die Einseitigkeitheit der Leitmedien-Berichte aufzuzeigen.)

Wenn man beide Seiten mit einiger Unabhängigkeit ansieht, wird deutlich: Ob Afghanistan von SU oder USA bombadiert und unterdrückt, ob Syrien jetzt von USA samt Partner oder Assad-Russland samt Partner - die Machtpolitik der Großmächte wird immer auf dem Rücken der "kleinen Menschen" ausgetragen. Und ihnen ist es egal, von wessen Bombe ihre Wohnung oder das Krankenhaus vernichtet wurde.

Ruben S. 12.12.2016 | 08:35

Beiträge wie dieser, aber auch beispielsweise das Interview mit Jürgen Todenhöfer hier auf freitag.de, geben mir hoffnung, dass die einseitige Berichterstattung nicht mehr lange einseitig bleiben wird und kann, weil die Leute sich nicht mehr verarschen lassen wollen und das Internet viel dazu beigetragen hat, dass das was unsere mainstream-Medien verbreiten immer mehr in Frage gestellt wird.

Gut so!

balsamico 12.12.2016 | 09:54

...dass es in Syrien trotz allem derzeit niemanden gibt, der mehr Rückhalt in der Bevölkerung hat als Präsident Assad.

Assad ist Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Er weiß genau, dass ein wie auch immer gearteter Friede nur ohne ihn möglich ist. Aber er zieht daraus keine Konsequenz, sondern wird nicht ruhen, bevor nicht das ganze Land in Schutt und Asche liegt. Was für ein Psychopath!

balsamico 12.12.2016 | 11:43

Wie kommen Sie darauf, dass plötzlich Frieden herrschte, sobald ein Assad abtreten würde?

Dass plötzlich Frieden herrschte, wenn Assad abträte, habe ich weder behauptet noch ist damit zu rechnen. Aber Assad ist jedenfalls ein Hindernis zum Frieden. Zwar ein Hindernis unter anderen, das ist wahr. Aber wenn er am Frieden interessiert ewäre, würde er wenigstens für seine Person die gebotene Konsequenz ziehen. Sein Abgang wäre jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Denn was könnte er noch Gutes erreichen?

Wäre es nicht Sache des syrischen Volkes und nicht die des "Westens", darüber zu entscheiden?

Ebensowenig ist es Putins Sache. Abgesehen davon besteht das syrische Volk nicht nur aus Assads Gefolgsleuten, was er aber so sieht. Denn wer gegen ihn ist, wird als Terrorist behandelt und wenn möglich getötet. Oder hat man schon einmal davon gehört, dass Assad geneigt wäre, sich mit seinen Gegnern zu arrangieren?

Hjoburg 12.12.2016 | 11:52

@Basalmico woher wissen Sie das?

Wie man hier wieder sehr schön nachlesen kann, ist doch wie einige sowas von indoktroniert sind, dass natürlich nur Assad das böse schlecht ím Westen darstellt. Mainstream Medien und Herrschende können ja nicht lügen?

Grundsätzlich einmal stell ich den Westen als sog. "Wertegemeinschaft" für die sich der Westen ja hält, generell in Frage. Der Mehrheit im Westen ist wohl eben jedes Mittel Recht, um seinen Kolionalismus egal wie perfide im Rest der Welt fortsetzen kann.

Alleine seit dem Ende des 2. WK, gab und gibt es mehr als 40 illegale Kriege, auf Grund von Lügen von westlichen Verantwortlichen, mit wie vielen Millionen unschuldigen Opfern? Wie viele Länder hat der Westen mit Milliarden von Dollar seit dem Destabilisiert? Solange der Westen mit seinen gerade einmal 10% der Weltbevölkerung den Rest der Welt als seine Kolonien betrachtet und auch so behandelt, braucht sich im Westen niemand über Terrorismus und Flüchtlinge beschweren. Terrorismus sind die Antwort, auf die westlichen illegalen Kriege, auf dem täglichen, westlichen Drohnen, Bomben und Wirtschaftsterror des Westens. Der Westen aber hält weiter an seinen Lebenslügen fest, die da u.a. wären, dass der relative Wohlstand im Westen alleine auf Fleiß und Erfindergeist beruhen. Tatsächlich waren schon immer illegale, Kriege, Ausbeutung, Kolionalimsus und Ressourcenverschwendung, des Westens dafür verantwortlich.

Rebellierender 12.12.2016 | 11:58

Dass plötzlich Frieden herrschte, wenn Assad abträte, habe ich weder behauptet noch ist damit zu rechnen. Aber Assad ist jedenfalls ein Hindernis zum Frieden. Zwar ein Hindernis unter anderen, das ist wahr. Aber wenn er am Frieden interessiert ewäre, würde er wenigstens für seine Person die gebotene Konsequenz ziehen. Sein Abgang wäre jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Denn was könnte er noch Gutes erreichen?

Assad hatte mehrfach seinen Rücktritt angeboten, das sollten wir nicht vergessen. Und wir sollten nicht vergessen, wer auf eine militärische Lösung gesetzt hat und sämtliche diplomatischen Friedensanstrengungen (Den erfolgreichsten Versuch halte ich für die Vereinbarung von Genf II, 2012. Ich kann mich noch sehr gut an das geifernde Gesicht einer Hillary Clinton erinnern, die vor der laufenden Kamera das Abkommen verbal zerriss, das sie kurz zuvor unterschrieben hat!) sabotierte.

Ebensowenig ist es Putins Sache. Abgesehen davon besteht das syrische Volk nicht nur aus Assads Gefolgsleuten, was er aber so sieht. Denn wer gegen ihn ist, wird als Terrorist behandelt und wenn möglich getötet. Oder hat man schon einmal davon gehört, dass Assad geneigt wäre, sich mit seinen Gegnern zu arrangieren?

Manche mögen mich jetzt als "Putinversteher" abkanzeln wollen, aber es ist nun einmal Fakt, dass Putin und Lawrow immer wieder in ihren Statements verlauten ließen, dass sie sich nicht das Recht anmaßen, sich über das syrische Volk zu stellen und ihnen vorschreiben zu wollen, wer es regiert. Dieses Recht nimmt sich ausschliesslich "der Westen" und seine sunnitischen (kopfabschneidenden) Verbündeten heraus.

In unseren Qualitätsmedien hat man tatsächlich nichts von derartigen Angeboten Assads gehört oder gelesen - da muss man dann schon auf alternative Medien zurückgreifen, laut denen es tatsächlich solche Angebote gegeben haben soll. Nicht zuletzt der damalige finnische Martti Ahtisaari berichtete Empörendes...

https://www.heise.de/tp/features/Westen-soll-2012-russischen-Syrien-Friedensplan-ohne-Assad-ignoriert-haben-3375461.html

Fro 12.12.2016 | 14:52

Danke für den engagierten aufklärenden Beitrag, Frau Dahn.

Skrupellose Mörder sind all die, die Kriege in Städten führen, in denen Menschen leben, die diese Kriege nicht wollen. Islamistische 'Gotteskrieger' samt ihrer Waffenlieferanten, die syrische Armee und ihre russischen Unterstützer sind gleichermaßen verantwortlich für diese Tragödie.

Diese Leute setzen auf Gewalt, anstatt die syrischen Menschen zu befragen, unter welchen Bedingungen sie leben wollen, und mit welchen Organisatoren sie einverstanden wären ...

Und den Schreibern der deutschen Mainstream-Medien schien es vollkommen natürlich und nicht kritikwürdig, dass von den Bürgern Aleppos nicht legitimierte sogenannte „Rebellen“ und „Aufständische“ eine ganze Stadt als Schlachtfeld für ihre Eigeninteressen nutzten und deren Bewohner als 'Schutzschilde' missbrauchten.
Wie runtergekommen ist das alles ...

Zack 12.12.2016 | 15:11

Assad ist jedenfalls ein Hindernis zum Frieden

Wenn eine neokoloniale Koalition („Freunde Syriens“) Krieg gegen ein Land führt, um eine ihre Interessen im Wege stehende Regierung („Assad“) abzuräumen, dann ist diese Regierung („Assad“) selbstverständlich ein Hindernis zum Frieden. Eine Binse also.

Frieden herrscht demnach erst dann, wenn er mit kriegerischer Beseitigung von Hindernissen, hergestellt worden ist!

Derselben Friedenslogik bediente sich auch der Deutschnationale Freiheitskampf anno 1941. Damals war der böse Diktator Stalin das Hindernis zum (deutsch-europäischen) Frieden.

Kein schönes Ding, so ein Frieden!

aseghers 12.12.2016 | 18:10

Dank auch von mir fuer D.D.s hervorragenden Artikel, mit einer Einsicht, die sonst abwesend ist im Medienmarkt. Hier ist mein Gedicht zu der Sache.

Gute Tote und schlechte Tote

Aleppo – Stadt schlechter Toten,

Stadt der Rebellen, die fuer Befreiung

Kaempfen, westliche Art,

Mit Gekoepften und

versteckten Frauen,

Aleppo – Assads Stadt,

Dessen Armee Menschen

als Schutzschild benutzt, eine humanitaere Krise,

Stadt der schlechten Toten,

Aleppo – Stadt der

Verbrecherbomben,

Die Freiheitskaempfer toeten, Aleppo,

Schlechte Stadt, schlechte Tote.

Mosul – Stadt guter Toten,

Stadt amerikanischer Freiheitsbomben,

Die Zivilisten toeten damit sie Freiheit gewinnen,

Schutzschildzivilisten mit

Versehentlichen Verletzungen und Tot, der ertraeglich ist,

Keine humanitaere Krise.

Mosul – Stadt der guten Bomben,

Die dankbare Frauen und Kinder

Tyrannisieren,

mit westlichen Kriegsplaenen

Und Verrat,

Mosul, gute Stadt, gute Tote.

Kritiker77 12.12.2016 | 19:04

Auch die auch von der Nato in Auftrag gegebenen Umfragen sahen eine große Unterstützung für Präsident Assad, nämlich 70 % (2013).

- Februar 2011 ergab nach Al Jazeera, eine Revolution in Syrien sei "unwahrscheinlich aufgrund von Assads Popularität"

- Ende 2011 widersprachen 91 % gewalttätigen Protesten gegen die Regierung (TESEV, Türkei)

- Mai 2012 bekam die Ba'ath Partei 60% der Stimmen

- Juni 2014 bei den Präsidentschaftswahlen bekam Assad 88 % der Stimmen.

Erzbischof Hindo im Gespräch mit Fides: „Wir werden selbst darüber entscheiden, wann Assad gehen muss und nicht der IS oder der Westen ... Und eines ist gewiss: wenn Assad jetzt geht, dann endet Syrien wie Libyen“.

koslowski 12.12.2016 | 20:29

Dass mein Kommentar Sie zu Ihrem Gedicht angestiftet hat, nun gut. Es unterstreicht, finde ich, die Mängel der Dekonstruktion der westlichen Märchen über Aleppo durch Frau Dahn, die m.E. darin bestehen, dass sie dieser Erzählung eine Erzählung entgegensetzt, die durch Auslassungen ebenfalls die Guten gegen die Bösen ausspielt. Deshalb mein Vorschlag, Frau Dahn möge sich in einem zweiten Text mit der Politik der syrischen und russischen Regierungen und der Rolle ihrer staatlich kontrollierten Medien auseinandersetzen.

optohol 12.12.2016 | 21:57

LP@ursus u. balsamico

Ausgezeichneter, faktenreicher Beitrag, Dank an DD für die Mühe ! Bei diesem Thema kann niemand neutral sein. Wer über Assad und Putin schwadroniert, aber die Interessen und das Wirken der Saudis und des Westens ausblendet, ist unglaubhaft. Es geht in Syrien nicht um Assad und Putin. Sie sind weder „das Böse“, noch ein Hindernis zum Frieden. Die Achse des Blöden führt (auch in Syrien) illegalen Krieg und praktiziert Staatsterror. „Blöd“, weil v.a. das Vorgehen der europäischen Politik nahezu jede sachliche Risikobewertung, Rechtsstaatlichkeit, UNO, Kausalität von Ereignissen und sogar die Überlebensinteressen der Menschheit ignoriert. Wie der Ukraineputsch, wurde natürlich (!) auch der syrische Regimechange mit handfesten monetären Interessen und lange vor Kriegsbeginn geplant - dazu auch: Robert F. Kennedy, Jr. www.nachdenkseiten.de/ . Der Krieg „passierte“ nicht, er war provoziert … evl. für Größeres (wie bei Afghanistan, wie von Brzezinski spät erklärt). Z.B. der Chef des US-Armeestabs, Mark Milley u.a. NATO-Militärs, erklärten im Oktober, dass (auch) ein Krieg mit Russland und China „fast unausweichlich“ sei. Clinton und auch Trump (21.03.16) machten, quasi vorab, dem Iran eine Kriegserklärung, was auf Gleiches hinausläuft. Wir Europäer sind dabei kaum als Gewinner, Akteure oder Komparsen, sondern wohl als Marionetten und Fluchtziel im britisch gesteuerten US-Drama „eingesetzt“. Dabei sind wir bereits mehrfach kriegsschuldig und reparationspflichtig, weil unsere Regierung seit Jahren (wenn auch nicht erklärt und kaum bekannt) kriegsbeteiligt ist. Siehe auch: Illegale Kriege: http://www.nachdenkseiten.de/?p=35408.

G.A. 12.12.2016 | 22:06

Ich habe gerade gelesen, dass ein CSU-Innenpolitiker einen Straftatbestand für Desinformationskampagnen im Internet gefordert hat. Ich kann das nur befürworten. Dann müssen wohl die meisten deutschen Medien ihren Internetauftritt abschalten um nicht permanent vor Gericht zu stehen. Denn eine einseitige Berichterstattung ist nichts anderes als Desinformation und Manipulation.

Aber vielleicht gibt es für „prowestliche Desinformation“ Strafnachlass.

Wer soll diese schon überprüfen können, wenn einseitige Informationen der anderen Seite nicht mehr zulässig sind. Vielleicht aber wäre dann auch obiger Artikel nicht mehr zulässig – und das wäre sehr schade.

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Ehemaliger Nutzer 12.12.2016 | 22:43

Nun, das Märchen beginnt mit einer friedlichen Demonstration in Daraa 2011, bei der 4 Demonstranten und 7 Polizisten erschossen werden. So beginnt die "Revolution". Von den 7 toten Polizisten liest man nichts in unserer Qualitätspresse, auch nicht davon, dass der syrische Präsident eine Untersuchung der ungesetzlichen Verhaftungen, die der Demonstration vorausgingen, angeordnet hat. Eine Grossdemonstration von bis zu 200.000 Menschen in Damaskus in einer der Folgewochen wird dann in unseren Qualitätsmedien als Demonstration der Regierungsgegner verkauft. Tatsächlich war das eine Demonstration für die Regierung. Soviel zum postfaktischen Zeitalter.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Anwerbungen für die "Freie syrische Armee", Einsickern zehntausender bewaffneter Jihadisten, Aufwiegelung der islamistisch gesinnten Landbevölkerung, erster Sturm auf Damaskus mit Eroberung von Ost- und Westghouta und Dharraya, Hilfe Israels für die FSA, das Umfeld des Golan zu erobern. 2012 dann der Angriff auf Aleppo, 750.000 Menschen retten sich vor den mordenden und plündernden Terroristen nach Westaleppo, das dann 3 Jahre unter Belagerung steht, monatelang von jeglichem Nachschub abgeschnitten.

Dann der IS-Angriff von Irak aus, wie wir von General Michael Flynn wissen, mit Wissen und Duldung von CIA und State Department.

Selbst eher mit den Terroristen sympathisierende Journalisten wie Martin Chulov (der für seinen Mut und seine Wahrhaftigkeit jeden Respekt verdient) räumen ein, dass die Bevölkerung Aleppos, auch die in den eroberten Gebieten verbliebene, nie mit diesen sympathisierte. Insofern ist das, was nun geschieht, für die meisten eine Befreiung. Die Bilder und Videos von Fliehenden, die den SAA-Soldaten an Checkpoints um den Hals fallen, sehen nicht gestellt aus.

Nach Angaben des in Berlin ansässigen FIRIL-Instituts waren bis Ende 2015 360.000 ausländische Jihadisten in Syrien, bei IS, Nusra oder "gemässigten" Terroristen wie den Kinderköpfern von Al Zinki. Davon waren bis dahin 130.000 tot oder vermisst, 140.000 zurück in ihren Ländern, viele an Körper und Geist verkrüppelt, und 90.000 noch im Land (letztere Angabe deckt sich mit der einer UN-Untersuchung). Zwischen Februar und September wurden nach einer Aussage des stellvertretenden russischen Verteidigungsministers Antonow über 35.000 davon getötet. Aber KSA und GCC, die bis Ende 2015 ca. 45 Mrd. $ für diesen Aggressionskrieg gegen Syrien ausgegeben hatten, haben gewiss für Nachschub gesorgt. Und die USA, die ebenfalls mit mehreren Milliarden pro Jahr beteiligt waren, haben auch das ihrige getan. Wo ist da Ursache, wo Wirkung? Die syrische Regierung hat bereits 2012 eine gesamtsyrische Versöhnung unter Einbeziehung der Opposition angeboten. Da wollten KSA, GCC und NATO/USA aber einen Regimechange um jeden Preis. Notfalls bis zum letzten Syrer.

kürsche 13.12.2016 | 10:03

Vielen Dank, Daniela Dahn, was Information, guten Journalismus, freie Presse angeht.

Wer sich über einseitige Nachrichten beschwert, muss nicht gleich Assad-Anhänger sein. Es geht bei korrekter Information ;;doch noch gar nicht um die Bewertung oder Vor-Urteile.

(Ein Putinversteher will/kann Putin verstehen, ebenso wie andere Politiker. Wer Linke kritisiert, ist nicht automatisch ein Rechter.)

An der Mainstream-Information ist so viel verwunderlich, z.B. daß daß Assad plus Russen o lange brauchen

, um unbewaffnete Frauen und Kinder zu besiegen.

2. war der humanitäre Fluchtkorridor nicht breit genug! (Ohne Kommentar)

Nun geht den Eingeschlossenen die Versorgung aus, und Assad folgt der Aufforderung, die kriegerischen Handlungen einzustellen, nicht. Die Rebellen werden nicht aufgefordert abzuziehen. Sie heißen inzwischen wieder Oppositionskräfte. Darunter befinden sich Al Nusra-Fanatiker, also Ableger des IS, die hier opportunerweise unterstützt, woanders bekämpft werden.

Außer in Mossul. Dort herrscht Frieden, was die Nachrichtenlage betrifft.

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Ehemaliger Nutzer 13.12.2016 | 19:56

In dem Artikel (und auch von vielen hier im Form) wird so getan, als führe der US-geführte Westen einen Krieg gegen eine tapfere gute syrische Regierung, und der gute Präsident Assad vermag sich gerade mit etwas Hilfe einer internationalen Brigade aus dem Iran und guten Bomben russischer Maschinen zu wehren.

In keinem arabischen Land gibt es politische Freiheiten, keines der Länder verfügt über Verwaltungen, Regierungen und unabhängige Rechtsprechung - nirgends existiert ein Standard von Rechtssicherheit, Gesundheitsvorsorge und Umweltschutz, wie wir es in Mitteleuropa erreicht haben.

Auch in Syrien (- um mal ein Bespiel für eines der von korrupten Diktatoren schlecht regierten Länder zu nehmen) gibt es Menschen, die politisch gestalten wollen und die hofften, eine offenere Gesellschaft erreichen zu können. Dagegen steht zunächst das herrschende Establishment, dagegen stehen aber auch islamistische Gruppen. Man muss nicht al-Afghani und andere Vordenker des politischen Islams ausführlich gelesen haben um festzustellen, dass der Vorstellung einer säkularen Regierung in muslimischen Gesellschaften nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung geteilt wird. Politische Herrschaft ist immer auch religiöse Herrschaft, und diese bedeutet immer Unterdrückung von deren Kritikern.

Assad hat lange die religiöse Vielfalt in seinem Lande von Machtkämpfen abgehalten, indem er alle Gegner gleichmässig unterdrückt hat. (So wie in Ägypten es auch lange gelang, Saddam war auch ein Künstler darin.)

Zur Explosion kam es - zeitverzögert - nach der hirnverbrannten Vorstellung von Bush jr., den Irak-Krieg vom Papa nun gründlich durchzuführen und dann auch noch dort seine Vorstellung von westlicher Demokratie einzuführen. Über deren Arroganz, Grössenwahn, Inkompetenz von USA, GB und Co. sind sich alle einig.

In Afghanistan haben vor 150 Jahren die britische, dann vor 30 Jahren die russische Armee erfahren müssen, dass ein Land unregierbar ist, wenn mit dem Westen (- und Russen sind aus der Sicht des Islam und von Asiaten "der Westen") keine breite säkulare Mittelschicht kooperiert. Mit einem fremden Armee im Land, einigen sich die lokalen Führer auf gemeinsamen Widerstand, und nach dem Abzug der Russen ging der Bürgerkrieg weiter. Und wenn die letzten westlichen Armeen abgezogen sein werden, werden regionalen Warlords plus Taliban weiter gegeneinander kämpfen.

Und wenn in Syrien und Irak der IS geschlagen sein wird und sich für die Anti-Assad-Islamisten kein Sponsor mehr findet, wird Assad versuchen, seine Macht wie vorher zu etablieren. Und wenn ihm das gelingt, wird er versuchen, sich von russischer und von iranischer Hilfe unabhängig zu machen. Das Risiko ist allerdings, dass mittlerweile alle Milizen mit hochwertigen Waffen vollgestopft sind, und aus vielen islamischen Ländern Kämpfer zur Verfügung sind, dass Assad kaum wieder Herr in seinem Land werden dürfte. Das liegt nicht an den Amerikanern, sondern an der Dynamik des Jihad-Gedankens. Die Wahhabiten werden weiter zündeln, und der Iran wird sich unter dem Vorwand "Schützer der Schiiten" weiter ausbreiten wollen.

Wenn die Schlachten in Syrien und dem Irak geschlagen sein werden, könnten die Jihadisten die Glaubensbrüder in den nördlichen Nachbarländern der früheren SU zu destabilisieren versuchen, diese Konflikte hat ja Russland schon Jahrhunderte ausgetragen.

Dass - für den Touristen - friedliche Syrien der al-Assad-Dynastie wird es wohl nicht wieder geben, auch wenn dieser Bürgerkrieg vorbei ist. Ob unter dem Banner des Propheten mit religöser Aufmachung eine Stabilisierung erreichen wird (- die ersten Anzeichen gab´s ja schon vor dem Krieg)? Mit eindeutig iranisch-schiitischer Orientierung? Und was wird dann aus dem Libanon?

Wie auch immer: Ohne die Stellvertreter-Konflikte zwischen USA und Russland wird es in der Region kaum friedlich zugehen.

Und die Lehre für den Westen: Bitte wegsehen, wenn irgendwo ein Diktator seine Opposition zusammenschiesst und wenn eine abgedrehte Religionsmiliz Andersgläubige massakriert.

Oder?

g.t. 13.12.2016 | 22:29

Erstmal vielen Dank für diesen Artikel. Wieder ein kleiner Tropfen in die Gluthölle der Mainstream-Berichterstattung, die uns offensichtlich gerade wieder mal davon überzeugen will, dass es einen gerechten Krieg gegen ein souveränes Land geben kann, weil dort angeblich zwei menschenverachtende Diktatoren das Volk dahinmetzeln.

Leider befürchte ich, dass der Tropfen wieder sehr schnell verdampfen wird. Und das, obwohl mittlerweile allgemein bekannt sein sollte, dass es sich hier wieder um eine "regime-Change" Aktion unserer tollen westlichen Wertegesellschaft handelt (genau wie z. B. auch im Irak und in Libyen um nur zwei bekannte Beispiele zu nennen) . Was diese Aktionen aus ehemals relativ reichen Ländern mit vergleichsweise hohem Lebensstandard gemacht haben ist bekannt. Die Lügen, die uns immer wieder eingebleut wurden, um diese völkerrechtswidrigen Kriege zu rechtfertigen (ich weiß es gab ein UN-Mandat für eine Flugverbotszone- das ändert meiner Meinung nach aber nichts daran) sind ebenfalls bekannt. Es ist unglaublich, dass jetzt wieder das Gleiche versucht wird und ein Großteil der Bevölkerung offensichtlich auch wieder darauf hereinfällt. Allerdings wird auch die Berichterstattung immer perfider. Mittlerweile muss man ja den Eindruck bekommen Ostaleppo bestünde nur aus Kindern, Frauen, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten und Weißhelmen (die leider auch nicht unumstritten sind) . Ich kann es ja noch verstehen, dass sich Menschen von den Medien diesbezüglich beeinflussen lassen, wenn sie politisch uninteressiert sind. Aber bei Menschen wie z. B. ursus, der sich anscheinend täglich mit Politik beschäftigt kann ich es nicht verstehen. Ich empfehle mal Wesley Clark (ehemaliger Nato-Oberbefehlshaber) oder Roland Dumas (ehemaliger franz. Außenminister) oder Robert F. Kennedy jr. (Neffe von JFK) in Verbindung mit Syrien zu googeln ;-) Zumindest sollte anschließend klar sein, dass es hier nicht um die Menschenrechte geht und dass nicht nur Assad und Putin für alles verantwortlich gemacht werden können. Wenn hier überhaupt noch jemand diese westliche Politik unterstützen will, dann soll er doch ehrlich sein und sagen, dass er der Meinung ist, dass Henry Kissinger recht hatte als dieser sagte, dass das Öl zu wertvoll ist um es den Arabern zu überlassen. Er soll sich dann aber auch bewusst sein, was diese Politik anrichtet und stellt sich meiner Meinung nach auf eine Stufe mit Madleine Albright (ehemalige US-Außenministerin), die ja auch der Meinung ist, dass diese Regime-Change-Politik es wert war, dass dadurch alleine im Irak eine halben Million Kindern starben. Es ist alles unfassbar. Und die Krönung ist, dass es jetzt aussieht, als wäre ausgerechnet Donald Trump derjenige, auf den man seine Hoffnung setzen müsste, dass diese Situation nicht weiter eskaliert und vielleicht sogar ein Umdenken eintritt. Sehr viel Zuversicht habe ich diesbezüglich leider nicht.

Ich wollte in einer ältern Fassung eigentlich noch ein paar Links anhängen, aber leider wurde der Kommentar damit nicht veröffentlicht. Es war mir bisher nicht bewusst, dass hier beim Freitag auch zensiert wird. Ich hoffe mal, es lag an den Links ;-)

Naja - wer mehr wissen will kann sich weitere Hintergründe des Syrien-Konfliktes auch ergoogeln.

Einfach mal Karin Leukefeld oder Maired Maguire oder Wesley Clark oder Roland Dumas oder Robert F. Kennedy jr. oder Seymour Hersh oder Tim Anderson jeweils in Verbindung mit Syrien eingeben.

Eine gute Quelle für Original-Reden (auch mit deutschen oder englischen) Untertiteln aller Verantwortlichen (z.B. Putin oder Assad etc.) ist Youtube. Manchmal ganz interessant, was wirklich gesagt wurde und was über unsere Medien bei uns noch ankommt.

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Ehemaliger Nutzer 14.12.2016 | 14:37

"Haben Sie schon mal etwas vom Prinzip der Nichteinmischung gehört?"

Meine Empfehlung an den Westen "Wegsehen" war durchaus polemisch gemeint. Wenn die IS Andersgläubige umbringt (- zB die Jesiden, die unter Assad und früheren Herrschern unbehelligt leben konnten), dann findet zB das Prinzip "Nichteinmischung" Grenzen.

Wenn ich mal Ihre Aufregung beiseite lasse, sind Sie offensichtlich der Ansicht: Nichteinmischung gilt immer. Iat das so gemeint?

Das würde z. B. auch bei einem Ethnozid in Ruanda gelten. (Oder bei der kulturellen Verfolgung von Russen in Nachbarländern wie Lettland oder Georgien/Südossetien.)

Lieber wäre mir, wenn das Prinzip der Nicht-Einmischung durch eine UN-Mehrheitsentscheidung für UN-Mandate überwunden werden könnte.

PS

Dass ich das Schema "Gute - Böse" in keiner Richtung teile, scheint Ihnen entgangen zu sein.

Flegel 14.12.2016 | 17:45

Responsibility to Protect – ein verkommenes Prinzip

Sie wissen, wir zwei haben uns hier im August d. J. schon einmal über die verkommenen Kriegsauseinandersetzungen in Syrien, wie übrigens im gesamten Nahen Osten auseinandergesetzt, die Europa ein Heer von Kriegsflüchtlingen bescherten. Sie verweigerten den betroffenen Menschen damals gar die korrekte Bezeichnung, nannten Sie boshaft Migranten statt Kriegsflüchtlinge – und vor allen Dingen, sie versuchten ständig, die Diskussion auf Nebenkriegsschauplätze umzuleiten. Sie verstiegen sich in die Bemerkung: „Es klingt so, als ob man dadurch ein Aufenthaltsrecht erwirbt, dass gefährliche Wüstendurchquerungen und Bootsfahrten zurück gelegt wurden.“

Sie argumentierten mit „Migranten aus West- und Zentralafrika“. Sie bemühten „kräftige junge Männer … aus Nigeria oder Ghana oder anderswo in Afrika“, die „ihren Verwandten“ mal 100 oder 150 EURO zu schicken.

Nur von dem eigentlichen Thema, dem Thema, das Deutschland und Europa veränderte, sprachen sie nicht. Nämlich von der Massenflucht der Menschen aus dem Nahen Osten, denen das supranationale westliche Angriffsbündnis die Heimat unter Hinnahme von Hunderttausenden von Toten zerschlagen hat.

Und so machen Sie es auch jetzt wieder: Sie lassen sich mit 586 Wörtern über Syrien, Assad und die kriegerischen Interventionen des Westens aus, um beim nächsten Gegenargument ganz schnell auf den Ethnozid in Ruanda oder die kulturelle Verfolgung von Russen in Ländern wie Lettland oder Georgien/Südossetien auszuweichen. – Außerdem reduzieren Sie den Syrienkrieg auf Kampf gegen den IS: Und wenn in Syrien und Irak der IS geschlagen sein wird…“ Als ginge es darum. – Der IS ist nur das aktuelle Vehikel für die Welteroberungskriege der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie haben die Entstehung des IS im Übrigen bewusst zugelassen und in diesem Krieg strategisch genutzt.

Denn das ist ja wohl das Ziel der USA: Welteroberung ohne Krieg auf eigenem Territorium. Dafür haben sie seit ihrer Gründung im Jahr 1776 gesorgt. In 240 Jahren ihres Bestehens befinden sie sich 223 Jahre lang in exterritorialen Kriegen.

Sie sind auch nicht in der Lage, einzugestehen, dass die Politik der Einmischung keine Alternative zum Prinzip der Nichteinmischung ist. Das haben die schier unübersehbaren Opferzahlen und deren Leid doch wohl achdrücklich unter Beweis gestellt.

Responsibility to Protect – ein verkommenes Prinzip, sich willkürliche Zugriffsrechte auf Staaten zu sichern und die eigenen Tötungshandlungen zu rechtfertigen.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zur UN. „Lieber wäre mir, wenn das Prinzip der Nicht-Einmischung durch eine UN-Mehrheitsentscheidung für UN-Mandate überwunden werden könnte“, so argumentieren Sie.

Wissen Sie immer noch nicht, dass die ganze UN ein Witz ist, die über ihren Status als Alibiveranstaltung nicht hinauskommt. Da sie über keine eigenen Truppen verfügt, ist sie Spielball der Mächte, die z. B. von den USA und ihrem devoten Gefolge der Lächerlichkeit ausgesetzt wurde.

Die Amerikaner organisierten nach einem inszenierten Lügenauftritt mit Colin Luther Powell im Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen am 5. Februar 2003 unter Beteiligung von nahezu 50 westlichen Staaten völlig gegen Völkerrecht eine „Coalition Of The Willing“ und fielen in den Irak ein. Der UN-Sicherheitsrat hatte seine Einwilligung für einen solchen Überfall gerade zuvor abgelehnt. Zahlreiche Staaten dieser Koalition wollen heute an ihre Schandtat nicht mehr erinnert werden. Mit dabei auch folgende EU-Staaten: Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn.

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Ehemaliger Nutzer 14.12.2016 | 20:23

Mehr als eine Wiederholung des Schemas "Die Guten und die Bösen" haben Sie nicht?

Und wenn Sie mir Ablenkung vorwerfen: Was soll hier die Nacherzählung des Auftritts von Herr Powell vor der UN 2003?

Halten Sie mich für einen dämlichen US-Krieger? Fischer hat in einer Sternstunde seiner politischen Arbeit gesagt "I am not convinced".

Also warum nun dieses Schattenfechten?

"Sie sind auch nicht in der Lage, einzugestehen, dass die Politik der Einmischung keine Alternative zum Prinzip der Nichteinmischung ist."

Wenn Sie für Nichteinmischung unter allen Umständen sind - ok, erkenne ich an. Aber richtig finden muss ich das nicht, oder? Ein UN-Vorum ist immehin eine Leitlinie zur Bewertung.

Aber wenn Sie weiterhin die Welt unter Brille "Böser Westen" sortieren wollen - naja, das vereinfacht die Sache für Sie wohl.

kürsche 15.12.2016 | 16:35

Dank für die Hilfe zur Wahrheitsfindung( "Eine gute Quelle für Original..."). Wie der politisch Interessierte sammelt, ist schon klar.

Daneben besteht die durch das flächendeckende Gebühren-Opfer untermauerte verdammte Pflicht der öffentlichen Medien , nicht nur Vergleich und Analyse der Nachrichten zu betreiben, sondern auch unkorrekt Formuliertes wieder geradezubiegen. Also 1. Tag die noch zugestandene tendenziöse Meldung " Frauen und Kinder...". Aber 2. Tag die Korrektur "Frauen, Kinder und die daruntergemischten Rebellen.." Drei Tage lediglich "Frauen und Kinder..." ist Agitation und nicht Auftrag der ÖR.

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Ehemaliger Nutzer 17.12.2016 | 15:31

Das ist eben kein "Fakt", sondern eine Propagandaparole. Tatsache ist, dass bewaffnete Kämpfe stattfinden, zwischen Regierungstruppen und deren Verbündeten auf der einen und ausländischen und inländischen Extremisten und Söldnern auf der anderen Seite, und dass dabei auf Regierungsseite neben Artillerie auch Luftstreitkräfte zum Einsatz kommen. Dass gezielt und vorsätzlich Luftangriffe auf Zivilisten stattfänden, ist Propaganda. Nachgewiesen ist aber, dass die regierungsfeindlichen Bewaffneten Schulen und Krankenhäuser in militärische Einrichtungen verwandelt haben.

Was ein verantwortungsbewusster Staatschef machen kann, ist, Vorschläge zu einem landesweiten Waffenstillstand und Versöhnungsprozess zu unterbreiten. Das hat die syrische Regierung seit 2012 wiederholt gemacht, zusammen mit Kofi Annan 2012 und gedeckt durch UNSC-Beschlüsse 2015/16.

Es sind die Extremisten und ihrer Unterstützer in den Tyranneien der arabischen Halbinsel und in der NATO, vor allem unter den Neocons der USA, die das nach Kräften hintertreiben.

gelse 18.12.2016 | 13:58

>>Was ein verantwortungsbewusster Staatschef machen kann, ist, Vorschläge zu einem landesweiten Waffenstillstand und Versöhnungsprozess zu unterbreiten. Das hat die syrische Regierung seit 2012 wiederholt gemacht, zusammen mit Kofi Annan 2012 und gedeckt durch UNSC-Beschlüsse 2015/16.<<
Das wissen ja eigentlich alle. Aber wie wir auch hier wieder sehen: Man soll eben nicht glauben was man weiss...

balsamico 19.12.2016 | 10:51

Das ist eben kein "Fakt", sondern eine Propagandaparole.

Natürlich. Die Süddeutsche und Kenneth Roth von Human Rights Watch sind ja für ihre Propaganda berühmt. Dieser Artikel hier stammt freilich vom September 2015:

http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-krieg-gegen-zivilisten-1.2659736

Wahrscheinlich lässt Asssad inzwischen statt Bomben nur noch Lebensmittel abwerfen.

PS:

Wer den Despoten Assad und Putin die Stange hält, ist entweder mit Blindheit geschlagen oder propagandistisch unterwegs.

tlacuache 19.12.2016 | 14:31

..."Aber das z.B. Obama, Merkel, Hollande oder May, ihre eigenen Völker bombardieren könnten, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft"...

Mir bisher auch, aber wenn es denn Arbeitzplaetze schafft kann man da sicher die ein oder andere Ausnahme machen. Damit werden schliesslich Wahlen gewonnen.

Oder konntest du dir vor 2 Wochen vorstellen das ein "Exxon Neftegas Limited" - Geschaeftsfuehrer mit Firmensitz in den Bahamas neuer US - Aussenminister wird?

:-D

Daniela Dahn 21.12.2016 | 18:38

Ich danke der Community für die engagierte und substanzielle Diskussion und all die lobende Ermutigung. Gelegentlich und gerade auch am Ende der Wortmeldungen taucht eine Formulierung auf, die sich aus dem Mainstream so eingeschliffen hat, und die ich zu überdenken bitte. Als sei es nämlich weitaus schlimmer, das eigene Volk zu bombadieren als andere oder gar fremde. Welche nationale Rangfolge soll hier gelten? Nach Artikel 1 der Erklärung der Menschenrechte sind alle Menschen gleich an Würde und Rechten. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Völker zu bombardieren ist generell geächtet - nicht nur das eigene. In diesem Sinne allen ein friedliches 2017 wünscht Daniela Dahn

balsamico 22.12.2016 | 14:38

Gelegentlich und gerade auch am Ende der Wortmeldungen taucht eine Formulierung auf, die sich aus dem Mainstream so eingeschliffen hat, und die ich zu überdenken bitte. Als sei es nämlich weitaus schlimmer, das eigene Volk zu bombadieren als andere oder gar fremde.

Erstens habe ich nicht gesagt, dass es weniger schlimm sei, andere Völker als das eigene zu bombardieren; das insinuieren Sie nur. Und zweitens ließen nicht einmal Despoten wie Hitler oder Stalin Bomben über Deutschland oder Russland abwerfen. Es ist schon ein Unterschied, ob man das eigene Volk bombardiert oder ein anderes, obgleich es selbstverständlich ein Verbrechen ist, Bomben über anderen Ländern abzuwerfen. Ihr Hinweis auf Art. 1 der der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte war daher entbehrlich, zumal mir diese schon bekannt war.