Werteverfall

Kommentar I Zwischen der Regierung und den Unternehmern entspinnt sich ein aparter Dialog. Die Kanzlerin hat die Unternehmer zur Nutzung des zweiten ...

Zwischen der Regierung und den Unternehmern entspinnt sich ein aparter Dialog. Die Kanzlerin hat die Unternehmer zur Nutzung des zweiten Konjunkturpakets aufgerufen. Der neue BDI-Chef Hans-Peter Keitel antwortet, die Wirtschaftskrise habe "ihre Ursachen in einem grundlegenden Verfall von Werten, auch in Unternehmen". "Anstand, Maß, Nachhaltigkeit, Transparenz" ließen zu wünschen übrig. Keitel will sich ein wenig von Merkel distanzieren: Die "echten Werte" seien viel eher der Job der Unternehmer als des Staates. Der Mann hat recht, aber weiß er auch, was er da sagt? Er ist sicher schon einmal darauf gestoßen, dass zu den echten Werten nicht zuletzt die Vermögenswerte gehören. Neben Anstand und Maß erleiden auch sie zur Zeit einen "grundlegenden Verfall". Und was daran so bedenklich ist: Die rein ökonomischen (Tausch-) Werte implizieren eine besondere, von Anstand und Maß durchaus unabhängige Sachlogik, wie es eine solche ja in jedem Bereich menschlichen Handelns gibt. Damit will sich nun aber niemand befassen. Ist der Verfall der Vermögenswerte eine Folge fehlenden Anstands, oder ist die Wertlogik so eingerichtet, dass sie sich selbst systematisch in den Verfall treibt?

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

00:00 23.01.2009

Ausgabe 41/2021

Hier finden Sie alle Inhalte der aktuellen Ausgabe

3 Ausgaben kostenlos lesen

Der Freitag ist eine Wochenzeitung, die für mutigen und unabhängigen Journalismus steht. Wir berichten über Politik, Kultur und Wirtschaft anders als die übrigen Medien. Überzeugen Sie sich selbst, und testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos!

Kommentare