Wieland Elfferding
13.08.2009 | 05:00 23

Grüne Götterdämmerung

Umweltbuch Wissenschaftler versuchen eine Neu(be)gründung der Ökologie aus dem Geiste der Kulturgeschichte. Ein Projekt, das die Grünen längst aufgegeben haben

Auch die Theorie werde zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreife, so lautete noch die Prognose von Karl Marx im Jahr 1844 in seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Doch die Revolutionshoffnungen zerbrachen in Deutschland an der Ungleichzeitigkeit von Theorie und Praxis. Und diese Ungleichzeitigkeit gibt es heute noch.

Nehmen wir die Grünen. Womit haben Sie ihre Wahlerfolge verdient? Doch nicht mit der konsequenten und erfolgreichen Ausbreitung einer Theorie. Die Einsicht, sie profitierten nur vom katastrophalen Zustand der Sozialdemokratie, beruhigt nicht. Selbst die Beobachtung, dass alle anderen Parteien den grünen Gedanken übernommen haben und somit die Grünen schön blöd dastehen, genügt nicht.

Denn erstens ist jener Gedanke im Verlaufe seiner Ausbreitung unkenntlich geworden. Analog zur Entwicklung bei der Sozialdemokratie einhundert Jahre zuvor, ist nichts weiter als ein florierender grüner Kapitalismus herausgekommen – eben Umweltgeschäfte statt ökologischer Umbau der Industriegesellschaft.

Zweitens kann nicht wirklich davon die Rede sein, dass der grüne Gedanke die Massen ergriffen hätte und somit zur materiellen Gewalt geworden wäre. Jede kennt doch die Nachbarin, welche die Mülltrennung längst aufgegeben hat, weil sie sich sicher ist, dass hernach sowieso alles zusammengekippt wird. Und doch webt und wirkt der grüne Gedanke allenthalben, vom Elektroauto bis zum Kyoto-Prozess.

Diese Unschärferelation verlangt nach einer Erklärung: die Grünen sind nicht im Gespräch, sie gehen aber auch nicht unter. Der grüne Gedanke hat sich in Technologien, Institutionen und Gesetzen materialisiert, politisch ist er kraftlos geworden. Wie geht das zusammen?

Wie Marx verzweifelt die einflussreichen Ideen seiner Zeit durchforstete, um darin die Anzeichen der kommenden Revolution zu lesen, so wäre der Entwicklung des grünen Gedankens noch einmal nachzugehen, um das Scheitern des grünen Projekts begreifen zu können.

In Deutschland begann es als Umweltbewegung. Doch die Suche nach Umweltsündern mobilisiert nicht mehr und der Umweltbegriff ist längst dem der Ökologie gewichen. Die Ökologie ist als Wissenschaft etabliert. Bevor noch die Lehrstühle und Studiengänge eingerichtet wurden und die Absolventinnen zu Managerinnen florierender Ökounternehmen und -bürokratien wurden, verbrannte die grüne Bewegung ihre Hexen. Mithilfe des sozialistischen Lagers wurden schon in den späten siebziger Jahren die moralisch starken Bataillone der Anthroposophen im Süden der Republik ausgeschaltet.

Teufelsaustreiber Bahro

Kaum war das geschafft, ging es den Sozialisten an den Kragen. Die „apokalyptischen Reiter“ mussten sich mit ihren revolutionären Untergangsdiskursen auf die Trabrennbahn und schließlich in Managerschulungen zurückziehen. Gute Dienste leistete bei dieser Teufelsaustreibung Rudolf Bahro, der – wer erinnert sich noch? – als einer der letzten versuchte, alle grünrevolutionären Gedankenstränge zusammenzuraffen und das grüne Projekt im Leben zu verankern. Er war der nächste, der ausschied.

Die Liste ist lang. Auch die Verbannung des Heimatbegriffs aus dem grünen Diskurs gehört hierher, die Verwandlung von Geschichtswerkstätten in staatsoffizielle Ausstellungsprojekte oder stinknormale Heimatmuseen. Kurzum, nicht nur für den Aufstieg eines grünen Sonnenkönigs zum Olymp der Weltpolitik, sondern auch für die Etablierung des grünen Gedankens unter dem Namen der Ökologie in Institutionen und Unternehmen mussten so ziemlich alle bewegenden Ideen geopfert werden, welche die Massen hätten ergreifen können.

Mit dem Schlagwort der Herausbildung eines grünen Establishments ist die Sache allerdings nicht getroffen. Vielmehr geht es um die tragische Auftrennung von institutionellen und wissenschaftlichen Diskursen einerseits, lebensweltlichen andererseits. Im Verlaufe dieses Prozesses amputierte sich die grüne Bewegung so ziemlich alles, womit sie sich in breiteren Kreisen der Bevölkerung hätte verwurzeln und wodurch sie eine bewegende politische Kraft hätte bleiben können.

Dabei scheute die grüne Bewegung die Theorie wie der Teufel das Weihwasser – vermutlich einfach ein alberner Affekt gegen die 68er-Intellektuellen. Das verhinderte freilich nicht, dass sich das grüne Projekt tief in das Denken und Forschen über Natur und Landschaft eingrub. Leider hat das mangelnde Interesse daran, das eigene Denken durchzuarbeiten, die Zeugenberge des grünen Diskurses einfach unverbunden nebeneinander stehenlassen.

Nationalparks und Müllschiffe

Wer kann schon aus dem Stand erklären, wie sich in den Köpfen der wissenschaftliche Diskurs der Ökologie ohne weiteres mit den apokalyptischen Fanalen von Waldsterben, Tschernobyl und Ozonloch vertrug? Die Geschichte des Marxismus kennt jedenfalls die schlimmsten Zweifel, ob die Parteilinie sich wirklich direkt aus der Wertformanalyse und dem tendenziellen Fall der Profitrate ableiten lasse. Mit dem schlichten Verweis auf die Logik von Ökosystemen Nationalparks zu gründen oder Müllschiffe zu entern hat dagegen wohl noch keinem Grünen schlaflose Nächte bereitet.

Wer da an grüner Selbstaufklärung interessiert ist, greife zu dem Buch Vieldeutige Natur: Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene">Vieldeutige Natur, das die Handschrift von Ludwig Trepl trägt. Trepl schrieb in den achtziger Jahren ein Standardwerk über die Geschichte der Ökologie und versammelte seit den neunziger Jahren, aus Berlin kommend, am Fachbereich Landschaftsökologie der TU München eine beachtliche Schar von Schülerinnen und Schülern um sich. Sie repräsentieren jene Generation, die das neue Denken über Natur und Umwelt in das weit gespannte Netzwerk von Institutionen des Naturschutzes und zu deren wissenschaftlicher Beratung geführt hat.

Ihre Botschaften an die Naturschützer und die Politik lassen aufhorchen. Lernen nicht schon Schulkinder, wie der tropische Regenwald funktioniert und warum er, einmal zerstört, nicht wiederhergestellt werden kann? Pustekuchen, der Regenwald erweist sich bei näherem Hinsehen nicht als Ökosystem, sondern als historisch-kulturelles Produkt wechselnder Interessen und Perspektiven. Und überdies verfügen Ureinwohner durchaus über Techniken der Wiederaufarbeitung von gerodeten Böden (Klaus-Dieter Hupke).

Wie tritt ein Nationalparkdirektor, etwa der des Bayerischen Waldes, empörten Anwohnern entgegen, die sich mit den hektarweiten Baumgerippen absterbender Fichten nicht anfreunden können? Er verweist auf das, was die Natur nun einmal braucht und „tut“, wenn sie vom Menschen nicht bevormundet, sondern alleingelassen wird.

Touristen kennen den ökologisch angereicherten Diskurs von Nationalparkprospekten, die mit „Wildnis“ werben. Doch welche Wildnis ist gemeint? Die „schreckliche Waldwildnis“ eines Adalbert Stifter oder das „bedrohte Ökosystem“ von heute? Auch hier lösen sich die scheinbar gesicherten ökowissenschaftlichen Begriffe in der Säure der historischen Diskursanalyse in eine Vielfalt von Positionen, Denk- und Handlungsmöglichkeiten auf, deren Legitimation erst noch aussteht (Gisela Kangler).

Naturschützer eifern für die Erhaltung seltener Arten und einmaliger Ökotope. Was aber, wenn eine seltene Art von außen einwandert und eine angestammte, nicht weniger schützenswerte Art bedrängt? Für welche Art von Vielfalt schlägt dann das grüne Herz – für die angestammte alte oder für die neue, noch unabsehbare? Sticht nicht ins Auge, dass hier, hinter der Phrase von der Biodiversität, gegensätzliche Konzeptionen von natürlichen Gesellschaften lauern, die verdammt analog sind zu konservativen oder liberalen Vorstellungen? Wie können die Naturschützer mit sich ins Reine kommen, wenn sie nicht den Zusammenhang ihres Strebens mit den im Hintergrund steuernden Konzepten der politischen Philosophie aufklären? (Thomas Kirchhoff und Sylvia Haider)

Ein letzter Versuch

Dieses Buch markiert nicht weniger als eine Neugründung der Ökologie durch eine Kritik ihrer begrifflichen Voraussetzungen. Das Denken über die Natur wird aus seiner scheinwissenschaftlichen Reduktion auf die Ökologie befreit und in den größeren Zusammenhang von Gesellschaft, Geschichte und Natur zurückgeholt. Gewiss stehen die innerwissenschaftlichen Motive dieses Paradigmenwechsels im Vordergrund. Doch lesen sich die Beiträge wie ein einziges Déjà-vu der von der grünen Bewegung geräumten Positionen. Landschaft als kulturelles Phänomen, die Rede von Heimat, die philosophischen Wurzeln von ökologischen Theorien – als Gesamtbotschaft lässt sich verstehen: verschanzt die Gegenstände des grünen Diskurses nicht hinter dem Ökojargon mit seinen scheinbar einfachen und unanfechtbaren Argumenten, sondern beschäftigt euch mit den vielfältigen historischen und kulturellen Bezügen, die alle verstanden und mobilisiert werden müssen, wenn es für die Welt eben noch nicht zu spät sein soll!

Die Trepl-Schule verschafft uns eine paradoxe Wiederbegegnung mit den Vergeblichkeiten des grünen Projekts. Während es längst an Auszehrung von gesellschaftlicher, moralischer, emotionaler Substanz leidet, während es sich von all seinen Wurzeln und Quellen sozialer Bewegung und politischer Veränderung getrennt hat, stellt die Wissenschaft all diese Bezüge wieder her, als sollte ein letzter Versuch gemacht werden zu retten, was noch zu retten ist.

Paradox ist die Ungleichzeitigkeit von Politik und Wissenschaft des grünen Projekts. Während der cultural turn der Ökologie eine enorme Belebung und Verbreiterung ihrer Wirkungsmöglichkeiten eröffnen könnte, ist die grüne Politik selbst längst anämisch geworden.

Auch dieser Markstein des Nachdenkens über Natur und Landschaft ist Kind seiner Zeit. Im methodischen Ansatz, der auf das idealtypische Denken Max Webers zurückgreift und Kategorien wie Wildnis oder Ökosystem folgerichtig als heuristische Begriffskonstruktionen auffasst, meint der Rezensent ein Stück unwillkürliche Mutlosigkeit angesichts des Niedergangs des grünen Projekts zu spüren. Denn wie anders könnte doch die Wissenschaft zu Werke gehen, wenn die lebendige gesellschaftliche Praxis selbst der Abstraktion und Verallgemeinerung von Begriffen zuarbeitete und die Denkformen als begriffliche Fassung herrschender Praxisformen auszuweisen erlaubte, als wenn die Grundbegriffe als reine Gedankenkonstrukte zur Einteilung der Wirklichkeit aufgefasst werden müssen.

Der methodische Vorteil, gegen essentialistische Missverständnisse gefeit zu sein, wird womöglich mit der Gefahr einer nominalistischen Ferne zu Welt und sozialer Bewegung bezahlt. Umso mehr ist den Umdenkerinnen der Ökologie zu wünschen, dass die Massen Besitz ergreifen von ihren Gedanken – und wenn es nur die Massen wären, die ab und zu noch einen nostalgischen Blick auf die Grünen werfen.

Thomas Kirchhoff, Ludwig Trepl (Hg.), Transcript Verlag, Bielefeld 2009, 353 S., 29,80

Kommentare (23)

Streifzug 13.08.2009 | 17:15

Die Grünen sind der lebende Beweis dafür, was passieren kann, wenn man in unseren gesellschaftspolitischen Verhältnissen durch Institutionen marschiert, statt die eigenen wesentlichen Ideen zu institutionalisieren: Die Ideen verpuffen mit der Zeit.

Ansonsten ist es gedanklich ein Geschwurbel welches nicht ganz klar werden lässt, ob es sich um eine Sekte oder um eine basisdemokratische Bewegung handelt, die dem Realismus der Bürger ihre Gründung verdankt.

Trotzdem hab ich das Buch auf meine Merkliste gesetzt ;)

Columbus 13.08.2009 | 23:51

Lieber Herr Elfferding,

Wenn "Streifzug" beklagt, es gebe bei den Grünen nur Geschwurbel, dann mag das für die strenge diätische Erziehung der kernebeißenden ehemaligen Verbraucherschutz- und Landwirtschaftministerin zutreffen, die Roundup-Ready für tolerabel, dicke Menschen aber für ein Öko-Problem hält.

Aber, Ihre These, der Urwald würde sich wieder regnerieren, die trifft ja nur da zu, wo überhaupt ein längerfristiger Wille vorhanden ist. Aus Mittelamerika gab es dazu zuletzt einige Berichte, die sofort begierig von grundsätzlichen Feinden des Ökologiegedankens aufgeriffen wurden. Tatsächlich sind das verschwindend kleine Flächen und der weitere Abbau des tropischen Regenwalsgürtels schreitet unerbittlich voran. Bitte, lassen Sie es sich gesagt sein, dort wo einst Regenwald war und nun GM-Mais oder GM-Soja steht, da wo in Zukunft genetisch manipuliertes Zuckerrohr angebot wird, wächst zu 99% nie mehr wieder Regenwald. Auf den paar Flächen in Mittelamerika von aufgegebenen Bananen und Tabakplantagen, entstand ein "Ersatzwald", der zwar die örtlichen klimatischen Verhältnisse wieder herstellte, aber nicht den artenreichen Regenwald.

Also bitte, angesichts des Themas, etwas mehr Ernsthaftigkeit bei der Recherche.

Wenn sich Ihnen und den Forschern um Herrn Trepl der Regenwald bei näherem Starren auf die Kulturgeschichte tatsächlich als "historisch-kulturelles Produkt wechselnder Interessen und Perspektiven" und nicht als schrumpfendes Faktum darstellt, dann hilft weder Marx noch Hegel und eine Aufklärung scheitert dann womöglich schon an der fehlenden Binnenökologie des sich annähernden Blicks.

Im bayrischen Wald liegen die Verhältnisse ganz anders, wie überhaupt für die Wälder Europas. Hier finden sich die artenreichsten Biotope nicht in den Wäldern, sondern auf Mager- und Streuobstwiesen, an Waldrändern und dort wo man in Hängen und lichten Wäldern wieder mit Hutewirtschaft (Viehtrieb, z.B. entlang des Rheinsteigs am Mittelrhein, auf den Hangterassen)experimentiert. - Sie hatten doch jüngst einen umstrittenen, in diesen Zusammenhängen aber geschulten Gastautor, Herrn Professor Reichholf.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

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meisterfalk 14.08.2009 | 00:44

Die Kritik geht am Anliegen des Textes vorbei. Der Autor weist auf Publikationen hin, die mit dem Gedanken umgehen, dass 'Natur' kein ahistorisches Phänomen ist. Sowas wie Regenwald gab es auch mal in hiesigen Breiten, Relikte davon sind etwa im Geiseltal-Museum in Halle/Saale zu besichtigen. Dass die Natur eine Geschichte hat, will sagen, einer Veränderung unterliegt, ist eine Binsenweisheit, ja. Aber dass diese Naturgeschichte seit Auftauchen der Menschen, ihrer Gesellungsformen und ihrer entsprechenden Aktivitäten nicht mehr wie gehabt verläuft, sondern in einer anderen, nicht mehr aus der Welt zu schaffenden Form, hat bis jetzt noch nicht wirklich Eingang in ökologisches Denken oder gar Politikkonzepte gefunden. Man meint immer noch, 'wir' müssten die 'Natur' in ihre alten Rechte setzen. Die Naturgeschichte gibt es aber nicht mehr. Es gibt nur noch die Geschichte als Geschichte der Wechselwirkung von Natur und Gesellschaft. Man könnte es auch 'Kultur' nennen, und also 'Kulturgeschichte'. Das wäre mal ein konsequenter Kulturbegriff, der dann auch gleich die Dreiteilung des Print-Freitag in Frage stellen würde. :)

Columbus 15.08.2009 | 13:39

ad meisterfalk schrieb am 13.08.2009 um 22:44

Lieber "Meisterfalk",

Selbstverständlich gibt es eine Naturgeschichte. Und es gibt eine Zivilisations- und Kulturgeschichte seit es Menschen gibt. Selbstverständlich hat es auch, vor urdenklicher Zeit, etwas Ähnliches wie tropischen Regenwald dort gegeben wo Europa liegt. Nur lag "Europa", dieser schöne Klumpen Erde, nicht da wo wir Menschen es heute finden.
Die Bemerkung zum tropischen Urwald ist schlicht falsch. Der war nämlich, selbst von den indianischen Zivilisationen die in ihm leben und lebten, fast völlig unberührt. Der Mensch spielte keine Rolle.

Zudem ist dieser tropische Regenwaldgürtel vielleicht um den Faktor 1000, wahrscheinlich sogar um den Faktor 10 000 artenreicher als renaturierter Wald oder "Ur-Wald" in Mitteleuropa. Es gibt keine Ähnlichkeit zum dichten, aber artenarmen Eichen-Buchen-"Urwald" auf nährstoffreichen Böden, der sich in Mitteleuropa durchsetzte, bevor der Mensch dann los legte.

Aber endlich gelangen Sie zu einer Aussage, die Ausgangspunkt für ein zivilisiertes Naturverständnis sein könnte. "In ihr Recht" wieder einsetzen kann man "die Natur" nicht. Sie kennt ja den Begriff, wie alle anderen Begriffe nicht. Das ist "Binse". Aber, den tropischen Regenwald möglichst zu erhalten und ihn nicht zur riesigen Plantage umwandeln,das könnten wir aus Selbstschutz-Gründen. Wir tun es aber, trotz anders lautender Bekundungen, bis heute nicht.

Auf die angewandten Begriffe bezogen: Im tropischen Regenwald finden wir einen weitgehend unberührten Rest der Naturgeschichte, der allerdings ökologisch so wichtig ist, dass wir ihn durch Einsicht, das wäre Kultur, retten müssten.

Das schneidet ja dem Forschungsansatz Herrn Tepls und Ihrem Argument, die "Naturgeschichte" sei eine menschengemachte und von der jeweiligen Anschauung dazu was Natur und Kultur, was wild und zivilisiert sei, nichts ab. Nur ausgerechnet das Beispiel tropischer Regenwald stört, weil hier tatsächlich ein Biotop existiert, das noch nicht von menschlicher Kultur überwältigt wurde, obwohl der "Fortschritt" diesbezüglich unaufhaltsam marschiert.

Das Andere, was ich zu Grünen schrieb, ist Geplänkel aus Enttäuschung. Immer noch ist eine grüne Umweltpolitik konsistenter und langfristiger gedacht, als z.B. die Scheinheiligkeit unserer Kanzlerin in dieser Frage. Ich bin mir ziemlich sicher. Sie und ihre aktuellen Koalitionäre, könnten auch mit einer Eisbär-Fototapete, es muss nicht einmal Knut sein, gut leben, wenn die übrigen Parameter ein gutes eigenes Leben und Karriere ermöglichten. Diese Haltung wird geteilt von der Mehrheit des Volkes.

Im bayrischen Wald kommen nach den Fichten die Buchen und Eichen. Das macht mittlerweile sogar die Forst-wirtschaft, natürlich unter ökonomischen Gesichts-punkten und nicht der Natur überlassen.
Wo bleibt unser "Fichten- und Kiefernwald-Reservat, wo bleibt der Tannenschutz?" (Scherz)

Grüße
Christoph Leusch

misterl 16.08.2009 | 00:08

Bliebe Streifzugs erster Absatz für die Vorwahlrealpolitische Debatte übrig, die sich lohnen würde zu debattieren und wo im Grunde für alle westdeutschen, linken Parteien den Aufruf an sich selber zu addressieren hätten: "back to the roots". Und sich sohl SPD wie auch Die Grünen fragen müßten: "wo waren die eigentlich?"

Grüne begannen als etwas fremd artiges, kauften in sich bildenden "Bioläden" ihren Lebensbedarf ein, hatten esotherische Marotten im Gefolge und die BioLandwirtschaft reagierte als es sich ein gutes Geschäft abzeichnete mit dem Einzug von BioProdukten im Discounter , was auch der immer wieder aufkommenden Kritik die Spitze nahm, das Bio teuer sei und deshalb nur etwas für "Betuchte".

Kreislaufwirtschaft Mülltrennung: der "Grüne Punkt" und wiederum Big Business mit Verpackungsmüll (sorry Wertstoffen), der gesammelt sortiert abgeholt wird und vor Ort dann doch wieder in eine Tonne kommt, weil die (fast) automatische Mülltrennung noch mehr Mehrwert aus dem Müll holt.

An der Stelle dulde ich keinen Einwand. Ich habe es persönlich erlebt, als ich mit meinem wohl sortierten Umzugsmüll bei der Kippe vorfuhr und es hieß: "dort alles in den einen Container."

Mit dem Punkt bezahlt der Kunde einen Teil der Verpackung, für deren Abholung (Wertstoffe) er dann erhöhte Müllgeühren zahlt, die die Industrie zurück bekommt zum erneuten Verkauf an den Bürger. Dabei reinigt der Bürger die getrennten Wertstoffe vor (sonst stinkt es mit der Zeit) und bezahlt dafür dann erhöhte Brauchwasser und Abwassergebühren. Aber im WC haben wir eine Stoppautomatik, die Wasserverbrauch mindern soll, was an sich a: sinnlos ist (es regnet deswegen in der Wüste nicht wirklich öfters) und b: schädlich ist für die Kanalisation. Je mehr sie gespült wird, um so besser (nein, länger) hält sie.

Ein Beispiel für schönes Kreislaufwirtschaftssystem - allerdings ein ziemlich Wirtschaftssystemkonformes. Ein ökologisches Wirtschaftssystem ist damit auch im Ansatz nicht entstanden. Auch ist der Gedanke: Verursacherprinzip an sich ad absurdum geführt. Aber das ist an sich fast nur noch eine Randnotiz.

Ein ökologisches Wirtschaftssystem würde immer daszu neigen absurdes, sinnbefreites oder systemisch Negatives abzuschaffen. Unser Kreislaufwirtschaftssystem Müll (also Wertstoffe) ist so eines. Wie sehr müßten sich Grüne "verbiegen", um diesen Scheinerfolg als Fehler einzusehen?

Was dann wieder zum Standpunkt und zum ersten Absatz von Streifzug führt. "Die Ideen verpuffen mit der Zeit." Sind es vielleicht nicht nur die "Ideen" sondern auch die Ideale?

Hans Hirschel 16.08.2009 | 02:14

Dass die "Prognose", Theorie werde zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreife, nun wirklich nicht zu den Glanzleistungen des historischen Materialismus gehört, sollte sich eigentlich längst herum gesprochen haben. Schon vor über 30 Jahren hat Martin Buchholz aufs Allerfeinste über den linken Wunsch nach "starr vor Ergriffenheit" nach linker Aufklärung lechzenden Massen gelästert. Wieland Elfferdings Beschwerde an Großvater Zeitgeist, dass die Grünen ihre Wahlerfolge "nicht mit der konsequenten und erfolgreichen Ausbreitung einer Theorie gewonnen" hätten, und "nichts weiter als ein florierender grüner Kapitalismus" herausgekommen sei, hat das Zeug, MB als Findelsatire für ein "best of" Programm zu dienen.

Mit der richtigen Theorie hätten die deutschen Grünen die Welt längst ökokommunistisch umgewälzt? Das ist ja eine super Theorie :-). Empfehle stattdessen zu der Theorie zu greifen, dass eine Analyse der Grünen ohne eine genauere Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse und der Frage, welche Spielräume es für ökosozialistische Perspektiven überhaupt gibt und wie die genutzt oder auch erweitert werden können, nicht funktionieren kann.

Das hätte die eigenen Gedanken vielleicht auf die ungeheure Herausforderung gelenkt, die in der Notwendigkeit begründet ist, innerhalb eines nur noch sehr kleinen Zeitfensters entscheidende Fortschritte im globalen Ressourcenmanagement, zur Eindämmung des Treibhauseffektes, des Verlustes an Wald- und Biodiversität oder gegen die Überfischung der Weltmeere durchzusetzen, statt darüber zu lamentieren, dass "der grüne Gedanke" (?) politisch eher kraftlos geworden und das "grüne Projekt" gescheitert sei.

Soweit erst einmal
Gruß hh
hhirschel.wordpress.com

Hans Hirschel 16.08.2009 | 03:04

Der rote Großvater erzählt die Geschichte der Grünen
Kapitel: Durchs wilde Grünistan:

"Bevor noch die Lehrstühle und Studiengänge eingerichtet wurden und die Absolventinnen zu Managerinnen florierender Ökounternehmen und -bürokratien wurden, verbrannte die grüne Bewegung ihre Hexen. Mithilfe des sozialistischen Lagers wurden schon in den späten siebziger Jahren die moralisch starken Bataillone der Anthroposophen im Süden der Republik ausgeschaltet."

Wie bitte? Abgesehen von der "linken" Unart, Erfolge der Ökobewegung in eine Verratsgeschichte umzudeuten:

Was sind denn das für Mytnen? Verbrannte Hexen? Starke Bataillone der Anthroposophen im Süden der Republik? Ausgeschaltet? Und danach war sie weg, die grüne Weltrettungstheorie?

Weiter gehts in Sauseschritt ins finstere Mittelalter der grünen Geschichte:

Tampert und Ebermann scheiterten mit ihren revolutionären Untergangsdiskursen. Ja, weil sie den Fehler begangen, ihre gesammelten Bad News einseitig zur Delegitimation "des" Kapitalismus einzusetzen in der frohen Erwartung, dass die Massen aus lauter Verzweiflung über die ausweglose Ökolage die Führungsqualitäten moderner Sozialisten in Anspruch nehmen würden. Schon deshalb, weil die über die Kompromissler so tolle Witze reißen konnten! ("Nachtflugverbot für die Pershig II" usw.).

Oha: und dann wurde es ganz arg: Nach den Anhängern Rudolf Steiners ging es nun dem "Heimatbegriff" an den Kragen! Na, ist es da noch ein Wunder, die es den Grünen nicht mehr gelingen konnte, mit einer guten Theorie Wahlkämpfe zu gewinnen?

Ach und noch ein Verrat gibt es zu vermelden: aus Geschichtswerkstätten wurden stinknormale Heimatmuseen!

Wieland Elfferding: "Kurzum, nicht nur für den Aufstieg eines grünen Sonnenkönigs zum Olymp der Weltpolitik, [???] sondern auch für die Etablierung des grünen Gedankens [der mit dem korrekten Heimatbegriff? der mit dem anthroposophischen Kuhornzauber?] unter dem Namen der Ökologie in Institutionen und Unternehmen mussten so ziemlich alle bewegenden Ideen [???] geopfert werden, welche die Massen hätten ergreifen können."

Und jetzt die Mundharmonika: Spiel mir das Lied vom grünen Verrat! Ich bin ergriffen!

Soweit erst einmal (Bin gespannt, wie`s weiter geht)

Gruß hh
hhirschel.wordpress.com

Hans Hirschel 16.08.2009 | 03:45

Weiter gehts:

Die Theorie wächst heran!

Wieland Elfferding am 13.08.2009 05:00

"Vielmehr geht es um die tragische Auftrennung von institutionellen und wissenschaftlichen Diskursen einerseits, lebensweltlichen andererseits."

Also: Ohne eine nähere Erläuterung ist die richtige Interpretation dieses Satzes kaum möglich. Welche Diskurse waren die "lebensweltlichen" und welche die institutionalisierten?

"Im Verlaufe dieses Prozesses amputierte sich die grüne Bewegung so ziemlich alles, womit sie sich in breiteren Kreisen der Bevölkerung hätte verwurzeln und wodurch sie eine bewegende politische Kraft hätte bleiben können."

Ja und was außer süddeutscher Anthropologie und den richtigen Heimatbegriff haben sich die Grünen genau abgeschnitten? Geht es nicht ein wenig konkreter?

Was sind "Zeugenberge des grünen Diskurses"? Und wie schafft es die Unlust das eigene Denken zu durchdenken, diese "Zeugenberge" (?) voneinander zu trennen?

Ja, und Und warum ist das schlimm?

Fragen über Fragen
So weit erst einmal

Gruß hh
hhirschel.wordpress.com

P.S. Wie gut, dass es Wikipedia gibt. Immerhin weiß ich dank WEs Scheitergeschichte, dass Zeugenberge durch Erosion entstanden sind die sie irgendwann einsam in der Landschaft stehen lassen.

Die Erosion wurde also durch das Nichtdurchdenken der eigenen Gedanken ausgelöst, so dass einzelne grüne Gedanken, die sich zufällig als widerstandsfähiger (oder brauchbarer?) erwiesen als andere stehen blieben. Schönes Landschaftsgemälde! Aber was sind die grünen "Inselgedanken"?

Hans Hirschel 16.08.2009 | 04:20

Kann das nur untersteichen.

Die Regenwälder Amazoniens sind zwar tatsächlich in großen Teilen auch Kulturlandschaften mit zahlreichen Waldgarteninseln, die seit ewigen Zeiten angelegt wurden. In den 1980er Jahren fand man, dass bereits vor der Anlegung von Straßen Samen und Setzlinge über 2000 km Entfernungen ausgetauscht worden waren.

Ja und nach traditioneller Brandrodung kleiner Fläche zur Anlage neuer Waldgärten regeneriert sich der - immer noch angereicherte - Wald, nachdem nach einigen Jahren die Asche als Dünger nicht mehr reicht. Aber das hat eben in der Tat nichts mit den großflächigen Rodungen durch die Agroindustrie zu tun. Die bei WE zu Tage tretende Ignoranz gegenüber diesem ungeheurem Raubbau macht wirklich zornig.

Außerdem: Wer von den Grünen hat angebliche Regenwaldwildnis je romantisiert? Willy Hoss? Barbara Unmüßig?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass das in "linken" Kreisen in Mode gekommene Verratsgequatsche in Bezug auf die Grünen eher einem Mangel an Radikalität und Problembewusstsein geschuldet ist und der Sehnsucht nach einer heilen Diskurswelt entspringt die die FDP einen Teil ihres geheimnisvollen erfolges verdankt (die sich über "linke" Wahlboykott-Koketterie potenzieller Grünwähler auch fein freuen kann).

Ok, das reicht für heute
Gruß hh

PS. Aus Wikidedia zum Bayrischen Wald:
Nachdem die alten Nadelwaldkulturen inzwischen weitgehend tot sind, gehen die Borkenkäferzahlen seit einigen Jahren deutlich zurück und mit dem Nachwachsen von jungen Ebereschen, Fichten und Buchen ist an vielen Stellen wieder ein Jungwald entstanden. Diese neuen Bäume haben mittlerweile (Stand 2004) schon eine Höhe von 70 cm erreicht. Es gibt im Bayerischen Wald mehrere Vereine, in denen sich Nationalparkgegner und andererseits Nationalparkbefürworter zusammengeschlossen haben.

de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Bayerischer_Wald

Hans Hirschel 16.08.2009 | 11:16

Welche Theorie nur veranlasst Wieland Elfferding, von den Grünen eine Theorie zu verlangen, von der "die Massen" beizeiten ergriffen zu sein haben?

Und was lässt ihn glauben, es sei in Ordnung aus dem Bauch heraus eine Verratsgeschichte der Grünen zu verfassen ohne eine einzige Quelle zu nennen, ja ohne überhaupt erkennbare Mühe darauf zu verschwenden, die eigenen subjektiven "Einschätzungen" nachvollziehbar zu machen? Und ohne den Anflug einer Bemühung erkennen zu lassen, die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse zu analysieren, innerhalb der sich grüne Fort- oder auch Rückschritte (und diese womöglich reflektierende oder gar vorausdenkende Wortschritte) zu bewegen haben?

Mit den Grünen eh schon fertig zu sein ist ja groß in Mode in kritischen Kreisen. Vom Freitag hätte ich mehr erwartet: eine konkrete Auseinandersetzung mit Positionen - wie sie auf den auf den Webseiten der Heinrich Böll Stiftung ja durchaus zu finden gewesen wären.

Gruß hh

www.boell.de

Columbus 16.08.2009 | 13:24

misterL schrieb am 15.08.2009 um 22:08

Werter "MisterL",

Die "Grünen" entstanden nicht spontan und schon gar nicht aus einem einzigen gemeinsamen Ziel. Der Name "Grüne" ist daher eher verwirrend, denn erhellend.
Tatsächlich ist die erste Gründergeneration der Grünen aus verschiedenen außerparlamentarischen Organisationen hervor gegangen, hat einige Leute aus den K-Gruppen eingesammelt und Viele von der SPD.
Konservative Mitglieder wollten sich mit den nicht aus der Ökologiebewegung kommenden Inhalten nicht einlassen und gingen bei Zeiten wieder.
-Nein, Sie bekamen einfach mit der Zeit keine Positionen in der sich etablierenden Partei.

Nun, dann gibt es noch die Position der Pragmatiker und der Leute, die mittlerweile die Grünen, wie alle anderen etablierten Parteien, vornehmlich als einen Karriereweg sehen. Damit muss man leben, denn als "APO" hätte "Grün" kaum mehr Einfluss gewinnen können.

Beim "Grünen Punkt" verhält es sich so, dass dieser von den Grünen heftig bekämpft wurde. Die Müllverbrennung war eine SPD und CDU/CSU/FDP Gemeinschaftsüberzeugung, die schon in den späten 60er und frühen 70ern des letzten Jahrhunderts und vor allem in NRW Schule machte. Übrigens bestens geeignet für volksparteienübergreifende Korruption und Durchstecherei.

Heute wird Müll als Wertstoff und Wirtschaftsgut über Autobahnen transportiert, um die überdimensionierten Anlagen am Leben zu erhalten. Das ist die "Materialspülung" für große "Leitungen".

Langjähriger Chef des Grünen Punktes und damit der "DSD", war ein ehemaliger Oberbürokrat und CDU-Oberbürgermeister aus Frankfurt. Der sah grundsätzlich zuerst nach der Wirtschaftsbilanz und privatisierte, wo er im Verein mit Kohl und Konsorten konnte, die Müllthematik komplett. Sein Nachfolger Wolfgang Repnik (CDU) machte dann bis 2005 weiter. Da war der "Grüne Punkt" längst in den Händen einer privaten Investmentgesellschaft.
Der grüne Anteil an Müll und Müllverbrennung: Allenfalls ein wenig, die Verbesserung der Filtertechnik und der Sondermüllverbrennung, nachdem bekannt wurde, wie viel Dioxin aus den Schornsteinen abrauchte. Auch die Sanierung der maroden Deponien war ein Thema für Grüne. - Sie sehen, wie schnell Geschichte und Geschichten vergessen werden und die Menschen an Mythen, nämlich an das Wortsymbolon "Grün" glauben. Deshalb grünt es in der Werbung und in der Industrie, auch wenn es hauptsächlich geistiger Grünspan und real giftig ist.

Ihr persönliches Problem, Sie müssen,um Verpackungen einzusparen und z.B. kompostieren zu können, viel nachdenken und Industrie wie Handel wollen ihnen das partout nicht abnehmen, weil das deren Profite schmälerte oder die Produkte verteuerte und Sie als Verbraucher das merken könnten. Steuern und Abgaben sind eine Dauerlast, vom Bürger als "böse" beklagt, die widerwillig hingenommen wird. So werden die Kosten in diesen Bereich verschoben und in den Produktpreisen steckt zwar mittlerweile schon mehr vom Entsorgungsaufwand, aber, wie man z.B. jetzt bei Asse II und Morsberg sieht, oder bei den zu Null Euro an die Energiekonzerne verschenkten CO-2 Zertifikaten, die Bürger lassen sich lieber um Milliarden beschummeln, als endlich andere Parteien zu wählen.

Haushaltsauflösungen, sie finden ja heute mit einer viel höheren Wechselfrequenz statt, weil die Menschen schon beim Einkauf Schrottmöbel aus Verbundmaterial bevorzugen, seltener wirklich was vererben und pflegen und zudem noch häufiger die Möbelmoden wechseln wollen, waren immer schon ein großes Problem für die Müllabfuhr. So wird denn heute die privatwirtschaftlich einträgliche große Müllverbrennung
gefördert, wie es einst SPD und CDU/CSU, aber auch die FDP schon vorher sagten. Das sind ja auch die wirklich "führenden" Parteien in Deutschland.

Die "Grünen" haben nicht unser Wirtschaftsystem und noch weniger, unsere Denke verändert und sie haben auch nicht mit freiwilligen Vereinbarungen, die Sie im Bund mit der bräsigen SPD abnickten, viel erreichen können. Doch bevor sie auf den Trichter kamen, waren sie schon etabliert und ausgebremst. So blieb nur das übrig, was sich heute "Verbraucherschutz und Aufklärung" schimpft. Der Konsument solle "lesen können, was drin ist", zu mehr reicht es mit Frau Künast nicht und wird es auch nie.

Aber einmal ehrlich. Die "Grünen" können nur so wirksam sein, wie es ihre Wähler zulassen. Die wollen Ökologie auch immer nur bei den Anderen, am liebsten fern der eigenen Wohnung.

Nach all´ dem bin ich trotzdem der Überzeugung, dass in Fragen der Ökologie immer noch der meiste Sachverstand und Umsetzungswille bei den Grünen zu finden ist. Umso befremdlicher, dass forschende Deutsche erst einmal wieder eine Ideologie auf die Beine stellen wollen um sich Grün zu fühlen, anstatt zu handeln und gerade dies die Hauptkritik an den "Grünen" sein soll, eine solche Ideologie nicht zu besitzen. - Heinrich Heine hilf uns geistig, kann ich das nur sagen, und läute doch endlich einmal jenes Totenglöcklein für des deutschen Michels Sehnsucht nach ideologischem Biedermeier.

Grüße
Christoph Leusch

Columbus 18.08.2009 | 01:07

Lieber "meisterfalk",

Theorien, ausgehend von den falschen Prämissen, scheitern schon an der Beschreibung der Problemlage.

Ich musste schmunzeln, denn es gibt kaum eine andere Partei in Deutschland, in der so viele Leute überhaupt Mitglied sind, die Jahre und Jahrzehnte sowohl gesellschaftliche Theorien entwickelten, als auch bescheiden, sie sind nun ´mal nicht des Wählers erste Präferenz und Liebe, praktische Anregungen daraus verwirklichten.

Ganz düster sieht es aber mit anderen, vor allem mit den dauerhaft staatstragenden Parteivertretern aus,die gerne mit Eisbären fotografiert werden, aber letztlich weder vom Eis noch noch vom Bären, weder vom Wasser,noch von einem Urwald, noch von einer Wüste wirklich beeindruckt sind, sondern, wenn es partout zur Werbung nicht taugt, wenigstens genug Stoff, Material und Ressourcen daraus sichern und abtransportieren wollen. Sogar auf dem Mond geht es einzig darum, rechtzeitig einen Zettel hin zu legen, was folgerichtig nichts mit Theorie sondern mit dem Glauben zu tun hat. Der wächst meist am stärksten in der Nähe und zweiten Reihe der Macht. Das sind dann die Gabriels und die Pastor Hinzes, die sagen, sehet, wir tun das zu unserem Besten. Sie produzieren Showeinlagen für ein gläubiges Volk und bewegen sich damit auf dem Niveau, zu dem auch Frau Künast abstieg, nachdem sie begriff, wie wenig Gesetzeskraft sie entwickelte. Sie werden zu selbsternannten Volkserziehern und Lebensberatern, anstatt Gesetze zu machen, die nicht umgangen werden können.

Da, in diesen Reihen, kennt kaum jemand einen Umwelt- oder Ökologietheoretiker, geschweige denn überhaupt noch irgend etwas theoretisch Anspruchsvolles.

Meinen Sie nicht, dass bei den Grünen mehr Leute zu finden sind, die sich über die Frage des Eigenwerts von Biotopen, über die Frage der Inwertsetzung und Nutzung der Natur durch den Menschen, über die Frage der menschlichen Einwirkung auf die Natur Gedanken gemacht haben und dabei von Marx Theorie des Gattungsbegriffs und des Durcharbeitens, über Bloch, die Frankfurter Schule,bis zu den Philosophen der Umwelt, z.B. Meyer-Abich, Bahro, Lovejoy und Lovelock, Maturana, Luhmann und Dürr, von Hans Jonas bis Herbert Marcuse, von Herder über Simmel und Cassirer, bis zu Gernot und Hartmut Böhmes "Feuer, Erde,Wasser,Luft", fast Alles gelesen haben?

Ich glaube schon, man findet dort prozentual mehr
davon, als bei anderen Parteien.

Grüße

Christoph Leusch

PS: Herr Hirschel verwies ja freundlichst auf die
Heinrich Böll Stiftung. Meine Replik soll jetzt weder als Wahlwerbung, noch als kritiklose Haltung gegenüber "Grün" gelten. Aber Kulturwissenschaftler die sich mit geistigen Konstrukten und Vorstellungswelten zu unserer Umwelt beschäftigen, sollten zumindest die "Basics" der Ökologie und Biotopforschung und der Klimatologie zur Kenntnis nehmen. Aber, zum Ende, ganz so unbedarft dürfte das empfohlen Buch ja auch gar nicht daher kommen, wie ich hier ein wenig polemisierte.

Hans Hirschel 18.08.2009 | 13:13

"Denken ist, was auf Schwierigkeiten folgt, und dem Handeln voraus geht"

Brecht: Me-ti - das Buch der Wendungen

"Columbus" schrieb am 16.08.2009

"Der Konsument solle "lesen können, was drin ist", zu mehr reicht es mit Frau Künast nicht und wird es auch nie."

Man sage niemals nie :-) immerhin erkennt sie, dass die Frage, "wie wir leben wollen" in den Vordergrund gehört.

Wenn wir uns einig sind, dass es völlig fehl am Platze ist, von der Grünen Partei eine bei Zeiten zur "materiellen Gewalt" werdende (antikapitalistische? Ökosozialistische? Eine neue Heimat versprechende?) Großtheorie zu verlangen, und dass vorwärts weisenden Theorien vom Zu Tuenden sich aus der (politischen, sozialen bzw. ökologischen) Praxis ergeben, so bleibt natürlich die Frage, in welche Richtung Kritiker der grünen Praxis das verlangte "Vorwärts" selbst verorten und wie sie die Bedeutung des Kritisierten für in die gewünschte Richtung gehende (soziale) Bewegung einschätzen.

Aus einer weitergehenden (gar über privateigentümliche Produktionsbedingungen hinaus denkenden) Perspektive sozialer Emanzipation heraus ist an "Realpolitik" ja nicht kritikabel, dass den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen Rechnung tragend Gangbares probiert wird (z.B. Verbesserung der Möglichkeiten zur Verbraucheraufklärung), sondern dass der ganze Umfang der angegangenen Problematik, (dass nämlich eine Reflektion sozialer bzw. ökologisch Effekte und Voraussetzungen nicht Basis der Findung von Produktionszwecken und -methoden ist), nicht (mehr?)zu interessieren scheint und die Wahrnehmungsfilter sich auf das ohne Weiteres machbare fokussieren und nicht (mehr?) auf auf das zu lösende "Menschheitsproblem".

Denke, dass wir uns einig sind, dass eine bessere Kennzeichnung von Lebensmittel in die richtige Richtung (soziale Aneignung) weist und nur in so fern fragwürdig wird, als die möglicherweise viel größere Effektivität gesetzlicher Vorschriften, Handelsabkommen (Standards) oder Formen politischer Preisgestaltung (Ökosteuer, Verschmutzungsrechte) gar nicht mehr in Betracht gezogen wird, weil "die Verhältnisse nicht so sind", dass sich das nachhaltig Effektivere von heute auf morgen durchsetzen ließe.

Dabei ist immer auch eine Frage, wieviel Personen mit ihren jeweiligen Behauptungszusammenhänge ins Boot geholt werden können. Der Foodwatch Chef Bodo Thiele hat Künast z.B. - wohl zurecht - dafür kritisiert, dass sie die Notwendigkeit der Reduktion des Einsatzes von Agrarchemie einseitig zu einem Kulturkampf pro Biolandwirtschaft gemacht hat statt auf allgemeine (an den ökologischen Notwendigkeiten orientierte) Reduktionsziele zu formulieren, die auch der "konventionellen Landwirtschaft" die Chance gegeben hätte "etwas für den Umweltschutz zu tun" (Von Brent Spar lernen!). Auch das hätte natürlich Widerstand hervorgerufen. Aber vermutlich wäre unter dem Strich mehr ökologisches "Bewusstsein" und größere ökologischen Effekte heraus gekommen.

Nunja, Fortschritt ist vielschichtig

Herzliche Grüße
hh

Columbus 18.08.2009 | 16:45

ad Hans Hirschel schrieb am 18.08.2009 um 11:13

Lieber Herr Hirschel,

Sie haben Recht und zur etwas überzogenen Polemik meinerseits schrieb ich.

Was die ökologische Landwirtschaft angeht,so kann ich nur sagen, dass in Deutschland, angesichts der enormen Nachfrage, der Betriebsanteil bei wichtigen Erzeugnisgruppen (z.B. Milch) relativ gering geblieben ist und derzeit, wie Sie so treffend formulieren, die Agrarindustrie dabei ist die noch relativ GV-freie Welt Europas mit der "materiellen Realität" ihrer Marktmacht sturmreif zu schießen. - Leider ist es auch den Grünen kaum gelungen, die grundsätzliche Ausrichtung der Marktbemühungen deutlich zu ändern. Bioware wird in großem Umfang importiert, weil die Umstellung hierzulande nur kleinumfänglich gelang.
Trotzdem werden schon Marktanteile um und unter fünf Prozent als sensationeller Boom verkauft, weil an jeder Ecke mittlerweile ein Bio-Supermarkt aufmacht.

Meine Grundthese halte ich aufrecht. Es ist leichter Ernährungstipps aufzustellen, als auch nur ein durchgreifendes Gesetz zu machen. Die Landwirtschaft und der Naturschutz sind ja nur Beispiele für das allzu bereitwillige Einknicken, das übrigens wissenschaftliche und technische Entwicklungen hemmt.
Denn wer weiter machen darf, wie bisher, der entwickelt nichts Neues, sondern optimiert seine Angebote.

Die größte politische Bremse existiert allerdings durch die Zersplitterung und mangelnde Kooperationbereitschschaft derjenigen Parteien, die zumindest verstanden haben es könne mit dem normalen Geschäft so nicht weiter gehen. Sie schließen sich regelmäßig gegenseitig von der Politik aus und das ist immer ein Nachteil gegenüber einem politischen Gegner, der deutlich opportunistischer und machtorientierter zu Werke geht, weniger in Regional- und Parteikonferenzen nachfragt, als dafür sorgt,seine Leute in Gremien und Institutionen unter zu bringen, die auf die Öffentlichkeit wirken. Da wird immer zuerst die Macht- und Einflussfrage gestellt.

Umfassendes theoretisches und philosophisches, auch kulturhistorisches Rüstzeug besitzen die Grünen, aber auch ihre Politiker neigen zur Vogelschau und zur Erzieherattitüde.

Eine kleine Anmerkung möchte ich mir noch gestatten, weil Sie ja Thilo Bode erwähnen. - Übrigens machte Öko-Test auch eine solche Entwicklung zu vorgeblich "verbrauchergerechten" Verbraucherberatung durch.-
Das behauptete Anpassen an durch "Realisten" vorformulierte, von der Industrie minimal zu erreichende Standards, findet genau so wenig statt, wie das Konzept "Selbstverpflichtung".
Spielräume, die z.B. auch von Grünen, den Energiekonzernen gelassen wurden, haben diese zu einem doppelten Geschäft genutzt und die Chemikalienrichtlinie der EU wird genau so umgangen, wie die vorgeblich scharfen Auflagen für die Rückstände in Gemüse und Obst.

Grüße
Christoph Leusch

Hans Hirschel 19.08.2009 | 02:14

Columbus schrieb am 18.08.2009 um 14:45

"Meine Grundthese halte ich aufrecht. Es ist leichter Ernährungstipps aufzustellen, als auch nur ein durchgreifendes Gesetz zu machen. Die Landwirtschaft und der Naturschutz sind ja nur Beispiele für das allzu bereitwillige Einknicken, das übrigens wissenschaftliche und technische Entwicklungen hemmt.

Denn wer weiter machen darf, wie bisher, der entwickelt nichts Neues, sondern optimiert seine Angebote."

Ja, das ist die bittere Wahrheit, "Realismus" (bzw. Opportunismus) nutzt oft weniger die Kräfteverhältnisse als den Kräfteverhältnissen.

Beispiel Ökosteuer: Schröder/Fischers Rotgrün kam als Ergebnis einer paradoxen Wahlarithmetik an die Regierung. Die Grünen wurden wegen dem Versprechen gewählt, mit der Ökosteuer den Einstieg in den Umbau der Industiegesellschaft zu wagen. Die Partei des späteren Autokanzlers steigerte ihren Stimmenanteil wiederum mit dem Versprechen, dass eine Ökosteuer über 6 Pf mit der SPD nicht in Frage käme - also unterhalb der Grenze bleiben würde, ab der soziale Steuerungseffekte in Richtung "verbrauchsärmere Fahrzeuge" oder Umstieg auf öffentliche Verkehrssysteme" zu erwarten gewesen wären.

Unter den Umständen war das zunächst Erreichte wohl das Optimale bzw. immerhin ein Anfang. Die "Benzinwut" Kampagne von Springerpresse und Oppositionsparteien verfehlte allerdings nicht ihre Wirkung. Und nach der zweiten Ökosteuerreform-Stufe war Schluss. In der folgenden Steuerreform-Debatte gings dann auch bei den Grünen um Wettbewerbsvorteile durch Entlastung der Unternehmen. Das Wort Ökosteuer verschwand mit den Jahren ganz aus dem grünen Polittalk Diskurs.

Beim Regieren innerhalb der Windschutsscheiben Perspektive Schröders geblieben zu sein war nicht das Schlimmste. Angesichts Volkes Stimme war das vielleicht nicht zu vermeiden. Unverzeihlich ist, dass sie nicht - nachhaltig - Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt haben, die fatalen Folgen ihrer Niederlage zu verdeutlichen und das Ökosteuerprinzip nicht zugleich auch weiter entwickelt zu haben (etwa in Richtung einer Internationalisierung im Rahmen der WTO). Damit hätten sie zumindest eine gewissen Chance auf eine Veränderung der Kräfteverhältnisse erarbeitet.

Begünstigt wurde das allerdings auch dadurch, dass die Linke bzw. damals die Partei des Demokratischen Sozialismus Ökosteuer als unsozial verteufelten. So wie sie sich heute darin gefallen den "Green New Deal" als "ökokapitalistische Modernisierung" abzutun.

Gruß hh

Gerd Schnepel 27.08.2009 | 03:05

Danke, Christoph Leusch! Fast dasselbe wollte ich auch sagen, nur bin ich verspätet, weil dank der Privatisierung der nica. Post der Freitag 1 Woche von Europa bis Managua und 3 die 280 km bis nach Nueva Guinea am Atlantik braucht, einer ehemaligen Regenwaldzone.
Trotz aller Philosophie und Tiefgründigkeit ist es
ärgerlich, dieses Regenwaldstatement des Autors zu lesen. Klingt, als wären wir "Umweltkämpfer" vor Ort und anderswo irgendwie blöd und hätten natürlich keine Ahnung davon, daß die Indianer den auch "wieder hergestellt" hätten. Die haben halt "shiftung cultivation" gemacht und sind dann Jahrzehnte auf die kleinen benutzten Flächen nicht wiedergekommen. Die heutigen Campesinos machen Roden, Abbrennen, ungeeignete Kulturen ansäen jedes Jahr, aber auf derselben Stelle. Dann gibt's nach ein paar Jahren heftigen Ernterückgang, und sie verscherbeln das Land an Vieh-Großhalter, die es dann endgültig ruinieren. Mehr darüber auf www.eco-index.org/ong/sys-ni-esp.html, da haben wir Biolandbauer was dazu. Die riesigen Weideflächen an der Atlantikküste sind auch von Indianern nicht wieder regenwaldisierbar. 500 Jahre alleine lassen würde vielleicht was bringen (kommt vielleicht von selber?), aber ausgestorbene Arten sind ausgestorbene Arten, und ein solcher "hotspot of biodiversity" wie Ostnicaragua zum Teil(chen) noch ist, muss mit allen Mitteln "gehalten werden", kluge Reflektionen hin oder her, auch wegen des Klimas, auch wegen des Wassers, auch wegen der mestiz. Kleinbauernschaft und wegen der Rama, Miskito, Mayangna, Garífonas und Afroamerikaner --- und wegen Nicaraguas zukünftiger Lebensbasis, einer noch nicht sich durchgesetzt habenden nachhaltigen Landwirtschaft und "agroforestry". Im Moment befindet sich dies Land eher auf dem Wege zum Selbstmord, der aber natürlich wie immer eigentlich Mord und Totschlag durch wenige ist.

Gerd Schnepel 27.08.2009 | 03:23

Lieber Herr Elfferding, jetzt schreibe ich mal was, was sicher nicht den Regeln für's Kommentieren entspricht (vielleicht merkt es der webmaster nicht ;o): eine sozusagen private Anfrage ... Wenn man Elfferding heißt ... Sind Sie verwandt mit dem Berliner Rechtsanwalt Elfferding? Den versuche ich seit langer Zeit email-mäßig zu orten und es gelingt mir nicht! Falls ja, wunderbar! Sagen Sie ihm doch bitte, ich möchte ihm schreiben, wegen Rudolf S. und anderem. 1000 Dank! Cordialmente Gerd
Meine Daten:
Gerd Schnepel
La Montañita, Nueva Guinea, RAAS, Nicaragua
+505-88450592
gerd.schnepel.2043@me.com
skype gerd.schnepel

Gerd Schnepel 27.08.2009 | 21:04

Und noch ein Nachtrag, den ich gerade bei "the ecologist" von heute finde: es ist alles viel komplizierter mit dem Regenwald, als man das so denkt (gute Indianer können den leicht wieder aufstellen). Mal alle gucken, auch der Herr Professor Trepl:

Forget trees and carbon: trees and rain is the real problem

Peter Bunyard

24th August, 2009
As economists and policymakers scramble to put a price on the stored carbon of rainforests, they could be missing the bigger (wetter) picture...

Now that it looks almost certain that tropical rainforests will be included in the negotiations for a post-2012 agreement on climate change, it is vital to get one thing straight: as far as climate is concerned, especially when we consider the 6m square kilometer Amazon Basin, the really important fact is not just the carbon locked away in the forest and soil, but rather the way in which the forest breathes out water vapour through its leaves, such that the rains that fall and keep the forest dampened are largely recycled.

Only the forest, with its canopy and understorey, has sufficient leaf coverage to recycle enough rain to keep the water cycle going all the way from the coast of Brazil to the high Andes and beyond. Plantations of whatever kind, including tree species such as African Palm, or soya, simply cannot do the job; they cannot pump sufficient water vapour in the process of transpiration, to enable the water, evaporated off the tropical Atlantic and carried by the Trade Winds, to get all the way to the Andes. And it is the high Andes, with their moorlands (páramos) and snow-capped peaks, which on receiving the rains of the Amazon generate the mighty rivers that flow into the Amazon Basin and carry perhaps as much as one-fifth of all the freshwater in the world.

The energy required to evaporate the water and get the forest to pump it up through its roots is simply staggering when we consider the whole Basin. The sun’s energy over the Brazilian Amazon is equivalent to some 20 Hiroshima-sized atomic bombs going off every second, day and night, all year long. As much as three-quarters of that energy is transformed into the latent heat of water vapour which, when mixed with volatile organic compounds such as terpenes and isoprenes derived from the leaves, has just the right characteristics to form clouds. Those clouds build up into massive thunderstorms which suck in air from over the forest, so adding to humidity and enhancing rainfall.

It is this forest-generated process of cloud formation which cools the surface, distributes the energy to the higher latitudes and keeps the rains falling, and it is this process that gives South America its climate and which has an impact on every other climate system in the world, no less the Monsoons of Asia, or indeed the air mass circulation system of the Arctic.

Argentina gets as much as half of its rains courtesy of the Amazon, through what has been called the South American Low Level Jet Stream, which has its origins in the centre of the Basin and then swings down past the Andes to deliver its bounty of rain in the River Plate Basin.

The US midwest, the Corn Belt, through a similar teleconnection gets rains from the Amazon in the spring when planting of maize and soya are in full swing. And, most important of all, the rains get to the high Andes, giving Bogotá, the capital of Colombia, its Amazon climate, but at some 8000 feet above sea level.


As the Russians, Ana Makarieva and Victor Gorshkov, as well as other climatologists, such as Roni Avissar, have shown, deforestation, once it has passed some critical point, could lead to a collapse of the remaining forest as its water-recycyling pumps shut down. That would threaten in particular the forests to the west of the Basin, those super-biodiverse forests that nestle up against the piedmont of Colombia, Ecuador, Peru and Bolivia.

There is good evidence to suggest that the rainforests to the West of the Basin, such as in the Colombian Amazon and piedmont, recycle as much as 88 per cent of the rain. That means that the rains, once they have got there, are able to contribute to what is almost a closed, self-sustaining system. 


The lushness and luxuriance of the western Amazonian forests gives the lie to the idea of their resilience and low vulnerability to climate change when, in fact, the opposite is true. Those western forests need the forests to the East, just as they need the abutting Andes to give the air mass system enough lift, such that the rainfall is about double that over Manaus and the central Amazon. A country such as Colombia – once the country, in pre-Colombian times and pre-conquistador deforestation, with the most water in the world for its size – depends for its future survival on what it does to its Amazon. In that respect, it also depends on what Brazil does to its Amazon, as well as on the rest of the world with regard to policies and actions to limit the consequences of climate change and global warming.


The Colombian government currently has a policy in place to protect 24 per cent of its Amazon rainforests. That simply will not do, if the aim is to keep the rains coming and getting to the high Andes. But, luckily for Colombians, they have a rich cultural heritage in their indigenous peoples of the Amazon who, through the system of ‘resguardos’ set up by enlightened Colombian governments in the 1980s, are responsible for the administration of just under one half of the 44 million hectares that comprise the Colombian Amazon.

If Colombia continues to respect the massive contribution to the survival of its country provided by its indigenous peoples, then indeed there is hope that the Amazon will continue to flourish and provide essential water for the many millions of its Andean and lowland population.

Peter Bunyard is the Ecologist’s Science Editor