Die Chance der Krise

Gastkommentar Wir Pyromanen und der Ölpreis

Lange Zeit waren wir so naiv und glaubten, das Erdöl ginge nie zu Ende, und Benzin wäre billig für alle Zeit. Inzwischen wissen wir es besser: Der Liter Benzin kostet bald zwei Euro und mittelfristig gar drei oder mehr. Die Preise für die alten fossilen Energieträger Kohle, Gas, Öl und Uran kennen nur eine Richtung: Nach oben!

Die Ursache dafür sind nicht vorrangig Spekulanten an den internationalen Ölbörsen, wie jetzt wieder überall vermutet und gemutmaßt wird, sondern hauptsächlich die rasch zu Ende gehenden Ölreserven. Wir verbrennen heute an einem Tag soviel Kohle, Gas und Öl, wie die Natur in 500.000 Tagen angesammelt hat. Dieser Energie-Wahnsinn hat nicht nur immer höhere Preise zur Folge, sondern auch einen globalen Klimawandel mit heute noch unvorstellbaren Naturkatastrophen und höheren Schäden als die zwei Weltkriege im vergangenen Jahrhundert zusammen. Wir führen mit unseren Ölheizungen und Kraftfahrzeugen einen dritten Weltkrieg gegen die Natur und - wie nicht anders zu erwarten - die Natur reagiert. Wenn die Menschen so tun, als gäbe es die Natur nicht, wird die Natur bald so tun, als gäbe es uns Menschen nicht.

Der Dalai Lama hatte recht, als er kürzlich in einer Fernsehsendung meinte: "Ohne Menschen ginge es der Erde besser." Wir Pyromanen sind die Ursache dafür, dass sich der Ölpreis seit 2006 verdoppelt hat. Es kommt hinzu: Während das Öl zu Ende geht, steigt hauptsächlich in China, Indien, Südafrika, Mexiko, Argentinien und Brasilien der Ölverbrauch. Das Lebensblut der Zivilisation - wie das Öl auch genannt wird - kann nur teurer werden. Alles andere ist schiere Illusion, die wir uns auf keinen Fall mehr länger leisten sollten.

Sind wir dem Ende des Ölzeitalters und den steigenden Öl- und Benzinpreisen hilflos ausgesetzt? Überhaupt nicht. Jede und jeder von uns kann schon heute ein kleineres Auto fahren, man kann weniger Auto fahren, mehr öffentliche Verkehrsmittel benutzen, Pellets statt Öl verbrennen und sein Haus besser dämmen und dadurch seinen Heizölverbrauch mindestens halbieren. Und wer hindert uns eigentlich daran, Solarwärmeanlagen und Solarstromanlagen auf unseren Dächern zu installieren?

Die Alternativen sind schon lange bekannt und einige wenige nutzen sie ja auch bereits. Jetzt aber sollten wir im großen Stil auf preiswertere und umweltfreundliche Technologien umsteigen. Das Ende des Ölzeitalters ist der Beginn des Solarzeitalters - wann, wenn nicht jetzt? Selbst in den Vereinigten Staaten unter George W. Bush könnte "öko" bald nicht mehr die belächelte Ausnahme, sondern allgemeiner Trend sein. Die Ökologisierung begann an einem Ort, an dem es wahrscheinlich die wenigsten vermutet hätten: In Hollywood. Wer heute dort kein Öko-Auto wie zum Beispiel den spritsparenden Prius von Toyota fährt, hat keine Chance mehr auf den Roten Teppich.

Jede Krise birgt eine Chance. Man muss sie freilich erkennen und konsequent nutzen. Worauf warten wir eigentlich noch? Handeln ist gerade jetzt intelligenter als Jammern. Die Sonne schickt uns an jedem Tag 15.000 mal mehr Energie auf unseren schönen Planeten als die Erdbevölkerung verbrauchen kann. Die Lösung des Energieproblems steht am Himmel. Und diese Lösung ist gut für die persönlichen Finanzen, für die Umwelt und für viele neue, zukunftsfähige Jobs.

Franz Alt ist Journalist und Buchautor.

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