Nena

Kehrseite Es waren einmal viele gute Tierschützer. Die lebten angestrengt in einem Land, das kaum Vegetarier kannte, dafür aber um so mehr Großwildjäger. So ...

Es waren einmal viele gute Tierschützer. Die lebten angestrengt in einem Land, das kaum Vegetarier kannte, dafür aber um so mehr Großwildjäger. So mancher Tierschützer hatte einst selbst dem Jagdhandwerk gefrönt. Doch das war in einem früheren Leben. Jetzt konnten die Tiere - klein und groß - keine besseren Freunde finden als unsere Tierschützer und ihren Verein. Sie pflegten die Wälder, stellten im Winter Futterkrippen auf, sorgten für frisches Gemüse in den Läden und berichteten auf ihren Internetseiten vom Genuss vegetarischer Küche. Nur ganz wenige aßen - mit schlechtem Gewissen - Sonntags ein Stück Braten, der ihnen jedoch kaum noch schmeckte. Es war eher eine Gewohnheit aus alten Tagen, von der man nicht lassen wollte.

Da passierte es, dass eine Horde wilder Löwen aus dem hauptstädtischen Zoo des Landes entwich. Sie stürzten sich auf hilflose Passanten und fraßen sie auf. Die Löwen hatten Hunger. Sofort griffen die Großwildjäger zu ihren Flinten und machten sich auf die Jagd. Nur unsere Tierschützer riefen zur Besonnenheit. Als sich Jäger und Löwen auf dem Marktplatz gegenüber standen, gingen sie dazwischen: "Schont die Löwen, keine Jagd nirgends", riefen sie ihren bewaffneten Landsleuten zu. "Aber da sind die Löwen. Die wollen uns fressen und wir haben Angst" riefen die Jäger. "Ja, wer hat denn die Löwen denn eingesperrt und hungern lassen?" konterten die Tierschützer.

Sie wussten, sie hatten Recht und ließen neunundneunzig Luftballons in den Himmel steigen. Die Löwen schmatzten beeindruckt.

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00:00 12.10.2001

Ausgabe 41/2021

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