Laura Gehlhaar
Ausgabe 1515 | 13.04.2015 | 06:00 19

Der Arschlochfilter

Beziehung Unsere Autorin sitzt im Rollstuhl. Hier erzählt sie über ihr Verhältnis zu Männern – und warum sie manchmal vor Glück heult

Es gibt Leute, die denken, dass es mit einer Behinderung automatisch schwieriger ist, einen festen Partner zu finden. Sie haben recht. Es ist schwierig, es ist hart, mitunter steht man kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Aber das liegt nicht allein an der Behinderung. Es liegt auch an Berlin, wo ich seit sieben Jahren lebe. Jeder strebt hier nach Selbstverwirklichung. Im Job, im Privatleben, im Bett. Man bindet sich nicht, man wartet nur, bis etwas Besseres kommt.

Das Wertschätzen des Hier und Jetzt geht so verloren. Dabei zeugt die Fähigkeit, sich auf etwas besinnen zu können, von Selbstbewusstsein. Man weiß, was man hat, was man von sich selbst und dem Leben erwartet. Und dann kann man aufhören, auf etwas Besseres zu warten. Das wirkt sich auch auf die Entscheidung aus, eine Partnerschaft einzugehen. Besonders dann, wenn er oder sie eine Behinderung hat. Man ist dann in der Lage, mehr zu sehen als nur die Behinderung. Ich strebe nicht mehr danach, den perfekten Partner zu finden. Und ich habe gelernt, keine utopischen Erwartungen an Menschen im Allgemeinen und an einen Partner im Besonderen zu stellen. Es ist mir auch zu anstrengend. Ich habe aufgehört, mich von Männern finden zu lassen, die nicht wissen, was sie wollen, und wegen meiner Behinderung nicht mehr in mir sehen als ein exotisches Abenteuer.

Sichtbare Schwäche

Mir ist bewusst, dass mich viele Männer aufgrund meiner paradoxen Erscheinung als faszinierend wahrnehmen. Ich bin sehr selbstbewusst, ich gehe sicher mit meinem Körper um, ich bin laut und manchmal lustig. Auf der anderen Seite trage ich eine für alle offensichtliche Schwäche mit mir herum. Jeder kann sofort sehen, dass ich in meinem Leben schon harte Zeiten erlebt habe. Das wirkt verwirrend, zugleich aber faszinierend auf viele. Und das ist in Ordnung für mich. Auch ich fühle mich von dem mir Unbekannten angezogen. Zum Problem wird es in den Momenten, in denen ich nur auf meine Behinderung reduziert werde und zum Mal-mit-einer-Frau-im-Rollstuhl-geschlafen-haben-Abenteuer abgestempelt werde. Meistens von Männern, die bei Frauen auf den ersten Blick gut ankommen, die schon viele hatten, nun gelangweilt sind und in mir ihre ganz persönliche Herausforderung sehen.

Ich hatte lange Angst, nur auf meine Behinderung reduziert zu werden, bis mir mein damaliger Freund einmal sagte: „Die Einzige, die sich hier reduziert, bist du selbst.“ Mit dieser Wahrheit traf er mich knallhart. Die Möglichkeit, dass mich jemand begehrenswert findet, weil ich sein Typ Frau bin und vielleicht ausstrahle, dass ich kein Mauerblümchen bin, ließ ich außen vor. Und vielleicht versteckte ich mich in diesen Momenten sogar hinter meiner Behinderung. Konnte ich so doch jedes Scheitern mit Männern ganz einfach erklären. Dass mich jemand nicht haben wollte, weil ich womöglich zu dominant, zu vorlaut, zu bescheuert oder einfach nicht sein Typ war, zog ich nur selten in Betracht.

Laura Gehlhaar arbeitet freiberuflich als Coach, Autorin und für den Verein „Sozialhelden“. Über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren bloggt sie unter fraugehlhaar.wordpress.com

Ein anderes Phänomen ist, dass mir aufgrund meiner eingeschränkten Mobilität eingeschränkter Sex unterstellt wird. „Wie soll das funktionieren, wenn du noch nicht mal laufen kannst?“, wurde ich einmal gefragt. Es wird davon ausgegangen, dass ich einfach nur passiv rumliege – der Sex deshalb sowieso nicht gut sein kann. Solche Fragen oder Vorstellungen empfinde ich als dumm. Sie zeugen von einem Mangel an Vorstellungskraft. Wie so nichtkreative Menschen im Bett sind, kann ich mir dann wiederum sehr gut vorstellen.

Das Gute an gutem Sex ist, dass es den guten Sex gar nicht gibt. Jeder muss für sich selbst entdecken, was sich gut anfühlt, wo und wie man zu seiner Befriedigung kommt und Befriedigung zurückgeben kann – ob mit oder ohne Behinderung. Sexualität ist ja nicht einfach da. Sie muss im Laufe des Lebens entwickelt, erforscht und ausgelebt werden. Ein gutes Körpergefühl und Kommunikation sind die Schlüssel zu einem erfüllten Sexualleben. Mit einer Behinderung ist man besonders gezwungen, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen und seine Kreativität zu nutzen. Bringt man dann noch eine gute Portion Humor mit, ist der Spaß schon mal gesichert.

Mit meiner Behinderung begegne ich aber auch oft dem Vorurteil, dass der nichtbehinderte Partner in der Beziehung besonders viele Kompromisse eingehen muss. „Warum tust du dir das an?“ Solche Sprüche musste sich mein Ex-Partner oft anhören. Damals brachte mich das oft in die Verlegenheit, kontinuierliche Überzeugungsarbeit zu leisten und manchmal sogar Dinge schönerzureden, als sie in Wahrheit sind. Ich habe mich geschämt für Dinge, die ich nicht kann oder anders erledigen muss. Und so habe ich mich auf Musikfestivals gequält und kam an meine körperlichen Grenzen. Oder ich habe mir bewusst kein Steak bestellt, weil ich in der rechten Hand wenig Kraft habe, um nicht nach Hilfe beim Schneiden fragen zu müssen. Ich wollte nicht, dass jemand wegen meiner Behinderung einen Kompromiss eingehen muss. Bis ich merkte, dass mich der ständige Drang, eine Normalität beweisen zu wollen, die nach Meinungen anderer nur ohne Behinderungen zu erreichen wäre, viel mehr anstrengte, als offen und ehrlich mit den Folgen der Behinderung umzugehen.

Nicht immer nur nett

Wenn ich heute signalisiert bekomme, dass Menschen mir ein schweres und „unnormales“ Leben aufgrund meiner Behinderung attestieren, gehe ich einfach davon aus, dass diese Leute bisher keine Erfahrungen mit Behinderungen gehabt haben, dass ihnen durch die Medien und anderen gesellschaftlichen Instanzen ein defizitorientiertes Bild von Behinderung vermittelt wurde. Vielleicht wissen sie nicht, dass sich behinderte Menschen genauso aktiv und kompromissbereit in Beziehungen verhalten wie Nichtbehinderte.

Wie in jeder anderen Beziehung auch geht es darum, ein Gleichgewicht herzustellen. Und genauso wie ich in einer Beziehung mit meiner Situation viel antreibe, viel Kraft und Stärke gebe, kann ich auch viel kaputtmachen. Letztendlich schützt eine Behinderung nicht davor, auch mal das Arschloch zu sein. Und so entdeckte ich eines Tages, dass ich meinen damaligen Freund in Sachen persönliche und berufliche Entwicklung überholt hatte. Auch das ist normal in einer Beziehung. Aber ich ging einfach weiter und ließ ihn knallhart zurück, ohne ihm die Chance zu geben, meine Entwicklung zu verstehen und eventuell mitzugehen. Ich stellte meine Bedürfnisse über die des Mannes, den ich mal sehr geliebt hatte.

Es ärgerte mich oft, wenn mein damaliger Freund als der starke, mutige, fürsorgliche Mann glorifiziert wurde, nur weil er sich in eine Frau im Rollstuhl verliebt hatte. Ich fühlte mich als Bittstellerin abgestempelt. Heute weiß ich, dass auch ein Fünkchen Wahrheit in diesen Aussagen steckt. Jeder Mann, der sich für mich entscheidet, muss neben einigen anderen Eigenschaften auch mutig, stark und fürsorglich sein. Kein Mann, der nicht offen für Perspektivwechsel und kreativ ist, Vielfalt erkennt und sie zu schätzen weiß, hätte das Selbstbewusstsein, mich an seiner Seite zu haben. Das liegt aber nicht primär an meiner Behinderung, sondern daran, dass ich die Laura bin, schnelllebig und sehr engagiert. Ich weiß, wie ich funktioniere. Ich urteile streng und manchmal zu hart. Mein Humor ist schwarz, geht gern unter die Gürtellinie, und abends heule ich manchmal, weil ich mich besinne und erkenne, dass ich doch ganz schön viel Glück im Leben gehabt habe.

Und schließlich braucht ein Mann diese Eigenschaften auch, um mit den gesellschaftlichen Vorurteilen umgehen zu können, die meine Behinderung nun mal immer noch begleiten: „Sind Sie ihr Betreuer?“, wandte die Frau hinter der Kinokasse sich an meinen damaligen Freund – und zwar als Antwort auf meine Frage: „Haben Sie noch zwei Plätze nebeneinander für Saal vier!“ Er fasste daraufhin meinen Kopf und presste seinen Mund so heftig auf meinen, wie wir es sonst nur zu Hause taten.

Ja, meine Behinderung ist sichtbar. Sie prägt meine Persönlichkeit und filtert automatisch die Menschen, die nicht mehr in mir sehen als den Rollstuhl als Zeichen für Passivität und Defizit. Meine Behinderung ist mein ganz persönlicher Arschlochfilter.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 15/15.

Kommentare (19)

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Ehemaliger Nutzer 13.04.2015 | 13:12

Schöner Artikel, danke dafür. Abgesehen davon, dass nicht nur in Berlin viele Menschen mit nicht offensichtlichen Behinderungen existieren, sind die Probleme bei allen Menschen gleich. Zeugt doch die Quote der Einpersonenhaushalte davon, dass viele Menschen defizite in dem haben, was Sie hier schön beschreiben: "Das Wertschätzen des Hier und Jetzt geht so verloren. Dabei zeugt die Fähigkeit, sich auf etwas besinnen zu können, von Selbstbewusstsein. Man weiß, was man hat, was man von sich selbst und dem Leben erwartet. Und dann kann man aufhören, auf etwas Besseres zu warten."

Die meisten warten auf "etwas Besseres". Bis sie alleine sterben.

Ringo Wunderlich 13.04.2015 | 14:07

Es gibt nur zwei wirkliche Behinderungen.

1. Ein Weltbild im Sehschlitzformat

2. Eine Kreativität, die nur zum Schuhebinden reicht

Ich habe aber selbst bemerkt, dass es einen Unterschied macht, ob man in der Stadt lebt und aufwächst oder auf dem Land. Auf dem Land werden Behinderungen oft noch als Strafe Gottes angesehen, zumindest als Peinlichkeit und behinderte Familienmitglieder, bzw. eigene leichte Behinderungen zuweilen versteckt. In dieser "heilen" Welt lernen Kinder und Jugendliche natürlich kaum, sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die anders sind.

Das nächste ist die Zeit, in welcher Menschen aufwachsen. Als ich ein Kind war, waren Kriegsversehrte mit "Macken" und fehlenden Gliedmaßen auf Krücken, in Rollstühlen noch immer ein "gewohntes" Bild. Daher nahmen sich junge Menschen, die lange nach dem Krieg geboren wurden, aber ebenfalls physisch und psychisch beeinträchtigt waren, nicht aus. Will sagen, man ging viel ungezwungener und unkomplizierter mit den Menschen um.

Das nächste, unsere Leistungsgesellschaft. Seit der Kindheit werden den Menschen Meme eingepflanzt, wie perfekte Menschen aussehen und nur perfekte Menschen auch perfekt funktionieren. Alle anderen sollen sich den "Leistungsträgern" nach Möglichkeit nicht aufdrängen, sondern ihren "passiven", "defizitären" Platz in der Gesellschaft einnehmen, sich in ihrer Schublade verkriechen. Selbstbewusste, laute, fröhliche Menschen im Rollstuhl stellen heute zuweilen einen größeren Kulturschock dar, als wenn plötzlich ein Moslem seinen Gebetsteppich im Cafe ausrollt.

Dann haben viele Menschen noch die allgegenwärtige political correctness Schere im Kopf und sind völlig verunsichert, wie sie Menschen mit Handicap begegnen sollen, mit Mitleid, Mitgefühl, Humor, Ignoranz?

Und hier trifft man auch auf Menschen mit Handicap, die bemitleidet werden wollen, welche die ihr Handicap als Rechtfertigung vor sich hertragen, sich mehr herausnehmen zu können als andere.

Leider scheint es nur möglich, ein völlig normales Verhältnis auf persönlicher Ebene, nicht jedoch auf gesellschaftlicher Ebene zu etablieren. Eigentlich traurig, denn Menschen mit Handicap sind Teil der Vielfalt, denn sie können ganz eigene Qualitäten entwickeln, die ein "Gesunder" nie haben wird.

Sie haben noch das Thema Sex angeschnitten, aber da bin ich ganz Gentleman. Ich genieße und schweige.

NullAchtFuffzehn 13.04.2015 | 14:48

Frau Gehlhaar lebt ihre Behinderung und das sollte man nicht tuen. In dem Artikel lese ich viel frust denn ich auch verstehen kann. Ich selber bin Behindert und habe das auch durchgemacht. Aber ich bin ganz schnell zu der erkenntnis gekommen das wenn ich das lebe eben DER behinderte bin. Nein ich bin ganz normal eben nur anders so wie das auf seine art jeder mensch ist.

silvio spottiswoode 13.04.2015 | 14:56

Starker Text. Großartig geschrieben.

Vor allem werden gesellschaftspolitisch ganz zentrale, wichtige Punkte angesprochen – die Bedeutung von Vielfalt; Selbstbestimmung; die Betonung auf das Hier und Jetzt, Wertschätzung des Augenblicks; der Drang nach 'Normalität' & das Respektieren eigener Grenzen; Körpergefühl & Kommunikation.

Mein Liebstes: »Das Gute an gutem Sex ist, dass es den guten Sex gar nicht gibt.«[...] »Mit einer Behinderung ist man besonders gezwungen, sich mit seinem Körper auseinanderzusetzen und seine Kreativität zu nutzen.« Wobei das ja eigentlich für alle Menschen gelten sollte. Das So- und nicht Anderssein eben. Inspirierender Text, macht Mut. Ganz stark.

kami 13.04.2015 | 17:07

Behinderte sind vielleicht deswegen eine Herausforderung für die "Normalos", weil sie die Illusion und die Ideologie des von niemanden abhängigen Individuums ankratzen. Von anderen Menschen abhängig zu sein ist zum Schreckensbild der (post)modernen Gesellschaft geworden, ist doch jeder vorgeblich seines Glückes Schmied. Der autonome Mensch, der nur noch über sich selber stolpern kann, sieht es nicht gerne, wenn Menschen aufeinander angewiesen sind. Behinderte lüften den Schleier, der dem urbanen Zeitgenossen die Sicht auf seine zahlreichen unsichtbaren Helferlein verdeckt.

metamorphium 13.04.2015 | 17:19

Interessant ist ein erwähntes Paradoxon unserer Zeit, welches auch von der Autorin gekonnt unkommentiert gelassen wird: Selbstverwirklichung und überzeugtes Singletum wird so lange als "bindungslos, opportunistisch und egoistisch" kritisiert, bis man selbst Lust bekommt, sich nicht mehr von einem so bezeichneten "Partner" bremsen zu lassen. Die Autorin zeigt sich - m.b.M.n völlig zu Recht - stolz und dankbar über ihre persönlichen und beruflichen Errungenschaften. Aber warum beginnt sie ihren Artikel mit einem eher negativ klingenden Satz über "Bindungslose auf der Suche nach Selbstverwirklichung"? Und wieso bezeichnet sie sich als "Arschloch in der Beziehung", nur weil sie sich "dazu erdreistet" hat, persönlich und beruflich über ihren damaligen Partner hinauszuwachsen? Evtl. sollten wir Sinn, Form und Unsinn von "festen Beziehungen" in Zeiten, in denen uns räumlich und technisch kaum noch Grenzen gesetzt sind, überdenken, anstatt uns den Kopf darüber zu zermatern, wie wir einerseits das Beste aus unserer Zeit machen, andererseits niemanden vor den Kopf stoßen, in dem wir das Natürlichste ever machen: nämlich gegebene Möglichkeiten ergreifen. Die Zeiten, in denen die Perspektiven von Geburt an klar waren und beruflicher Aufstieg bezw. Auswanderungen nur einer kleinen Elite vorbehalten waren, sind vorbei - und damit aus meiner Sicht auch die Zeiten, in denen irgendeine Form des Versprechens der Ewigkeit noch ehrlich sein konnte.

Herr Vorragend 13.04.2015 | 19:16

Ich fand manche der von der Autorin geäusserten Denk- und Verhaltensweisen sowie Deutungen etwas absurd. Ein Paradebeispiel ist für mich z.B. dieser Abschnitt:

"Und schließlich braucht ein Mann diese Eigenschaften auch, um mit den gesellschaftlichen Vorurteilen umgehen zu können, die meine Behinderung nun mal immer noch begleiten: „Sind Sie ihr Betreuer?“, wandte die Frau hinter der Kinokasse sich an meinen damaligen Freund – und zwar als Antwort auf meine Frage: „Haben Sie noch zwei Plätze nebeneinander für Saal vier!“ Er fasste daraufhin meinen Kopf und presste seinen Mund so heftig auf meinen, wie wir es sonst nur zu Hause taten."

Es ist völlig offensichtlich, dass die Dame an der Kinokasse das einfach nur deshalb gefragt hat, weil - laut Gesetz - ein "Betreuer" kostenlos in die Kinovorstellung mitgehen darf, wenn ein Behinderter in's Kino geht.

Die Dame an der Kinokasse wollte in Wahrheit also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einfach nur wissen, ob Sie ihnen ein oder beide Kinotickets in Rechnung stellen soll - ausgerechnet das dann als Beispiel für vermeintliche "gesellschaftliche Vorurteile" anzuführen, birgt schon eine ziemlich Ironie.

Ich hoffe ehrlich gesagt, dass besagte Dame an der Kasse ihnen ihr daher recht lächerliches Verhalten in dieser Situation dadurch quittiert hat, indem sie dieses Verhalten als "Nein!" gewertet, und ihnen daher tatsächlich zwei Tickets berechnet hat...

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Ehemaliger Nutzer 14.04.2015 | 01:16

Wenn man merkt, dass das unbekannte genauso blöd ist wie das alltägliche, dann naht der Verstand ;-)

In Bielefeld gibt es einen ganzen Stadtteil mit mehr als 30.000 Angestellten, die sich nur um eine (sehr große) Belegschaft von Menschen mit Behinderungen kümmert.

Wer also Berührungsängste hat, wird dort eines alltäglichen Umgangs gewiss. Weil es Alltag ist.

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Ehemaliger Nutzer 14.04.2015 | 16:25

Mein männlichen Freunde sind gute, aufrichtige, liebe Kerle. Mein weiblichen Freunde sind gute, aufrichtige, liebe Weibsbilder. Meine Freundin liebe ich, ob sie nun im Rollstuhl sitzt oder nicht. Das spielt keine Rolle.

Es ist ernüchternd, ständig darauf gestoßen zu werden, daß aus allem ein Geschlechterkampf gemacht werden kann. Es gibt doch Wichtiges zu tun.

Ob als Mann oder Frau ins Leben geworfen, so einen praktischen Arschlochfilter muß man unbedingt auch auf sich selber anwenden. Als ständigen symbiotischen Begleiter. Das ist der kategorische Imperativ.

perfekt!57 14.04.2015 | 23:04

Also eigentlich war doch sofort aufgefallen, dass es um Liebe ginge. Also fehlende solche. Und um Ergänzung. Und zwar sehr gerne um immer noch um die Richtige. Quasi bedingungslos. Weil es die Seele so wollte. Egal was die anderen sagten, oder gelerntes, oder Kenntnisse oder Vernunft. Also am besten so nach der Art von "ertrinken, versinken, unbewusst, höchste Lust". Aufgabe aller Grenzen zur Zeit, reif und verantwortet, aber so. Körper, Geist und Seele. Nicht anders. Also nur nicht ablassen vom Ideal. Es ist nicht falsch.

perfekt!57 15.04.2015 | 11:47

Es ist also sicher ein Kreuz mit den Männern - anscheind könnte es so sein, als wäre dren Dämlichkeit Mutter Natur evolutionsbiologisch so von Vorteil gewesen, auch wenn das meistens nicht so ganz recht einsichtig wäre. Den Frauen eine ewige last und Sorge zu sein nämlich.

Hier, Schiller, um 1802:

"Ja! so sind sie! Schreckt
Sie alles gleich, was eine Tiefe hat;
Ist ihnen nirgends wohl, als wo's recht flach ist."

Genau, und darum auch errichten sie auf dieser Fläche Türme. ("Soldaten! Idioten! Männer! Kämpfe! Territorien! Blödheit!")

Dabei käme es doch auf ganze andere Dinge an. Also z.B. auf die Frage "Habe ich heute schon einen Antragt gehabt?"

Also auf die vollkomen ernst gemeinete Frage, ""Wollen Sie mich heiraten - Möchtest Du mich heiraten?" - so mit allem, was dazu gehört, also die ganze Person, aus tiefstem Herzen, das ganze Leben, die ewige Treue (genau so!), und mit zwei öffentlichen Ringen. Sozial exklusiv und fruchtbar.

Darum also fragen wir hier heute, damit es wenigstens einer täte:

"Wollen Sie mich heiraten?"

(Und selbstverständlich vorbehaltlich zweiter kleiner, verantwortlicher Einschränkungen, dass wir a. nicht schon so verheiratet wären, und b. einer - wie sollte man sagen? - "pheromonischen Näheprüfung". Denn man muss sich, wie bekannt, riechen können, damit die Gene zusammenpassen, dann das sollen sie, schließlich möchte man(n) auch Frucht zur ewigen Verantwortung, sonst taugte das alles nichts.

Also, jeder Mann jeden Tag einen Antrag, nein, aber mindestens die Blumen dazu.

Wehner 15.04.2015 | 22:56

Warum geben Sie soviel auf das, was andere sagen ? Gerade die sogenannte "Mittelschicht" hat oftmals geradezu zwanghaft und notorisch das Bestreben , die jeweils anderen herunterzumachen. das auch deshalb, weil die Leute von oben planmäßig gegeneinander aufgestachelt werden als Teil einer langfristigen agenda. Das muß man sich immer vor augen halten. es geht doch immer um vermeintliches Prestige, ums besser dastehen wollen. die Leute wissen doch garnicht, wie Krankheiten überhaupt verlaufen und reimen sich irgendeinen Quatsch zusammen.

und mit dem Sex ist es genauso : alle tun sie so geflissentlich, als sei es völlig zwangsläufig, daß jeder gut beim Sex ist, sehr gut natürlich. Ich weiß aber, daß dies nicht stimmt sondern nur vorgegaukelt ist. Viele können sex eben sehr mäßig bis schlecht machen, sodaß viele Männer eine Frau nicht sexuell befriedigen können. Es liegt aber nicht am wollen, sondern am nicht können. Die Übung fehlt, das ist der Punkt. Dazu kommen sexualfeindlichkeit, Lustfeindlichkeit, die ebenfalls von oben planmäßig geschürt werden. Zudem kommt die planmäßige Überlastung jedes arbeitnehmers, sodaß dies eben dann wirkung zeigt- der Sex wird langsam zerstört, und das ist ebenfalls politische Agenda ( natürlich wird dies nicht zugegeben ). Aus alledem ergibt sich daß der Staat heterosexuelle Partnerschaften und den Heterosex stören und verhindern will. Es ist in einem solchen ideologisierten umfeld natürlich schwierig, sexuell oder partnerschaftlich etwas zustande zu bringen. Die alten werte wurden bewußt kaputtgemacht, und so ist eben jetzt eine andere Situation als früher. es geht nur noch ums blenden und vorgaukeln, ums schlechtreden und heruntermachen.

Pregetter Otmar 17.04.2015 | 00:29

Liebe Frau Gehlhaar,

herzlichen Dank für Ihren pfiffigen und zugespitzten Kommentar - ich mag das.

Sie haben mich zum Grüblen gebracht, weil ich in meinem Bekanntenkreis früher auch ein Paar hatte, wo allerdings der Mann an den Rollstuhl gefesselt war/ist.

Eigentlich habe ich mir nie Gedanken über die beiden bezüglich Sex gemacht - vielleicht auch deshalb weil es a) die natürlichste Sache der Welt ist (sein sollte) und b) die beiden so herzhaft und natürlich miteinander umgingen, dass sich dieser Gedanke mir nie stellte.

Danke auch für den Hinweis (ich hoffe, ich hab Sie korrekt verstanden), dass man sich auch nicht in überbordernder "Empathie" zurückfallen lassen sollte - in Begegnungen mit Menschen, die ein Handicap haben. Vielleicht ist dies auch die wichtigste Erkenntnis für mich - ich versuchte mich zu erinnern, ob ich ein zuviel an Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme in meinem Benehmen feststellen konnte - die ich aus Ihrem Kommentar entnehmen und für mich mitnehmen kann.

Merci für diesen "Aufmerksamkeits-Schubbs" in die richtige Richtung.

Moorleiche 29.03.2016 | 12:12

Hallo Laura Gelhaar.

Starker Artikel.

Ich hatte lange Angst, nur auf meine Behinderung reduziert zu werden, bis mir mein damaliger Freund einmal sagte: „Die Einzige, die sich hier reduziert, bist du selbst.“ Mit dieser Wahrheit traf er mich knallhart. Die Möglichkeit, dass mich jemand begehrenswert findet, weil ich sein Typ Frau bin und vielleicht ausstrahle, dass ich kein Mauerblümchen bin, ließ ich außen vor. Und vielleicht versteckte ich mich in diesen Momenten sogar hinter meiner Behinderung. Konnte ich so doch jedes Scheitern mit Männern ganz einfach erklären.“

Gute Erkenntnis, denn diese Zweifel teilen wir alle. Ist man wohlhabend, fragt man sich manchmal ob der/die andere nun tatsächlich mich oder nur mein Geld liebt. Ist man attraktiv, ob der/die andere „nur“ den Körper, die Hülle liebt. Ist man angesehen, geht es um 'Ich oder Statusgewinn?' und so weiter. Man will nicht reduziert werden, sondern so geliebt werden wie man eigentlich ist, aber andererseits gehört eben auch alles zu dem, wer und was man ist. Und das Thema Eigentlichkeit … überspringen wir mal.

Das macht die Sache nicht gerade einfacher und es ist eher ein Klischee, das besagt, wenn ich dies oder das (nicht) hätte, dann wäre alles gut. Denn manchmal erreicht man ja das Ziel seiner vorherigen Träume, erlebt (hoffentlich) kürzere oder längeren Phasen des Glücks, nur um boshafter Weise festzustellen, dass hier wohl auch nicht der Schlüssel zu Glück liegt. Das hat zwar schon der Buddha erkannt, aber wie wir lesen, hat sich das noch nicht so weit rumgesprochen, dass wir das heute alle auf dem Schirm haben. Also, Willkommen im Club.