Michael Jäger
20.12.2009 | 14:00 31

Die unglücklichen Feinde

Israel/Palästina Um den nahöstlichen Friedensprozess zu reanimieren, sollte die EU Israelis und Palästinensern einen Beitritt anbieten, falls sie zur Zwei-Staaten-Lösung finden

Das Problem Israel-Palästina, das für die ganze Welt so gefährlich ist – man denke nur an seine Instrumentalisierung durch al Qaida –, scheint einerseits unlösbar zu sein. Der Grund ist nicht, dass die palästinensische Seite nicht verhandeln wolle, wie die israelische Regierung jüngst wieder behauptet hat, sondern dass in eben dem Gebiet, für das angeblich auch sie einen palästinensischen Staat ins Auge fasst, nämlich der Westbank, Siedlung um Siedlung von Israelis entsteht, die dort nichts zu suchen haben.

Gegen die anhaltenden Proteste der USA und der EU stellt sich die israelische politische Klasse taub und kann sich das auch leisten, da der Westen an Israels Existenzrecht nicht rütteln lassen wird. Dazu ist er verpflichtet wegen der großen Schuld, die vor allem Deutschland, aber auch andere Staaten den Juden gegenüber in ihrer Geschichte auf sich geladen haben.

Das Problem scheint andererseits einer Lösung immer zugänglicher zu werden, da in den vergangenen Jahren der Schleier über dem Unrecht, das in Palästina geschieht, sich immer mehr lichtet, und man nun fast täglich in den seriösesten Zeitungen davon lesen kann. „So geht das nicht weiter“, ist ein Eindruck, der sich überall auf der Welt in immer mehr Köpfen ausbreitet. Aber wie bringt man die unglücklichen Feinde vom Eis?

Rolle einer offenen Brücke

Manchmal ist zu hören, die Lösung des Problems sei doch ganz einfach: Israel sei vom Geld der USA abhängig, und dieses müsse zurückgehalten werden. Aber selbst wenn es in den USA nicht die starke Vetoposition der jüdischen Wählerschaft gäbe, würde kein US-Präsident eine feindliche Haltung Israel gegenüber einnehmen, und das ist auch gut so. Man hat jedoch zu wenig darüber nachgedacht, was Europa tun könnte. Europa ist immerhin der Herkunftsort des Problems. Ihm wäre ein Lösungsweg zumutbar, der zwar steil scheinen mag, der aber doch gangbar ist: Es könnte beiden Staaten Palästina und Israel, unter der Bedingung, dass der eine endlich entstehen darf und der andere seine Entstehung endlich abschließt, den EU-Beitritt anbieten.

Zu diesem Vorschlag inspirieren die beiden Ideen, die der EU zugrunde liegen: Sie ist ein Zusammenschluss ehemaliger Kriegsgegner, und sie ist auf Erweiterung angelegt. Wenn die Erweiterung schon die Türkei einschließen kann, was freilich umstritten ist, warum dann nicht auch Palästina? Und ohnehin Israel, dies Land mit europäischer beziehungsweise US-amerikanischer Kultur? Kriegsgegner würden auch hier nicht Kriegsgegner bleiben. Eine Abneigung vieler Palästinenser gegen Israelis und vieler Israelis gegen Palästinenser wird zwar nicht so schnell verschwinden, doch die permanente Kriegsgefahr, die Kriegsangst und alle daraus resultierenden Scharmützel wären mit einem Schlag vom Tisch. Denn beide Staaten bräuchten sich nicht mehr um ihre Existenz zu sorgen, da diese nun von der ganzen EU garantiert und gesichert würde. Israel, das bisher dazu verdammt war, der Vorposten der USA im arabischen Raum zu sein, was seine Existenz noch prekärer gemacht hat, würde allmählich in die ganz andere Rolle einer offenen Brücke hineinwachsen.

Die Existenzsorge auf beiden Seiten ist heute entweder ein aus dem Ruder gelaufener Angsteffekt oder ein Vorwand oder beides. Wenn sie ein Angsteffekt ist, macht der gemeinsame EU-Beitritt ihn gegenstandslos. Wenn sie ein Vorwand ist, wird dieser in dem Maß kenntlich und unhaltbar, wie eine Seite die Existenzsicherheit in der EU mutwillig verweigert. So oder so dürfte der Beitritts-Vorschlag Erhebliches zu einer mehr mittel- als langfristigen Umwälzung des Problemfelds beitragen. Man hört heute, die israelische Bevölkerung zeige sich einem Palästinenserstaat in Umfragen mehrheitlich zugeneigt, lasse sich aber von ihrer Regierung überzeugen, dass die Palästinenser keinen Frieden wollten. Diese Konfusion würde aufgelöst: Entweder die Palästinenser lehnen den gemeinsamen EU-Beitritt ab und zeigen dadurch, dass sie den Frieden wirklich nicht wollen, oder nur die Palästinenser stimmen zu, während die israelische Regierung ablehnt, in welchem Fall sie das Vertrauen ihrer Wähler verliert.

Vor allem würden die ökonomischen Hebel wirken. Die EU ist sehr anziehend für ihre Nachbarn, eben weil diese sich von einem Beitritt wirtschaftlichen Erfolg versprechen: Warum sollte das nicht auch für Israel und Palästina gelten, vor allem für die Bevölkerung in beiden Ländern? Zuerst für die palästinensische: Hilfsgelder der EU würden endlich im vollen Umfang bei ihr ankommen, überhaupt würde sie über ihren Wirtschaftsraum erstmals verfügen, er wäre nicht mehr von Straßen zerschnitten, die heute nur Israelis benutzen dürfen.

Was die israelische Bevölkerung angeht, so weiß man, dass die große Mehrzahl der Siedler vor allem deshalb siedelt, weil das Bauland in der Westbank so billig ist; sie wären zur Rückkehr bereit, könnte ihnen in Israel selbst billiges Land angeboten werden. Ein harter Kern von Fanatikern würde freilich bleiben und sich verschanzen, aber gegen den müsste wohl sogar ein Netanjahu Krieg führen, sollte es ihm einmal einfallen, den Rückzug der Siedler beschließen zu lassen. Es ist ferner nicht selbstverständlich, dass eine Gesellschaft wie die israelische nur überleben kann, weil auswärtiges Geld zufließt; sie könnte im EU-Rahmen wirtschaftlich autonom werden, auch weil übermäßige Rüstungskosten wegfielen. Auch davon würde sich mit der Zeit ein immer größerer Teil der israelischen Wählerschaft beeindrucken lassen.

Nägel mit Köpfen machen

Man darf hoffen, dass der Beitrittsweg nicht zuletzt die in den USA lebenden Juden überzeugt. Deshalb würden sie aufhören, sich von jeder denkbaren US-Regierung abzuwenden, sobald diese Druck auf Israel auszuüben begänne. Dem Beitrittsprojekt könnte dadurch Nachdruck verliehen werden, dass im ersten Schritt die Finanzhilfe für Israel von den USA und der EU gemeinsam geleistet würde und dies der proklamierte Übergang dazu wäre, dass nach dem Beitritt nur noch die EU finanziell zuständig sein soll. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ein solcher Schritt nicht schon zu aggressiv wäre. Auf jeden Fall müssen die USA die Tatsache anerkennen, dass der Israel-Palästina-Konflikt für das der islamischen Welt unmittelbar benachbarte Europa viel gefährlicher ist als für sie – daran hat auch der 11. September 2001 nichts geändert.

Natürlich muss man einräumen, dass es mehr als fraglich ist, ob sich auch nur die EU selber auf den skizzierten Beitrittsweg verständigen könnte. Aber den Versuch ist es allemal wert, und selbst wenn er scheitert, wäre einiges in Bewegung geraten. Im übrigen braucht man nur an Sarkozys Projekt einer Mittelmeerunion zu denken, um zu sehen, dass die Idee des Israel-Palästina-Beitritts, statt unrealistisch zu sein, vielmehr geradezu in der Luft liegt. Die Förderung des Friedensprozesses in Israel-Palästina gehört ausdrücklich zu Sarkozys Projektzielen, und doch ­wurde kein konkreter Lösungsvorschlag unterbreitet. Nur so viel ist klar, dass man es offenbar für günstig hält, Israel und Palästina – so, wie sie heute verfasst sind – unter einem gemeinsamen Dach zu versammeln, wo sich dann auch Freunde finden, die moderieren. Aber das Dach ist zu lose und die Freunde lassen es an Entschiedenheit fehlen, wenn sie in Kauf nehmen, dass die Palästinenser keinen Staat haben dürfen.

Es ist besser, Nägel mit Köpfen zu machen. Die Unionsform, die von minderem Rang ist als die EU-Mitgliedschaft, wirkt doch wie eine gewollte Umgehung des Problems, das die ­palästinensische Staatlichkeit aufgibt. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass die Mittelmeerunion sich wie eine Spaltung der islamischen Welt ausnimmt, weil ein Teil der ­Islam-Staaten beteiligt ist und ein ebenso großer Teil draußen vor bleibt. Libyens Staatschef Ghaddafi hat diesen Verdacht ausgesprochen. Er könnte nicht aufkommen, wenn ein Zeichen der Freundschaft mit allen islamischen Ländern gesetzt würde, ein Zeichen nur, aber ein starkes und überzeugendes, das eben in der Aufnahme Palästinas bestünde.

Man wird darüber streiten wie heute über den Beitritt der Türkei, aber auch ein solcher Streit führt weiter. Ginge der Vorschlag von der deutschen Regierung aus, die dabei erneut auf die deutsche historische Schuld hinweisen müsste, hätte er ein großes Gewicht. Und, wie gesagt, zur Mitschuld muss sich ja ganz Europa bekennen. Warum kam denn im späten 19. Jahrhundert die jüdische Bewegung zur Besiedlung Palästinas auf? Das war die Blütezeit der europäischen Nationalstaaten, in denen sich Juden viel mehr als zuvor wie Fremde ausnahmen, es war aber auch die Zeit des Imperialismus, der sich zum Wettlauf um Kolonien in allen Erdteilen entwickelte. Da konnten die Juden zu ihrem eigenen Schutz nichts anderes versuchen, als auch einen Staat zu bekommen, und da das in Europa nicht möglich war, konnten sie auch nur eine Kolonie gründen. Der Kolonialismus ist inzwischen Vergangenheit, doch diese Kolonie läßt sich nicht abschaffen, weil sie eben nicht von Sendlingen eines europäischen Staates gegründet wurde, sondern dieser Staat selber ist.

Das späte 19. Jahrhundert war nicht nur die Zeit des Imperialismus, sondern auch einer Feindschaft zwischen imperialistischen Mächten, die so stark war, dass sie zum Ersten und Zweiten Weltkrieg führte. Danach haben sich in der EU nicht irgendwelche ehemaligen Kriegsgegner zusammengeschlossen, sondern genau diese Staaten eines ehemaligen Nationalismus und Imperialismus. Sie haben allen Grund, sich nun auch mit Israel zusammenzuschließen, wenn aber mit Israel, dann auch mit Palästina.

Kommentare (31)

Passenger 21.12.2009 | 13:10

Ich weiss nicht, aus welcher Ecke der Autor Michael Jaeger urspruenglich stammt. Es ist allerdings beeindruckend mit welcher Unkenntnis er sich zu diesem ebenso wirren, wie teils laecherlichen Beitrag, hinreissen liess.
Die Loesung dieses ewig waehrenden Konflikts auf die EU zu beschraenken, verkennt jegliche Diskurse, die in einer enormen Vielfalt im Land selber gefuehrt werden, und die Tatsache, dass es sich primaer um einen Konflikt zwischen Israelis und Palaestinensern handelt. In diesem Konflikt kommen sowohl USA als auch EU politisch nicht mehr als eine mahnende, moderierende Rolle zu.

Einziger positiver Punkt in dem Artikel ist meines Erachtens, dass der Autor zum Schluss in Erinnerung ruft, dass Antisemitismus und Zionismus gesamteuropaeische Phaenomene sind, fuer die nicht allein Deutschland besondere historische Verantwortung traegt.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen sinnfreien Erguss, der das Papier auf dem es gedruckt wurde, nicht wert ist.

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rahab 21.12.2009 | 13:23

noch was 'sinnfreies':
1. warum den beitritt an die bedingung zweier staaten knüpfen?
haben nicht die palästinenser (die im syro-palästinensischen raum, meine ich) bereits einen staat? nämlich Israel. nur das weder der staat noch seine bürger (die bereits als solche anerkannten wie die prospektiven) so richtig was davon wissen.

weinsztein 22.12.2009 | 03:06

Lieber Michael Jäger,

Deinen Vorschlag unterstütze ich. Das könnte der Weg sein: der Schlüssel für einen stabilen Frieden in Nahost.

Vor 13 oder 14 Jahren war ich beruflich in Ghaza, Ramallah und Jerusalem so, lernte u.a. dort Menschen aus der PLO-Führung und ihr eng verbundene Unternehmer kennen, die in etwa Deine Position vertraten.
Ich kenne etliche Israeli, die ähnlich denken, die aber leider politisch nicht so hoch angesiedelt sind wie meine damaligen palästinensischen Interviewpartner.

Beide Seiten betonten damals vor allem den ökonomischen Reiz einer solchen Annäherung. Vermutlich wäre das der Hebel. Glaube/ahne ich. Damals war die Rede von "weißem Gold". Gemeint waren Chancen, die der Tourismus dem irgendwann friedlichen heiligen Land zu bieten hätte.
Es bedarf wohl auch kompetenter Moderatoren mit Wirtschaftskompetenz. Die wird man ja leicht finden können in Brüssel.
Dir herzliche Grüße
weinsztein

Michael Jäger 22.12.2009 | 12:08

Lieber weinsztein, mir kam die Idee, als ich vor wenigen Monaten einen Artikel über die EU schrieb und mich da etwas einarbeitete. Ich traute mich zunächst gar nicht, die Idee zur Veröffentlichung vorzuschlagen, und bin jetzt sehr verblüfft, von Dir zu hören, daß in Israel / Palästina selbst schon längst Ähnliches diskutiert wird. Auch ich glaube, daß vor allem der "ökonomische Reiz" für einen solchen Vorschlag spricht. Danke! und auch Dir herzliche Grüße, M.J.

SchmidtH. 22.12.2009 | 13:53

Merkwürdig, so neu ist diese "IDEE?" nun wirklich nicht. Also gehen wir einmal ins Jahr 2003 zurück und lesen dann einen Beitrag von Andrea Noll

zmag.de/artikel/Israel-in-die-EU

Damals von Silvan Shalom ins Gespräch gebracht, aber auch in der Jetztzeit macht sich diesen Gedanken ein Herr Liebermann zu eigen. Nun ist dabei weniger von Palästina die Rede, was auch redlicher daher kommt und mit der Wirklichkeit eher in Übereinstimmung zu bringen ist, als solch verfrühte "Weihnachtsgeschichten" wie die von Michael Jäger.

Denn anders kann ich seinen Beitrag nicht verstehen.

1. Glaubt Michael Jäger tatsächlich daran - bis auf die wenigen Friedensbewegten in Israel und in den besetzten Gebieten - jemand wäre an einer derartigen Friedenslösung interessiert? Glauben Sie nicht, in dieser Region hat man sich doch "recht gut" und einträglich mit der jetzigen Situation arrangiert. Beide Seiten würde sehr viel verloren gehen, müßten sie sich von ihrer politisch einträglichen "Opferrolle" verabschieden.

Gideon Levy bringt es doch in seinem Beitrag auf den Punkt, kommt der Wahrheit wesentlich näher, als wir hier in Europa, speziell in unserem Lande wahrhaben wollen.

zmag.de/artikel/netanyahu-sollte-zugeben-dass-israel-keinen-frieden-wuenscht

2. Welchen Sinn sollte es machen einen Staat Palästina aus der arabischen Staatengemeinschaft herauszubrechen?
Was sollte das Signal sein? Etwa, seht her, wir belohnen die "friedfertige" Einstellung gegenüber Israel, den Verzicht mit einer EU-Mitgliedschaft?
Das würde doch sofort die Frage aufwerfen, warum Äpypten noch nicht Mitglied der EU ist.

Nein, zum Träumen mag die Idee animieren, auch Unmögliches zu denken einen gewissen Reiz entwickeln, einen realen Bezug kann ich aber dahinter nicht erkennen.
Leider, aber es ist so.

Michael Jäger 22.12.2009 | 20:05

Die Idee, über die Andrea Noll schreibt, ist durchaus nicht die Idee meines Textes, ich lehne sie genauso ab, wie Noll sie ablehnt. Ich will doch nicht, daß Israel zusätzlich noch zur Speerspitze Europas in den arabischen Raum hinein wird, nachdem ich in meinem Text geschrieben habe, Israel könnte davon befreit werden, die US-amerikanische Speerspitze zu sein. Die Idee, Israel und Palästina als zwei Staaten den Beitritt anzubieten, ist eine ganz andere als die, ihn nur Israel anzubieten, und nur sie entspricht der für die EU konstitutiven Vision des Bündnisses ehemaliger Kriegsgegner.

Ich empfehle allen, dem Link zu Andrea Noll zu folgen, denn dort sind eine Menge von Hinweisen zu finden, die meine Position stützen. Angefangen damit, daß die israelische Regierung selbst schon um den Beitritt gebeten hat, und zwar auch - wahrscheinlich doch vor allem - aus ökonomischen Gründen! Das zeigt, daß in der Beitrittsfrage wirklich ein Druckmittel liegt. Es handelt sich hier durchaus nicht um eine "Weihnachtsgeschichte", sondern die Frage spielt mit, ob und wie lange noch sich die Welt diesen für sie brandgefährlichen regionalen Konflikt gefallen lassen will.

Wenn Sie meinen, ein Haupthindernis bestünde daran, daß beide Seiten "sich in ihrer Opferrolle gefallen", das erscheint mir nun gar nicht irgendwie realistisch oder realomäßig, eher zynisch. Vielleicht kann man von den Regierungen so reden, der israelischen auf jeden Fall, aber nicht von den Bevölkerungen, nicht von arabischen Bauern, für die es heute zum Abenteuer wird, nur ihre Oliven ernten, und auch nicht, nach allem was ich weiß, von der israelischen Bevölkerung. Deren Willen von außen zu verändern, kann man sehr wohl versuchen.

Die Frage, warum Palästina und nicht auch Ägypten, ist leicht zu beantworten. Alle Welt weiß und die Ägypter selbst wissen es auch, daß ihr Staat dem Weltfrieden null Probleme aufgibt und daß das Gegenteil von der verhinderten Staatlichkeit Palästinas gilt. Der Islamismus hängt mit dem Palästina-Konflikt zusammen, auch die ägyptische Regierung wäre froh, wenn es weniger davon gäbe.

gweberbv 25.12.2009 | 03:10

Die Mitgliedschaft in der EU wird hier als eine Art politische Wunderwaffe ins Spiel gebracht, um den Palästina-Konflikt zu lösen. Ganz davon abgesehen, dass dieser Vorschlag nicht nur "da unten" sondern zuerst einmal hier in Europa auf eine realistische Grundlage gestellt werden müsste, bleibt der Autor meines Erachtens jede Erklärung schuldig, wie das überhaupt funktionieren soll.

Was genau würde zwischen Israelis und Palästinensern einfacher, wenn die Karotte EU-Mitgliedschaft vor ihren Nasen schweben würde? Welcher Interessenkonflikt könnte dadurch aus der Welt geschaft oder abgemildert werden?

Man führe sich zunächst einmal vor Augen, worum es überhaupt geht: Neben politischen und kulturell-religiösen Symbolen wie der Kontrolle über (Ost-)Jerusalem existieren zwischen den Konfliktparteien handfeste Interessengegensätze. So greift Israel weitgehend rücksichtslos auf die Ressourcen des Palästinensergebietes zu. Das fängt bei der Landnahme für Siedlungen, Verkehrs- und Sicherheitsinfrastutkur an und hört bei der Kontrolle über die Wasserversorgung (in der Region ein wirklich lebenswichtiges Thema) und landwirtschaftlichen Nutzflächen noch lange nicht auf. In all diesen Punkten müsste sich Israel massiv zurücknehmen, um einen lebensfähigen Palästinenserstaat möglich zu machen. Was bringt da die EU-Mitgliedschaft? Wasser aus den Alpen nach Tel Aviv leiten und Dubai World anheuern, um vor Israels Küste Land zu gewinnen - am besten in Form einer Menora?

Desweiteren soll eine EU-Mitgliedschaft beiden Staaten die Sicherheit garantieren, obwohl die militärische Integration eines der Felder ist, wo innerhalb der EU am allerwenigsten an einem Strang gezogen wird. Die EU ist NICHT die NATO. Und gerade deswegen haben sich ja die Neumitglieder im Osten erstmal an die USA gehalten, wenn es darum ging, unter einen militärischen Schutzschirm zu gelangen. Israel hätte dabei auch rein gar nichts zu gewinnen, da es ohnehin schon über die mit Abstand schlagkräftigste Armee der Region verfügt. Und dass die EU nicht in der Lage ist, den Iran zur Einstellung seines Atomprogramms zu zwingen, ist ebenfalls offenkundig. Die einzige äußere Gefahr für einen Palästinenserstaat ginge wiederum aller Voraussicht nach von Israel aus. Was hilft da die EU? Eine Militärmission, um zwei Mitgliedsstaaten davon abzuhalten, übereinander herzufallen? Nicht umsonst hat die EU bisher Staaten in der Regel erst dann aufgenommen, wenn diese ihre territorialen Streitigkeiten weitgehend beigelegt hatten.

Kommen wir zu den Siedlern: Die EU soll dort scheinbar einige hunderttausend Menschen aus ihren jetzigen Heimat herauskaufen. Neben der Frage, warum das - den nötigen finanzpolitischen Willen vorausgesetzt - nicht schon heute, ohne EU-Mitgliedschaft möglich wäre, werden wenigstens eine tausend Radikalinskis zurückbleiben, für die die Besiedlung außerhalb der Genzen von 67 eine religöse bzw. politische Mission ist. Gegen die müsse halt "Krieg geführt" werden, stellt der Autor lapidar fest. Der Umstand, dass der israelische Staat nicht in der Lage oder Willens ist, gegen einen nicht zu vernachlässigenden Teil der eigenen, jüdischen Bevölkerung eben diesen Krieg zu führen, ist aber gerade einer der entscheidenden Gründe für das Weiterbestehen des Konfliktes! Welcher Staat würde das schon ohne zwingenden Grund tun? Und das lauter werdende Gemurmel der Weltöffentlichkeit a la "so kann es aber nicht weitergehen" ist mit Sicherheit kein hinreichender Grund. Man mache sich klar: Da müssten aller Wahrscheinlichkeit nach Israelis auf Israelis, Juden auf Juden, schießen - und das um den ungeliebten Palästinenser einen eigenen Staat zu ermöglichen.

Last but not least: Weder Israel noch ein möglicher Palästinenserstaat erfüllen die gesellschaftlichen/politischen und wirtschaftlichen Kriterien für einen EU-Beitritt. Während das im Falle Israels hauptsächlich auf die Diskriminierung der Palästinser/Araber zurückzuführen ist und im Falle einer Lösung dieses Konflikts sicher zu beheben wäre, haben wir es mit dem Palästinenserstaat ein waschechtes Drittweltland vor uns. Selbst wenn Israel die territoriale und politische Souveränität gewähren würde, bliebe es fraglich, inwieweit PLO und HAMAS dort innerhalb kurzer Zeit ein funktionierendes, stabiles Staatswesen aufbauen könnten. Was soll die EU damit anfangen? Es gelingt ja kaum Rumänien und Bulgarien zu zivilieren.

In diesem Sinne: Am 1.4. diesen Artikel nochmal einstellen.

h.yuren 26.12.2009 | 11:56

lieber michael jäger, es ist interessant und wichtig, sich gedanken zu machen über die problemfelder dieser erde. so wie ich den ewigen konflikt israel/palestina und andere angeblich unlösbare knoten sehe, zeigen sie überall, dass "die politische klasse" der alten weltordnung am ende ist. sie kann weder die wasser- und klimaprobleme noch religions- und klassenzwiste aufheben. kriege sind unter der leitung dieser politischen elite normal und, wie uns obama erzählen will, manchmal unvermeidbar. manchmal ist ziemlich oft bis alltäglich.
meinte nicht der gute alte voltaire schon, arm und reich seien naturkonstanten? die inseln der reichen müssen gegen das steigende meer der armut "verteidigt" werden. aufklärung ist nicht gleich aufklärung.

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rahab 26.12.2009 | 12:38

ohne über sex der schreibenden person vermutungen anstellen zu wollen: hier hat ein echter mann von schrot und korn geschrieben. ein knallharter realist. eienr, der sich mit den zahlen auskennt. und einer,der noch nie was verrücktes getan, ach was sag ich? ... auch nur gedacht hätte.

Sadats ankündigung seiner reise nach Jerusalem war verrückt - das, was Oslo vorausging, war verrückt - auch die ideen der proto-zionisten wie der späteren zionisten waren verrückt - Ghandi war verrückt - albert Schweitzer war verrückt - Eleanor Rossevelt war verrückt - Elisabeth Selbert war auch verrückt ...verrückte und verrücktinnen woe ich nur hinschaue!

sicher würde solch eine idee (die in der tat nicht neu ist) die konfliktparteien zwingen, einige ihrer no-goes noch mal sehr scharf unter die lupe zu nehmen. na und?

Joachim Petrick 26.12.2009 | 16:02

Hallo Rahab,
genau!,
es geht nicht um die Behandlung der verrückten, sondern um die Behandlung der so genannten Normalos.

Eine Rose ist eine Rose. ist eine Rose.

Eine Meinung ist eine Meinung, ist eine Meinung.

Danke an Dich und MJ für die "Rosenzucht".

Mir kommt MJs Idee vor, wie der Film
"Flucht in Ketten" (1958, Tony Curtis, Sidney Poitier in den Hauptrollen) in dem zwei Häftlinge, schwarz und weiss, die aus den Zwängen, der Zuchtordnung von Rassisimus, ideologien, den Zählapellen von Optionen auf Krieg in die Freiheit der Wahl von Optionen des Friedens aneinander in Ketten gefesselt fliehen.
tschüss
JP

Michael Jäger 26.12.2009 | 18:18

@rahab, Joachim, h.yueren Genau! genau! Besonders Rahab: Das war auch mein erster Gedanke: Warum wird einem denn gleich vorgeworfen, man denke sich ein "Wunder" aus ("Wunder"waffe), wenn man sich nur überhaupt etwas ausdenkt? Bloß nicht über Auswege nachdenken! Ich will nicht leugnen, daß es menschengemachte Probleme geben könnte, die unlösbar sind - z.B. daß man das Wissen über die Atombombe nicht mehr ungeschehen machen kann -, aber daß Israel / Palästina zu diesen Problemen gehören, glaube ich nicht.

Ich will mich aber nicht davor drücken, zu gweberbv im einzelnen Stellung zunehmen, morgen (jetzt muß ich gleich aus dem Haus). Nur allgemein: Mir kommt Ihne Argumentation vor, als wenn ein Schachspieler nur die erste Wirkung eines Zuges bedenkt und nicht, was er für eine Zugfolge auslöst und was indrei, vier Zügen wird.

mh 26.12.2009 | 18:44

amis verhandeln, um als gewinner vom tisch zu gehen. kurzfristig orientiert.

deutsche verhandeln knallhart, aber zielgerichtet. dennoch geht es zu oft um die sache an sich und man denkt alles mit geld regeln zu können.

iraner verhandeln bis aufs blut und reizen ihre karten aus, lenken aber immer rechtzeitig ein.

bei russen geht es oftmals um macht und egos.

für china spielen nur die eigenen pläne eine rolle, die gilt es langfristig durchzusetzen.

israelis veranstalten verhandlungstechnisch eine soap, mit 5 nebensoaps und spielen alle seiten gegeneinander aus um das bestmögliche ergebnis zu erzielen, was nur zustande kommt, wenn genug handlungsdruck vorhanden ist.

palästinenser .. ka.

was ich damit sagen will ist, dass die mentalitäten das entscheidende sind und diese ansätze werden in all den diskussionen absolut gar nicht bedacht, sondern es wird immer nur versucht das politisch mögliche zu sehen .. der weg dahin wird vernachlässigt.

auch hier. da brauche ich nicht mal erwähnen, dass die israelis einen zu hohen politischen einfluss in den usa haben, um irgendwem nachgeben zu müssen. zumindest solange die usa militärische übergewicht in dieser welt inne haben. handlungsdruck null.

mfg
mh

gweberbv 26.12.2009 | 19:40

@Rahab

Nicht jeder, der in falsche Richtung nach Indien aufbricht, entdeckt dann auch Amerika. Verrückte gibt es in Nahost schon genug, die brauchen nicht noch Nachschub aus Europa.

Unmöglich ist die Lösung des Konflikts, oder zumindest der ernsthafte Versuch dazu, sicher nicht. Aber dafür müsste Israel zur Aufgabe vieler Positionen gezwungen werden. Und ein paar Mrd € jährlich, die die EU da reinbuttern könnte, sind bei weitem nicht genug Anreiz. Zumal die EU nach eigenem Verständnis mehr ist als eine von Mittel- und Nordeuropa gesponsorte Wohltätigkeitsorganisation zur Päppelung der siechen Nachbarschaft. Wer da beitritt, sollte das eigene Haus halbwegs in Ordnung haben und bereit und in der Lage sein, sich an gemeinsame Werte und Regeln zu binden.

Zurück zu Israel: Welcher Staat auf der Welt hat denn bisher freiwillig(!) auf große, entwickelte Teile seines Staatsgebiets verzichtet und dafür hunderttausende Bürger umgesiedelt? Ohne gewaltigen Leidensdruck passiert sowas nicht. Und den gibt es für die meisten Israelis bzw. die israelische Regierung nicht. Der Status quo ist da allemal besser, als sich in den Rand eines möglichen Bürgerkrieges zu manövrieren, um ohne Not feindseligen Palästinensern aus ihrer misslichen Lage zu helfen.

Aber was schreibe ich hier eigentlich? Es ist doch Weihnachten, laßt uns verrückt sein und träumen. Der eine von Großisrael, der andere davon, die Juden zurück ins Meer zu treiben - und andere halt von einer europäischen Wertegemeinschaft von Feuerland bis Kamtschatka.

Michael Jäger 27.12.2009 | 09:17

@ gweberbv
Die Argumentation scheint mir in beiden Argumentationslinien äußerst unlogisch zu sein, als da sind 1. "durch den Beitritt der beiden Staaten würde kein einziges Problem gelöst", 2. "dieser Beitritt kann unmöglich herbeigeführt werden, weil Israel ihn weder wollen kann noch nötig hat".

Ad 1.: Du stellst die Sache genau auf den Kopf, denn in Wahrheit r e s u l t i e r e n alle Probleme daraus, daß wir es nicht mit zwei sich gegenseitig anerkennenden Staaten zu tun haben. Da dieser Zustand die Beitrittsbedingung ist, wäre es offenbar umgekehrt so, daß nach dem vollzogenen Beitritt kein einziges Problem mehr übrig bliebe. Z.B. Wasserversorgung und landwirtschaftliche Nutzung: Wenn sich zwei Staaten als Staaten gegenseitig anerkennen wie z.B. Deutschland und Österreich, versteht es sich von selbst, daß Deutschland nicht österreichisches Wasser klauen und Österreich nicht Bauern zur Landnahme nach Bayern schicken wird. Oder wenn das doch geschieht, dann kommt das einer Kriegserklärung gleich und die UNO – natürlich die UNO und nicht die EU! – wird Truppen entsenden. Oder überhaupt die Möglichkeit, daß Kriegskräfte "übereinander herfallen": Die besteht, wenn zwei Staaten sich n i c h t anerkennen, ihren Grenzstreit n i c h t geklärt haben usw. Sie bestünde also in dem Moment nicht mehr, wo der EU-Beitritt vollzogenen wäre, der, wie gesagt, ein Beitritt von zwei Staaten wäre, die sich gegenseitig anerkannt hätten. Oder das Zivilisationsniveau, das kann man sich schon an der Türkeifrage klar machen: Der Beitritt würde natülich allenfalls erst dann vollzogen, wenn die EU mit dem türkischen Niveau zufrieden sein könnte. Also wäre dieses Niveau vom Moment des Beitritts angefangen vorhanden.

Ad 2.: Daß das, was "Israel" will und nötig hat, nicht der einzige Machtfaktor in diesem Spiel ist, zeigt nichts deutlicher als Deine Argumentation. Denn man stelle sich doch einmal vor, der Beitrittsvorschlag der EU läge auf dem Tisch und "Israel" würde so darauf antworten, wie Du antwortest: "Warum sollen wir den Palästinensern einen eigenen Staat ermöglichen, wir lieben sie doch gar nicht!" "Warum sollen wir auf große, entwickelte Teile unseres Staatsgebiets verzichten? – Wir hoffen, ihr habt gut zugehört: Ja, die West Bank ist nämlich unser Staatsgebiet! Wir haben zwar bisher so getan, als verhandelten wir über einen Palästinenserstaat, aber was soll diese ewige Lügnerei, die wir gar nicht nötig haben, wir, die wir militärisch so stark sind, also bitte, jetzt habt ihr's gehört, schreibt es euch hinter die Ohren!" – Also, so könnte "Israel" schon einmal n i c h t antworten. Oder? Aber irgendwie m ü ß t e es antworten. Und hier kommt auch der Grund ins Spiel, weshalb ich "Israel" in Gänsefüße gesetzt habe, weil es in Deiner Argmentation nämlich gar nicht um Israel geht, sondern nur um die herrschenden Politiker dort. Glaubst Du, auch die israelische Bevölkerung betrachtet die West Bank als "einen Teil unseres Staatsgebiets"? Das ist nachweislich nicht der Fall. Also, wie würde sie reagieren, wenn ihre Regierung so reden würde wie Du?

Deine Argumentation liest sich, als ob die Macht wirklich nur aus den Gewehrläufen käme. Macht ist aber nicht nur Zwang, sondern auch Hegemonie, und deshalb hat die Regierung eines kleineren Staates ausgespielt, sobald sie offen sagt "Wir wollen Verbrecher sein, denn es ist bequemer und wir haben schließlich mehr Gewehre als unsere Opfer". Also, und da hältst Du Dich für einen Realisten?

Michael Jäger 27.12.2009 | 09:37

Liebe Rahab, Du schreibst, die Idee sei "in der Tat nicht neu". Das gefällt mir, wenn es so ist, aber ich würde es gern wissen: Wo ist sie denn schon geäußert worden? Ich war vor ein paar Wochen auf einer Veranstaltung, wo der Völkerrechtler und frühere Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Norman Paech gesprochen hat. Da trug ich die Idee in der anschließenden Diskussion vor, nachdem jemand vorher nur vom Beitritt Israels gesprochen hatte, und Paech sagte, auf diese Idee, die ihm gefiel, sei noch niemand gekommen. (Das israelische Regierungsprojekt eines EU-Beitritts allein von Israel lehnt er natürlich ab.) Also, ich hatte gedacht, der müßte es wissen. Aber wenn es in dieser Frage schon einen Vorlauf gibt - nur wo ist er? -, tant mieux.

Michael Jäger 27.12.2009 | 09:48

@ MH
Diesen Ansatz finde ich richtig. Und nun, wenn Du nur die Verhandlungs"mentalitäten" vergleichst, siehst Du doch schon, daß die israelische Regierung es offenbar nötiger hat als andere Regierungen, ihre Verhandlungspartner gegeneinander auszuspielen. Ich unterstreiche, das ist nicht ihre "Mentalität", sondern sie hat es nötig. Es rührt von der strategischen Situation her. Aber nun sieht man auch, was eine Bedingung einer möglichen Lösung ist: Es muß ein strategisches Konzept geben, zu dem alle direkten und indirekten israelischen Verhandlungspartner - also inklusive der US-amerikanischen Juden - so entschieden stehen können und tatsächlich stehen, daß man sie nicht mehr gegeneinander ausspielen kann.

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rahab 27.12.2009 | 09:58

oh, da muß ich jetzt aber suchen gehen! kann sein, ich las sie auch deshalb nicht als neue, weil ich so, wie die dinge liegen, die idee eines beitritts von nur-Israel schon seit längerem bescheuert finde; kann auch sein, mir ist sie bei einem der seminare zur vorbereitung auf eine reise begegnet (da hatten wir manchmal ganz verwegene ideen, vor langer langer zeit). kann auch sein, es ist eine nachwirkung der lektüre von Sari Nusseibehs "es war einmal ein land" (der hat ja auch gern 'verrückte' ideen). vielleicht habe ich das einfach nur aus der erfahrung heraus geschrieben, dass es in dieser frage (und in und zu dieser region) mehr ideen gibt als in der zeitung stehen.

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chrisamar 27.12.2009 | 10:09

@MH120480
Lieber MH,
bei der Auflistung der Nationalitäten mußte ich schmunzeln.
Meine Erfahrung: Die freundlichsten, zuverlässigsten begabtesten Geschäfstleute sind die Iraner.
Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Ägypter, Palästinensern, Irakern Hamburgern jüdischen Glaubens gemacht.Geschäfte sind fast soetwas wie eine Familiensache. Und man ist daran interessiert, langfristig zusammen zu arbeit. Und daran, weitere geschäftliche Kontakte zu knüpfen.

In Hamburg gilt das "Hanseatische-Ehrenwort". Aber, dass muß man erstmal einem Vertragspartner abringen.

Amerikaner sagen immer:"Ja." Hören sich alles an. Und diktieren dann die Bedingungen. Entweder machen sie es dann mit Dir oder die mache es gleich selbst.
Wenn man die an Geld erinnert, sagen die schon mal frech:"Verklag mich doch!"
Das haben die Deutschen auch gut drauf.
Ideen klauen.
Darum würde ich auch nix mit Chinesen machen.Denn das gehört auch bei denen zum "Guten Ton".

Die Probleme mit China und anderen billig produzierenden Ländern sind:
1. Du musst immer jemanden abstellen, der alles im Auge hat ( Qualität ).
2. Urheberrecht gibt es da nicht.

Deutsche:
Wenn man was bei Deutschen ordert, wird es immer teuer. Teurer als vereinbart.
Lieferfristen? Nur zwischen Montags 9.00 - 9.25 Uhr.
Und dann wieder am Donnerstag von 11.25 - 11.48 Uhr.
Und auch nur in dunkel-blau. Weil das mache die seit 150 Jahren. Und die können auch nicht anders. Kunde ist ein Sparschwein mit Ohren.
Bis man mit jemand kompetenten gesprochen hat, wurden Stunden mit Telefonaten E-mails verbracht.
Am Ende hat man keine Lust mehr was mit denen zu machen. 2 Jahre später sieht man seine Entwürfe dann in den Medien. Mit anderen Namen.
Und die sagen:"Verklagen Sie mich doch!"

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chrisamar 27.12.2009 | 10:24

Lieber MH120480,
bei der Auflistung der Nationalitäten mußte ich schmunzeln.
Meine Erfahrung: Die freundlichsten, zuverlässigsten begabtesten Geschäfstleute sind die Iraner.
Sehr gute Erfahrungen habe ich auch mit Ägyptern, Palästinensern, Irakern Hamburgern jüdischen Glaubens gemacht.Geschäfte sind fast soetwas wie eine Familiensache. Und man ist daran interessiert, langfristig zusammen zu arbeiten. Und daran, weitere geschäftliche Kontakte zu knüpfen.

In Hamburg gilt das "Hanseatische-Ehrenwort". Aber, dass muß man erstmal einem Vertragspartner abringen.

Amerikaner sagen immer:"Ja." Hören sich alles an. Und diktieren dann die Bedingungen. Entweder machen sie es dann mit Dir oder die mache es gleich selbst.
Wenn man die an Geld erinnert, sagen die schon mal frech:"Verklag mich doch!"
Das haben die Deutschen auch gut drauf.
Ideen klauen.
Darum würde ich auch nix mit Chinesen machen.Denn das gehört auch bei denen zum "Guten Ton".

Die Probleme mit China und vielen anderen billig produzierenden Ländern sind:
1. Du musst immer jemanden abstellen, der alles im Auge hat ( Qualität ).

2. Urheberrecht gibt es da nicht.

3. Man muss jede Stelle doppelt besetzen. Weil nicht immer alle zur Arbeit kommen. Die Arbeiter kommen nach dem Zahltag wieder.Aber erst, wenn das Geld alle ist.Wie Freunde von mir in Thailand erleben mußten.

Deutsche:
Wenn man was bei Deutschen ordert, wird es immer teuer. Teurer als vereinbart.
Und Lieferfristen? Nur zwischen Montags 9.00 - 9.25 Uhr.
Und dann wieder am Donnerstag von 11.25 - 11.48 Uhr.
Und auch nur in dunkel-blau. Weil das mache die seit 150 Jahren. Und die können auch nicht anders. Kunde ist ein Sparschwein mit Ohren.
Bis man mit jemand kompetenten gesprochen hat, wurden Stunden mit Telefonaten E-mails verbracht.
Am Ende hat man meistens keine Lust mehr was mit denen zu machen. 2 Jahre später sieht man seine Entwürfe dann in den Medien. Mit anderen Namen.
Und die sagen:"Verklagen Sie mich doch!"

Israel Palästiner
Israel gehört allen Menschen. Wenn die jetzigen Politiker irgendwann beerdigt sind, dann wird es bald vorbei sein mit dem Krieg.
Iasraelis Palästinenser leben auch in Frieden zusammen. Davon bekommen wir gar nichts mit.
Palästinenser sind sehr gute Handwerker. Sie arbeiten sehr erfolgreich z.B. im Bereich KFZ-Reparaturen. Es ist auch für Israelis üblich, dass Auto in palästinensichen Werkstätten reparieren zu lassen.

Die Opferrolle der Palästinenser ist erzwungen durch die HAMAS. Und das wissen wir auch.

Israel in die EU?
Ich glaube nicht, dass die daran Interesse haben werden.

gweberbv 28.12.2009 | 00:35

@Michael Jäger

dein Punkt 1 zusammengefasst: Um der EU beitreten zu können, müssten Israelis und Palästinenser ihre Differenzen weitgehend beilegen und allgemein viele wünschenswerte politische/juristische/gesellschaftliche Standards einhalten.

Stimmt! Daraus aber zu folgern, dass man Israel und einem noch zu gründenden Palästinenserstaat nur die EU-Mitgliedschaft anzubieten bräuche, um einen fundamentalen Wandel der jetzigen Situation herbeizuführen, erscheint mir unsinnig. Das meinte ich mit Wundergläubigkeit.

Gehen wir einmal davon aus, es gäbe morgen einen Palästinenserstaat: Wieviele Jahrzehnte einer friedlichen, halbwegs stabilen Entwicklung wären dann noch nötig, um eine den EU-Standards entsprechende politische, gesellschaftliche, juristische, wirtschaftliche Infrastruktur aufzubauen? Und wieviele Gefahren würden auf diesem Weg lauern, die eine positive Entwicklung im Nu wieder zurückwerfen könnten?

Also, so ganz ernst kannst du das mit den heutigen EU-Standards nicht meinen, ansonsten würde der Beitritt Palästinas (und damit auch der Israels) in fernster Zukunft liegen und damit für das heutige Kalkül der politischen Akteure unerheblich sein. Insbesondere angesichts der durchaus beschränkten Haltbarkeit solcher politischer "Versprechen".

Wenn die beiden Staaten dagegen in einem Zustand noch ungelöster Probleme aufgenommen werden sollten, bleibt die Frage, inwiefern die EU bei der Lösung behilflich sein kann - und da kommen dann die von mir oben aufgelisteten Einwände zum Tragen.

Zu Punkt 2: In der Tat stellt sich heute kein Regierungsführer mehr hin und gesteht offen die Unterdrückung Schwächerer ein. Braucht aber auch niemand: Es gibt 1000 und einen Weg, um Unrecht mit wohlklingenden Worten zu ummänteln, Verhandlungen so zu führen, dass sie zu keinem Ergebnis gelangen, die Schuld dafür generell immer der Gegenseite zuzuweisen und Kritikern Einseitigkeit und Voreingenommenheit zu unterstellen. Wobei auf Seiten der Palästinenser auch nichtmal klar ist, wer da defacto ein Verhandlungsmandat hat und in der Lage ist, verbindliche Zusagen zu machen.

Kurzum: Ich sehe nicht, warum sich die israelische Regierung mehr um Roadmap, Nahost-Quartett, UN-Resolutionen, etc. scheren sollte, als das aktuell der Fall ist, nur weil ein EU-Beitritt am fernen politischen Horizont aufgetaucht ist. Jeder israelische Regierungschef muss zunächst einmal darauf bedacht sein, seine (gefühlte) 100-Parteien-Koalition zusammenzuhalten. Ebenso unklar ist, wie es dazu führen könnte, dass sich PLO und Hamas zusammenraufen. Die "Antwort" auf die Offerte des EU-Beitritts wird also höchstwahrscheinlich genauso ausfallen, wie auf die unzähligen Friedensinitiativen der letzten Jahre.

Zur israelischen Bevölkerung: Dass die gesamte Westbank zu Israel gehöre, ist eine Extremposition, die nicht von der israelischen Regierung vertreten wird - weder in Wirklichkeit, noch in meiner Vorstellung.

Dass man am Status quo festhält, den Siedlungsbau unter der Hand moderat voranschreiten läßt, dabei die Sicherheitsinteressen der Israelis absolut setzt und man sich in den Verhandlungen nicht wesentlich bewegt, bevor die Palästinenser nicht die meisten der eigenen Bedingungen akzeptieren - DAS ist die Position, die die israelische Regierung einnimmt. In dieser Ausgangslage ist keine für die Palästinenser akzeptable Lösung zu erreichen, das ist klar. Falls das der Mehrheit der israelischen Bevölkerung entschieden gegen den Strich geht, müssten sie das nächste Mal ganz, ganz anders abstimmen. Wobei es natürlich viel verlangt ist, angesichts des palästinensischen Terrors/Widerstands und der zahlreichen arabischen Angriffe der Vergangenheit für Versöhnung zu stimmen.

oca 29.12.2009 | 21:44

Ein Punkt fehlt noch: Nach dem EU-Beitritt könnte man die israelischen Grenzanlagen ein paar Kilometer verschieben und fortan von FRONTEX betreiben lassen, um die "illegale Einwanderung" in die EU zu verhindern...

Entschuldigen Sie den Zynismus, aber ich frage mich immer, was eigentlich an der israelischen Politik aus europäischer Sicht so schlimm sein soll. Bootsflüchtlinge bewusst im Meer ertrinken zu lassen ist ja schließlich auch nicht so nett.

Michael Jäger 29.12.2009 | 23:53

Was Du zu Punkt 1 schreibst, könntest Du genausogut über den Türkeibeitritt schreiben, und doch wird dieser betrieben, und es geht davon offensichtlich ein gewisser Druck auf die Türkei aus, auch wenn man sich wünschen würde, daß er größer wäre. Bei der Frage des Drucks auf Israel / Palästina sollte man die Phantasie nicht verleugnen, die man doch haben kann, wenn man nur will. Vor einiger Zeit habe ich einen Dokumtarfilm gesehen, der zeigte, wie Israel einen weltberühmen palästinensischen Dichter nicht aus Ramallah zu einem internationalen Dichter-Treffen, ich weiß nicht mehr wo, ausreisen ließ. Daraufhin reisten zehn oder zwanzig namhafteste Dichter, ich habe jetzt nur den portugiesischen Nobelpreisträger Saramago in Erinnerung, umgekehrt nach Ramallah. Der Film zeigt, wie sie mit ihrem Bus an der israelisch-palästinensischen Grenze anlangen, gefragt, wo sie hinwollen, sagen sie "nach Palästina", der israelische Grenzsoldat erwidert: "Gibt es nicht"; in Ramallah findet dann ein wunderbares Meeting statt in einem großen schönen Kultursaal mit bestimmt tausend ZuschauerInnen, vorn auf dem Podium lesen die Dichter aus ihren Werken. Es wird zuletzt noch mitgeteilt, daß die israelische Armee dieses Kulturzentrum kurze Zeit später dem Erdboden gleich gemacht hat. – Nun stell Dir nur mal vor, Regierungschefs der EU würden sich immer wieder mal in Palästina versammeln. Das würde dann sicher auch nicht totgeschwiegen werden können. Und wer wollte sie hindern, es zu tun? Auch wenn solche Regierungschefs in Israel Vorträge halten wollten, könnte das keine israelische Regierung verhindern.

Zu 2.: Wenn es absolut möglich wäre, "mit wohlklingenden Worten" alles immerzu umzulügen, dann wäre in der Menschheitsgeschichte noch nie etwas vorangekommen. Dann wäre Rosa Luxemburg eine Idiotin, die sinngemäß sagte, Revolutionärsein bestehe darin, die Wahrheit laut zu sagen.

Der Unterschied meines Vorschlags zu den von Dir genannten Vorgängen wie Nahost-Quartett usw. liegt darin, daß ich die EU (und immer auch die USA) nicht in der Rolle des bloßen Vermittlers, "ehrlichen Maklers" sehe, sondern als Fordernde, die von sich aus die Lösung des Konflikts (inklusie Grenzfestlegung, Wasseraufteilung usw. usf.) bereits präsentieren, die ganze Welt als Partei für diese Lösung hinter sich versammeln und währenddessen die Konfliktparteien zunehmend dahin drängen, daß die Lösung angenommen wird.

Michael Jäger 30.12.2009 | 00:15

Das stimmt, das hätte in meinem Text vorkommen müssen. Ein wahrscheinlich größeres Problem als die jüdischen Wählergruppen sind die zahlreichen christlichen Fundamentalisten, die an Jesu Wiederkunft in Jerusalem glauben und meinen, diese sei durch den jüdischen Staat mit so einer Regierung, wie er sie hat, am besten vorbereitet; außerdem phantasieren sie, die Bibel würde das Recht zur Vertreibung von Arabern beweisen, und dergleichen Unsinn, der sich eigentlich leicht widerlegen läßt. Nun, mit diesen Menchen müßte eine harte öffentliche Auseinandersetzung geführt werden, dazu bietet die Demokratie der USA ja wohl die besten Bedingungen. Wenn sie glauben, Jesu Wiederkunft sei an Unrecht den Palästinensern gegenüber gegenüber gebunden, muß man sie öffentlich fragen, ob sie etwa versehentlich Jesus mit dem Teufel verwechseln.

Joachim Petrick 01.01.2010 | 22:02

@Rahab,
ich kenne die Debatte:
"Isreals Beitritt zur EU"
durch die verlängert kommunizierte Bank der Tatsache, dass Israel längst als wirtschaftlicher Partner mit der EU assoziiert, die Frage hier wie da provoziert, was wäre sicherheitspolitisch anders, wenn die EU/NATO selber eine Grenze mit Syrien, Jordanien, dem Libanon, Palästine hätte.

Bisher führt sich die EU, selbst mit Israel in einer wirtschaftlichen, wie währungspolitischen "Ehe" assoziiert, künstlich distanziert, prekär neutralisiert, so Lösungsweg offen auf, wie ein therapeutischer Hintergrundberater zur Frage des Naostkonflikts, dass man/frau zu Recht mit Kurt Tucholsky sagen kann:
"Wer diplomatisch so offen wie die EU agiert, kann nicht ganz dicht sein!".

Frage:
ist nicht im Umkehrschluss die rigoros illegale Siedlungspolitik der israelischen Regierungs- Politik an der israelischen wie palästinensischen Geselleschaft vorbei, das Trojanische Pferd, aus dem mit dem demografischen Faktor, zu Gunsten der arabischen Teile der israelischen Gesellschaft, den israelisch- palästinensischen Einheitsstaat als prekäre Lösung herbei militarisiert?

tschüss
JP