Wir hatten es doch geschafft

Essay Ein Haus, drei Kinder auf dem SPD-Gymnasium und ein Lebensabend ohne finanzielle Sorgen? In der alten BRD ging das, auch als Flüchtling und Arbeiter. Das ist lange vorbei

Mein Vater ist als junger Mann aus der DDR geflohen. Eines Nachts hat er heimlich die Wohnung seiner Eltern verlassen, ist zusammen mit einem Freund nach Ost-Berlin gereist und hat dort die Grenze überquert. Mehr als einen Koffer hatte er nicht dabei. An Wertsachen besaß er nichts. Weder seine Eltern noch sein Bruder wussten davon. Er hatte Angst, dass sie ihn von seinen Plänen abbringen würden.

Er wollte unbedingt in den Westen. Und das bedeutete für ihn damals Amerika. Wenn mein Vater mir als Kind von seiner Flucht erzählt hat, stellte ich mir vor, wie es hätte sein können, wenn ich dort, in dem Land seiner Sehnsucht, aufgewachsen wäre. Ich habe ihn immer bewundert für seinen Mut, auch heute noch. Obwohl ich mir inzwischen die schlimmen Sorgen seiner Eltern ausmalen kann, und wie schmerzhaft es für seinen jüngeren Bruder gewesen sein muss, allein zurückgelassen worden zu sein.

Mein Vater war nie in Amerika. Er ist nicht im Land seiner Sehnsucht angekommen. In der BRD musste er zunächst in ein Sammellager und dann für einen niedrigen Lohn auf einem Bauernhof arbeiten. In dieser Zeit hat er gelernt, was es heißt, allein auf sich selbst gestellt zu sein. Der Westen war nicht freundlich zu ihm. Später hat er unter Tage gearbeitet, in einem Stollen tief unter der Erde, um Steinkohle zu fördern. Diese Arbeit war noch härter, und sie war gefährlich. Aber sie brachte auch mehr Geld. Schließlich wollte er etwas aus sich machen. Nach der Volksschule hatte er eine Lehre als Schuster gemacht. Die Aussicht, als Handwerker seinen Lebensunterhalt zu verdienen, war gering. Wäre er in seiner Heimat geblieben, hätte er sein Leben lang das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben. 1961 wurde die Grenze zwischen beiden deutschen Staaten mit einer Mauer befestigt. In den 60er Jahren war es einfach, in der BRD eine Arbeit zu finden. Mein Vater hatte zum ersten Mal das Gefühl, über sich verfügen zu können. Er hatte genug Geld, um sich elegant anziehen und tanzen gehen zu können. Und dann kamen wir. Erst meine Schwester, dann ich und schließlich mein Bruder. Alle drei mehr oder weniger gewollt.

Ankunft im Rohbau

Meine Mutter hat mir oft Fotos aus der Zeit gezeigt, in der sich die beiden kennengelernt haben. Sie hatte damals als Sekretärin bei einer kirchlichen Zeitung gearbeitet und sich von ihrem Lohn gerade eine Isetta gekauft. Wie gut mein Vater aussah. Als ich fünf Jahre alt war, sind wir in ein kleines Dorf an den westlichen Rand der Republik gezogen. Meine Mutter stammte von dort. Es gab fünf Bauernhöfe, eine Kirche, einen Bolzplatz und einen unglaublich alten Kastanienbaum, auf den wir eigentlich nicht klettern durften. Von diesem Dorf aus ist mein Vater über 30 Jahre lang jeden Tag in die gleiche Fabrik gependelt. Erst als einfacher Arbeiter, dann als Schichtführer und zuletzt als technischer Angestellter.

Bis kurz vor seiner Rente hat er immer in wechselnden Schichten gearbeitet. Morgens ganz früh aufstehen und am späten Nachmittag wieder nach Hause kommen, das mochte mein Vater am liebsten. Dann konnte er noch etwas machen. Wenn mein Vater die ganze Nacht gearbeitet hatte, durften wir nicht im Garten toben und schreien. An den Wochenenden und wann immer es ging, hat mein Vater an unserem Haus gebaut. Wir sind eingezogen, als die Wände noch roh waren und der Boden noch ohne Teppich und Fliesen. Alles, was man selbst machen konnte, hat mein Vater selbst gemacht. Er arbeitete unglaublich viel und diszipliniert. Abends trank er ein Bier, rauchte eine Pfeife und ärgerte sich regelmäßig über das Fernsehprogramm, bevor er meist früh zu Bett ging. Ich habe nie herausgefunden, was er gerne geschaut hätte. Wir haben selten ausführlich miteinander geredet. Eine Zeit lang habe ich mir sogar eingebildet, er hätte gar kein Inneres, nur einen zähen und gut trainierten Körper. Mehrmals hat er mir fast beiläufig und ohne Anlass den Rat gegeben, möglichst spät eine Familie zu gründen, aber in jedem Fall vorher etwas zu erleben. Denn dann sei das Leben vorbei. Ich habe das nie richtig verstanden damals. Heute weiß ich sehr genau, was er gemeint hat, und kann die ganze Traurigkeit empfinden, die in diesem Satz lag.

Meine Mutter war Hausfrau. Mit dem ersten Kind hatte sie ihre Stelle aufgegeben und sich ganz der Familie gewidmet. Wir haben oft darüber gesprochen, dass sie eigentlich gerne ihr Abitur gemacht und studiert hätte. Aber das war ihrem Bruder vorbehalten. Für eine Frau musste eine einfache Ausbildung reichen.

Sie hat die Wäsche gemacht, gekocht, manchmal zweimal am Tag. Sie hat das Haus sauber gehalten und sich um unseren Gemüsegarten gekümmert. Sie war immer da für uns Kinder. Meine Mutter war eine gute Hausfrau. Obwohl das Geld meistens knapp war, hat es uns nie an irgendetwas gemangelt. Morgens hat sie uns geweckt, uns Sachen zum Anziehen herausgelegt, uns Frühstück und unser Pausenbrot gemacht, dann sind wir mit dem Bus zur Schule gefahren. Wenn wir mittags wieder zurückkamen, stand schon das Essen auf dem Tisch. Nachmittags hat sie uns bei den Hausaufgaben geholfen. Im Sommer, wenn wir draußen ziemlich wild im Garten gespielt haben, hat sie uns mit Säften und Früchten versorgt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es bei uns irgendwann einmal still war, dass keine anderen Kinder zu Besuch waren.

Abends, wenn wir schon im Bett waren, hat meine Mutter sich an ihre Schreibmaschine gesetzt und Examensarbeiten für Studenten getippt. Und samstags, wenn mein Vater nicht arbeiten musste, hat sie in einem kleinen Lebensmittelladen in der Nähe unseres Hauses ausgeholfen. So gab es immer ein bisschen Extrageld. Bei allem, was wir uns vorgenommen haben, hat unsere Mutter uns immer tatkräftig unterstützt, selbst noch, als wir schon das Haus verlassen hatten. Für sie war es wichtig, dass ihre Kinder studieren konnten. Wir sollten es einmal besser haben. Heute mag dieser Satz vielleicht wie eine Floskel klingen. Aber für meine Eltern war er ein Lebensprogramm, anstrengend und voller Verzicht. Und für uns war es eine Lebenswirklichkeit.

Dahinter stand eine äußerst erfolgreiche Sozialpolitik. Das ist heute nicht mehr der Fall. Meine Eltern gehören zu den typischen Aufsteigern in der alten BRD. Obwohl sie über kein hohes Einkommen verfügten, konnten sie etwas Geld zurücklegen, drei Kinder großziehen und deren Ausbildung finanzieren. Sie konnten ein Haus bauen und einen lang laufenden Kredit abzahlen, ohne die Sorge haben zu müssen, sich zu übernehmen. Dass mein Vater arbeitslos wurde, war unwahrscheinlich. Im Gegenteil, es gab reale Lohnzuwächse, und seine Arbeitsbedingungen verbesserten sich spürbar. Irgendwann musste er nur noch fünf Tage pro Woche arbeiten und hatte ein richtiges Wochenende mit seiner Familie.

Bis in die 90er Jahre hinein war es einem Industriearbeiter möglich, eine Familie zu ernähren. Es gab Gewerkschaften, und mein Vater wählte die SPD. Wir leisteten uns ein größeres Auto und fuhren in den langen Sommerferien ans Meer, nach Dänemark. Am Wochenende machten wir tolle Ausflüge. Und jeden Herbst besuchten wir unsere Verwandten in der DDR, denen wir reich erschienen, obwohl wir das nicht waren. Später, als wir Kinder schon älter waren, hat meine Mutter wieder als Sekretärin gearbeitet. Obwohl meine Eltern beide aus sehr einfachen Verhältnissen stammten, hatten sie es geschafft. Sie gehörten nun zur Mittelschicht und mussten sich in materieller Hinsicht keine Sorgen machen. Und wir Kinder waren typische Kinder aus Arbeiterfamilien, die aufs Gymnasium gingen. Auch wir hatten es nämlich geschafft. In der nächstgelegenen Kleinstadt war eine neue, hochmoderne Schule eröffnet worden, die nicht humanistisch, sondern naturwissenschaftlich orientiert war. Das SPD-Gymnasium. Wenige Jahre bevor mein Vater in Rente ging, verlor er dann doch noch seinen Arbeitsplatz. Der Computer hielt Einzug. Und meinen Vater weiterzubilden, lohnte sich für seinen Arbeitgeber nicht mehr. Es gab eine Vereinbarung zwischen dem Betrieb und dem Arbeitsamt, die ihm half, seinen Lebensstandard bis zur Rente zu halten. Unter heutigen Umständen wäre er erniedrigt aus dem Arbeitsleben ausgeschieden, hätte einen großen Teil seiner Rücklagen verloren und deutliche Abschläge bei seiner Rente hinnehmen müssen. Irgendwann hat mein Vater nicht mehr die SPD gewählt und angefangen, auf die Politiker da oben zu schimpfen, obwohl er zur letzten Arbeitergeneration gehörte, die noch soziale Sicherheit gekannt hat.

Ohnmächtige Gewerkschaften

Seit den 1990er Jahren hat es keinen sozialen Fortschritt mehr gegeben. Und das hat einen einfachen Grund. Im 19. Jahrhundert hat Otto von Bismarck die erste Unfallversicherung für Arbeiter eingeführt und damit den Aufbau des modernen Sozialstaats ein- geleitet. Er tat das nicht freiwillig. Die deut- schen Arbeitervereine trugen ihre sozialen Forderungen immer selbstbewusster vor. Der soziale Friede und der politische Machterhalt waren gefährdet. Mit der Sozialgesetzgebung sollten aus Arbeitern verlässliche Bürger werden, die im Sozialstaat ihre Schutzmacht sahen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die soziale Sicherheit zu einem wichtigen Staatsziel. Selbst die Nationalsozialisten sind 1933 nur dadurch an die Macht gekommen, dass sie sich die Forderungen der Arbeiterbewegung zu eigen gemacht und ihnen eine nationalistische Wendung gegeben haben. Auch die soziale Marktwirtschaft wurde in dem Bewusstsein erfunden, dass politische Stabilität ein hohes Gut ist. Dass sich die soziale Lage der Arbeiter stetig verbesserte, war während dieser Zeit nicht zuletzt dem ökonomischen Wettbewerb zweier Systeme geschuldet. Ende 1991 zerfiel die Sowjetunion. Das veränderte auch den Westen, der sich als Sieger des Kalten Krieges empfand, dramatisch. 2001 trat China der WTO bei. Die Auslagerung von Arbeitsplätzen in Länder mit niedrigeren Löhnen wurde in Gang gesetzt. Dem hatten die Gewerkschaften kaum etwas entgegenzusetzen. Den politischen Druck, aus dem heraus der soziale Fortschritt im 19. Jahrhundert entstanden war, gab es nicht mehr. Seit den 90er Jahren geht es nicht mehr um sozialen Fortschritt, sondern um globalen Wettbewerb. Dieser betrifft ebenso Staaten. Aus der Gesellschaft wurden Standortbedingungen. Die Bürger wurden trainiert, sich als Marktteilnehmer zu verhalten. Jeder soll sich selbst als eine Ich-AG betrachten und nach Gewinnmaximierung streben. Die Risiken, die früher der Sozialstaat abgeschirmt hatte, wurden privatisiert. Die Altersvorsorge soll in Eigenverantwortung geleistet werden. Gegen Berufsunfähigkeit soll sich jeder selbst versichern. Was früher einmal soziale Sicherheit war, ist auf ein lebensnotwendiges Minimum reduziert worden.

Weil der Staat plötzlich selbst als dem Markt ausgeliefert erschien, mussten alle sozialen Systeme auf den Prüfstand. Wer arbeitslos wird, hat nur noch wenig Zeit, um sich wieder fit zu machen. Ansonsten droht der Abstieg. In den 1990er Jahren zog ein Heer von Beratern durch das Land und formulierte neue Erziehungsziele, die jeden auf seine Rolle als Humankapital verpflichten sollen. Aus der Sicht des Neoliberalismus gibt es bloß Individuen, die im Hinblick auf Gewinnmaximierung entweder Gewinner oder Verlierer sind. Ein entscheidender Effekt dieser Umerziehung besteht darin, dass sich die Angst vor dem Abstieg oft in eine Abwehr gegen die verwandelt, die bereits abgestiegen sind oder niemals eine Chance hatten. Wer unten ist, der hat vermutlich etwas falsch gemacht.

Unverständliche Welt

Die soziale Frage, die in der alten BRD längst gelöst schien, stellt sich nicht mehr. Aus der Arbeiterklasse sind prekär Beschäftigte geworden, die vereinzelt zu kämpfen haben. Das Selbstbewusstsein der organisierten Arbeiterschaft gibt es nicht mehr. Mit der weitgehenden Entmachtung der Gewerkschaften ist auch die Fähigkeit nachhaltig beeinträchtigt worden, die sozialen Bedürfnisse und politischen Forderungen überhaupt als solche zu artikulieren. Wer sich ohnmächtig fühlt und isoliert ist, der verstummt. Die soziale Linke wurde durch eine kulturelle Linke verdrängt. Während sich soziale Politik bis dahin über die Nähe zu den Gewerkschaften definiert hatte, standen jetzt kulturelle und sexuelle Vielfalt im Zentrum. Im Programm des Multikulturalismus spiegelte sich die neue globale Erfahrung wider. Die Zielgruppe der Politik bilden nicht mehr die Benachteiligten, sondern die Mittelschichten, denen die Globalisierung neue Spielräume eröffnet hat. Die Nation, die im 19. Jahrhundert erstmals die demokratische Gleichheit aller Bürger verkörpert hatte, wurde etwas für Verlierer. Längst hat sich eine globale Mittelschicht herausgebildet, für die ein progressiver Lebensstil wichtiger ist als die Zugehörigkeit zu einer Nation. Für die einen ist Globalisierung unkompliziertes Reisen, für die anderen der Verlust des Arbeitsplatzes. Die einen denken bei multikultureller Gesellschaft an eine internationale Schule, die anderen an ethnische Konflikte. Die Lebenswirklichkeiten gehen mehr und mehr auseinander.

Meine Eltern bewohnen noch immer das Familienhaus auf dem Land, in dem nun viele Zimmer leer stehen und in das keiner von uns wieder einziehen wird. Die politische Geschichte des Aufstiegs, die ihre Lebensgeschichte war, wird sich nicht wiederholen. Im Laufe seines Lebens ist mein Vater immer stummer geworden. Ihm wurde die Welt zunehmend unverständlicher. Die Veränderungen in seinem Arbeitsumfeld missfielen ihm.

Wenn er von der Arbeit zurückkam, beklagte er sich häufig über das Verhalten der Gastarbeiter, die schon damals keine mehr waren. Sie hätten keinen Respekt und würden die Toiletten verschmutzen. Er konnte nicht verstehen, warum man das zuließ. Ich sagte ihm, er sei ausländerfeindlich. Manchmal schrien wir uns an. Mein Vater war Mitglied der Gewerkschaft. Aber die Forderungen der Gewerkschaft gingen ihm mittlerweile zu weit. Ich erklärte ihm, dass sie doch in seinem Namen für seine Rechte kämpfen würden. Er schüttelte nur den Kopf. Irgendwann in seinem Leben wurde alles nur noch schlechter für ihn. Der Staat würde nur noch Schulden machen, und keiner wolle mehr arbeiten. Das könne nicht lange gut gehen. Er fand die Welt zu raffgierig und die Menschen zu unbescheiden. Mein Vater war es gewohnt, sehr sparsam zu sein und sein Geld nur für sinnvolle Dinge auszugeben. Er verachtete den Konsum und die neue Welt der Einkaufspassagen. Er hasste es, wenn man Geräte nicht reparieren konnte und gezwungen war, sich neue anzuschaffen. Er fand uns zu materialistisch. Etwas Neues zum Anziehen kaufte er sich nur sehr widerwillig. Einmal hat er mich in der Zeit meines Studiums besucht. Das Erste, was ihm auffiel, waren die vielen Ausländer, die in meinem Viertel lebten. Seine lauten Kommentare waren mir oft unangenehm. Häufig hat er die immer gleichen Sätze wiederholt, die umso kürzer wurden, je älter er wurde. Sich mit ihm zu unterhalten, war kaum mehr möglich. Bis ich es aufgegeben habe. Vermutlich habe ich mir nie wirklich die Mühe gemacht, seine Welt zu verstehen. Ich habe sie einfach abgelehnt. Vielleicht wäre er nicht verstummt, wenn ihm jemand tatsächlich zugehört hätte. Ich habe mir eingeredet, dass ich vollkommen anders bin. Wir hatten kein gutes Verhältnis.

Heute ist mein Vater schwer krank. Jedes Mal, wenn er ins Krankenhaus soll, muss man ihn dazu überreden. Er will unbedingt zu Hause sterben. Das Haus, an dem er sein Leben lang gebaut hat, macht einen großen Teil seiner Würde aus. Es schmerzt ihn sehr, dass er immer weniger in der Lage ist, es aus eigener Kraft instand zu halten. Als mein Vater in Rente ging, war er froh, nicht mehr arbeiten zu müssen. Seine Arbeit war keine Selbstverwirklichung, sie war körperlich sehr anstrengend. Viel länger hätte er auch nicht mehr durchhalten können. Ein eigenes Haus zu besitzen, machte ihn immer unglaublich stolz. Es war die sichtbare Bestätigung dafür, dass es sich gelohnt hatte, über so viele Jahre diszipliniert zu sein. Hätte er seinen gesamten Lohn für sich und seine Familie aufzehren müssen, wäre nichts von seinem Berufsleben übrig geblieben. Heute haben sich die Bedingungen in dieser Hinsicht stark verschlechtert.

Vielen ist es nicht möglich, sich etwas aufzubauen, das nur ihnen gehört. Sie können nichts zurücklegen. Für ihre Versorgung im Alter werden sie auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. Aus dem Arbeitsleben der unteren Lohngruppen ist die Würde längst verschwunden. Das Eigentum, das früher für viele erreichbar war, ist zum Eigentum weniger geworden. Wichtiger als Sozialleistungen sind die Bedingungen, unter denen Eigentum entsteht und erhalten werden kann. Wenn nichts mehr übrig bleibt vom Lohn, dann sind wir wieder im 19. Jahrhundert.

Leander Scholz ist Schriftsteller und Philosoph. Eine längere Version dieses Textes erscheint Ende Juni unter dem Titel Eigentum für alle im Band Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Intellektuelle zur Bundestagswahl 2017 im Steidl Verlag

12:00 27.06.2017

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