Grüne Märchenstunde

Werbekritik Der Energiekonzern RWE will sich ein umweltfreundliches Image geben - und zeigt deshalb einen Werbespot, in dem ein sanfter Riese sich um den Strom kümmert. Wer's glaubt

Grüne Hügel und knorrige Bäume im roten Sonnenlicht – ein am Computer geschaffenes Arkadien. So sanft beginnt der neue Werbespot des Energiekonzerns RWE, und so sanft geht es digital animiert weiter. Ein grüner Riese stapft durch die Landschaft und kümmert sich um das Wohlergehen der Menschen – was hier bedeutet: Er kümmert sich um die Stromversorgung. Der Riese stellt Windräder auf, baut ein Gezeitenkraftwerk und buddelt in einem Tagebau, nicht ohne anschließend die aufgerissene Erde wieder liebevoll zu bepflanzen. Dann bringt er durch die Berührung mit seinem Zeigefinger erst ein Riesenrad zum Leuchten, anschließend eine ganze Großstadt.

Wie niedlich, der große Sanfte. Und wie plump. RWE, der zweitgrößte Energiekonzern Deutschlands mit einem Jahresumsatz von 49 Milliarden Euro und Betreiber zahlreicher Atom- und Kohlekraftwerke, erzählt uns ein grünes Märchen.


Natürlich, Werbung entwirft immer eine idealisierte Welt. Aber ein solch naives Märchenreich zu zeigen, traut sich eigentlich niemand mehr. Die Zuschauer macht RWE mit dem Spot zu kleinen Kindern, denen man von lieben Riesen erzählt, damit sie ruhig schlafen.

Kein Wunder, dass eine Satire nicht lange auf sich warten ließ. Greenpeace lässt die Figur des grünen Riesen in einem neuen Spot durch eine Wüstenlandschaft trampeln. Im Hintergrund schrillt der Alarm eines Atomkraftwerks. Dazu gibt es zwei Zahlen: 2008 stammten 15 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien, bei RWE waren es nur zwei Prozent.




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