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Nachhaltig Die Internationale Frauenuniversität (ifu) soll im nächsten Jahr unter dem Namen W.I.T. fortgeführt werden

Der kurze Sommer der Euphorie hatte eine langfristige Wirkung. Fast zwei Jahre schon ist es her, dass die Internationale Frauenuniversität (ifu) parallel zur Expo 2000 in Hannover abgehalten wurde, dass rund 1.000 Teilnehmerinnen aus 105 Ländern drei Monate lang wilde, bunte, produktive Dispute abhielten. Das damals geknüpfte Netzwerk internationaler Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen hält immer noch: Auf der Internet-Plattform www.vifu.de trifft frau sich virtuell, tauscht wissenschaftliche Anregungen aus oder streitet sich über den Nahost-Konflikt. Rund 60 derzeit existierende Mailinglisten sprechen dafür, dass der Kommunikationsbedarf immens ist.

Ein zweites nachhaltiges Projekt, das der ifu entsprang, ist die Gründung einer internationalen Nichtregierungsorganisation. Das Women`s International Network for Sustainability (WINS) hat nunmehr Stützpunkte in Ägypten, Albanien, Brasilien, Deutschland, Indien, Kamerun, Kanada und weiteren Ländern. Es soll die Entwicklung von Gemeinden nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit, der Community Participation und der Geschlechterdemokratie fördern. Viele der in WINS zusammengeschlossenen Aktivistinnen und Expertinnen haben sich im ifu-Projektbereich "Wasser" kennen gelernt, und so ist es denn kein Zufall, dass sich auch die ersten WINS-geförderten Projekte um demokratische Wassernutzung drehen - in einer indischen Wüstenregion.

Die zu zwei Dritteln aus armen Ländern stammenden ifu-Teilnehmerinnen wissen nur zu genau, dass der weltweite Kampf um Trinkwasser längst begonnen hat. Sie zeigen in ihren Projekten aber auch, dass dieser Kampf keineswegs zwangsläufig mit zentralistischen Großprogrammen oder gar Kriegen geführt werden muss. Die Wasserbau-Ingenieurin Immaculata Raphael aus Tansania entwarf in Hannover eine billige und umweltfreundliche Anlage zur Nutzung von Regenwasser. Mit ihrer Pilotanlage im Kilimandjaro-Gebiet können nunmehr drei Schulen versorgt werden. Andere ifu-Teilnehmerinnen aus Kuba entwickelten eine Pflanzenkläranlage, die von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) jüngst als "besonders originell" gelobt wurde.

Überhaupt habe die ifu "den Weg zu einer neuen Wissenschaftskultur aufgezeigt", befand die Ministerin in einem Grußwort an die Konferenz Rethinking university, auf der Ende Mai an der Berliner Akademie der Wissenschaften eine Bilanz der ifu gezogen wurde. Sie sei transkulturell, interdisziplinär, gender-sensibel und nachhaltig, so Bulmahn. Und deshalb müsse sie unbedingt fortgesetzt werden, assistierte Klaus Landfried, Präsident der deutschen Hochschulrektorenkonferenz, der sich bei seinen Vergleichen ebenfalls im nassen Element bewegte: Die ifu sei ein "kleines, schnelles Boot", das im Begriff sei, den nur noch eingeschränkt manövrierfähigen "Supertanker" des deutschen Hochschulsystems zu überholen.

Um dem Boot den nötigen Treibstoff zu beschaffen, ist die Hochschulrektorenkonferenz einem frisch gegründeten Träger-Konsortium beigetreten, das aus der ifu eine überlebensfähige Einrichtung machen will. Ihr neuer Name W.I.T. steht für Women`s Institute of Technology, Development, and Culture. Weitere Mitglieder des W.I.T.-Konsortiums sind die Universitäten von Kapstadt, die südafrikanische National Research Foundation sowie die Berliner Humboldt-Universität und die Unis von Hamburg, Münster, Hannover und Bremen. Aus letzteren sollen ab dem Wintersemester 2003 die ersten W.I.T.-Studienorte werden.

Je 30 bis 40 Frauen mit Universitätsabschluss aus aller Welt sollen sich dort 15 Monate lang in Master-Studiengängen weiterbilden können, wenn die Gelder rechtzeitig zusammenkommen. Die Initiatorinnen, darunter die emeritierte Hochschulreformerin Ayla Neusel und die ehemalige niedersächsische Wissenschaftssenatorin Helga Schuchardt, rechnen mit Kosten von rund 400.000 Euro pro Jahr und Studiengang. Und die Themen? Information als soziale Ressource. Globalisierung und Entwicklung. Gesundheit und Gesellschaft. Und natürlich: Nachhaltiges Boden- und Wasser-Management.

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00:00 05.07.2002

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