Franz Viohl
30.03.2013 | 09:00 28

Lieber Harald Welzer!

Offener Brief Der Sozialpsychologe Harald Welzer ruft in seinem neuen Buch „Selbst denken“ zum Widerstand auf und wirbt für eine Strategie kleiner Schritte. Eine Antwort

Lieber Harald Welzer!

Foto: Julian Röder / Ostkreuz

Lieber Harald Welzer,

Sie haben einen Nerv getroffen. Selbst denken haben Sie Ihr neues Buch genannt. Es soll eine „Anleitung zum Widerstand“ sein. Was könnte besser in eine Zeit passen, in der die Rettung einer Währung wichtiger als das Schicksal der Menschen scheint? In der unser Lieblingswort Krise heißt. Und in der sich bei immer mehr Bürgern das Gefühl festsetzt, dass es so nicht weiter geht.

Ihr Buch hat mich an meinen ersten eigenen Akt des Widerstands erinnert. Das war vor zehn Jahren, ich war gerade 15 geworden. Die USA kündigten an, in den Irak einzumarschieren. In Berlin kamen 500.000 Demonstranten zusammen und riefen: „Kein Blut für Öl.“ Ich lief mit einer kubanischen Fahne mit, darauf das Konterfei Che Guevaras. Vor der amerikanischen Botschaft schwenkte ich sie besonders lang. Das fühlte sich gut an, aber dieses Gefühl war nicht von Dauer. Ich merkte später, dass die Welt nicht so schwarz-weiß ist, wie ich sie damals sehen wollte. Sie ist sogar ziemlich unübersichtlich – und das macht es mit dem Widerstand nicht einfacher.

Lieber Herr Welzer, Sie haben Recht, wenn Sie sagen, die ideologischen Kämpfe von einst hätten sich überlebt. Bei den Occupy-Protesten war von Che Guevara nichts mehr zu sehen. Aber im Wort Ideologie steckt auch „Ideal“ und „Idee“. Gute Ideen brauchen wir mehr denn je. Die Glücksversprechen von Kommunismus und Kapitalismus sind überholt. Sie schlagen daher vor, dass wir uns eine „neue Geschichte“ erzählen. Wir sollten von der „Zukunft her denken“. Das klingt gut – und doch haben Sie mich damit nicht überzeugt.

Widerstand scheint heute zu bedeuten, nicht für, sondern gegen etwas zu sein. Aber selbst das ist nicht so einfach, wie ein Beispiel von Ihnen erzählt: Laut einer Umfrage glauben nur 13 Prozent der US-amerikanischen Eltern, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen selbst. Da fragen Sie: „Woher nehmen die restlichen 87 Prozent die entspannte Haltung, dagegen nichts zu tun?“ Die Frage ist rhetorisch, zeigt aber das Hauptproblem. Obwohl wir wissen, dass so viele Dinge – vom Klimawandel bis zur Finanzkrise – unsere Zukunft bedrohen, unternehmen wir nichts dagegen. Das führen Sie auf zwei Ursachen zurück: Zum einen sei das verfügbare Wissen unüberschaubar geworden. Sich im Denken zu orientieren, sagen Sie mit Kant, sei immer schwieriger geworden. Zum anderen unterlägen wir einer „kognitiven Dissonanz“ – wir neigen dazu, eine erkannte Gefahr herunter zu spielen. Es sei immer bequemer, die Wirklichkeit der Vorstellung anzupassen als umgekehrt.

Geländewagen und Biomarkt

Wegen solcher Analysen habe ich Ihr Buch gern gelesen. Aber wenn Sie doch zum Selbstdenken aufrufen, warum wenden Sie sich an einen Leser, den man an der Hand nehmen muss? Den man in die Untiefen einer krisenhaften Zeit führen muss, um ihm dann zu zeigen, welche kleinen Schritte er hin zu einer rosigen Zukunft machen kann? Sie beschreiben den Widersinn, mit einem Geländewagen zum Bio-Supermarkt zu fahren. Oder Kaffee aus Plastikkapseln zu trinken. Aber dann schreiben Sie Sätze wie: „Wahrscheinlich haben Sie jetzt das Gefühl, dass Sie längst etwas tun, was Sie nie beabsichtigt haben.“ Wenn Ihnen der Leser bis zur Hälfte des Buchs gefolgt ist, ist er „reif“, um zu handeln. Wenn er Ihre Warnung beachtet: „Seien Sie vorsichtig, Sie bewegen sich hinaus aus der Komfortzone.“

Aber es geht nicht nur um Geländewägen und Biosupermärkte. Ich habe gar kein Auto. Nur auch wenn ich das ganze Jahr lang Fahrrad und U-Bahn fahre: Mit einer einzigen Flugreise im Sommer ist meine Ökobilanz dahin. Selbst wenn ich den Zug nehme, ganz ohne CO2-Ausstoß geht es nicht. Aber ist das überhaupt der Punkt?

Lieber Herr Welzer, Sie schreiben, der Kapitalismus sei in die Krise geraten. Mit der Wachstumsmaxime sei eine Kultur des „Alles immer“ entstanden: „Mehr Wissen, mehr Erfahrung, mehr Erkenntnisse“. Das war auch eine Losung der Aufklärung, aber die „stößt an eine Grenze dort, wo sie den kognitiven Teil unserer Orientierung überschreitet“. Sie sagen das als Sozialpsychologe und ergänzen, unser Handeln sei vor allem durch Gewohnheit bestimmt. Das Wissen sei keine hinreichende Voraussetzung für Veränderung.

Damit aber kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Wie steht es nun um die „bessere Welt“? Auf der Website Ihrer Stiftung Futurzwei heißt es: „Eine zukunftsfähige Kultur des Lebens und Wirtschaftens entsteht nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse oder moralische Appelle. Sie wird in unterschiedlichen Laboren der Zivilgesellschaft vorgelebt und ausprobiert.“ Nur als Veränderung im Kleinen könne Widerstand heute funktionieren. Sein Ziel sei: die „nachhaltige Moderne“.

Sie sind einer der bekanntesten Vertreter dieser Idee und sehen überall neue Initiativen heranwachsen. Mikrogenossenschaften von Nachbarn, die sich gegenseitig Werkzeuge leihen, statt immer alles neu zu kaufen; Lokalwährungen, mit denen Bürger ihre Wirtschaft vor Ort stärken; Banken, die auf soziale Projekte und nicht auf Finanzgeschäfte setzen. In solchen communities of practice erblicken Sie die Alternative zur „abgestandenen Geschichte der Moderne“. Sie fordern Eigenverantwortung, Sparsamkeit und „Kulturtechniken des Erhaltens“. Gerne würde ich sagen: Natürlich, wenn jeder einzelne ein paar Dinge in seinem Leben ändert, dann ändert sich auch die Gesellschaft. Dann fahren wir nicht mehr allein mit dem Auto, sondern zu fünft. Dann kaufen wir das Gemüse vom Bauern aus der Region, und nicht aus Marokko. Aber soll das Widerstand sein? Und vor allem: Retten wir so unsere Zukunft?

Für Kant zählte die Haltung

Die Zukunft kann nicht der alleinige Adressat unserer Handlungen sein. Immanuel Kant, der auch von Ihnen immer wieder bemüht wird, war überzeugt: Es komme darauf an, welche Haltung hinter einer Handlung stehe und nicht, was ihre Folgen in der Zukunft sind. Die aufklärerische Forderung des Selbstdenkens reduzierte das Denken nie auf ein bloßes Instrument zum Handeln. Ein Gedanke ist nicht nur deshalb gut, weil aus ihm eine Tat folgt.

Das heißt aber nicht, auf Widerstand zu verzichten. Aber kann man für das Weltklima kämpfen? Sie zweifeln selbst daran, denn die Folgen der Umweltzerstörung spüren wir kaum am eigenen Leib. Trotzdem glauben Sie, dass uns bedrohliche Zukunftsszenarien zum Umdenken, und das heißt für Sie: zum Handeln, zwingen können. Doch die meisten Menschen sind von anderen Dingen betroffen. Von Krieg und Vertreibung in Syrien. Von Angst vor Drogenkartellen in Mexiko. Von sexueller Gewalt in Indien. Von den Zumutungen des Jobcenters in Deutschland.

Hier geht es um die Existenz, nicht um grünes Bewusstsein. Hier hat Widerstand seine volle Bedeutung. Diejenige werden ihn leisten, die nichts zu verlieren haben. Dafür brauchen sie keine Anleitung. Eine Nachhaltigkeitsdebatte greift zu kurz, wenn sie so tut, als ob bewusster Konsum diese Probleme lösen könne. Das sagen Sie auch nicht, sondern: Was uns zumindest in den reichen Ländern wichtig sein sollte, ist „Gemeinwohl statt Eigennutz, Zeitwohlstand statt materiellem Wohlstand, Erhaltung statt Zerstörung“. Das ist bedenkenswert. Dann aber schreiben Sie, Widerstand bedeute letztlich, „dass drei bis fünf Prozent der Avantgarden eine neue Geschichte erzählen“. Avantgarden? Eine neue Geschichte? Glauben Sie wirklich, mit einem neuen Diskurs ist es getan?

Lieber Herr Welzer, Sie haben kein Manifest geschrieben und auch keine Grundlegung einer Post-Postmoderne. Dafür sind Sie selbst zu engagiert, und das ist gut so. Aber eine „Anleitung zum Widerstand“ ist Ihr Buch für mich nicht. Vielmehr ein Sammelsurium von Ansätzen, die zum Nachdenken anregen. Ein Nachdenken, das sich nicht auf die Zukunft, sondern – es steckt im Wort – auf das Vergangene richtet. Wenn in Griechenland verarmte Bürger schutzlose Migranten angreifen, dann zeigt das, dass wir nichts aus den alten Fehlern gelernt haben. Dieses Lernen wäre aber dringlicher, als uns „neu zu erfinden“.

Sicher können kleine Änderungen etwas bewegen, jeder dort, wo er kann. Und ja, wir müssen uns eine neue Geschichte über uns erzählen. Das reicht aber nicht. Adornos Satz, den Sie umdrehen, bleibt im Original richtig: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Es gibt auch kein Urteil ohne Analyse. Und keinen Ratgeber fürs große Ganze.

Die Lösung für Kriege, Krisen und Klimazerstörung wird so einfach nicht sein. Aber eines wurde mir damals, vor der amerikanischen Botschaft, doch bewusst: Widerstand heißt auch, Ideale zu haben. Daran glaube ich noch heute.

Mit solidarischem Gruß

Ihr Franz Viohl

Franz Viohl fragte sich nach der Lektüre von Harald Welzers Kapitalismuskritik, ob Karl Marx heute auch Öko-Ratgeber schreiben würde

Kommentare (28)

Heinz Lambarth 30.03.2013 | 14:02

Na Ja; leider ist die wirklichkeit selbst für die widerstandswilligen jedoch sehr viel ernüchternder: Längst sind wesentliche elemente unseres zukünftigen lebens schier unlösbar mit dem system, das überwunden werden muss, verknüpft - die renten sind via Riester-Rente dem finanzmarkt überantwortet; all unsere zukunft basierd auf der "werthaltigkeit" des geldes (weil persönliche verpflichtungen zwischen personen und generationen monetarisiert wurden); die lohnzwangsarbeit einstellen ist daher kein realistisches thema; daraus folgt der zwang zur mobilität und dieser wiederum zerstört alle hoffungen auf zeitsouveränität usw. usf.

Selbst wenn einige sich (unter grossen qualen) aus diesen verstrickungen zu lösen vermögen, für die kritische masse bleibt dies eine illusion. Ergo, der punkt zur umkehr wurde verpasst (vielleicht wäre ja 1917 vieles noch möglich gewesen, jetzt jedoch ist auch diese chance längst passé). Die konsequenz ist das vorhersehbare ende, ohne alternative...

navigant 30.03.2013 | 17:27

Dieses System zu überwinden, darin liegt der Schlüssel. Wenn man allerdings bei Kant "hängen bleibt" dürfte diese Erkenntnis wohl kaum reifen. Freidrich Engels: "Die Dialektik der Natur" und "Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philososphie" sind einige Werke der konsequente Weiterentwicklung der kantschen Lehre, vom dialektischen Materialismus hin zum historischen und dialektischen Materialismus.

Dass die Chance von 1917 passé ist, das sehe ich nicht ganz so, den nach Kant macht die Natur keine Sprünge, sonder sie entwickelt sich kontinuierlich in eine Richtung, auch wenn es dabei scheinbare Rückwärtsentwicklungen gibt. Wir releben gerade eine solche Phase. Als Beispiel sei der Übergang von der feudalen Ordnung in Europa bis hin zur vollen Entfaltung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse angeführt. Das hat mehrer Jahrhunderte gebraucht und zwischendurch gab es Phasen wo eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen als sehr wahrscheinlich galt.

altstadtlegende 30.03.2013 | 17:45

Irgenwie erinnert mich Ihre Replik auf Harald Welzers neus Buch an viele neunmalkluge junge Studenten/innen, die wenig erlebt haben, aber in Seminaren immer schön daher reden.

Haben Sie denn überhaupt mal Harald Welzers ältere Werke gelesen?
Welzer, H. 2011. Mentale Infrastrukturen. Wie das Wachstum in die Welt und in die Seelen kam. Schriften zur Ökologie Bd. 14. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung.

Leggewie, C., Welzer, H.: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie. S. Fischer, Frankfurt 2009

oder vielleicht mal:

Jackson, Tim. 2009. Prosperity without growth? The transition to a sustainable economy. Sustainable Development Commission.

oder schauen Die doch mal auf www.real-world-economics.de, um sich mit dem ganzen Themenkomplex ein wenig differenzierter auseinander zu setzen, als Sie das hier in Ihrer Replik machen. Trotzdem Frohe Ostern!

chrislow 30.03.2013 | 21:21

Tja, .... ja!? Nein...!?

Ist es wichtig Ideale zuhaben? Womöglich, dass ja. Aber wie realistisch ist es,wenn man ein Ideal ha, das diametral dem Mainstream entgegen steht? Der Mob ist leider eine große Masse und Massen haben eine physikalisch beschreibbare Dynamik. Und die kann man in dieser virtuelle Situation auch etwa anwenden. und feststellen, dass die Masse für Revolution doch zu groß sei.

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Was den Klimawandel angeht:

Es ist mit höchster Wahrscheinlichkeitso, dass der MEnsch auf der Welt alle Recourcen aufbrauchen wird. Das heisst, dass die unerwünschten CO2 Ausstöße noch langenicht enden werden - geschweige denn auch nur verringert, was nur eine zeitliche Verzögerung des Ausstoßes zur Folge hätte, weil ja doch weiterhin fossile Energieträger genutzt/verbrannt werden (müssen).

Das wir in Europa langsam damit anfangen, uns neue Energieerzeugungsstrategien einfallen zu lassen, ist ein Rennen gegen windmühlen. Aber immerhin.

Ich plädiere dazu, es natürlich weiterhin zu machen, aber ich keiner Illusionen hinzugeben, das uns das jemand nachmacht und das auch noch idealerweise die intendierten 100 % erfüllen würde. So weit wird es nie kommen - außer, es gibt irgendwann tatsächlich keine Kohle oder Öl mehr.Und dann istes keine "Wende" aus besserem Wissen, sondern eine aus Notwendigkeit. Und die ist dann 100 %ig. Was auch sonst!?

Costa Esmeralda 31.03.2013 | 01:45

AL, ihre Replik erinnert mich an das arrogante Gehabe der K-Gruppen und der SDS-Diskussionen: Lies erst einmal dieses, dann jenes, wurde den "Neuhinzugestossenen" an den Kopf geworfen. Dann darfst Du mitreden, vielleicht auch ein erstes Flugblatt entwerfen, nachdem Du Jahre beim Verteilen zugebracht hast. Meine Güte, gehen wir Deutschen immer noch so miteinander um? Ist Jugend ein Nachteil? Ab wann darf mitgeredet werden? Nach dem Studium von wieviel Zentnern Lektüre? Ab wann ist man Autorität? Jede Auseinandersetzung mit dem Thema Widerstand ist wichtig, alle Generationen müssen einbezogen werden und ihre Sicht der Dinge beitragen. Widerstand reift aus Notsituationen, Empathie mit denjenigen, die von autoritärer Herrschaft ausgegrenzt wurden, und/oder reift aus Erkenntnis gepaart mit Erfahrung. Und: Widerstand ist historisch mehrheitlich durch die Jugend und seit Beginn der Frauenbewegungen zunehmend von Frauen geleistet. Ältere Semester sind meist "gross" im Wort aber "klein" in der Tat, obwohl sie doch so unendlich viele Schwarten verschlungen haben, die Erkenntnis mit sich bringen sollten, bis der Kopf platzt. Warum sind diese "Besserwisser" nie, bzw. fast nie, an der Spitze sozialer Bewegungen zu finden?

Warum leiern die ex-68er mit ihren zentnerschweren und erkenntnisvermittelnden Studien und Wälzern auf dem Buckel keine Widerstandsbewegung gegen die Parteien-Diktatur und den menschenverachtenden Kapitalismus an? Fürchten sie um ihre Knete, die sie in jahrzentelangem Konformismus und Strampelei in den Hierarchien des Establisments jetzt am Lebensabend geniessen wollen, bei gutem Wein, Käse, Trauben und klugen Salongesprächen am Kamin oder in der Provence oder in einem Schnieke-Lokal in Berlin?

Ich habe in Übersee leider nicht den Luxus einer Welzer-Lektüre. Aber Widerstand muss her! Und zwar schnell. Und bevor die Katastrophe losgeht. Endlich einmal vor der Katastrophe, die in Südeuropa, in der "Dritten Welt" sowieso, am Beginn steht. Jedes zukünftige Parlament unter Ausschluss der Zivilgesellschaft und ihrer Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten ist ein Parlament zuviel. Dagegen wäre Widerstand in grossem Stil angesagt. Daneben ist der Widerstand im Kleinen ebenso wichtig und modellhaft für die Zukunft.

LG, CE

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Ehemaliger Nutzer 01.04.2013 | 19:16

Wenn ein Sozialpsychologe als eine der wichtigsten Stimmen in der deutschen Nachhaltigkeitsdebatte ein Buch schreibt mit dem Titel "Selber Denken", darin meint, das verfügbare Wissen sei unüberschaubar geworden und den Leser damit tröstet, er stoße eben an den kognitiven Teil seiner Orientierung, schließlich eine zukunftsfähige Kultur des Lebens und der Wirtschaft nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis sondern unterschiedlichen Laboren der Zivilgesellschaft zuschreibt, um dann 3 bis 5 Prozent einer avantgardistischen Elite die Deutungshoheit einer neuen Geschichte zuzuweisen, ist in der Tat der Widerstand der restlichen 97 bis 95 Prozent der Bevölkerung gefragt, sich nicht als Versuchskaninchen mißbrauchen zu lassen.

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Ehemaliger Nutzer 02.04.2013 | 18:55

Selberdenken. Das ist der Punkt, an dem ich mich im Gesellschaftlichen mit am meisten reibe. Viel zu viele Menschen haben ihr Gehirn brach liegen, quer durch alle Schichten. Ich kann es mir nur damit erklären, dass von Kleinauf Mitdenken nicht erwünscht war. Militär ist das beste Beispiel: Nicht hinterfragen, sondern Stillgestanden! Befehle ausführen.

Die gute Nachricht: Die jüngeren Generationen scheinen in einem freierem Umfeld aufzuwachsen und sind entsprechend kritischer. Meines Erachtens geht es auch nicht darum, Massen zu mobilisieren. Viel entscheidener ist, was der Einzelne in seinem Leben, angepasst an die augenblickliche Situation, verändern kann.

Der kleinste gemeinsame Nenner: Alles ist erlaubt, solange niemand anderes Schaden nimmt. Unser Leben hätte nahezu paradiesische Zustände, wenn sich jeder daran halten würde.

Martin Franz 03.04.2013 | 12:14

...ein äußerst zutreffender Kommentar....insbesondere der letzte....auslaufende Satz.....hierzu habe ich in der Community aus eigener, zwingender, "dienstlicher" Erfahrung als Polizeibeamter dieses "Systems".....die Artikel "Diktatur der Angst und Einschüchterung"..... "Gesellschaftliche Selbst-HINRICHTUNG!!!"....sowie "Würde, Gesicht und Zukunft, verloren???!!!?" verfasst.......

Peter Nowak 03.04.2013 | 12:50

Ich habe ein Interview von Harald Welzer in der Taz gelesen und hatte dort schon den Eindruck, der sich mir hier in der Debatte bestätigt. Welzer mag einige gute Beobachtungen über den aktuellen Spätkapitalismus liefern, doch eine nichtkapitalisitsche Gesellschaft steht außerhalb seines Horizonts.

Leider ist auch in dem offenen Brief genau diese Leerstelle nicht benannt, das Projekt einer auf Räten basierenden weltweit geplanten Ökonomie, die nicht nach dem Profit, sondern den menschlichen Bedürfnissen ausgeht.

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Ehemaliger Nutzer 03.04.2013 | 18:44

Ich persönlich glaube, dass Angst der Hauptmotivator für Neid und Missgunst ist. Gesellschaftliche "Normen" wie z.B., dass man einen "anständigen" Job haben muss führen dazu, dass viele nicht den Lebensentwurf leben können, den sie gerne hätten. Habe in meinem Umfeld eine Menge Leute davon. Kommen dann welche daher, die Spaß an ihrem Job haben und dadurch bedingt auch viel eher Erfolg haben können, neiden einem das die Ängstlichen. Diese Angst wird vor allem auch über Medien verstärkt, weil die Welt "da draußen" ja so schrecklich fies und gemein ist. Ist sie zum Teil natürlich auch, aber sie kann auch sehr schön und freundlich sein. Nur darüber berichtet kaum einer. Es wird einem also immer mehr und mehr Angst eingetrichtet und damit immer mehr Missmut, Vertrauensverlust, Hoffnungslosigkeit und eben Neid und Missgunst denjenigen Gegenüber, die angstfreier durchs Leben schreiten.

Gérald Cordonnier 11.04.2013 | 11:06

Es fällt mir aus einigen hier unwesentlich sie anzuführenden Gründen schwer der Debatte zu folgen, darf ich trotzdem mitreden? Das ist doch eine gerechtfertigte Frage und sie zu stellen zeigt wirklich ein paar wunde Stellen in der hiesigen Diskussionskultur. Doch erstmal möchte ich dem Autor des offenen Briefes antworten.

Selber Denken an der Hand des Papa academicus, das find ich auch ziemlich merkwürdig.

F V hat in seinem Kommentar einige interessante Punkte in selbstkritischer Weise angebracht, die meines Erachtens wirklich wert sind darüber nachzudenken. Vorallem ist es interessant zu unterscheiden ob man das (sagen wir) revolutionäre Handeln einer imaganierten Zukunft unterstellt oder einer einem in der Gegenwart verortetem Maß, der persönlichen Haltung, etwa soetwas wie die gegenseitige Achtung und der Respekt voreinander oder die Ehrfurcht vor der Natur. So ließe sich an FV s Satz anknüpfen, dass

"Die aufklärerische Forderung des Selbstdenkens reduzierte das Denken nie auf ein bloßes Instrument zum Handeln. Ein Gedanke ist nicht nur deshalb gut, weil aus ihm eine Tat folgt."

Diese Unterscheidung zwischen folgenorientierter Motivation des Handlens und (finde kein besseres Wort dafür) de-ontologischer Motivation kristalisiert für mich heraus, dass es soetwas wie eine Kultur des Fürchtens (wie etwa des geliebten Wohlstands) und eine Kultur des Achtens (wie etwa der Einzigartigkeit der Person oder der Schöpfung der Natur). Soweit kann man den kantischen Gedanken schon dehnen.

Diese analytische Unterscheidung zu machen ist vielleicht in der Debatte garnicht so uninteressant. Spricht und denkt man nicht letztlich in völliger Hoffnungslosigkeit (auch hier wieder eine analytische Unterscheidung) so könnte man ja davon ausgehen, dass vielleicht alle die gleichen Ideale teilen, sie aber großflächig verzerrt, verstellt oder um umgekehrt sind (so tut es meines Wissens der ideologiekritische Ansatz der neueren kritischen Theorie). Wie nennt man das dann? Quizfrage : Essentialismus? Das alles ist aber nur eine abstrakte Ebene die darüber sinniert mit welchen Händen man die Menschen berühren kann oder was sie berührt und geht viel zu sehr an denen vorbei.

Mehr noch; es entwickelt einen elitären Dialog, in dem sich kluge Menschen gerade so viel erlauben, dass sich andere wiederum ausgeschlossen fühlen bzw. sich selbst ausschließen (@Altstadtlegende), wie etwa Costa Esmeralda schon erwähnt hat.

Ich frage mich jedoch ernsthaft, ob es sich hier um eine Diskussionsplattform handelt, d.h. man sich gegenseitig achtet, oder um eine spalterische Plattform sich öffentlich zu denuzieren - die dabei noch Methoden anwendet die an Geheimdienst erinnern (@Weinzstein/Hadie). Geheimdienstler sind wohl taub für Selbstkritik und Sarkasmus. FV hatte doch in seinem offenem Brief erwähnt dass er wandlungsfähig ist und dazugelernt hat, wieso gilt das nicht auch für einen Ex-Vorwärts Autoren. Es ist einfach nur beängstigend welch Engstirnigkeit hinter solchen Kommentaren steht. Vielleicht hat Harald Welzer auch dazu etwas zu sagen? ;)

Oberham 12.04.2013 | 10:15

Der Titel reicht völlig aus! Aber der Herr lebt eben von seinen Gedanken, ergo muss er sie kapitalisieren - wer das Buch liest findet darin Anregungen - die findet man auch bei uns im Netz - praktisch die gleichen, aber eben nicht von einem bekannten Autoren, sondern von hunderten die selber nachdenken - natürlich dürfte wohl auch jeder dieses Buches nachdenken -

Oder sollen wir sagen vordenken, fürsichdenken, herumdenken, irgendwiedenken?

Leider tippe ich selber oft; man.... wir..... sollten, müssten, dürften nicht etc. etc. etc.............

Für mich ist die schlichte Leichtigkeit der freiwilligen materiellen Armut die Lösung, für meine Nachbarn leider nicht - und der Versuch in der Region autarke Grundversorgung in Form von Bürgergenossenschaften die auch die ärmsten mit ins Boot nehmen (klassisch die Starken helfen den Schwachen - somit bekommt auch der Arbeitslose, oder der Beeinträchtigte seine Grundversorgung - mittel eines Gesnossenschaftsanteils der eine gewisse Menge Leistung als Ausschüttung gewährleistet) bin ich auf der ganzen Linie gescheitert.

Nun - da wird die Schwäche des Einzelnen über der bestehenden Struktur deutlich - und dort wo ich mir Musterbeispiele angesehen habe - schwang meist unterschwellig schon wieder die Leistungsfähigkeit und die Leistungserwartung in differenzierter Form durch - nun - meiner Meinung nach - gleich am Anfang wieder die selben Fehler.

Es ficht mich nicht an, es reduziert nur meinen persönlichen Lebensstandart, da dieser höher sein könnte würden mehr Menschen - von sich aus und mit Freude - ähnlich wie ich leben wollen.

Daher kommt für mich auch eine Kommune nicht in Frage, da ich keine Lust habe in einer Art sozialem Mikrokosmos mit anderen zu leben - zumindest im Augenblick noch nicht -

natürlich kann das eine gute Lösung für andere sein!

Letztlich bleibt der Satz stehen: Selbst denken!

.... und welcher Gedanke wurde nicht schon myriadendfach gedacht? Die Gedanken sind frei, sie schwingen durch die Dimensionen leicht oder schwer, ohne sie wär alles leer!

MikeKater 31.05.2013 | 00:32

Ich freue mich, dass sich hier eine so angeregte und auch kritische Diskussion über dieses Buch von Herrn Welzer entwickelt hat. Ich glaube, dass genau dies von ihm beabsichtigt war. Denn letzendlich geht es ihm doch darum, die Menschen zum kritischen Denken anzuregen - und zwar auch hinsichtlich seiner Thesen und Lösungsvorschläge. Jeder mag sich selbst für irgendetwas entscheiden, entweder das vorgegebene Spiel brav mitzuspielen und z.B. zur Wahlurne zu schreiten und das Gefühl zu haben, man habe sich nun demokratisch beteiligt und damit etwas zu unserer Zukunft beigetragen oder eben halt querzudenken und gegen den Strom zu schwimmen. Solange die Entscheidung eines jeden Menschen durchdacht ist, und zwar auch kritisch, emotional und mit ein wenig Phantasie, wie es auch anders sein könnte, ist das doch ok. Kritik in diesem Sinne ist übrigens nicht, gegen alles zu sein, was Mainstream ist, sondern Sachverhalte, Entscheidungen, mit seinem gesunden Menschenverstand zu beurteilen und zu versuchen, die Sachverhalte einmal "von oben", also möglichst neutral, zu sehen. Man stelle sich vor, das Gedächtnis sei gelöscht und man betrachte die Erde, was mit ihr passiert und welche Rolle der Mensch dabei spielt, welchen Weg er verfolgt, aus der Sicht eines außerirdischen Besuchers, für den alles ganz fremd und neu ist. Vielleicht so: nachdem er sein Raumschiff (oder was auch immer) hoffentlich erfolgreich durch den erdumkreisenden Weltraummüll manövriert hat, stellt er fest, dass das Gesamtlebewesen Erde von einem Virus befallen ist, der sich für intelligent hält, gerade sehr erfolgreich seinen Wirt abtötet und sich damit selbst ausrottet. Naja, denkt er, Endstadium. Wir kommen in 200 Erdjahren wieder. Entweder der aus seiner Sicht dumme Virus ist wider erwarten doch intelligent genug, sich selbst einzuschränken und zu überleben, oder die Erde hat sich bis dahin von dem kurzen Schnupfen erholt. Oder etwas detaillierter: die Menschen haben die Erde mit Wegen überzogen, auf dem kaum ein anderes Lebewesen existiert. Darauf bewegen sich Gefährte, die stinken und giftige Gase ausscheiden. In den Fahrzeugen befinden sich meistens nur ein, manchmal auch mehrere Menschen, die sich sehr schnell bewegen wollen. Diese Wege sind ausschließlich für diese Fahrzeuge gemacht. Menschen die sich auf natürlichen Wege bewegen, müssen auf schmale Wege an deren Seiten ausweichen und die giftigen Dämpfe der Fahrzeuge einatmen, auch die Kinder. Viele Menschen erkranken daran oder sterben sogar deswegen. Sie dürfen die Wege nur für kurze Zeit überschreiten, oder ganz schnell, und wenn sie nicht schnell genug dabei sind und nicht aufpassen, schreien die Fahrzeuge ganz laut und die Menschen werden gehetzt und müssen sich beeilen, dass sie nicht von ihnen berührt und dabei verletzt werden oder sogar sterben. Das passiert leider sehr oft. Die Menschen in den Fahrzeugen, die, wenn sie sie verlassen, sich auch ganz normal fortbewegen, müssen sehr mächtig sein oder böse auf die anderen. Ich verstehe das nicht. Manchmal kann es ganz hilfreich für die eigene Sichtweise sein, sich in die von gedachten Außerirdischen, geistig Behinderten oder Kindern zu versetzen, die viel natürlicher und objektiver ist, als die von uns erlernte.

Ein weiterer Denkansatz: wir alle kommen auf die gleiche Weise nackt auf die Welt. Wir wissen noch nichts, haben zwar unterschiedliche Charaktere, Neigungen und Talente, sind aber in unseren Bedürfnissen gleich. Das gilt für das Kind eines Aktionärs in den USA, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat wie für das eines Kindes in den Slums von Rio oder einem armen Dorf in Afrika oder Indien. Haben wir nicht alle das Recht auf mindestens die Grundbedürfnisse des Lebens, Nahrung, Wasser, ein Stück Land für ein Haus und den Anbau des Lebensnotwendigen? Auf Glücklichsein und ein erfülltes Leben? Mit welchem Recht verfügen 10 % der Weltbevölkerung über 90 % des Landes und deren Ressourcen? Man betrachte auch das mal aus der Sicht eines Außerirdischen oder eines Kindes. Nein, ich bin kein Kommunist, wenn ich so denke, jeder hat die Möglichkeit, sein Leben zu gestalten aber nicht das Recht, anderen die Existenzgrundlage zu nehmen, um sich selbst zu bereichern. Jedes Tier, jede Pflanze hat diese Chance, natürlich abhängig von den Umweltbedingungen. Wir Menschen können uns in einem großen Rahmen von für uns feindlichen Umweltbedingungen frei machen, wir sind die einzige Lebensform auf diesem Planeten, die sich das Leben gegenseitig schwer macht. Das ist aber nicht naturgegeben, das muss nicht so sein!

Für mich waren die meisten Fakten und Thesen des Buches nicht neu, denn ich beschäftige mich selbst seit über 25 Jahren mit diesen Themen und komme - nach einigen Irrungen und Wirrungen in meinen Denkprozessen - zu dem gleichen Schluss wie Herr Welzer, jedenfalls im Augenblick (wer weiß, vielleicht habe ich nächstes Jahr schon ganz andere Denkansätze). Schon jetzt könnte ich einiges hinzufügen, z.B. dass das voraussichtlich tödliche Wachstum des Menschen auf der Insel Erde seine Ursache nicht nur in der expansiven Wirtschaft, sondern auch der Bevölkerungsexplosion hat. Wir beschäftigen uns mit dem demographischen Wandel in Deutschland und Europa und deren vermeintlichen Problemen, aber übersehen dabei, dass das eigentliche, globale Problem immer noch die Bevölkerungsexplosion ist. Hier reicht der gesunde Menschenverstand: mehr Menschen = mehr Ressourcenverbrauch = immer weniger für immer mehr Menschen, selbst wenn die Ressourcen unendlich wären, was sie logischerweise nicht sind und wir die verbliebenen nicht auch noch zusätzlich vergiften würden.

Herr Welzer bezweckt mit seinem Buch lediglich Denkanstöße zu geben, nicht die Welt retten zu wollen, so habe ich es jedenfalls verstanden. Und da wir uns hoffentlich alle einig sind, dass die Regierungen der Welt (und die wirklichen Machthaber erst recht) nicht unbedingt daran interessiert sind und dazu beitragen, das Ruder in eine positivere Richtung zu drehen, bleibt es jeden Einzelnen überlassen, etwas zu tun - und sei es nur darum, seinen Kindern und Enkelkindern irgendwann offen in die Augen blicken und sagen zu können: ich habe zumindest mein Möglichstes getan, um zu verhindern, dass ihr in einer Welt leben müsst, in dem die Überlebensbedingungen schlecht sind. Denn wir können nicht wie unsere Eltern oder Großeltern, die die Nazizeit überlebt haben, sagen, dass wir von nichts wussten, da uns die Informationsquellen nicht zur Verfügung standen. Irgendwann müssen wir alle für uns diese Rechenschaft ablegen, gegenüber uns selbst und den folgenden Generationen.

Auch ich gehöre nicht zu den allgemein belächelten Amish-Peoples, die aber von sich sagen können, dass sie nur von wirklich natürlichen Ressoucen leben und am wenigsten zu unseren Problemen beigetragen haben, obwohl sie in einem hochkultivierten und sehr verschwenderischen Land leben. Aber zumindest bin ich nie Auto gefahren und habe daher weniger Ressourcen verbraucht und etwas weniger zur Vergiftung und zum Klimawandel beigetragen. Ich fahre täglich 3o km mit dem Rad zur Arbeit, bei schlechten Wetterbedingungen fahre ich mit Bahn und Rad. Meine Kollegen und viele meiner Bekannten haben mich deswegen belächelt, ein Auto zu haben und damit zu fahren - und seien es auch nur ein paar lächerliche Km - gehört zum allgemeinen Sozialverhalten. Warum eigentlich? Ich habe deswegen keinerlei Einschränkungen. Im Gegenteil: ich bin weniger verfettet, seltener krank, habe auch noch Spaß an der Natur und der frischen Luft und fühle mich gut. Wenn die anderen abends ins Sportstudio gehen, um ihre angesessenen Fettpolster zu reduzieren, habe ich meinen Sport schon hinter mir, an der frischen Luft. Für mich ist das ein erster Schritt, weitere werden folgen. Und für mich bedeutet Verzicht auf Konsum nicht Verzicht auf Leben, solange meine Grundbedürfnisse befriedigt sind und ich glücklich bin.

Letztendlich bleibt es jeden selbst überlassen, für welchen Lebensstil er sich entscheidet, solange er selbstständig nachgedacht hat, denn dies ist die Voraussetzung für eine wirkliche Entscheidungsfindung.

Schlabberhutbanderl 01.08.2013 | 17:17

Klasse! Eine wirklich erfrischende Diskussion, die zu guterletzt Harald Welzer entfacht hat. Weiter so! Und vor allem Taten sehn muessen wir. Ich will mich demnaechst mit einem Radiojournalisten von BBC Radio Northampton in England zusammentun, um die Gemeinde wachzuruetteln und wieder etwas fuer ihr eigenes Umfeld und ihren Lebensraum zu tun. Das ist unser ganz grossen Problem heutzutage: aufgrund der Digitalisierung unserer Welten bekommen wir immer seltener den Arsch hoch und suchen das Miteinander in unserer Gemeinde. Wir sind uns alle so furchtbar fremd geworden und so gehen wir letztlich auch mit unserer Umgebung um. Mehr Bewusstsein und Sorge fuereinander . Solange wir unsere Solidaritaet damit fuer erledigt erachten, monatl einen Betrag vom Konto abgebucht zu bekommen fuer einen guten Zweck, wird unsere Gesellschaft weiter den Bach runter gehen. Erst wenn wir wieder zueinander finden und nicht in Form einer Spassgesellschaft aber einer verantwortungsvollen, dann und nur dann wird sich die westliche Welt wieder zum besseren wenden. Jeder einzelne ist da aufgefordert. Wenn jeder Bewohner einmal 30min in der Woche etwas fuer die Gemeinder tut...

Widerstand gegen die Ohnmacht!

J Re 07.04.2014 | 01:58

Lieber Franz,

ich sag einfach mal du, wir sind ungefähr gleichalt.

Ich muss sagen, dass ich deinen "offenen Brief" sehr aufmerksam gelesen habe. Ich habe H.Welzers Buch gerade ausgelesen und bin sehr dafür, dass dieses mutige, kluge und sehr konstruktive Werk mehr Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin trotzdem sehr enttäuscht von deiner anscheinend eher selbstreflektierenden Leseart von Welzers Worten (dolle Alliteration). Hier nur ein paar wenige sehr spontane Einfälle (da haben wir vielleicht etwas gemeinsam):

Du schließt deinen Artikel mit dem fulminaten Satz: "...Widerstand heißt auch, Ideale zu haben. Daran glaube ich noch heute."

Da drückst du Welzer richig Einen rein. Also manchmal lohnt es sich schon die weißen Seiten zwischen Titel und Klappentext zu lesen. Aber es ist ja auch ein "offener Brief", da kann man einem Welzer schon mal subtil unterjubeln, dass es ihm nicht um Ideale geht. Das tolle ist ja, das es Welzer AUCH um Ideale geht. Wem es hingegen vor allem um Ideale geht, das haben wir ja schon gelernt in der Geschischtsstunde.

Du erfüllst leiden mit deinen "Argumentationsketten" viele Denkklischee die uns eben genau in diesem politischen Vakuum sitzen lassen, und du klingst eher wie jemand der bedeutend älter zu sein scheint. So ein bisschen empört, aber nicht so richtig, aber ausreichend, dass du es eher vorziehst jemandem wie Harald Welzer ein bisschen ans Bein zu pinkeln, anstatt dich selber etwas ernster zu nehmen. Einleitende Sätze wie: "... In der unser Lieblingswort Krise heißt." ??? Unser Lieblingswort? und von was für einem uns sprichst du? Entlarvst du dich nicht selbst dabei als einer von den grisgrämigen, ewig empörten, aber in ihren tatsächlichen Handlungen gelähmten? Das sind doch eher Platitüden, sowas sagt vielleicht Erika Slomka im heute journal, aber auf freitag.de?