Der Zeitungsleser

Kolumne Anzeige in der Frankfurter Rundschau, Ostern: "Verkaufe zwei maurische Landschildkröten". Und: "Umsth. lieber Schäferhund-Collie-Mix, Rüde, in ...

Anzeige in der Frankfurter Rundschau, Ostern: "Verkaufe zwei maurische Landschildkröten". Und: "Umsth. lieber Schäferhund-Collie-Mix, Rüde, in liebevolle Hände abzugeben". Und: "Bildhübsche Friesenstute, sehr brav, langer Behang, Glanzrappe, beritten und gefahren, 10 J., Gesundheitszeugnis." Und: "Redriver-Welpen, aus liebev. Hausaufzucht zvk. Betreuung vor und nach dem Verkauf ist selbstverständlich".

Ebenfalls in der Frankfurter Rundschau vom 30. März ein sechsspaltiger Artikel über einen Autozulieferer in Heilbronn als Beispiel dafür, dass nur "qualifizierte Arbeitnehmer in ihrem Beruf mit langfristig sicheren Perspektiven" rechnen können.
Und die Firma Audi weiß, dass Arbeitnehmer, die sich nicht zusätzlich ausbilden lassen, nur mit den "miesesten Jobs" rechnen können. Von den 13.700 Beschäftigten bei Audi in Neckarsulm haben 68 Prozent eine betriebswichtige Lehre abgeschlossen.
Die gleiche Ausgabe bringt einen Artikel über die alltäglichen Lebensbedingungen in Israel, Titel: "Keine Sicherheit, nirgends". Die Angst vor Terroranschlägen bestimme den Alltag der Bevölkerung. Wer hat eine dicke Tasche dabei, in der vielleicht eine Bombe versteckt sein könnte? "Trägt jemand ungewöhnlich dicke Jacken, unter denen ein Sprengstoffgürtel verborgen sein könnte?"
Ein Kellner im zentral gelegenen Café Kaffit wurde von einem ihm fremden Mann um ein Glas Wasser gebeten. Der Kellner, um Zeit zu gewinnen, ging das Glas Wasser zu holen, aber die Bombe, die der Verdächtige tatsächlich umgeschnallt hatte, explodierte nicht.
Viele Familien beschaffen sich jetzt ihre Mahlzeiten beim "Take-Away-Service", der Pizza, Sushi oder gegrillte Hähnchen liefert.
Der Bürgermeister sagte einem ausländischen Journalisten, er könne Jerusalem schließlich nicht komplett in ein Militärlager verwandeln und nicht verhindern, dass sich doch ein Bombenleger einschleicht.
Ein Psychologe von der Universität hat festgestellt, dass gewisse Symptome wie Albträume und Schlaflosigkeit sich rapide vermehren.
Es ist eine Angst vor der Angst entstanden, und die Selbstmordanschläge weckten eine mystische Furcht. Ich erinnere mich an weit zurückliegende Wochen, als ich bei einer Deutschen in Jerusalem ein Zimmer gemietet hatte und mit meinem VW sorglos durch ganz Israel fuhr.
Es war ein anderes Land.

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