Muskelriss

IM KINO Arnold Schwarzen egger in "Nacht ohne Morgen"

Das Jahrtausendende rückt näher und damit wohl auch das Ende des Jahrtausendhelden. Arnold Schwarzen egger war diese Rolle auf den Leib geschnitten - ein postmoderner Heros, der in seinen besten Filmen ein - nennen wir es - Programm der ironischen Gewalt vertrat. Der für einen kurzen Moment aus dem Geschehen trat und dem Kindskopf von Zuschauer ein Augenzwinkern gönnte wie in Terminator II ("Schieß nur auf die Knie") - das überzeugte auch linke Gewaltphantasten.

Dieses Filmgenre schien Mitte der neunziger Jahre am Ende; die Helden wurden die smarten Lover. Als Liebhaber hätte sich Schwarzenegger wohl kaum geeignet (er war immer nur Familienvater). Zwei Jahre gab es von ihm keinen Film zu sehen. Statt dessen Ankündigungen, er wolle in die Politik wechseln, dann das Dementi, anschließend die Entschuldigung, für die Republikaner Wahlkampf gemacht zu haben ("Dafür schäme ich mich").

Ähnliches Lavieren zeigt Nacht ohne Morgen, sein neuer Film: Der eiert genauso auf der Projektorrolle herum wie der monströse Schwarzenegger des echten Lebens, ein ziemlich miserabler Streifen, was nun nicht schlimm wäre. Davon hat er ja auch eine Menge gedreht. Allerdings: Er hatte wenigstens Leinwandpräsenz. Damit zog er noch den miesesten Streifen in die Oberliga. Regisseur Peter Hyams hat dem ein Ende gesetzt. Weil manche unbegabten Regisseure immer noch eine Extraeinladung am Ideenterminal brauchen, wählte Peter Hyams für Nacht ohne Morgen nicht etwa das naheliegende Y2K-Thema, sondern ein älteres Zahlenspiel - das mit den drei Sechsern, die man auch 999 lesen kann. Der Milleniumbug, wie er in den Offenbarungen des Johannes steht. Das ist öde, bevor es angefangen hat. Der Leibhaftige muss ran, nachdem Schwarzen egger so ziemlich jeden anderen Fiesling totgemacht hat. Aber wen bitte schön schreckt heute noch der Teufel, wo es Schulkinder gibt, die viel besser schießen können?

Die Story: Zur Jahrtausendwende besucht Satan die Erde für gewöhnlich, um Nachkommen zu zeugen. Er schlüpft in die Haut eines Börsenmaklers (Gabriel Byrne). Da sitzt das Übel ohne Zweifel richtig. Zur Braut erwählt hat er die junge Christine (Robin Tunney). Durch die üblichen Verwicklungen - päpstliche Killer haben es auf Christine abgesehen - wird der Ex-Cop Jericho Cane (Schwarzenegger) zum Beschützer des Mädchens. Davon können ihn auch die klugen Auslassungen des Teufels nicht abhalten, dessen Charakter mehr vom Börsenmakler gefärbt ist als umgekehrt.

Das Universum wird geleitet wie ein Konzern. Und da führt man Geschäftsgespräche. Dem gescheiterten Polizisten hält der Teufel vor, dass unter Gottes Aufsicht sogar seine, Canes, Frau und sein Kind gestorben seien. Da sei mal ein Wechsel im Management fällig, glaubt der Scheckbuch-Beelzebub. Aber Glauben hilft nicht mal dem Satan.

Arnie gegen den Teufel, ein gebrochener Held soll er sein, den Körper voller Alkohol. In Nacht ohne Morgen sieht das so aus: morgens und abends ein Schlückchen aus der Flasche Gin. Man will nicht zum Nachahmen verleiten. Dennoch will die Welt gerettet werden, der Gegner ist übermächtig, der Held angeschlagen. Sicher wird er eine Weile Paroli bieten, und dann: Er, der selbst an gar nichts mehr glaubt, findet in der Stunde der Entscheidung zum lieben Herrgott, der da miesgelaunt am Kreuz hängt - sind Sie noch wach? Genau. Das ist wenig spannend anzusehen. Denn das Thema ist so elend ausgelutscht, es wird einem schlecht, die Pfaffen über die Leinwand rennen zu sehen, genauso, wie einem das Bibelgequatsche aus dem Hals hängt.

In Nacht ohne Morgen ist nichts wirklich unwitzig. Es funktioniert nur nicht. Der Film überlegt zwei Stunden, was er nun sein könnte - Action, Bibelschinken, Komödie, Slapstick, Splatter. Er ist nichts von all dem, und das killt auch die Akteure.

Das Genre Schwarzenegger scheint im Moment nicht nur in der Hölle schlechte Karten zu haben. Gegen die eigene Demontage hilft gealterten 90er-Jahre-Muskelikonen da nur: mehr und schneller Filme drehen, damit man die miesen schneller vergißt.

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