Zurück aus der Vergangenheit

Autos Bullig, kantig, öko: Eine kleine Firma aus Mittelfranken möchte bald einen neuen "Trabi" auf den Markt bringen - mit viel Optimismus und einem ungewöhnlichen Konzept

Die Wiedervereinigung hat das Schicksal des Trabis besiegelt. Insofern ist es konsequent, dass die „Rennpappe“ nun im Westen wiedergeboren werden soll, genauer gesagt in Mittelfranken. In Dietenhofen, einem 6.000-Einwohner-Örtchen westlich von Nürnberg, hat die Firma Herpa ihren Sitz. Ihren Erfolg verdankt sie dem Modellbau. Autos, Rettungsfahrzeuge, Panzer, Kampfjets, Trucks – Herpa verkauft alles im kleinen Maßstab. Verkaufsrenner sind jedoch die Trabi-Modelle. Mehrere hunderttausend Exemplare hat der Hersteller laut eigenen Angaben schon produziert.

Die Firma erkannte das Potenzial der Marke, sicherte sich die Rechte und entwarf pünktlich zum 50-jährigen Trabi-Jubiläum vor zwei Jahren die Designstudie zu einem neuen Trabant. Die Besucher der Internationalen Automobil-Messe (IAA) in Frankfurt waren begeistert. Von 12.000 Befragten wünschten sich 90 Prozent einen echten neuen Trabi. Nun ist es soweit. Auf der diesjährigen IAA im September werden Herpa und der Karosseriebauer Indikar den Prototypen des "Trabant nT" ("nT" steht für "new Trabi") präsentieren.

„Wir wollen den Trabi in neuer Form auf die Straße bringen, um die Geschichte dieses Kultobjektes fortzuführen“, sagt Klaus Schindler, Geschäftsführer des Vertriebs bei Herpa und geistiger Vater des Projektes. Die bisherigen Studien sehen deutlich voluminöser aus als der ursprüngliche Trabant es war: ein bulliger Kombi mit großer Schnauze und schmalen Fenstern, der dem Mini Cooper ähnelt, nur kantiger.

Geplant ist ein Mittelklasse-Auto für die Stadt und das Land. Von einem neuen Volkswagen ist gar die Rede. Wie teuer er werden könnte, ist aber noch unklar. Zwischen 15.000 und 50.000 Euro ist alles möglich. Je nachdem, wie edel der Trabant und wie groß die Serie werden wird. Der Motor wird jedenfalls den Preis nach oben treiben. Denn kein Benzin-, sondern ein Elektromotor soll den Trabant antreiben - mit Solarzellen auf dem Dach.

Die Batterie-Reichweite dürfte zunächst kaum mehr als 160 Kilometer betragen. Für besondere Sportlichkeit sind Elektroautos auch nicht bekannt. Ziemlich viele Nachteile für ein Fahrzeug, das alles andere als ein Schnäppchen sein wird. Und noch fehlt ein Investor. Den möchte man nun auf der Automesse finden. Denn Indikar baut normalerweise nur Prototypen, gepanzerte Fahrzeuge und verlängerte Ausführungen von Serien-PKW. Ohne Geldgeber und Partner, der die Serienproduktion übernimmt, wird es keinen neuen Trabi geben.

Von dem alten "Trabant" wurden mehr als drei Millionen gebaut. Der "New Trabi" dürfte wohl selbst mit einem finanzkräftigen Investor nur schwer auf diese Stückzahl kommen.

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