Malte Daniljuk
28.02.2013 | 11:40 59

Im Tal der Ahnungslosen

Widerrede Warum selbst DDR-Bürgerrechtler die Stasi-Vorwürfe gegen Gregor Gysi als Kampagne gegen sich erleben

Im Tal der Ahnungslosen

Gregor Gysi im Jahr 1978 mit seinem Mandanten Rudolf Bahro

Foto: Mehner/ Ullstein

Für Menschen, die Ende der Achtziger in der ehemaligen DDR politisch anders aktiv waren als im Sinne des Politbüros der SED, gab es für den Fall der Verhaftung eine goldene Regel: Wer vor allem seelsorgerische Betreuung braucht, nimmt einen der von der Kirche vermittelten Anwälte. Wer glaubt, auch strafrechtlich etwas erreichen zu können, wendet sich an Gregor Gysi. Mit diesem Mandat verband sich automatisch der Auftrag, mit „allen zuständigen Stellen“ zu reden, wie es damals hieß. Diese Regel, die bereits jugendlichen Aktivistinnen und Aktivisten frühzeitig vermittelt wurde, scheint einigen Altvorderen der Opposition nicht bewusst gewesen zu sein. Zumindest beschwerten sich etwa Katja Havemann und Bärbel Bohley später darüber, dass Gregor Gysi das gemacht hat, womit er beauftragt wurde. Aus der Familie des eigentlichen Mandanten, Robert Havemann, blieben diese posthum erhobenen Vorwürfe nicht unwidersprochen. Sein Sohn Florian Havemann bestand darauf, dass Gysi mit seiner Verteidigung viel für Robert Havemann erreicht und zu jedem Zeitpunkt in dessen Interesse gehandelt habe. Und er bot sich im Falle eines Verfahrens als Entlastungszeuge für Gysi an.

Die Resultate zählen

Dass es im Umfeld der oppositionellen Gruppen viele Menschen in gesellschaftlich anerkannten Positionen gab, die mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) redeten, war selbstverständlich und notwendiger Teil der damaligen politischen Situation. Der inzwischen prominenteste Vertreter dieser Notwendigkeit ist Joachim Gauck. Als Pfarrer in Rostock wandte er sich unter anderem direkt an das Ministerium, wenn ihm bekannt wurde, dass Mitglieder seiner „Jungen Gemeinde“ gegen ihren Willen als Informelle Mitarbeiter verpflichtet wurden. Aber auch bei größeren geplanten Aktivitäten, etwa anlässlich des Kirchentages in Rostock im Jahr 1988, sprach Joachim Gauck mit den „zuständigen Stellen“ – und sein Handeln zeitigte für die oppositionellen Gruppen keinesfalls zufriedenstellende Ergebnisse. Jedenfalls reichte die Art und Weise der Kontakte, dass sein zuständiger MfS-Offizier, Hauptmann Terpe, die Feindbearbeitung in der Operativen Personenkontrolle „Larve“ beendete und stattdessen empfahl, eine Vorlauf-Akte zur Anwerbung von Joachim Gauck als inoffiziellen Mitarbeiter (IM) anzulegen. Vergleichbare Vorgänge kosteten später viele Bürger ihren Job, ohne dass genauer geprüft wurde, welche Qualität ihre Beziehung zum Geheimdienst gehabt hatte.

Völlig anders als beim Umgang mit Vertrauenspersonen wie Pfarrern und Rechtsanwälten lag der Fall bei Vertretern von Politik und Journalismus aus der damaligen BRD. Gespräche mit Menschen aus diesem Personenkreis zogen mit hoher Wahrscheinlichkeit und unmittelbar ein Zusammentreffen mit dem MfS nach sich. Wer darauf keine Lust hatte, war gut beraten, ihnen weiträumig aus dem Weg zu gehen. Dieses Problem galt insbesondere für Journalisten des Spiegel, und unter denen ganz besonders für Ulrich Schwarz, den Ost-Berliner Korrespondenten des Magazins, der die MfS-Mitarbeiter normalerweise gleich im Dutzend nach sich zog. Die wiederum gingen fest davon aus, dass Schwarz nicht einfach nur Journalist war, sondern seinerseits Kontakte zu Geheimdiensten hatte. So führte das MfS-Schulungsmaterial Ulrich Schwarz spätestens seit 1984 unter „Personelle Kontakte imperialistischer Geheimdienste zu Massenmedien“.

Als sich Gregor Gysi im Februar 1989 mit Ulrich Schwarz traf und ein bis heute sehr lesenswertes Interview erschien, galt dies nicht nur im Westen als spektakulärer und mutiger Schritt. Im Spiegel-Archiv lässt sich auch nachlesen, dass dieses Treffen nicht im luftleeren Raum stattfand: Zu diesem Zeitpunkt vertrat Gysi den Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann, heute Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Dikatur, in einer Klage gegen Unbekannt wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses. Eppelmann hatte Weihnachten 1988 in seiner Wohnung mehrere Wanzen (Technik von Siemens) entdeckt. „Unerwartet traf Eppelmann der Lauschangriff nicht“, berichtete Ulrich Schwarz kurz vor dem Gysi-Interview. Dies mag auch daran gelegen haben, dass Rainer Eppelmann einer der wenigen DDR-Oppositionellen war, die regelmäßig in der Botschaft der USA zu Gast waren und er sich auch außerhalb mit US-Botschaftspersonal traf, weshalb viele Gruppen der Opposition eine Zusammenarbeit mit ihm ablehnten. Sein wichtigster Gesprächspartner in der US-Botschaft war der CIA-Mitarbeiter und II. Sekretär der politischen Abteilung der Botschaft, Gregory William Sandford. Vor seinem Aufenthalt in Ost-Berlin hatte Sandford als „Counter-Intelligence Analyst“ gearbeitet und war unter anderem im Zusammenhang mit der US-Invasion in Grenada tätig gewesen.

Dieses kurze Panoptikum aus politisch angespannten Zeiten ruft in Erinnerung, dass Menschen, die regelmäßig mit Sicherheitsdiensten zu tun haben – wissentlich hin, willentlich her –, kaum beeinflussen können, in welcher Form der entsprechende Dienst sie führt und was der Lauf der Geschichte davon später ans Licht befördert. Weder Rainer Eppelmann noch Ulrich Schwarz können sicher sein, ob sie nicht unter einer Abkürzung in Langley oder Pulach abgelegt sind. Sicher ist hingegen, dass Joachim Gauck ziemliches Glück hatte, dass die DDR so schnell nach seinem letzten bekannten Treffen mit Hauptmann Terpe zusammenbrach. Wer kann schon einschätzen, wohin ihn ein IM-Vorlauf später geführt hätte?

Eine gute Orientierung in derart unübersichtlichen Konstellationen besteht darin, Personen konsequent nach dem Ergebnis ihres Handelns zu bewerten. Im Gegensatz zu Joachim Gauck konnte sich bei Gregor Gysi niemand aus der Opposition über die Resultate seines Engagements beschweren: Aus der langen und prominenten Liste seiner Mandanten von Bahro bis Wegner wurden bis heute keine Klagen bekannt. Und selbst Bärbel Bohley, die aufgrund seiner Verteidigung im Jahr 1988 nicht nur aus-, sondern auch wieder in die DDR einreisen konnte, hatte trotz intensivstem Aktenstudium nichts vorzuweisen, was einen Schatten auf das Mandantenverhältnis werfen würde.

Grüße aus Dunkeldeutschland

Die Annahme, ein Vorsitzender der Rechtsanwaltskammer der DDR hätte in dieser Situation keinen Kontakt mit der Stasi gehabt, ist jedenfalls so realitätsfern, dass man sich fragen möchte, wo hier eigentlich das Tal der Ahnungslosen liegt. Richtig ist genauso, dass für solche Kontakte keinerlei formale Verpflichtung notwendig war, schon gar nicht bei jemandem mit der Familiengeschichte und der Funktion Gregor Gysis. Dass nun, im Wahljahr 2013, ausgerechnet ein pensionierter Hamburger Richter mit einer eidesstattlichen Erklärung von Gregor Gysi vor Gericht zieht, nährt zumindest das Vorurteil, dass ungefähr dort der naivere Teil Deutschlands zu Hause ist. Aber so einfach ist es nicht. Immerhin verteidigen selbst namhafte westdeutsche Liberale Gysi gegen diese nervtötenden und offensichtlich politisch motivierten Anwürfe. Vielleicht ist es, unabhängig von geographischen Dimensionen, eher der dunklere Teil Deutschlands, der sich nun rührt. Und so bleibt zu hoffen, dass nicht nur Ostdeutsche diese Causa als eine Kampagne gegen sich erleben, denn eigentlich handelt es sich um eine Kampagne gegen und eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand: „Völlig absurder Unsinn“, um es mit den Worten des Betroffenen zu sagen.

Auch wenn manchmal ein anderer Eindruck entsteht: Die aktuell ermittelnden Hamburger Staatsanwälte wollen nicht herausfinden, ob Gregor Gysi als inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit gearbeitet hat. Vielmehr geht es um eine eidesstattliche Versicherung, die Gysi im Januar 2011 abgegeben hat. Damals erklärte er: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt über Mandanten oder sonst jemanden wissentlich und willentlich an die Staats-sicherheit berichtet.“

Diese Aussage schließt beruflich veranlasste Gespräche mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nicht aus. Sie verneint aber eine IM-Tätigkeit und selbst vereinzelte Berichte über andere. Laut einer im April 2012 bekannt gewordenen Aktennotiz hat Gysi allerdings am 16. Februar 1989 mit Stasi-Offizieren auch über zwei Spiegel-Journalisten gesprochen. Sie hatten ihn zuvor zum DDR-Rechtssystem interviewt. Gysi streitet nicht ab, in seiner Funktion als Vorsitzender des Rates der Anwaltskollegien auch mit MfS-Vertretern gesprochen zu haben. Nach einem Hinweis prüfen die Staatsanwälte nun, ob Gysi eine falsche eidesstattliche Er-klärung abgegeben hat.

 

Malte Daniljuk arbeitete als Forschungsbeauftragter bis 1994 für das „Bürgerkomitee 15. Januar zur Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit“. Er beschäftigte sich unter anderem mit der Kooperation der Geheimdienste der Staaten des Warschauer Vertrages

 

AUSGABE

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 9/13 vom 28.02.20013

Kommentare (59)

Hans Springstein 28.02.2013 | 11:59

Ich finde den Text bedenkenswert und gut.

Und am besten gefällt mir ja diese Stelle, unabhängig von Gysi: "... dass Rainer Eppelmann einer der wenigen DDR-Oppositionellen war, die regelmäßig in der Botschaft der USA zu Gast waren und er sich auch außerhalb mit US-Botschaftspersonal traf, weshalb viele Gruppen der Opposition eine Zusammenarbeit mit ihm ablehnten. Sein wichtigster Gesprächspartner in der US-Botschaft war der CIA-Mitarbeiter und II. Sekretär der politischen Abteilung der Botschaft, Gregory William Sandford. Vor seinem Aufenthalt in Ost-Berlin hatte Sandford als „Counter-Intelligence Analyst“ gearbeitet und war unter anderem im Zusammenhang mit der US-Invasion in Grenada tätig gewesen. ..." Egal, ob Eppelmann selber das damals gewusst hat. Wenn ich das richtig einschätze, wussten dass damals aber einige beim MfS. Noch ein Grund, sich über nichts zu wundern.

Robert Zapf 28.02.2013 | 13:55

Ein sehr guter Beitrag. Ich hoffe nur, sie haben auch Quellen, die Ihre Ausführungen belegen können.
Sonst könnte es hier wieder drunter und drüber gehen.
Das meine ich nicht skeptisch, weil ich der Meinung bin, sie würden lügen oder Halbwahrheiten verbreiten. Nur ist es heutzutage Usus, alles was relativierend klingt, pauschal zu verdammen. Weshalb dann Quellen gut wären.
Ich selbst finde Ihre Ausführungen vollkommen einleuchtend.
Was Eppelmann betrifft, kann ich mich selbst dunkel erinnern, daß da mal was mit CIA war, aber man vergißt ja auch wieder viel.
Zu dem betreffenden Richter, der Anzeige erstattet hat, wäre noch zu sagen, daß auch Vera Lengsfeld mittlerweile Anzeige erstattet hat. Was mich nun nicht wirklich überrascht.
Zu Gauck selbst kursieren Gerüchte, daß er in der Zeit der Erstürmung der Stasizentralen stundenlang mit seiner Akte allein gewesen wäre.
Nur so als Hinweise, sonst toller Blog.
Ach so, ist mir beim nochmaligen Lesen aufgefallen. In der Überschrift steht:Warum selbst DDR-Bürgerrechtler die Stasi-Vorwürfe gegen Gregor Gysi als Kampagne gegen sich erleben.
Jetzt mal abgesehen von Florian Havemann, ist doch eigentlich das Gegenteil der Fall.
Ich nenne jetzt mal nur: eben Vera Wollenberger, Bärbel Bohley, mal ganz abgesehen von Biermann und anderen.
Aber welcher damalige Bürgerwegte hat sich in der jetztigen Kampagne auf Seiten Gysis gestellt?

JR's China Blog 28.02.2013 | 14:16

Eine ziemlich unkonventionelle Lehrerin - und sie stand keineswegs auffallend "links" - erklärte uns Schülern um 1980, dass man zwar sagen könne, die DDR sei "eher" ein Unrechtsstaat, dass Begriffe wie "Rechtsstaat" und "Unrechtsstaat" aber nicht ohne weiteres absolut verwendet werden könnten.

Diese Aussage war derart ungewöhnlich, dass ich mich zwar nicht mehr an den Wortlaut erinnern kann, wohl aber noch an die Aussage an sich.

Man sollte die DDR nicht schönreden. Einen Staat zu loben, der seine Bürger mit Waffengewalt an der Ausreise hinderte (nicht einmal "Abhauen" und seine Heimat aufgeben war erlaubt), halte ich ohnehin für ein Kunststück.

Aber wenn ich Winkelzüge wie die lese, die Gysi vorgeworfen werden, fällt mir » diese Geschichte wieder ein.

Sie hätte alles, was das Interesse der Medien wecken müsste: "Integrationsfragen", Extremismusverdächtigungen, ausländische Reaktionen darauf, und die Frage, wie eine öffentlich-rechtliche Institution mit ihren Mitarbeitern umgeht.

Aber ohne Berichterstattung gibt es auch im Rechtsstaat keine Öffentlichkeit. Ohne Öffentlichkeit wiederum gibt es keine Nachfragen, und entsprechend auch keine Transparenz. Ohne Transparenz aber wird Macht ohne Kontrolle ausgeübt.

Insofern mag Gysi "unfeine Dinge" getan haben. Aber auf (mutmasßlichem und nicht belegtem) Gysi-Niveau gibt es die offenbar auch im vereinten Deutschland. Es gab - in ihrer offensichtlich Menschenrechte verletzenden Art - DDR-Charakteristika, aber diesen vom "Spiegel" berichteten "Fall" zähle ich nicht dazu.

Und wenn der wirklich eine Meldung im "Spiegel" wert war (und ich finde schon, dass er das wert ist), dann warte ich jetzt eigentlich darauf, dass der auch mal über einige unter fragwürdigen Umständen "freigesetzte" chinesische oder chinesisch-stämmige Journalisten berichtet.

Nun ja. Wirklich darauf warten tue ich nicht. Es wird schon Gründe dafür geben, dass man sich lieber auf Gysi & Co. konzentriert. Gute Gründe aber sehe ich dafür keine.

Helmut Eckert 28.02.2013 | 14:20

Gysi der Heilige derletzten Tage der DDR?

1.Gysi ist das Kind eines hohen SED Funktionärs.

2.2. Gysi war überzeugter SED Genosse. Somit zählte er zur Nomenklatura der DDR.

3.Als ehemaliger politischer Häftling der SED Diktatur war mir im Straflager „ Schwarze Pumpe“ klar, dieser Mann ist Teil der SED Diktatur. Somit kam es für mich auf keinen Fall in Frage, von diesem Mann Hilfe zu erfragen, oder zu erbetteln. Da hätte ich auch Mielke fragen können!

4.Gysi hat in der Wendezeit alles daran gesetzt, das Vermögen der SED zu retten.

Hat sich Gysi nur ein einziges Mal gegen den SED Terror unter Honecker und Ulbricht geäußert? Da findet sich, bis zum Oktober 1989 kein Wort. Wusste er als Rechtsanwalt nicht, was Menschenrechte sind? Wollte er den täglichen Terror des MfS unter der Fuchtel der SED nicht sehen? Im ersten Fall wenig glaubhaft. Im zweiten Fall verständlich für seine Nähe zum SED Regime. Daher ist dieser Mann für mich nicht glaubhaft. Er ist nur einer der vielen früheren aktiven SED Genossen, die mit der Wende eine Menge Kreide schluckten.

Bei dem früheren MfS Spionagechef Wolf konnte man sagen, Wolf bleibt Wolf. Bei Gysi muss, bei der Anwendung genau dieses Satzes, es jeder Bürger selbst entscheiden. Ich entscheid schon im DDR Zuchthaus!

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 14:46

@ HELMUT ECKERT

In jeder Diktatur gibt es Menschen, deren Überlebenstrategie ist es, sich im Enddarm der Herrschenden häuslich niederzulassen. Wer Intelligenz, aber keine Größe besitzt, tut gut daran, nach dem Ende der Diktatur diese Schäbigkeit als Tugend zu verkaufen.

Genau das passiert gerade. Das Problem ist nur, dass sich rein oberflächlich Kot wunderbar abwaschen lässt, der Geruch bleibt jedoch ewig.

Sie haben recht, wer als Anwalt in der DDR arbeiten wollte, hatte dazu, wie viele andere auch, im Enddarm der SED seinen Platz einzunehmen. Dazu stehen, hätte Größe vorausgesetzt.

Als ich Mr Gysi das letzte Mal im Rahmen meiner Arbeit sah, schätzte ich seine Größe auf 1,60m.

Seifert 28.02.2013 | 15:05

Der in der Bildlegende erwähnte Rudolf Bahro verstarb bereits 1997, kann also zu den neuen Vorwürfen gegen seinen einstigen Verteidiger Gregor Gysi nicht mehr Stellung nehmen. In einer frühen Phase der nun schon 20-jährigen Kampagne gegen Gysi erhob Bahro allerdings seine Stimme. In einem Schreiben an die Spiegel-Redaktion hielt Rudolf Bahro 1995 fest, dass "die Vermutungen, Gysi habe mir Schaden zugefügt, konkret auf der ganzen Linie unzutreffend" seien (zitiert nach Neues Deutschland, 7. Juni 1995).

Die Neue Zürcher Zeitung wärmte erst kürzlich wieder die Behauptung auf, Gysi habe an Bahro Mandantenverrat begangen. Diesem Vorwurf bin ich in einem am 25. Februar 2013 in der NZZ veröffentlichten Leserbrief entgegengetreten.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 17:20

@ ROBERT ZAPF

Nun, vielleicht hat der Bundestag extra für solche Fälle ein Zauberpult angeschafft, das es vermag, charakterliche Größe durch die Senkung der Tischplatte zu erzeugen.

Größe, unabhängig vom reinen Vertikalmaß, hätte der Mann, wenn er nicht wie ein nasses Stück Seife argumentieren würde. Was ist daran so schlimm zu sagen: "Jawohl, ich war ein Mitläufer (so wie viele andere auch). In einer Diktatur persönlichen Mut zu zeigen, war meine Sache nicht". Und schon wäre die Flanke geschlossen und alle Angriffe gingen ins Leere.

Robert Zapf 28.02.2013 | 17:29

zu Ihrem 4. Punkt
Wenn Sie darauf anspielen, daß es Gysi zu verdanken ist, daß sich die SED nicht selbstaufgelöst hat, wie damals von vielen gefordert wurde, sondern als SED/PDS weiterbestand, haben sie wohl recht.
Sie haben zwar Vermögen verloren, aber eben nicht alles, und konnten somit als Partei weiterbestehen.
Aber an Versuchen hat es ja nicht gefehlt, in der darauffolgenden Zeit.

Und Punkt 1 und 2 erinnert ja schon fast an Sippenhaft.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 17:30

Für Nicht-DDR-Bürger ist einfach blöd, wenn Menschen wie Biermann, gysi, Bohley usw. für die Alltags-Realität in der DDR stehen. Genau das waren sie eben nicht. Sie waren die Ausnahmen. Wer aber diese Ausnahmen als einzig gültigen moralischen Maßstab für das Verhalten unter einer Diktatur ansetzt, der begründet damit eine neue Diktatur: Die Diktatur des perfekten Menschen. Den gibt es aber nicht.

Anstatt sich immer wieder an diesen alten Stasi-Storys aufzugeilen, wäre eine Vermittlung des ganz normalen DDR-Alltags, inklusive der eimerweise fühlbaren SED-ideologischen Behämmerung nützlicher.

Was für Anwälte wie Gysi in der DDR galt, galt auch für Pfaffen wie Eppelmann und Gauck: Anpassung war auch für diese Pfaffen nötig, um anderen Menschen aus großer Notlage helfen zu können.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 17:38

Wer bezeichnet den Gysi als Heiligen der letzten DDR-Tage? Das behauptet hier niemand und gehört auch nicht zum Kernproblem des Artikels. Was sollen solche eigenen verbalen Kopfgeburten hier?

Zu Punkt 1: Mir ist neu, dass es sowas wie Blut-Haftung in der politischen Überzeugung gibt. Es ist völlig egal, wessen Kind ich war bzw. bin. Wichtig ist, ob ich meinen eigenen Weg finde.

Zu Punkt 3: Ich finde es immer wieder bitter, wie die ideologische Verblendung auf beiden Seiten die Köpfe zerfrisst.

Nur weil sie, bei allem Respekt, politischer Häftling waren, mache ich sie nicht zum Kronzeugen der DDR-Geschichte, aber genauso wenig mache ich Gysi und Co. dazu. Nur wenn beide Seiten sich mal wieder zuhören, kommt evtl. was brauchbares und halbwegs reelles heraus.

Robert Zapf 28.02.2013 | 17:51

Ich meinte ja auch jetzt noch lebende Bürgerrechtler der damaligen Zeit. Richard Schröder kannte ich namentlich nicht, in Wikipedia wird er aber auch nicht unter Bürgerrechtler geführt.

Ist nicht abwertend gemeint.

Die einzige Bürgerrechtlerin der damaligen Zeit, Vera Lengsfeld, hat mittlerweile selbst Klage eingereicht.

Von anderen, noch lebendenen, habe ich nichts dazu vernommen.

Deshalb meine Frage.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2013 | 17:55

@ROBERT ZAPF

Der Rechtsanwalt Gysi ist zu schlau, sich an ein System zu verkaufen, aber eben auch zu wenig mutig, um einen Akzent zu setzen. Das ist sein Problem, und genau deshalb eiert er verbal herum.

Ich teile Ihre Meinung, dass er kein IM war. Das wäre auch nicht gut ausgegangen, wenn ein pfiffiges Kerlchen wie der Mann auf Rudimente von Hirnstrukturen trifft, die Voraussetzung waren, bei der Stasi eine Karriere zu machen.

Er war ein "WederNoch", eben ein Rechtsanwalt ohne eigene Meinung. Über seinen fehlenden Mut und seine Standpunktlosigkeit wird er sich mit Sicherheit mehr ärgern als über alle Angriffe auf seine Person zusammen.

Joachim Petrick 28.02.2013 | 19:56


So einleuchtdend und aufschlussreich diese Ausführungen sind, auch wenn der Hinweis fehlt, dass in der DDR, fern jeden Sinns für Gewaltenteilung, Jugendämter, Richter-, Ärzteschaft, Psychiatrie, Polizei, Kripo, Staatsanwaltschaften und STASI, in Personalunion unter einem Dach organisiert, als Gesamtinstitution im Namen der SED, als Bannerspitze der Diktatur des Proetariats agierten und operierten, geht es hier doch n. m. E. darum, dass noch zu letzten DDR Tagen durch Verabchiedung des Stasiunterlagengesetzes in der ersten frei gewählten Volkskammer, jeder Ansatz und Sinn für differenzierte Rest- Solidarität mit der vorherigen freiwilligen oder erzwungenen Pflicht- Lloyalität Inoffizieller Mitarbeirter (IMs) dem Staat DDR gegenüber aus den Angeln gehoben wurde, um von nunan ausschließlich IMs als das eigentliche Übel der DDR- Geschichte vorzuführen.

Hat sich Gregor Gysi jemals erklärt, warum er damals vor der Wende 1989 die Funktion von IMs im Namen der Existenz der SED, der DDR generell für unveräußerlich wichtig hielt, auch wenn er diese nach der Wende übergangslos pauschal für fies und nichtig zum "Null Acht Fünfzehn Schützen Asch" in der miesen Etappe des MfS erklärt?

Hier geht es doch um Friedenswillen, Friedensfähigkeit, die in den Wendejahren nicht nur Bürgerbewegte, sondern daneben auch STASI Kader und hervrragende Protagonisten der DDR Nomenklatur wie Gregor Gysi unter Beweis gestellt.

In einem MfS Foltersytem hat Gregor Gysi als Anwalt doch jene Figur verkörpert und Funktion erfüllt, auch wenn er es nicht wollte, die aber seinem Naturell bis heute entspricht, nämlich im legendären "Folter Duo", neben dem hart grobschlächtig zupackend brüllenden Folterer der sympathisch einfühlend freundlich. eingehend leise sprechende "Darf ich Ihnen eine Karo Zigarette anbieten?" Assistent zu sein, dem bis heute, aus gutem Grund des gesellschaftlichen Zusammenhangs, voller strukturell empfundener "Foltereien", "Knechtschaften" im Alltag, Beruf, JVAs, die Herzen zufliegen, wenn der Schmerz ,angesichts seiner übersichtlich feingliedrigen Person, kurzzeitig nachläßt.

Da war womöglich auch ein Rudolf Bahro, systemisch betrachtet, nicht davor gefeit, sich mit dem "Aggressor" Gregor Gysi als zweitem im "Folter Duo", sympathisierend, zu identifizieren, weil dieser stets für das kleinere, das pragmatisch erscheinende Übel auf dem Tableau der großen Übel, die die STASI sehr wohl auf ihrem personenbezogenen Tableau zu servieren verstand.

Dass IMs nach der Wende, gemäß deutsch- deutschem Einheitsvertrag von 1990 nur nach DDR- Gesetzen, soweit diese nicht gegen die UNO- Charta der Menschenrechte verstießen, in ihrem Handeln zu überprüfen waren und evtl, aus Amt und Würden vertrieben werden konnten geht heute bei diesen fadenrissigen Debatten über die DDR als Rechts- oder Unrechtsstaat unter.

Bis zum deutsch- deutschen Einheitsvertag von 1990 gab es gute Argumente, mit denen insbesondere die DDR Nomenklatur launig kokettierte

"Lieber LInks- als Rechtsstaat" ,

dass die DDR ein Unrechtsstaat war, danach nicht mehr, weil die CDU/FDP Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl, Aussenminister Hans- Dietrich Genscher, Innenminister Wolfgang Schäuble die DDR, via deutsch- deutschem Einheitsvertrag 1990, rückwirkend und für alle Zeiten zum Rechtsstaat gemacht-

Das Problem das Gregor Gysi jetzt hat, ist ein ganz anderes. Gysi ist in seine selbst gelegte Falle getappt, dass es unter seiner SED- und DDR- Rechtsanwaltskammer Kaderwürde war, IM zu sein, dass er angeblich niemals der STASI Bericht über Mandanten, Gespräche mit West Journalisten erstattet habe.

Es geht um die eidesstattliche Versicherung, um einen mutmaßlichen Meineid (s. neue Hinweise der Stasiunterlagenbehörde) , eines ehemaligen STASI Majors vor der Pressekammer des Hamburger Landesgreichts in einem anderen Fall, die zu Gunsten Gysis vor Jahren beinhaltet haben soll, dass Gysi ihm als STASI- Offizier niemals Bericht über mandanten, West- Journalisten erstattet habe.

Genau das ist die unfein winkelige Advokaten Art bundesdeutschen Juristenpersonals, unliebsamen "Figuren", denen mit Verstössen gegen DDR- Gesetze nicht beizukommen ist, über "Deineid/Meineid) ein juristisches Bein zu stellen.

Warum aber auch, musste Gregor Gysi im Jahre 2012 eine NDR Dokumetation u.a. über sein Agieren als DDR- Anwalt und Präsident der DDR- Anwaltskammer über genau diese Pressekammer des Hamburger Landgerichts ausbremsen?

Helmut Eckert 28.02.2013 | 20:17

Der arme Berliner: Gysi erinnert mich an eine Sekte mit gleichen Namen. Wenn alles am Ende ist, dann sind sie die letzten Heiligen. Als die DDR ihr armseliges Leben aushauchte, wurde Gysi zum größten Helden seiner Genossen. Zum Thema“ Bluthaft“ zeigt sich, dass der Apfel nicht weit vom Ross gefallen ist. Ideologische Verblendung? Bei Gysi möglich. Ich bin sehr human erzogen worden. Wenn ich an die Gewalttaten der SED Genossen erinnere, doch nicht aus ideologischer Verblendung. Tatsachen müssen gesagt werden. Klar ist, dass diese Erinnerung den früheren Genossen nicht gefällt. Wer will schon immer und immer wieder an die Schandtaten seiner früheren Parteigenossen erinnert werden?

Was glauben Sie was würde passieren, wenn eine SED Nachfolgepartei die absolute Mehrheit erlangen würde? Ganz schnell wäre es vorbei mit den Resten der Freiheit, die wir haben in diesem Lande. Es waren ganz gewöhnliche Menschen, gewöhnlich ich Sinne von: alltäglich, die mir drohten: Wir können auch ganz anders! Wir haben die Macht, sie spurlos verschwinden zu lassen. Da hilft ihnen auch kein Westen, kein Amerikaner, kein Gegner der DDR. Niemals spürte ich einen solchen Hass dieser Menschen gegen alles was nur westlich roch, aussah und vermeintlich vom sogenannten Klassenfeind gesteuert wurde. Der gleiche Staatsanwalt, der mich anklagte, sah ich wenige Tage nach Öffnung der Mauer in Mölln am Supermarkt. Die gleichen Grenzoffiziere, die wenige Tage früher einen Flüchtling wie einen Hasen erschossen hätten, trieften nun vor Menschenfreundlichkeit. Ich erlebte Lehrkräfte, zur DDR Zeiten stramme SED Genossen und in ihren Unterrichtsstunden rote Hetzer gegen den bösen Klassenfeind waren. Im November 2000 erzählte sie mir, wie sie als Widerstandskräfte in den Schulen wirkten.Ich erlebte 15 Jahre in der DDR eine verlogene, vergiftete Gesellschaft von Duckmäusern, Spitzeln und Anpasser. Ich erlebte NVA Offiziere und Kampftruppenkräfte, die so besoffen waren, dass sie Nazilieder grölten. Keine alten Wehrmachtskräfte, nein es waren junge Nachwuchskader der SED. In öffentlichen Parteiversammlungen wurde gelogen, dass die Balken der Häuser fast von der Decke fielen. Als ich offen meine Meinung ausdrückte, wurde ich ausgeschlossen. Was mich natürlich mächtig freute. Die Partei ( SED) das Vorbild der DDR Gesellschaft? Der Vorreiter der Arbeiterklasse? Alles leere Phrasen! Als Nichtgenosse und früherer Westbürger erlebte ich, bis auf wenige Ausnahmen im engsten Familienkreis und zum Teil innerhalb meines Arbeitsbereiches ganz wenige mutige und ehrliche Menschen. Diese Gesellschaft wird von den jetzigen Linken als die bessere Gesellschaft gepriesen. Stellt man sie zur Rede, kommt sofort das Wörtchen: Aber, aber es gab die Entgleisungen des MfS, aber das waren Auswüchse, aber es gab keine Arbeitslosen, aber es gab genügend Kinderbetreuungsplätze, aber die Menschen hielten besser zusammen, aber wir wollten alle nur das Beste für unsere Menschen. Aber, aber , aber….

Wer war das MfS? Das war doch nicht eine Schar Aliens, welche ein unbekannter Gott als Plage geschickt hatte! Das MfS war das Schild und Schwert der Partei! Der Macht-und Terrorapparat der SED. Die Nachfolgepartei der SED und das ist die Partei der Linken duldet in ihren Reihen frühere Mitarbeiter des MfS. Da wären keine Einwände nötig, wenn diese früheren Täter, Mordgehilfen und Anstifter, Vernehmer und ehemalige OibE = „MfS Offiziere im besonderen Einsatz“ sich nur ein einziges Mal für ihre Schandtaten entschuldigt hätten. Ganz im Gegenteil: Sie fühlen sich im Recht und verteidigen bis zur Stunde ihr damaliges Handeln. Ich erlebte nicht einen dieser Grenzer, MfS Angehörige, SED Genossen, die eine ehrliche Aufarbeitung wollten und wollen! Das sind die Tatsachen der sogenannten ideologischen Verblendungen. Wehe uns, diese Saat des Hasses geht nochmals auf und trifft uns. Letztlich war die SED nur eine stark gemilderte Form des Faschismus. Eben stark rot eingefärbt.

Ich lasse es bei diesen Ausführungen bewenden. Ich gehörte nicht zum Widerstand innerhalb der DDR. Dafür war ich zu jung und politisch zu naiv. Bis zum Tag des 21 August 1969. (Einmarsch in Prag und damit verbunden der Terror gegen protestieren Jugendliche in Schwerin). Da erlebte ich die Gewaltausübung dieser Heilsapostel. Später im Zuchthaus durfte ich die Segnungen des Arbeiterparadieses am eigenen Leib genießen.

rose 28.02.2013 | 21:17

" Später im Zuchthaus durfte ich die Segnungen des Arbeiterparadieses am eigenen Leib genießen"

Ich nehme an, dass du etwas Besseres bist als ein Arbeiter, und freue mich, dass du nun im neuen Paradies deine Privilegien recht geniessen kannst, die dieser Ungerechtigkeits- und Ungleichheitsstaat für dich bereit hält. Irgendwann in naher Zukunft wird auch das Wehklagen der ex-ddrler niemanden mehr interessieren, man wird es nicht mehr nötig haben, es wird überdrüssig, der Kapitalismus sitzt ohnehin fest im Sattel. Die Flausen sind weg aus den Köpfen, diese ganzen "ismen". Längst schon gibt es keine Ausbeutung mehr, auch die "Schichten" sind einander angeglichen, Solidarität, schon gar keine internationle sind Hirngespinste. Weltweit haben unsere Ideen gesiegt. Kuba- Haiti: gleiche Geschichte, gleiche Sprache, gleiche Geographie, gleiche Ressoursen, gleiche Rasse (horribile dictu) brauchen bald nicht mehr verglichen zu werden, die ddrler haben es ohnehin immer schon mit Miami Beach verglichen, wo es neben Korrektionsanstalten auch Todeszellen gibt, so funktioniert Gesellschaft! Pussy riots sitzen auch im Zuchthaus, obwohl auch bei ihnen der Sozialismus friedlich beseitigt wurde, wiederum ihr Pech, keine Fürbitter, frei westlich gesehen geniessen sie nun die Freiheit.

Geierwally 28.02.2013 | 23:31

so wie ich gelesen habe, wird der fall nicht vor der bundestagswahl gelöst werden, was nun nicht unbedingt gut ist für gysi, weil bis zur wahl dieses thema durch die presse am laufen gehalten wird und vorallem im westen wähler von der linkspartei fern halten kann.

sollte gysi später frei gesprochen werden und die linke unter 5% gelandet sein, könnte das einen ganz schalen beigeschmack nach sich ziehen und bei springer für gelächter sorgen.

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2013 | 11:01

Sehr geehrter Helmut Eckert,

Ihr Zorn ist berechtigt! Aber, dies sollten Sie bedenken, Mr Gysi ist nur ein kleiner Floh im Fell eines Mammuts. Seit einiger Zeit recherchiere ich für einen Artikel in Deutschland. Mein Tipp: Geben Sie in die Suchmaschine einmal "ISOR" oder "GBM" ein, besorgen Sie sich etwas beruhigendes und lesen dann, was Sie finden.

sven kyek 01.03.2013 | 14:05

Auf Eid-Genossen einprügeln hat mit dem Steuerabkommen nicht funktioniert und wird auch an Herrn Gysi abprallen .

Was haben wir denn Heute anders als vor der Wende ?

Der Präsident des Verfassungsgerichts schrieb mir vor vielen Jahren ,,Politische Entscheidungen wären nicht Justiziabel " Das Verteidigungs-Ministerium lässt Berichte von Bundeswehr-Offizieren zur Wehrfähigkeit der afghanischen Armee fälschen . Lobby-Land Berlin und Brüssel ist fest in Industrie-Hand . Alle wissen es . Was wollt ihr von Gysi , könnte man fast schreien .

a.s.h. 01.03.2013 | 17:21

Endlich mal ein sachkundiger Beitrag, ohne Schaum vor dem Mund, in dieser unseligen Debatte. Allerdings wird wohl kein noch so starkes Argument die westdeutsche Allianz aus Feindbild und Nachrichtenmarkt davon abbringen weiter zu ätzen.

Schon zu Beginn der 90er Jahre beendeten sie so, durch die politische Instrumentalisierung der Aufarbeitung, erfolgreich unseren genuin ostdeutschen Versuch der Vergangenheitsarbeit. Daraus hätten wir alle wertvolle Erkenntnisse für kommende Projekte ziehen können. Was es heute dazu gibt, ist oft nur Kalter Krieges mit anderen Mitteln.

apatit 01.03.2013 | 17:43

Durchsichtiger, schmutziger, teilweise ermüdender, antikommunistischer Feldzug gegen die Linke, Gysi ist doch nur Vorwand. Man will die Partei die Linke unter die Fünf-Prozent-Hürde drücken, dass wird nicht gelingen, trotz Mithilfe von Bild und Welt und andere im Frost des kalten Krieges erprobten Napfsülzen. Hört denn das nie auf, wird Franz- Josef- Strauss ausgebuddelt und peinlicht befragt nur deshalb, weil er damals mit MfS Oberst Alexander Schalck-Golodkowski gesprochen hat, nicht nur gesprochen hat! (Aushandlung eines Milliardenkredites 1983 für DDR – heute Unrechtsstaat) Es darf gelacht werden!

sven kyek 01.03.2013 | 18:47

Ich auch Ossi ! Will Mauer zurück . Wir hätten die Gasleitung , Bodenschätze im Süden , Sauberen Strom aus dem Norden , könnten mit Polen fusionieren und das europäische Reich der Mitte bilden .

Und wir hätten in fast 25 Jahren was gelernt . Bauernland in Junckerhand funktioniert noch Weniger . Da fällt mir ein, ist die Aigner schon zurückgetreten ? Also in der DDR wären längst Köpfe gerollt . Auch die von Genossen und Ministern !

Heute hat bei Tagesschau 24 ein staatlicher Lebensmittel-Prüfer auf Nachfrage gesagt : Weil wegen der jüngsten Vorfälle mehr und breiter geprüft wird , häuft sich natürlich auch die Zahl gefundener Verstöße.

In der DDR haben wir immer gesagt : Friß oder Stirb

Aigner sagt : Friß & Stirb . Ich hatte schon mehrfach vor dem Tag gewarnt , an dem die Hausfrau mit dem Geiger-Zähler zur Kaufhalle geht . Und auch dieser Tag wird kommen . Gas aus dem Wasserhahn ist ja lt . Philipino Rösler schon in Arbeit .

Also Etwas kann mit unserem Food nicht stimmen .Ich habe schon fast vergessen , worum es bei den Montags-Demos ging ? Ich war zwar selber nie da . Aber ich glaube um Dienstag bis Sonntag nicht .

sven kyek 01.03.2013 | 19:30

OLDMAN01.03.2013 | 18:11@APATIT

Bananen, Bundesliga, Bankenkrise
Gestern standen wir kurz vor dem Abgrund.
Heute sind wir schon einen Schritt weiter.

Kommentar beantwortenFlag comment...Bild fehlte noch . Die schrieben gerade , sie sehen in Steinbrück einen ,,rebellischen Helden " Genau . So eine Art Anti Robin Hood . Nimmts den Armen und gibt"s..?

Manchmal glaube ich, der Springer Urvater hat mehr % als die IQ

apatit 01.03.2013 | 19:49

Ich erlaube mir mal einen großen Schriftsteller zu zitieren, gefunden im Poetenladen. Das passt zum Thema! Gerhard Zwerenz Die Verteidigung Sachsens und warum Karl May die Indianer liebte Sächsische Autobiographie in Fortsetzung | 32. Nachwort “Ich denke an Gaucks Versuche, Stefan Heym als Stasi-IM zu verunglimpfen. Der verfolgte junge Jude und Kommunist, der als US-Soldat zurückkehrte und sich auch als DDR-Schriftsteller nicht den Mund verbieten ließ, sollte als Alterspräsident im Bonner Bundestag verhindert werden. Gaucks Rufmord scheiterte zwar, reichte jedoch als Grund dafür, dass Kohl und seine CDU-Fraktion sitzen blieben, als der Alterspräsident das Plenum betrat. Heym, Graf Einsiedel und ich saßen am Abend zusammen – drei DDR-Bürger auf Zeit und auch DDR-Geformte und -Geschädigte, die erfahren hatten, was gaucken heißt. Ich sagte mir, wenn so etwas von Bürgerrechtlern stammt, bin ich zur Verteidigung des Grundgesetzes ein Bürgerlinksler, der den Elitenwechsel vom Antinazi zum Antikommunisten nicht akzeptiert, auch wenn die kapital unterfütterten Kriegstreuen der Presse samt tv-Plappermäulern ihren geistigen Notstand zur nationalen Pflicht erklären. Der Rufmord an Heym misslang.“

Joachim Petrick 02.03.2013 | 01:01

Gregor Gysi könnte all diese Anfeindungen ins Leere laufen lassen, wenn er endlich auch der DDR Fürsorge gegenüber Staatsbediensteten in der Funktion von IMs loyal eine Chance einräumen, im menschenrechtlich kontrollierenden Sinne das Wort reden würde und IMs nicht, wie andere auch, generell als historischen Abschaum vorführt, damit die als Zeitzeugen, als Zeugen der Anklage vor Gericht im öffentlichen Bewußtsein verbrannt, keine Wirkung entfalten können?

Was wäre an Wahrheitsfindungspotential mobilsiert, zu verwirklichen, wenn NSU- V- Leute, IMs der STASI u. a. Geheimdienste unter ein Zeugenschutzprogramm unseres Rechtsstaates gestellt würden?

Joachim Petrick 02.03.2013 | 01:43

"Franz- Josef- Strauss ausgebuddelt und peinlicht befragt nur deshalb, weil er damals mit MfS Oberst Alexander Schalck-Golodkowski gesprochen hat, nicht nur gesprochen hat! (Aushandlung eines Milliardenkredites 1983 für DDR – heute Unrechtsstaat)"

Medial und in der CSU hat FJS damals Prügel bezogen, die Helmut Kohl verdient gehabt hätte, aber FJS den Vortritt ließ.

Zunehmend glaube ich, Gysi hat sich das selber eingebrockt, weil er, wie jene, die ihm nun wirklich unfein ans Leder wollen, eben solche Rechthaber Strolche im Nadelstreif sind, wie er inzwischen selber?

siehe mein obiger Kommentar

Die Linkspartei wird mit oder ohne Gysi weiter durch ihr famoses Personal Tableau an Statur gewinnen

Helmut Eckert 03.03.2013 | 11:33

SVEN KYEK

Die hier folgende Wirtschaftsbilanz ist ein Zeugnis des wahren Zustandes der DDR Wirtschaft. Da sie diesen Artikel nicht im Internet finden, stelle ich ihn hier vor. Zitat Anfang:

11.01.1990 Neues Deutschland

Zur Lage unserer Volkswirtschaft

Arbeitsvermögen, Berufsnachwuchs, Lebensniveau Uneffektive Struktur der Beschäftigten entstanden

Ende der 80er Jahre ergaben sich allein schon durch die demographische Entwicklung unseres Landes ungünstige Bedingungen für die Reproduktion des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens. Bis 1988 stieg die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nur noch geringfügig an. durch die massenhaften Auswanderung 1989 verringerte sich die Arbeitskräftezahl einschneidend. Die Auswanderung hält noch an. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der aus der Berufsausbildung kommenden Jungfacharbeiter. Im Zuge der Verwaltungsreform und anderer Veränderungen in staatlichen Einrichtungen, Parteien und Massenorganisationen offenbart sich eine uneffektive Beschäftigungsstruktur. Frei werdende Arbeitskräfte verfügen über andere Qualifikationen, als sie für die gegenwärtig .rund 250 000 freien Arbeitsplätze benötigt werden.

Die Sozialpolitik forderte einen großen Anteil am volkswirtschaftlichen Gesamtergebnis, ohne daß sie im genügenden Maß zu Leistungen stimulierte. Die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung lagen in den Jahren von 1986 bis 1989 über den geplanten Zielen. Der Einzelhandelsumsatz lag im gleichen Zeitraum unter den Planzielen. Die Ergebnisse in der Volkswirtschaft blieben hinter den Einkommen zurück. Das Angebot an Waren und Leistungen entsprach und entspricht in Struktur, Qualität und Quantität nicht der zahlungsfähigen Nachfrage. Durch die Dispropostion zwischen Kauffonds und Warenfonds entstand ein erheblicher Kaufkraftüberhang. Die Bevölkerung verfügte in diesem Zeitraum (1986-1989) über Nettogeldeinnahmen von 636 Milliarden Mark. Davon verwendete sie 561 Milliarden Mark für den Kauf von Waren und die Bezahlung von Leistungen, 32 Milliarden Mark für weitere Ausgaben wie Versicherungsbeiträge, Steuern, Beiträge. Als Ersparnisse verblieben 42 Milliarden Mark. Die Sparguthaben und Bargeldbestände erhöhten sich gegenüber 1985 um 28 Prozent auf 1?? Milliarden Mark 1989. Das geplante Volumen für die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung wurde um 6,1 Milliarden Mark in den Jahren 1986 bis 1989 überschritten. Dies kam wesentlich durch einkommenspolitische Maßnahmen zustande. In den Jahren 1986 bis 1989 wurden dafür mehr Mittel eingesetzt als im Zeitraum 1981 bis 1985. Dabei erhöhten sich die Geldeinnahmen aus gesellschaftlichen Fonds schneller als die Geldeinnahmen aus der Berufstätigkeit. Bei den Geldeinnahmen aus Berufstätigkeit hat sich das Arbeitseinkommen der Arbeiter und Angestellten .und das der LPG-Mitglieder seit 1980 - am schnellsten entwickelt. Bei den anderen Berufstätigengruppen wirkten sich insbesondere die seit 198ti festgelegten Maßnahmen zur Förderung des individuellen Handwerks aus. Insgesamt haben sich aber die Einkommensunterschiede seit 1980 nur unwesentlich geändert. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen der Arbeiter und Angestellten erhöhte sich seit 1980 um 30,6 Prozent und betrug im Jahr 1988 1946 Mark monatlich. Das. Pro Kopf Nettoeinkommen in diesen Haushalten belief sich auf 696 Mark im Monat (1988). Durch gestiegene Produktion von Konsumgütern erhöhte sich zwar die Warenbereitstellung von Nahrungs- und Genußmitteln sowie Industriewaren für die Bevölkerung, blieb aber sowohl in Sortimentsbreite als auch in Qualität hinter den Erwartungen der Käufer zurück. Der Einzelhandelsumsatz kletterte im Zeitraum von 1981 bis 1989 zu effektiven Preisen um 31,1 Prozent. Die Struktur der Geldausgaben der Bevölkerung für Warenkäufe und Leistungen hat sich in der DDR im Unterschied zur internationalen Entwicklung seit 1980 nicht wesentlich verändert. In den Haushalten einer Reihe europäischer kapitalistischer Länder wuchs der Teil der Ausgaben für Leistungen in den vergangenen 10 bis 20 Jahren durchschnittlich um 1 bis 4 Prozent pro Jahr. In der DDR stagnieren Leistungsarten; bei denen ein großer Bedarf der Bevölkerung besteht beispielsweise Tourismus und Freizeitgestaltung.

Maschinen und Anlagen kamen in die Jahre

Obwohl die materiell- technische Basis teilweise erneuert wurde, konnten verschlissene Ausrüstungen nur unzureichend ausgesondert werden. Im Zeitraum 1981 bis 1989 standen zum Beispiel Aussonderungen im Wert von 61 Milliarden Mark Zugänge von 330 Milliarden Mark gegenüber. Das führte zu einer wesentlichen Überalterung der Ausrüstungen in fast allen produzierenden Bereichen Betrug das Volumen vollständig abgeschriebener Maschinen und Anlagen 1980 rund 58 Milliarden Mark, so erhöhte sich ihr Umfang bis 1989 auf 133 Milliarden Mark und hat sich damit mehr als verdoppelt. 20.Prozent aller Ausrüstungen sind abgeschrieben. 1980 waren es 14 Prozent.

Die Altersstruktur der Ausrüstungen im produzierenden Bereich weist große Unterschiede auf. Die meisten abgeschriebenen Maschinen und Anlagen besitzt die Bauwirtschaft. Sie liegt mit 40 Prozent weit über dem volkswirtschaftlichen Durchschnitt. Besonders betroffen sind die örtlich geleiteten Betriebe. Innerhalb der Industrie gibt es wiederum zwischen den Zweigen erhebliche Unterschiede. Einen hohen Anteil moderner Anlagen besitzt die Elektrotechnik/Elektronik. In diesem Bereich sind 45 Prozent der Ausrüstungen nicht älter als fünf Jahre. Dagegen müssen andere Bereiche vielfach mit Anlagen und Maschinen auskommen, die länger als 20 Jahre und damit weit über der normativen Nutzungsdauer eingesetzt sind. Im Erzbergbau, in der Metallurgie und in der Kaliindustrie gibt es solche bejahrten Ausrüstungen im Wert von 10,1 Milliarden Mark. Das sind 23 Prozent vom Gesamtbestand.

Die Polarisierung zwischen neuen und alten Produktionsausrüstungen nahm seit 1985 weiter zu. Im Allgemeinen Maschinen-, Landmaschinen- und Fahrzeugbau der Bereich mit der stärksten Grundfondsentwicklung wuchs beispielsweise im Zeitraum von 1986 bis 1989 die Zahl neuer, bis zu fünf Jahre älter Ausrüstungen um 7900 Anlagen an. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der über 20 Jahre alten Anlagen und Maschinen um 11 100 auf über 66 000, weil nur wenig verschlissene Ausrüstungen ausgesondert wurden. Diese Altersstruktur führte vielerorts zu einer geringen Leistungsentwicklung und Kapazitätsdisproportionen, so zu Widersprüchen zwischen der Zulieferindustrie und den Finalproduzenten. Die hohe Anzahl alter Ausrüstungen bindet im Vergleich von modernen Maschinen und Anlagen wesentlich mehr Arbeitskräfte zu ihrer Bedienung und vor allem zur Instandhaltung. Der Instandhaltungsaufwand vermehrte sich von Jahr zu Jahr. In den produzierenden Bereichen machte er im Zeitraum von 1986 bis 1989 rund 182 Milliarden Mark aus. 1989 erreichte er 49 Milliarden Mark und liegt damit nur um etwa 10 Prozent unter der Summe für die Investitionen. All das zusammengenommen schlägt sich nieder in einer Veringerung der Effektivität unserer Grundmittel. Se sank die Grundfondsquote - produziertes Nationaleinkommen. Die1000 Mark Grundmittelbestand im produzierenden Bereich - von 226 Mark 1985 auf 219 Mark 1989. Neben der ungünstigen, ich in den letzten Jahren ständig verschlechternden qualitativen Struktur der Grundfonds wirkte sich die unzureichende Effektivität der Investitionen negativ auf die Grundfondsquote aus. .In den Jahren von 1981 bis 1985 brachten 1000 Mark Bruttoinvestitionen einen Zuwuchs an Nationaleinkommen von 202 Mark. Von 1986 bis 1989 verringerte wich dieser Ertrag auf 150 Mark.

Akkumulation und Investitionen Zu wenig Mittel flossen in produzierenden Bereich

Die Verlangsamung des Wachstums unseres produzierten Nationaleinkommens ist erkennbar am Trend der volkswirtschaftlichen Arbeitsproduktivität: In den Jahren von 1981 bis 1985 nahm sie jährlich um etwa 4,3 Prozent zu. Von 1986 bis 1989 beträgt das Wachstum im Jahresdurchschnitt lediglich 3,4 Prozent. Die Produktivität in der DDR liegt um 40 Prozent niedriger als in der BRD.

Welchen Prozessen ist diese Entwicklung geschuldet? Es handelt sich dabei um eine Vielzahl negativ wirkender Faktoren, die sich zum Teil gegenseitig überlagern. Dazu gehören die langfristigen Konsequenzen einer ungenügenden produktiven Akkumulation und der unzureichende Ertrag von Investitionen. In den letzten 10 Jahren wuchs die materiell- technische Basis der Volkswirtschaft. Dies geschah bei einer großen Differenziertheit zwischen den einzelnen Bereichen und innerhalb der Bereiche. Die Differenziertheit nahm dabei zu. Gegenwärtig verfügt die DDR-Volkswirtschaft über einen Bestand an Grundfonds mit einem Wertvolumen von etwa 1750 Milliarden Mark. Gegenüber 1980 erhöhte es sich um 535 Milliarden Mark, das sind 44 Prozent. Der Zuwachs an Grundfonds vollzog sich gleichermaßen im produzierenden Bereich (Erhöhung um 391 Milliarden Mark, das entspricht einer Zunahme von 45 Prozent) und im nichtproduzierenden Bereich (um 144 Milliarden Mark, das ergibt ein Wachstum um 41 Prozent). Im gleichen Zeitraum (1981 bis 1989) nahm das produzierte Nationaleinkommen um 41 Prozent zu. Damit gelang es m dw 80er Jahren nicht, eine Wende zur vorwiegend intensiv erweiterten Reproduktion der Grundfonds zu vollziehen. Hinzu kommt, daß eine der Grundproportionen der Wirtschaft, das Verhältnis von Akkumulation und Konsumtion, nicht entsprechend den Erfordernissen gestaltet wurde. Dadurch konnte die notwendige Akkumulationskraft im produzierenden Bereich nicht gesichert werden. Der Anteil der Nettoinvestitionen in diesem Bereich am im Inland verwendeten Nationaleinkommen war in den 70er Jahren und in der ersten Hälfte der 80er Jahre erheblich reduziert worden. Dieser Anteil sank von 16,1 Prozent im Jahr 1970 auf 8,1 Prozent im Jahr 1985. Erst von 19b0 bis 1988 wurde dieser Abwärtstrend aufgehalten (1988: rund 10 Prozent). Gleichzeitig wurde ein Teil der Investitionsmittel für Objekte eingesetzt, die nicht unmittelbar zum Wachstum des Nationaleinkommens beitrugen beziehungsweise sogar zusätzlich Auf Nände verursachten. Dazu zählen die Ablösung von Heizöl, Steinkohle und Steinkohlenkoks sowie Investitionen für den Ersatz von bislang aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet importierten Erzeugnissen. All das hatte zur Folge, daß die Investitionen in vielen Bereichen nicht genügten, um die Reproduktion zu gewährleisten.

Ökonomische Entwicklung in Stichpunkten

- Der Produktionsverbrauch je Einheit Nationaleinkommen sank in den Jahren 1986 bis 1989 jährlich fm Durchschnitt um 0,9 Prozent und damit wesentlich langsamer als von 1981 bis 1985. In diesem Zeitraum war im Jahresdurchschnitt eine Verringerung von 2,6 Prozent zu verzeichnen. Ein ähnlicher Trend ist bei den Selbstkosten der Industrie, beim spezifischen Verbrauch von Roh- und Werkstoffen und beim spezifischen Transportaufwand zu beobachten.

- Auf das Konto der Industrie geht der Löwenanteil der in diesem Jahrfünft ausbleibenden Milliarden an Nationaleinkommen. In der Industrie verlief, wie auch in den übrigen Hauptbereichen der Wirtschaft, die Entwicklung des Nettoprodukts langsamer als geplant und langsamer als im Zeitraum 1981 bis 1985.

- Den im Zeitraum 1986 bis 1989 zum Fünfjahrplan fehlenden Milliarde Mark Nationaleinkommen steht eine überplanmäßige Verschwendung von Nationaleinkommen im Inland in Höhe von rund 20 Miliarden Mark gegenüber.

- In der zentralgeleiteten Industrie hat sich die Anzahl der vorwiegend manuell Tätigen seit Beginn der 80er Jahre praktisch nicht verändert. Sie betrug Mitte 1989 659 400 Personen. In den Produktionshilfs Prozessen ist sie von 323 000 Arbeitskräften 1980 auf 376 000 Personen im Jahr 1988 angestiegen.

Außenhandel, internationale Arbeitsteilung

Import wuchs schneller als der Export

Zu den Faktoren, die die Dynamik unseres Nationaleinkommens ungünstig beeinflußten, zählen auch sich verschlechternde Wettbewerbspositionen auf den Außenmärkten sowie eingeschränkte Möglichkeiten, die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung zu nutzen. Einerseits waren der DDR durch Embargobestimmungen bei vielen Hochtechnologien im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet die Hände gebunden. Andererseits fehlten entsprechende Erzeugnisse im sozialistischen Ausland: Das produzierte Nationaleinkommen stand nicht in den geplanten Volumen und Proportionen zur Verfügung, die für die Lösung der außenwirtschaftlichen Aufgaben und für die Verwendung im Inland nötig gewesen wären. Gegenüber den Zielen des Planes wuchs aus diesen Gründen der Import schneller als der Export. Im Zusammenhang mit der unzureichenden Effektivität im Handel mit dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet führte das in den zurückliegenden vier Jahren zu einer weiteren Belastung der Zahlungsbilanz der DDR.

Im Zeitraum 1986 bis 1989 verschlechterte sich die Handelsbilanz. 1989 ist voraussichtlich ein Importüberschuß zu verzeichnen.. Im Zeitraum des vorhergehenden Fünfjahrplanes erzielte die DDR Wirtschaft noch einen Exportüberschuß zu effektiven Valuta Preisen in Höhe von 26 Milliarden Valuta Mark. Die gegenwärtige negative Außenhandelsbilanz wird besonders durch den Handel mit dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet verursacht, der seit 1985 eine sinkende Tendenz aufweist. Die Hauptursache für das unzureichende NSW Extportvolumen und die zu geringe Außenhandelseffektivität besteht darin, daß es nicht gelang, genügend Exporterzeugnisse bereitzustellen. Des weiteren besaßen die Erzeugnisse nicht das erforderliche wissenschaftlich technische Niveau, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies trifft vor allem auf die metallverarbeitende Industrie zu. Während unverändert zwei Drittel aller Exporte in das sozialistische Wirtschaftsgebiet auf Erzeugnisse der metallverarbeitenden Industrie entfallen, waren die Erzeugnisse dieses Bereiches am Export in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet im Jahr 1988 nur mit 23,3 Prozent beteiligt. Der Fünfjahrplan sah eine Steigerung auf rund 30 Prozent im Jahr 1990 vor. Damit sollte der Anteil des Jahres 1980 annähernd wieder erreicht werden. Zum Vergleich: In der BRD beträgt der Anteil der metallverarbeitenden Industrie am Gesamtexport fast 50 Prozent. Der starke Preisverfall für Erdöl und Erdölprodukte im Jahr 1986 hinterließ gleichfalls Spuren in den Ergebnissen unseres Außenhandels. Die eingeschränkte Mitwirkung an der internationalen Arbeitsteilung in Wissenschaft und Produktion spiegelt sich unter anderem in folgenden Relationen wider: Der Außenhandelsumsatz wuchs in den Jahren 1986 bis 1988 langsamer als die volkswirtschaftliche Gesamtleistung. Die DDR blieb damit hinter der Entwicklung des Welthandels zurück, der in den letzten Jahren. eine konjunkturelle Belebung erfuhr. Von 1985 bis 1988 stieg der Umsatz im Welthandel gemessen in effektiven Preisen auf Dollarbasis auf 150 Prozent. Die DDR erreicht nur eine Steigerung auf 120 Prozent. Der Außenhandelsumsatz je Einwohner liegt in der DDR merklich niedriger als in der Mehrzahl der europäischen kapitalistischen Länder: Bei einigen Entscheidungen hatte die DDR kaum eine andere Wahl, als auf die eigene Kraft zu setzen. Sie entschied sich beispielsweise für den aufwendigen Weg der eigenen Entwicklung und Produktion eures sehr umfangreichen, jedoch unzureichenden strukturierten Sortiments mikroelektronischer Bauelemente. So deckt unser Land gegenwärtig etwa 70 Prozent des Bedarfs an mikroelektronischen Bauelementen aus der eigenen, sehr kostenaufwendigen Produktion. Nur 30 Prozent stammmen aus dem Import. Im Vergleich dazu kommen in der BRD 80 Prozent aus Importen.

Arbeitsvermögen, Berufsnachwuchs, Lebensniveaumen.

Uneffektive Struktur der Beschäftigten entstanden

Ende der 80er Jahre ergaben sich allein schon durch die demographische Entwicklung unseres Landes ungünstige Bedingungen für die Reproduktion des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens. Bis 1988 stieg die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter nur noch geringfügig an. Mit der massenhaften Auswanderung X989 verringerte sich die Arbeitskräftezahl einschneidend. Die Auswanderung hält noch an. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der aus der Berufsausbildung kommenden Jungfacharbeiter. Im Zuge der Verwaltungsreform und anderer Veränderungen in staatlichen Einrichtungen, Parteien und Massenorganisationen offenbart sich eine uneffektive Beschäftigungsstruktur. Frei werdende Arbeitskräfte verfügen über andere Qualifikationen, als sie für die gegenwärtig rund 250 000 freien Arbeitsplätze benötigt werden. Die Sozialpolitik forderte einen großen Anteil am volkswirtschaftlichen Gesamtergebnis, ohne daß sie im genügenden Maß zu Leistungen stimulierte. Die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung lagen in den Jahren von 1986 bis 1989 über den geplanten Zielen. Der Einzelhandelsumsatz lag im gleichen Zeitraum unter den Planzielen. Die Ergebnisse in der Volkswirtschaft blieben hinter den Einkommen zurück. Das Angebot an Waren und Leistungen entsprach und entspricht in Struktur, Qualität und Quantität nicht der zahlungsfähigen Nachfrage. Durch die Disproportion zwischen Kauffonds und Warenfonds entstand ein erheblicher Kaufkraftüberhang. Die Bevölkerung verfügte in diesem Zeitraum (1986-1989) über Nettogeldeinnahmen von 636 Milliarden Mark. Davon verwendete sie 561 Milliarden Mark für den Kauf von Waren und die Bezahlung von Leistungen, 32 Milliarden Mark für weitere Ausgaben wie Versicherungsbeiträge, Steuern, Beiträge. Als Ersparnisse verblieben 42 Milliarden Mark. Die Sparguthaben und Bargeldbestände erhöhten sich gegenüber 1985 um 28 Prozent auf 166 Milliarden Mark 1989. Das geplante Volumen für die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung wurde um 6,1 Milliarden Mark in den Jahren 1986 bis 1989 überschritten. Dies kam wesentlich durch einkommenspolitische Maßnahmen zustande. In den Jahren 1986 bis 1989 wurden dafür mehr Mittel eingesetzt als im Zeitraum 1981 bis 1985. Dabei erhöhten sich die Geldeinnahmen aus gesellschaftlichen Fonüs schneller als die Geldeinnahmen aus der Berufstätigkeit. Bei den Geldeinnahmen aus Berufstätigkeit hat sich das Arbeitseinkommen der Arbeiter und Angestellten .und das der LPG-Mitglieder seit 1980 - am schnellsten entwickelt. Bei den anderen Berufstätigengruppen wirkten sich insbesondere die seit 198ti festgelegten Maßnahmen zur Förderung des individuellen Handwerks aus. Insgesamt haben sich aber die Einkommensunterschiede seit 1980 nur unwesentlich geändert. Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen der Arbeiter und Angestellten erhöhte sich seit 1980 um 30,6 Prozent und betrug im Jahr 1988 1946 Mark monatlich. Das Pro Kopf-Nettoeinkommen in diesen Haushalten belief sich auf 696 Mark im Monat (1988). Durch gestiegene Produktion von Konsumgütern erhöhte sich zwar die Warenbereitstellung von Nahrungs- und Genußmitteln sowie Industriewaren für die Bevölkerung, blieb aber sowohl in Sortimentsbreite als auch in Qualität hinter den Erwartungen der Käufer zurück. Der Einzelhandelsumsatz kletterte im Zeitraum von 1981 bis 1989 zu effektiven Preisen um 31,1 Prozent. Die Struktur der Geldausgaben der Bevölkerung für Warenkäufe und Leistungen hat sich in der DDR im Unterschied zur internationalen Entwicklung seit 1980 nicht wesentlich verändert. In den Haushalten einer Reihe europäischer kapitalistischer Länder wuchs der Teil der Ausgaben für Leistungen in den vergangenen 10 bis 20 Jahren durchschnittlich um 1 bis 4 Prozent pro Jahr. In der DDR stagnieren Leistungsarten; bei denen ein großer Bedarf der Bevölkerung besteht beispielsweise Tourismus und Freizeitgestaltung.

Da wir den großen Bedarf nach analytischen Materialien kennen, die detailliert Aufschluß über die ökonomische und soziale Situation der DDR geben, werden wir weitere Beiträge zu einzelnen Bereichen veröffentlichen. Wir planen zum Beispiel Übersichten zu folgenden Themen:

Zählt unsere Industrie zum alten. Eisen? Zur Altersstruktur und Reproduktion der Ausrüstungen.

Sind die Bauleute schneller als der Zahn der Zeit, der an unseren Häusern nagt? Zur Situation im Bauwesen und in der Wohnungswirtschaft.

Welche Bauernregeln gelten in unserer Landwirtschaft? Zum Ertrag und Aufwand auf den Feldern der DDR.

- Die Ausfallzeiten je Arbeiter und Angestellter - ohne Erholungsurlaub - waren seit 1986 in jedem Jahr höher als 1985. Im Jahr 1988 belief sich die durchschnittliche Ausfallzeit auf 262 Stunden.

Entgegen der Tendenz in den entwickelten Industrieländern wurden in den produzierenden Bereichen, insbesondere in der Industrie, durch Investitionen mehr Arbeitsplätze geschaffen als eingespart. Von 1981 bis 1989 kamen in der Industrie 5900 Arbeitsplätze hinzu.

In der Industrie befaßten sich 1989 rund 280OO Arbeitskräfte mit Instandhaltungsaufgaben. Das sind 17,2 Prozent des gesamten Produktionspersonals in diesem Bereich. Da manuelle Tätigkeiten bei Reparaturen und Instandhaltung überwiegen, arbeiten diese Werktätigen mit. einer geringen Produktivität. Von der Infrastruktur, die sich bedeutend verschlechterte, gingen zunehmend leistungs- und produktivitätshemmende Wirkungen aus. Im Verkehrswesen schränkte die Instabilität des Streckennetzes die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn und die mit der Elektrifizierung erwarteten Effektivitätsvorteile ein. Beim Zustand der Straßen wurde trotz hoher Instandhaltungsaufwendungen keine Verbesserung erreicht.

Viele Stimmen verlangten in den zurückliegenden Wochen eine rückhaltlose Offenlegung der ökonomischen Situation in der DDR. Diese Forderung trugen vor allem Teilnehmer der Beratungen am Runden Tisch vor: Die Kenntnis der Wirtschaftsdaten ist unerläßlich, um an der Wirtschaftsreform mitzuwirken. Wir wandten uns an die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik und baten um Auskunft. Auf der Grundlage auch von der Öffentlichkeit bisher vorenthaltenen Zahlen vermitteln wir ,einen Überblick zu Schwerpunktfragen der Wirtschaft. Soviel vorab. Trotz angestrengter und fleißiger Arbeit verlangsamte sich, das Tempo der ökonomischen Entwicklung sichtlich: Planschulden im Betrieb, ein Angebot in den Läden, das zu wünschen übrigläßt, die Infrastruktur genügt bei weitem nicht den Anforderungen. Im Maßstab des gesamten Landes spiegelte sich all das im Nationaleinkommen wider. Wuchs es in den Jahren von 1981 bis 1985 wie wir erfuhren im Durchschnitt um 4,5 Prozent, so weisen die Jahre 1986 bis 1989 nur eine jährliche Steigerung von 3,1 Prozent auf. Wo liegen die Ursachen dafür? Welche Prozesse destabilisierten die Wirtschaft der DDR?

Zitat Ende

Helmut Eckert 03.03.2013 | 14:33

Diese Bilanz wurde vom Leib - und Seelenblatt der SED im Januar 1990 herausgegeben! Nicht von einem SED Gegner! Der diesen Artikel verfasste, gehörte zur SED Nomenklatura! Übrigens gibt es von dn MfS sehr genau Wirtschaftsberichte, welche genau die Ansicht dieses Artikels wiedergeben! Das gibt diesem Artikel ein besonderen Wahrheitswert! die e9genen wirtschaftsfachleute schätzen ihren Arbeiter - und Bauernstaat richtig ein! Das waren keine Gegner der DDR! Ganz im Gegenteil!

sven kyek 03.03.2013 | 15:42

Sehr geehrter APATIT , sehr geehrte Herr Eckert , vielen Dank für Ihre Antworten . Ich habe Mitte den 80ern in einer Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft mit ca . 350 Mitgliedern im Werkstattbereich als Leiter des Rationalisierungsmittel -Bau und die letzten 3 Jahre bis zur Wende als Einkaufsleiter der Genossenschaft gearbeitet .

Somit durfte ich viel Einblick in ,,erschwerte Produktionsbedingungen " und ,,Wandel durch Handel " bekommen . Durch diese Erfahrungen aus der DDR und das managen einer Fachähnlichen Firma von 1990 bis 2006 habe ich mir eine Meinung gebildet , die garnicht so weit vom wenn auch oft drögen Stoff des Marxismus-Leninismus Unterrichts während der DDR Meisterausbildung liegt .

Angesichts der Globalisierung und dem somit vorhandenen Arbeitskräftepotential , dem massiven Wohlstandsgefälle , begrenzten Bodenschätzen , ( Natur vernachlässige ich mal ) , begrenzten Geldmengen incl. Schuldenbremse führt die Jetzige Irrfahrt schon mittelfristig in die Katastrophe .

Die staatlichen und EU Eingriffe durch Subventionen aller Art , die Versuche mit Steuern zu steuern sind in Summe mehr Planwirtschaft und Eingriff als es in der DDR je gab . Nur das hierbei die Intention eine andere ist .

Ohne eine Entschleunigung der Produktionsprozesse auch eine Art ,,Mangelwirtschaft " oder gesunde Verknappung bei der die Masse der Bürger bei normaler Arbeit auskömmlich und trotzdem zufrieden leben können , steuern wir mit lediglich lebenserhaltenden Maßnahmen auf Massenverelendung zu . Diese lässt die Kontenstände von Konzernen und Großaktionären wachsen , die Schuldenstände der Staatshaushalte explodieren und die Taschen der Bürger leeren . Ein Teufelskreis .

Begleitend zur Entschleunigung der Arbeitswelt halte ich eine Zerschlagung und Verstaatlichung großer und gerade Energie aller Art liefernder Konzerne perspektivisch für unausweichlich . An dem Beispiel der aktuellen Verstaatlichung der Pariser Wasser-Ver und Entsorgung kann jeder nachvollziehen , was im Zeitraum des Privatwirtschaftlichen Betriebes geschehen war und warum der Staat den ,,Wasserkonzern" der weltweit , auch in Deutschland , sein Unwesen treibt , enteignet hat .

Es mag Utopie sein . Aber sie scheint mir mehr als je , Nahe denn Weit . H. Schmidt sprach vom Vorabend revolutionärer Entwicklungen in Europa . Die systemkritischen Beiträge der Öffentlich-Rechtlichen sind nach meinem Empfinden stark wie nie vertreten . Respektlosigkeit und Verachtung gegenüber Politik und Staatsführung ist allgegenwärtig .

Und was ich in Foren von Zeitungen verschiedenster Zielgruppen aus diversen gesellschaftlichen Schichten lese , macht mir Mut kein Einzel-Patient zu sein .

sven kyek 03.03.2013 | 19:12

In der Industrie befaßten sich 1989 rund 280OO Arbeitskräfte mit Instandhaltungsaufgaben. Das sind 17,2 Prozent des gesamten Produktionspersonals in diesem Bereich

Im Westteil der Republik sind fast alle Straßenbrücken seit den 60iger Jahren , wo sie gebaut wurden, weder bis 1989 noch bis Heute unterhalten oder instandgesetzt worden . Sehr viele von diesen Brücken ( um Köln extrem ) wurden behördlich von 40 auf 30 t Befahrlast gedrosselt . Das hat zwar nicht direkt mit der Produktivität Ost zu tun . Aber manchmal ist Weniger= Mehr und liegt in der Enthaltsamkeit der Genuss .

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Ehemaliger Nutzer 04.03.2013 | 22:25

werter herr eckert,

gibt es im leben nur schwarz und weiß?

oder (sorry) noch passender zu ihrer argumentation:

gibt es nur schwarz oder weiß?

was gysi vollbrachte, ist nicht nur meisterhaft, sondern schon eine geniale kunst (weil nur wenige- od niemand- zur nachahmung in der lage wäre/n).

es ist schlichtweg vermessen und weltfremd, zu verlangen, in seiner situatuation in der ddr "steril abgekapselt" gewesen sein zu müssen!

............... die einzig korrekte frage darf nur lauten:..................................

"hat er paktiert im sinne von: hat er "verraten"? hat er geschädigt?"

diese frage beantwortet der verstand:NEIN, hat er nicht!..................

.... denn sonstwürden irgendwelche opfer bei der boulevardpresse schlange stehen, um hochbezahlte storys zu liefern!.......................

.............das sollte doch endlich mal einleuchten..!.................................

gysi´s hauptproblem sind nicht die diffamierungsversuche seiner gegner, sondern die massenhafte SELBSTERKENNTNIS(!) der allermeisten deutschen, dass SIE an seiner stelle nicht sauber geblieben wären!.................................

......damned, der ist aktuell der ehrlichste und hellste kopf in berlin,

hat viele gute vorschläge um unser aller leben zu verbessern....

... und wird dafür geprügelt!?! ..............damned,........

ich würd euch was pfeifen an seiner stelle!

madi 05.03.2013 | 11:47

@ Herr Eckert und andere: Der Beitrag beschreibt, dass Herr Gysi dafür gesorgt hat, dass anderen längere Haftaufenthalte in der DDR erspart blieben, und dass auch in Fällen wie Herrn Epplemann, bei dem die Ermittlungsbehörden - die Stasi - offensichtlich ziemlich viele Gründe gesehen haben mag, ihn zu verhaften.

Ganz sicher gab es auch andere Leute im Sicherheitsapparat, die gerne kurzen Prozess mit ihren Gegnern gemacht hätten. Der Stern hatte 1992, glaube ich, auch schon darüber berichtet, dass Pfarrer Eppelmann dem US-Botschaftsmitarbeitern ziemlich interne Details aus Kirche und Opposition anvertraut hat - die haben ihr Archiv nur bis 2002 online. Dass die harte Linie sich nicht durchgesetzt hat, ist u.a. Leuten wie Gysi zu verdanken, der darüber hinaus sogar noch die Zulassung des Neuen Forum durchgesetzt hat, wenn ich mich richtig erinnere.

madi 05.03.2013 | 15:26

Der Artikel "Mustang" über die CIA- bzw. Botschaftskontakte von Rainer Eppelmann aus der Zeitung der Bürgerrechtsbewegung "Hoch und Guck" von 1992 ist online:

Aus Horch und Guck, 04/1992

"Mustang" - MfS, CIA und DDR-Opposition

Eine Beziehung pflegte Gregory Sandford jedoch besonders - die zum damaligen Pfarrer der Berliner Samaritergemeinde Reiner Eppelmann. Eppelmann hatte, laut MfS, seit Ende der 70er Jahre ständig Kontakt zu Mitarbeitern des US-Geheimdienstes, aber auch zum französischen Geheimdienst DGSE, der in Person des Diplomaten Jean-Louis Lepetre bei ihm vorstellig wurde.

Für den amerikanischen Geheimdienstler muß Eppelmann eine interessante Quelle gewesen sein. Diese Vermutung lassen die Häufigkeit und die Dauer der Gespräche sowie deren Informationsgehalt bezüglich Kircheninterna, Diskussionen in Oppositionsgruppen und Einschätzung von Personen zu.

Beispielsweise in einem Gespräch, das am 1.10.1986 in Eppelmanns Wohnung stattfand und an dem außer Sandford noch besagter Quigley, mittlerweile auf analytischem Gebiet im CIA-Hauptquartier tätig, teilnahm. Laut MfS-Protokoll sprachen zu Beginn alle drei Teilnehmer über die Innen- und Außenpolitik der USA und der Sowjetunion und deren Verhältnis zueinander.

Sandford und Quigley fragten dann nach Eppelmanns nächsten Vorhaben und konkret nach der Bundessynode der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, nach der "Friedenswerkstatt" und der "Friedensdekade". Eppelmann gab dazu ausführlich Auskunft..."

Schüssel 06.03.2013 | 17:50

Der Artikel versucht erklären, warum Gysi doch mit der Stasi gesprochen hat, ja sprechen musste, um etwas für seine Mandanten zu erreichen. Nur ist das bei der derzeitigen Kampagne völlig ohne Bedeutung. Es geht nur um diese eidesstattliche Erklärung.

Wenn Gysi zu dem Sachverhalt eine falsche eidesstattliche Erklärung abgegeben hat,war das einfach dumm, denn gerade er als Jurist und Politprofi musste sehr wohl um deren Tragweite wissen.

Robert Zapf 20.04.2013 | 14:11

Und was sagt oder beweist das jetzt?
Die DDR und fast das gesamte sozialistische Lager ( Ausnahme Jugoslawien ), war ein Ergebnis des 2. Weltkrieges.
Es war ein künstliches Produkt, immer abhängig von der SU ( politisch und ökonomisch ).
Der 2. Weltkrieg hat auch die SU wirtschaftlich um Jahrzehnte zurückgeworfen, zumal sie sich ja nicht großartig auf Reparationsleistungen der Ostblockstaaten stützen konnten. Der große ökonomische Gewinner dieses Krieges waren die USA.
Das es überhaupt 40 Jahre in dieser Art in den Ostblockstaaten, wenn auch auf bedeutend geringerem Niveau, ökonomisch doch besser wurde, zeugt für meine Begriffe nicht unbedingt von der Unfähigkeit des ökonomischen Systems Sozialismus.
Da in gesellschaftlichen Systemen, egal welcher Art, immer noch der Mensch der Haupakteur ist ( wie lange noch, sei dahin gestellt ), zeigt es für mich eigentlich nur, daß bis in unsere heutige Zeit hinein, Egoismus bedeutend effektiver ist als Gemeinsinn ( sofern vorhanden ).
Und derjenige, der damals unter dem "staatlich verordneten Gemeinsinn" stark gelitten hat, in innerlich auch ablehnte, war nach 1990 bedeutend besser gerüstet, als derjenige, der das für sich akzeptierte, also lieber für sich weniger hatte, als auf Kosten anderer leben wollte.
Und solange es Privatbesitz an Grund und Boden ( einschließlich der Bodenschätze, die sich dort gerade befinden sollte, und welcher Art sie auch sind ) gibt, wird sich daran auch nie etwas ändern.
Das es Privatbesitz an anderen Gütern gibt, damit habe ich kein Problem. Sollen Leute, wenn sie es unbedingt wollen, an Sachen, die sie unbedingt privat besitzen möchten, wenn es denn zu ihrem Verständnis von Glück gehört, ein ewig gültiges Recht haben.
Aber nicht an der Erde. Die kann nicht privat sein. Die gehört allen, die darauf leben.
Und wenn Gott die Erde erschaffen hat, in sieben Tagen, wo stand jemals, das einzelne Menschen das Recht hätten, sich Teile davon privat anzueignen?
Sie haben in ihrer Datenbank 4000 Dokumente, die sie in Überzeugung bestärken, ich habe nur die eine Überzeugung:
DIE WELT MIT IHREN SCHÄTZEN, DIE SIE BIRGT, GEHÖRT ALLEN MENSCHEN!
Und bis jetzt wurden Kriege nicht wegen irgendwelcher Patente, die jemand für sich einfordert, geführt, sondern es ging immer um irgendwelche Gebiete ( Boden ) und nicht zuletzt um Bodenschätze ( Öl ).