Stephan Lessenich
11.11.2009 | 21:00 39

Das Bürger-Heer sitzt auf

Kulturkampf Sarrazin und Sloterdijk als Bannerträger: Die gehobenen Stände machen der „Unterschicht“ das Leben schwer und die Existenz prekär

Es ist wieder chic, gegen Gleichheit zu sein – und darüber zu reden. Das Lob der Ungleichheit, das uns gegenwärtig stimmgewaltig entgegen tönt, richtet sich dabei nicht gegen die radikale Vorstellung einer Gleichheit im Ergebnis, also jene gesellschaftliche Verteilungsutopie, die Gerhard Schröder und Tony Blair vor nunmehr zehn Jahren zum ideologischen Gegner der neuen Sozialdemokratie erkoren. Heute, nach einem Jahrzehnt sozialdemokratisch mitgestalteter Reformpolitik vom Typus „Agenda 2010“, geht die Kritik der Gleichheit weiter und richtet sich gegen die klassische Idee eines sozialstaatlich organisierten Ausgleichs marktvermittelt ungleicher Lebenschancen sowie gegen das Prinzip sozialpolitischer Berechtigung der gesellschaftlich Schlechtergestellten.

„Umverteilung“ steht bekanntermaßen seit geraumer Zeit auf der roten Liste missliebiger Sozialstaatsideen. „Gewährleistung“, „Ermöglichung“ und „Befähigung“ sind die höchsten der sozialen Gefühle, die sich die sozialpolitischen Eliten hierzulande noch erlauben. Von der regulativen Wende zu einem Sozialstaat getragen, dem „Versorgung“ als Fehlanreiz und „Eigenverantwortung“ als Sozialideal gilt, erleben wir nun eine Renaissance der Verteidigung der Freiheit, die besonders auf die Verteidigung des freien Denkens und Redens über die Freiheit zielt.

Freiheit zweiter Ordnung

Im Sinne einer solchen „Freiheit zweiter Ordnung“ werden wir gegenwärtig Zeugen eines radikalen Freiheitsgebrauchs deutscher Denker und Meiner: Wäre es nicht angemessen, wenn die Bürger zum Krieg gegen die staatliche Steuergewalt antreten würden? Was, wenn man das öffentlich administrierte Soziale zugunsten einer Ökonomie der bürgerlichen Gabe befreien würde? Oder wenn man aus einem sumpfigen Moloch multikultureller Transferempfänger eine deutsche Metropole erfolgshungriger Eliten machen könnte? Ist es nicht legitim, die urbanen Sozialräume von unproduktiven Kostgängern des Steuerzahlers zu befreien und die Heerscharen öffentlicher Unterhaltsempfänger auf die Pflicht zur Arbeit – beziehungsweise das Recht auf Ausreise – zu verweisen?

Die Bewegung ist mittlerweile in einer Weise erstarkt, dass selbst die Führungsgremien der SPD schon davon gehört haben sollen. Die will sich nach Aussagen ihres designierten Vorsitzenden in Zukunft stärker als Partei der Freiheit positionieren. Wieder einmal springt die Sozialdemokratie damit auf einen Zug auf, der schon gehörig Fahrt aufgenommen hat. In den jüngst durch die Medien hallenden „Freiheit statt Gleichheit“-Rufen findet eine neue Bürgerlichkeit ihren Ausdruck, die seit geraumer Zeit bereits von den intellektuellen Dächern der Republik gepfiffen wurde. Jetzt aber ist sie endgültig im öffentlichen Diskurs angekommen.

Besitzindividualistische Ethik

Wir können Thilo Sarrazin und Peter Sloterdijk – den grobschlächtigen Bundesbank-Politiker zum einen und den feingeistigen Philosophen-Rektor andererseits – als die beiden Bannerträger eines gesellschaftlich tief liegenden und weit verbreiteten Wunsches nach einer Wiedergeburt der Bundesrepublik aus dem Geist des Bürgertums deuten, als Protagonisten des Willens zu einer bürgerlichen Wiedereroberung des sozialen und politischen Raumes. Während Sarrazin die Ökonomie der neubürgerlichen Gesellschaft bedient und den in ihr nistenden unproduktiven Elementen – vom arabischen Döner-Dreher bis zum bierbäuchigen Sofa-Hänger – den ideellen und materiellen Kampf ansagt, liefert Sloterdijk die besitzindividualistische Ethik dazu: Deutschland, ein einig Volk von freiwillig gebenden Bürgern, so sie nur vom enteignenden Fiskus in Frieden und nach Gutdünken leben (und geben) gelassen würden.

Die wenigen Ansätze von Kritik, die sich auf den gehobenen Rassismus („kleine Kopftuchmädchen“) und gepflegten Anti-Etatismus („Kleptokratie“) der beiden selbst ernannten Vorkämpfer einer freiheitlichen Bürgergesellschaft hin regten, wurden wiederum von zwei Sekundanten – FAZ-Herausgeber Berthold Kohler und Merkur-Herausgeber Karl-Heinz Bohrer – auf eine Weise gekontert, die über die Abgrenzungs- und Ausgrenzungsmechanismen der neuen Bürgerbewegung erst wirklich Aufschluss geben. Kohler wie Bohrer adeln Sarrazin wie Sloterdijk zu Freiheitskämpfern im Auftrag des Andersdenkens, die in einem Akt gelebter Zivilcourage jeweils reale soziale Missstände – die sozialpolitische Subventionierung unerwünschter Lebensformen hier, die steuerpolitische Ausbeutung der gesellschaftlichen Leistungsträger dort – beim Namen nennen, für ihren Willen zur Wahrheit aber von einem linken Meinungskartell öffentlich verunglimpft und zerfleischt werden. Halten wir uns nicht lange mit dem ungeklärten Rätsel auf, aus welchen unbekannten Machtzentren dieser Gesellschaft sich eine vermeintliche linke Deutungshegemonie wohl speisen sollte. Stellen wir lieber die ungleich bedeutsamere Frage: Worum geht es hier eigentlich?

Begleitprogramm zum Regierungswechsel

Es geht tatsächlich, als Begleitprogramm zu einem liberalkonservativen Regierungswechsel, um Fragen der Freiheit – und der Gleichheit. Es geht den handelnden Personen um die Freiheit der gesellschaftlichen Eliten, ihre materielle Position kulturell zur Geltung zu bringen. Es geht um die Freiheit, nach den eigenen Maßstäben – jenen des ökonomisch gesicherten Bürgertums – zu leben und diesen Maßstäben allgemeine Anerkennung zu bewahren beziehungsweise wieder zu verschaffen. Um die Freiheit, die Lebensformen und Lebensführungsmuster der gehobenen Stände zur Norm der Verhaltenssteuerung und Umerziehung nicht-bürgerlicher Milieus zu machen. Es geht um eine groß angelegte gesellschaftliche Programmatik der Normierung und Normalisierung, in der die bürgerlichen Freiheitskämpfer nicht zuletzt krisenbedingt (sowie aus Gründen gesellschaftlicher Krisenfolgen-Antizipation) weite Teile der arbeitnehmerischen Mittelschichten und des freiberuflichen Mittelstands hinter sich wissen – die FDP-Wahlpartys lassen grüßen. Und es geht um eine aus dieser Programmatik erwachsende Politik, die all jenen Beine zu machen sucht (Mehr Eigenverantwortung! Jede Arbeit ist besser als keine! Wer sich nicht integriert, der fliegt! Familienzusammenführung ja, aber in der Heimat!), die der Norm des selbstständigen, leistungsfähigen, aufstiegsbereiten, belehrbaren und anpassungswilligen Bürgers angeblich oder tatsächlich nicht entsprechen.

Es ist dies auch – wenngleich in besonderer Weise – eine Programmatik der Gleichheit. Es geht den Gralshütern der Bürgerlichkeit darum, unter sich bleiben, unter ihresgleichen leben zu wollen. Damit ist eindeutig weder die Gleichheit der Citoyens noch die Anerkennung sozialer Bürgerrechte gemeint, sondern eine Gleichheit des Bourgeois, der die Gesellschaft nach dem Bild einer sich solidarisch um sich selbst kümmernden bürgerlichen Zugewinn- und Wertegemeinschaft zu organisieren sucht. In einer solchen Gesellschaft wird Gleichheit zu einer Kategorie des Ausschlusses all jener, die nicht in dieses Bild passen – und sich den bürgerlichen Pädagogisierungs-, Moralisierungs- und Mobilisierungsanstrengungen nicht fügen.

Neue Bürgerbewegung

20 Jahre nach dem Mauerfall erleben wir somit eine neue Bürgerbewegung, die diesmal nicht nach Inklusion strebt – vielmehr nach Exklusivität. Die von ihr angestrebte, neue Bürgergesellschaft konstituiert sich als Exklusionsraum sozialer Differenz: Diese Gesellschaft feiert weibliche Kanzlerinnen und erträgt schwule Außenminister, aber sie duldet nicht die Lebensweisen, Handlungsmuster und Ausdrucksformen der nicht-bürgerlichen „Unterschichten“ – ganz gleich (!) ob deutscher oder nicht-deutscher Staatsbürgerschaft.

Wo fing das an und wann? Vielleicht just mit der national-sozialen Beitritts- und Aufstiegsbewegung der 1989er? Mit Paul Noltes Generation Reform und der durch ihn (und sie) proklamierten Erneuerung bürgerlicher Werte? Mit Arnulf Barings Aufruf an die Bürgerschaft, gegen die zunehmende „Verrottung“ der Politik auf die Barrikaden zu gehen? Oder erst mit Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, dem – Dialektik der Geschichte! – aristokratischen Präzeptor neuer Bürgerlichkeit? Es bleibt künftigen Historikern überlassen, den intellektuellen Wurzeln des neuen deutschen Kulturkampfes nachzugehen.

Heutige Sozialwissenschaftler sollten ökonomische, politische und soziale Bedingungen der erfolgreichen Programmatik neuer Bürgerlichkeit erkunden, die mit „Sozialreformen“ und Morallehren, mit Aktivierungspädagogik und Schmarotzerrhetorik der Unterschicht das Leben schwer und die Existenz prekär macht. Der wäre zu wünschen, dass es nicht der Grundrechtsinterpretation von Bundes­verfassungs­richtern überlassen bleibt, ob sie ihre Menschenwürde und ihr Recht auf gleiche Lebenschancen gegen den Angriff der neubürgerlichen Heilsarmee zu wahren vermag. Die Unterschichten selbst müssten zur Quelle einer anti-bürgerlichen Gegenbewegung werden. Zu einem anständigen Kulturkampf gehören immer zwei.

Stephan Lessenich ist Professor für Soziologie an der Universität Jena. Soeben hat er gemeinsam mit Klaus Dörre und Hartmut Rosa Soziologie Kapitalismus Kritik. Eine Debatte im Suhrkamp-Verlag veröffentlicht

Kommentare (39)

Nelly 12.11.2009 | 19:46

Danke für den guten Artikel, der etwas anspricht, worüber man sich wirklich Gedanken machen muß. Vor allem, wie man dem etwas substantielles entgegensetzen kann, was in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen wird.

Was mittlerweile im öffentlichen Diskurs alles möglich ist, demonstriert dieser Artikel, verfaßt von einem häufigen Gast bei Sloterdijks Philosophiekränzchen:

www.welt.de/politik/deutschland/article5061827/Elterngeld-Fortpflanzungspraemie-fuer-Unterschicht.html

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Ehemaliger Nutzer 12.11.2009 | 22:00

Und da behaupte noch einer demokratisch - bürgerliche Herrschaft und faschistisches Denken könnten keine Hochzeit feiern.
Was mittlerweile leider nicht nur die oben genannten Paradehetzer zelebrieren ist ja eine zünftige Traumhochzeit in Weiß mit Kutsche inklusive Polterabend und Hochzeitsreise.
Fragt sich warum sich das die nichtbürgerlichen Stände gefallen lassen und nicht nur dieser einfältig-zynischen Begleitmusik beim "Fitmachen Deutschlands", also beim radikalen Klassenkampf von Oben, Paroli bieten?

lebowski 13.11.2009 | 08:32

"Halten wir uns nicht lange mit dem ungeklärten Rätsel auf, aus welchen unbekannten Machtzentren dieser Gesellschaft sich eine vermeintliche linke Deutungshegemonie wohl speisen sollte."

Dieses Machtzentrum existiert und Claudia Roth ist die Herrscherin darin. Jedenfalls, wenn man nach dem Geschreibsel einiger Neurechter gehen will.
Eine schöne Vorstellung: Claudia Roth als Unterdrückerin der Neurechten.

Columbus 13.11.2009 | 13:36

Volle Zustimmung Herr Lessenich!

Aber, warum trauen sich etablierte Intellektuelle und Medien-Prominente in so großer Zahl, mit Verkürzungen und Falschmeldungen, ohne Empirie und dazu noch sehr stark von der auflagenstarken Publizistik und den TV-Medien unterstützt (aktuelles Beispiel, die Rauchkringel des Altkanzlers aus Hamburg, der Sarrazin verstanden hat), Vorurteile zu bedienen?

Tatsächlich finde ich keine rechte Erklärung, warum so viele ausgebildete Leute bereitwillig Vorurteilen zuhören und einfache Provokationen über die Maßen lieben, die doch aus Bildung und Ausbildung wissen müssten, dass das katastrophale Auswirkungen haben muss, dort, wo nicht einmal über eine Überprüfung dieser Thesen nachgedacht wird.

Der Reflex in den klassischen Print-Medien, aber auch bei den kleineren Meinungs- und Feuilletonmedien ist aber eher: Warum darf man zu gesellschaftlich brisanten Themen so, wie eben von Heinsohn, Sloterdijk, Wehler, Nolte, Bolz getan, nicht in aller Öffentlichkeit reden, wir finden das doch "anregend", auch wenn es nicht pc ist. -Weg mit der Zurückhaltung und Vorsicht." - Schmidt fasste es noch prägnanter im Dauergespräch mit Di Lorenzo, die Mehrheit denke doch schon so. - Ulrich Beck hat einmal zu der "Why not"-Haltung geschrieben.

Sie sind Soziologe, vielleicht wissen Sie noch mehr dazu.

Grüße und schönes Wochenende
Christoph Leusch

Fro 13.11.2009 | 18:08

Hallo Herr Lessenich,
es macht den Eindruck, als hätten Sie schon kapituliert und diesem Netzwerk innerlich den Alleinvertretungsanspruch auf den Titel „Bürger“ überlassen.
Es lernt heute jedes Kind in der Schule, dass ein Bürger, ein Einwohner eines Landes ist, der mit den herrschenden Bürgerrechten ausgestattet ist.

Wir alle sind Bürger und sollten es auch bleiben – ich würde die hier geschilderten Aktivitäten auf keinen Fall „Bürgerbewegung“ nennen, damit wertet man sie unangemessen auf.
Was hier am Werke ist, ist ein Netzwerk, dass uns ihre eigennützige Politik mit einer wenig überzeugenden - weil durch die Wirklichkeit entzauberten - Ideologie schmackhaft machen will – das wurde hier ja gut beschrieben.

Eine anti-bürgerliche Bewegung anzuregen, finde ich absolut unpassend.
Damit macht man sich m.E. die Denke dieser Strategen zu eigen und akzeptiert deren Ausgrenzungsbegehren.

Was wir brauchen, ist eine wirkliche Bürgerbewegung, die selbstbewusst ihre demokratischen Rechte, die sich aus dem Grundgesetz und Menschenrecht ergeben, einfordert und nachdrücklich auf die Erfüllung der Politikerpflichten drängt.
Wenn das nicht geleistet wird, ist es natürlich ein Leichtes für die interessierten Kreise, diese Rechte als überflüssig und nicht mehr zeitgemäß hinzustellen.

Es ist so wichtig, dass wir Bürger – oder wie immer wir uns nennen – entscheiden, was wir wollen – und unsere Volksvertreter – in Wort, Bild und Aktion beauftragen, dies schnellstmöglich zu erledigen...
Das Volk ist schlauer als viele denken – zwei Drittel der Wahlberechtigten haben diese Regierung nicht gewählt. Und die, die sie gewählt haben, sind wahrscheinlich schlecht informiert, wollen weniger Steuern zahlen oder finden Merkel irgendwie sympathisch.
Das Potenzial der Befürworter einer neoliberalen Politik beläuft sich m.E. auf weniger als 20%.

Hier ein kleiner Denkanstoß zum Thema.

Beste Grüße
Fred

hannsen 13.11.2009 | 20:21

Da hat er ja was angerichtet, der Lessenich!

"Was wir brauchen, ist eine wirkliche Bürgerbewegung, die selbstbewusst ihre demokratischen Rechte, die sich aus dem Grundgesetz und Menschenrecht ergeben, einfordert und nachdrücklich auf die Erfüllung der Politikerpflichten drängt."

Einfordern und drängen! Ich sehe schon, wie Lessenich an seinem Lehrstuhl Seminare zum Ausfüllen von Hartz4-Formularen anbietet.

SLJena 14.11.2009 | 12:14

Freut mich, dass mein Beitrag eine Diskussion auslöst - wobei man von (ich vermute) Herrn "Hannsen" tatsächlich gerne einmal statt der PC-Bekämpfungs-Attitüde so etwas Ähnliches wie ein Argument hören würde; genug freie Zeit scheint er ja zu haben. - Zur Frage der "Bürgerbewegung": Hier kämpfen die materiell gesicherten und wohlsituierten burgeoises gegen die demokratischen Teilhabeansprüche der citoyens, das elitäre Bürgertum bekämpft das Bürgerrecht. Das ist in der Tat eine verwickelte Geschichte, die sich nicht auf einen einfachen begrifflichen Nenner bringen lässt. Gegen die "neue Bürgerlichkeit" sollte man in der Tat ein republikanisches Bürgerverständnis setzen, aber auch eine Vorstellung gesellschaftlicher Ordnung, die über das hinausweist, was gerne als "bürgerschaftliches Engagement" thematisiert wird. - Ob ich nun "mehr Sozialist als Soziologe" bin? Hm. Hält sich glaube ich in etwa die Waage.

Viele Grüße an die ernsthaften Diskutant/innen

Stephan Lessenich

Streifzug 14.11.2009 | 12:30

Der Angriff auf die Gleichheit ist ein Angriff auf die Demokratie.

Das wird geschickt durch die Akteure verschleiert, die den Angriff scheinbar gegen "Auswüchse" vorgetragen, weil sich so die Gruppe der Verteidiger aufsplitten lässt.

Wäre es nicht sinnvoll, diese Strategie ins Leere laufen zu lassen und gezielt und permanent alle verbalen Verschleierungen ignorierend immer nur von einem "Angriff auf das Grundprinzip der Demokratie" zu sprechen.

So übernimmt man den aktiven Part. Ein Rollentausch. Die Strategie der Gegenseite besteht doch darin, die Meinungsführerschaft zu halten und die Gegenseite in eine zersplitterte Verteidigerrolle zu drängen.

hannsen 14.11.2009 | 14:02

SLJena, Gesinnungssoziologie hatten wir unter den Nazis und unter den Kommunisten. In begrüßenswerter Ernsthaftigkeit sage ich Ihnen, dass Ihnen etwas mehr Selbstkritik gut tun würde. Sie spielen hier den cheerleader für politisch Ratlose, deren sozialstaatliche Raubzüge unter den Leistungsträgern der Gesellschaft nicht mehr so beutereich sind wie früher. Wäre es nicht opportun für Sie, Ihren Räubern Alternativen aufzuzeigen und ihnen damit den Verstand zu erweitern? Sie halten nämlich potentielle Leistungsträger in sowohl in geistiger als auch in materieller Armut. Und Sie lassen sich diese Arbeit vom Freitag auch noch entgelten.

Fro 14.11.2009 | 16:25

Genau Streifzug - den Nagel auf den Kopf getroffen.
Man gibt dieser gescheiterten und teilweise vollkommen absurden Ideologie viel zu viel Raum und damit auch Macht.
Natürlich sollte dieses neoliberale Netzwerk und das unredliche Bemühen, das Geschehen in unserem Land zu bestimmen - es zu entdemokratisieren, transparent und öffentlich gemacht werden.
Aber dann sollte man ihnen auch schon sagen:
„Lasst mal gut sein, das gefällt uns nicht, wir überlegen uns jetzt mal, wie WIR es gerne hätten.“

Frank Powers 15.11.2009 | 01:54

Mal Klartext:

Letztendlich läuft es bei der ganzen Angelegenheit auf Folgendes hinaus, Burgeoises und Citoyens hin oder her: auf eine gesellschaftliche Solidarität oder ein "Jeder für sich selbst". Für jede der beiden Positionen gibt es Argumente, ob sie jeweils gut und schlüssig sind sei mal dahingestellt, das verlangte eher einen eigenen Artikel als einen Kommentar zu später Stunde. Letzten Ende ist es allerdings eine historisch immer wieder verifizierte Tatsache, dass (frei nach Abraham Lincoln) eine Gesellschaft, die in sich gespalten ist, nicht mehr allzu lange steht. Kündigt man den Gesellschaftsvertrag auf und überlässt einen jeden nach bestem Vermögen und Unvermögen nur noch sich selbst, mit Nachtwächterstaat, Wachdiensten, Gated Communities etc., dann ist der Kreislauf der Auflösung bereits betreten worden, und wir haben ihn schon seit einiger Zeit betreten. Und das ist sogar aus der Perspektive der Vertreter des "Jeder für sich selbst" ein großer Fehler, denn auch sie, die immer eine Minderheit der Bevölkerung sein werden (wenn auch die mit dem Geld), können letzten Endes nicht so tun, als seien sie allein auf der Welt. Der tumbe Unterschichtler verträgt und erduldet viel, sicherlich, und der "deutsche Michel" noch viel mehr, aber auch das nicht für unbegrenzte Zeit.

Der Schlachtruf der Französischen Revolution war Liberté, Égalité, Fraternité, und nicht ohne Grund: Freiheit, in Ordnung; Gleichheit, diese auch, denn ohne eine wie auch immer geartete Gleichheit, einen Aus-Gleich, kann keine Gesellschaft existieren; und Brüderlichkeit, jene Auffassung vom anderen als Mit-Mensch, als Mit-Citoyen, als das Instrument, um Freiheit und Gleichheit miteinander zu versöhnen...
Natürlich mussten für diese Ideale ein paar der "Jeder für sich"-Vertreter auf die Guillotine. Wie gesagt, sogar aus deren Perspektive sollte das, was sich derzeit abspielt, ein großer Fehler sein. Aber mit dem langfristigen oder auch nur mittelfristigen Denken ist das ja leider immer so eine Sache...

Columbus 15.11.2009 | 17:14

Herr/Frau "Hannsen",

Wie ich, warten hier einige auf einen substanziellen, argumentierenden Beitrag ihrerseits. Sie haben ja nochmals mit persönlichen Beleidigungen nachgelegt. - Passen Sie auf, so etwas macht Sie krank und böse.

Übrigens, "Gesinnungsjustiz" und vorgeblich wissenschaftliche Eugenik, ,das war das, was im elenden dritten Reich gelehrt, verlangt und betrieben wurde. Zu Gesinnungsjustiz lies sich auch die DDR immer wieder hinreißen (Janka et.al., ff, Prozesse gegen die eigenen Bürger, selbst bei harmlosem und gewaltlosem Widerstand der Citoyens) um Widerstand, um Regimegegner mundtot oder ganz tot zu machen, oder um sie zum Feind und Verbrecher zu stempeln. Für Soziologie hatten die Nazis weder Verstand, noch Zeit, noch Soziologen. Die waren nämlich zum großen Teil im KZ oder, glücklich und unglücklich zugleich, im Exil.

Also, einen braunen "Gesinnungssoziologen" werden Sie wie eine seltene Briefmarke suchen müssen, während die Erziehung zum Gesinnungsjuristen tausendfach erfolgte und Sie es z.B., sehr detailiert und gleichzeitg sprachlich auf hohem Niveau, in den Lebenserinnerungen Sebastian Haffners (Jurist) nachlesen können. Der flüchtete, bevor es zu spät war, ins Exil.

Ich bitte daher, anstatt sich über die "Ahnung" anderer, z.B. Herrn Powers zu mokieren und uns zu beleidigen, schildern Sie uns ihre Ahnungen und ihr Wissen zum Thema.

Das wäre übrigens auch eine Art Selbsthilfe, weil Sie dadurch, auch wenn Sie keine einzige Meinung und keinen einzigen Standpunkt der Anderen teilen müssten, sich über Ihren eigenen Standpunkt klarer würden. - Ist das nicht etwas, was Sie weiter brächte?

Liebe Grüße

Christoph Leusch

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Ehemaliger Nutzer 16.11.2009 | 00:15

Sehr geehrter Herr Hannsen,
dieser Affront geht mir schlicht und ergreifend zu weit. Ich bitte sie freundlichst darum, diesen Pamphletismus einzustellen. Ich verachte sie und ihre Art, mit Menschen umzugehen, von Menschen zu reden, für Menschen zu sorgen und Menschen zu achten. Dies ist jedoch noch nicht ausreichend, um mich derartig wütend zu machen. Sie setzen dem Ganzen noch einmal die Krone auf. Anstatt sich darum zu kümmern, selbst "Leistungsträger" zu sein und "Wert" zu schöpfen - also als wenn ich das so sagen darf geistig armes Humankapital zu dienen, bringen sie es nur zu Stande, die Meinung Anderer hier auf die ekeligste Art und Weise durch den Dreck zu ziehen und das ohne Argumente! Ich bin ihre Art von Leuten Leid. Suchen sie sich bitte ein Forum, wo man sie versteht, wo sie unter Menschen sind, die sich gegenseitig so beleidigen, aber lassen sie ernsthaft denkende Menschen wie Herrn Lessenich gefälligst in Ruhe.

Gehen sie doch etwas Wert schöpfen...

MFG und der größen Abscheu, die ich jemals verspürte,
Simon Pschorr

agathon 18.11.2009 | 01:14

Ich teile die Ansicht, dass es inzwischen eine Bürgerbewegung gibt, die eher Exklusivität favorisiert. Die Nennung von Thilo Sarrazin und Sloterdijk in einem Atemzug missfällt mir aber ungemein. Während Sarrazin nicht gerade dafür bekannt ist sublime Aussagen zu machen, provoziert Sloterdijk gerne und sorgt auf diese Weise für eine immerhin intellektuelle Debatte. Dabei unterstütze ich ihn keineswegs in seinen jüngsten Auffassung vom Anti-Etatismus. Ich glaube nicht einmal, dass er selbst davon überzeugt ist.

Fro 18.11.2009 | 18:18

@radar

Ja, die Verwirrung kann man aber vermeiden, in dem man da etwas achtsamer mit dem Begriff „Bürger“ umgeht.
Wikipedia schreibt zu Bürger

Das was die so genannten bürgerlichen Parteien als bürgerlich verstehen, ist eine Verkaufs-Masche - die Ummäntelung einer gemeinschaftsfeindlichen Politik, die unser Volk spalten soll. Es gibt da eine ideologische Kampagne und es gibt einige Leute, die diese Ideologie als Rechtfertigung ihrer egoistischen Ziele nutzen und sich als Gruppe gegenüber den „Wenigbesitzern“ überhöht. Was m.E. gegen den evolutionären Trend ist.

@ Frank Powers

Sehr schöner Beitrag –
ich glaube, die „Tumbheit“ eines Teils der unteren 80%, ist einfach eine resignationsbedingte Uninformiertheit und ein tief sitzender Untertanengeist, der in allerlei Spielarten, das Notwendige frühzeitig ausbremst.