Sebastian Dörfler
Ausgabe 3114 | 31.07.2014 | 06:00 60

„Ventil der Gefühle“

Im Gespräch Antisemitismusforscher Detlev Claussen über Proteste gegen Israel, Hass auf Juden und schärfere Gesetze

Der Freitag: Herr Claussen, waren Sie in den vergangenen Tagen bei einer Pro-Palästina-Demonstration?

Detlev Claussen: Ja, neulich bin ich in Hannover in so eine Demonstration geraten. Ich habe es gemacht wie die Bürger in den 60ern und bin ganz schnell weitergegangen. Die Leute waren völlig verwirrt. Es war überhaupt kein politischer Wille zu erkennen, nur die Manifestation eines merkwürdigen undefinierbaren Volkszorns. So etwas ist immer ekelhaft.

Wen spricht dieser Zorn jetzt besonders an?

Zum einen sind da Palästinenser, die um das Leben ihrer Verwandten fürchten. Es ist absolut legitim, deswegen auf die Straße zu gehen. Aber um sie herum schart sich ein undefinier-barer Haufen von Menschen. In Deutschland haben wir es mit ein paar Ideologen zu tun, die aus dem salafistischen Milieu kommen. Dann sind da Hamas-Unterstützer, die aber nur eine ungefähre Ahnung davon haben, was die Hamas eigentlich ist. Für sie ist das ein Ausdruck abstrakter Radikalität. Die sind gegen Israel, gegen Amerika oder gegen Deutschland, da geht alles durcheinander. Außerdem gibt es Rechtsradikale. Und verblödete Antiimperialisten, die sich neben diese Leute auf die Straße stellen. In Frankreich ist es noch viel schlimmer.

Der französische Premierminister Manuel Valls spricht von einer „neuen Art des Antisemitismus“, die sich in den Banlieues ausbreite und der eine Jugend „ohne Orientierung und Geschichtsbewusstsein“ erliegen würde. Was ist neu an diesem Antisemitismus?

Hier ist überhaupt nichts neu. Seit 250 Jahren begleitet uns der moderne Antisemitismus in allen westlichen Gesellschaften. Er ist ein elementarer Bestandteil der westlichen Zivilisationsgeschichte. Seine einzige Botschaft lautet: „Die Juden sind an allem schuld.“ Sie kommt mal manifester zum Ausdruck, mal bleibt sie im Hintergrund. Diese Typen, die jetzt auf der Straße herumrennen, sind ein willkommener Anlass für latent antisemitische Gesellschaften und Medien, sich als nichtantisemitisch hinzustellen und zu sagen: die Antisemiten, das sind die Anderen.

Wie manifestiert sich die latente Form des Antisemitismus?

In fast allen westlichen Gesellschaften hat sich etwas durchgesetzt, das ich „Ja, aber“-Antisemitismus nenne: „Ja, Auschwitz war schlimm, aber man wird doch noch sagen dürfen …“ Und dann kommen die Ressentiments: Es sitzen zu viele Juden an der Börse, in den Medien, und Israel darf man auch nicht kritisieren – was ja überhaupt nicht stimmt! Jeder kann Israel kritisieren, so viel wie er will, wenn er tatsächlich Israel kritisiert! Ich kann ja auch Frankreich kritisieren, ich kann Spanien kritisieren für irgendwelche innenpolitischen Verhältnisse. Aber im Fall von Israel kommen oft keine Argumente, sondern die vermeintliche Kritik wird zu einem Ventil für Gefühle. Dagegen muss man immer wieder von neuem antreten.

Was irritiert Sie besonders, wenn Sie jetzt die Demonstrationen und die Debatte darüber verfolgen?

Mich macht misstrauisch, dass sich so viele Leute über Israel unheimlich aufregen, aber über Syrien kein Wort verlieren. Wir haben dort seit zwei Jahren solche Gräueltaten erlebt, aber Sie kriegen keine Demonstration mit mehr als 100 Leuten zusammen. Bei Israel ist das sofort anders. Da vermischt sich offenbar etwas. Das Schlimme an den Gruppierungen ist ja, dass sie den Nahostkonflikt als Vehikel benutzen für die eigene politische Agitation. Israel ist ein Gadget, das die Leute zusammenbringt.

Welche Rolle spielen dabei die Medien?

Was ich von den Medien verlange, ist, dass sie klarer differenzieren, also den Nahostkonflikt trennen von den Konflikten, die wir hier haben. Die Dynamik des Konfliktes in Israel und den palästinensischen Gebieten hat mittlerweile auf beiden Seiten eine Form von Rassismus produziert, die unerträglich ist. Freunde von mir waren auf einer Demonstration dagegen in Tel Aviv, da waren etwa 1.000 Leute. Davon kann man hier fast nichts lesen. Auch das wäre die Aufgabe der Medien, klar zu benennen und zu informieren: Was ist eigentlich der Sachverhalt, wo sind die Kräfte auf beiden Seiten, auf die man setzen könnte. Was sich hingegen hier auf den Straßen abspielt, ist eine ganz andere Geschichte.

Sie lehnen es ab, zwischen einem muslimischen Antisemitismus und einem christlich-westlichen Antisemitismus zu unterscheiden.

Dieser Antisemitismus ist ja nicht muslimisch, nur weil die Leute, die jetzt auf die Straßen gehen, als „Muslime“ identifiziert werden. Die meisten von denen wissen doch nicht einmal, wer der Prophet war. Die aktuelle Zuspitzung ist nur vor dem Hintergrund des Islamismus zu verstehen. Der Islamismus ist eine politische Ideologie, die in Reaktion auf die Säkularisierung der arabischen Welt entstanden ist. Das hat aber mit Religion nichts zu tun. Das sind politische Gruppierungen, die nicht akzeptieren wollen, dass wir in einer ethnisch heterogenen Gesellschaft leben, mit ganz unterschiedlichen Lebensformen.

Michèl Teboul, die Vorsitzende der jüdischen Institutionen in Marseille, hat kürzlich gesagt, die Juden würden in Zeiten der Krise nun zum „Sündenbock einer zerfallenen Welt“ gemacht.

In Frankreich gibt es eine Massenbasis von deklassierten Jugendlichen und Erwachsenen, die seit 30 Jahren ohne Chance sind. Also ja, wir leben in einer zerfallenen Welt. Seit etwa 30 Jahren gibt es ja nicht einmal mehr die Angst vor irgendeiner gesellschaftlichen Alternative. So lässt man die Heranwachsenden in den Banlieues vor sich hin vegetieren, bis sie straffällig werden. Es ist wie mit den Afroamerikanern in den Vereinigten Staaten: Die einzige Antwort dieser Gesellschaften auf soziale Missstände sind Gefängnisse. Diese Menschen haben gemerkt: Wenn sie für ihre eigenen Anliegen einstehen, nimmt das niemand wahr. Gibt es aber antiisraelischen Protest mit antisemitischen Parolen, dann sind die Medien da.

Das funktioniert quasi auf Knopfdruck?

Israel ist für sie ein wunder Punkt in der Legitimation der westlichen Gesellschaften. Das ist eine fürchterliche Verknüpfung. Dann kommen die ekelhaften Sachen dazu: dass Menschen verfolgt und verprügelt werden, die man für Juden hält. Alles wird befeuert von politischen Agitatoren, von denen es seit 9/11 viel mehr gibt. Für die ist der Nahostkonflikt eine Nährquelle.

Gilt das auch für Deutschland?

Hier gibt es diese Massenbasis nicht. Aber ein paar Hundert reichen völlig aus. Es ist ja auch erschreckend, wie viele Leute sich hier ködern lassen, um als nützliche Idioten in Syrien zu kämpfen. Da muss man viel in die Jugendarbeit stecken, immer wieder neue Angebote machen und sich nicht aus Jugendzentren zurückziehen, wenn ein paar Salafisten kommen. Diese Debatten gibt es auch hier in Frankfurt.

Angebote zu schaffen ist das eine. Wie kann man den Antisemitismus akut bekämpfen?

Man kann den Antisemitismus nicht direkt bekämpfen. Antisemitische Taten schon. Da sind die Amerikaner weiter. Auch wir sollten strafgesetzlich etwas Ähnliches einführen wie hate crimes, damit Leute auch Sanktionen spüren, wenn sie Sachen rufen wie: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein.“ In Deutschland gibt es nur den diffusen Begriff der Volksverhetzung, da fallen solche Äußerungen nicht einmal darunter. Hate crimes sind eine klare Sache und würden nicht nur für antisemitische Parolen gelten, sondern anerkennen, dass Worte bereits so aggressiv sein können, dass sie die Würde eines Menschen verletzen. Das wäre viel mehr wert als Festtagsreden über Wertegemeinschaften.

Und jenseits des Strafgesetzbuchs?

Immer noch: Aufklärung. Und zwar nicht in dem Sinn, dass der liebe Lehrer kommt und erzählt, dass in Wahrheit alles ganz anders ist. Aufklärung bedeutet, es Menschen zu ermöglichen, gesellschaftliche Konflikte zu begreifen und diese mit den Mitteln von Verstand, Organisation, und politischem Willen zu verändern. Solche Erfahrungsräume zu schaffen, ist das Allerwichtigste. Wer gelernt hat, bewusst für die eigenen Interessen zu kämpfen, wird niemals auf antisemitische Parolen hereinfallen.

Das Gespräch führte Sebastian Dörfler

Detlev Claussen, 66, hat in Frankfurt bei Adorno studiert und ist Professor an der Uni Hannover. Seit dem Buch Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus zählt er zu den bekanntesten Antisemitismusforschern. Aktuell beschäftigt er sich mit Identitätsbildung nach 1989 und 9/11. Er lebt in Frankfurt

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 31/14.

Kommentare (60)

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2014 | 15:33

Man kann nicht so tun, als hätte in den letzten 50 Jahren keine islamische Masseneinwanderung in europäische Staaten stattgefunden.

Die Ablehnung anderer Religionen und den auf diesen Religionen gegründeten Gesellschaften ist im Islam fest eingewoben, deshalb gab es die Dhimma, mit der sich einst Juden und Christen sowie später Hindus und andere vor der Bedrohung, Verfolgung, Vertreibung und Ermordung durch Muslime freikaufen konnten.

Ebenso im Islam fest eingewoben ist die Verachtung gegenüber anderen Kulturen und die eigene moralische wie kulturelle Überlegenheit über schwache und verfallende Gesellschaften, wie es die westlichen Kulturen aus Sicht des Islam sind.

Der Islam ist deshalb auch ein politisches Statement. Jeder gute Muslim weiß das, weil er in diesem Sinne erzogen wurde und wird. Da ist nicht irgendwie etwas diffus, sondern sehr bewußt und selbstbewußt, vor allem vor dem Hintergrund der weltweit erfolgreichen Ausbreitung des Islam.

Die verschiedenen vom Islam umgewandelten Kulturen wirken natürlich auch heute noch als kulturelle Tönungen des Islam mit, wie man von Zuwanderern aus verschiedenen islamisch umgewandelten und geprägten Gesellschaften lernen kann.

Denn Mentalitäten bilden sich über Jahrhunderte aus und bleiben über Jahrhunderte erhalten, wie man seit den Forschungen der Annales-Schule wissen kann.

Aus genau diesen Gründen kann man auch nicht den europäischen Antisemitismus mit dem islamischen Antisemitismus in einen Topf werfen.

Das spricht jeder wissenschaftlichen Vorgehensweise geradezu Hohn. Viel schlimmer noch ist, dass man aufgrund der fehlenden Untersuchung und Unterscheidung diesem Antisemitismus nicht begegnen kann. Auch nicht mit soziologischen wie geschichtlichen Fehlannahmen aus den 1960ern, womit man beständig auf soziale oder koloniale Umstände abstellt und sich damit den Blick auf die Wirklichkeit verstellt.

Viele Konflikte in arabischen wie afrikanischen Staaten sind hausgemacht, ob das Kriegsfürsten oder die dramatischen Bevölkerungszunahmen in diesen Länder sind.

Es gibt als Gegenbeispiel insbesondere in Asien Gesellschaften, die ähnlich schlechte Voraussetzungen hatten und haben wie manche arabische oder afrikanischen Staaten und die dennoch nicht die Welt mit Terror überziehen, sondern an ihrem eigenen Erfolg arbeiten und dabei überaus erfolgreich sind.

Einen asiatischen Antisemitismus gibt es scheinbar nicht. Warum wohl? Es gibt dort fast gar keine Muslime.

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2014 | 17:01

Ja, mein Fehler. Ich bin unausgesprochen von den nicht durch den Islam umgewandelten asiatischen Staaten (China, Japan, Korea usw.) ausgegangen. Dabei habe ich sowohl den heutigen Iran (Persien), den indischen Subkontinent (Pakistan, Indien, Bangladesch) also auch Indonesien und Malaysia ausgelassen. Aber nicht absichtlich, weil mir deren schon vonstatten gegangene Umwandlung bekannt war und mein Bild von asisatischen Staaten wohl etwas enger ist.

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2014 | 17:15

"Ja, neulich bin ich in Hannover in so eine Demonstration geraten. Ich habe es gemacht wie die Bürger in den 60ern und bin ganz schnell weitergegangen. " Wie, es gab damals schon in den 60'ern antisemitische Demonstrationen? So wie ich es erlebt habe, haben sich die Bürger nur deswegen schleunigst getrollt, weil sie nicht auch noch den Scheitel nachgezogen haben wollten. Demonstriert haben wir damals (ja ich war auch dabei) gegen höhere Straßenbahngebühren, gegen den Vietnamkrieg, mit "trefflichem" Erfolg auch gegen den Schah von Persien und wenn es mal allgemein wurde, gegen die "Durchseuchung" (ja, ich verwende dieses Wort, aus berechtigten Gründen) mit Parteibuchträgern von 1933 bis 1945, den Funktionären, Richtern, Generälen, die sich mühelos aus dieser Zeitspanne herüber gerettet hatten. Ihre "gesunden Einstellungen" hatten keinen Schaden erlitten.

Und jetzt kommt der Herr Claussen und .... echauffiert sich teils in einer Sprache, die er eigentlich nur in seinen Teenagerzeiten in den 60ern bei Springer gelernt haben kann, professoral ist etwas anderes. Wenn er schon alles so genau weiß über den Antisemitismus in Deutschland, kann er uns vielleicht mal aufklären darüber, weshalb Jakob A. in den Top5 der Liste der in der Welt führenden Antisemiten eingereit wurde von Rabbi Abraham in L.A. Diese Frage hätte ich mir vom Interviewer des Freitag doch auch mal gewünscht. Ob wir eine Antwort bekommen hätten?

Habe mich jetzt wohl eindeutig als Antisemit geoutet. Nun gut, fahre ich eben nicht noch einmal nach in die früheren palistinensischen Gebiete. Bibi wird es verkraften.

freedom of speech? 31.07.2014 | 17:55

Die Swastika ist in Asien seit vielen tausend Jahren ein Heilssymbol, das überall anzutreffen ist und nichts mit dem deutschen Nazismus zu tun hat.

Das ist wohl auch ein weiterer Grund für das weit reichende Unverständnis und die Unkenntnis über europäische Geschichte.

Viele meinen das anscheinend wohl ahnungslos und harmlos.

http://www.rp-online.de/sport/fussball/wm/andere-teams/malaysischer-politiker-entschuldigt-sich-fuer-hitler-tweet-aid-1.4377800

Viele Grüße

fos?

balsamico 31.07.2014 | 17:55

...echauffiert sich teils in einer Sprache, die er eigentlich nur in seinen Teenagerzeiten in den 60ern bei Springer gelernt haben kann...

Eher nicht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Detlev_Claussen

Zitat:

Von 1966 bis 1971 studierte Detlev Claussen Philosophie, Soziologie, Literatur und Politik in Frankfurt am Main, unter anderem bei Adorno. Er wurde 1975 promoviert und 1985 habilitiert. Er ist Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen die Untersuchung von Antisemitismus, Xenophobie, Nationalismus, Rassismus, Transformationsgesellschaften, Migrationsbewegungen und Psychoanalyse.

Ein eher "linkes" Genie, augenscheinlich. Aber das mit den "verblödeten Antiimperialisten" ist hübsch, das gebe ich zu,

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Ehemaliger Nutzer 31.07.2014 | 18:11

Wikipedia hatte ich schon vor meinem Beitrag gelesen. Deswegen war ich ja so erstaunt über manche Formulierungskünste in dem Interview. Das hat überhaupt nicht zusammengepasst. Ein "linkes" Genie? Gibt es das überhaupt noch, hat es das jemals gegeben? Verblödete "Antiimperialisten" als hübsch zu bezeichnen, in der aktuellen Situation, das ist schon deftig, sowohl die Aussage ala auch ihre Einschätzung. Möge man mir verzeihen, dass ich jetzt wieder mit meiner Erzählung vom "tiefen Brunnen in dem die Kröten sitzen" komme. Natürlich muß eine Kröte, die weiter oben sitzt, einen größeren Kreis mit blauer Füllung als die Welt begreifen, als diejenigen Kröten weiter unten - so wie ich. Deswegen sitzt aber noch kein Professor auf dem Brunnenrand. Dann könnte er nämlich auch mal über den Rand hinaussehen, was Herr Claussen tunlichst vermieden hat, zumindest im Interview.

balsamico 31.07.2014 | 18:27

Verblödete "Antiimperialisten" als hübsch zu bezeichnen, in der aktuellen Situation, das ist schon deftig, sowohl die Aussage ala auch ihre Einschätzung.

Aber aber. Wenn ein Typ, den man eher links verorten würde, von "verblödeten Antiimperialisten" redet, ist das doch hübsch, finden Sie nicht?

Zur Erläuterung:

Wenn meine Wenigkeit sowas "hübsch" findet, ist das Ausdruck ungefähr zweitgrößter Distanz. Größte Distanz leite ich meistens ein mit: "Gewiss" oder "Hervorragend" oder dgl.

lBrasi 01.08.2014 | 01:31

Kann man damit Geld verdienen, daß man jeden andersdenkenden als schwachsinnig und verblödet hinstellt? Wenn, dann hätte ich gerne die Adresse. Ich lebe seit gut 50 Jahren in Deutschland und bin noch nie jemandem begegnet, der der Meinung war, die Juden seien an allem schuld. Was mir aber auffällt, ist, wannimmer diese ehrlose Israelische Armee über den Gazastreifen herfällt und wahllos Menschen, Kinder!, massakriert, hier ein wachsender Antisemitismus festgestellt wird und man damit jede Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Keim erstickt. Was für kaltherziger Journalist muß man sein, um sich für so etwas herzugeben?

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Ehemaliger Nutzer 01.08.2014 | 09:38

Michèl Teboul, die Vorsitzende der jüdischen Institutionen in Marseille, hat kürzlich gesagt, die Juden würden in Zeiten der Krise nun zum „Sündenbock einer zerfallenen Welt“ gemacht.

In Frankreich gibt es eine Massenbasis von deklassierten Jugendlichen und Erwachsenen, die seit 30 Jahren ohne Chance sind. Also ja, wir leben in einer zerfallenen Welt. Seit etwa 30 Jahren gibt es ja nicht einmal mehr die Angst vor irgendeiner gesellschaftlichen Alternative. So lässt man die Heranwachsenden in den Banlieues vor sich hin vegetieren, bis sie straffällig werden. Es ist wie mit den Afroamerikanern in den Vereinigten Staaten: Die einzige Antwort dieser Gesellschaften auf soziale Missstände sind Gefängnisse. Diese Menschen haben gemerkt: Wenn sie für ihre eigenen Anliegen einstehen, nimmt das niemand wahr. Gibt es aber antiisraelischen Protest mit antisemitischen Parolen, dann sind die Medien da.

Danke für die vielen aufschlußreichen kommentare! aber für mich ist die oben gegebene frage-antwort tatsache die wichtigste aussage. zum einen nach historischer reihenfolge das christentum gefolgt vom islam der alternativ entwurf zum alten monotheistischen judentum und zweifelsohne eine verbesserung im sinne der klarheit seiner aussagen. für mich kämpft auf dieser welt immer noch der staat, heute wahrscheinlich durch die demokratie in verflechtung mit der wirtschaft, gegen die gesamten religionen. die frage ist nur kann eine so erfolgreiche bewegung wie demokratie oder kapitalismus nicht in seiner grundform als eine religion angesehen werden?

für mich gibt es ganz klar das fehlerhafte denken des menschen er habe die richtige antwort, das wissen, die lösung! dies kann man nun weiter denken, indem man erkennt und aus den fehlern der vergangenheit erkennt. als beispiel warum ist plötzlich ein "deutscher" pabst durch einen "argentinischen" ersetzt wurden? ein aufgeklärter mensch sollte spätestens hier in unser christlich dominierten welt erkannt haben, dass religion unterdrückung und knetschaftsverhältnisse schafft. die menschen müssen ständig beschäfftigt werden, denn der problemautomat "gehirn" geist braucht beschäfftigung! wie aber gesellschaftliches zusammenleben regeln ohne machtverhältnisse zu schaffen? ist evtl der anarchismus die einzige freiheit?,da jeder alles darf aber nicht tun muss?

SchrittmacherM 01.08.2014 | 11:23

Würden Asiaten auf "diesen" Längengraden hier (der Afrika und Europa beinhaltet) leben, dann gäbe es einen "asiatischen" Antisemitismus. Selbstverständlich. Weil es nicht direkt auf Religionen begründet ist. Die Religionen haben sich hier wegen der Längengradproblematik erst herrausgebildet - über tausende Jahre an die Bedingungen angepasst und jeweils ihren Vorteil daraus zu jeweils ihren Lebensbedingungen erschaffen. Religion allein ist nicht "schuld", sondern auch nur Symptom.

steakhouse 01.08.2014 | 11:58

Dass die Diskussion über Syrien weniger intensiv ist als die Diskussion über den Nahostkonflikt kann auch andere Ursachen haben. Beide Konflikte unterscheiden sich gravierend: Der Nahostkonflikt ist nicht nur seit Jahrzehnten ungelöst (wodurch die Menschen lange Zeit hatten, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen), mit Israel ist auch ein Staat beteiligt, der gewisse Rechtsstaatliche Ansprüche an sich selbst erhebt. Polemisch ausgedrückt: Von einem syrischen Diktator und islamistischen Terrororganisationen erwartet niemand, dass sie sich an irgendwelche Regeln halten, während an Israel höhere Ansprüche gestellt werden.


Hinzu kommt, dass Israel offenbar ein massives Problem hat, die eigenen Aktionen kritisch zu hinterfragen. Das ist verständlich, weil Israel in der Region viele Feinde hat, die eine Vernichtung des Staates Israel anstreben. Auch hat Israel selbstverständlich das Recht, sich gegen Angriffe von palästinensischer Seite zu verteidigen. Allerdings stellt sich doch die Frage, warum in einer rechtsstaatlichen Demokratie – die Israel nach eigener Auffassung ist – die Sicherheitspolitik des Staates offenbar sakrosant ist. Es ist in Israel extrem schwierig, auch sachliche Kritik an dieser Politik zu äußern, ohne als Verräter oder Nestbeschmutzer zu gelten.

Wenn sich aber in einem Konflikt zwei Parteien gegenüber stehen, die beide nicht wirklich kompromissbereit sind (und ja: Die Hamas hat ein menschenverachtendes Grundsatzprogramm, aber auch auf israelischer Seite arrangiert sich der Staat mit radikalen Siedlern und streng orthodoxen Juden, die jedes Zugeständnis als Zumutung empfinden), die beide brutale Mittel einsetzen, die aber vollkommen unterschiedliche Ansprüche an ihr Handeln stellen, ist auch verständlich, wenn die Parteien von der Öffentlichkeit an ihren Ansprüchen gemessen werden. Oder anders: An den Staat Israel werden zu Recht strengere Maßstäbe angelegt als an die Hamas. Die Alternative wäre eine Neubewertung des Staates Israel und die Frage danach, ob es sich wirklich um einen demokratischen Rechtsstaat handelt.

knattertom 01.08.2014 | 13:27

Ich stimme dem Interview im grossen und ganzen auch zu.......

"Da sind die Amerikaner weiter. Auch wir sollten strafgesetzlich etwas Ähnliches einführen wie hate crimes, damit Leute auch Sanktionen spüren, wenn sie Sachen rufen wie: „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein.“ In Deutschland gibt es nur den diffusen Begriff der Volksverhetzung, da fallen solche Äußerungen nicht einmal darunter. Hate crimes sind eine klare Sache und würden nicht nur für antisemitische Parolen gelten, sondern anerkennen, dass Worte bereits so aggressiv sein können, dass sie die Würde eines Menschen verletzen."

Ihr Kommentar bezieht sich hierauf, oder? Für mich stellt es sich genau gegenteilig dar, wie im Interview angemerkt, ein solches Gesetz wird extrem mit dem verfassungsmässig garantierten Recht auf freie Meinungsäusserung kollidieren und anstatt für mehr Klarheit, eher für totale Unklarheit sorgen, was einem indirekten Maulkorb gleichkommen kann.

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"Wie manifestiert sich die latente Form des Antisemitismus?

In fast allen westlichen Gesellschaften hat sich etwas durchgesetzt, das ich „Ja, aber“-Antisemitismus nenne: „Ja, Auschwitz war schlimm, aber man wird doch noch sagen dürfen …“ Und dann kommen die Ressentiments: Es sitzen zu viele Juden an der Börse, in den Medien, und Israel darf man auch nicht kritisieren – was ja überhaupt nicht stimmt! Jeder kann Israel kritisieren, so viel wie er will, wenn er tatsächlich Israel kritisiert! Ich kann ja auch Frankreich kritisieren, ich kann Spanien kritisieren für irgendwelche innenpolitischen Verhältnisse. Aber im Fall von Israel kommen oft keine Argumente, sondern die vermeintliche Kritik wird zu einem Ventil für Gefühle. Dagegen muss man immer wieder von neuem antreten.

Was irritiert Sie besonders, wenn Sie jetzt die Demonstrationen und die Debatte darüber verfolgen?

Mich macht misstrauisch, dass sich so viele Leute über Israel unheimlich aufregen, aber über Syrien kein Wort verlieren."

Dieser Absatz im Interview geht so m.E. überhaupt nicht. "In den Geselschaften durchgesetzt"? Ich habe diese Formulierungen, ausser in wenigen abgründigen Onlinekommentaren kaum je im persönlichen Umgang mit Menschen so ausgedrückt gehört.

Viel mehr empfinde ich eine "Ja, und weil"-Kritik als üblich, die wohl auch unter Menschen jüdischen Glaubens, die bewusst nicht in Israel leben, verbreitet ist.

Ja, Ausschwitz ist passiert, bzw. wurde gemacht, und Treblinka und Majdanek etc., und ebend weil dieses passiert ist, kann es in Israel kein Recht darauf geben, andere Menschen als nicht gleichwertig und mit gleichen Rechten anzusehen.

Zumindestens nicht, wenn man der Abwärtsspirale entkommen möchte.

Und warum man nicht zwingend Syrien betrachten muss, wenn man Kritik an der Politik in Israel übt, wurde von @Steakhouse oben bereits erklärt. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich auch innenpolitische Vorgänge in Spanien kritisch betrachten kann, ohne auch gleich die Innenpolitik in Frankreich oder Deutschland mit hinzuzuziehen. Ein eindeutiges Nicht-argument.

macplanet 01.08.2014 | 13:48

@steakhouse:

Dein Kommentar triffts auf den Punkt.

Wobei man die Frage danach, ob es sich bei Israel um einen demokratischen Rechtsstaat handelt, in gewissen Punkten klar verneinen kann: Israel steht seit Jahrzehnten mit seinen Aktionen in den Siedlungen außerhalb des immer wieder konkret formulierten Konsens der Staatengemeinschaft und bricht internationales Recht. So was tut ein demokratischer Staat nicht.

Der Staat ist auch ausgesprochen undemokratisch was die Gleichbehandlung seiner Bürger angeht -- dabei geht es um klare, nachweisbare Benachteiligung der arabischen Bevölkerungsteile dadurch, dass der Zugang zu fast allen Schlüsselstellen der Gesellschaft mit Ausnahme der Medizin und des Rechtswesens systematisch Menschen vorbehalten ist, die eine Armee-Karriere hinter sich haben. Da den arabischen Israelis aber der Zugang zum Militär in den höheren Rängen verwehrt ist, haben sie systematisch schlechteren Zugang zu politischen, wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Schlüsselpositionen. Es ist tatsächlich so, dass sogar Bereiche wie staatliche Kulturförderung oder wissenschfatliche Stipendien für arabischstämmige Israelis faktisch unerreichbar sind.

Auch hier: Ein demokratischer Staat tut so was nicht.

Es ist kein Zufall, dass der Bereich des Staates, der im Sinne eines demokratischen Staatswesens am besten funktioniert, das Rechtswesen ist -- es sind ja immer wieder israelische Gerichte, die so manche Fehlentwicklung wieder geradebiegen.

JR's China Blog 01.08.2014 | 14:33

und ebend weil dieses passiert ist,

Dieses Argument begegnet mir immer wieder, Knattertom - und es ist ein extrem blödes Argument. Menschen schulden einander nicht darum Respekt, weil "Auschwitz passiert" ist - sie schulden einander Respekt, und sie schulden einander das Recht darauf, nicht attackiert oder getötet zu werden. Punkt.

Es gibt keinen Grund, warum Israelis die Rechte anderer Menschen besonders aufmerksam beachten sollten. Nicht einen einzigen.

weltfrage 01.08.2014 | 16:25

detlev claussen bringts auf den punkt: es gibt keinen neuen antisemitismus, auch wenn dies von teilen der sich als links verstehenden multiplikatoren in diesem land behauptet wird.

ein gutes gespräch. interessant dies im freitag zu lesen. da kann man nur hoffen, dass bei augstein und herden auch was hängen geblieben ist. zumal ersterer zum o.g. teil gehört und letzterer aufgrund ostsozialisation und wenig zeit zur nachwendezeitlichen reflexion allerlei schuldfragen weiter viele feindbilder in sich trägt.

es gibt ja bei vielen konzernen, die auf den öko-zug aufspringen, aber nur minimal geld dabei investieren wollen das marketinginstument des green-washing. schnell mal ein paar selbstlobende "facts" auf die website gestellt und das bewusstsein der konsumenten ist "aufgestellt".

ich hoffe mal, dass der freitag kein there-is-no-antisemitism-in-our-house-washing betreibt.

lesenswert auch das interview von ahmed mansour in diesem zusammenhang.

an die kommentatoren hier: es geht nicht um die konflikte im nahen oder mittleren osten. darum gehts noch nicht einmal den radikalen in europa (in den foren und auf der straße). es geht schlicht und ergreifend um judenhass.

knattertom 01.08.2014 | 18:22

"Dieses Argument begegnet mir immer wieder, Knattertom - und es ist ein extrem blödes Argument. Menschen schulden einander nicht darum Respekt, weil "Auschwitz passiert" ist - sie schulden einander Respekt, und sie schulden einander das Recht darauf, nicht attackiert oder getötet zu werden. Punkt."

Ja, das stimmt, war missverständlich ausgedrückt. Ich meinte es dahingehend, dass die Shoa in letzter grausiger Konsequenz gezeigt hat, wohin eine Gesellschaft geraten kan, in der der gegenseitige Respekt der Menschen untereinander abhanden kommt, bzw. zerstört wird.

Das diese Lehre aus der Geschichte nur für Israel gilt habe ich nicht geschrieben und auch nicht gemeint. Ergänze also hiermit, für die Geschichtsbücher: "kann es in Israel und sonstwo auf der Welt kein Recht darauf geben, andere Menschen als nicht gleichwertig und mit gleichen Rechten anzusehen."

janto ban 01.08.2014 | 22:05

|| In Deutschland haben wir es mit ein paar Ideologen zu tun, die aus dem salafistischen Milieu kommen. Dann sind da Hamas-Unterstützer, die aber nur eine ungefähre Ahnung davon haben, was die Hamas eigentlich ist. Für sie ist das ein Ausdruck abstrakter Radikalität. Die sind gegen Israel, gegen Amerika oder gegen Deutschland, da geht alles durcheinander. Außerdem gibt es Rechtsradikale. Und verblödete Antiimperialisten, die sich neben diese Leute auf die Straße stellen ||

Wenn's Jeopardy wäre, würde ich auf den Buzzer drücken und brüllen: Was ist eigentlich ein Freitags-Linker..?

Ach, ein kleiner Scherz war das doch nur. Nu seid mal nicht so..

weltfrage 01.08.2014 | 22:09

antisemitismus hat nichts mit integrationsdefiziten zu tun.

der sitzt viel tiefer. allerdings ist er quasi idealer anlass zur triebabfuhr der ohnmächtigen. den juden vergibt man nicht. nicht den mord an dem eigenen propheten, ja noch nicht einmal die eigenen vergehen. judenhass ist was idealtypisches. hitler wäre bei weitem micht so erfolgreich gewesen, hätte er sich als feindbild bspw. die franzosen gewählt.

warum werfen die ausgestoßenen dieser welt nicht die scheiben von bayer ein oder von basf oder monsanto der londoner börse oder der deutschen bank, den wahren kriegstreibern?

weil sie dumm sind. und gelenkt. von den merkels, grillos, erdogans und augsteins dieser welt. strukturelle gelenktheit wohlgemerkt. kann man auch bei marx nachlesen. wenn man will und kann. youtube reicht nicht.

weltfrage 01.08.2014 | 22:37

"kann man auch bei marx nachlesen"

kann man natürlich auch bei luhmann nachlesen, oder, etwas literarischer bei derrida oder adorno: der widerstand gehört zum system. und er stabilisiert es. so wie bspw. ngo's gegen wasserprivatisierung von nestlé gegründet werden.

wie dem auch sei. meine kommentatoren- und autorenbeleidigungen werden grundsätzlich von diesem aspekt getragen. nutzlos, aber mit dem funken der hoffnung auf einen funken der reflexion. mehr offenbarung gibts heute nicht mehr.

Norbert E. 02.08.2014 | 09:59

Dass die Stimmung gegen Israel geht, ist in gewissen, nicht unerheblichen Umfang auch der Medienberichterstattung zu verdanken, die sich schon seit Jahren offen oder latent, vielleicht auch nicht immer so gewollt, gegen Israel richtet. Dabei kommt selten zum Ausdruck, dass Israel oftmals auf etwas reagiert und nicht als erster agiert. Während israelische Aktionen ständig kritisch unter Feuer genommen werden, werden m. E. Aktionen von z. B. Hamas und Hizbullah eher verharmlost. Und wenn dann noch durch die wegen israel. Angriffe leidende Zivilbevölkerung gezeigt wird - am besten noch schreiende/weinende Kinder - ist der Böse und Schuldige schon ausgemacht. Hierzulande ist es aber nicht nur Israel, sondern das Zerrbild des "häßlichen Juden" überhaupt. Viele schreien gegen Israel - einhergehend dann auch gegen Amerika - meinen aber "die" Juden. Und da gehen Rechtsextreme, Linksextreme und bestimmt gesonnene Flüchtlinge und "Migranten" aus bestimmten Ländern eine unheilvolle Symbiose ein.

Und ja, es gibt nicht nur den latenten konservativen Antisemitismus und offenen rechtsextremen Antisemismus, sondern auch den linken Antisemitismus. Der äussert sich zwar nicht rassistisch sondern sog. "pro-palästinensisch". Auch die sog. "68er" waren schon in dem Dilemma gegen die Verbrechen "der Alten" an Juden Front zu machen aber auch den Staat Israel ständig anzuklagen. Allerdings auch, weil es eben "in" war gegen irgendetwas zu demonstrieren, was direkt oder indirekt in Verbindung mit den USA zu bringen war, nicht nur gegen höhere Straßenbahnpreise.

Die sog. "Israelkritik" vor allem aus der bürgerlichen Ecke war nach meinem Eindruck immer das Argument gekleidet, "dass die Israelis eigentlich dasselbe machen, was die Deutschen im Dritten Reich gemacht hätten", sozusagen: "Seht, die sind auch nicht besser als wir". Somit wollte man - und die Rechtsextreme will das ja immer noch - die deutsche Schuld relativieren. Befeuert wird das auch noch durch die ständigen Mahnungen - übertrieben oder nicht, berechtigt oder nicht - durch den Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich eigentlich eher als Sprachrohr Israels gibt und nicht immer die Interessen der Juden in Deutschland zu vertreten scheint. Allerdings unterscheidt man bei uns nicht immer zwischen "Jude" und Israel". Zur Israelkritik und zum Antisemitismus gesellt sich ja auch nicht selten Antizionismus, der Jude sozusagen als "Landräuber", der die "angestammte" Bevölkerung vertreiben möchte, und dessen Rechte auf dieses Land schon seit 2000 Jahren verwirkt seien.

Alles in allem, sehr beschämend, was sich auf deutschen Straßen so auftut. Und ja: Zur Zeit sind nun mal "Migranten" bestimmter Herkunft die Rädelsführer und die Polizei hält sich dezent im Hintergrund (während sie vor Jahren beim Entfernen einer Israel-Fahne ziemlich schnell war, damit sich der Islamistenmob nicht provoziert fühle).

Allerdings muss man auch der Tatsache ins Gesicht sehen, dass es "die Palästinenser" erst seit Gründung der PLO gibt. Vorher waren es Jordanier und Ägypter, denn Gaza und die Westbanks waren ja Staatsgebiete der genannten Länder. Eine Ausnahme waren jene Araber, die im britischen Mandatsgebiet wohnten. Vielleicht hätte Israel mehr Ruhe, hätte es mit dem Sinai auch Gaza an Ägypten zurückgegeben. Aber die Jordanier und Ägypter wünschten offensichtlich ihre arabischen "Brüder" nicht.

gweberbv 02.08.2014 | 15:14

Dass die Stimmung gegen Israel geht, ist in gewissen, nicht unerheblichen Umfang auch der Medienberichterstattung zu verdanken, die sich schon seit Jahren offen oder latent, vielleicht auch nicht immer so gewollt, gegen Israel richtet.

Lies doch mal diesen unaufgeregten Artikel aus der NZZ vom letzten Jahr: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/vom-wegdraengen-einer-bevoelkerung-1.18121040

Wenn du das dort Beschriebene nicht rundheraus leugnest, welche Interpretationskunst ist dann vonnöten, um daraus nicht zu folgern, dass das Vorgehen der israelischen Behörden - letztlich legitimiert durch die dahinterstehende Mehrheitsgesellschaft - diese ins Unrecht setzt? Wie willst du das denn bezeichnen, wenn nicht als Landraub (für ein paar wenige Palästinenser neuerdings immerhin verbunden mit der Möglichkeit, dagegen ein paar Jahre zu prozessieren)? Zwangsräumung nach 2000jähriger vorübergehender Zwischennutzung? Wobei über solche Zeiträume ohnehin nicht von einer irgendwie durchgehenden ethnischen Identität ausgegangen werden kann.

Allerdings muss man auch der Tatsache ins Gesicht sehen, dass es "die Palästinenser" erst seit Gründung der PLO gibt.

Was folgt denn aus dieser "Tatsache"? Außer dass die Volks-/Staatszugehörigkeit "Palästinenser" damit stolze 17 Jahre jünger ist als "Israeli".

Ringo Wunderlich 02.08.2014 | 17:08

"die frage ist nur kann eine so erfolgreiche bewegung wie demokratie oder kapitalismus nicht in seiner grundform als eine religion angesehen werden?"

Demokratie nein, denn eine richtige Demokratie kommt ohne Dogmen aus. Der Kapitalismus ist definitiv eine Religion. Die größte weltweit.

Es gibt eine übermächtige, wenn auch passive Entität, Geld. Es gibt Glaubensgrundsätze, wie Wachstum und Produktivität für das "Himmelreich auf Erden". Es gibt markttheoretische Dogmen, wie "Wachstum schafft Arbeitsplätze", die nicht hinterfragt werden dürfen, will man sich nicht der "Ketzerei" schuldig machen.

Ökonomen und andere, die es, im Geiste der Aufklärung, dennoch tun, werden zuerst belächelt, dann diffamiert und zuletzt mundtot gemacht. Das geht bis zur Existenzvernichtung durch quasi Arbeitsverbote.

Shopping malls sind die neuen Tempel und der Gottesdienst wird durch das tägliche Laufen im Hamsterrad verrichtet, in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Renteneintritt ;)

Das mal grob dazu.

"ist evtl der anarchismus die einzige freiheit?,da jeder alles darf aber nicht tun muss?"

Sie haben eine völlig falsche Vorstellung vom Anarchismus.

Was Sie meinen, jeder darf alles und muss nichts, nennt sich Faustrecht des Stärkeren. Anarchismus bedeutet die Ablehnung jedweder Autorität. Das heißt aber nicht, dass jeder machen kann was er will. Das Zusammenleben wird völlig basisdemokratisch geregelt. Deswegen funktioniert Anarchismus auch nur in kleinen Strukturen. Beispiel, das System der Kibbuzim in Israel.

Frieden und Wohlstand

RW

smukster 02.08.2014 | 19:50

Ehrlich gesagt: Ich finde das Interview mindestens genauso wirr und zusammenhanglos wie die Demonstration, von der eingangs die Rede ist. Manchem wuerde ich zustimmen (zB soziale Probleme), Manchem nicht (zB neue Gesetze), Anderes klingt fuer mich schlicht unlogisch (es gibt keinen muslimischen Antisemitismus, aber die Zuspitzung ist nur vor dem Hintergrund des Islamismus zu verstehen).

Letztlich besteht vor allem der erste Teil des Interviews aus einer Aneinanderreihung von altbekannten Phrasen. Es werden zwar munter Behauptungen in den Raum geworfen, aber weder wird erlaeutert, inwiefern die Leute denn "voellig verwirrt" waren, noch was der Link von diesen zum Antisemitismus ist. Stattdessen dann die immer gern bemuehte Bestaetigung, dass "Jeder Israel kritisieren kann" - ohne jegliche Erlaeuterung, wie dies zB aussehen koennte. Ziemlich wohlfeil, und einer tatsaechlichen diskursiven Trennung von antisemitischen Ressentiments und (notwendiger) Kritik an politischen Misstaenden hier wie dort nicht eben dienlich.

Vanderkamp 03.08.2014 | 02:21

Ein Antisemitismusforscher,

Detlev Claussen, spricht über Proteste gegen Israel,

Hass auf Juden und schärfere Gesetze...

und erklärt:

// Hier ist überhaupt nichts neu. Seit 250 Jahren begleitet uns der moderne Antisemitismus in allen westlichen Gesellschaften. Er ist ein elementarer Bestandteil der westlichen Zivilisationsgeschichte. Seine einzige Botschaft lautet: „Die Juden sind an allem schuld.“ Sie kommt mal manifester zum Ausdruck, mal bleibt sie im Hintergrund. Diese Typen, die jetzt auf der Straße herumrennen, sind ein willkommener Anlass für latent antisemitische Gesellschaften und Medien, sich als nichtantisemitisch hinzustellen und zu sagen: die Antisemiten, das sind die Anderen. //

Nun, alles klar und unverrückbar, jegliche Einwände zwecklos.

Auch der Anlaß der Proteste, das Abschlachten von über tausend Zivilisten ( mit „chirurgischen Artillerie- u. Raketenschlägen“ ) wird ausgeblendet. Wenn ich jetzt den Raketenbeschuß der HAMAS nicht verurteile, blüht mir eine bestimmte Qualifizierung, ähnlich wie bei:

weltfrage01.08.2014 | 22:09

@akik_s

// antisemitismus hat nichts mit integrationsdefiziten zu tun.

der sitzt viel tiefer. allerdings ist er quasi idealer anlass zur triebabfuhr der ohnmächtigen. den juden vergibt man nicht. nicht den mord an dem eigenen propheten, ja noch nicht einmal die eigenen vergehen. judenhass ist was idealtypisches.

weil sie dumm sind. und gelenkt. von den merkels, grillos, erdogans und augsteins dieser welt. strukturelle gelenktheit wohlgemerkt ...//

Dazu jedoch später.

Eine „Islam – Kennerin“ , Sie sehen – alles hochkarätige Experten – erklärt:

//„Die Ablehnung anderer Religionen und den auf diesen Religionen gegründeten Gesellschaften ist im Islam fest eingewoben …

Ebenso im Islam fest eingewoben ist die Verachtung gegenüber anderen Kulturen und die eigene moralische wie kulturelle Überlegenheit über schwache und verfallende Gesellschaften, wie es die westlichen Kulturen aus Sicht des Islam sind. //

- hält jedoch keiner historischen Kritik ( von Fachleuten Orientalisten ) stand. Es sei denn man möchte ( wer auch immer ) dasfrühe Mittelalter der Arabischen Eroberungen und des Kalifats

in unsere Zeit projezieren:

Dhimma (arabischذمة ‎ dhimma, DMGḏimma „Schutz(-vertrag)“, „Obhut“, „Garantie“, „Zahlungsverpflichtung“) ist eine Institution des islamischen Rechts, das den juristischen Status nichtmuslimischer „Schutzbefohlener“ ahl adh-dhimma , dhimmī / ‏أهل الذمة ، ذمي ‎ / ahl aḏ-ḏimma, ḏimmī unter islamischer Herrschaft festlegt. Die Definition von Dhimma und der juristische Umgang mit Schutzbefohlenen sind im islamischen Völkerrecht im 2. muslimischen Jahrhundert (8. Jahrhundert n. Chr.) der islamischen Eroberungen entstanden und in dem daraus entwickelten Zweig der Rechtsliteratur Ahkam ahl adh-dhimma / ‏أحكام أهل الذمة‎ / aḥkām ahl aḏ-ḏimma / ‚Rechtsbestimmungen für Schutzbefohlene‘ erörtert. ( nur Wikipedia )

Meine Anmerkung: Es war eine Art von Kopfsteuer / Abgabe nichtmuslimischer Einwohner zugunsten der Staatskasse, fiskales Element der neuen arabischen Herrschaft im 7. bis 9. Jahrhundert. Übrigens alle Schriftkundigen und Religionsdiener anderer Glaubensrichtugen galten vor dem Gesetz als „Diinij“ ( Glaubensgelehrte ! ) Diese waren von allen Steuern und Abgaben befreit. Na gut, in unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen Herrschern wurden diese Gesetze unterschiedlich gehandhabt – ist auch klar.

Ich will weder das frühe noch das späte Mittelalter zurückhaben, Frau/Herr RoRa1970.

Es war übrigens eine ( arabische ! ) Blütezeit der Zivilisation , als die barbarischen germanischen bis zu den slawischen Völkern in ihren Erdhütten lebten und der Orient mit seinen goldglänzenden Kuppeln ein Innbegriff für Wohlstand , Kultur und Wissenschaft war. Dann kamen die Raubzüge ( pardon: heiligen Kreuzzüge ) in vielen Wellen.

Nein, ich will auch keine neuen Kreuzzüge...

Übrigens solche plumpen Urteile über den Orient und den Islam – in die Neuzeit verlagert – könnte man auch als Antisemitismus geißeln, denn Araber und Juden sind Semiten.

Wenn Sie ein ein religiös interessierter Mensch seien sollten, kann Ihnen jeder Dorfpfarrer die Geschichte von Abrahams Sohn Isaak und Abrahams Sohn Ismael erzählen:

Die Juden sind Nachkommen von Isaak und die Araber sind Nachkommen von Ismael.

Quelle, z.B. hier: http://www.gotquestions.org/Deutsch/Juden-Araber-Muslime.html

Noch ein Wort zu weltfrage:

// wie dem auch sei. meine kommentatoren- und autorenbeleidigungen werden grundsätzlich von diesem aspekt getragen. nutzlos, aber mit dem funken der hoffnung auf einen funken der reflexion. mehr offenbarung gibts heute nicht mehr. //

Wenn Sie wirklich an Reflexionen zu diesem Thema Interesse haben, legen Sie bitte Ihren Zynismus ab, Ihr sendungsbewußtes, arrogante Gehabe.

Kommen Sie herab - auf Augenhöhe, sonst haben Sie keine oder nur wenige Gesprächspartner.

Übrigens die politische Instrumentaliserung der Religion, ist in allen Religionen eine seit Jahrtausenden bekannte Praxis, nicht erst durch „Islamisten“, „Salafisten“ - und was weiß ich noch von wem -

( Entschuldigung: habe beinahe die Kreuzfahrten in`s Heilige Land unterschlagen )

Abschließend bitte eine Antwort von Weltfrage: Können Sie das mit Marx mal darlegen?

السلام عليكم שלום / Friede !

Van der Kamp

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Ehemaliger Nutzer 03.08.2014 | 10:05

ich frag mich auch oft warum die menschen, zumindest diese die schon mal aufgestanden sind, sich nicht weiter wehren. nach dem aufflackern des "nsa skandals" ist kein bürger in deutschland in die bnd zentrale gestürmt und hat das ende des überwachungsstattes gefordert, nachdem man doch in den wendejahren gemerkt hat, dass eine armee nicht aufs eigene volk mehr mit massenmord antwortet (zumidest hoffe ich das die "deutsche" gesellschaft soweit ist). aber militarismus ist wider ein anderes thema...

ich habe marx und die ganzen philosophen die zum teil für neue weltideen noch nicht gelesen. bin noch in der zeit um bismark, bei hegel und den ganzen gedöns, da dort die grundlagen unseres systems gelegt wurden und meiner meinung nach auch die möglichkeit der neugestaltung. das wichtigste ist jedoch die natur des menschen zu verstehen! er braucht ein dach, nahrung und was seinem problemaparat gehirn mit lösungsmöglichkeiten versorgt und das einfachste ist es immer irgendeiner randgruppe und heute wird damit global gearbeitet die schuld zu geben! die rechten geben diese den anders denkenden, die linken den konservativen, die neutralen allen nicht neutralen und die religionen allen anderen religionen. wenn sich nicht jeder mensch zur selbsterkenntniss verpflichtet und sich von irrglauben an religionen alla kapitalismus, kommunismus, faschismus, militarismus, und allen selbsternannten religionen nicht vereinamen lässt, ist auch schöneres leben möglich. es ist sonst nur hass und gewalt als letzter lösungsansatz in unserer weltvorstellung möglich wie wir im nahen osten (religionskriege), zentralafrika(rohstoff und klimaerwärmungskriege) oder ukraine(wirtschaftskrieg) beobachten könnten. die frage wo will die menschheit hin in diesem jahrtausendt? (zurzeit mag sich die welt noch nicht entscheiden, aber es ist ein wandel im gange, denn nichts ist älter als der status quo!)

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Ehemaliger Nutzer 03.08.2014 | 10:19

ja wenn man will sogar bei la boetie, wobei nur kommen wir ins reich der semmantik und die ist nicht meine stärke. rebellen wird es immer geben, solanges machtverhältnisse gibt und hier in deutschland gehört es zur ja fast zur kultur zu nörgeln, nicht zufrieden zu sein, eine entwicklung anzustreben. denken wir einfach an widukind, münzer und all die anderen. aber die größten waren wohl die bauern zum ende der renaissance und in 2 jahren können alle machthaber mit einer schönen gedenkfeier an das 500 jährige ende der bauernkriege in d. erinnern. dank der vernetzung ist aber sowas global auch mal möglich, was wollen die "meister" machen wenn plötzlich millionen menschen vor ihren goldenen käfigen stehen und ein ende der kontrolle und knechtschaft fordern um sich endlich die freiheit nehmen frei zu sein!

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Ehemaliger Nutzer 03.08.2014 | 10:40

wenn ich alles basisdemokratisch abstimme, dann erkenne ich ja die macht der mehrheit zu oder muss mich ihr beugen auch wenn ich nicht ihrer meinung bin. somit ist es eine form der demokratie und kein anarchismus, der ja nach ihrer meinung autoritäten ablehnt. wie wir gesehen haben hat die demokratie die eine wunderbare nährquelle für die tyrannis geschaffen( historisch schon im alten athen geschehen, das neueste und beste beispiel weimarer replublik und ns zeit). ich wollte den ausdruck "Faustrecht des Stärkeren" nicht benutzten, da dieser auch im demokratischen kapitalismus oder religiosen basisrecht besteht. wie wir sehen gibt es immer wieder fälle von korruption und aussnutzung von macht zum eigenen nutzen. ein mittel die natur des menschen von unsaäglichen zu befreien gibt es nicht und da die die alten griechen schon sagten, die beste staatsfrom ist die diktarur mit den richtigen menschen an der spitze (demokratie funktioniert nur in einem begrenzten massstab ohne gravierende fehler), kann man sich fragen ist dieses system von staaten und nationen für unsere globalisierte welt von nutzen, wo wir doch so viele probleme nur gemeinsam als menschheit anpacken können?

pingback 04.08.2014 | 11:02

„Mich macht misstrauisch, dass sich so viele Leute über Israel unheimlich aufregen, aber über Syrien kein Wort verlieren. Wir haben dort seit zwei Jahren solche Gräueltaten erlebt, aber Sie kriegen keine Demonstration mit mehr als 100 Leuten zusammen. Bei Israel ist das sofort anders. Da vermischt sich offenbar etwas. Das Schlimme an den Gruppierungen ist ja, dass sie den Nahostkonflikt als Vehikel benutzen für die eigene politische Agitation. Israel ist ein Gadget, das die Leute zusammenbringt.“

Was ist denn da so schwer zu verstehen? Sie schätzen die Menschen dümmer ein als sie sind, und werfen sie mit einigen ungebildeten, radikalen Verwirrten in einen Topf.

Die Menschen spüren, dass es im Nahen Osten nicht gerecht zugeht. Selbst Ban KiMoon spricht von kriminellem Vorgehen seitens Israels und stößt auf völlige Ignoranz. Was die anscheinende Ohnmacht zur Schau stellt. Wer stoppt Israels unverhältnismäßiges Vorgehen und die ungerechte Behandlung der Palästinenser? Die Menschen mit dem Herzen auf dem richtigen Fleck sind empört.

„Die einzige Antwort dieser Gesellschaften auf soziale Missstände sind Gefängnisse. Diese Menschen haben gemerkt: Wenn sie für ihre eigenen Anliegen einstehen, nimmt das niemand wahr. Gibt es aber antiisraelischen Protest mit antisemitischen Parolen, dann sind die Medien da.“

Was sagt uns das? Warum ist das so? Liegt das an den ungleichen Möglichkeiten bzw. heißen Drähte der Einflussnahme? An der einseitigen Unterstützung? Leben auch Juden im Abseits in sozialen Brennpunkten?

Die Menschen haben gemerkt, dass in den letzten 100 Jahren (Kolonisation) und extrem in den letzten 15 Jahren vorwiegend moslemisch dominierte Länder und ihre Bevölkerung zu leiden hatten. Zum Wohle des westlichen Wohlstandes bzw. zum Gewinn der Eliten.

Ein Assad, der die Christen schützt und gegen radikale Islamisten (IS) kämpft ist ein „Schlächter“. Da frage ich mich, will der Westen, dass die Islamisten Syrien übernehmen? Es ist ihnen egal, sie wollen Russlands Stützpunkt in Syrien gefährden/eliminieren. Dazu begrüßen die USA die Unterstützung der IS durch Saudis und Kuweit. Sie selbst hatten die AlKaida ins Leben gerufen. Sieht so aus, als hätten mächtige westliche Eliten all die Probleme geschaffen, die einzig und allein ihren Interessen dienen.

Durch das Internet sind immer mehr Menschen über dieses kriminelle Vorgehen informiert. Es wäre vernünftiger, die Menschen würden geschlossen gegen das scheinheilige, politische und gegen das kriminelle Finanzsystem des Westens auf die Straße gehen. Das System, das Elend und Zwietracht auf der Welt fördert um sein bankrottes System am Leben zu halten. Das System, dass die israelische Hardliner Regierung so bedingungslos unterstützt und es zulässt, dass unschuldige Zivilisten getötet werden.

Menschen, die noch in Wohlstand leben sagen: „ich kann sowieso nichts dagegen machen, es ist sinnlos/hoffnungslos oder wir können froh sein, dass es uns noch gut geht.“ Viele Menschen gehen erst auf die Straße, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben.

„Hate Crimes“? Wie wäre es, wenn wir zuerst die politische und Finanzkriminalität und Korruption bekämpfen und entsprechende Gesetze schaffen. Vielleicht verschwindet das andere dann ganz von alleine?

Johannes Renault 04.08.2014 | 20:22

Herr Claussen konnte nicht wiklich überzeugen. Ich fand es "ausreichend" aber gerade so.

Ein Professor der kriminalistische Arbeit zum Schutz eines Menschen mit militärischer Allgemeinheit und den dazugehörigen kolatteralen Schäden - mehr tote Menschen - nicht einmal erwähnt, ist ein Depp.

Ein Depp, der nicht einmal die Grundrechenarten im "nicht böse sein, wie geht das?" verstanden zu haben scheint.

Ahrend und all die anderen haben schon vor fast

hundert Jahren

die kollektive / sippenhafte Schuld in das Reich der dunklen, argen, volkstümlich-magisch denkenden Uriguren unseres Empires verbannt.

Jetzt spricht der dunkle Professor aus Angst, ganz recht auch so. Und geht nach hause als ob nichts wär.

helga 05.08.2014 | 11:08

Das ist doch schon auffällig, wenn die Welt sich erhebt gegen den Völkermord den das israelische Regime am palästinänsischen Volk ungeniert vorantreibt, kommt immer die falsche Vokabel "Antisemit" ins Spiel. Was wollen sie erreichen mit Ihrem Artikel? Das einzige was passiert ist, dass sie dem Ansehen der jüdisch gläubigen Menschen schaden. Wenn sie die Menschen fragen gegen wen sie demonstrieren werden sie bestimmt nicht sagen "gegen die Juden/Semiten". Semiten sind eine Volksgruppe, die sich auf den Sohn Noahs beruft nämlich "Sem" der hatte zwei Brüder "Ham" und Japhet". Die Menschen aber, die ihre Abstammung in dieser Gegend haben (nicht nur behaupten wie die Zionisten sondern seit vielen vielen Generationen zurückverfolgen können) sind alle Semiten. So ist man nach Ihrer Aussagen auch ein Mensch der die arabische Bevölkerung hasst da diese grösstenteils auch Semiten sind. Was hier geschieht ist was immer geschieht: Die Zionisten die die ganze Welt im Würgegriff halten - mit ihren Privat-Banken, riesigen weltweit operierenden und mit Nervengift angereicherten (Aspatame, Flour, Glutamat usw.) Nahrungsmittel-konzernen und ihrer Pharmaindustrie (die ständig Anstrengungen unternimmt die natürlichen und meist hilfreicheren Heilmittel zu verbiten), bestehen erst seit 1897. Im März 2014 sind 50.000 gläubige Juden in NewYork auf die Strasse gegangen um gegen den Zionismus und ihre Zwangsmaßnamen gegenüber der jüdischen Bevölkerung zu demonstrieren:

http://www.youtube.com/watch?v=mZoi3BqDYbM

Juden die gegen den Zionismus sind werden vom israelischen Regime als "selbsthassende Juden" bezeichnet. Man muss richtigerweise davon ausgehen, dass nicht nur die Palästinänser "besetzt" sind sondern auch die aus dem heiligen Land stammenden Juden ebenfalls. Deshalb fände ich es schön, wenn die Berichterstattung der "Leitmedien" sich langsam mal auseinandersetzt mit diesem Phänomen. Denn der Zionismus ist keine Glaubensgemeinschaft sondern eine Ideologie, Joe Biden sagte selbst er sei Zionist (immerhin ist er seit 2009 Vizepresident der USA und sein Sohn sitzt seit kurzem als Vorstand im grössten ukrainischen Gaskonzern)

Sen. Joe Biden on Shalom TV - I am a Zionist

und auch der Chef des Axel Springer Verlages, Mathias Döpfner, sagte öffentlich er sei Zionist und das wäre doch gar nicht der Rede wert.

Axel Springer Chef Mathias Döpfner: Ich bin ein Zionist!

Wenn die Menschen merken wer hier die Juden als Maske benutzt, dann hat es sich ausgelogen. Denn das wir nur noch angelogen werden von der Presse und dem Nachrichten im Fernsehen kann man nicht mehr aus der Wahrnehmung der Menschen entfernen, wenn Journalisten aber jetz anfangen statt Zionisten Juden zu benennen, dann wird das den Juden schaden und das wollen Sie doch nicht, zumindest das kann ich aus Ihrem Artikel entnehmen.

wwalkie 05.08.2014 | 11:20

Die Zionisten die die ganze Welt im Würgegriff halten - mit ihren Privat-Banken, riesigen weltweit operierenden und mit Nervengift angereicherten (Aspatame, Flour, Glutamat usw.) Nahrungsmittel-konzernen und ihrer Pharmaindustrie (die ständig Anstrengungen unternimmt die natürlichen und meist hilfreicheren Heilmittel zu verbiten)...

schreiben Sie, HELGA, so locker vor sich hin und merken gar nicht (oder tun so als ob), dass Sie und andere Kommentare hier genau das bestätigen, was Detlev Claussen dargelegt hat.

Gruselig.

wwalkie 05.08.2014 | 16:12

Wahrscheinlich finden Sie Ihre Frage auch noch intelligent.

Vielleicht sollten Sie sich doch die "Anstrengung des Begriffs" antun und das Buch Detlev Claussens, Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus lesen. In dem Vorwort von 2005 finden Sie einen Kommentar zu Ihrer von mir zitierten Passage:

Wie der Antisemitismus im Zentrum die abstrakte Konstruktion einer jüdischen Weltverschwörung brauchte, um die Welt erklären zu können, so benutzt der Antizionismus ein konstruiertes Zion=Israel als Zentrum einer neuen imperialistischen Verschwörung mit dem Ziel, über die Kontrolle des Weltbrennstoffs Öl (oder die von Ihnen erwähnten Nahrungsmittel und Pharmaka) die Welt zu beherrschen.

Das war's von meiner Seite. Diskutieren werde ich mit Ihnen erst, wenn Sie das Buch gelesen haben.

helga 05.08.2014 | 19:23

Was soll ich da noch sagen? Sie sind so intelligent dass sie vor lauter Fakten die in verdrehten Sätzen das Unmögliche, als Möglichkeit eines legitimen Handelns erklären, obwohl die ganze Welt leidet wegen Menschen die sich hinter Worten verstecken, statt hin zu sehen wo und was man endlich ändern oder sogar unterbinden sollte, dass es für mich so auch keinen Sinn machen würde mich mit Ihnen auseinander zu setzen. Leider haben Sie meine Frage aber trotzdem nicht beantwortet:

Sind Juden und Zionisten für Sie das selbe oder nicht?

Es hätte für den Anfang eines Streitgesprächs ganz sicher mal ein ja/nein/weiss nicht, gereicht. So kann ich nur interpretieren - schade aber Klarheit hat das jetzt bezüglich meiner Farge nicht geschaffen.

Ehrlich gesagt, ich glaube wenn wir uns in echt unterhalten würden, würden wir sicher merken, dass unsere Ansichten nicht so weit auseinander liegen, wie es im Moment den Anschein hat, denn weder Sie noch ich wissen welchen Hintergrund der Andere hat.

Würde ich jetzt sagen ich sei AntiKapitalist, würden Sie dann auch so einen Text - wie den den Sie aus dem Buch zitiert haben - parat haben und mich auch Verschwöhrungsdingsda nennen?

Sicher nicht sehen Sie!

Eins weiss ich sicher:

"Uns alle eint der Geist der Wahrheit"

Wenn wir aber nicht bereit sind diese Wahrheit herauszufinden und den andern bei der ersten Gelegenheit als "intelligent" beleidigen. Ich finde mich nicht intelli-oder unintelligent, ich finde mich in der Welt in der wir leben, und da leiden mir entschieden zu viele. Die Erklährung die mir irgendwelche esotherische Zirkel hier zu bieten haben: "ja die haben eben ein schlechtes Karma, desswegen widerfährt ihnen Hunger und Elend". Nein so einfach ist es bestimmt nicht, wenn überhaupt, kann ich höchstens folgendes als Gedanken formulieren: "Es haben sich entschieden zu viele Arschlöcher inkarniert" Wobei ich betonen will ich meine NICHT SIE!! Wirklich nicht aber naja sie sagten ja Sie diskutieren nicht mit mir und in dieser kurzen Zeit kann ich ja unmöglich schon ihren Buchvorschlag gelesen haben, obwohl ich das ein wenig bequem von ihnen finde. Sie sagen nämlich ich hätte Unrecht und verweisen auf ein Buch? Wie auch immer warscheinlich ist Ihnen einfach das ganze Thema zu langweilig? :-)

Gundel Gaukeley 06.08.2014 | 19:16

Ein schöner Antisemitismusforscher, dieser Claussen, der nicht mal Juden und Israelis auseinanderhält. Auch der Zentralrat der Juden wirft beides zusammen, dann nämlich, wenn Israel kritisiert wird und man dem Kritiker Judenfeindlichkeit vorwirft. Das ist ein Prinzip, ein gefährliches Prinzip, denn dies vermischt in den Köpfen der Menschen Religion, Kultur, Staatsbürger und Staatspolitik. Die Saat, die daraus aufgeht, ist nun zu beobachten: Aversion gegen die Politik Israels mündet in Aversion gegen "die Juden". Der "Antisemitismus", der daraus von einigen abgeleitet wird, wird nicht nur vom Zentralrat, sondern auch von unserer Politik gefördert. Klingt pervers, ist aber so.

Wir brauchen keine hate crimes, sondern Erziehung zum politischen, mündigen Bürger. Der darf natürlich gegen die Brutalität Israels demonstrieren; er kann trotzdem judenfreundlich sein. Wenn Dieter Graumann angesichts der Demonstrationen von "widerlichstem Judenhass" spricht, macht er sich keine Freunde, so wie Israels sich mit seinen Blitzkriegen keine Freunde macht. Aber vielleicht ist ja auch das gewollt. Wer Kriege führt, kann Stärke zeigen. Militärische Stärke ist aber eben keine menschliche Größe.

Schachnerin 13.08.2014 | 15:47

Die Zionisten die die ganze Welt im Würgegriff halten - mit ihren Privat-Banken, riesigen weltweit operierenden und mit Nervengift angereicherten (Aspatame, Flour, Glutamat usw.) Nahrungsmittel-konzernen und ihrer Pharmaindustrie (die ständig Anstrengungen unternimmt die natürlichen und meist hilfreicheren Heilmittel zu verbiten), bestehen erst seit 1897.

Wenns leicht ginge, könnten Sie vielleicht die Namen der Konzerne nennen?