Der Trennschleifer

Alltag An seinen Büchern schreibt er Jahrzehnte, Barcelona betrachtet er als seine Heimat, und immer ist er laut, hat das erste Wort und das letzte: Flex aus Kreuzberg

Luna heißt sie. Hey, Luna, hier, Flex winkt mit dem Glashumpen, er will noch ein Bier. Der Titel zu seinem Roman Der Zeitdieb fiel ihm vor 13 Jahren ein. Es war so weit, damals, er wollte sich und was er schrieb begreifen, er schrieb nun schon acht Jahre dran. Immer mal, sagt er. Immer wieder. Jetzt ist es wieder so weit, jetzt ist der Roman fertig. Hundert Seiten in 21 Jahren. Es steckt mehr als nur sein eigenes begrenztes Leben drin. Auf dass aus dem Moment Ewigkeit werde. Flex guckt gelassen. Wie einer, der sich für keinen Moment seiner 55 Jahre schämen muss.

Kein grüner Land, ein weiteres Buch. Neun Jahre ist Flex am Schreiben, die Geschichte der Drogen, 600 Seiten bisher, beinahe alles soll am Ende drinstehen. Wie das etwa war mit der Stasi, dem LSD und der Berliner Humboldt-Universität. Als deren Chemielabors die Pillen herstellten und die Stasi sie dann nach hüben schaffte, 800 D-Mark für tausend Stück, die besten Trips nach Yellow Sunshine aus Kalifornien. "Sie eröffneten mir neue Gesichtspunkte der Aussicht und Weltsicht." Jetzt trinkt Flex bloß noch Jever, und manchmal trinkt er bloß Milch.

Das Misfit, seine Stammkneipe, Berlin-Kreuzberg, Nähe Oranienstraße, und Luna ist die Kellnerin. Flex sieht sie an, schwarzer Vampirpony, weiß geschminkter Teint, sie ist schön, sie ist jung, er lächelt sie an, er mag sie, er mag Frauen. Er weiß, dass es ohne sie nicht geht, bei keinem Mann, der Frauen liebt, und als Künstler sowieso nicht, wegen der Inspiration. Rosa Luxemburg, Marilyn Monroe, Frauen, die er verehrt, bewundert, kluge Frauen, schöne Frauen. Frauen, die Männer begeistern und inspirieren, beide, jede auf ihre Art.

Es ist lange her, die letzte Frau, er weiß nicht mehr, wann. Er hat noch ein paar Sprüche drauf, aus alten Tagen: Eine Frau, die bleibt, ist nicht die richtige für ihn, entweder die Frauen kommen von selber zu ihm, oder sie kommen gar nicht, und so weiter. Aber er freut sich auf den Sommer, auf die Zeit, da die untergehende Sonne samtig rote Lichtspiele auf die Häuser der Oranienstraße zeichnet, Farben wie am Mittelmeer, das ist ein Anblick.

Flex hat es nicht eilig, hat es nie gehabt, wird es nie haben werden, er kann Kant zitieren - "Zeit ist immer Sinn" -, Zeit zu haben, ist immer Sinn, hat er daraus gemacht. Er will leben, ohne die Sachen, die einen hetzen, im Kopf hetzen, er erklärt, gegen alle Ismen zu sein und gegen alle "Ismetiker". Er sagt: "Ich unterhalte mich lieber mit einem klugen Faschisten als mit einem dummen Alternativen." Das ist nicht neu, bei ihm klingt es dennoch originell. Wie vieles, was er sagt. "Ich bin antiherrschaftlich strukturiert, also auch gegen die Zeit, die uns beherrschen will."-"Ich beschäftige mich nicht mit der Zukunft, denn wir leben in der Retrospektive."

Schriftsteller nennt er sich. Und Dichter; Maler und Schauspieler. Alles politisch. "Das Kapital und sein Staat sind mein Feind", sagt er. "Und die Feder ist meine Waffe, stärker als jede Bombe". Sein Hut ist ein Panamahut, seine Haare sind lockig, sie fallen ihm in den Nacken, kein graues darunter, sein Gesicht erinnert an das von Philippe Noiret, mild. Er behauptet, schon auf der Straße gelebt zu haben, und meint, es war nicht seine schlechteste Zeit. "Die bürgerliche Existenz interessiert mich nicht." Er sagt es immer wieder.

Er geht nicht wählen, er will die Räterepublik. Und solange die nicht da ist, wird er nicht aufhören, sie zu entlarven, die "Kapitalseele", die alles durchdringt, alles zersetzt, auf der Jagd nach der Zeit, und Zeit ist Geld. Beides verachtet er, bekämpft er, in dieser Verbindung, Zeit und Geld. Er schrieb Hasstexte, als er zu schreiben anfing. Er richtete sie an sich selbst, "du musst den Hass auf dich selbst beziehen, so geht das", er schrieb sie in einer Nacht, vollgepumpt mit allem, was er greifbar hatte, 20 Seiten, 30 Seiten, 40 Seiten, er sagt, er wollte sagen, wie er sich fühlt, wollte seine Ohnmacht zeigen, aber die Zuhörer verstanden ihn nicht, sie haben die Lampen über ihm zerschmissen.


Geboren in Goslar, Flex sagt, er war ein aufsässiges Kind, ein Kind, das störte, überall. Die Zeit des jugendlichen Widerstandes, in besetzten Häusern am Moltkeplatz in Hannover, gegen prügelnde Polizisten, in Grohnde gegen die Atomkraftversuchsanlage, wieder prügelnde Polizisten, die Demonstrationen gegen den Abbau von Arbeitnehmerrechten, gegen die Parlamentsparteien, für Reich, Adorno und die Kommune. Mitte der Siebziger war das.

In Spanien war Franco gestorben, und Flex fuhr nach Barcelona, "ich ging ins politische Exil". Barcelona hat eine Seele, sagt er, eine republikanische Seele, und die hat es nicht erst seit dem Bürgerkrieg, es hat sie zu allen Zeiten gehabt. Der riesige Stier an der Porta Catalana, der Einfahrt nach Katalonien von Norden her, der Osbornestier, Flex wird ihn nie vergessen. Ab dem Stier wich der Druck, wich dem Gefühl der Freiheit. Erst saß er in der Siete puertas, einer Kneipe in Barcelona, in der Orson Welles verkehrt war, dann machte Flex mit anderen eine Kommune auf. "Wir haben gemalt, geschrieben, gesoffen, gehurt, jeden Tag, jede Nacht, jahrelang, die ganze Kommune eine Fick- und Fressgemeinschaft."

Später mieteten sie eine Ruine in den Pyrenäen. Und machten weiter. "Wir fühlten uns als Rebellen mit Visionen, die Aufhebung von Kunst und Politik im totalen Leben." Das Geld reichte nie, obwohl eine Flasche Osborne damals so gut wie nichts kostete, sie verdienten nicht genug mit ihren Werken und Pamphleten. Gründeten den "Klub der elitären Penner", er sollte neue, frische Leute aus ganz Europa anziehen, es nützte nichts. Anfang der Neunziger gaben sie auf, und Flex kehrte nach Deutschland zurück.

Zwischendurch hatte er an die DDR gedacht, daran, dorthin überzusiedeln. Aber dann fiel ihm Onkel Johnny in Salzwedel in Sachsen-Anhalt ein. Onkel Johnny musste im Betonwerk arbeiten statt im städtischen Orchester Oboe zu spielen, er verweigerte das Bekenntnis zur Politik der Staatspartei SED. Nein, die DDR war für Flex auch keine Alternative zur BRD, zum Kapital.

Nun Berlin-Kreuzberg, seit 16 Jahren, zwischen "Kuchenkaiser" um die Ecke, wo Flex Fußball guckt, vom Stammtisch aus, und dem "Trödler" über die Straße, in holzgetäfelter Umgebung und bei Kerzenlicht, bis in den Morgen rein. Kreuzberg, Zonenrandgebiet, Hausbesetzerszene, alternativ, Arbeiterbezirk, alles ehemalig. Immer weniger rostige Kleinwagen am Straßenrand, dafür umso mehr BMW- und Mercedeslimousinen.

Mit Lesungen hat Flex sich all die Jahre durchgeschlagen, er las in Hamburg, Hannover, Amsterdam, Paris, in Berlin im Café Burger und im Café Größenwahn. Schrieb Dialoge für Kinofilme, für Theateraufführungen. Hielt Vorträge über Marx und den Fetischcharakter der Waren. Jetzt erzählt er was von einem Job in Islamabad, an einem germanistischen Institut, der ihm angeboten worden ist, außerdem in Shanghai. Er gibt gern das Schlitzohr, den Durchblicker, den Macher. Kneift ein Auge zu, zieht eine Lefze hoch. Wackelt mit dem Kopf, grinst, pafft blaue Wolken.

"Shanghai sinkt jedes Jahr um einige Millimeter in den Boden ein, weil sie dort so viel Beton aufschichten, da will ich nicht hin." - "Holland auch", sagt Rico vom Nebentisch her. "Holland doch auch." - "Ruhe", sagt Flex. "Jetzt rede ich."

Ein Verlierer, und er weiß, dass er einer ist, sagen einige im Misfit über ihn. Aber Kommunikator. Im Mittelpunkt, immer und ausschließlich. Dominant, ein Männchen. Und manchmal genial. Andere sagen, er flieht aus der Realität, flieht aus seiner eigenen Misere, mit dem, was er macht. Egal, wer wie zu ihm steht, Flex nennt ihn jeder. Flex?

"Wie der diamantene Trennschleifer, und bei Diskussionen lass ich ihn raus. Robert Musil, le vivisecteur, das Skalpell, es schneidet am lebendigen Fleisch. Doch ich habe es mit Granit zu tun. Mit post-mo-dern-dem - der Begriff ist von mir - mit postmoderndem, versteinertem Material. Ich sage nur: Das steinerne Herz."

Flex, die Maschine, die trennt, spaltet, dazwischen fährt, laut. Die Musik im Misfit ist laut, Golden Earring, die Luft rauchig, das Licht spärlich. Nicht einer hier will ein Gewinner sein. Ich nicht, nein, nie, ich nicht. Sie schütteln die Köpfe, sie sitzen beisammen, das Kinn überm Glas, sie blicken zur Seite, blicken an die Decke, an die Wand, sie schweigen, dann braust ein Redeschwall auf und verebbt, es ist längst alles gesagt, an diesem Abend, an allen Abenden. Aber für die Umbenennung der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße waren sie alle, sie sind abstimmen gegangen. Flex guckt in die Runde, sie heben die Hand, basisdemokratisch.


Er kann laut werden, dazwischen fahren, er ist dann nur noch schwer zu bremsen. Nach dem vierten halben Liter ist er gar nicht mehr zu bremsen, er brüllt beinahe, wenn er sich dann in "die ganze verlogene Scheißidylle, die BRD" reinfrisst und in anderes für ihn Unerträgliches. Der einzige, der ihn bremsen kann, ist er selbst. Dann bestellt er sich einen Tequila, braun, doppelt, "um die Stimmbänder zu ölen", für das nächste Mal, und das kommt bald. Er feiert den Sieg, Schluck um Schluck. Nur braunen Tequila, er weiß nicht, warum, der weiße schmeckt ihm einfach nicht. Dreht sich die nächste Zigarette, die vierzigste, vielleicht die fünfzigste.

Thomas, der mit am Tisch sitzt, sagt, der Flex, der ist es wert. Zwar macht er mich verrückt, der Kerl steht erst um 16 Uhr auf, da machen die Druckereien zu, aber er ist es wert. "Yeah", sagt Flex. "Manchmal stehe ich um eins auf, manchmal um sechs. Manchmal steh ich gar nicht auf. Ich habe keinen Plan, denn der bedeutet Zeit, und Zeit bedeutet Herrschaft."

Thomas war mal die Zweitbesetzung für den Fähnrich Ullmann in Das Boot. Jetzt kümmert er sich darum, dass Flex seine Arbeiten veröffentlichen kann. Er sagt, man muss an den Flex glauben, um ihn zu verstehen. Thomas glaubt an ihn.

Für Das Leichenschauhaus hat er 5.823 Bogen Papier besorgt, Hanfpapier, bei Schneider Söhne in Neukölln. Hat rumtelefoniert, bis nach Dänemark, und nun hat er es. Hanfpapier hält ewig. Und der Flex ist es wert. Das Leichenschauhaus. Jetzt, im Sommer, wird es erscheinen. Ein Prosagedichtpoem, sagt Flex und macht eine langsame, rhythmische Gebärde. Vor 32 Jahren hat er das Buch begonnen, 147 Seiten stark ist es geworden. Anscheinend nicht viel in so langer Zeit. Wieder ein Stück eigener Unendlichkeit?

"Der Zeitdieb ist einer, der da ist und sich wehrt, ohne zu wissen, warum. Wie Kästners Fabian. Das Leichenschauhaus aber rechnet mit Europa und der europäischen Idee ab, mit der Christenheit und Zivilisation, deren Werte die Welt beherrschen."

Der Flex, sagt Thomas, der Flex begreift sich als Wanderer mitten unter lebendigen Toten, deshalb der Buchtitel. Flex tastet nach der Brille, blättert im Manuskript, er findet, was er sucht, er liest vor: "Affengeile Supergalaktonullen für alle, weniger ist mehr, mehr ist weniger, das meiste wenig ist viel mehr als noch mehr weniger, alles ist mehr als vielmehr. Nichts ist weniger als noch viel mehr. Das meiste ist das höchste Gut." Einzeln hat Flex jedes Wort herausgeschrien. Alle haben es gehört, und alle klatschen. Siehst du, was passiert, sagt Thomas, dessen Augen zwischen Flex und den anderen hin und her gehen. Zwiesprache.

Hundert Exemplare werden gedruckt, 180 Euro wird ein Exemplar kosten. Mit je einer Originalzeichnung von Flex sollen es entweder 800 oder 1.000 Euro sein, das steht noch nicht fest. Fest steht die Schrifttype. Joanna heißt sie, eine edle, feine, runde Times New Roman. Das kleine G ist wundervoll harmonisch gebaut, und auch das Fragezeichen wirkt sehr feminin. "Das wird die perfekte Ausgabe, für Jahrhunderte, für Jahrtausende. Wenn nicht für die Ewigkeit." Flex strahlt. Die Zeit, der Planet seien reif für das Buch. Micha wird den Drucksatz aus dem Netz runterladen, 300 Euro wird das kosten, Flex bläst die Backen auf. Aber Thomas hat das Hanfpapier.

Micha sitzt neben Thomas. Micha, der in der FAU war, der Freien Arbeiterunion, und auch im Gefängnis, weil er zweimal Fahnenflucht begangen hat, während seiner Zeit beim Bund. "Wir", sagt er. "Wir wollten was anderes, wir ..." - "Genau", sagt Flex. "Wir wollten nicht mitmachen beim Wahnsinn. Und? Wir machen nicht mit. Es wird Zeit, dass das Proletariat die Vorhaut zurückzieht, damit es abspritzen kann." Alle kennen die Parole, alle lachen. "Wer von euch weiß, wo es den ersten John-Lennon-Platz gab?" fragt er plötzlich in die Runde rein. Schulterzucken, wechselnde Blicke. "In Barcelona natürlich, im Oktober 1981. Jahahaha, Freunde. In Barcelona, meiner Heimat." Dann steht er auf, geht zur Toilette.

Schorsch setzt sich dazu. Ein kleiner runder stoppelhaariger Mann mit zuckenden Augen und fahrigen Gesten. Schorsch ist Musiker, und er ist gut, wenn er klar ist. Es heißt, während einer Indienreise geriet was durcheinander bei ihm, er hat sich nie ganz davon erholt. Nach drei Minuten stummen Sitzens steht Schorsch auf und geht, grußlos.

"Ich bin der lebende Imperfekt", sagt Flex, als er wieder am Tisch ist, und meint damit, dass er nicht fertig ist, nicht vollkommen. Nie will er fertig sein, nie vollkommen. Nie will er aufhören zu lernen. Nie will er der Meister sein oder so genannt werden, denn das sei der Tod, der kreative Tod. "Das Lächeln gibt es nur am Fuße der Leiter", zitiert er den Titel eines Buches von Henry Miller. "Nicht an ihrem oberen Ende."


Dann redet er über Selbstmord, seinen eigenen. Als Thomas, Micha und die anderen fort sind. Wie selbstverständlich redet er darüber, unvermittelt, deutlich. Als könnte jemand, der Flex heißt und Flex ist, nicht auf andere Weise den Kreis schließen. Weg die großartigen Augenblicke von vorhin. Als er abgehoben war, schwebte, über den Dingen, und von dort oben gerufen hatte, schreiben ist wie Krieg oder Sex. Und: Ich kämpfe für Biodiesel.

Weg das Dandyhafte, Nonchalante, weg das Prahlerische, die Pose. Bleischwer. Als überwältigte ihn etwas, als hätte er unmöglich die Kraft zu widerstehen und sich je wieder aufzurichten. Weg auch Flex. Der, der dazwischen fährt, das lose Lachen. Ein Mann sitzt da, der qualvoll hustet, Hände hat, die unruhig sind, und eben noch drei Euro für das letzte Bier. Ein Mann, der gemerkt hat, dass er alt wird und sich Sorgen macht deswegen. Und wegen allem anderen auch.

Er will weg, wohin. "Weiß nicht. Hab keine Heimat mehr. Barcelona ist nicht mehr wie früher, nur noch schick." Die Welt, verloren, fest im Griff des Kapitals. Verloren für den Fortschritt, für ihn, für die Räterepublik, für immer.

"Mich retten nur die Poesie und die Malerei, vor allem die Poesie. Alle tun so als ob. Sie lachen nicht. Sie tun nur so als ob. Nicht ein Minimum an Humor, an Poesie." Dann ist er wieder da, ist wieder Flex: "Oh, sagt man mir, deine Zukunft sieht gar nicht rosig aus." Er rückt näher, der Mund öffnet sich, als wollte er zubeißen."Ich scheiß was drauf. Weißt, was ich mein."

Flex, die gute Seele. B. Traven empfiehlt er, aus Trotz und weil einer von Travens Romanen Das Totenschiff heißt. Klaus Mann empfiehlt er wegen des Stils. Sein Lieblingstier, die Schildkröte, weil sie stetig ist, einen Panzer hat und einen sanften Charakter. Ein Baumhaus stellt er sich vor, als Alterssitz, lieber noch eins unter Wasser, er schwärmt für Gaudy, für Hundertwasser, die Architekten. Er möchte bloß nicht sagen, wie viel er täglich für Bier und Schnaps ausgibt. Das heißt, er möchte schon, es juckt ihn, er will den Triumph, dass er viel verträgt, viel mehr als alle anderen, er fürchtet nur, dass ihm das Arbeitsamt dann ans Hartz IV geht, wenn er es sagt und das Amt es erfährt.

"Der große Zynismus des Kapitals ist der Tod der anderen", formuliert er gerade. Ja, Mann, sagt er dann, das ist gut, das schreibe ich auf. Er schreibt es in ein großes Buch mit ledernem Einband und unlinierten weißen Seiten, ein Buch zum Zeichnen, ein schönes Buch. "Aus dem Spruch werd ich eine Zeichnung machen." Er sagt es leise, kaum hörbar. Wie auch das: "Ist das Kunst oder Leben, was ich mache? Leben ist das." In dem Augenblick ist er bei sich selbst, weit weg von allem, was ihn bedrückt. Ein glücklicher Augenblick.


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00:00 06.07.2007

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