Stefan Heidenreich
Ausgabe 1014 | 19.03.2014 | 06:00

Die Zukunft des Bitcoin

Verspekuliert Das Internet-Geld wollte besser sein und ist deshalb in einer Krise

Ende Februar ging die Bitcoin-Börse Mt.Gox pleite, also die wohl wichtigste Handelsplattform für die digitale Währung. Das Vertrauen sei nun beschädigt, ließ daraufhin ein Vorstandsmitglied der Bundesbank verlauten. Tatsächlich hatte Mt.Gox schon Mitte vergangenen Jahres seine führende Position wegen anderer Unregelmäßigkeiten verloren. Die Pleite hat die laufenden Geschäfte kaum betroffen. Der Kurs der virtuellen Währung ist stabil.

Dennoch, aus der anfangs viel gelobten digitalen Innovation Bitcoin ist inzwischen ein Problemfall geworden. Zuerst geriet die Internetwährung wegen Geldwäsche und Drogengeschäften in die Schlagzeilen. Dann schränkte China den Handel stark ein, weil via Bitcoin große Mengen Geldes außer Landes geschafft wurden. Und schließlich geriet die Währung im vergangenen Herbst in die Schlagzeilen, als ihr Kurs kurzzeitig über 1.000 Dollar hochspekuliert wurde.

Die Grundidee von Bitcoin ist einfach und verständlich. Ziel war es, ein digitales Geld zu schaffen, das weder Zentralbank noch andere Banken oder Staaten benötigt. Zahlungen werden von einer Community überprüft und in einer langen Ziffernkette, der sogenannten Block-Chain, festgehalten. Allerdings ist dieses Verfahren nicht ganz unproblematisch. Denn es scheint einigen Experten durchaus denkbar, dass Zahlungen mit der Block-Chain rekonstruiert werden können. So ein Datenleck bei Bitcoin wäre natürlich von großem Interesses für die Geheimdienste.

Zu den technischen kommen ökonomische Probleme: Nach der Finanzkrise und dem Beinahe-Zusammenbruch großer Banken schien es nur folgerichtig, sich über eine Währung außerhalb des labilen Finanzsystems Gedanken zu machen. Solange sich diese nach 2009 nur unter einer relativ kleinen Gruppe von Programmierern und Nerds ausbreitete, blieb sie weitgehend unbeachtet. Sowie sie aber mit dem Finanzsystem in Kontakt kam, verwandelte sie sich. Aus dem einfachen Zahlungsmittel wurde eine spekulative Anlageklasse. Bitcoin wurde zum Opfer des Greshamschen Gesetzes. Thomas Gresham, Gründer der Londoner Börse, hatte im 16. Jahrhundert beobachtet, dass starke Währungen von schwachen aus der Zirkulation verdrängt werden. Denn fürs tägliche Geschäft zahlt man lieber mit wertlosem Blech. Gold und Silber dagegen werden gehortet.

Bitcoin hat einige Ähnlichkeit mit Gold. Die Idee eines in fest begrenzter Menge vorhanden Geldes orientiert sich am Edelmetall. Der Geldmarkt der Ge-genwart dagegen operiert mit Kreditgeld, das je nach Bedarf geschöpft wird. Traditionalisten verwünschen dieses sogenannte Fiat-Money und fordern die Bindung ans Gold zurück. Tatsächlich aber wäre eine dynamische und von Krediten angetriebene Wirtschaft ohne flexiblen Geldmarkt kaum zu haben. Zu Geld im modernen Sinn würde Bitcoin erst, wenn die Zentralbank es als Sicherheit für Kredite akzeptieren würde. Oder wenn es eine Bitcoin-Instanz gäbe, die an Stelle des mittelalterlichen Digital-Goldes ein dynamisches Kreditgeld anbieten könnte.

Die Bitcoin-Geschichte geht mit dem Debakel von Mt.Gox nicht zu Ende. Die digitale Währung ist Vorbote künftiger Ersatzgelder, nach der Regel, dass alte Medien zum Inhalt der neuen Medien werden. Je fragiler das bestehen-de Bankensystem, desto mehr davon werden aufkommen. In einem zweiten Schritt stellt sich allerdings die Frage, ob Ökonomie so als Aufgabe im Netzwerk formuliert werden kann, dass sie auf Geld ganz verzichten kann.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 10/14.