Katja Kullmann
Ausgabe 4616 | 21.11.2016 | 06:00 179

Furcht vor klugen Köpfen

Klassenkampf An Trumps Wahlerfolg seien vor allem linksliberale Intellektuelle schuld, ist nun vielfach zu lesen. Eine Widerrede

Als der superreiche rotgesichtige Mann ohne Benehmen nun also die US-Wahl gewonnen hat, und als es danach überall hieß, dass der verarmte weiße Mann ohne Collegeabschluss ihn gewählt habe, dauerte es keine 48 Stunden, bis zweierlei geschah: Zum einen konnte die ganze Welt mitansehen, wie ein kleiner Testlauf zu einem Pogrom aussieht, in den USA, der uns bis eben noch so vertraut erschienenen westlichen Welt. In einer Schule verteilten weiße Jugendliche selbstgebastelte Ausreisebescheide an die Latinos im Klassenzimmer und skandierten im Rudel: „Ihr könnt gehen!“ Weiße Frauen rissen muslimischen Frauen die Kopftücher herunter, asiatisch aussehende Frauen wurden angespuckt, mehrere schwarze Frauen berichteten, wie sie von Gruppen weißer Männer umzingelt wurden und wie diese ihnen, unter Verweis auf die nun angebrochene „Grab her by the Pussy“-Ära, in den Schritt griffen. Aus allen möglichen Bundesstaaten wurden solche Vorfälle gemeldet, mit Videos und Fotos. Eines der Bilder zeigt eine Hauswand, darauf der Spruch: „Black lives don’t matter.“

„Lügenpresse“-Argumente

Zum zweiten setzte sofort das große Keckern ein. Ein siegesgewisses Keckern, das nicht von der Straße kommt, sondern von weit oben, aus den gut klimatisierten Spiegelglasetagen der US-Gesellschaft. Was Trump bloß grob geraunt und geröhrt hat, formuliert der eloquentere Teil des konservativen bis extrem rechten Lagers jetzt hämisch aus. Eine Teil-Elite erklärt eine andere Teil-Elite zur Ursache für das Wahlergebnis: nicht die Hedgefonds-Zyniker, wegen derer Millionen von Amerikanern in Zwangsversteigerungen ihre Kleine-Leute-Häuschen verloren haben, und auch nicht die Jungs aus Trumps Immobilienbusiness, die die Städte, in denen es bislang immerhin noch Jobs gibt, als Spekulationsmasse behandeln und der dort arbeitenden Bevölkerung schleichend den Wohnraum entziehen. Nein – die Elite, die den Trump-Sieg befördert habe, sei eine andere: die links-liberalen Intellektuellen des Landes. Mit ihrem Gender- und Differenz-Gerede hätten sie nicht nur jahrelang am weißen Mann ohne Collegeabschluss vorbeigedacht, schlimmer noch: Sie hätten ihm zu oft erklärt, und das im völlig falschen Ton, dass er nun mal nicht allein auf der Welt sei. Davon habe dieser die Nase jetzt voll.

An diesem Punkt gilt es jetzt tiefer zu tauchen. Die Gefahr des Aneinandervorbeiredens, der Kontaktverlust zwischen Gebildeten, Bildungsverlierern und denjenigen, die von Bildung gänzlich abgehängt sind, beschäftigt die demokratische Öffentlichkeit – auch in Europa, auch hierzulande – ja nicht erst seit Trump. Sie ist aktuell ein Schlüsselthema, gerade für viele linke und liberale Denkerinnen und Künstler, Publizisten und Politikerinnen. Neu ist, dass jetzt jemand, der monatelang mit dem „Lügenpresse“-Argument auf Stimmenfang ging (auch wenn Trump andere Formulierungen dafür fand), jemand, der Bildungsverlust und Bildungsverweigerung ausnutzte, ja sogar adelte, zum mächtigsten Politiker der Welt geworden ist.

Halten wir vor dem tieferen Eintauchen aber kurz fest: Der Wahlsieg Donald Trumps ist mitnichten ein Sieg des seit jeher von allen möglichen Regimes umgarnten und missbrauchten „kleinen Mannes“. X-fach ist es inzwischen nachzulesen, nachzuprüfen: dass die Trump-Wähler im Mittel wohlhabender sind als die Clinton-Wähler. Wohlhabender als die Bernie-Sanders-Anhänger allemal. Dennoch stimmt es: Viele Abgehängte, vor allem eben Weiße mit schlechter Bildung, haben dem rechts-bürgerlichen, dem kampfkapitalistischen Lager alten Stils zum Sieg verholfen. Jenem Lager, das den Klassenkampf auf perfide Art und Weise angeheizt hat – den Klassenkampf von oben, wohlgemerkt. Und das nicht nur in den USA, und auch nicht erst seit gestern.

Vor den „Trumpisten“ formierte sich die Tea Party. Hierzulande begannen zur selben Zeit, rund um die Lehman-Krise, noch vor der Gründung der AfD, sogenannte „neue Bürgerliche“ auf den Busch zu klopfen. Unvergessen etwa, wie sich der Publizist Norbert Bolz 2009, als hier erstmals über einen Mindestlohn debattiert wurde, im Magazin Cicero über die „Tyrannei der Wohltaten“ und „demokratischen Despotismus“ ausließ. Oder wie der Spiegel-Online-Kolumnist Jan Fleischhauer im Fahrwasser der Sozialschmarotzerdiskussion über Hartz-IV-Empfänger philosophierte: Rauchen und Alkohol seien Angelegenheiten des „sozialen Standes“. Oder wie großbürgerliche Feuilletons, an der Speerspitze die FAZ, ihren Ekel nicht nur vor privatem „Unterschichtenfernsehen“, sondern auch vorm öffenlich-rechtlichen „Verdummungsprogamm“ ausstellten und eine Abschaffung der „Zwangsgebühren“ forderten, was nun vor allem selbsternannte Reichsbürger und Aluhutträger nachkrähen.

Tatsächlich: Die Verachtung des mehr oder minder „dummen“, jedenfalls des „kleinen“ Mannes ist zuletzt aufgebrandet wie lange nicht mehr, dies- und jenseits des Atlantiks. Jene Verachtung kam und kommt von rechts oben. Und von dort wird jetzt ein weiterer Keil hineingetrieben, in das, was links unten so kreuchen mag. So wie der „Ausländer“ gegen den einheimischen Erwerbstätigen oder Wohnungssuchenden ins Feld geführt wird, oder die „Quotenfrau“ gegen den männlichen Arbeitslosen, so kommt jetzt also auch noch der „Studierte“ gegen den Proletarier hinzu.

Man muss sich nicht die Mühe machen, entsprechende amerikanische Tiraden zu übersetzen. Auch hierzulande mangelt es jetzt nicht an Häme gegen die linke Intelligenz. Etwa in der Welt, in der sich Andreas Rosenfelder nun unter der Überschrift „Die Intellektuellen haben ein Monster geschaffen“ über das – zweifellos schreckliche – Wort „postfaktisch“ ausließ. Es sei „beliebt bei Intellektuellen, Leuten also, die von Berufs wegen gerade nicht auf dem Boden der Tatsachen stehen, sondern auf den Schultern von mehr oder weniger großen Geistesriesen, ob diese nun Jürgen Habermas oder Slavoj Žižek heißen, Hannah Arendt oder Judith Butler, Karl Marx oder Jean-Paul Sartre“. Eine „riesige, ächzende Zirkuspyramide“ sei jenes intellektuelle Treiben, das auf der Lehre von Georg Wilhelm Friedrich Hegel basiere, derzufolge, schreibt Rosenfelder, „nichts in der Welt einfach nur so ist, wie es ist, sondern alles auch ganz anders sein kann, zumindest in der Theorie“. Ja, ja, dieser Hegel, der alte Marxist – glaubte doch tatsächlich, dass eines Tages alles auch ganz anders sein könnte!

Zu früh fürs Alarmschlagen?

Es ist wahr: An ebendiesem Strang arbeiten heute viele, vor allem jüngere Intellektuelle, wieder ganz bewusst und ganz verstärkt weiter – auch für die oder mit den Abgehängten. In den USA wird die neue Generation hegelianisch-marxistischer Denker (und Aktivisten!) seit einer Weile als „Neue Neue Linke“ bezeichnet. Genau das ist es ja, was die rechtsdrehende Oberschicht hüben wie drüben so fürchtet und weshalb sie sich nun bemüht, linkes Denken möglichst gründlich und grundsätzlich in Verruf zu bringen, etwa als nervtötendes „Political Correctness“-Geplänkel.

Was Rosenfelder „postfaktisch“ ausblendet, in der Anlegerzeitung Die Welt – die nach der Wahl einen Link auf ihrer Homepage trug: „Was bedeutet Trumps Sieg für mich und mein Geld? (nur für Abonnenten)“ –, ist, dass zu Trumps Erfolg vor allem auch Tea-Party-Reiche beigetragen haben. Den Kern seines Wahlkampfversprechens trat der designierte Präsident ohnehin gleich in die Tonne: Er, der angab, gegen „das Establishment“ anzugehen, hat vor, den Spitzensteuersatz von 40 auf 25 Prozent zu senken, und stellte als Mitstreiter den Oldschool-Republikaner Newt Gingrich vor, den früheren New Yorker Bürgermeister und Bush-Rivalen Rudolph Giuliani und den Goldman-Sachs-geschulten Hedgefonds-Banker Steven Mnuchin. „Wählt mich, was habt ihr schon zu verlieren?“, lautete eine trump’sche Wahlkampffloskel. Und es ist nicht verächtlich gemeint, sondern der Tragik angemessen, seinen Wahlerfolg so zu kommentieren: Es fanden sich genügend Verzweifelte, die ihm auf den Leim gingen.

Für den Anschub und Aufbau von Diktaturen waren Verzweifelte schon immer gut zu gebrauchen. Und allzu oft gingen sie dabei am Ende drauf, auf die eine oder andere Art. Dass er das Wahlergebnis anerkennen werde – wenn er gewinne, hatte Trump die Amerikaner mehrfach wissen lassen. Ganz gleich, wie er nun letztlich regieren wird: Dass eine solch klare Absage an das Prinzip der parlamentarischen Demokratie viele Menschen in den USA überhaupt nicht zu bekümmern scheint, ist das Erschreckende. Da hat längst etwas gewirkt, das womöglich nicht mehr zurückzuholen ist. Wenn sich Strickmuster und Bausteine des Faschismus jetzt und hier, in dieser Gegenwart, an vielen Orten gleichzeitig zu häufen scheinen: Ab wann ist der richtige Zeitpunkt, laut darauf hinzuweisen? Ist es jetzt noch zu früh, gar „alarmistisch“, von vorfaschistischen Strukturen zu sprechen? Oder ist es allerhöchste Zeit?

Hitler, Stalin, Mussolini, Franco, Salazar. Lange her! Und ja wohl komplett zu hoch gegriffen jetzt! Le Pen, Wilders, Hofer: Gemach, gemach, die müssen ja erst mal zeigen, ob sie’s, populistisch gesehen, genauso gut hinkriegen wie die Brexit-Geiferer! Erdoğan, Putin, Orbán, und die PiS in Polen: Sind allerdings schon einen Schritt weiter – mit Berufsverboten und Verhaftungen, mit der systematischen Diskreditierung und Ausschaltung „linker Intelligenz“, weil diese ihren Autokratien und antidemokratischen Geschäften gefährlich werden könnte. Grundkurs Faschismus, Lektion 2 a: Intellektuellenfeindlichkeit schüren. Lektion 2 b: Intellektuelle unschädlich machen.

Schädlich sei „Literatur, deren Kennzeichen eine geistreichelnde, bewegliche Intellektualität ist, die (...) in ihrer Standpunktlosigkeit ohne Bindung an die Werte ist, auf denen das völkische, sittliche und religiöse Gemeinschaftsleben beruht“. So definierten die Nazis „Asphaltliteratur“, die auf die Verbrennungslisten kam. Wenn man unbedingt wollte, könnte man eine minimale Verwandtschaft feststellen, zu den Vorwürfen, die den „Vertreter(n) eines linksliberalen, feministischen, sozialstaatsfixierten Multikulti-Wischiwaschi-Mainstreams“ (Wolfram Weimer, Ex-Welt, Ex-Cicero, Ex-Focus, heute: The European) gemacht werden: zu viel „Geistreichelndes“ wird da gedacht und verbreitet, statt „auf dem Boden der Tatsachen“ zu stehen.

Zugegeben: In den vergangenen 20 Jahren haben poststrukturalistische Diskurse an den Hochschulen und in kritischen Medien viel Raum eingenommen – Felder, die die Frage nach ökonomischer Ungleichheit oft nur am Rand streifen. Es stimmt auch, dass unter dem Stichwort Identitätspolitik absurde Detaildebatten gepflegt werden, die für Nichteingeweihte oft nicht nachvollziehbar sind, etwa vierteljährlich neu ausgerufene genderkorrekte Schreibweisen. Aber „postfaktisch“, also falsch, wäre die Behauptung, dass solche modischen Mätzchen, die oft nach einer Saison schon keine Gültigkeit mehr haben, Hochschulen oder die linken Medien und linke Politik okkupiert hätten. Gerade in den intellektuellen Experimentierfeldern Cutural und Gender Studies sind neue Ansätze zu Kapitalismuskritik gewachsen. Dort wurde vor gut zehn Jahren erstmals der Begriff „Klassismus“ breit angewandt – ein Wort, das Diskriminierung aufgrund der sozialen Stellung endlich zu erfassen und messbar zu machen versucht. In anderen Fächern, etwa in den progressiven Wirtschaftswissenschaften, entstehen ausgefeilte Entwürfe eines bedingungslosen Grundeinkommens – das die Machtverhältnisse zwischen Arbeit und Kapital künftig auf den Kopf stellen könnte.

Die billige „PC“-Keule

Die billige Behauptung einer angeblichen „Diktatur der Political Correctness“, eine Behauptung, die hierzulande schon fast so grassiert wie in den USA, und die vielleicht noch perfidere Behauptung, die Linken würden die Arbeiterklasse und deren Nachfolger, das Dienstleistungsproletariat, „von oben herab“ behandeln: Man kann sie widerlegen. Gerade für die USA. Wenn es ein Land gibt, in dem Linke ganz aktiv und handfest in Kontakt mit den Verlierern des Neoliberalismus stehen – dann dort. Da ist David Graeber, der 2011 in New York die superpopulistische Occupy-Bewegung mitbegründet hat und seine linksanarchistischen Bücher, heute von England aus, gezielt so verständlich schreibt, „dass auch meine Mutter es verstehen kann“ (Freitag 19/2016). Da ist der 28-jährige Einwanderersohn Bhaskar Sunkara, dessen 2011 gegründetes marxistisches Magazin Jacobin stetig wachsende Leserzahlen hat und niedrigschwellige linke Lesekreise an gut 100 Orten veranstaltet (Freitag 20/2016). Da ist Vince Gilligans Serie Breaking Bad (2008 – 2013), die von nichts anderem handelt als vom Zerbröseln der Mittelschicht. Da ist George Packer, Autor des New Yorker, der 2012/13 mit dem Reportageband The Unwinding (Die Abwicklung) eine knallharte Diagnose zum Zustand der US-Gesellschaft lieferte und mit seinen Storys über gescheiterte Tankwarte auf dem Land und verschuldete Sekretärinnen in den Vorstädten einen Bestseller landete. Und da ist der Filmemacher Michael Moore, der als TV-Figur landesweit bekannt ist, beharrlich gegen die Waffenlobby und gegen Ausbeutung kämpft, sich mit Gewerkschaften unterhält und aktuell für die Wasserversorgung der verarmten Industriestadt Flint streitet.

Aus vitalen intellektuellen und agitatorischen Strängen wie diesen ist etwas Unerhörtes erwachsen: eine neue politische und für US-Verhältnisse überraschend weit links stehende Bewegung. Ihre Vertreter votierten für Bernie Sanders. Und, wie Michael Moore nicht müde wird anzumerken: Würde im US-Wahlsystem nicht nach Staaten, sondern nach einzelnen Wählerstimmen gerechnet, hätte Hillary Clinton (das „kleinere Übel“ aus Sicht der Neuen Neuen Linken) gewonnen. Wegen dieser unerwarteten Stärke versucht die rechtsdrehende Oberschicht jetzt, linke Ideen in einem Abwasch zu diskreditieren.

Auf Deutschland geblickt: Wer hier jetzt an Hochschulen oder in kritischen Redaktionen Einfluss hat, dürfte zwischen 35 und 55 Jahre alt sein. Man könnte, nach dem Neomarxisten Fredric Jameson, von einer „Generation“ sprechen – von einer, die noch von dem profitierte, was „soziale Marktwirtschaft“ hieß – eine Gesellschaftsordnung, die eine gewisse „soziale Sicherheit (bot), die zum ersten Mal in der Geschichte auch lohnabhängigen Jugendlichen erlaubte, andere Lebensformen auszuprobieren, also reale Freiheit zu praktizieren, was bis dahin ein Privileg des Bürgertums war“. So formulierte es 2002 der Sozialwissenschaftler Volker Stork.

Viele dieser Bildungsaufsteiger gehören nicht zur satten Erbengeneration, sondern sind die ersten oder einzigen Akademiker in ihren Herkunftsfamilien. Die soziale Entfremdung, die daraus entstehen kann, hat schon Didier Eribon in Rückkehr nach Reims beschrieben, aktuell versucht Christian Baron in Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten dieser Spur zu folgen. Auch von den biografischen Brüchen, die sich aus solchen Auf- und Abstiegserfahrungen ergeben, rührt das Interesse an Identitätspolitik – die durchaus einen revolutionären Gehalt haben kann, wie Theodor W. Adorno in seiner Negativen Dialektik skizzierte: „Das befreite Ich, nicht länger eingesperrt in seine Identität, wäre auch nicht länger zu Rollen verdammt. Was gesellschaftlich, bei radikal verkürzter Arbeitszeit, an Arbeitsteilung übrig bliebe, verlöre den Schrecken.“

Verheerend wäre es, wenn jetzt auch das linke Lager der Propaganda von rechts oben auf den Leim ginge und in seine traditionelle Lieblingsfalle tappte: die Selbstbezichtigung und Selbstzerfleischung. Nein! Die amerikanische Neue Neue Linke ist nun gerade brutal gescheitert – nicht an den Urnen, sondern vorher, an den betonierten Altmächten innerhalb der Demokratischen Partei. Ansonsten ist sie ziemlich stark – und man kann viel von ihr lernen.

Schauen wir auf zwei hiesige Zeitgenossen: den Lagerarbeiter mit Zeitvertrag und den freigesetzten Journalisten mit Doktortitel und 80-Euro-Aufträgen. So, wie die physische Kraft des Arbeiters nur noch wenig zählt, so kann auch ein akademischer Grad längst entwertet sein. Bei beiden ist das Geld knapp. Doch der Journalist verfügt über kulturelles und soziales Kapital, das ihm erlaubt, gehört zu werden. Wenn er sich jetzt, in diesen rechtsdrehenden Zeiten, dazu durchringen könnte, seine Statusangst abzulegen und seiner eigenen Prekarisierung und Marginalisierung fest ins Auge zu blicken, würden ihm vielleicht noch mehr Wege einfallen, mit dem Kollegen im Warenlager ins Gespräch zu kommen. Um gemeinsam die Schlagkraft zu erhöhen. Bevor ... Ja: Bevor es zu spät ist.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 46/16.

Kommentare (179)

Rüdiger Heescher 17.11.2016 | 19:34

Heute können wir nachvollziehen, wie es damals in Weimar dazu kam, dass der Arbeiter einen Hass auf Intellektuelle bekam und dann die Nazis wählte. Heute ist es das vermeintlich linksliberale (eigentlich neoliberale) Bildungsbürgertum, was den Arbeiter und Abgehängten in die Arme von Trump trieb.
Es macht keinen Sinn zu Jammern. Intellektuelle müssen Schlüsse daraus ziehen und fragen wie es dazu kam.

Dazu hat wesentlich beigetragen den Klassenstandpunkt zu verlassen und nur noch links mit Identitätspolitik zu verbinden, aber letztlich neoliberal durchsetzt war?

In einer Kolumne von Bettina Gaus regt sie sich über die Menschen auf, die sie als links eingestuft hat, linker als sie selbst ist, die nun sagen: "Jetzt nach dem Trump Sieg werden die Karten neu gemischt" und dabei hoffen, dass endlich die Politiker von SPD und Grünen vor allem kapieren was wirklich los ist. Im linksliberalen (eigentlich neoliberal) Lager spricht man ständig von einem postfaktischem Populismus. Doch was ist in wirklichkeit postfaktisch?
Seit wir den Neoliberalismus dank Rot-grün haben, leben wir faktisch im postfaktischen Zeitalter. Warum? Ein Beispiel.
Unsere Arbeitslosenstatistik wird ständig gelobt, dass wir doch faktisch eine Vollbeschäftigung hätten und es uns doch soooo gut ginge wie keinem anderen Land. (In den USA wurde das von Clinton auch so propagiert, denn es wurden passend zum Wahlkampf die neue Arbeitslosenstatistik angeführt mit 4,9 % Arbeitslosigkeit).
Doch was sagt uns diee so faktische Arbeitslosenstatistik? Nicht das was uns faktisch die ERWERBSLOSENSTATISTIK noch zu Kohls Zeiten gesagt hat. Ist jemand in der Lage seinen Lebenserwerb zu verdienen? Wenn es danach ginge, dann haben wir eben nicht 2,8 Mio "Arbeitslose" sondern heute 14,5 Mio ERWERBSLOSE. Das kann jeder in seinem Umfeld beobachten. Das lässt sich auch nicht mehr vertuschen. Auch als freier Journalist kann nicht mehr drüber hinweg sehen, der 80 Euro für einen Artikel bekommt.
Was ist also in Wirklichkeit Postfaktisch?
Die neoliberale Propaganda ist seit 15 Jahren postfaktisch.
Fakt ist, dass wir eine Erwerbslosenquote noch nach Kohls Arbeitslosenstatistik haben, die 14,5 Mio als erwerbslos rechnet.
Das ist nur ein Beispiel, was in Wirklichkeit postfaktisch ist.
Bettina Gaus habe ich einmal sehr geschätzt. Das ist jetzt vorbei. Sie lebt in einer Blase und hat nun für mich jede Glaubwürdigkeit verloren.

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Ehemaliger Nutzer 18.11.2016 | 07:04

Postfaktisch (21.12.2016 | 06:00) ist zumindest das oben angegebene Erscheinungsdatum des Artikels.

Inhaltlich (zum Artikel hier) frage ich mich, wie das denn nun weitergehen soll, weitergehen wird; hierzulande und mit Blick auf das gesellschaftspolitische Umfeld in 2017 ++

Mit Steinmeier -und wahrscheinlich auch wieder Merkel- stehen die Kandidaten für das "weiter so" fest, dürfte darob die AfD demnächst durch die Decke gehen.

Außenpolitisch eingebettet und perspektivisch entscheidend müsste nach meinem Verständnis das Verhältnis der Politik und der Großmedien hierzulande zu den USA, deren gewählten Präsidenten nebst dessen Administration sein.

Auch fast zwei Wochen nach dern Wahlen drüben scheint mir der Kampf(hund)modus hiesiger Medien noch aktiv; begleitet von einer heimeligen Farewell-Show für den politisch bereits gewesenen Obama, beides insbesondere in den Öffentlich-Rechtlichen und dem Spiegel zelebriert.

Wo es doch an der Teit wäre, das Faktische zu erkennen, zu gestalten, soweit das jenseits einer bereits verbrannter Erde, Zuweisungen derer wie "Hassprediger" oder "Faschist" überhaupt noch möglich ist.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 10:20

Diesem viel zu langen Text scheine ich entnehmen zu wollen, dass die Autorin versucht, dem geneigten Leser - wer tummelt sich sonst schon auf diesen Seiten außer mir und ein paar wenigen anderen? - die 'Linken' die 'klugen Köpfe' seien.

Ach herrje, was ein institutionell selbstbestätigter Narzissmus, was eine Fehleinschätzung dessen, was Intellektualität ist, was eine geradezu traurige Verwechslung mit politischer Korrektheit und neuer Systemkonformität.

Sehr passend dazu folgender Artikel aus der Baseler Zeitung: http://bazonline.ch/us-wahl/Ein-Beruf-schafft-sich-ab/story/25608045

Herr Schierling 21.11.2016 | 12:14

Wir erleben eine klassische Konfliktlinie aber scheinbar suchen zu viele nach Schuldigen. Wer dies tut, tappt ebenfalls in die Falle.
Interaktive Kontrollierbarkeit versus externe Eigendynamik, oder simpler formuliert: Personalisierung versus unsichtbare Hand oder Charismatiker versus Etablissement. Das Charisma unserer Tage beruht auf medialer Prominenz. Trump das idealtypische Gegenstück zu Obama. Jetzt hat das Pendel mal in die andere Richtung ausgeschlagen. Kann alles bei Max Weber oder H.Wimmer, Evolution der Politik nachgelesen werden. Letzteres die ultimative Inspirationsquelle zum Verstehen von Politik. Ist von mir nur als Inspiration gedacht, denn man könnte Legionen von Seiten füllen in diese Richtung.

P.s.: Und keine Angst: um etwas richtig kaputt zu machen braucht es Zeit und harte Arbeit. Und die sind von Trump nicht zu erwarten. Er will doch nur Erfolg um sein Ego zu erhöhen.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 13:06

Weise gern in dem Zusammenhang auf einen anderen FC-Blog hin,

wo auch dieser, nun passend datierte Text nebst der hiesigen Autorin etwas thematisiert wurde;

vielleicht ab diesem Kommentar ...,

wenngleich bereits der Aufhänger des dortigen Blog (Bettina Gaus) erahnen lässt, welche Kontroversen, welche meist noch unter der Decke gehaltene Diskurse in den Medienhäusern ablaufen dürften.

Lethe 21.11.2016 | 13:47

Achtung, freilaufende Linksdenkerin

Wenn ich mir das zu dieser Unterschrift zugehörende Bild anschaue, frage ich mich, was daran mich dazu bewegen soll, den mutmaßlichen Positionen der jungen Frau irgendeine inhaltliche Relevanz zuzubilligen, da sie offenbar selbst eher dem Ansatz der Einschüchterung zugeneigt ist.

Jene Verachtung kam und kommt von rechts oben.

Das ist eindeutig einseitig. Die Verachtung wurde genauso von links ausgegossen. Die Formulierungen waren anders, der Geist der Verachtung war derselbe.

In den USA wird die neue Generation hegelianisch-marxistischer Denker (und Aktivisten!) seit einer Weile als „Neue Neue Linke“ bezeichnet.

Das ist ein Teil dessen, was zu befürchten stand, dass man adrette Bezeichnungen findet, die Neuheit suggerieren. Seit wann ist Neuheit eigentlich ein Wert an sich oder wenigstens ein Garant für die Qualität des Neuen? Es wird jeden Tag soviel neuer Dreck fabriziert, verbal und in Aktion. Oder auch als Verbalaktion, da vielleicht sogar noch am liebsten. Was auf der Strecke bleibt bei all dem Neuen, ist die Prüfung des Wertes. Weil, das Neue von heute ist schließlich das Alte von morgen, also bleibt für das von Vorgestern gar keine Zeit, heranzuwachsen und zur Reife zu gelangen, immer ist schon das noch Neuere da, selbst wenn es nur altbekannte Plattitüden in neuen sprachlichen Gewändern sind.

Dass eine solch klare Absage an das Prinzip der parlamentarischen Demokratie viele Menschen in den USA überhaupt nicht zu bekümmern scheint, ist das Erschreckende. Da hat längst etwas gewirkt, das womöglich nicht mehr zurückzuholen ist.

Hat irgendjemand die USA mit einer Demokratie verwechselt? Ist das nie jemandem seltsam vorgekommen, dass dieses Land der Meinungsfreiheit gleichzeitig das Land härtesten Rassismus, härtester Strafgesetze, höchster Mordrate, niedrigster Sozialstandards und der meisten zu verantwortenden Kriege aller westlichen Industrienationen ist? Hat irgendjemand die Demokraten mit einer demokratischen Partei verwechselt? Das ging alles immer über die Schiene des geringeren Übels und nur weil die GOP die GOP ist, konnte der Eindruck entstehen, die Demokraten seien nette Leute.

Damit will ich sagen, ist, dass die USA im Kern schon immer faschistisch waren, und Trump hat diesen Faschismus nicht erschaffen. Er wird ihn nur an die Oberfläche holen.

Dort wurde vor gut zehn Jahren erstmals der Begriff „Klassismus“ breit angewandt – ein Wort, das Diskriminierung aufgrund der sozialen Stellung endlich zu erfassen und messbar zu machen versucht.

Messbarkeit, ja, das ist ein Zauberwort im obersten Management.

das die Machtverhältnisse zwischen Arbeit und Kapital künftig auf den Kopf stellen könnte

Und die Erde ist eine Scheibe und die Sonne kreist um die Erde. Bedingungsloses Grundeinkommen wird lediglich dazu führen, dass nach einer kurzen Übergangsphase die Preise so justiert sind, dass die alte Mangelverteilung bei neuen Zahlen wiederhergestellt ist?

Gerade für die USA. Wenn es ein Land gibt, in dem Linke ganz aktiv und handfest in Kontakt mit den Verlierern des Neoliberalismus stehen – dann dort.

Scheint ein wundervolles Land zu sein, diese USA. Können Sie uns auch was zur Wirkung all dieser anschließend genannten Heroen sagen? Oder erleben wir die gerade? Aber halt, darum dreht sich ja dieser Blog. Dass die Linksintellektuellen völlig schuldlos sind, weil sie alles richtig gemacht haben.

Würde im US-Wahlsystem nicht nach Staaten, sondern nach einzelnen Wählerstimmen gerechnet ...

Ein Umstand, der, soweit bekannt, auch Clinton bekannt war und von ihr nicht in Frage gestellt wird. Und falls sie genügend viele Swings gewonnen hätte, käme das Argument jetzt von der anderen Seite. Es besagt also nichts.

Wer hier jetzt an Hochschulen oder in kritischen Redaktionen Einfluss hat

In anderen Redaktionen auch. Die grauen Eminenzen zwischen 55 und 65 sind aber auch nicht ohne.

Die soziale Entfremdung, die daraus entstehen kann, hat schon Didier Eribon in Rückkehr nach Reims beschrieben, aktuell versucht Christian Baron in Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten dieser Spur zu folgen.

Also jetzt doch, oder wie? Weiter oben hatte ich Sie so verstanden, dass Linksintellektuelle Heilige sind, die niemals auf niedrige Klassen herunterschauen würden. Oder ist durch die Identitätsproblematik bei Linken allemal gerechtfertigt, was bei Rechten pure Bösartigkeit wäre?

Bevor ... Ja: Bevor es zu spät ist.

Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, ... recursio ad infinitum

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 14:49

Wie wahr, wie wahr, Frau Kullmann, treffende Analyse,

DUMM nur das Obama 8 Jahre Zeit hatte diesem boesem Bush-Trauma entgegenzuwirken, Obama hatte sogar die NSA und das Heimatministerium im Ruecken um diese hoechst gefaehrlichen Tendenzen im Blick zu behalten, oder wollte es ihm keiner sagen? Oder waren die zu doof? Oder war es Ex-Aussenministerin Hillary und Praesident Obama egal weil man lieber mit den grossen Hunden Golfen und Pinkeln gehen wollte?

Fragen ueber Fragen, aber immerhin haben Sie noch nicht Aristoteles, Engels, Frida Kahlo, Walter Ulbricht und aehnliche geschichtlichen Groessen als Vergleich gebracht um zu erklaeren das neuerdings ab 8. November 2016 "der Schwarzen an die Waesche gegangen wird" oder "der mexikanische Geschaeftsmann jetzt lieber mal aus Texas verschwinden soll"...

Alles fand nur ab Tag 1. nach der Trump - Wahl statt, nicht wahr?

Aus Spass wurde Ernstchen...

Besten Gruss, Tlacuache

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 14:56

Ja, so wie Frau Kullmann haben wir Deutsche es doch am Liebsten: Den Sand in den Kopf stecken, die Realität ausblenden und auf jeden mit der Nazikeule einschlagen, der uns an das ungeliebte, grelle Tageslicht zu ziehen versucht. Wenn wir uns die Augen ganz fest zuhalten und laut pfeifen, dann hört die Welt sich auf zu drehen und alles bleibt so, wie wir es kennen. Zur Erinnerung, die Nazisymbole stehen von Lemberg aus ostwärts, aufgerichtet von den „linksliberalen“ Finanzspekulanten, um deren Zukunft Frau Kullmann so besorgt ist, angepeitscht von deren medialen Bataillonen und orchestriert durch pseudo-linke Menschheitsbeglücker im Sold der sogenannten „offenen Gesellschaft“. Apropos, Frau Kullmann, die Wolfsangel-küssenden, Ruhm-den-Helden-schreienden und unheimlich „linksintellektuellen“ Hüpfburg-Protagonistinnen vom Maidan, Beck und Harms, bereiten schon mal ihren Abgang vor. Also Vorsicht mit dem „Verweile doch, du bist so schön“! Die Kapelle spielt noch, wie einst auf der Titanic, aber die Abteilungen laufen schon voll. Danken Sie Gott, dass uns Clintons begrenzter, gewinnbarer Atomkrieg wohl erspart bleibt und suchen Sie das nächste Rettungsfloß.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 14:56

Sie haben alles gesagt *******************

wer seinen Artikeleinstiegmit: "Als der superreiche rotgesichtige Mann ohne Benehmen" anfängt, wählt genau den Ton , der nichts Gutes verheißt, sondern gern basht und polarisiert d.h. dass er dies wohl "progressiv-gut-klug" findet und eine Meinungsschlacht eröffnen will, wegen genau der die Medien ihre eigenen Krise nun schon jahrelang selbst herbeischreiben.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 15:21

Es macht keinen Sinn zu Jammern. Intellektuelle müssen Schlüsse daraus ziehen und fragen wie es dazu kam.

nicht dass die jammernden Intellektuellen in ihrer Sorge sich noch selbst hinterfragen oder Erfahrungen von außerhalb ihres Zirkels einholen müssen. Das haben sie doch nie gelernt - das stellt ihre Welt auf den Kopf - oder nein - wieder auf die Füße, wo doch dem Fußvolk dort nichts zugetraut werden darf, denn wenn Bodenhaftung mit eigenständiger Kopfbenutzung ihre "Dienstleistung" völlig überflüssig macht, geht es ihnen wie den Waschbrettern nach der Erfindung der Waschmascine - sie dienen nur noch zu romantischer Folklore - vielleicht.

wwalkie 21.11.2016 | 16:08

Ein klarer und - vor allem - offensiver Artikel. Wie recht Sie haben, zeigen die Kommentare.

Ja, es ist wohl so, dass auch die FC eine "rechtspopulistische" Hegemonie erleben muss. Die ist zwar in allen west- und östlichen Ländern auf dem Vormarsch, nur ist die deutsche Kontinuität eine besonders unappetitliche. In Frankreich und Belgien ist der "Discours néo-réactionnaire" der "Communautés du ressentiment" mittlerweile heiß diskutiertes Thema von Bourdieu-Schülern, also von "jammernden Intellektuellen".

Leitmotiv der neoreaktionären Rede ist bekanntlich "das Volk", "das unsichtbare Volk", die "Vergessenen", also jene, denen Trump seine Stimme lieh (oder war es umgekehrt?), denen, wie zur Sättigung bekannt, die "Eliten", die "Medien" und momentan in der FC die realitätsfernen, angeblich gut versorgten "linken Intellektuellen-Idioten" gegenübergestellt werden (den Topos gibt es seit über hundert Jahren). Da trifft sich der rechte Dünkel inklusive Minderwertigkeitskomplex mit der heruntergekommenen Tui-Kritik des Marxismus-Leninismus.

Die Angst vor und die Verachtung von Intellektuellen geht "quer" durch die Bevölkerung. Ihre"Front" kann einen das Fürchten lehren.

Diesen Diskurs schwächen kann nur - und im Artikel weisen Sie darauf hin - das Beharren auf der "sozialen Frage", die die "Trumpisten" und anderen Le Pens instrumentalisieren, aber selbst elegant umschiffen, weil sie keine Antwort haben. Sie selbst sind ja die "besten" Garanten des "Systems", das sie zu bekämpfen vorgeben. Dass ein linker Intellektueller und Kenner der "sozialen Frage" wie Butterwegge von der Linken als Gegenkandidat zu Steinmeier aufgestellt wird, ist in dieser Hinsicht zwar nur symbolisch, aber trotzdem ermutigend,.

Auch für die Freitag-Communarden, die das Feld noch lange nicht räumen. Auch wenn man sich schönere Felder als das des Mars vorstellen kann.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 16:23

..."Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, Neubeginn, Reifung, Entgleisung, Katastrophe, ... recursio ad infinitum"...

Ja, und zwischendurch muss man jeden Freitag die Makulatur beim Andruck der Rollendruckmaschine aussortieren, die ersten 500 Exemplare musst du in die Tonne Schmeissen bis "Farbgebung" und "Passgenauigkeit" stimmen...

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 16:58

..."nicht dass die jammernden Intellektuellen in ihrer Sorge sich noch selbst hinterfragen oder Erfahrungen von außerhalb ihres Zirkels einholen müssen. Das haben sie doch nie gelernt - das stellt ihre Welt auf den Kopf"...

***** + ***** + *****

Vielleicht sollten sogenannte "Intellektuelle" erst einmal lernen Schnuersenkel am Schuh zuzubinden bevor sie "Schluesse ziehen und fragen wie es dazu kam"...

Ich und andere hier z.B., klar, nicht intellektuell, hatten schon vor einem halben Jahr darauf hingewiesen dass es so weit kommen koennte, ich rechnete allerdings erst ab 2020 damit, nicht 2016, so schnell koennen sich selbst erfuellende Prophezeiungen in Realitaet verwandeln, deshalb ist jetzt der Schreck der "sogenannten Intellektuellen" um so groesser, nicht wahr?

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 17:14

..."In Frankreich und Belgien ist der "Discours néo-réactionnaire" der "Communautés du ressentiment" mittlerweile heiß diskutiertes Thema von Bourdieu-Schülern, also von "jammernden Intellektuellen"...

Die Franzosen, Wwalkie, wie immer, Big Point, einzuwenden gilt:

..."Beispielsweise stellte in Frankreich 1970 das ererbte Vermögen weniger als die Hälfte des Gesamtvermögens dar. Heute liegt es bereits bei siebzig Prozent, Tendenz steigend. So bewegt sich die heutige Gesellschaft in Richtung der Erbengesellschaften und Familiendynastien des 19. Jahrhunderts"...

In den USA und Deutschland ist es nicht anders. So gewinnt man Frustwaehler, von extremlinks bis extremrechts...

Richard Zietz 21.11.2016 | 17:22

Finde den Beitrag ebenfalls gut.

Das Beste an ihm aber ist, dass er die Verfehlungen der linksliberalen Intelligenzija (die es massig gibt und die ich für meinen Teil noch weitergehend kritisieren würde) in den richtigen, ja – hegelianischen Kontext stellt: als Widerlegung der neuen, seit 11/9 kursierenden und – siehe Kommentare – auch in der dFC gepflegten Dolchstoßlegende, die linke Intelligenz sei am Trump-Sieg »schuld«.

Schuld – um das mal als allererstes festzustellen – sind die Idioten und Idiotinnen, die dieses Wahlfiasko via Stimmzettel angerichtet haben.

Schwere Schuld trägt darüber hinaus die GOP, die sich in fast hindenburgartiger Manier als Steigbügelhalter für einen selbst in ihren Reihen umstrittenen Kandidaten betätigt hat. Oder wer sonst hat Trump nominiert?

Um die Schuldfrage weiter auf dem Zettel festzuhalten (damit niemand nachher sagen kann: »Nee, wir waren an all dem total unschuldig«): Zweifelsohne eine entscheidende Mitschuld tragen die neoliberalen Eliten sowie das Establishment der Demokratischen Partei, die Clinton auf ihren Schild gehoben und Sanders dabei ausmanövriert haben – im allerbesten Wissen um die Tatsache, dass die soziale Bombe auch in den USA tickt.

Unterm Strich läßt sich das Motiv für dieses Wahlfiasko mit einem Begriff auf den Punkt bringen: GIER. Gier nach (noch mehr) Reichtum, Gier nach Macht (und sei es auch nur im Kleinen: als Angry White Man, der es Farbigen, Frauen. Liberalen und sonstwie Anderstickenden nun einmal richtig zeigen kann).

Dass die Linke dem neoliberalen Krisenmodus (mit dem Ergebnis, dass – wie im Artikel gut herausgebeitet – dessen härteste Fraktion nunmehr an der Macht ist) nicht genug entgegengestellt hat, ist richtig. Ebenso, dass sie sich teilweise zu sehr in Fragen außerhalb ihres eigentlichen Anliegens verzettelt hat. Da sich das begriffliche Instrumentarium zunehmend verflüchtigt, bleibt an der Stelle – ebenfalls für den oben aufgeführten Merkzettel – klarzustellen, dass das linksliberale Milieu, dass viele (teils zu Recht) kritisieren, ein anderes ist als das der neoliberalen Absahner-Eliten. Letzere haben die Weichen für Trump gestellt – nicht irgendwelche omminösen Gender-Freaks, Medienfuzzis der unterbezahlten Art oder Naturkost-Apostel.

Ich formatiere in Beiträgen / Kommentaren eher selten fett. Angesichts der auch in der dFC grassierenden Begriffsverwirrung dachte ich allerdings, LAUT zu sprechen kann im konkreten Fall nichts schaden.

na64 21.11.2016 | 17:42

Post truth, postfaktisch ist schon mit dem Jugendwort fly sein 2016 zu interpretieren. Ich lese nur das heraus was ich herauslesen will und mit dieser Haltung fliege ich dann durch die Decke. Passt zu Red Bull und Indifferenzzone. Der ganze Wirbel um die Ideologie und wer Schuld hat an diesem Debakel, bringt für die Praxis überhaupt nichts. Denn die Sachverhalte in der Politik sind ja nicht beendet, sie erfahren nur eine neue Form von Indifferenzonen in der Sichtweise der regierenden Personen. Das verändert dann auch unsere Politik, da wir ja Verbündete Alliierte mit den USA sind. Das was man nicht wahr haben wollte, was nicht geschehen sollte, geschieht jetzt doch: Veränderungen und das Ende von Alternativlos. Wir haben immer noch die Möglichkeiten und die Chancen auf diese Veränderungen mit Alternativen einzuwirken. Ist doch positiv. Wenn ich weiß welcher Widerstand, die Richtung der rechtsdrehenden Gnome vorhanden ist und es nicht gewollt ist, dann weiß ich auch was ich zu tun habe. Da sind die Aufgaben ganz einfach und leicht zu erkennen und man braucht hierzu auch kein Intellektuellen Schnickschnack, wie postfaktisch oder narrativ. Das gebrauch ich nur wenn ich nichts tun will und mir ein Alibi für unterlassene Leistung anrede. Iiiihhhh was erzählt der da!?. Gewohnheiten sind nicht mehr wie gewohnt und erfahren Veränderungen. Und jetzt noch ein Seehofer grinsen.

Ursus 21.11.2016 | 17:47

Noch ist Trump nicht zum Präsidenten gewählt, das soll erst am 19. Dezember 2016 durch die Wahlmänner erfolgen, deren hauchdünne Mehrheit für Trump nur durch die weißen rassistischen Wähler zustande kam, die es bisher vorzogen, nicht zu wählen.

Aber acht Jahre Obama war für diese Gruppe nicht mehr auszuhalten: ihnen ging es nur noch darum, Obama und alles, was daran erinnert in die Tonne zu treten, alles auszulöschen, koste es, was es wolle. Das ist die Wählerschaft, die diese Zumutung von Kandidat zum Präsidenten erkoren.

Die Wahlmänner sind teilweise an Parteiraison gebunden, teilweise aber auch nur ihrem Gewissen verpflichtet.

Genau darauf beruht die letzte Hoffnung der Demokraten, Trump doch noch zu verhindern.

Das wäre dann die Sensation nach der Sensation.

Letzte Chance 19. Dezember

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 17:50

"Ja, so wie Frau Kullmann haben wir Deutsche es doch am Liebsten: Den Sand in den Kopf stecken, die Realität ausblenden und auf jeden mit der Nazikeule einschlagen, der uns an das ungeliebte, grelle Tageslicht zu ziehen versucht. Wenn wir uns die Augen ganz fest zuhalten und laut pfeifen, dann hört die Welt sich auf zu drehen und alles bleibt so, wie wir es kennen."

Darin ist Ihnen voll zuzustimmen.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 17:51

..."auch in der dFC gepflegten Dolchstoßlegende, die linke Intelligenz sei am Trump-Sieg »schuld«."...

Sorry mein schneller Einwand:

Ich gab der "linken Intelligenz" nie Schuld, ich verzweifle an der Blindheit der "linken Intelligenz".

Die wandelnden Reichtumsverhaeltnisse der letzten 30 Jahre, auch in der Bundesrepublik Deutschland werden fuer klare 30% der AfD 2021 sorgen, zum Thema:

..."Schuld – um das mal als allererstes festzustellen – sind die Idioten und Idiotinnen, die dieses Wahlfiasko via Stimmzettel angerichtet haben"...

Um einen ganz klaren Schuldigen zu benennen, also BW - Wahl 2017 oder 2021 im Fall Deutschland:

1.

Das nur noch Fachidioten ausgebildet werden bzw. Ausbildung wirtschaftlich gesundgeschrumpft wurde

und

2.

Schwarz - Schilling und Helmut Kohl 1984 das private Fernsehen eingefuehrt haben, die USA haben das etwas laenger vorexerziert, das Ergebnis kennen wir...

Gruss mein lieber Zietz

lon1978 21.11.2016 | 17:52

Bei AK(Analzyse&Kritik) macht man deutlich besser als bei Freitag.

Ich bin auch enttäuscht , was und wie die Autorin die Lage beschreibt. Die sind genau die alte bildungsbürgerliche Gegenargumente.

Alles verdrängen um eigene Position zu rechtfertigen mit Adorno u.s obwohl Adorno selber mit seiner "Theorie der Halbbildung " versucht hat zu klären, was das neue Bürgertum betrifft.

Es ist traurig, dass die einige Linke so verhärt auf eigenen Erfolg beharren ohne eigene Kurs zu überprüfen.

Wenn wir so weiter machen, würden die Anti-Gutmensch-Argumente od Anti-PC Rhetorik gewinnt immer mehr Oberhand.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 17:57

Ich und andere hier z.B., klar, nicht intellektuell, hatten schon vor einem halben Jahr darauf hingewiesen dass es so weit kommen koennte

ich habe schon jede Menge - viel zu viel intelligente und integeren Menschen beobachten müssen, die aus dem ÖR Medien verbannt bzw. durch echte Kasperköpfe ersetzt wurden (Rolf Hochhut, Gabriele Krone-Schmalz. Roger Willemsen ... um nur einen Bruchteil davon zu nennen) ... und das hat sich inzwischen so verselbständigt, ist so zur Praxis geworden, dass einerseits Alternativmedien immer bessere Chancen haben und andererseits kaum noch jemand, dem es um relevante Inhalte und Informationen geht im ÖR arbeiten möchte. Die Beschwerden (Klinkhammer und Bräutigam) häufen sich, genau wie die banalen Textbaustein-Antworten darauf. Aber das Leben geht weiter, denn international ist der Zustand der Medien noch nicht so schlimm, wie in D und für interessierte Menschen gibt es im Internet auch mühsam zusammengesuchte Informationen.

der große Teil der sich zu den "Intellektuellen" zählt, kommt mir wie der Standesdünkel der 60er Jahre vor - und das Schlimme ist, wenn das schon auf junge Menschen zutrifft - niemals mit einem Taxifahrer ein Bier oder mit einem Russen oder Polen Wodka trinken - aber auf weiß-gebleichte Zähne Wert legen, als wäre dies das progressive Etikett des Zeitgeistes - nur huch und hach - selbst das Lächeln wird trainiert, wenn nicht gerade der Zeigefinger die Hauptaktion übernimmt.

wo die das nur herhaben? sagt ihnen keiner, wie albern das ist?

Charlie Schulze 21.11.2016 | 18:10

Den empfohlenen B. Gaus-Artikel habe ich (zustimmend, aber) nicht als Zeugnis ideologischer Bußfertigkeit gelesen, sondern als Bekenntnis zu journalistischen Standards: Als Mahnung an Kollegen und Geschwister im Geiste, sich (gerade in "populistischen" Zeiten) nicht einer schlampigen und tendenziösen Sprache zu befleißigen...

Und lese auch in Frau Kullmanns Statement hier nicht (wie im Kommentarstreifen munter herumprojeziert wird) ein ignorantes Verharren im eigenen Weltbild, sondern: Den richtigen und angemessenen Verweis darauf, dass es in US-Amerika durchaus vitale linke Kräfte gibt, die nicht Teil eines korrupten Establishments sind und sich sehr wohl um die Belange der "kleinen Leute" kümmern. Beispiele also, bei denen die derzeit beliebte (und auch wieder arg simple) Formel "Linke Schuld an Trump" nicht aufgeht.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 18:19

Nachsicht, Lethe redet viel Unsinn wenn der Tag lange und langeweilig ist:

Zum Beispiel so Unsinn wie diesen:

..."Hat irgendjemand die USA mit einer Demokratie verwechselt? Ist das nie jemandem seltsam vorgekommen, dass dieses Land der Meinungsfreiheit gleichzeitig das Land härtesten Rassismus, härtester Strafgesetze, höchster Mordrate, niedrigster Sozialstandards und der meisten zu verantwortenden Kriege aller westlichen Industrienationen ist? Hat irgendjemand die Demokraten mit einer demokratischen Partei verwechselt? Das ging alles immer über die Schiene des geringeren Übels und nur weil die GOP die GOP ist, konnte der Eindruck entstehen, die Demokraten seien nette Leute"...

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 18:28

Veränderungen und das Ende von Alternativlos

Da sind die Aufgaben ganz einfach und leicht zu erkennen und man braucht hierzu auch kein Intellektuellen Schnickschnack, wie postfaktisch oder narrativ. Das gebrauch ich nur wenn ich nichts tun will und mir ein Alibi für unterlassene Leistung anrede.

klar strukturiertes Denken und Analyse ohne Schnickschnack wäre schon mal ein Anfang

ohne Schnickschnack-Vermeidung kann man es auch gleich sein lassen und an den Stammtisch gehen (auch wenn der Versammlung oder Arbeitskreis oder Redaktionssitzung genannt wird)

es geht um saubere, konzentrierte und hochprofessionelle (Denk) Leistung - wie sie jeder gute Handwerker oder Chirurg leisten muß

"ein Blick ins Buch und zwei ins Leben, wird die rechte Form dem Geiste geben" - dann ist auch "OP gelungen - Patient tot" keine Botschaft mehr an andere, sondern ein Grund von neuer Analyse.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 18:37

Nun, kann man so lesen, oder eben anders. Bettina Gaus spricht ihre LeserInnen, ihre Kollegen an

die der t a z,

nicht die der BILD, der FAZ etc.

Was micht dann und in Anbetracht der möglicherweise nur wenig strittigen Tatsache, dass JournalistInnen intelligent, zu Reflektion fähig sind, zu dieser einsamen Vermutung führt:

Sie merken schon, was passiert, sie merken, was mit ihnen passiert, sie merken, was subtil bis offen angesagt ist in den Redaktionen der gesellschaftspolitisch relevanten Medien; eben auch bei der taz. Die Auseinandersetzungen in den Medien selbst, zwischen einzelnen JournalistInnen dort werden möglicherweise zunehmen, immer seltener unter der Decke gehalten werden können.

Leser/Wählerbashing ist da noch die einfachste Übung ...

Ich kann mich da nur dem TLACUACHE anschließen, auf den aktuellen Blog von Achtermann verweisen und hier den Platz räumen.

Charlie Schulze 21.11.2016 | 18:37

Der Diskurs ist übrigens nicht nur so ein Bildungseliten-Nischen-Ding, sondern läuft auch anderswo und niedrigschwelliger:

Zum viral-Hit "President Trump- How & Why" der off -record-Reporter- Kunstfigur Jonathan Pie ("the left are responsable for this result!") gibt es nun auch eine (authentische) Gegenrede, die ein wenig Differenzierung in das catchy Geschimpfe bringt:

"Jonathan Pie was right ............ BUT!"

Magda 21.11.2016 | 20:00

niemals mit einem Taxifahrer ein Bier oder mit einem Russen oder Polen Wodka trinken - aber auf weiß-gebleichte Zähne Wert legen, als wäre dies das progressive Etikett des Zeitgeistes - nur huch und hach - selbst das Lächeln wird trainiert, wenn nicht gerade der Zeigefinger die Hauptaktion übernimmt.

Sie beobachten Sachen, also nee. Ich kenne ne Menge Geistesschaffende, die hin und wieder auf Gespräche mit dem Taxifahrer verweisen, wenn sie "Volkes Stimme" ins Spiel bringen wollen. Das kommt mir nun wieder reichlich abgehoben vor. Weiß-gebleichte Zähne - wo gucken Sie denn Fernsehen?Bei den "Geissens" wahrscheinlich.

Außerdem: den "Zeigefinger" sehe ich im Moment eher bei Ihnen. Falscher Ehrgeiz, wenn man die "Intellektuellen" intellektuell überholen will. Da kann nur Schwachsinn bei rauskommen.

Mantis 21.11.2016 | 20:04

Richtig. Das, was einige Linke zugunsten einer intensivierten Anti-Haltung fallengelassen zu haben scheinen, beinhaltet nicht zuletzt die internationale Solidarität. Man agitiert lieber gegen (reale oder fiktive) "Eliten", anstatt sich für die Menschen stark zu machen, die sich tatsächlich und bereits seit Jahren für die "Elenden" des globalisierten Zeitalters einsetzen (zu denen eben auch nationale, ethnische, religiöse etc. Minderheiten zählen) und der Präsidentschaft von Trump mit m. E. berechtigter Sorge entgegensehen. Ob es mit Clinton besser aussähe, ist dabei irrelevant.

Aus einer eurozentrischen Sichtweise mögen die Betonung der (immer noch unklaren) außenpolitischen Agenda Trumps und das Ausblenden seiner innenpolitischen Vorhaben durchaus sinnvoll sein. Ein derartiges Kalkül sollte jedoch niemals mit linker Politik identifiziert werden.

Wahlen sind eben nicht alles. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auch ohne parlamentarische Mehrheit für benachteiligte, vergessene Menschen und gegen ungerechte gesellschaftliche Zustände einzusetzen. Würde ein größerer Teil jener Menschen, die den gegenwärtigen Verhältnissen in der Welt kritisch gegenüberstehen, einen kleinen Teil dieser Möglichkeiten in Anspruch nehmen, fiele es den vielen Trumps womöglich nicht mehr so leicht, sich als tatsächliche, alternativlose Alternative zu präsentieren.

miauxx 21.11.2016 | 20:41

Jetzt dachte ich, ich hätte das US-Wahlsystem mal halbwegs verstanden ... So eben, dass - mit Ausnahme von zwei-drei Staaten - das "winner-takes-it-all" -Prinzip herrsche. Also alle Wahlmänner eines Staates nehmen das Mehrheitsvotum der popular-votes mit nach Washington und die Stimmen mit dem geringeren Anteil fallen unter den Tisch. So meinte ich, dass die Wahlmänner gebunden sind und nicht individuell entscheiden können.

Daneben finde ich es trotzdem sehr schräg, dass es bereits einen 'president-elect' gibt, der als der Kommende anerkannt wird, erste Übergabegespräche im Weissen Haus hat, sein Kabinett zusammenstellt usw. und zwar bevor er offiziell von den Wahlmännern gewählt wurde - selbst wenn das nur eine Formalie wäre.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 20:48

Ich wiederspreche Ihnen ueberhaupt nicht Mantis, WOW:

..."Wahlen sind eben nicht alles. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich auch ohne parlamentarische Mehrheit für benachteiligte, vergessene Menschen und gegen ungerechte gesellschaftliche Zustände einzusetzen. Würde ein größerer Teil jener Menschen, die den gegenwärtigen Verhältnissen in der Welt kritisch gegenüberstehen, einen kleinen Teil dieser Möglichkeiten in Anspruch nehmen, fiele es den vielen Trumps womöglich nicht mehr so leicht, sich als tatsächliche, alternativlose Alternative zu präsentieren"...

Sie Gutmensch Sie.

Eine bessere Quadratur des Kreises kann ich mir UEBERHAUPT nicht vorstellen:

OXFAM 2016:

..."Soziale Ungleichheit hat einen neuen Höchststand erreicht: Die reichsten 62 Personen besitzen mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammengenommen.

Dabei spielen Steueroasen eine wichtige Rolle: Dort schlummert ein ungeheures Vermögen. Jedes Jahr entgehen allein Entwicklungsländern laut Schätzungen 100 Milliarden US-Dollar durch Steuervermeidung multinationaler Konzerne.

Dieses Geld wird dringend für Investitionen in Bildung und Gesundheit benötigt! Bildung und Gesundheit sind entscheidende Triebfedern zur Überwindung von Ungleichheit und Armut"...

Und da kommen die Rechten ins Spiel, die "Populisten", die "Extremen", oder wie du sie immer nennen willst.

Ich gehe jetzt mal ausserparlamentarisch fuer den armen Schlucker nebenan Sammeln, das hilft bestimmt...

Gunnar Jeschke 21.11.2016 | 21:03

was eine Fehleinschätzung dessen, was Intellektualität ist

Das trifft es wohl. Intellektualität und mit beiden Beinen im Leben zu stehen, schliessen sich nämlich nicht aus, im Gegenteil. Intellektualität, die nur noch in intellektuellen Kreisen verkehrt, ist notwendig unfruchtbar, irrelevant.

Der Artikel verfehlt das Thema: Als ob es darum ginge, wie die einen Intellektuellen (denn nur solche lesen hier mit, ob mit oder ohne formellen Bildungsabschluss) die anderen sehen.

Demokratie ist ein Spiel, in dem Mehrheiten entscheiden. Für die Diskurse, welche die Autorin für wichtig hält, interessiert sich nur eine verschwindend kleine Minderheit. Mit Wahlausgängen hat das nichts zu tun.

Mit politischen Möglichkeiten auch nicht. Nichts, was in diesen Kreisen gedacht wird, ist politisch umsetzbar, denn man weiss dort gar nichts vom Leben der Menschen, die man beglücken will. Das auch jetzt noch nicht erkannt zu haben, muss kein Zeichen mangelnder Intelligenz sein, aber ein Zeichen unsauberen Denkens ist es schon.

Gunnar Jeschke 21.11.2016 | 21:10

Und keine Angst: um etwas richtig kaputt zu machen braucht es Zeit und harte Arbeit.

Wie kommen Sie darauf? Ich habe das Experiment gerade gemacht. Ein Schlag mit dem Vorschlaghammer und die Rolex war richtig kaputt. Harte Arbeit ist etwas Anderes.

(Gut, das war gelogen. Weder hatte ich eine Rolex, noch einen Vorschlaghammer im Haus. Sehen Sie es als Gedankenexperiment. Etwas Komplexes richtig kaputt zu machen ist relativ einfach und geht relativ schnell, zumindest verglichen mit der Zeit und Mühe, die es gebraucht hat, das Komplexe aufzubauen).

Ursus 21.11.2016 | 21:15

genau, und alle tun so, als sei er bereits der gewählte Präsident.

Das liegt vermutlich daran, dass es in der Vergangenheit immer nach Plan abgelaufen ist, obwohl rein faktisch erst die Stimmabgabe der Wahlmänner die eigentliche Wahl darstellt und nicht die der Wahlberechtigten.

In einigen Staaten sind die Wahlmänner an die Parteiraison gebunden, die sollten dann den Kandidaten wählen, der in dem Staat die Mehrheit erhielt. Wenn sie es nicht tun, können Sie mit einer Geldstrafe belegt werden, was sie natürlich davon abhält, abweichend zu wählen.

Einige Trump-Gegner haben jetzt den Wahlmännern die Übernahme der Strafe und Gebühren angeboten, falls Sie Hillary Clinton und nicht Trump wählen. Auch das ist erlaubt und entspricht demokratisch legitimierter Einflussnahme.

In den anderen Staaten sind die Wahlmänner lediglich ihrem Gewissen unterworfen, aber wie bei unseren Abgeordneten unterwerfen sich auch da die meisten der Parteiraison, obwohl sie straffrei anders entscheiden können.

Man darf also gespannt sein, was am 19. Dezember passiert, zumindest stirbt erst dann die Hoffnung, falls Trump gewählt wird.

Ich würde mich über eine Sensation sehr freuen.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 21:18

Tja, sie mag Schnittblumen, ich ziehe Schnittlauch vor.

Keine Ahnung wie viel Menschen verhungern, damit Schnittblumen genug für kaufkräftige Schnittblumenliebhaber vorrätig - jederzeit vorrätig - sind, mehr als 100 täglich sicher!

Aber was soll´s, Hauptsache der gebildete, erfolgreiche Oberklassemensch hat seinen Spaß!

Mal sehen, vielleicht wird ja Müllhalde in Berlin aufgeschüttet und da die Autorin schon auf den Fünfziger zugeht, darf sie in Berlin bleiben.

So wie viele andere hier ebenfalls - die wohl noch einiges älter sind, somit noch länger als willige Diener herumgemosert, aber immer brav und untertänig mitgeschleimt haben.

Jetzt im Spätherbst geht die Sonne nicht selten als glühender Glastropfen in einen pazifischen Archipel ein, tropft förmlich in den scharlachroten Abendhimmel, dabei liegt im Osten das Grau der schleichenden Leichen und windet sich im eigenen Ekel.

Keine Ahnung warum ich diese Worte hier ablade, ich mach es einfach so, einfach weil mir gerade danach ist und Leute - geht morgen ja wieder brav in die Konsumzonen und gebt Geld aus, dafür lebt ihr - ansonsten seid ihr völlig belanglos!

Sikkimoto 21.11.2016 | 21:20

>Ob es mit Clinton besser aussähe, ist dabei irrelevant.<

Nein. Es ist eben nicht egal. Es sei denn man wohnt gut abgekapselt von der Welt in einem Elfenbeinturm.

Wenn man keine Trumps will, darf man keine Clintons in Rennen schicken. Was sich so auch wunderbar auf die Situation in anderen Ländern übertragen lässt.

Wenn in Frankreich Fillon gegen LePen antritt wird es sogar noch bizarrer/ekelerregender. Und ja, dazu wäre es nie gekommen, hätten sich die sogenanten Sozialisten nicht völlig überflüssig gemacht.

miauxx 21.11.2016 | 21:24

Stimmt wohl. Vielleicht sind es gerade Komposita wie "linksliberal", die einen stutzen machen müssten. "Linksliberal" will wohl eben nicht nach Kommunismus klingen und zieht sich daher die Liberalität mit hinein. (Vermutlich kommt die Vokabel aus dem Anlo-Raum ...) Und ja, das Wischi-waschi wird gerade jetzt manifest, wo eben alles linksliberal sei, was nicht Trump sei. Für Pluralität sein und sich als Antirassist begreifen kann problemlos der größte wirtschaftsliberale Asoziale. Der frisst vielleicht auch selbst nur Bio, während er tagsüber am Rechner mit Lebensmitteln oder anderen Ressourcen spekuliert. Er ist ein Liberaler; ein Wirtschaftskurs, wie ihn Trump propagiert(e) - abegesehen von den Steuererleichterungen -, kann ihm nur ein Dorn im Auge sein. Aber auch der sei nun vor lauter - berechtigter - Rechtsdiktatorenpanik in US und Europa sowieso schon so etwas wie ein "Linksliberaler". In etwa so linksliberal, wie der/das Genderforscherx, dass sich zwar tagsüber furchtbar um Identitätstheorie bemüht und darauf ebenso korrekt einkaufen geht, an sich aber mit dem prekär beschäftigten Lagerarbeiter bei amazon nicht oder nie einen echten Berührungspunkt hat und auch nicht wirklich haben will. Ja, die beiden zusammen seien nun die geliebte liberale Welt, die uns abhanden zu kommen scheint. Klingt komisch? Ja - aber derzeit sieht es doch stimmungsmäßig so aus.

Es ist zwar ein altes und ausgeleiertes Lied: Aber eine Linke muss sich als links bestimmen. Kein Firlefanz wie "linksliberal" oder "im Zweifel links". Nicht intellektualisiert abseits der sozialen Frage aber auch nicht entintellektualisiert, wie ihr nun der Strick aus dem Trump Erfolg gedreht werden soll.

Kullmanns Artikel ist sehr klug und richtig und tat not!

Sikkimoto 21.11.2016 | 21:31

Ja, diese Kluft besteht, ohne dass das so einfach zu benennen wäre.

Ich fand Kullmanns Artikel nicht gut. Er bemüht "Klassenkampf" als Floskel, dazu noch gegen Trump. So als sei Clinton eine Sozialrevolutionärin gewesen. Umgekehrt werden Rechte Kommentatoren in den deutschen MSM mit Trump in einen Topf gerührt. Es wird versucht, eine Frontlinie zu ziehen, die einfach nicht auf die US-Wahl passt.

miauxx 21.11.2016 | 21:34

Aha, danke für die Erläuterungen.

"Man darf also gespannt sein, was am 19. Dezember passiert, zumindest stirbt erst dann die Hoffnung, falls Trump gewählt wird.

Ich würde mich über eine Sensation sehr freuen."

Naja, ob das wirklich spannend wird ... Auch wenn Trump-Gegner Strafzahlungen von Wahlmännern begleichen wollen u.ä. Darum allein geht es doch nicht, da geht es auch um deinen Ruf, um Integrität usw. - was du mit Geld halt nicht kaufen kannst (selbst in den USA nicht oder nicht immer).

Für mich war es sowieso nur eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine mögliche Sensation könnte oder sollte vielleicht höchstens dazu dienen, die Unmöglichkeit dieses antiquierten Wahlsystems einmal aufzuzeigen. In Zeiten des Internets wählen die noch wie im 18. Jh.

Gunnar Jeschke 21.11.2016 | 21:48

Schuld – um das mal als allererstes festzustellen – sind die Idioten und Idiotinnen, die dieses Wahlfiasko via Stimmzettel angerichtet haben.

Das scheint mir ein gedanklicher Kurzschluss zu sein. Für diese Leute stellt sich gar keine Schuldfrage, denn sie wollten ja das Ergebnis, das sie bekommen haben. Für diese ist es also auch kein Fiasko.

Denen gegenüber können sie auch keine Schuldfrage diskutieren, denn es steht ihnen zu, unter den gesetzlich zugelassenen Kandidaten und Kandidatinnen, den- oder diejenige zu wählen, den oder die sie als Präsident(in) sehen wollen. Dieses Verfahren bezeichnet man als demokratische Wahl.

Ich muss die Wahl dieser Leute nicht für richtig halten, um zu erkennen, dass sie unbedingt ein Recht auf eine Wahl nach ihrem Gusto haben. Daraus folgt, dass von Schuld keine Rede sein kann.

Wenn Sie annehmen, dass in diesem Fall überhaupt von "Schuld" gesprochen werden kann, so kann bei einer Teilgruppe derjenigen liegen, die sich einen anderen Wahlausgang gewünscht hätten.

sch123 21.11.2016 | 21:55

Guter Artikel.

In dieser Debatte geht aber auch gehörig was durcheinander. Grundsätzlich finde ich erstmal das in Mode kommende "Intelligenzia"-Bashing gefährlich aber auch merkwürdig. Natürlich wirken viele Akademiker herablassend, insbesondere wenn man das so wahrnehmen will. Schon der Student im ersten Semester hält sich für etwas Besseres und Schlaueres, genauso hält sich aber der Meister für etwas besseres als der Geselle und der als der Lehrling, der Dauerkartenbesitzer als der Stadionbesucher, der Forist mit einem wikipedia-Artikel Wissensvorsprung wähnt sich überlegen etc...pp... und freilich blickt auch der Wutbürger auf die naiven Gutmenschen herab, die die Lage nicht peilen und auf die weltfremden Akademiker ohnehin, wenn sie denn "links" sind... Der Vorwurf der herablassenden Linken ist also schonmal albern, in jeder Gruppe gibt es herablassende Menschen. Wer meint, das gäbe es bei der rechten "Intelligenzia" nicht, kann ja gerne mal Achse des Guten, Fleischhauer, FAZ etc lesen, die Unterschichten-Bashing auch wunderbar können.

Die Gleichsetzung links = intelligent mag zwar tendenziell stimmen, aber natürlich gibt es auch rechte und rechtskonservative, zumindest ganz und gar nicht linke, Intellektuelle und Akademiker (man möge mal Gender- oder Veganismus-Debatten mit Naturwissenschaftlern oder Maschinenbauern z.B. starten, von BWL, Jura etc ganz zu schweigen) und der "kleine Mann", für den sich die Rechten so gerne ins Zeug legen bis hinauf zu den Leitartiklern, wenn es um Wahlen geht (der freilich wieder der "Dumme" ist, wenn er mal wieder nicht versteht, warum es für ihn nicht so viel vom Kuchen gibt), ist keinesfalls so rechts und vernagelt, wie das vielstimmige Forengekrähe der Wutbürger so erscheinen lässt.

S. z.B. aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Von den vielen kleinen Männern und Frauen, die ich kenne, findet niemand Trump/AfD/Pegida etc. auch nur ansatzweise gut. Dazu muss man nämlich nicht studiert haben zu erkennen, dass die weder inhaltlich noch moralisch viel zu bieten haben.

Hinzu kommt noch die begriffliche Verwirrung, wenn allenthalben die rechtspopulistische Vorlage übernommen wird, dass jeder Widersprechende als "links" bezeichnet wird, während Menschen, die ich wirklich der "linken" Szene zurechnen würde schon die Grünen als widerliche Systempartei ansehen. Kurz, es sind alles Kampfbegriffe, Wir-gegen-die-Rethorik, die von den Rechten im Diskurs geschickt eingesetzt wird. Die Linken sind dann wahlweise das böse Establishment, oder die versifften Steinewerfer, Sozialromantiker und Hartz-4 Asis, faulen Studenten, blablabla

Hinterfragt man die Phrasendrescherei wirds regelmäßig schnell dünn...

Richard Zietz 21.11.2016 | 21:55

»Ich denke das kann man auf eine Definitionsfrage herunterbrechen: Wer sind diese "Linksliberalen" oder gar "Intellektuellen"?

Und da sich jeder etwas eigenes darunter definiert, kann man dann wunderbar aneinander vorbeireden.«

Kann man relativ einfach.

Linksliberal = die Praktikantin, die in der Haifisch-Anwaltskanzlei die Akten-Zuarbeit macht, den Kaffee kocht und dem Senior-Chief eventuell gar die Nudel poliert, damit er sie nicht rausschmeißt. Neoliberale Elite = der Seniorchief besagter Kanzlei, der mit seinen Klientenfreunden von Waffenschmiede XY in Hinterzimmern politische Kungelpläne schmiedet und mit diesen zusammen schweinische (in heutiger Terminologie: sexistische) Witze reißt. Linksliberal, Beispiel zwo = der frei beschäftigte Webdesign-Freelancer, neoliberale Elite = Zuckerberg, Gates. Linksliberal auf höherem Niveau = Sascha Lobo, Jakob Augstein. Neoliberale Elite = Hillary Clinton.

Ich glaube, wer die Unterschiede zwischen einem bestimmten (klein-)bildungsbürgerlichen Milieu auf der einen Seite und den Top-Entscheidungsträgern und Grandseigneuren auf der anderen Seite nicht erkennt, hat entweder Probleme mit den Augen. Oder eines im Kopf.

sch123 21.11.2016 | 22:04

Und wenn man mal erheben würde, wer sich in der Gesellschaft wirklich um die "Abgehängten" kümmert und sich für sie einsetzt, sei es bei den Tafeln, als Gewerkschaftler, Sozialarbeiter, Anwalt für Sozialrecht, in der Flüchtlingshilfe (kleiner Scherz), politisch, würde schnell klar werden, dass das zuallerletzt die Forenpöbler sind, die große Reden von Abgehängten und herablassend Behandelten schwingen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man in diesen Bereichen tendenziell eher eine "linke" Gesinnung findet...

Gunnar Jeschke 21.11.2016 | 22:17

Trump = Hitler ist auch so ein Kurzschluss.Das "programmatische" Buch von Trump ist nicht sonderlich kohärent und nirgends zu Ende gedacht aber Eines ist es ganz gewiss nicht: Eine moderne Version von "Mein Kampf".Es gibt eine Sache, auf die ich tatsächlich eine hohe Wette abschliessen würde, auch mit Ihnen: Es wird unter Trump kein Ermächtigungsgesetz und keine Gleichschaltung oder Abschaffung der Demokratie geben (von Konzentrationslagern auf amerikanischem Boden ganz abgesehen). Wenn mit irgendjemandem, so waren wir mit Cheney/Bush näher an einer solchen Gefahr.Und jetzt kommen Sie bitte wieder herunter.

Richard Zietz 21.11.2016 | 22:30

»Grundsätzlich finde ich erstmal das in Mode kommende "Intelligenzia"-Bashing gefährlich aber auch merkwürdig.«

Um genauer zu sein: Die Chose ist ziemlich vertrackt. Vor allem, wo das in Mode gekommene Arbeiter- und Kleine-Leute Bashing – meine Meinung – ebenso gefährlich und auch merkwürdig ist. Anders gesagt: Wenn man als Antwort auf die (oftmals nur gefühlte oder via Generalannahme gemutmaßte) Xenophobie der unteren nichts anderes in petto hat als die eigene Wohlsituiertheit, die Kraft des silbernen Elternhaus-Löffels erworbene Bildungskompentenz nebst einkömmlichem Job in den Medien sowie die vage Vorstellung, dass man eben »was Besseres« ist und sich allein auskennt mit den Dingen, dann ist etwas faul im Staate Dänemark.

Und dieses »faul« fliegt den Linken / Progressiven / Liberalen etcetera gerade als Bumerang um die Ohren.

Ein eindringliches Beispiel war der Illner-Talk letzte Woche. Die Talk-Runde selbst – es ging um den Trump-Wahlsieg – ist nicht weiter bemerkenswert; wenn etwas bemerkenswert war, dann dass die üblichen Spin-Profis (wie meistens) unter sich waren und sich die Bälle zuparlierten. Ausnahme: die Anwältin und AfD-Politikerin Martina Böswald – ein langjähriges SPD-Mitglied, der die Tricksereien ihrer Ex-Partei bei Renten und beim Kindergeld irgendwann zu blöd geworden waren. Antwort des Agenda-Wahlkampfprofis Frank Stauss auf die Frage von Illner, ob er Ex-Parteimitglieder wie Böswald gern wieder für die SPD zurückgewinnen wolle: Nö.

Und, zack – ich sah sie vor meinem geistigen Auge: Wieder 1000 SPD-Wähler, die der Partei den Rücken kehren und 2000, die aufgrund der Ansage dieses ebenso arroganten wie überbezahlten Medienspin-Einfädelers ohne jeglichen Bezug zur Welt außerhalb seiner Wolkenkuckucksheim-Cloud zur AfD herüberjetten.

Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Die Diskussion, wer wen basht, ist vollkommen müßig. Leute wie Stauss, Illner & Lobo sind es, die der AfD die Leute zutreiben. Weil diese Leute im Grunde für sie nichts weiter sind als Dreck.

Lethe 21.11.2016 | 22:39

und sei es auch nur im Kleinen: als Angry White Man, der es Farbigen, Frauen. Liberalen und sonstwie Anderstickenden nun einmal richtig zeigen kann

Wenn es diesem angry white man in dieser Karikatur der tatsächlichen Verhältnisse wirklich so geben sollte, so ausschließlich giergetrieben, warum war es dann diesen egoistischen, selbstbezogenen und asozialen Halbaffen möglich, geschlossen für Trump zu stimmen, und warum gab es eine vergleichbare Geschlossenheit bei den höheren Wesen - Sie nennen Frauen, Farbige, Liberale und sonstwie Anderstickende - anscheinend nicht? Wieso haben erhebliche Anteile der höheren Wesen genau so für Trump gestimmt wie die Halbaffen?

Ich will es Ihnen sagen: Die Fronten, die hier festgestellt werden, haben mit den amerikanischen Verhältnissen und Problemen nichts zu tun, aber dafür alles mit den Notwendigkeiten linker Welterklärung.

Richard Zietz 21.11.2016 | 22:41

Ich glaube, die Ära Trump wird eine Art Ära Reagan II. Es wird Schutzzölle geben inklusive den damit verbundenen Handelskriegen, Ausstieg aus den Klimaprogrammen; möglicherweise Förderung der eigenen Industrie, daran gekoppelt den ein oder anderen Beschäftigungseffekt. Die Anzahl der Inhalftierten wird weiter ansteigen, ebenso die Diskriminierung auf allen Ebenen. Die Mexiko-Mauer wird er (so) nicht bauen, allerdings wird die Grenze zu einer Art festungsartig bewachten Hürde werden wie zuvor nie.

Die internationalen Turbulenzen sind schwer zu prognostizieren. Sicher bin ich mir nur in einem: Wir werden öfters die Gelegenheit haben, trocken zu schlucken. Darüber hinaus wette ich, dass er die Steuern für Reiche kräftig absenkt und die soziale Schere noch horrornder wird als sie es eh schon ist.

Kein Hitler, wahrscheinlich. Aber eine Katastrophe, die auch ohne brennende Bücher und Vernichtungslager groß genug ist (normale Lager gibt es in den USA bereits).

Also reden Sie (sich) den neuen Präsidenten nur weiter schön.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 22:43

..."Von den vielen kleinen Männern und Frauen, die ich kenne, findet niemand Trump/AfD/Pegida etc. auch nur ansatzweise gut. Dazu muss man nämlich nicht studiert haben zu erkennen, dass die weder inhaltlich noch moralisch viel zu bieten haben"...

Ja es immer wieder schoen zu erkennen das man einen erlesenen, ausgewaehlten Freundes- und Bekanntenkreis hat, dieses hat wiederum nichts mit der Realitaet zu tun.

Magda 21.11.2016 | 22:57

ansonsten seid ihr völlig belanglos!

Sie sollten einfach mal einen richtigen Text ablassen und nicht immer so einen Mist. Und - wenn schon ordentlich geschmäht werden muss - müssten Sie auch mehr Wucht in Ihren Text legen, sonst wirkt er nicht überzeugend, sondern nur noch maulig. Sie haben doch durchaus Talent. Nutzen Sie es, aber brabbeln Sie nicht so ungerichtet gegen alle, die Ihren Weg gerade kreuzen. Sonst denkt man immer an einen bellenden Hund auf dem Dorf.

Von mir aus können Sie die Leute ja vollschimpfen, aber am Ende ist denen das Wurscht, damit sollten Sie sich anfreunden.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2016 | 23:05

..."Also reden Sie (sich) den neuen Präsidenten nur weiter schön"...

Wer? Ich? Lethe? Sonsthierjemand?

Allerdings konnte der Reagan den Chinees noch mit seinen Fluchzeuchtraechern an die Wand druecken, diese Zeiten, und auch die oekonomischen Sachzwaenge zwischen China und den USA sind absolut vorbei, die Putinruestungsindustrie scheint auch an Boden gegenueber den USA-Waffen gewonnen zu haben, alles kein Vergleich mehr zu 1982...

Prinz 21.11.2016 | 23:16

In der Tat, ich hoffe nicht, das irgendwelche Linken zur Wahl gehen, wenn Fillon und LePen zur Wahl stehen. Dann lieber gleich den außerparlamentarischen Widerstand aufbauen egal wer gewinnt man wird ihn brauchen.

Den Kullmann-Artikel fand ich alles in allem gut. Stalin hätte ich nicht zu den Faschisten gezählt. "Roter-Faschismus" ist auch so eine Kalter-Kriegs-Erfindung. Aber das ist Nebensache.

Wichtiger:

Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Sackgasse. Der Werktätige denkt dann, dass er dem Philosophiestudenten seine Selbstverwirklichung erarbeiten soll. Was wohl auch stimmt, wenn man mal sieht wer für das BGE eintritt.
Lieber die gesellschaftliche Arbeit und den gesellschaftlichen Reichtum nach Plan neu verteilen. Arbeit für alle, aber mäßig. 30h Woche müsste bis auf wenige Experten eigentlich sofort möglich sein und das auf relativ hohem Konsumniveau.
Muss man nur eben rational nach Plan ohne Privateigentum und Markt machen.
Insofern schließe ich mit Lob für Kullmann die Linke muss den Klassenkampf ins Zentrum ihrer Agitation stellen. Nur bitte eben nicht als BGE, dass im Kern immernoch einen Versuch darstellt sich den Kapitalismus schön zu machen statt ihn zu überwinden!

sch123 21.11.2016 | 23:27

Sehe ich nicht so. Wer sich von den etablierten Parteien schlecht behandelt fühlt ist ja nicht gezwungen AfD zu wählen. Der könnte genausogut die Linke oder irgendeine Spaßpartei oder gar nicht wählen.

Ich sehe auch die etablierten Parteien kritisch, aber wen ich wähle ist immer noch meine Verantwortung. Eine Wahlentscheidung aus Bockigkeit treffen ist bestenfalls pubertär, da wirds dann schon wieder schwierig mit dem ernstnehmen.

Ich glaube AfD Wähler fühlen sich von der allgemeinen Tonlage angesprochen: wir-die ... Rethorik, die schon seit tausenden Jahren immer wieder funktioniert. Und man hört halt lieber, dass man selber der ehrliche Arbeiter ist und allen anderen Schuld an der eigenen Misere und der der Welt als ständig diese Kritik am eigenen Lebenswandel und Apelle an die Eigenverantwortung. Letztlich ist es doch ein Ego-Ding.

Anelim Aksnesej 21.11.2016 | 23:38

Vielleicht ist meine Beschreibung jetzt weit hergeholt-nun denn-hier in meinem Wohnort habe ich erleben müssen(lag auf meinem Nachhauseweg),daß ,,Heimatverbundene``- Pegidaanhänger selbst verfasste Gedichte zitierten ala Angst um die Heimat usw.,ein paar Statistiken anführten und Zuhörer hatten.Liege ich falsch,wenn Journalisten bestrebt sind,das was nicht geht herunterzureden in einer arroganten Sprache ohne den Zweibeinern auf`s Maul zu schauen,dann geht es so wie in den USA?Mir ist einfach nur bange,was für Pseudoparteien hier noch so gebildet werden,die dann auch Erfolg haben.In einem DLF-Interview sagte eine Frau,daß sie mit Islamisten geredet hatte aber es war Zeitverschwendung,weil diese Männer nicht zuhören wollen,können und ein Gespräch gar nicht möglich war.Es gibt Menschen,mit denen wohl Journalisten auch nicht reden können,obwohl die Gesprächsinhalte wichtig wären,auseinandergenommen zu werden.Die große Bühne muß man ihnen nicht geben,da reicht schon das Internet.Rethorisch auseinandernehmen-das meine ich,ist wohl eine schwere Kunst.Wieso sind in einer so stark gegliederten Gesellschaft wie den USA,die entscheidenden Landstriche nicht beachtet worden.Weil nicht sein kann,was nicht sein darf?Schellenhuber, habe ich heute im Radio Eins gehört,hat auch der SPD heute gesagt,nicht mehr an der Kohleverstromung und den Arbeitsplätzen festzuhalten.Für mich heißt das,sie sollen endlich Klartext reden.Da ist eine Aussage wegen der neuen Arbeitsplätze endlich angebracht,die geschaffen werden müssen.Ich höre nichts dazu.Und in Bezug zur USA denke ich,Trump will so viele Illegale ausweisen,hat der sich erkundigt,ob die Prekarianer dann deren Job machen wollen?

sch123 21.11.2016 | 23:44

Hä? Mein Freundeskreis hat nichts mit "der Realität" zu tun? Mit meiner schon.

Und mir ging es nicht darum, dass ich oder mein Freundes-/ Bekanntenkreis "etwas Besseres" sind, wie Sie unterstellen wollen, sondern dass es sich um einen recht repräsentativen Schnitt durch die Gesellschaft handelt..."den kleinen Mann" sozusagen. Der weder zu dumm ist zu erkennen was ein Nazi oder ein Rechtspopulist ist, noch aus Bockigkeit solche wählt.

Freilich mögen Nazis in meinem Freundeskreis unterrepräsentiert sein, ich weiß ja nicht wie Sie das halten, aber das ist ja nun Geschmackssache. Deswegen halte ich mich nicht für moralisch überlegen - keine Sorge.

Und mir laufen auch Menschen über den Weg, die mit rechtem Gedankengut mehr oder weniger offen sympathisieren, aber prozentual sind die weder "das Volk" noch "der kleine Mann" noch "die Abgehängten" noch "wir" noch "die Realität"...

Diese Mythen, die Rechtspopulisten gerne etablieren wollen, muss man nicht auch noch reproduzieren...

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 00:16

..."Stalin hätte ich nicht zu den Faschisten gezählt. "Roter-Faschismus" ist auch so eine Kalter-Kriegs-Erfindung"...

Was ist der denn, der Stalin?

Kermit der Frosch?

Die Sendung mit der Maus?

Sesamstrasse?

..."Zwischen dem Beginn der "Zweiten Revolution" und 1953, dem Todesjahr Stalins, gingen rund 18 Millionen Menschen durch den Gulag; weitere sechs Millionen wurden als "Sondersiedler" ins Exil geschickt. Auf seinem Höhepunkt 1950 gehörten mehr als sechs Millionen einem Teil des weitläufigen "Archipels Gulag" an. Die Zahl der Toten in der Zeit zwischen 1934, als mit den Aufzeichnungen begonnen wurde, und 1953 betrug über eine Million; die meisten starben an Unterkühlung, Überarbeitung oder Hunger"...

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 00:28

Dann schauen wir uns mal diese neuen Zahlen an, frisch vom Baecker:

http://www.tagesspiegel.de/politik/mitte-studie-der-friedrich-ebert-stiftung-afd-und-ihre-anhaenger-werden-immer-radikaler/14870324.html

...""Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" - 34,7 Prozent der Deutschen stimmen diesem Satz eher oder voll und ganz zu. Ebenso viele sagen: "Es leben zu viele Ausländer in Deutschland". 15 Prozent fordern einen Zuwanderungsstopp für Muslime"...

Etwas genauer:

https://www.fes.de/de/gespaltene-mitte-rechtsextreme-einstellungen-2016/

Da freuen wir uns doch mit allen Bekannten und Freunden die man nicht so hat, interessanter werden allerdings die Zahlen der naechsten und uebernaechsten Bundestagswahlen.

Ich finde jeder hat seinen Trump verdient.

Richard Zietz 22.11.2016 | 00:41

Das war mal wieder die Mutter der Nicht-Antworten beziehungsweise des allgemeinen Bla-Blas.

Sicher steht es Ihnen frei, die neoliberale Selbstverantwortungsethik aufzufahren und mit Hilfe dieser zu konstatieren, dass diese Leute sich eben aus der Verantwortung stehlen.

Ein Punkt, über den man trefflich diskutieren kann – bis Ultimo, nach dem Motto: Wer war zuerst da – die Henne oder das Ei? Ich habe Ihnen ein konkretes Beispiel geliefert: eine Frau, die langjährig in der SPD aktiv war, aber an deren Tricksereien zuungunsten der sozial Schwachen offensichtlich verzweifelt ist und nunmehr bei der falschen Partei gelandet. Und die von einem Funktionstechnokraten der herrschenden Klasse ohne Grund abgefertigt wurde nach dem Motto: Selbst wenn du wieder zurück möchtest zu uns, wollen wir dich nicht mehr, hol dir dann mal lieber den Strick.

Sie mit Ihrem Verantwortungsethik finden derart kaltschnäuziges Von-oben-herab-Verhalten offensichtlich völlig okay. Praktischen Fragen – dass »diesen Leute« Ihre Verantwortungsethik egal ist und sie Ihnen ganz real, im echten Leben zeigen, wo der Wähler und die Wählerin ihr Kreuzchen machen – brauchen Sie sich mit dieser Art Diskurs nicht mehr zu stellen (warum auch: Sie gehören – für Sie offensichtlich das Allerwichtigste überhaupt – zu »den Guten™«). Stauss hat es nicht einmal gebracht, taktisch zu reagieren. Wichtiger in dem Moment war es ihm, seine Verachtung zu zelebrieren – exakt die Sorte Exklusion, für die er und die Elite, für die er steht, mittlerweile bis aufs Blut gehasst werden.

Ja – es ist richtig: »die« Intellektuellen oder Linksliberalen oder Gebildeten waren an dem Unfall Trump nicht schuld. Wie weiter oben bereits ausgeführt, sollte man linksliberales Bildungsbürgertum und Eliten nicht miteinander verwechseln – da liegen eine Reihe Aufzugsetagen dazwischen. Ebenso kann die Erkenntnis, dass »die Richtigen« den Falschen gewählt haben, nicht zu dem Schluss führen, dass der Falsche womöglich der Richtige ist (ein gedanklicher Kurzschluss, der in der dFC gerade letzter Schrei zu sein scheint). Ebenso wie man lechts und rinks nicht verwechsern sollte, bin ich allerdings der Meinung, dass »Proletenbashing« nicht nur eine ziemlich bescheidene Haltung ist, sondern auch strategisch eine, welche die Linke nur weiter ins gesellschaftliche Abseits führen kann. Ebenso wie die (auschließliche oder weitgehende) Fokussierung auf Themen, die gemeinhin mit dem Begriff »Identitätspolitik« umschrieben werden.

Ich denke, der Ausgangsartikel ist mit seinen Überlegungen da bereits weiter als Sie.

sch123 22.11.2016 | 00:49

Das sind dann auch 85 Prozent, die das nicht fordern. Oder 86 % die Kriegsflüchtlinge prinzipiell aufnehmen wollen.

Ich will das Problem der erstarkenden Rechten nicht kleinreden, aber ich will auch nicht hinnehmen, dass der Diskurs mit rechtspopulistischen Mythen (weiterhin) gekapert wird.

Und was die BW betrifft, was ist denn Ihre Strategie um dem Übel entgegenzuwirken, das Sie herannahen sehen? Kommt dann noch mehr als ein: "jeder hat seinen Trump verdient"?

Richard Zietz 22.11.2016 | 00:56

Hi. Heißt du seit Kurzem Lethe? Oder Jeschke?

Ansonsten: Reagan hat man auch gern unterschätzt als Cowboy-Dumpfbacke, den er zwischenzeitlich ganz gern gegeben hat (à la »In fünf Minuten wird die UdSSR atomar eingeäschert«). Insgesamt fällt das Oeuvre jedoch beachtlich aus: Sowjets totgerüstet, drei Kriege in Mittelamerika gewonnen, den Anti Drug War auf den Weg gebracht und, überhaupt das Beste: den Neoliberalismus als neue Herrschaftsordnung etabliert.

Bei Trump bin ich bescheidener. Die Chinesen wird er nicht totrüsten. Allerdings dürften sonst außenpolitisch ein paar Überraschungen der unangenehmen Art drin sein. Falls er nicht total ausrastet, weil Putin ihn als gleichwertigen Macho nicht akzeptiert und über den Tisch zieht. Und der Trumpster mit hochrotem Kopf, Schlüssel in der Hand, in den White-House-Keller stürzt, vor sich hin sabbert »DIE MACH ICH PLATT !!«, den letzten General vor den Knöpfen mit Resthirn in der Birne beiseite stößt und via Knopfdruck das Grande Finale einläutet.

Ob der Trump selbigen Tag überlebt, weiß ich nicht. Allerdings wären die Chancen groß, dass er am Day After tatsächlich der reichste Mann der Welt ist.

sch123 22.11.2016 | 01:03

Nun machen Sie mal halblang. Weder finde ich von-oben-herab, noch Unterbashing völlig okay. Weiß nicht, wo Sie das herauslesen.

Und was soll daran neoliberale Verantwortungsethik sein, wenn ich fordere, dass man Menschen mit ihren politischen Entscheidungen ernst nimmt? Neoliberale Verantwortungsethik ist: Du bist selbst schuld an Deiner Armut/mangelnden Bildung/Deiner "Abgehängtheit"...

Ihre Haltung ist doch die eigentlich herablassende. Sie sagen quasi man soll es den armen Leuten durchgehen lassen, dass sie verantwortungslose Wahlentscheidungen treffen, weil sie ja mies behandelt wurden und abgehängt sind. Das heißt, sie behandeln diese Menschen wie unmündige bockige Kleinkinder, mit denen man Nachsicht und Mitleid haben muss.

Zum ernstgenommen werden gehört auch, dass man für seine Entscheidungen kritisiert wird. Und Trump-Wähler sind nicht nur "die Richtigen", die "den Falschen" gewählt haben. Auch das ist eine ganz schön herablassende Aussage...

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 01:24

..."Ich empfehle einmal die Woche mäßigend in SpOn-Foren diskutieren zu aktuellen politischen Themen"...

Och Jau, Sie Tipgeber, Danke.

In Spon -Foren habe ich geschraeddert, so ca. vor gefuehlten 10 Jahren,

nebenbei,

ich habe mir den Spiegel als er noch gut war ab 1979 jeden Montag 0.01 Uhr an der Tankstelle geholt, und zwar in Papierform.

Als Schroeder dann der Genosse der Bosse wurde hatte der Spiegel sehr stark abgebaut.

..."Aber glauben Sie wirklich die Menschen waren vor 50/100 Jahren im Durchschnitt gebildeter? Abgesehen von den 70er Jahren evtl. bezweifle ich das stark"...

Nooee, aber er wurde nicht mit so viel Informationsmuell und Werbung zugeballert wie heute, man hatte etwas Zeit sich Gedanken zu machen, das machen viele ja heute nicht mehr wie man z.B. an der Trump - Wahl sehen kann.

Ich war 1989 6 Monate in den USA und dachte damals "Au Weia, wir haben jetzt erst 5 Jahre Privatfernsehen in Deutschland, in den USA waren es damals schon fast 50 Jahre, wie sieht das mit der politischen Bildung in Deutschland in 20 Jahren aus" (Also 2009), nun, 2016 kam in McPomm die Afd auf 21%,

nicht das ich vorher etwas gesagt haette, nicht wahr?

sch123 22.11.2016 | 01:32

Ach bitte, jetzt wird's aber albern.

Was legen Sie denn für Maßstäbe an an ihre Mitmenschen? Jetzt kann man alles durchgehen lassen, weil sie ja von oben herab behandelt wurden oder sich so fühlen? Rassismus ok? Sexismus ok? Rechte wählen ok? Flüchtlingsheime anzünden, auch noch ok? Ausländer jagen? Morddrohungen an Politiker und ihre Familien? Wie weit reicht denn ihr gnädiges Verständnis mit "den Richtigen"?

Sie nehmen einfach nicht zur Kenntnis, dass Viele Trump gewählt haben einfach weil sie seinen Rassismus, seine Großkotzigkeit etc. sexy fanden. Übrigens auch viele ganz und gar nicht Abgehängte. Und ich will weder jeden AfD-Anhänger stigmatisieren noch exkludieren. Aber meine Meinung darf ich ihm wohl noch sagen ohne dass mir Unterschichtenbashing unterstellt wird?

mymind 22.11.2016 | 05:46

Der Vergleich Trump mit Reagan ist bzgl. der intellektuellen Kompetenz sicherlich angebracht, politisch eher weniger. Reagan war ein ideologisches Produkt der KaltenKriegsDenke Kapitalismus vs. Sozialismus, in der Trump insofern nicht verhaftet ist, da er schon mitgekriegt hat, dass Russland kein Nachfolgestaat der UDSSR ist, inbegriffen des politischen Systems. Das hätte Reagan heutzutage auch begriffen, die Frage ist allerdings ob seine Russophobie so weit reichen würde, auf Unterstützung von islamistischen Extremisten zu verzichten, um Russland nach wie vor zu schaden. Trump ist weniger russophob als islamophob, insofern hängt der Spielraum seiner Außenpolitik maßgeblich von dem Personal wie Zuflüsterer ab, der in seinem Umfeld platziert wird.

Falls er nicht total ausrastet, weil Putin ihn als gleichwertigen Macho nicht akzeptiert und über den Tisch zieht.

Diese & ähnliche Wortwahl wie Einschätzung habe ich in den vergangenen Monaten oft gehört wie gelesen – insgesamt klingt das immer sehr infantil konstruiert. Die Auseinandersetzungen um politische Interessen können zwar (leider) mit Pokern verglichen werden, wo jemand über den Tisch gezogen wird, allerdings gehören mdst. 2 dazu, die diese Ambition haben. I.Ü. spielt Putin lieber Schach…;-)

Ich sehe das Konfrontationspotential zwischen Trump & Putin vielmehr darin, dass Trump einen Spalt zwischen China & RU forcieren wird. Viele Regierungen beider Staaten waren sich über einen sehr langen Zeitraum alles andere als wohlgesonnen. Das beiderseits mangelnde Vertrauen wie Interesse aneinander wurde erst durch Putin in eine Richtung gelenkt, die durch Kooperation in kulturellen, wirtschaftlichen wie militärischen Bereichen geprägt ist, nicht zuletzt angesichts der westlichen Bedrohung, die beide Staaten & ihre Bürger betrifft. (Die meisten russischen Bürger empfinden sich zwar eher dem europäischen kulturellen, religiösen, gesellschaftlichen Kreis näher _ doch fühlen sie sich dort immer weniger angenommen, was zu einer Abgrenzung führt als auch Öffnung ggü. fremderer Kulturen in benachbarten Gebieten.)

Im Grunde kann es weder im Interesse Russlands noch Chinas sein, sich mit USA auf Kosten des anderen zu verbünden. Beide haben in den vergangenen Jahrzehnten erfahren, wie wenig sich eine selbsternannte Supermacht an Vereinbarungen, der UN-Charta, UN-Resolutionen uvm. hält, was u.a. auch an einer inkohärenten Machtstruktur innerhalb der USA liegen mag _ wie auch immer, es wurden entsprechende Konsequenzen daraus gezogen. Ich hoffe sehr, dass weder Putin noch Xi Jinping in die Falle des Ausspielens gegeneinander tappen _ im Grunde kann ich mir das auch nicht bei diesen tatsächlich intellektuellen Repräsentanten vorstellen.

Vorstellbar ist ein Angebot an Trump sich die Einflusszonen weltweit aufzuteilen, genauso vorstellbar, dass Trump persönlich darin einen fairen Deal erkennt _ letzteres natürlich unter dem Vorbehalt, dass seine Hauptwirker mitspielen & wenig Hoffnung am Irrsinn des RotenKnopfDesasters pflegen. Haben die denn nicht kapiert, dass im Falle der atomaren Zerstörung der russischen Machtzentrale China geographisch viel näher an den wertvollen russischen Ressourcen liegt & diese mit Sicherheit nicht den US-AMIS überlassen wird?

Ob das den Preis der atomaren Zerstörung von Teilen Nordost- wie Nordwestamerikas wert ist? Sicherlich nicht _ nur gibt es Etliche, die meinen, einen Erstschlag ohne interkontinentale Konsequenzen ausüben zu können. H. Clinton gehörte z.B. dazu. Die atomare Zerstörung von Zentraleuropa interessiert die nicht, ggf. wäre das sogar ein Gewinn für die Exceptionals….

Reinhold Schramm 22.11.2016 | 06:21

Klassenkampf

Bemerkungen zum Klassenkampf - von oben gegen unten - im bundesdeutschen Reichtumsland.

Hundert Gründe für einen sozialrevolutionären Bürgerkrieg im bundesdeutschen Reichtumsland. Und dafür bedürfte es keiner modifiziert kapitalfaschistischen bürgerlichen und parlamentarischen Partei.

Sollten die statistischen Zahlen stimmen, wovon wir ungefähr in Deutschland ausgehen könnten:

In der Bundesrepublik verfügen die unteren 50 Prozent der Bevölkerung, etwa 41 Millionen Menschen, zusammen über rund 1 Prozent aller privaten Netto-Vermögen. Von diesen 50 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung verfügen 2/5, also 20 % der Gesamtbevölkerung (20/100), über kein Vermögen. Rund 3/5 der 50 %, also 30 % der Gesamtbevölkerung (30/100), teilen sich demnach durchschnittlich 1 Prozent der Vermögen (1/100 aller Vermögen). Das entspricht hier einen Anteil von 0,033... Prozent aller Vermögen für jeweils 1 Prozent der Bevölkerung. Würde man die Besitzlosen mit einbeziehen, so wären es rund 0,02 Prozent durchschnittlicher Vermögensanteil.

Nach unserer statistischen Berechnung verfügt demnach die obere Hälfte der Bevölkerung in der bundesdeutschen Klassengesellschaft über differenziert rund 99 Prozent aller Vermögen. Aber davon verfügen 1/5 der oberen Hälfte, also 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, über mehr als 70 Prozent aller Vermögen. Dabei beträgt der Anteil vom oberen 1 Prozent der Bevölkerung (1/100 der Gesamtbevölkerung) mehr als 30 Prozent aller Vermögen in Deutschland. Aber auch diese Bevölkerungsgruppe differenziert sich noch nach dem Vermögensanteil.

Verbleiben wir bei der Feststellung, dass jeweils 1 Prozent der unteren 50 Prozent der Bevölkerung durchschnittlich über einen Vermögensanteil von 0,02 Prozent verfügen. Und das obere 1 Prozent der Bevölkerung verfügt über 30 Prozent aller Vermögen. So ergibt sich im Vermögensvergleich ein Verhältnis von 1 : 1.500, bzw. die Vermögensdifferenz liegt bei 1 zu 1.500 Mal.

● Die theoretische Annahme, die durchaus auch der Realität entspricht (?) oder entsprechen könnte: der Putzmann bzw. die Putzfrau, verfügt über ein gesamtes Privatvermögen - im 50jährigen Erwerbsleben, im Alter von 66 Jahren, in Höhe von 25.000 Euro.

● Das heutige Gesamtvermögen: Kapital- und Privatvermögen (nur) von Frau Klatten (Quandt-Erbin) wird mit etwa 25.000.000.000 Euro veranschlagt [rund 25 Milliarden Euro].

● Demnach liegt die Differenz, zwischen dem Erwerbsvermögen der Putzfrau nach 50 Jahren in Vollzeitarbeit [im Lebensalter von 66/67 Jahren], und dem Erbschafts-, Kapital- und Privatvermögen von Frau Klatten, bei: 1 : 1.000.000 [25 Tausend zu 25 Milliarden].

Demnach gibt es mehr als Hundert -theoretische und handfeste praktische- Gründe, würden wir alle Lebensbereiche in der materiellen Realität der modernen Kapital- und Ausbeutungsgesellschaft -in der bundesdeutschen Wirtschafts- und Reichtumsmetropole- berücksichtigen, für einen sozialökonomischen und sozialrevolutionären Bürgerkrieg.

Allerdings, es bleibt hierbei bei einem real-theoretischen Modell, sind doch die allgemeinen Bewusstseinslagen, der vor allem wert- und mehrwertschöpfenden Bevölkerungsmehrheit, unter vollständiger Kontrolle der ökonomischen, ideologischen und politischen Administration – auf allen Bildungs- und Manipulationsebenen der Gesellschaft – im differenzierten Macht und Herrschaftsinteresse der Finanz- und Monopolbourgeoisie -- im realen bundesdeutschen Bourgeoissozialismus!

[- unvollständig.]

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 09:05

Weil diese Leute im Grunde für sie nichts weiter sind als Dreck.

so wie Sie das beschreiben, klingt es, als wirke ein automatisches-physikalisches Prinzip,welches nichts mehr mit angemessenen menschlichem Verhalten in konkreten Situationen zu tun hat - diese von ihm nicht zu steuern sein - bestenfalls zu pawlowschen Reflexen fähig - wohl jedoch nur einen bornierten ideologischen Hintergrund hat und - wie sie beschreiben, den "Dreck" aus sondert, also jede Abweichung ihrer Reflexprogrammierung aussondert/basht/diskriminiert, als sei es kein Mensch, den man da gegenüber hat.

jeden erfahrenen Beobachter muß dieses an die schlimmsten Zeiten im Umgang mit Andersdenken erinnern - das bietet so klar an, da kommt keiner vorbei.

und das dies von angeblich klugen, mächtigen und intelligenten Funktionsträgern aus Politik und Medien praktiziert wird - läßt mir den Mund einfach offen stehen und nur zwei Interpretationen zu: diese angebliche Intelligenz der Eliten ist sowas von deppert und verblendet, dass man sie bestenfalls nur noch ignorieren kann oder noch Schlimmeres zu vermuten ist - das ist die Variante, die ich persönlich bevorzuge - oder es wirken einflußreiche Kräfte im Hintergrund (Einflüsterer und Gehirnwäscher), denen sie sich ergeben haben oder wollten oder mußten. wie auch immer - manchen machen sie vielleicht noch Angst, bei anderen erzeugen sie einfach blinde Wut - doch der von ihnen "identifizierte Dreck" merkt immer und immer deutlicher, dass sie zwar sagen können, was sie wollen - aber wie bei einem kranken Kind im Fieberwahn, ihre Worte gar nichts bedeuten können - sie nur davon nicht angesteckt werden wollen und an ihre eigene Gesundheit denken, denn es sind ja KEINE kranken KINDER, für die verantwortlich sind, sondern Parteien - und Medienvertreter vor denen nur die Flucht hilft, um sich das kranke Gehetze nicht anhören zu müssen, welches einige von ihnen dann auch wie einen Bumerang zurückschicken oder ihre Alternativen suchen.

karamasoff 22.11.2016 | 09:53

"Weil diese Leute im Grunde für sie nichts weiter sind als Dreck."

Die frühere Verachtung der beiden Elitenstände, Adel und Kirche, für den dritten Stand, den Bauern, ist in Deutschland ja nun nichts Neues. Die diversen Transformationen und Umschichtungen in den Ständen bis heute kann man dabei getrost vernachlässigen, das Prinzip herrscht immer noch.

Die entscheidende Frage wird eine andere sein.

Richard Zietz 22.11.2016 | 09:57

Nur zur Info:

Frank Stauss, in dem es in meinem Beispiel ging und der letzte Woche in der Illner-Runde saß, ist ein Einflüsterer – vermutlich sogar einer der wichtigsten im aktuellen politischen Gefüge. Im Hauptberuf (angeblich) Werber und eigenen Angaben zufolge kein SPD-Mitglied, hat er unterschiedliche BT- und LT-Kampagnen der Partei von den Neunzigern bis hin zu Dreyer in RP maßgeblich gestaltet. Typisch hier auch die Zweitverwertungen im Metier: der (angebliche) Spiegel-Bestseller Höllenritt Wahlkampf. Wobei der Haupttenor dieses »Insiderberichts« wohl der ist, auf die Strapazen hinzuweisen, welchen die bedauernswerten Spitzenkandidaten ausgesetzt sind.

Bemerkenswert ist Stauss hier aus zwei Gründen: zum einen, weil er den Spin-Apparat verkörpert und somit das Bild einer Partei bis hin zur Programmatik essentiell mit beeinflusst. (In den USA wäre er etwa mit den Leuten vergleichbar, die Clinton geholfen haben, Sanders abzuservieren.) Im Rahmen des hier diskutierten Exklusionsthemas steht sein Verhalten symbolhaft für das einer (medialen) Elite, die sich – als Angehörige eines rein technisch definierten Funktionsapparats – einerseits nicht mehr selbst politisch legitimieren muß, andererseits jedoch die Diskussion maßgeblich bestimmt. Ebenso den Ton, der dort gepflegt wird.

iDog 22.11.2016 | 10:29

Man kann unmöglich alles hier lesen, aber man kann schon bei der guten Hälfte dem Eindruck nicht engehen, dass hier eine Debattenversammlung, bestehend aus den üblichen Verdächtigen, sich um die eigne Verlegenheit herumdiskutiert ohne wirklich auf die eigene Verantwortlichkeit zu sprechen zu kommen.

Natürlich braucht es keine "neue neue Linke" , sondern lediglich genug junge Menschen jenseits des sich selbst immer mehre gleichenden Konformismus, denn die Emanzipation von der Herrschaft als politisches Konzept und gesellschaftlicher Wert existiert als politischer Anspruch, ist längst verstanden, aufregend aber auch anstrengend ... da braucht man sich nicht nur kurz der 68er Revolution und deren "intellektulle" Folgen zu vergegenwärtigen .... Nein, wir Pseudointellektuellen, hier und andersnorts, sind die, die nicht auf der Straße sind, um den längst Ausgegrenzten und Jungen von diesen Erfahrungen und Werten zu berichten und sie zu motiviern ... wir sind leider die, die meist den Weg des geningsten Widesrstandes gehen - im reinsten Wortsinn. Emanzipation? Klassenkampf?

Das ganze Thema hier ist also eine weitere falsche Debatte, die uns dazu verführt, verführen will, nicht wir selbst zu sein, uns in eine anscheinend neutrale Rolle des unbeteilgten Beobachters zu zwingen will, in die jenes Idioten, der in der virtuellen Realität eine Position vertritt, in der praktischen Wirklichkeit aber wegen Nichtpräsenz offensichtlich sehr wenig beeinflusst oder beeinflussen kann. Das muss sich änderen. Wenn nicht, werden wir an unseren Rechnern sitzen wie im Knast, bis...

Richard Zietz 22.11.2016 | 10:35

Im Grunde ist es doch ganz einfach:

Ist die Aussage von Frank Stauss, er wolle die ehemalige SPD-Parteiaktive Martina Bösbach nicht mehr zurück in der SPD, selbst wenn sie zur AfD Abstand nähme, ignorant, herablassend, politisch desaströs und für Eliten-Funktionsträger bezeichnend wie von mir behauptet? Oder gibt es – ich lasse mich da gern überzeugen – gute, nachvollziehbare Gründe dafür, dass in einem solchen Fall die Tür für immer zu ist? Mit der Schlussfolgerung, dass der gute Mann Recht hat?

Im allgemeineren Sinn ist die Grundfrage ebenfalls einfach: Ist es in Ordnung, nichtstudierte Mitglieder(innen) unserer Gesellschaft zu bashen und auszugrenzen? Oder handelt es sich dabei – wie von mir behauptet – um »links« angemalten Klassismus?

Das Interview zwecks Entscheidungsfindung ist weiter oben verlinkt. Anhand dieser Fragestellung müßte es eigentlich recht einfach sein, eine Antwort zu geben, ohne ständig auszuweichen.

iDog 22.11.2016 | 10:51

... ach so , und noch was ... die hier sich äussernde "irgendwie linke" Journaille ... wieso reagiert die eigentlich immer nur auf solche kleingeistigen, rhetorische Angriffe von rechts, anstatt auch mal selber anzugreifen. Man bekommt den Eindruck der absoluten Defensive einer dogmatisch beherrschten Linken. Wenn das nicht schon die Kapitualtion schlechthin ist.

Ein mutiges linkes Thema hier in dieser Zeitung findet nach meiner Hochrechung ungefähr alle 2 Jahre einmal statt. Ein schwaches Bild von der eigenen Identität, das meine Bedenken weiter oben belegt ... sollte auch diese linke Identität nur ein Pseudo sein, eine Rolle im Rahmen eines verleugneten, unausgesprochenen Konformismus?

Warum nicht mal draufhauen? Klassenkampf nur mit angeblich schlauen Kommentaren wird nicht weit kommen (sic) ... Offensivere Worte sind sicher seit langem angebracht. Und wenn man mal beobachtet wie auch hier die verachtet und ausgegrenzt werden, die die Dinge beim Namen nennen .... es sein denn sie laufen unter dem Label Kommedie oder Satire und tuen deswegen laut Beipackzettel nicht weh. Also "Klassenkampf" als Unterhaltungsprogramm für pseudointellektuelle "Versteher" jeder Couleur . Wir haben es weit gebracht. Isso.

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 11:45

Bemerkenswert ist Stauss hier aus zwei Gründen: zum einen, weil er den Spin-Apparat verkörpert und somit das Bild einer Partei bis hin zur Programmatik essentiell mit beeinflusst.

er hat damit klar geäußert, dass ehemalige und enttäuschte SPD-Mitglieder nicht in seinen Spin passen - jedoch nicht, wie er die Lücken und Defizite auffüllen möchte, so als wäre Abgrenzung die höchste Priorität der Quantitäten - was ja paradox für eine "Volkspartei" ist, welche auch nicht sichtbar auf Qualität gesetzt hatte

kurz gesagt: ich glaube eher weniger an seinen Einfluß, da die SPD für mich vor allem durch personelle Vertreter sichtbar ist und nicht durch ein sozialdemokratisches Programm (jedenfalls nicht in dem Sinne, was ich darunter verstehe u.v.a. wohl auch nicht). Ein Verein Sammelbecken von egozentrischen Persönlichkeiten braucht keiner - auch wenn Sarrazin kaum noch sichtbar ist - Hartz4 wiegt schwer als Vorwurf und der Schreihals Schulz ist nur zum Angstmachen und weglaufen, ebenso wie der Intrigant Oppermann ... WAS will er mit diesem Personal denn Gutes anfangen? ich glaube er selbst ist klug genug, das auch so zu sehen - doch eben keinen Ansprechpartner oder verständigen Zuhörer zu finden und so hat er sich darauf geeinigt, sich vor allem von der AfD als Parteienkonkurrent abzugrenzen. wie klug und fatalistisch er ist, hat er mit seiner Aussage zu Trump und dem Wahlkampf in den USA bewiesen:

In Deutschland und Europa sollten wir daraus lernen. Man kann auch heute noch die Menschen mitreißen und für eine progressive Politik gewinnen. Aber dafür muss man wach bleiben, aus klassischen Ritualen ausbrechen und mit Mut und Enthusiasmus auch neue, unverbrauchte Köpfe aufbauen und ins Rennen schicken. „More of the same“ kann nicht die Antwort sein.

http://frank-stauss.de

Lethe 22.11.2016 | 12:48

Man kann Trump vieles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht mit offenen Karten spielt. Trump hat während seines Wahlkampfes sehr deutlich gemacht, in welche Richtung er Amerika führen wird. Er will das Leid vieler lindern, indem er das Leid vieler anderer erhöht. Ob das ernstgemeint ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist allerdings, dass diejenigen, die ihn gewählt haben, damit offenbar einverstanden sind. Das ist die Quelle des Problems: Es gibt eine riesige Zahl Menschen, die damit einverstanden sind, dass andere Menschen leiden müssen, damit es ihnen selbst besser geht. Das hat mit einem Versagen linker Intellektueller nicht das Geringste zu tun, und wenn linke Intellektuelle an dieser Stelle sich gegen den Vorwurf des Versagens verteidigen, ist das im Grunde nur Hybris, weil sie damit eine Einflussmöglichkeit beanspruchen, die sie zu keinem Zeitpunkt hatten oder haben.

Die AfD reüssiert aus dem gleichen Grund. Ein bisschen heimtückischer, aber im Prinzip kaum verhüllt aus dem Umstand schöpfend, dass auch in Deutschland das Leid der anderen nichts zählt. Jedenfalls nicht ausreichend viel zählt. Die AfD hat sehr genau erfasst, dass es bei all unseren Integrationsmaßnahmen nur um Oberflächenpolitur geht. Es besteht keine politische Absicht, Flüchtlinge und Migranten ernsthaft zu integrieren; abgesehen von ein paar Spitzen-Arbeitskräften ist für den Rest die Rolle als Arbeitssklave reserviert. Nur darf das in der Öffentlichkeit nicht in dieser deutlichen Weise zugegeben werden, ist schlecht fürs deutsche Selbstwertgefühl. Aus diesem Umstand resultiert dieses eigenartige Wechselspiel zwischen proklamierter Willkommenskultur und faktischem Mobbing, wenn sie denn wirklich kommen. Und das lässt der AfD jeden Spielraum, den sie benötigen, um jeden Dreck zu lancieren, der ihnen opportun erscheint.

Apropos in meinem Umfeld gibt es keine Leute, die die AfD gut finden: Ich arbeite in einem akademischen Umfeld mit hochgebildeten Leuten. Vor ein paar Jahren hätte ich geschworen, dass sich darunter niemand findet, der innerlich der AfD nahe steht. Mittlerweile bin ich eines Schlechteren belehrt. Es sind nicht viele, aber zu viele.

Herold Binsack 22.11.2016 | 12:53

Folgender Beitrag von mir, zunächst als Leserbrief in der FAZ (bisher dort nicht freigeschaltet, aber hier: http://blog.herold-binsack.eu/2016/11/der-rassismus-ist-ein-element-des-klassenkampfes-wenn-auch-ein-feindliches/ ) bezieht sich direkt wie indirekt auf diese hochinteressante, und, wie ich finde, auch klug kommentierte Debatte:

Der Rassismus ist ein Element des Klassenkampfes, wenn auch ein feindliches

Dass Jack London zwischen Marx und Nietzsche oszilliert, das wäre nur unerträglich, wenn er Revolutionärer Theoretiker wäre. Was mit der Theorie nur schwer zu vermitteln geht, und das ist vielleicht ihre eigene Tragik, das ist ihre Konzepthaftigkeit gegenüber dem Leben. Doch die Literatur lebt genau davon. Was ist der Unterschied zwischen dem sog. bürgerlichen Gutmenschen, also dem, was Linke als Linksbürgertum denunzieren (und Rechte als Links missverstehen) und dem Proletarier – auch und gerade als Revolutionär? Eine Frage, der dieser Tage gerade innerhalb der Linken nachgegangen wird. In Katerstimmung – nach Trump. Im „Freitag“ sucht die stellvertretende Chefredakteurin Katja Kullmann mit „Furcht vor klugen Köpfen“ das scheinbar Unüberbrückbare zu kitten – mit wirklich guten Argumenten. Doch wo ließe sich Adrenalin (oder Testosteron) mit Argumenten bekämpfen? Der Rassismus ist ein Element des Klassenkampfes, wenn auch ein feindliches. Er ist weniger das Salz in der Suppe, als das oft zu viele Chili.

faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/100-todestag-des-abenteuerschriftstellers-jack-london

Prinz 22.11.2016 | 13:15

Hach verdammt, genau das was ich als Nebenpunkt bezeichnet habe ist nun das einzige auf das reagiert wird.

Die Frage ist einfach: Was ist Faschismus? Wenn ein autoritäres Regime mit reichlich Todesfällen ausreicht, dann war Ludwig XIV wohl ein monarchistischer Faschist?
Für mich ist Faschismus eine Abwehrbewegung von Kleinbürgern gegen zwei Erscheinungsformen der Moderne:
1. Die Arbeiterbewegung.
2. Den freien Markt.
Es ist ein Klassenkampf der alten mittelalterlichen Klassen Bauern und Handwerker gegen die Klassen der Moderne: Proletarier und Kapitalisten.
Das sich bestimmte Kapitalisten und auch Arbeiter später mit dem Faschismus arangierten ändert daran nichts.
Der Kampf um Lebensraum im Osten sollte schließlich Millionen Deutsche in den Stand von bäuerlichen Kleinbürgern in Osteuropa setzten. Die Fixierung der Faschisten auf eine mittelalterlich-antike Vergangenheit ist ihnen allen gemein.
Stalin hingegen bekämpfte diese Klassen, die russischen Bauern wurden kollektiviert und zu Landarbeitern in den Kolchosen ohne eigenen Boden. Die rasche Industrialisierung die Stalin betrieb sollte vor allem das Proletariat, die Stütze der Bolschewiki vergrößern.
Während Stalin also für die freilich brutale Modernisierung eines Erdteils steht, sind die Faschisten eben gerade die Bewegung gegen die Moderne und für die Erhaltung bzw. Rückkehr zu einer heilen mittelalterlichen Welt.
Insofern sehe ich in den modernen Rechtspopulisten auch nicht echte Faschisten obwohl es natürlich bestimmte Parallelen gibt, jedenfalls sind sie noch eher Faschisten als Stalin.

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 13:34

Es gibt eine riesige Zahl Menschen, die damit einverstanden sind, dass andere Menschen leiden müssen, damit es ihnen selbst besser geht. Das hat mit einem Versagen linker Intellektueller nicht das Geringste zu tun, und wenn linke Intellektuelle an dieser Stelle sich gegen den Vorwurf des Versagens verteidigen, ist das im Grunde nur Hybris, weil sie damit eine Einflussmöglichkeit beanspruchen, die sie zu keinem Zeitpunkt hatten oder haben.

diesen wichtigen und klugen Einwand wollte ich noch mal hervorheben, weil er genau den Punkt trifft, der auch wirklich jedem klar sein sollte.

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 13:36

Natürlich schrieb ich nicht "wir" - wohl wissend, es wäre das einzig passende PP gewesen.

Einzig ich nehm mich selber - für mich - eben doch - noch - wichtig, sprich, ich reflektiere mein Sein und schöpfe da durchaus manigfaltig starke Augenblicke, Augenblicke für die es lohnt sich am Leben zu halten.

Einzig, meine Scham vor unserer Feigheit (ja, vielleicht müsste ich mit einem Banner losmarschieren bis man mich - hierzulande - wohl verwahrt) lässt mich hier ab und an den Dorfhund geben (passendes Bild - mit so einem Wesen verbindet mich wohl mehr, als mit einer erhabenen Artgenossin, die entweder so verletzt ist, sich mit ihrer Art (ich sollte wohl immer ohne Adjektive operieren, sobald ich Vermutungen über andere Menschen anstelle..... - vor allem wenn ich niemals auch nur ein Wort vis a vis mit ihnen gewechselt habe... - was sind schon Texte im Netzt..... ) schützen zu müssen, oder tatsächlich tief empfindet was sie schreibt - sozusagen von ganzem Herzen.)

Wir leben jetzt, die Welt ist heute und morgen wird sie so sein, wie wir alle es gemeinsam zulassen!

Eines jeden Zorn über uns, er müsste unermesslich sein, er müsste wuchtig und mächtig von uns Besitz ergreifen, jedoch nicht destruktiv aggressiv, sondern schlicht und einfach indem er zuerst das Selbstverständnis eines Jeden von uns vom Sockel stößt und in uns einen Mut entfacht, welcher es ermöglichte uns zu einer Gemeinschaft ohne Hass, Neid und Gier zusammen zu finden.

Ich habe die Scham vom Glück in der Samenlotterie, mich betreffend, niemals ablegen können, was mich schaudern lasst, ob des Selbstverständnisses, welches ich beim Lesen so vieler Texte hier empfinde (mag sein ich liege vollkommen daneben.) - nur gerade in diesen Tagen, liegt die Zwiespältigkeit doch offen und hässlich vor uns und wieder bleibt es nur bei den üblichen Phrasen.

Was anderes sollte ein Dorfhund da machen, als zu bellen - den zubeissen, kann und will der Hund nicht, da er niemanden wirklich verletzen will, er möchte nur an den Gewissen rütteln!

Aber selbst die wirklich erhabenen Stimmen unserer Art, sie haben durch die Jahrhunderte nur zur Erbauung gedient, oder manchmal schlimmer, einigen widerwärtigen Figuren, durch deren Hoffnungsglanz Menschen zu verführen und sich gefügig zu machen, ihre schlichten, primitiven Raubzüge abzuhalten.

Im Wort des Friedens und im Glanz der Solidarität wurden zuweilen binnen Stunden Millionen von Leben dem Wahnsinn der Gefolgschaft geopfert - die bellenden Hunde, der Mainstream hat sie nie gehört (selbst wenn es mahnende "Großgeister" waren..... ;-).....).

..... und jene die sie wohl hörten, die wohl ähnliche Gedanken in sich trugen, die gaben wohl Ihre Leben hin, doch auf dem Altar der Geschichte haben sich meist die neuen widerwärtigen Herrschaften in ihrem Licht bewegt und ihre Namen missbraucht, haben die Ideale einer positv menschlichen Gesellschaft immer und immer verraten.

Sie kennen ihre Geschichten, sie wissen doch selber sehr gut Bescheid.

Das Fürchterlichste für mich, in jede Facette unserer Gesellschaft in die ich mich vertiefe, lacht mir umso hämischer das Bild einer derben, ja primitiven Mechanik entgegen, desto weiter ich mich hinein bewege.

Das am Rand die Güte und die Aufrichtigkeit mancher von uns, wie Trophäen erlegter Beute an den Gängen hängen, macht diese Begehungen nur noch ungeheuerlicher!

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Ehemaliger Nutzer 22.11.2016 | 13:59

... so wird eben das ganze menschliche Wirken letztlich zu einer grandios gruseligen Posse - und jeder von uns gibt eben seinen Part.

Glauben Sie die etablierten Intellektuellen empfänden heute schon Furcht? Vielleicht jene in der Türkei, die noch im Land sind - im Kerker oder versteckt irgendwo - so wie in anderen Regionen offener Despotie.

Hierzulande empfinden vielleicht jene Furcht, die mutig wirklich versuchen aufzurütteln, dabei das Establishment nicht nur mit Phrasen pro Forma je nach Lagerzugehörigkeit attakierend, indem sie Realitäten schildern .

Tja Manning hat man das Fürchten gelehrt, sein Mut war praktisch umsonst.

Aber man kann sich als "mutiger" Linker auf ihn berufen und ihn hervorheben.

Snowden ist ebenso ein Informant des Volkes und wurde vom Volk praktisch ignoriert.

Das Establishment (hier gerade auch das "Linke") hat ihn zu einer Unterhaltungsfigur gemacht - sogar einen Film darf man sich zur Erbauung reinziehen - es ist doch völlig absurd.

Die Aufklärung lief in einen leeren Raum!

Die meisten Menschen drängeln sich an Kassenschlangen, in Fußballstadien, hocken im Stau auf der Autobahn oder auf Plastikstühlen in Wartehallen, sie lassen sich entweder von A nach B transportieren, um gegen Geld irgend einer meist destruktiven Angelegenheit nachzugehen, oder irgend einer meist geistlosen Zerstreuung ausgesetzt zu werden.

Dafür geben sie sich hin!

Die paar Quertreiber gehen völlig unter, sie werden von der Masse förmlich niedergetrampelt.

Das Traurige - würden jene Abermillionen von klar denkenden Artgenossen nicht ihre Gedanken als bloße Wahre an den Markt verkaufen, sondern ernsthaft ihren Idealen ergeben, aktiv, versuchen zu handeln (von Symposium zu Symposium zu jetten ist kein Aktivismus!) - dann hätten vielleicht jene jaulenden Hunde - wie ich einer bin (das Bild hat mir eine Foristin angetragen, ich mag es .......) - die Chance den nötigen Dominoeffekt gemeinsam mit diesen Multiplikatoren anzustoßen.

Doch jaulende Hunde treffen nicht auf kritische Akademiker, vor allem mögen die nicht, wenn man sie am Rockzipfel packt und aus dem bequemen, etablierten Leben des ausgestellten Nonkonformisten ziehen will, den Nonkonformismus tätig einfordernd!

(In Passau besuche ich ab und an Vorlesungen - die 75 Euro pro Semester kann ich nicht erübrigen..... - doch was ich da erlebe, ist meist gelebte Eitelkeit und eingeübte Rhetorik - da wird die klügste Substanz zu einer letztlich lauwarmen, geschmacklosen Brühe! - oder zum Mittel der Selbstbeweihräuerung "Ja, recht spricht der Mann, ABER....... lasst uns erst mal die Karriere anstoßen.....".

Wenn das mal keine universelle Posse ist!

Herold Binsack 22.11.2016 | 14:19

Links und rechts überholt?

THX1138: Dass „links“ und „rechts“ überholt seien, ist, mal abgesehen davon, dass das interessanterweise oft von Rechten vorgetragen wird, auch in anderer Hinsicht Bullshit (vgl. http://blog.herold-binsack.eu/2013/02/esoterik-ist-rechts/) . Es ist nämlich nicht überholt in Bezug auf die (Be-)Deutung dessen, was Sie da unter Globalisierungsgewinner und – verlierer subsumieren. Nämlich in Bezug auch auf die Kritik der diesbezüglichen „Politischen Ökonomie“, incl. der Kritik Ihrer „Theorie“. Die rechten „Globalisierungsverlierer“ bieten nicht von ungefähr als Deutungsebene ihren „Untergang des Abendlandes“ (vgl. http://blog.herold-binsack.eu/2012/02/%e2%80%9euntergang-des-abendlandes%e2%80%9c-oder-sieg-der-klassenlosen-gesellschaft/) an und die linken, zumindest will ich das hoffen, nachwievor „Das Kapital“ – und die „Grundrisse“ (denn die scheinen mir für heute sehr wichtig - http://blog.herold-binsack.eu/2016/06/vom-proletarier-zum-geistesarbeiter/).

Und auf dieser Ebene – zumindest – findet auch nachwievor der Klassenkampf statt. Inwieweit das Proletariat sich diesem Klassenkampf anschließt oder weiterhin – von selbstzufrieden bis völlig unzufrieden – den Dünkel des (intellektuellen) Kleinbürgertums teilt bzw. beleidigt von sich weist, hängt natürlich auch davon ab, ob es diesen revolutionären Intellektuellen (jetzt mal völlig gleich welcher Klasse sie ursprünglich entstammen – revolutionäre Intellektuelle gehört immer der revolutionären Klasse an, per se wie per definitionem) gelingt diesen Proletariern die (wichtigsten) Grundsätze des Marxismus schneller einzubläuen als das Kapital die (unproduktiven) Reste von ihnen schreddert. Ein Kampf gegen die Zeit? – Ja! Doch wo wäre die Alternative?

Charlie Schulze 22.11.2016 | 19:08

Danke für den TV-Tipp!

Ein eindringliches Beispiel

Aber hallo... Ich fand aber auch die Besetzung ziemlich gelungen: Figuren, deren natürliches Habitat Fernsehstudios und PR-Agenturen sind, deren geistige Nahrung hauptsächlich aus Studien und Statistiken besteht, und die sich mutmaßlich schon länger nicht mehr selbst zuhören, geschweige denn irgendwem anders, simulieren engagierte Debatte... Sensationell.

Mein persönliches Highlight ist Herr Lobo ab Minute 41:30, wie er, hingerissen von seiner eigenen Hochinformiertheit, von einer brandneuen Studie berichtet, die -big deal! - ergab, dass Leute für Kritik empfänglicher sind, wenn man sie nicht Rassisten nennt.

gregory 22.11.2016 | 19:28

Und weil Trump eben so mit "offenen Karten" spielt, hat er auch zu den Rust Belt Leuten gesagt, dass er die Erbschaftssteuer abschaffen möchte, um sein Vermögen möglichst verlusstfrei an seine eh schon reichen Nachkommen vererben zu können. Bestimmt nur ein Zufall.

Auch die Reduktion des Spitzensteuersatzes auf 25% wird so dermaßen helfen! Die von Arbeitslosigkeit betroffenen bzw. bedrohten Industriearbeiter jubeln schon jetzt. Trump, König des Proletariats!

Und boah, Trump ist so ehrlich, er released noch nichtmal seine taxes. Stattdessen bezahlt er seine Handwerker nicht. Wow, hat der Respekt vor den Arbeitern! Die Nasen haben den Bock zum Gärtner gemacht und nun ergehen sich "Alle" in opportunen Verstehertum.

Ja viel Spaß damit, ich flieg mit Elon zum Mars!

Richard Zietz 22.11.2016 | 20:23

»Mein persönliches Highlight ist Herr Lobo ab Minute 41:30, wie er, hingerissen von seiner eigenen Hochinformiertheit, von einer brandneuen Studie berichtet, die -big deal! - ergab, dass Leute für Kritik empfänglicher sind, wenn man sie nicht Rassisten nennt.«

:-)

Abgesehen davon, dass aus Herr Lobos informierter Scheitelsträhne sichtbar eine Gedankenblase hervortrat, in der geschrieben stand »Wie lange dauert das hier noch?«, hat er meines Wissens überhaupt nichts geäußert, was in irgendeiner Art überlegenswert war. Entsprechend widmete ich mich während seiner Sprecheinsätze konsequent einer anderen Frage: wie er das rein privat mit der – akurat gegelten, wie eine Eins stehenden – Haarpracht auf seinem Schopf gereiht kriegt. Nehmen wir an, Lobo hat – vielleicht nach einem Talk dieser Art – eine neue Bekanntschaft an Land gezogen und die zwei wachen morgens auf. Nix mehr mit eloquentem Sascha Lobo, die roten Strähnchen kleben und stehen an und in alle Richtungen. Im Morgenschimmer auf dem Bett sieht der Typ plötzlich aus wie das, was er ja auch ist: ein Poser.

Situation: Shocking. Frage daher: Muß die Bekanntschaft vor dem Frühstückskaffee eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben? Kann kaum sein, viel zu riskant. Deshalb meine Vermutung: Die Haarpracht ist nicht echt. Das Teil ist aufgeklebt – jede Wette. Allerdings: Auch als Fremdteil ist eine derartige Applikation schwerer zu handlen als ein Toupet. Auch wenn man – da kann man lästern wie man will – konstatieren muß: zur Markenbildung hat der Iro immens beigetragen.

Denn: Wer würde Sascha Lobo kennen, trüge er nicht seinen roten Schweif?

sch123 22.11.2016 | 20:55

Also: Ich behaupte nicht, dass es kein elitäres Gehabe, Klassismus, Standesdünkel, herablassendes Gebaren etc... gibt und schon gar nicht, dass das in Ordnung ist. Das Gleiche gilt für Unterschichten-Bashing. Ich habe in vorherigen posts zum Ausdruck gebracht, dass Herablassung und Verachtung kein exklusives Merkmal linker Akademiker ist -eigentlich eine banale Feststellung- wie jetzt gern von rechts suggeriert wird und dass weder "kleiner Mann" noch "Unterschicht" kollektiv Rechtspopulisten auf den Leim gehen weil sie marginalisiert sind.

Mit Bezug auf ihr Beispiel und ihre Argumentation habe ich gefragt, was sie denn bereit sind den herablassend Behandelten bereit sind durchgehen zu lassen in Würdigung ihrer Kränkung.

Außerdem habe ich deutlich gemacht, dass ich es genauso herablassend finde, Leute nicht in die Verantwortung für ihr Handeln zu nehmen. Gerade damit unterstellt man ihnen ja, dass sie zu doof sind ihre schlechte Entscheidung zu verstehen, oder dass sie aus Trotz/Bockigkeit diese schlechte Entscheidung treffen, was ein pubertäres Verhalten wäre.

Außerdem finde ich ihre These fragwürdig, dass die Marginalisierten jetzt alle Rechtspopulisten wählen, weil sie sich von oben herab behandelt fühlen. Für die USA kann ich da nichts sagen, kenne den Diskurs dort nicht gut genug. Aber in Deutschland gab es all die Abgeschmierten, political correctness und von mir aus Arroganz der Eliten auch schon als die AfD auf dem absteigenden Ast war. Die ist erst wieder richtig stark geworden als sie fremdenfeindliche Ressentiments ansprechen konnte im Zuge der Flüchtlingskrise. Dieses Potential für Fremdenfeindlichkeit gab es schon immer in unserer Gesellschaft, die neue Rechte und AfD sind halt geschickter als damals z.B. DVU und Republikaner...

Ich glaube diese Klatsche für die neoliberale Elite, die sie aus den Ereignissen herauslesen wollen greift als Interpretation deutlich zu kurz und ist eher ein kleiner Teil der Wahrheit.

Lethe 23.11.2016 | 11:13

Sind Sie sicher, dass Sie das Wesentliche an meiner Darlegung erfasst haben? Das Wesentliche findet sich in der Aussage, dass es offenbar eine große Anzahl Menschen gibt, für die es okay ist, wenn ihr Wohl mit dem Leid anderer Menschen bezahlt wird. Um diesen Aspekt ging es mir, und an diesem Aspekt hat Trump nie Zweifel aufkommen lassen.

Ich respektiere Ihre und aller Empörten Empörung. Aber Menschen gehen verschieden mit empörenden Sachverhalten um, und auf lange Sicht - Vorsicht: Meinung - bewirkt Sachlichkeit weitaus mehr als Empörung. Kurzfristig ist ohnehin nichts mehr zu retten, es sei denn, Sie wollten die als Möglichkeit im Raum stehende Volldemontage der amerikanischen Demokratie durch die Demokraten, die angedeutet haben, die Wahlleute zu beeinflussen, gegen das Votum der Wähler zu stimmen, als Rettung deuten. Wenn das gelingen sollte, braucht die USA zukünftig auch gar nicht mehr zu wählen.

Zack 23.11.2016 | 21:24

Glauben Sie die etablierten Intellektuellen empfänden heute schon Furcht? (Hervorhebung von mir)

Ganz gewiss nicht.

Schon gar nicht fürchten die sich vor etwas, was in den etablierten Parteien vorher seinen festen und stabilisierenden Platz hatte und nun als AFD den Etablierten schmerzlich Konkurrenz macht. Verändert hat sich ausschließlich die Landschaft der Wahlvereine, nicht die grobe Einteilung der entsprechenden politischen Milieus innerhalb des bürgerlichen Lagers, also aller im Bundsstag vertretenen Wahlvereine.

Schiss würden der gesamte geisteswissenschaftliche Affirmationsbetrieb und sein staatlicher Auftraggeber dann bekommen, wenn sich die eigentumslose und deswegen auf Lohn angewiesene Klasse entschließen würde, das Kriegsbeil als Klasse gegen das Modell Deutschland (und seine EU) auszugraben.

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Ehemaliger Nutzer 24.11.2016 | 10:02

Konsumverzicht wäre die schärfste Waffe die die Menschen hätten - nur Konsum ist für die meisten Menschen die allerletzte Lebensfreude - sprich wirklich in jeder Beziehung die allerletzte!

Ohne Konsum empfindet der moderne Mensch wahrscheinlich gar nichts mehr - er bleibt in einer vollkommenen Sinnlosigkeit zurück und würde wohl alles tun, um bloß ja wieder konsumieren zu dürfen!

Vielleicht besinnen sich die Menschen in den Konsumzonen wieder auf ihre Existenz, wenn es ganz konkret ums Überleben, den Tag überleben geht - vielleicht wäre es eine Chance - den, heute, in unseren Breiten, leben keine Menschen mehr, sondern bizarre Konsumkreaturen - die Relationen lauten - desto effizienter sich das Wesen im System vermarktet, desto mehr Konsum darf es anstoßen, dank der Kaufkraft die ihm übertragen wird - es geht nur um diesen irrsinnigen Kreislauf -

Vernichtung der Natur - Bereitstellung der Konsumgüter - Vernichtung der Natur - Bereitstellung der Konsumgüter- usw. usf.

Wir sind Teil der Natur - doch wir haben das vergessen, wir empfinden das meist nicht mehr, wir sind zu Konsumgütern an sich verkommen - fressen uns also selber - stellen uns selber her - nicht als vernunftbegabte, reflektierende Wesen, sondern als zielorientierte (leider ein fatales Ziel - uns zu zerfleischen!), ignorante Kreaturen.

Dies umzusteuern ist nicht mehr möglich!

Wenn ich hier von den Mitforisten Konsumverzicht einfordere, werde ich arrogantes, ignorantes, selbstgefälliges Unikum angesehen - und ich bekomme noch eine richtige Einwendung vorgetragen - das System würde zusammenbrechen - nur genau das ist ja das Ziel der Sache.

Ein Unikum bin ich wohl in der Tat - nicht besonders originell, da ich eben so lebe wie es früher fast alle Menschen taten und wie es heute noch einige Tausend freiwillig in den Kosnumzonen tun und einige hundert Millionen dort, wo sie noch nicht als menschliche Konsummassen in den Megaagglomerationen an den Rändern vorgehalten werden, sondern noch kleine Flecken an Boden bestellen können (diese Zahl wird jährlich um viele Millionen kleiner - obschon es mehr Menschen gibt, sinkt die Zahl jener die noch selber ihre Nahrung beschaffen können dramatisch - und die wirklich noch guten Böden sind wohl schon fast vollständig im Besitz von Konzernen oder Großgrundbestizern.

Die ganze sogenannte Zivilisation, bzw. der Fortschritt in dieser, führen direkt ans Ende einer Episode, die auch ganz anders hätte verlaufen, vor allem westenlich länger hätte andauern, können.

Was einst als hoffnungsvolle Erscheinung im Spektrum dieses Planeten entstand, wurde zum Fiasko.

Das teils unermessliche Vergnügen weniger, gründet auf dem unfassbaren Elend von Billionen vergangener Leben und frisst sich in jedem Moment weiter durch das von Milliarden.

Wir siedeln irgendwo zwischen diesen Rändern, vom Schicksal begünstigt, doch nicht weniger beteiligt, ja oft viel mehr das Elend verursachend, als es zu erleiden - was uns zu erbärmlichen Kreaturen macht, da wir wissen ohne zu handeln!

.....und wer sich hier ausnimmt, der baut sich eben jenes zynische Weltbild, welches als Sedativum ein relativ beschauliches Dasein ermöglicht.

Nur - jeder, wirklich jeder, der sich die Welt nüchtern betrachtet, weiß wie es um unsere Art bestellt ist!

Klassenkampf - sorry - das ist eine globale, permanent lebendige Angelegenheit und wir schwingen täglich das Kriegsbeil - nicht gegen die Ausbeuter, sondern gegen jene, deren Köpfe wir bequem ohne Risiko spalten können!

Sich gegen die Ausbeuter zu erheben, bedeutete akute Lebensgefahr, zuerst für die Aufständischen.

Die Masse in unseren Breiten ist seit langem so klug, zu wissen, dass mit Gewalt gegen den Staat nichts mehr bewirkt werden kann.

Die einzige Kraft die wir besitzen, ist unser Mut, sich dem System schlicht zu entziehen - der Lohn ist die Besinnung auf die eigene Existenz, das Sein in der Zeit auf dieser Erde!

Dies zu empfinden und sein Leben mit dem Nötigen zu erhalten, ist eine lohnende Aufgabe, besser als der Suizid, oder die Hingabe an dieses System.

Ich persönlich werde nicht mehr lange hier weilen, doch ich werden - so hoffe ich - noch einige Dekaden mein Leben empfinden dürfen und die wenigen Orte erleben, an die mich meine Beine tragen werden.

Ich denke die wirklich klugen Köpfe, die haben am meisten Angst vor ihrer eigenen Erkenntnis, da sie sich wohl vor sich selber ekeln, sobald sie sich im System etablieren und sich von diesem hätscheln lassen - den jeder der nur halbwegs zur Reflektion fähig ist, weiß, dass in diesem Gefelcht von Abläufen, an allen Genüssen, die man gegen Geld erhält, das Elend der Verlierer und Geschändeten klebt!

Ursus 24.11.2016 | 11:06

wenn Sie hier bald nicht mehr zu finden sind, möchte ich nur anmerken, dass Sie denn immer mit nur mit einem "n" schreiben, was irritierend wirkt.

>>>Dies umzusteuern ist nicht mehr möglich!

Wenn ich hier von den Mitforisten Konsumverzicht einfordere, werde ich arrogantes, ignorantes, selbstgefälliges Unikum angesehen - und ich bekomme noch eine richtige Einwendung vorgetragen - das System würde zusammenbrechen - nur genau das ist ja das Ziel der Sache.<<<

Auferstanden aus Ruinen dürfte ganz sicher der falsche Ansatz sein, versuchen Sie doch nicht so aufdringlich, Ihre für sich gefundene Lebensweise Allen überstülpen zu wollen.

Wenn ich nur verlangte, alle sollten sofort aufhören, Leichenteile zu essen, zu Rauchen und keinen Alkohol sowie andere Drogen zu konsumieren, was ja jedes für sich schon das Zusammenleben und Überleben weltweit erheblich verbessern könnte, würden vielleicht sogar Sie mir ins Gesicht springen.

Das ist allerdings verglichen mit dem, was Sie hier seit Monaten wie ein Mantra vor sich hertragen, nur Fliegendreck.

Charlie Schulze 24.11.2016 | 13:04

:-)))

... wie er das rein privat mit der – akurat gegelten, wie eine Eins stehenden – Haarpracht auf seinem Schopf gereiht kriegt...

Ehrlich gesagt: so geht´s mir immer, wenn ich den Typen sehe: Je-des-mal, ob ich will oder nicht... Vielleicht ist das überhaupt Sinn des stylistischen Aufwandes: Das man die ganze Zeit über das Haarteil sinniert und nicht mehr genau hinhört, was er da eigentlich erzählt.

Richard Zietz 24.11.2016 | 13:35

Denke ich auch.

Darüber hinaus gibt es jede Menge Raum für tiefenpsychologische Spekulationen – beziehungsweise die Symbolik, die der Mann wie ein Plakat vor sich her trägt. Der Kopf signalisiert ja geradezu beispielhaft Unangepasstheit, Renitenz, Rebellion. Seht her – ich hab’ einen Iro, ich stehe in der Tradition des Punk. Alles unterhalb des Kopfes ist geradezu betonter Mainstream: Anzug, klassisches Schwarzweiß, betonte Abgrenzung zur Jeans-Kultur mit ihren subkulturellen Botschaften. Die Gesamtbotschaft könnte man etwa wie folgt interpretieren: Ich bin in der Birne zwar sowas von unangepasst (seht her, mein Iro). Im wesentlichen jedoch – in meiner eigentlichen Existenz – gehöre ich zu euch: zur Klasse der Spin Doctoren, zur Elite derjenigen, welche die Entscheidungsträger berät (in einem Sinn selbstredend, den jene nicht bereuen sollen).

Hinzu kommt die Rotzbremse – beziehungsweise mittlerweile eher ein Dreitagebart. Könnte man mit Lässigkeit übersetzen – beziehungsweise der Lässigkeit derjenigen, die sich eine derartige Attitüde leisten können.

Gefällt mir immer mehr. Vielleicht sollte man daraus eine Reihe machen: Politiker und was ihre Körpersprache verrät.

Rüdiger Heescher 24.11.2016 | 14:31

Er hatte sich schon in der letzten Illner Sendung mehr als geoutet und treibt erst recht die Leute zur AfD. Wie du oben schonmal geschrieben hast:

Im Grunde genommen ist es ganz einfach: Die Diskussion, wer wen basht, ist vollkommen müßig. Leute wie Stauss, Illner & Lobo sind es, die der AfD die Leute zutreiben. Weil diese Leute im Grunde für sie nichts weiter sind als Dreck.

Es ist dem nichts hinzuzufügen. Diese Wahrnehmung bekommt automatisch jeder, wenn man vermeintlich Linksliberalen zuhört, egal ob sie einen roten Hahnenkamm tragen oder nicht.

Und hier müssen sich wirkliche Linke von distanzieren. Ganz eindeutig distanzieren und das Spiel der political correctness nicht mitspielen. Denn ansonsten werden wirkliche Linke zurecht mit Linksliberalen in einen Topf geworfen. Das wäre das Ende für jede progressive Veränderung für lange lange Zeit.

Richard Zietz 24.11.2016 | 15:18

Ob sich das sogenannte Fortschrittlichen-Milieu und das der Linken (die es bislang sowieso nur ansatzweise gibt) so voneinander scheiden muß, wie du schreibst, bin ich mir nicht sicher. Ich bin jedoch beruhigt und denke, auch in der Beziehung wird die Ökonomie das letzte Wort reden. Wenn die Prekarisierung auch im geisteswissenschaftlichen Bereich noch breiter greift als bislang, wird sicher auch dort massenhafteres Umdenken einsetzen – weg von den Wolkenkuckucksheimen der political correctness und der Stellvertreter-Betroffenheit, hin zum Aufgreifen der (nunmehr auch als Betroffene empfundenen) sozialen Frage.

Sicher wird das nicht wohlbestallte Milieu-Leitfiguren betreffen wie etwa Sascha Lobo. Grosso modo werden diese »Meinungsführer« den Weg gehen, den andere bereits vorangegangen sind. Namen muß man da keine nennen; speziell die Grüne Partei ist voll davon.

Rüdiger Heescher 24.11.2016 | 15:46

Ich denke schon. Letztlich auch eine Erfahrung aus der Novemberrevolution.

Wer setzte sich an die Spitze im vorrevolutionären Kampf? Es waren die reaktionären Sozen, die sich dann mit dem Junkertum verbündeten.

Was für eine Ironie der Geschichte. Junker regiert mit Schulz die EU.

Und nun soll ein Schulz die Arbeiter wieder von der SPD begeistern lol

Als wenn wir ständig in historischen Schleifen leben.

Und täglich grüsste das Murmeltier.

Die Sozen haben damals den Kampfbegriff der Lügenpresse, den die Novemberrevolutionäre gegen die Bourgoisie benutzen, die jetzt geführt war von Junkern und Sozen, verurteilt und gehörten selbst der Lügenpresse an. Kein Wunder, wenn die Nazis den Kampfbegriff Lügenpresse für sich aufgreifen konnten.

Seit 1922 wurde Lügenpresse als Kampfbegriff dann nicht mehr mit einer kommunistischen Revolte gegen die Junker und Militaristen verstanden, sondern konnten die Nazis für sich nutzen.

Das Problem war: zurecht

Und wer war Schuld, dass die Nazis das konnten?

Die SPD

Es ist schon sehr irritierend, dass es kaum noch angeblich linke Intellektuelle gibt, die sowas überhaupt noch wissen.

Zack 24.11.2016 | 16:21

Fini, du nimmst wirklich jede Wortmeldung zum Anlass 100000 Baustellen aufzumachen, um immer wieder ganz fürchterlich-moralisch abzukübeln: über Wahn und Irrsinn des gemeinen Fußvolkes, sein geistiger Allgemeinzustand, der in all das kumuliert, was du ja oft sehr trefflich illustrierst, wenn du die sichtbaren Verlaufsformen der herrschenden wie interessierten Verrücktheiten beschreibst, welches ein demokratisch-kapitalistisches Völkchen von willig benutzbaren Psychos tagtäglich anstellt.

Predigten über die moralischen Verfehlungen von Insassen der Klapsmühle Deutschland, führen aber, außer vielleicht persönlicher Katharsis, zu rein gar nichts.

Ganz, ganz kurz nur: der Klassenkampf von Unten („Arbeit“) gegen Oben („Kapital) ist das Kriegsbeil gegen die Ausbeuter und kein Krieg gegen jene, deren Köpfe wir bequem ohne Risiko spalten können!

Nach dem du eine irre, skrupelloseund bequem Köpfe spaltende Masse in unseren Breiten dingfest gemacht haben willst, sollnun die selbe Masse, und zwar schon seit langem so klug geworden sein, um zu wissen, dass mit Gewalt gegen den Staat nichts mehr bewirkt werden kann.

Eine Masse, die das von Gewalt (Staat) und Geschäft (Kapital) eingerichtete Konkurrenzverhältnis nicht mehr als Hindernis ihrer Bedürfnisse auffasst, sondern ihren Dienst am fremden Eigentum als quasinatürliche Bedingung nicht nur anerkennt, sondern diesen Dienst auch als Angebot und Sprungbrett persönlicher Chancen befürwortet, hat nie vorgehabt und zukünftig auch nicht vor, mit oder ohne Gewalt, Kapital und Staat klassenkämpferisch ins Gehege zu kommen, um entsprechend irgendetwas zu bewirken.

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Ehemaliger Nutzer 24.11.2016 | 16:26

.... der Zusammenbruch des Systems, aufgrund verweigerter Kollaboration bedeutet nicht die Zertrümmerung bestehender sämtlicher "Hardware"!

Wobei sehr viele menschgemachte Objekte besser in Trümern auf Halden liegen sollten, als benutzt zu werden.

Wäre ein gigantisches Rohstoffreservoir. (Sofern das Zeug recycelbar ist....)

Oh ich möchte aufdringlich sein - wozu sonst sollte ich mich hier auslassen - die meisten ignorieren es doch ohnehin, danke für ihre Ausdauer. (Sie lesen das Zeug, sonst könnten sie mir die fehlenden n´s nicht vorhalten - die in der Tat bei den "denn´s" meist nur einfach statt zweifach vorkommen...)

Rüdiger Heescher 24.11.2016 | 17:03

Was war damals die Begründung von Friedrich Ebert damals?

"Man darf nicht das weitere Schicksal Deutschlands der Partei der Revolution überlassen“

Gemeint war mit der "Partei der Revolution" die USPD und später konstituierende KPD.

Worum ging es also letztlich?

Machterhalt oder Machtgewinnung der SPD mit Hilfe des Junkertums und der Militaristen. Ganz profan. Kein Ideal, keine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Schlicht und einfach nur Macht in der neuen Weimarer Republik.

Philipp Scheidermann, Mitglied des Parteivorstandes der SPD, und Gustav Bauer, zweiter Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften traten dann in die Regierung ein als kaiserliche Staatssekretäre.

Heute könnte man sie auch mit Schulz und Siggipop vergleichen.

Das zur Ergänzung, weil manche glauben, dass Geschichte sich nicht wiederholen würde.

Wer Geschichte ein wenig kennt und vielleicht noch behalten hat, was er in der Schule gelernt hat zur Weimarer Zeit im 9. Schuljahr (vielleicht auch gute Geschichtslehrer hatte), der erlebt zur Zeit lauter Deja vu Erlebnisse.

Charlie Schulze 24.11.2016 | 17:11

Vielleicht sollte man daraus eine Reihe machen

Unbedingt. Solche Betrachtungen sind ja nicht nur unterhaltsam, sondern auch erkenntnisfördernd.

Im Fall Lobo auch sehr interessant, wenn das Visuelle wegfällt, wie im Übermedien-Podcast. Da wird überdeutlich klar: Hier spricht einer, der sehr gut weiß, wie man sich in Talkshows in den Vordergrund quatscht - aber keine Ahnung hat, wie man ein Gespräch führt.

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Ehemaliger Nutzer 26.11.2016 | 10:45

stimmt - der Thread ist gehaltvoller - in ja, die Aufklärung hat, so wie insinuiert, niemals die Gesellschaft durchdrungen. Wobei, heutzutage wird ja in der Philosophie schon oft damit Absolution erteilt, als dass ja der Homo Sapiens letztlich doch ein schlichter Primat, eben darum, zur schlussendlichen Bewertung der Realität, ganz und gar nicht im Stande sei. Im Volksmund gesprochen - tja, so ist er eben, der Mensch. (das Achselzucken dazu stellt man sich sowieso vor..... - spricht´s dreht sich ab, und geht z.B. an den eigenen Lohngenerierungsplatz, Kaufkrafttrog, wie auch immer man es benennen mag, jenes abhandelnd, was vom universellen Programm menschlicher Triebeinstellung einem vorgegeben. Jene die da nicht reibungslos mitwirken, sind eben schlicht "unbrauchbar" - unser Glück, wir leben auf einem Flecken, da die brauchbaren Artgenossen uns nicht schlicht gleich erschlagen. Es ist doch die leichteste Weltanschauung, dieses Achselzucken.

iDog 27.11.2016 | 12:24

"heutzutage wird ja in der Philosophie schon oft damit Absolution erteilt, als dass ja der Homo Sapiens letztlich doch ein schlichter Primat, eben darum, zur schlussendlichen Bewertung der Realität, ganz und gar nicht im Stande sei."

so ist es ... und das ist nicht nur plattester Platonismus , um nicht zu sagen "Christentum", sondern auch nichts anderes als Antiphilosophie. Wozu die existiert, wird erst klar, wenn man die herrschaftskonfome und die idealistische Philosophie mal außen vor lässt und sich dem Denken zuwendet, was wirklich um Realität bemüht ist. Das ist zum Teil "vorsokratisch", dann epukureisch, Lukrez etc. ... dann kommt lange gar nichts außer Fantasmen einer komplett irrationalen "Weltordnung" mit sieben Himmeln und singenden Seelen ... danach, und nach der Verbrennung einiger, die die Wirklichkeit zu reklamieren wagten, wird es erst mit Gallilei und dann Darwin wieder seriös und den paar "vergessenen" Denkern der Aufklärung bis wir dann zu Nietzsche und ein paar lebenden Materialisten, meist in Form seriöser Wissenschaft, kommen, soweit diese nicht ideologisch instrumentalsiert, finanziert und kontrolliert wird. Michel Onfray hat das alles schön auf den Punkt gebracht.

Es ist tatsächlich erstaunlich wie vehement gerade in gewissen Kreisen der Materialsims, den man an sich nur als hedonistisch bezeichnen kann, abgelehnt wird im Sinne eines Etwas, das man nur vage als Spiritualität oder gar "Bewusstsein" zu beschreiben versucht, obwohl es meist nichts weiter als ein etwas unkoordiniertes, ideologisches Sampling ist, ein Mischung aus bekanntem Irrsinn, den keiner erklären will oder kann. Dieser stützt den ideologischen, kapitalistischen "Materialismus" selbstverständlich im Sinne einer Monokultur des Konsumismus zugunsten des herrschenden Kapitals auf’s Hervorragenste. Und man kann allenfalls sagen , um auf's Thema zurückzukommen, dass wenn hier jemand "Furcht vor klugen Köpfen" haben sollte, es dieses Establishment ist und immer war. Die klugen Köpfe aber waren immer die, die monokausale Ideologie und den antiphilosophischen Wahn der Herrschaftseliten in Frage stellten.

gelse 27.11.2016 | 13:40

>>Dass ein linker Intellektueller und Kenner der "sozialen Frage" wie Butterwegge von der Linken als Gegenkandidat zu Steinmeier aufgestellt wird, ist in dieser Hinsicht zwar nur symbolisch, aber trotzdem ermutigend.<<
Ja.
Butterwegge zeigt ja, dass sich "Intellektuelle" durchaus auch mit den ganz konkreten Problemen des Spätkapitalismus" auseinandersetzen können. Ist halt nicht so bequem wie die Ausweichstellen...

gelse 27.11.2016 | 13:52

>>Wer Geschichte ein wenig kennt und vielleicht noch behalten hat, was er in der Schule gelernt hat zur Weimarer Zeit im 9. Schuljahr (vielleicht auch gute Geschichtslehrer hatte), der erlebt zur Zeit lauter Deja vu Erlebnisse.<<
Das geht mir auch so.
Dabei wäre es doch jetzt, wo sie alle wieder um Wählerstimmen buhlen, an der Zeit, Bedingungen zu stellen: "Wir könnten euch zur 5%-Partei machen und die DKP zur 50%-Partei, wenn wir wollten. Denkt mal drüber nach..."
Na ja, jetzt natürlich Entsetzen allerseits: "Waaas, die DKP??" Jahaa, das wird man wohl noch sagen dürfen ;-)

Ursus 27.11.2016 | 14:03

Dass mit dieser "Symbolik" der fundamentalistische Teil der LINKEN ihr realpolitisches Versagen langfritig auf Kosten der Glaubwürdigkeit eines ernst zu nehmenden Zukunftsforschers zu kaschieren versucht, wird hier wohl völlig ausgeblendet.

Ich hätte das Signal zu einer Koalitionbereitschaft mit SPD und B90/Grüne (trotz Steinmeier) nicht nur für ehrlicher weil auch in der LINKEN mehrheitsfähig gehalten, sondern auch für die beste Gelegenheit, endlich die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in praktischer Regierungsarbeit zu signalisieren.

Das wäre wichtig gewesen, um weitere Stimmabwanderungen von der LINKEN ins rechtspopulistische Lager zu stoppen.

Leider konnten sich die Wagenknechte in dieser Frage durchsetzen, die wohl alles daran setzen, diese Partei in die Bedeutungslosigkeit zu treiben.

Wer wählt schon auf Dauer störrische Fundamentalisten ohne jede Kompromissbereitschaft?

Richtig: Fundamentalisten.

Zack 27.11.2016 | 14:21

Die herrschende "Antiphilosophie" geht mit der Zeit und wechselt die Determinismen, wie ein Poseur seine Kleider.

Die apologetische Leier von der Wolfsnatur wurde einer Renovierung unterzogen und heißt heute verhaltensbedingte Disposition, liefert bis heute außer Setzung null Beweis, aber jedweden Schnickschnack und Zirkelschluss aus der Welt der postmodernen Religion: der psychologischen Weltanschauung.

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Ehemaliger Nutzer 27.11.2016 | 23:17

Wird Leuten wie Frau Kullmann jemals klar, dass man nicht Stützrädchen und Großkritiker der globalistischen Geldherrschaft zugleich sein kann?

Das heißt, man kann es schon, nur darf man sich dann eben nicht wundern, wenn die Leute der eigenen Moral (die man so einträglich wie ersatzreligiös vor sich herträgt) nicht mehr über den Weg trauen, auch weil sie diese, offenbar im Gegensatz zu einem selbst, durchschauen.

Da läuft eine Schlacht: eine hochkapitalistische postkulturelle oder, genauer, monokommerzkulturelle und seelenlose Welt der Ausbeutung und der Berechnung gegen eine, die das alles nicht will.

Das Problem der Linken ist, dass sie größtenteils auf der ersten Seite steht. Auf der dunklen Seite der Macht. Deswegen weht die Fahne des Vorwärts nicht mehr.

Auf der anderen Seite stehen auch keine Heiligen. Aber sie sind allemal menschlicher als ihre Gegner. Echter, authentischer, damit glaubhafter. Was immer man von Donald Trump hält, er hat niemals hohle Pressesprecherstanzen aufgesagt. Stattdessen hat er geschimpft und geholzt. Aber es war echt. Es war Leben drin. Ein fluchender Arsch aus Fleisch und Blut besiegte eine aseptisch blutleere Pseudoheilige, die in den leeren Stanzen ihres verlogenen Neusprechs herumirrlichtert und sich wundert, dass die Welt nicht auf die eigene Pseudomoral hereinfällt. Ohne die siegreiche Seite hypen zu wolle: Wo man sich über die Niederlage Clintons ernstlich wundert oder sich gar darüber echauffiert, weilt man unter Hohepriestern der Weltfremdheit. Das Schauspiel ist interessant anzusehen, doch die Geschichte ist nicht sentimental.

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Ehemaliger Nutzer 28.11.2016 | 09:51

Aber es war echt. Es war Leben drin. Ein fluchender Arsch aus Fleisch und Blut besiegte eine aseptisch blutleere Pseudoheilige, die in den leeren Stanzen ihres verlogenen Neusprechs herumirrlichtert und sich wundert, dass die Welt nicht auf die eigene Pseudomoral hereinfällt.

Sie haben es erfaßt - wie Villion, Keruack und Bukowsky: die einem nennen es "Gosse" -andere "ganz unten" -andere wieder das ungeschminkte Leben der einfachen Menschen. alle zusammen verbindet jedoch eine Abscheu gegen die geheuchelten "Moralpredigten" von JEDER Kanzel - sie sehen einfach auf ihre Arbeiterhände und ihre 2-3 prekären Jobs, die ihnen trotzdem keinen Familienurlaub ermöglichen und wissen ganz genau, was sie von gestelzten blabla zu halten haben: einfach nichts.

renovatio06 05.01.2017 | 00:00

Danke, Fr. Katja Kullmann! Da hatte ich einen kurzen, süssen Moment lang Hoffnung: Solange Artikel wie der Ihre erscheinen ("dürfen"), ist noch nicht alles verloren. Dachte ich, wie gesagt für diesen kurzen Moment. Dann habe ich die Kommentare gelesen solange ich sie ertragen konnte und ab da dann nurmehr überflogen. In dem Moment hat sich die Hoffnung verkrümelt um lähmender Angst, brechreizerzeugendem Entsetzen und still zur Kenntnis genommener, sich anbahnender, aber niemals gelebter Raserei Platz zu machen: Gesellschaftliche Fragmentarisierung, die letztlich auf jede Form der Besitzstandswahrung - auch vermeintlich "intellektueller" (seitens Ihrer "Kritiker", die sich dann doch nur wieder als pöbelnde, prügelnde Gassenjungs mit einem winzigen Quäntchen mehr an Eloquenz gegenüber diesen entpuppen) - hinausläuft. Ich sehe zu wenig Anzeichen, dass wir es "hier" "schaffen können". Ich sehe - und lese von - die (der) erbarmungslose(n) Kraft, die die politische Instrumentalisierung archaischer Reflexe zu entfalten scheint, und das mit einer gewissermassen unfehlbaren Sicherheit. Ich sehe und lese Ihren sorgfältig recherchierten und vollständig plausiblen Beitrag um dann im Anschluß daran das grobe "Hauen und Stechen" der vermeintlichen Freunde zur Kenntnis nehmen zu müssen. Was soll das werden, wie soll da ein Bewußtsein oder gar eine Bewegung entstehen können, wenn sogar die von Ihnen identifizierte politische Kraft sich so gefügig die Manipulationen der rechtsdrehenden "Kulturen" ergibt? Aber... man muss immer weiter hoffen. Vielleicht sind das nur die paar wenigen rotgesichtigen Flegel ohne Anstand, die sich hier zu Wort melden. (Den letzten Satz meine ich ohne den geringsten Hauch von Sarkasmus). Daher: Danke.

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Ehemaliger Nutzer 05.01.2017 | 01:50

Unsere Arbeitslosenstatistik ist für mich eins von vielen "Lügenpresse"-Argumenten. Doch nicht nur hier wird die Realität in großen Haufen unter den Teppich gefegt.

Wo ist in Deutschland Euro-Kritik erlaubt? Äußert man Bedenken, wird man instantan zum national angehauchten Grenzschützer oder zum SED-Stalinisten erklärt.

Eine Ungleichheitsdebatte, die dringend nötig wäre, wird durch lautes Leugnen von Medien wie der "Welt" im Keim erstickt. Ohne eine ehrliche, faktische, Basis scheitert jede Debatte schon an der Überschrift.

Die kriegerische Nato ist ebenfalls unantastbar. Waffenexporte und schmutzige Flüchtlingsdeals mit kriminellen Diktatoren sind nicht zu kritisieren, ohne Gefahr zu laufen, zum Populisten und Verführer erklärt zu werden.

Wir leben bereits lange Zeit in einer perfekt getarnten Diktatur, in der Superreiche sich zur Spitze der Evolution erklären und den Ausschuss langsam verrotten lassen. Weil sie das Sagen haben. Politiker sind zu Marionetten verkommen, denen das Grundgesetz nicht mehr als eine Erbse unter 20 Matratzen ist.

Klassenkampf findet heute ausschließlich von oben nach unten statt. Nicht einmal von links kommt da viel Aufklärung. Die Linke könnte mit besserer Kommunikation deutlich besser abschneiden, trotz der immer wiederkehrenden SED-Totschlagskeulen von weiter rechts...

Wie sollte der Kampf auch aussehen? Der parlamentarische Weg wird systematisch verunmöglicht, Gewalt lehnen wir ab. Und der seit Jahrzehnten enttäuschte Wähler hat es immer schwerer und pfeift auf die Wahl, oder wählt rechts. Lieber ein satter Nationalist als ein Kampf um Teilhabe in einer Demokratie...

Frau Göring-Eckart definiert inzwischen in der Presse "linke" Politik. Diese Mehrheitsbeschafferin für Schröders neoliberale Agenda formt den Begriff "links" nach neoliberalen Standards um. Es wird bald so aussehen, wie in den USA. Dort haben wirklich Linke keine Chance, jemals an einer Regierung beteiligt zu sein. Das ist erschreckend...