Der Bushenschaftler

Porträt Jeb Bush interessiert sich für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Seine Chancen wären nicht schlecht
Konrad Ege | Ausgabe 02/2015 6
Der Bushenschaftler
Die Marke Bush gilt etwas in der Welt der Republikaner

Foto: Andy Jacobsohn/Getty Images

Der zweitälteste Sohn des 41. US-Präsidenten, George H. W. Bush, und Bruder des 43. US-Präsidenten, George W. Bush, Geschäftsmann im Finanz- und Immobiliensektor, dazu Gouverneur von Florida 1999 bis 2007, schürt das politische Feuer. Als ein Bush verbringt man die Feiertage offenbar so: Auf Facebook teilte Jeb im Dezember mit, er habe zu Thanksgiving mit Ehefrau Columba, seinen „drei wunderbaren erwachsenen Kindern und drei kostbaren Enkeln“ gefeiert, viel Football geschaut und sich „über die Zukunft unserer Nation“ Gedanken gemacht. Ergebnis: Er werde „die Möglichkeit einer Präsidentschaftskandidatur aktiv erkunden“.

Gewählt wird erst im November 2016, doch die Aspiranten setzen sich jetzt in Szene. Die Bush-Dynastie lebt. Sie hat sich in den fünfziger Jahren von der Wall Street in den Süden der USA verpflanzt und fühlt sich offenbar zum Regieren geboren. „Überlegt sich nicht jedermann jahrelang, ob er Präsident werden will“, hatte einst George H. W. Bush vor seiner Wahl gesagt. Droht nun ein Jeb Bush-Hillary Clinton-Wahlkampf? Die Familie Bush könnte sich rächen für Vater Bushs Niederlage 1992 gegen Bill Clinton.

Entgegen mancher Mutmaßungen, Jeb Bush sei wegen seiner relativen Toleranz beim Thema Homoehe und in der Einwanderungsfrage – Gattin Columba stammt aus Mexiko – zu liberal für die Republikaner, hat der 61-Jährige in der konservativen Welt Punkte gesammelt. Freilich ist er einer, der Tea-Party-Sprüche entschärft, um nicht zu erschrecken. Die Partei müsse „positiver sein und realistischer“, sagte Jeb jüngst bei einem Meeting des Wall Street Journal für Konzernchefs. Deutliche Signale in Richtung Kandidatur setzte er zudem mit Rücktritten von Vorstandsposten und Beraterverträgen, etwa beim britischen Bankhaus Barclays, wo er laut New York Times eine Million Dollar im Jahr verdiente, und bei Tenet Healthcare, einem Unternehmen mit 80 Hospitälern. Bush habe dort seit 2007 2,1 Millionen Dollar kassiert, so die Washington Post. Tenet profitiert von „Obamacare“, der bei rechten Republikanern verhassten Gesundheitsreform. Diesen Monat sponsert Tenet eine Konferenz mit der „Bill, Hillary und Chelsea Clinton Stiftung“.

Der mehrfache Millionär Jeb Bush hat offenbar vom vielfachen Millionär Mitt Romney gelernt, der im Wahlkampf 2012 von hartnäckigen Fragen über seine Geschäftsbeziehungen geplagt wurde. Nur so einfach wird Bush sein Business-Problem nicht los. Der „aufsteigende Mogul“, so Bloomberg.com, habe mit Investoren aus China Firmen und Fonds eingerichtet. Doch ein Bush beugt vor. Jeb hat 250.000 E-Mails aus seiner Gouverneurszeit freigegeben: Der Schmutz, der möglicherweise entdeckt werden könnte, soll „old news“ sein, wenn die Wahlen näher rücken.

Sein schlimmster Tag

Jebs Ambitionen überraschen kaum, obschon sie mit Verspätung kommen: Augenscheinlich hatte die Familie Bush einmal erwartet, nicht George W., sondern Jeb werde ihr zweiter Präsident sein. John Ellis Bush, so der Name auf der Geburtsurkunde, ausgestellt 1953 in der texanischen Ölstadt Midland, ist nämlich der gute Sohn von George H. W. und Barbara Bush, einer, der hart arbeitet, Akten studiert, sich mit Details auskennt. George W. soff noch die Nächte durch, als Jeb bereits bei der Texas Commerce Bank in Houston angestellt war. Das Geldhaus war von James Baker gegründet worden. George H. W.s Freund und späterer Außenminister.

Der schlimmste Tag im Leben von Jeb Bush sei der 8. November 1994 gewesen, schrieb der Journalist S. V. Date in seinem Essay Jeb: America‘s Next Bush. An diesem Tag hatte Jeb für das Gouverneursamt in Florida kandidiert, Bruder George W. für das in Texas. Jeb verlor knapp gegen seinen demokratischen Rivalen, während George W. gewann. Die Weichen Richtung Washington wurden gestellt, ein „grausamer Scherz“. Erst vier Jahre später schaffte es Jeb in Floridas Regierungssitz. Und dann wurden Steuern gekürzt, besonders für die Bestverdiener; es wurde privatisiert, besonders im Schulwesen. 2005 unterzeichnete Bush für seinen Staat das erste „Stand your Ground“-Gesetz (Weiche nicht zurück), demzufolge Schusswaffenbesitzer töten dürfen, wenn sie meinen, sich schützen zu müssen. Eine Maßnahme gegen Kriminalität, so der Gouverneur.

Jeb Bush, der 1995 von der anglikanischen zur römisch-katholischen Kirche übertrat, stellte jedoch auch „Lebensschützer“-Qualitäten unter Beweis, im Jahr 2003 bei der damals die ganze Nation bewegenden Leidensgeschichte der Terri Schiavo aus St. Petersburg in Florida. Die junge Frau lag seit 1990 im Wachkoma; ihr Gehirn war angeblich um die Hälfte geschrumpft. Ehemann Michael hatte beschlossen, Terris künstliche Ernährung einzustellen. Ein Gericht bewilligte das Ersuchen. Jeb Bush war dagegen und mischte sich ein. Er setzte kurzerhand ein Gesetz durch, das dem Gouverneur die Macht zuerkannte, derartige richterliche Anordnungen zu überstimmen. Schiavos Ernährung wurde wieder aufgenommen. Das Oberste Gericht von Florida erklärte das Gesetz 2004 für verfassungswidrig. Terri Schiavo starb im März 2005.

Die Vorwahlen beginnen Anfang 2016. Man wird die Namen der Kandidaten lernen, die vielleicht dann glitzern: Bobby Jindal, Jon Huntsman, Rand Paul, Paul Ryan, Ted Cruz, Mike Huckabee, Rick Perry, Michele Bachmann, Sam Brownback, Chris Christie, Ben Carson, Scott Walker, Rick Santorum, Mike Pence, vielleicht noch einmal Mitt Romney und Sarah Palin.

Ein Bush hat Vorteile in diesem Gewusel. Die Marke Bush zählt in der republikanischen Welt, besonders bei den Geldgebern – trotz George W. Bushs Absturz gegen Ende seiner Amtszeit.

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