Piraten sorgen sich um ihren Ruf

Netzgeschichten Wie kommentiere ich zivilisiert im Netz? Die Piratenpartei hat für ihre Mitglieder jetzt ein paar Tipps zusammengetragen, um die Außendarstellung zu optimieren

Man sollte meinen, dass Anhänger der Piratenpartei wissen, wie man sich im Netz verhält. Anscheinend haben jedoch einige Probleme mit dem zivilisierten Umgang, wenn sie auf Blogs oder in Foren Kommentare schreiben. Anders lässt sich kaum erklären, warum im parteieigenen Wiki nun ein "(Pi)Ratgeber" zum Online-Kommentieren zu finden ist.

Immer schön sachlich bleiben, wird dort geraten. Frust abzulassen komme bei anderen Usern – welch Überraschung! – nicht gut an. "Du lieferst den Kritikern Futter und haftest den Piraten den Ruf an, dass ihre Anhänger und Sympathisanten für konstruktive Diskussionen nicht zu haben sind." Man solle sich Zeit für einen Kommentar nehmen – und wenn man Zweifel habe, ob er die Diskussion voranbringe, lieber auf ihn verzichten. Manch Online-Forum, nicht nur bei den Piraten, sähe dann wohl anders aus, auf jeden Fall leerer. Zudem empfiehlt der Ratgeber, müsse man sich den Leser als "Inhaber einer Goldwaage" vorstellen.

Betreiben die Medien "Piraten-Bashing"?

Aber wieso kommen die Piraten erst fünf Jahre nach der Parteigründung auf die Idee, Kommentier-Grundlagen zu vermitteln? War ihnen die Online-Etikette bisher egal? Es gibt einen einfachen Grund: Die mediale Aufmerksamkeit nach der Berlin-Wahl und mit ihr eine Grundskepsis in den etablierten Medien – oder wie es im Ratgeber heißt: ein "Piraten-Bashing".

Während die Kommentier-Anleitung eher Schmunzeln hervorruft, macht ein anderer Eintrag im Piratenwiki die Partei angreifbar: eine Schwarze Liste mit unliebsamen Pressevertretern. Der Beitrag wurde mittlerweile wieder gelöscht. Die Liste sei erstellt worden, hieß es da, "um bei Presseanfragen eine Übersicht zu haben, ob man besondere Vorkehrungen treffen sollte, wenn ­Interviews von der entsprechenden Einrichtung erbeten werden". Drauf stand nur der NDR, der einen ­satirischen Beitrag über die Piraten ausgestrahlt hatte und die gelöschte Liste nun auf seiner Website dokumentiert.

Sind die Piraten zu unerfahren im Umgang mit der Öffentlichkeit? Zum Teil mag das stimmen. Dass die Schwarze Liste wieder offline ging, lässt vermuten, dass die Veröffentlichung eine unabgesprochene Aktion einzelner war. Ähnlich wütende Äußerungen dürfte es auch in anderen Parteien geben. Leitfäden, wie man mit Pressevertretern umgeht oder sich in öffentlichen Diskussionen verhält, ebenfalls. Nur machen andere Parteien das nicht öffentlich. Aber wer es mit der Transparenz ernst meint, muss halt auch Spott aushalten.

13:35 03.11.2011

Ihnen gefällt der Artikel?

Dann testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos. Wenn Sie danach weiterlesen, erhalten Sie das Buch "Oben und Unten" von Jakob Augstein und Nikolaus Blome als Treuegeschenk.

Abobreaker Artikel 3NOP ObenUnten

Kommentare 2