Eckart Härter

Alter weisser Mann; Tangotänzer und Tangolehrer
Eckart Härter
RE: „Enge im Kiefer“ | 12.05.2021 | 09:15

Frau Jensen hat den Schlüsselsatz gesprochen: "Es gibt einen Unterschied zwischen autoritär sein und eine persönliche Autorität haben."

Wir waren ja alle mal Schüler bzw. Schülerinnen und wissen aus Erfahrung, dass die Lehrer, die zur 2. Kategorie gehören, in der Regel auch den besseren Unterricht machen und dass man sich als Schüler bei denen auch wohler fühlt als bei solchen, die aus mangelnder persönlicher Autorität (und aus Angst, dass das auffällt) den "Strengen" markieren.

"Du machst bis morgen 50 Verben" (in Latein, schriftlich durchkonjugieren, eine absurd zeitaufwendige Arbeit), die er natürlich nicht machte. Dann am nächsten Tag mit noch hektischerer Stimme: "Wo ist deine Strafarbeit?" und dann, fast schreiend: "Dann machst du bis morgen 100 Verben". So ein Lehrer ist eine erbärmliche Witzfigur, der mit mehr Angst in die Schule kommt als die Schüler und Mitleid verdient.

Und dann gibt es den Lehrer, der locker und aufgeräumt die Klasse betritt und von den Schülern diszipliniert und schon mit gespannter Aufmerksamkeit erwartet wird, die sich sogar auf seinen Unterricht freuen.

Die ganze Pädagogik hängt im Grunde von der Persönlichkeit der Lehrkräfte ab und braucht in Wahrheit kaum Theorie. Die beste Pädagogiktheorie nützt nichts, wenn die Lehrkräfte aufgrund ihrer Persönlichkeit diesem schweren aber auch schönen Beruf nicht gewachsen sind. (Bin selbst kein Schullehrer aber in einem Lehrerinnenhaushalt aufgewachsen).

RE: Die Reichen sind auch nur Opfer | 10.05.2021 | 09:29

Ihren letzten Absatz finde ich besonders gut.

RE: Ein Einspruch | 08.05.2021 | 10:51

Ich kenne ähnliches vom Beispiel naher Verwandter aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Wer im Nationalsozialismus seine besten Jahre verlebt hat, womöglich mit der ersten grossen Liebe, dem beruflichen Aufstieg und Erfolgen, die auch dem politischen Regime mit zu verdanken waren, dem fällt es unsagbar schwer, wenn alles in Trümmern liegt und das eigene Leben sich als - vielleicht sogar schuldbeladener - Irrweg erwiesen hat, all das zuzugeben und sich einzugestehen, dass es "kein richtiges Leben im falschen" geben kann.

Diktatorische Regime können nur existieren, wenn viele mitmachen. Viele Berufe können unter ideologischen Zwangsvorgaben nur ausgeübt werden, wenn sie das Systam stützen und stabilisieren. Dazu gehören auch die Journalisten. Manche versuchen dann in einem ständigen Katz-und Mausspiel mit der Zensur, die Wahrheit "zwischen den Zeilen" noch eben erkennbar zu verbergen. Andere berichten freiwillig und gerne systemkonform und legen eine glatte Karriere hin.

Man kann sich sehr gut vorstellen, dass die Journalistenausbildung in solchen Regimen exzellent sein muss, weil an die Schreibkunst viel höhere Anforderungen gestellt werden müssen als in freiheitlichen Lebensverhältnissen. Denn wie ein roter Faden in der gesamten Berichterstattung soll ja in jedem Artikel, ganz gleich zu welchem Thema, für den Durchschnittsleser möglichst nicht erkennbar, das Lob der Regierenden und die Überlegenheit der Staatsideologie in indoktrinierender Weise verkündet werden.

Dass sich diese Art der journalistischen Berufsausauffassung in den führenden Medien der Bundesrpublik Deutschland zunehmend, geradezu virusartig, immer mehr verbreitet und durchsetzt - und zwar ohne jeden obrigkeitlichen Zwang! - das ist für mich eins der erschreckendsten Symptome der Dekadenz eines im Niedergang begriffenen und innerlich wie äusserlich verfallenden Staates.

RE: Hinter den 124 Klingeln | 06.05.2021 | 07:52

Benachteiligt und abgehängt sind sie nur, wenn sich keiner um sie kümmert.

RE: Quellen im Wald | 05.05.2021 | 09:13

Mir scheint, aus allen Berichten über den nördlichen Teil Ostpreussens, wie auch aus diesem hier von Astrid Thomsen, spricht ein Gefühl von tiefer, melancholischer Sehnsucht. Ich selbst habe meinen dortigen Geburtsort Heinrichswalde (oder soll ich auch schreiben: Slavsk?) ein einziges Mal besucht, im Rahmen einer Gruppenreise 2013.

Obwohl ich keinerlei Erinnerung an Heinrichswalde hatte und mein Leben vollständig durch die Bundesrepublik Deutschland geprägt ist, war es auch bei mir sofort da, dieses Gefühl der Sehnsucht, gepaart mit Trauer und Resignation. Vielleicht liegt es an der Wirkung dieser so eindringlichen Landschaft, vielleicht auch daran, dass die Russen so wenig an dem verändert haben, was seit der deutschen Zeit geblieben ist. Dafür bin ich den Russen dankbar, denn so konnte ich meine Geburtsheimat nahezu in demselben Zustand erleben wie meine Eltern sie gekannt haben. An vielen Stellen war natürlich zu erkennen, dass "nichts verändern" auch bedeutet, nichts für Erhalt und Pflege zu tun.

Und noch eine Anmerkung: Kaliningrad heisst für uns Deutsche seit dem 13. Jahrhundert Königsberg. Die Russen, mir als offen, aufgeschlossen und freundlich in Erinnerung, sind mit den deutschen Namen weit weniger verkrampft. Das Bier heisst "Königsberg", in lateinischer Schrift und richtig mit ö, und auf einer riesigen Hauswanddekoration in Tilsit erschien unter dem Wappen der Stadt die Beschriftung "Tilsit".

RE: Antrieb: hybrid | 02.05.2021 | 08:46

Dies ist die Bundesrepublik Deutschland. Ein Land, das sich nach 16 Jahren in einem Zustand aus Verwahrlosung, gesellschaftlicher Zerrissenheit und sozialer Ungerechtigkeit befindet. Die Politik Deutschlands zu bestimmen, ist keine Stelle mit den Anforderungsmerkmalen für den mittleren, gehobenen oder höheren Dienst. Deutschland braucht als Bundeskanzler, gleich welchen Geschlechts, eine ernst zu nehmende Persönlichkeit. Die deutschen Wählerinnen und Wähler haben zu entscheiden, wen sie für die Besetzung der Stelle einstellen wollen. Und bitte - befristet!

RE: Augen leuchten | 29.04.2021 | 18:55

Es ist leider so, dass Verbrecher und Gewalttäter mit Charisma auf viele labile Mitmenschen eine Art Anziehungskraft ausüben. Deshalb können solche Täter in Regierungsverantwortung oder als Sektengründer so verheerende Schäden anrichten.

RE: Die Russlandpolitik einer Kanzlerin Baerbock | 29.04.2021 | 18:36

Ich weigere mich zu glauben, dass eine Frau Annalena Baerbock die deutsche Politik bestimmen könnte. Das darf nicht geschehen. Schlimmer als in den vergangenen 16 Jahren darf es nicht kommen.

RE: Die Reichen sind auch nur Opfer | 28.04.2021 | 18:32

Das hämische sich Äussern über "Die Reichen" hat sicherlich auch mit Neid zu tun. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich auch lieber mehr Geld und Besitz haben als weniger. Mir tun die Reichen nur insofern leid, als sie ihr Freud und Leid, je nach Einstellung, über ihren materiellen Besitz definieren. Das ist doch armselig.

Solange man nicht darben muss, sollte man seinen Reichtum doch an anderen Werten festmachen - sofern da was ist. In was für bescheidenen Verhältnissen haben zum Beispiel Brahms und Bruckner gelebt und sind unsterblich geworden. Und was bedeutet es dagegen, das Beiwort Milliardär beim Namen führen zu können.

Kapitalismus ist in Ordnung, wenn ein Staat seine Auswüchse per Gesetz verhindert. Dass ein Milliardär einen Kaufhauskonzern Karstadt kaufen kann und dann noch einen Kaufhof dazu und dann damit machen kann, was er will, und wenn er das ganze Gebilde dann wiederum ausgesaugt hat, vom Staat Geld fordert (und bekommt), dann ist das so ein Auswuchs wie er in Deutschland möglich ist.

Und wenn Menschen im Lande in Armut und Elend leben, während andere in einem unanständigen finanziellen und materiellen Überfluss leben, der ihnen nahezu unbegrenzte Macht verleiht, dann sind Steuergesetze zu erlassen, die das ganze auf ein anständiges Mass zurückstutzen.

Und da wir gerade dabei sind: Eine Bestimmung muss in Grundgesetz aufgenommen werden, die es Bundeskanzlern, gleich welchen Geschlechts, verbietet, sich bei Auslandsbesuchen als Lobbyisten für deutsche Firmen zu betätigen. Das ist mit der Würde des Amtes nicht vereinbar.

RE: Warum ging diese Aktion nach hinten los? | 27.04.2021 | 08:06

Auch wenn sie ihre seit Jahren absondernden Worthülsen und Sprechblasen nicht selbst verfasst, dürfte sie sich gleichwohl mit ihnen identifizieren und kann sicher auch viele davon schon auswendig.