hahadi

ich halte mich für einen nachdenglischen Menschen. Ich denke gerne nach über Wissenschaftskommunikation, sprachliche Teilhabe, Gleichberechtigung
hahadi
RE: Warum Wolfgang Thierse Unrecht hat | 22.03.2021 | 11:05

Gerne! Dürfen es auch drei kurze Sätze sein? Ich versuch es mal: Genderpolitisch markierte Sprache zwingt die Aufmerksamkeit ausschließlich auf geschlechtliche Diversität. Alle Möglichkeiten nichtgeschlechtlicher Diversität blendet sie willentlich aus. Nur eine politisch unmarkierte Standardsprache erlaubt deren gleichberechtigtes Mitdenken.

RE: Warum Wolfgang Thierse Unrecht hat | 21.03.2021 | 12:53

Blums Text widerspricht mit keinem einzigen Argument den detaillierten positiven Erwartungen von Zedlitz an das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheit. Gleichzeitig jedoch verbannt die von ihm gesetzte nichtsprachliche politische Duftmarke namens "Genderstern" alle Denkmöglichkeiten nichtgeschlechtlicher Diversität, z. B. auch des Blindseins, aus der Standardsprache. Die dennoch weiterlesenden Leser sehen sich unversehens gezwungen ("Sprache prägt das Bewusstsein"), dieser Aufwertung der LGBTQI+ - Community als diversitätspolitich einzig maßgeblicher Minderheit zuzustimmen. Der den Stern garnierende Text gerät zur Sättigungsbeilage für die höhere Absicht. Und wer die Absicht spürt und sich verstimmt zurückzieht, sieht sich rasch als sprachlich inkompetent und jetzt wie Thierse als politisch "rückwärtsgewandt" ausgesondert. Blums genderpolitische Duftmarke entwertet und widerlegt seinen eigenen Text. Seine Heuchelei ist kaum zu überbieten.

RE: Jenseits von Geschlecht | 01.03.2021 | 12:46

Äußerst hellsichtiger Beitrag! Hinzu kommt folgendes Argument: Alle Personenbezeichnungen, deren Femin*isierung nur scheitrn kann (also Bezeichnungen wie "Flüchtlinge", "Angestellte", "Zuhörende", "Propaganden", "Willige", "Idol", "Genie" u.v.a.m.), scheinen in einem alles femin*isierenden Gendersprech desto heftiger nur noch für eine partout nicht femin*isierbare Männerwelt zu stehen. Gendersprech wird also

- entweder der Selbstkannibalisierung anheimfallen,

- oder seine nicht kannibalisierungsbereiten Propaganden werden versuchen (und tun es bereits), ihren sprachungerechten Willen den nicht Genderwilligen durch immer absurdere grammatisch-semantische Anmaßungen schönzureden und/oder aufzuzwingen.