Ganz prächtig

Italien Lorenzo de’ Medici machte sich als Förderer der schönen Künste einen Namen. Schon seine Geburt im Jahr 1449 wurde von glanzvollen Gaben und Feierlichkeiten begleitet

In einem bürgerlichen Gemeinwesen wie Florenz war das Haus nicht nur der Ort, in dem eine Familie wohnte. Mit seinen Mauern und Räumen bildete es zugleich eine Art Körper, der die Familie schützend umhüllte und nach außen hin ihre Stellung im sozialen Gefüge der Stadt anzeigte. Im Haus materialisierten sich die Geschichte der Familie, ihr gegenwärtiger Stand, ihre Hoffnungen für die Zukunft. Dies galt auch für das Haus, in dem Lorenzo de’ Medici am 1. Januar 1449 das Licht der Welt erblickte.

Die Familie, in die er hineingeboren wurde, war nicht von Adel, aber seit Jahrhunderten in Florenz ansässig. Einem Dokument zufolge – dem ersten, das sie nennt – wohnten die Medici im Jahre 1169 zusammen mit einer adligen Familie in einem befestigten Turm beim Mercato vecchio, dem alten Markt, im gleichen Stadtbezirk, in dem sie auch noch im 13. und 14. Jahrhundert siedelten, als sie längst eine personenstarke, in verschiedene Zweige aufgeteilte Sippe geworden waren. Am Mercato vecchio lagen ihre Häuser, Läden und Werkstätten, die zusammen mit einer Loggia, wo sich die Familienangehörigen und ihre Freunde zu versammeln pflegten, einen zusammenhängenden baulichen Komplex bildeten. Hier befand sich auch die heute zerstörte Kirche San Tommaso, über die mehrere Medici-Familien noch im 15. Jahrhundert gemeinsam Patronatsrechte ausübten. Lorenzos Großvater Cosimo de’ Medici ließ sogar im Jahr 1435, als er das hohe Amt des Gonfaloniere di Giustizia, das höchste im Staat, bekleidete, das Fest des Hl. Thomas zum städtischen Feiertag erklären...


© der vorliegenden Ausgabe der Beck’schen Reihe, Verlag C.H. Beck oHG, München 2009


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Ingeborg Walter ist Autorin zahlreicher Publikationen zur Kultur-, Kunst- und Gesellschaftsgeschichte der italienischen Renaissance. Sie lebt und arbeitet in Rom. 2008 lehrte sie als Gastprofessorin für italienische Sprache und Kultur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Zusammen mit Roberto Zapperi veröffentlichte sie zuletzt im Verlag C.H. Beck Das Bildnis der Geliebten. Geschichten der Liebe von Petrarca bis Tizian (2007)

Das ist Buch ist im Februar 2009 erschienen

Ingeborg Walter
Der Prächtige
Lorenzo de' Medici und seine Zeit

2009, 336 Seiten, mit 28 Abbildungen, Paperback
Verlag C.H.Beck
ISBN 978-3-406-58273-8

14,95


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15:40 29.07.2009

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