Ganz dicht dran

Sportplatz Kolumne

Kürzlich hat der des Dopings bezichtigte und diesjährig deswegen am Beginn der Tour de France vom Rennen suspendierte Jan Ullrich Comeback-Absichten geäußert: "Ich gebe nicht auf, ohne zu kämpfen. Ich trainiere jeden Tag, ich arbeite an meiner Form ... Ich gehe auch in den Kraftraum und die Höhenkammer. Mein Ziel ist es jetzt, den angestauten Ärger auf dem Rad abzubauen. Wenn mir das gelingt, habe ich verdammt viel Energie."

Für Befürworter eines sauberen Sports muss sich eine mögliche Rückkehr des Radfahrers zur Tour de France als Drohung ausnehmen. Wir schlagen zur Beruhigung vor, Ullrichs Kampfansage im Kontext bisheriger Statements zu lesen. Eine willkürliche Auswahl aus den Jahren 2000 bis 2006:

"Das große Ziel Tour de France ist noch nicht verloren.

Es ist doch logisch, dass ich zu diesem Saisonzeitpunkt noch nicht mein Tour-Gewicht haben kann. An diesem Gewicht gemessen ist jedes andere Übergewicht. So wenig wie bei der Tour de France wiege ich sonst nie.

Ich bin zuversichtlich, dass ich unter diesen Bedingungen noch ein paar große Siege holen kann.

Die Form kommt, und ich habe ein gutes Gefühl für die Tour.

Ich habe keine Angst mehr davor, wenn ich vor der Tour schon gut fahre. Ich kann meine Form halten.

Mein Ziel ist immer noch die Tour de France. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um im Juli 100 Prozent fit zu sein.

Mein Knie hält, ich habe keinerlei Schmerzen mehr.

Bei mir kamen Krankheiten und Pech dazu, aber ich denke, ich habe auch nicht immer 100 Prozent gegeben. Ich glaube, ich war noch nie richtig an meinem Limit. Jetzt will ich es aber noch mal wissen: So wie jetzt will ich nicht abtreten.

Ansonsten habe ich sagenhaft viel in meinem Leben verändert, bin umgezogen und habe mein privates Umfeld verändert. Am wichtigsten ist für mich, dass ich jetzt mehr Eigenverantwortung übernehmen will. Ich werde mich nicht mehr hinter einem Team verstecken. Das, was einige ›Babysitter-System‹ genannt haben, hat mir auch nicht gefallen.

Ich habe verstanden, dass ich mich nicht mehr mit dem Minimum zufrieden geben kann. Im kommenden Jahr, wenn ich alle meine Mittel wieder zur Verfügung habe, kann ich nicht einfach einen 2. Platz anstreben. Ich muss noch ehrgeiziger sein.

Ich denke an die nächsten drei bis vier Jahre. Solange brauche ich mindestens noch, um mir alle meine Wünsche zu erfüllen.

Ich habe noch viel vor. Es geht darum, ein schlagkräftiges Team für die nächsten Jahre aufzubauen, das mir bei der Tour helfen kann.

Ich habe jetzt das stärkste Team der Welt.

Ausschlaggebend war, dass ich oft genug Tour-Zweiter geworden bin. Ich will nicht mehr mit meiner Zukunft spielen.

Ich weiß, ich schaffe es noch mal. Dieses Jahr war ich ganz dicht dran.

Ich weiß, wie viel Jahre ich noch um den Sieg mitfahren kann: die nächsten drei. Ich bin überzeugt, dass das meine Zeit ist. Es wäre schade, wenn ich von den drei Chancen zwei verschenken würde.

Ich habe mich zu dieser Jahreszeit noch nie so gut gefühlt.

Ich habe ihnen gesagt: Ich bin ein anderer geworden, ihr seht, wenn ihr mir meine Freiheiten lasst, dann bringe ich meine Leistungen.

Der Weg wird hart. Meine ersten intensiven Kilometer habe ich erst vor ein paar Tagen gefahren - die taten weh, aber ich muss jetzt Rennen fahren.

Ich kann das aufholen und gucke nicht rechts und links, was die Konkurrenten tun. Abgerechnet wird erst im Juli. Ich zweifle nicht an mir. Ich habe im Winter gut trainiert - die Grundlage ist da. Ich kenne meinen Körper.

Ich will gesund und in Topform zur Tour.

Ich bin nicht nur mitgerollt. Die Form ist sprunghaft gestiegen.

Ich denke, ich bin jetzt bei 90 Prozent meiner From.

Wir sind 22.000 Höhenmeter geklettert, ich bin ein gutes Zeitfahren gefahren. Ich denke, ich habe allen Grund zufrieden zu sein.

Die 10 Prozent, die mir noch fehlen, hole ich mir noch in den Tagen bis zum Tourstart. Ich werde zwei, drei Tage ruhig zuhause verbringen, auch um vom Kopf frei zu bekommen.

Ich fühle mich prächtig."


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00:00 24.11.2006

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