Jens Berger
28.04.2009 | 18:56 5

Stoppt die Finanzrowdys!

Deutsche Bank Josef Ackermann präsentiert einen fragwürdigen Milliardengewinn und verspricht mitten in der Krise, die irrsinnige Jagd nach der 25-Prozent-Rendite fortzusetzen

Joseph Ackermann, der in Bankerkreisen „Joe“ genannt wird, hat es wahrlich nicht einfach. Da präsentiert er der missgünstigen Meute hervorragende Quartalszahlen und erklärt sich dann auch noch bereit, seinen Job drei Jahre länger als geplant auszuüben, und was ist der Dank? Die Politik schäumt vor Wut. Die gleichen Sprüche, für die ihm noch vor wenigen Monaten Politik und Finanzwelt die Füße küssten, wirken heute hohl und anachronistisch. Der Zauber, der den obersten Finanzmagier der Nation umwehte, ist verschwunden. Die Welt befindet sich in einer Krise, Deutschland ist im Wahlkampf und „Joe“ gilt als Untoter einer zerstörten Bankenwelt.

Die hervorragenden Quartalszahlen sind dank geänderter und komplett intransparenter Bilanzierungsregeln vielleicht nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. In einer jüngst veröffentlichen Vergleichsstudie schneidet das Risikomanagement der Deutschen Bank miserabel ab. Die Rückstellungen der Ackermänner betragen lediglich 0,71 Prozent des Kreditportfolios – international sind nur zwei Großbanken noch schlechter aufgestellt. Ohne staatliche Rettungsaktionen wäre Ackermann wohl nurmehr eine Fußnote der Finanzkrise. Doch diese Lehren hat der Reserveoberst für sich noch nicht verarbeiten können. Seine Welt ist das globale Finanzcasino und er zockt weiter am „großen Tisch“. Das ist es, was für ihn zählt – faites vos jeux! Sollen die Verlierer der Krise doch zusehen, wo sie bleiben.

Wieviel Steuergeld hübscht die Bilanz auf?

So einfach, wie es sich Ackermann macht, ist es aber nicht. Wo stünde die Deutsche Bank ohne die gigantischen Schutzschirme und Rettungsgelder, die andere Institute weltweit von den Regierungen bekommen? Ohne die 9,1 Milliarden Euro amerikanischer Steuergelder, die alleine vom verstaatlichten US-Versicherungskonzern AIG an die Deutschbanker flossen, wäre aus dem Quartalsgewinn von 1,8 Milliarden Euro ein Quartalsverlust von 7,3 Milliarden Euro geworden. Wie hoch die gesamte Summe an Steuergeldern ist, die die Bilanz der Deutschen Bank aufhübschen, ist aufgrund der fehlenden Transparenz nicht zu sagen. Fest steht jedoch, dass die Deutsche Bank ohne diese Hilfen selbst vor dem Kollaps stünde.

Joseph Ackermann war stets einer der ersten, die nach dem Staat riefen – nie für sich und sein Institut („Ich würde mich schämen, wenn wir […] Staatsgelder annehmen würden“), aber sehr wohl für seine Konkurrenz. Verstaatlichung der HRE, Bad Banks, ein Schutzschirm für das Bankensystem, all dies wollte Ackermann seinen Kollegen zukommen lassen. Natürlich überkam den umtriebigen Schweizer nicht ein plötzlicher Anfall von Selbstlosigkeit, er hatte vielmehr stets die eigene Bilanz im Hinterkopf. Bei wem hat die HRE Schulden, wer hat einen Teil der faulen Papiere ausgestellt, die jetzt gerettet werden müssen? Der Name „Deutsche Bank“ steht auf vielen dieser Kontrakte.

Fadenscheinige Empörung aus der Politik

Vor diesem Hintergrund wirkt Ackermanns „Weiter so!“ befremdlich. Nicht weniger befremdlich wirken allerdings manche hysterischen Kommentare der Politik. Wenn die Großkoalitionäre Ackermanns Devise, nach der 25 Prozent Eigenkapitalrendite das Minimum für eine gute Bank seien, nun als verantwortungslos kritisieren, so ist dies zwar richtig, aber dennoch fadenscheinig. Sie müssten nur die gesetzlich vorgeschriebenen Risikopuffer und Eigenkapitalanforderungen anheben und Schluss wäre es mit der Renditenhuberei.

In der Finanzbranche gilt seit jeher eine goldene Regel, die nichts an Aktualität verloren hat – eine höhere Rendite lässt sich nur über ein höheres Risiko erzielen. Wenn man das Finanzsystem mit einer Landstraße vergleicht, so wäre Ackermann ein Raser. Wer schneller ans Ziel kommen will, muss ein höheres Risiko eingehen. Wenn Ackermann auf der Finanzlandstraße die Zielvorgabe ausgibt, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 140 Kilometer in der Stunde erreichen zu wollen, so geht er damit für sich und andere ein hohes Risiko ein. Richtig gefährlich wird es natürlich, wenn weniger geübte Fahrer, wie beispielsweise Landesbanker, HRE- und Commerzbankvorstände, seiner Vorgabe folgen und auch mit erhöhter Geschwindigkeit über die Finanzlandstraße rasen wollen. Bei der Präsentation der Quartalszahlen sagte Ackermann, er könne es ja nicht „mit Absicht gemächlicher angehen lassen, nur damit alle mitkommen.“

Halbherziger Appell an die Vernunft

Einem notorischen Raser, der dies einem Verkehrspsychologen sagt, würde man sofort den Führerschein entziehen. Auf den echten Landstrassen gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen, um uneinsichtige Verkehrsteilnehmer davon abzuhalten, sich und andere in Gefahr zu bringen. Auf der Finanzlandstraße ist Rasen ausdrücklich erlaubt. Wenn die Politik dies ändern will, so muss sie Geschwindigkeitsbegrenzungen setzen und Verkehrskontrollen unternehmen. Ein halbherziger Appell an Vernunft und Verantwortung bringt bei Rasern wenig – und dies gilt sowohl für den Straßenverkehr, wie auch für die Finanzlandschaft.

Kommentare (5)

Joachim Petrick 29.04.2009 | 00:31

Lieber Jens Berger,
das nenne ich zeitnah am Josef Ackermann Ball sein. Danke!
Josef Ackermann führt sich in der Finanzbranche auf, wie der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus auf der Ski- Piste zur Jahreswende 08/09 in Austria als Hooligan mit tödlichem Ausgang?
Beide, Ackermann wie Althaus, agieren im Wesen gleich, juristisch angezählt, ausgeknockt, juristische Bilanz- Schuld anerkennend, persönliche Schuld, Versagen aber dementierend, weil ihnen in der Raserei ihres Alltags die Erinnerung an ihre Opfer fehlt.
Bei Josef Ackermann war ein Opfer die IKB, der er als deren Vorstandsmitglied monetären Giftmüll der Deutschen Bank im letzten Moment aufgedrückt, um dann tagsdarauf das Rating der IKB, die Kreditlinie bei der Deutschen Bank verräterisch rasend beschleunigt gegen Null, Richtung Insolvenz zu setzen.
Das irritierte Publikum hat, angesichts dieses rasenden Josef Ackermann der Deutschen Bank bis heute nicht realisiert, dass Josef Ackermann beschleunigt, Spuren über Spuren, gleich einer Selbstanzeige, für seine kapitalen Untaten allein bei der IKB hinterlegt.
Ist Josef Ackermann eine Person,, die nur rasend Einiges in seiner Umwelt wahrnimmt, entschleunigt dagegen, wie stumm blind in sich zusammen sackt, durch die Wirklichkeit seiner Finanz- Branche tappt?
tschüss
JP

Pankefuchs 29.04.2009 | 17:29

Was will man ihm vorwerfen???
Die letzten Wochen haben doch eines gezeigt:
Die Banken können machen was sie wollen! Sie haben den absoluten Freibrief!
Gehts den Bach runter - hilft der Staat. Wird gewonnen wie verrückt - gehts in die eigene Tasche!!!
Würde man selbst "unzerstörbar" sein, würde man sich immer risikoreichere Sportarten oder Fun-Events aussuchen. Es KANN ja nichts geschehen!
Die Politik steckt bis zur Nase in der Finanzwirtschaft drin. Das etliche Politiker nach ihrem Politleben dort landen, ist mehr als sprechend. Und wie stark die Gier auch hier ist, kann man daran erkennen, dass man mit 65 nicht etwa seinen "wohl verdienten Ruhestand" genießt, sondern auf irgendwelchen Finanzposten weiter kassiert. Obwahl die Pensionen mehr als ein schönes Restleben versprechen!
Solande DIESE Parteien regieren, werden die Banken so weiter machen. Und wenn dann irgendwann die Krise vorbei ist - die nächste wird schnell folgen, denn die Welt kann auf Dauer nicht wachsen!
Es gibt nur noch eine kleine Möglichkeit die das Volk hat um ein Signal zu setzen:
RADIKAL anders wählen !!!
Aber dazu ist das deutsche Volk zu passiv, zu uninformiert, zu bequem und durch BILD Co. zu leicht zu beeinflussen!!!

mh 19.06.2009 | 13:15

"Ohne die 9,1 Milliarden Euro amerikanischer Steuergelder, die alleine vom verstaatlichten US-Versicherungskonzern AIG an die Deutschbanker flossen"

aig - versicherer - deutsche bank bekommt geld, weil sie was versichert hat. was ist denn daran verwerflich? dass die amis nen versicherer mit staatsgeld retten, damit der allen anderen ihre versicherten ausfälle bedienen kann, für die vorher versicherungsprämie gezahlt wurde?

und natürlich ist es gut, dass die HRE gerettet wird. gerade die probs bei der depfa sind nur laufzeitbedingt. da kann der staat helfen und verdient noch was dabei. und ja, alle geschäftspartner der depfa und der hrx profitieren davon, dass die nicht pleite gehen. und zwar in dem sie keine ausfälle haben. wo ist denn da der aufreger?

und nein, es ist nicht immer ein erhöhtes risiko. dafür müsste man sich nun aber mit den geschäftsfeldern auskennen. da gibt es welche mit 100% rendite .. andere mit weniger. der mischmasch machts. und wenn die beratungssparten wie m laufen, eine dienstleistung, dann werfen die halt prächtig ab.

über höhere ek-anforderungen können wir reden. die folge, kreditkontraktion, wird dann aber auch keinem gefallen. wobei die ek-regeln nie das problem waren, sondern die ausserhalb der bilanz geführten geschäfte die nun bilanziert werden müssen und das ek belasten oder immer noch nicht bilanziert werden, aber finanziert werden müssen, was das ek belastet. bei der dbk in geringerem ausmaß als bei landesbanken.

produktionsbetriebe mit 30% ek-rendite sind aber ok. warum auch immer.

btw: man kann ja überwachen was man will. das problem ist und bleibt und war schon immer leverage. und solang da keiner rangeht, wirds das auch immer sein.

mh 19.06.2009 | 13:21

"Ohne die 9,1 Milliarden Euro amerikanischer Steuergelder, die alleine vom verstaatlichten US-Versicherungskonzern AIG an die Deutschbanker flossen"

aig - versicherer - deutsche bank bekommt geld, weil sie was versichert hat. was ist denn daran verwerflich? dass die amis nen versicherer mit staatsgeld retten, damit der allen anderen ihre versicherten ausfälle bedienen kann, für die vorher versicherungsprämie gezahlt wurde?

und natürlich ist es gut, dass die HRE gerettet wird. gerade die probs bei der depfa sind nur laufzeitbedingt. da kann der staat helfen und verdient noch was dabei. und ja, alle geschäftspartner der depfa und der hrx profitieren davon, dass die nicht pleite gehen. und zwar in dem sie keine ausfälle haben. wo ist denn da der aufreger? das man langlaufende mit kurzlaufenden refinanziert, aber doch nicht an der rettung. gerade üfandbriefe hätten voll aufs volk durchgeschlagen .. die allianz hat die hälfte ihrer gelder, also rund 150 mrd, in solchem zeugs geparkt.

und nein, es ist nicht immer ein erhöhtes risiko. dafür müsste man sich nun aber mit den geschäftsfeldern auskennen. da gibt es welche mit 100% rendite .. andere mit weniger. der mischmasch machts. und wenn die beratungssparten wie m laufen, eine dienstleistung, dann werfen die halt prächtig ab.

über höhere ek-anforderungen können wir reden. die folge, kreditkontraktion, wird dann aber auch keinem gefallen. wobei die ek-regeln nie das problem waren, sondern die ausserhalb der bilanz geführten geschäfte die nun bilanziert werden müssen und das ek belasten oder immer noch nicht bilanziert werden, aber finanziert werden müssen, was das ek belastet. bei der dbk in geringerem ausmaß als bei landesbanken.

produktionsbetriebe mit 30% ek-rendite sind aber ok. warum auch immer.

btw: man kann ja überwachen was man will. das problem ist und bleibt und war schon immer leverage. und solang da keiner rangeht, wirds das auch immer sein.

und ich bin nicht der meinung, dass wir banken brauchen. banking brauchen wir, das reicht. nur wenn man an das thema rangeht, dann sollte man sich schon mit den knackpunkten befassen und nicht mit dem, populistischen gebrabbel des mainstreams der an den wichtigen themen vorbeigeht.