Zicken zocken nicht

money makes the world go round Viele Frauen fühlen sich bei traditionellen Banken schlecht beraten. Diese Marktlücke will ab Februar die "frauenbank.de" schließen

Die Bank ist nicht ihr erstes Projekt. Angelika Huber und Astrid Hastreiter sind mit etlichen frauenpolitischen Wassern gewaschen, beide sind an der Münchner Frauen-Computer-Schule AG engagiert, die eine als Gründerin, die andere als Vorstandsfrau und Finanzmanagerin. Seit elf Jahren macht diese Schule Frauen fit am Computer, inzwischen als erfolgreiche Aktiengesellschaft: Die 160 Aktionärinnen konnten nach dem ersten Geschäftsjahr eine Dividende von sieben Prozent einstreichen.

Nun werden Huber und Hastreiter nicht die erste, aber die einzige deutsche Bank für Frauen gründen. Als (kleine) AG soll die frauenbank.de im ersten Halbjahr 2002 starten. Insgesamt 10 Millionen Euro möchten die Gründerinnen zusammenbekommen, fünf ist die gesetzliche Mindestsumme für die Banklizenz. Die Anteile werden nicht an der Börse gehandelt, die Gründerinnen suchen Kapital und KapitalgeberInnen auf anderen Wegen: über 40.000 Briefe haben sie verschickt, bislang zeichneten knapp 600 AktionärInnen rund 1 Million Euro.

Erfahrungsberichte von Frauen und eine Untersuchung der Stiftung Warentest von 1992 belegen: Banken und Sparkassen beraten ihre Kundinnen schlechter als die männliche Klientel, sie trauen ihnen wenig Kompetenz zu. Ein bisschen hat sich seither getan, inzwischen entdecken die Banken Frauen als Zielgruppe, bieten frauenspezifische Beratungen und Produkte an. So sind seit einigen Jahren Finanzseminare für Frauen üblich geworden. Mit dem Slogan "Women Finance" wirbt beispielsweise eine Schweizer Privatbank in großformatigen Zeitungsanzeigen für exklusive Kurse.

Diese Änderungen reichen noch nicht aus, meinen die Initiatorinnen der Frauenbank. Immer noch kommen Existenzgründerinnen sehr viel schwerer als ihre männlichen Kollegen an Kredite, auch wenn sie einen ausgefeilten Businessplan vorlegen. Die großen Banken sind zudem sehr zögerlich, wenn Frauen, etwa auf Grund einer Trennung oder Scheidung, kurzfristige Überbrückungshilfen brauchen.

Hier will die frauenbank.de einspringen: ein Schwerpunkt soll die Vergabe von Mikrokrediten werden, zwischen 2.500 und 15.000 Euro. Sie ist nicht die erste und einzige Bank für die Zielgruppe Frau: so gab es schon 1910 in Berlin eine Frauenbank, die allerdings in den Kriegswirren unterging. Asien bietet aktuellere Beispiele: in Indien vergibt seit 1974 die SEWA-Bank Mikrokredite an Frauen, in Bangladesh verfolgt die Grameen Bank ein ähnliches Konzept.

Angelegt wird das Geld der frauenbank.de in ökologischen Fonds und sozialen Projekten. Auch das zielt auf die künftigen Aktionärinnen und Kundinnen: es ist bekannt, dass Frauen stärker als Männer Wert auf ethisches Wirtschaften legen. Trotzdem: ein Sozialprojekt ist die Frauenbank nicht, eine Rendite soll auf jeden Fall herausspringen. Um das zu erreichen, will die Frauenbank auch den eigenen Aufwand klein halten: es wird sie nur online geben, das Management soll schlank bleiben, die Geschäftsfelder sollen nicht ausufern. Girokonten werden vorerst nicht angeboten - weil sie verhältnismäßig hohe Kosten verursachen.

Banken (und Versicherungen) fusionieren. Hat die Frauenbank angesichts der Konzentration im Finanzwesen einen Sinn? Gibt es eine sichere Nische? Das Scheitern der Ökobank (siehe dazu Hermannus Pfeiffer im Freitag 28 vom 6. 7. 2001) schreckt die Gründerinnen nicht von ihrem Vorhaben ab. Angelika Huber war Mit-Genossin der Frankfurter Bank und hat die Fehler des Geldinstituts genau studiert: Die Frauenbank wird keine riskanten Darlehen oder gar Großkredite vergeben, das Risiko soll gestreut werden. Die "grüne" Ausrichtung hingegen hat der Ökobank nicht geschadet. Selbst konservative Banken setzen heute auf Umwelt und entsprechende Investmentfonds boomen.

Das Frauenbank-Logo ist eine Spirale. Angelika Huber hat das archaische Symbol als eines der ältesten Frauenzeichen der Welt entdeckt. Sie wendet sich mit Logo und Projekt an Frauen, die Geld anlegen und etwas für ihre Alterssicherung tun wollen.

Wer das Vorhaben unterstützen will, kann Anteile der frauenbank.de erwerben. Die Gründerinnen rufen das Geld erst ab, wenn sie absehen können, dass der Mindestbetrag für die Banklizenz zusammenkommt. Kontaktadresse: frauenbank.de, Bothmerstrasse 21 in 80634 München, Fax 089 / 139 38 155 oder online www.frauenbank.de.

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00:00 04.01.2002

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