Bitte schneller sterben!

Ton und Text Kein kostenloses Streaming mehr: die Musikindustrie schießt sich wieder einmal ins Bein

Mal wieder eine Wortmeldung aus der Chefetage eines der vier großen Majorlabels in Sachen „Musik im Internet“. Edgar Bronfman Jr, CEO – also Chef – von Warner Music, kündigte an, keine Lizenzen mehr für kostenlose Streaming-Angebote zu erteilen. Der Grund sei, dass er in der Kostenlos-Mentalität der Nutzer dieser Dienste kein erfolgversprechendes Geschäftsmodell erkennen könne. Anders formuliert: Es fließt zu wenig Geld, damit kann seines Erachtens die Musikindustrie nicht zufrieden sein.

Nun gut, könnte man einwenden, man hört seit fünfzehn Jahren immer wieder Dinge von der Musikindustrie, deren Tenor sich ganz simpel zusammenfassen lässt: „Das Internet wird sich nie durchsetzen!“ Eine CEO-Meinung mehr oder weniger sollte da – historisch gesehen – nicht weiter ins Gewicht fallen. Diesmal aber trifft Bronfman einen neuralgischen Punkt zur richtigen (oder vielmehr falschen) Zeit. Denn „Streaming Dienste“ sind eine der raren Wege, den Musikkonsum per Internet wieder in wahrnehmbaren Größenordnungen zu legalisieren.

Das Prinzip ist eigentlich simpel und mit der großflächigen Verfügbarkeit hoher Bandbreiten auch praktikabel: Musik wird ohne dauerhafte Speicherung auf der eigenen Festplatte in Echtzeit gestreamt und angehört. Jedes gehörte Stück wird dem Rechteinhaber vom Stream-Anbieter vergütet. Einnahmen entstehen durch Werbung oder sogenannte „Premium“-Dienste, bei denen der Hörer für einen gewissen Mehrwert (zum Beispiel Werbefreiheit oder bessere Qualität) eine Abo-Gebühr zahlt. Wer einen Song „besitzen“ will, wird selbstverständlich direkt zum Kauf bei einem der einschlägigen Anbieter weitergeleitet. Der in Deutschland bekannteste Streaming-Dienst ist last.fm.

Schwer angesagt, weil technologisch und inhaltlich ganz vorn, ist Spotify – derzeit allerdings nur in einigen europäischen Ländern, darunter die Schwergewichte Schweden – die Heimat von Spotify – und Großbritannien. Deutschland gehört nicht dazu, man muss hierzulande einige technische Sperren austricksen, was natürlich nervt, und kann das Premium-Abo nicht nutzen. Darf also für den Dienst nicht bezahlen, selbst wenn man wollte.

Praktisch ohne Kosten

Knackpunkt des Modells ist das verfügbare Angebot an Künstlern und ihrer Musik. Denn nur ein Backkatalog mit kritischer Masse und möglichst umfassende aktuelle Musik macht einen Dienst interessant. Dazu müssen Lizenzen erworben werden. In der Regel geschieht das innerhalb eines Rahmenvertrages mit einem Label, so dass dessen Künstler im Paket angeboten werden können. (Die fehlende länder- und firmenübergreifende Lizensierungsinstanz macht das übrigens zu einem sehr mühseligen Prozess.) Je mehr Lizenzen, desto besser das Angebot, desto mehr verringert sich die Lücke zu illegalen Angeboten, die naturgemäß alles vorrätig haben. Man muss es nur finden. Das kann eine zeit- und nervenaufreibende Sache mit gewissem Vireninfizierungs-Risiko sein, bei der man mitunter etliche Versuche benötigt, bis man die gewünschte Musik in gewünschter Qualität hören kann. Was man sich wiederum mit einem umfassenden legalen Angebot ersparen könnte.

Was Bronfman jetzt verkündet, wäre im Ernstfall der Einstieg in eine Abwärtsspirale, die das noch relativ junge und bisher als Hoffnungsträger gesehene System „legaler Streaming-Dienst“ vorerst schwer schädigen könnte. Eine Majorfirma wie Warner hat aus alten Zeiten einen gewaltigen Backkatalog an populärer Musik, dessen Verlust aus Sicht eines „normalen“ Musikkonsumenten schwer verkraftbar ist. Sprich: den betreffenden Streaming-Dienst aus seiner Sicht überflüssig macht. Das wiederum torpediert das Geschäftsmodell grundsätzlich. Denn „kostenlos“ heißt ja nichts anderes, als dass der Nutzer mit Aufmerksamkeit für Werbung bezahlt, deren Preis sich aus Nutzerzahlen generiert. Steigen die Nutzerzahlen – das war der überdeutliche Trend des letzten Jahres –, steigen die Einnahmen, sind größere Ausschüttungen an die Labels möglich. Schrumpfende Kataloge verhindern das naturgemäß.

Es würden zu wenig Einnahmen generiert, ist das Argument des Warner-Chefs, nach seinem Statement praktisch eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dem lässt sich natürlich entgegnen, dass er überhaupt dankbar ein sollte für jeden noch so geringfügig scheinenden Erlös für sein Angebot. Denn der ist wohlgemerkt zusätzliches Einkommen, praktisch ohne Kosten zu verursachen. Schlimmer indes mutet an, dass so erneut das Interesse der eigenen Kundschaft mit Füßen getreten würde, dass die Musikindustrie weiterhin beharrlich an der realen Nutzungssituation ihres eigenen Produkts vorbei plant, dass sie schon wieder gerade die bestraft, die noch so etwas wie ehrliches Interesse an ihrem Produkt zeigen. Fünfzehn Jahre hat die Majorindustrie also jetzt zugeschaut, dabei scheinbar immer noch nichts gelernt. Bitte schneller sterben!






Kommentieren





Senden



Merken




Bookmarken



Bewerten



Drucken











Twingly Blog-Suche

Blog-Kommentare für diesen Artikel


Loveparade 2010 in Duisburg gesichert? SPD-Fraktion beantragt Sondersitzung des Rates

Vor 7 Tagen

Pottblog - der Blog aus dem Pott



Document Actions

Print this

History

Action

Performed by

Date and Time

Comment

Veröffentlichen

Jörn Kabisch

10.02.2010 13:56

No comments.

Einreichen

Ingo Arend

10.02.2010 13:03

No comments.





.dms_count_IDS_11930, #dms_h1_IDS_11930{display:none;}.dms_ad_IDS_11930{width:570px!important;text-align:left; border-top:1px solid #FFFFFF!important; background:#dddddd url(http://i.ligatus.com/com_global_img/logo-ligatus_frei.gif) no-repeat;background-position:500px 220px;} *html .dms_ad_IDS_11930{width:570px!important;text-align:left;border-top:1px solid #000000!important;background:#dddddd url(http://i.ligatus.com/com_global_img/logo-ligatus_frei.gif) no-repeat;background-position:502px 216px;}.dms_branding_IDS_11930{height:20px; background:transparent url(http://i.ligatus.com/global_img/freitag_ad_anzeige.gif) no-repeat top left;}.dms_branding_IDS_11930 img {display:none;}.dms_ct_IDS_11930{text-align:left; border-top:1px solid #FFFFFF!important;}.dms_cp_IDS_11930{margin-top:3px; overflow:hidden; border-bottom:1px solid #CCCCCC!important; height: 70px;}.dms_txt_IDS_11930,.morelink_11930{padding-top:3px;}.dms_img_IDS_11930{float:left; margin: 2px 5px 0px 5px;}.dms_img_href_IDS_11930{border:0px solid #9999AA!important;}.dms_hl_IDS_11930{font-weight:bold; overflow:hidden; text-align:left!important;}.dms_hl_href_IDS_11930{font:bold 12px Georiga,"Times New Roman",Times,serif!important; color:#990033!important; text-decoration:none!important; text-align:left!important;}.dms_hl_href_IDS_11930:hover{font:bold 12px Georiga,"Times New Roman",Times,serif!important; color:#990033!important; text-decoration:underline!important; text-align:left!important;}.dms_href_IDS_11930{font:normal 12px/11px Georiga,"Times New Roman",Times,serif!important; text-align:left; text-decoration:none!important; color:#121e44!important;}.dms_href_IDS_11930:hover{font:normal 12px/11px Georiga,"Times New Roman",Times,serif!important; text-align:left; text-decoration:underline!important; color:#121e44!important;}.more_txt_11930 {font:bold 10px "Lucida Grande",Verdana,Arial,sans-serif!important; color:#333333!important; text-decoration:none!important; text-align:left!important;}.more_txt_11930:hover {font:bold 10px "Lucida Grande",Verdana,Arial,sans-serif!important; color:#333333!important; text-decoration:none!important; text-align:left!important;}


Ligatus - Das Premium-Netzwerk für Performance-Marketing

Rente zum Nulltarif!

Kein Geld für später? Hier bis zu 419 mtl. Rente + ohne Eigenaufwand + ohne Konsumverzicht.

Mehr Informationen

NEU o2 on, nur 29 /mtl.

Business-Flatrate-Sensation: unglaublich günstig Handy-Surfen + unbegrenzt telefonieren.

Mehr Informationen

Kombi-Invest.

Die clevere Anlagestrategie aus Sparbrief attraktiven Fonds. www.volkswagenbank.de

Mehr Informationen

var lf=function(){i=this.href.indexOf("http://r.ligatus.com/?");if(i!=-1 this.href.lastIndexOf("="))this.href=this.href+"="+(new Date).getTime();return true;};var el=document.getElementsByTagName("a"); for(var i=0,e;e=el[i];i++){if(e.href.indexOf("http://r.ligatus.com/?")!=-1){e.onmouseup=lf;e.onkeyup=lf;}}











Meistkommentiert

7 Tage

Monat

Bisher



Community


Provinzhauptstadt
I.D.A. Liszt

[

281

]



Freitag Salon: Frauen
Jakob Augstein

[

131

]



Problemzone Garten
HoppelPoppel

[

86

]



Westerwelle: Ideologe an der Macht.
andreaarcais

[

78

]



Wozu noch Journalismus. Beitrag zu einer Serie
Jakob Augstein

[

47

]



Redaktion


Klassenkampf von oben

Rudolf Walther

[

34

]



Das Fürchten gelehrt

Alex Demirovic/Paulina Bader

[

29

]



Das ist das Letzte!
Mikael Krogerus

[

19

]



Warum essen wir im Kino Popcorn?
Jörn Kabisch

[

15

]



Die Macht des Wortes
Lutz Herden

[

8

]



Community


Provinzhauptstadt
I.D.A. Liszt

[

281

]



Nach 1978 geboren? Dann lesen.
Cassandra

[

170

]



Freitag Salon: Frauen
Jakob Augstein

[

131

]



To go is to go (25 Zeilen Hass)
Axel Henrici

[

113

]



Wir treffen uns zum Hassen im Internet
Sebastian Dalkowski

[

92

]



Redaktion


Warum gehen Männer zu Prostituierten?

Julie Bindel, The Guardian

[

191

]



Wie atheistisch ist die Linke noch?

Alexander Ulfig

[

150

]



Immer Ärger mit Burka

Lizzy Davis

[

87

]



Von Haiti nach Afghanistan
Michael Jäger

[

71

]



Dürfen? Sollen? Können!

Marc Fabian Erdl

[

51

]



Community


Provinzhauptstadt
I.D.A. Liszt

[

281

]



Deutsche Medienwunder (2): Der Straßenchor von ZDFneo
ChristianBerlin

[

235

]



Deregulierung. Oder: derFreitag pennt!
Streifzug

[

228

]



Was wär eine FreitagsGemeinschaft im Gegensatz zur FreitagsCommunity?
Titta

[

224

]



Wie mir Black Magic Woman das Leben rettete
Bildungswirt

[

221

]



Redaktion


Mein Problem mit Minaretten
klara

[

291

]



Wer hat geil Krebs?
Michael Angele

[

223

]



Willkommen

[

196

]



Warum gehen Männer zu Prostituierten?

Julie Bindel, The Guardian

[

191

]



Direkte Demokratie! Jetzt erst recht

Aaron Koenig

[

186

]



Aktuelle Ausgabe bestellen

Die griechische Krankheit

Ausgabe 07/10


18.02.2010

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis:

2.90 bestellen


Berlinale-Blog









Artikel zum Thema








Buch der Woche



Neu in Kultur

Artikel

Blogs


Der Thrill liegt in der Spannung

Twitter nervt ...

Der Wahrheit verantwortlich

Zu viel Trauma, zu wenig Musik

Aus dem Mond gefallen

Die schönste Zeitung der Welt

Berlinale 2010 (2)

Vor deiner Webcam schneit es - glaubst du nicht?

Zu viel Trauma, zu wenig Musik

JA und PG bei Politik.de: Zerschreddert im Sägewerk


Blog-Tipps


Michael Rutschky, Kathrin Passig u. a.


Unentbehrlich für Theaterliebhaber


Feuilletonbeobachtung. Intelligent und ironisch


Das deutsche Videoblog von Weltformat.


Marxelinhos Blog über Hertha und Arsenal


Künstler über Künstler. Auf Englisch


Das US-Magazin


Die virtuelle Bibliothek


Wahlrecht für die Schweiz


Notizbuch Christoph Hochhäusler





Freitag unterstuetzt




Manage portlets






19:00 17.02.2010
Geschrieben von
Aboanzeige Artikel Aboanzeige Artikel

Kommentare