Plattentellerheizung

Musik-Kolumne Aus gegebenem Anlass (kalt, Winter, brr) empfiehlt unsere Kolumnistin Songs, die wie Kaminfeuer knistern – von Joni Mitchell, K.d. Lang und den Smoke Fairies

Selten wärmt Musik das Herz mehr als im Winter. Wenn der Frost sich durch die Winterstiefel in unsere Zehen krallt und das eigene Bett der verlockendste Ort der Welt ist, helfen Songs, die wie Kaminfeuer knistern.

Hier eine Auswahl aus alten und neuen Plattentellerwärmern, angefangen mit den Smoke Fairies, weil sie zeigen, dass sich am derzeit verlockendsten Ort der Welt tolle Sachen machen lassen:

Die britischen Freundinnen Katherine Blamire und Jessica Davies haben mit ihrem Debüt Through Low Light and Trees dem sanften Canyon-Folk einer Joni Mitchell Feuer unterm Hintern gemacht. Ihr Americana-gefärbter Folk begeisterte nicht nur Jack White, sondern auch Jarvis Cockers Kumpel Richard Hawley, der über das Duo sagte, sie seien "das Beste, was er seit Jahren gehört hat".

Und wenn schon die Rede von Joni Mitchell, der "Lady of the Canyon", ist, über die auch Barney Hoskyns in einem sehr lesenswerten Artikel im Guardian schreibt – sie singt eine Neuinterpretation ihres Klassikers "Both Sides Now", der in dieser Version auf dem gleichnamigen Best-of-Album erschien. Die ursprüngliche Version kam 1969 raus, auf dem Erfolgsalbum Clouds.

"I met a woman / She had a mouth like yours / She knew your life / She knew your devils and your deeds / And she said / Go to him, stay with him if you can / But be prepared to bleed" – so singt die Kanadierin in einem meiner liebsten Mitchell-Songs, den K.d. lang für ihr Coveralbum Hymns of the 49th Parallel noch mal neu aufnahm:

Eine Platte, die schon seit Jahren in meinem CD-Stapel jedem Winter entgegenfiebert, ist A Girl Called Eddy. Dahinter steckt die Amerikanerin Erin Morin, die vor den Aufnahmen der Songs ihre Zeit hinter dem Empfangstresen eines Tonstudios verbrachte. Ihre Helden traf Morin aber wohl erst danach, wie sie dem kanadischen Now Magazine erzählte, das die Musikerin mit Dusty Springfield und Aimee Man verglich. Auch der Bezug zu Burt Bacharach ist nicht ganz verkehrt, wie der folgende Song zeigt:


Der Name 'Eddy' in A Girl Called Eddy weist auf ihr weibliches Geschlecht hin, die Künstlerin Gregory and the Hawk dagegen dürfte vom Namen her kaum für die schüchterne Singer/Songwriterin gehalten werden, die sie auf der Bühne ist. Mit Leche veröffentlicht die Amerikanerin diese Woche ihr drittes Album, das sie im November auch in Deutschland vorstellte. Live ist Meredith Godreau, die Frau hinter dem männlichen Pseudonym, zwar nicht ganz so überzeugend, aber ihre Gitarren- und Harfenspiel klingt auf Platte durchaus heimelig. Mephisto 97.6, das Lokalradio der Uni Leipzig, hat Leche zum Album der Woche gemacht. Das Fazit des Uniradios: Melancholie, der man nicht "zu schnell überdrüssig" werde.

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Geschrieben von

Verena Reygers

Musikfetischistin, Feministin, Blames it on the Boogie

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